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DE19616645A1 - Verfahren zum Gentransfer in tierische Zellen - Google Patents

Verfahren zum Gentransfer in tierische Zellen

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Publication number
DE19616645A1
DE19616645A1 DE1996116645 DE19616645A DE19616645A1 DE 19616645 A1 DE19616645 A1 DE 19616645A1 DE 1996116645 DE1996116645 DE 1996116645 DE 19616645 A DE19616645 A DE 19616645A DE 19616645 A1 DE19616645 A1 DE 19616645A1
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DE
Germany
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protein
transfection
dna
proteins
fractions
Prior art date
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Withdrawn
Application number
DE1996116645
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English (en)
Inventor
Michael Dr Boettger
Wolfgang Dr Arnold
Sergei V Zaitsev
Anne-Kathrin Dr Haberland
Current Assignee (The listed assignees may be inaccurate. Google has not performed a legal analysis and makes no representation or warranty as to the accuracy of the list.)
Max Delbrueck Centrum fuer Molekulare in der Helmholtz Gemeinschaft
Original Assignee
Max Delbrueck Centrum fuer Molekulare in der Helmholtz Gemeinschaft
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Publication date
Application filed by Max Delbrueck Centrum fuer Molekulare in der Helmholtz Gemeinschaft filed Critical Max Delbrueck Centrum fuer Molekulare in der Helmholtz Gemeinschaft
Priority to DE1996116645 priority Critical patent/DE19616645A1/de
Publication of DE19616645A1 publication Critical patent/DE19616645A1/de
Withdrawn legal-status Critical Current

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    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C12BIOCHEMISTRY; BEER; SPIRITS; WINE; VINEGAR; MICROBIOLOGY; ENZYMOLOGY; MUTATION OR GENETIC ENGINEERING
    • C12NMICROORGANISMS OR ENZYMES; COMPOSITIONS THEREOF; PROPAGATING, PRESERVING, OR MAINTAINING MICROORGANISMS; MUTATION OR GENETIC ENGINEERING; CULTURE MEDIA
    • C12N15/00Mutation or genetic engineering; DNA or RNA concerning genetic engineering, vectors, e.g. plasmids, or their isolation, preparation or purification; Use of hosts therefor
    • C12N15/09Recombinant DNA-technology
    • C12N15/87Introduction of foreign genetic material using processes not otherwise provided for, e.g. co-transformation

Landscapes

  • Genetics & Genomics (AREA)
  • Health & Medical Sciences (AREA)
  • Engineering & Computer Science (AREA)
  • Life Sciences & Earth Sciences (AREA)
  • Chemical & Material Sciences (AREA)
  • Wood Science & Technology (AREA)
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  • Biotechnology (AREA)
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Description

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Gentransfer in tierische Zellen und dient zur Übertragung genetischer Information in kultivierte Säugerzellen (Transfektion) und in isolierte Gewebe und Organe in vitro (Explantate, Biopsie- und OP-Material). Sie ist in der medizinischen und biologischen Grundlagenforschung, insbesondere in Vorstudien zur Gentherapie (Untersuchungen zur Zugänglichkeit bestimmter Zellarten innerhalb von Organen, Testung verschiedener Promotoren) und in der pharmazeutischen Industrie einsetzbar.
Zum Gentransfer in kultivierte Säugerzellen (Transfektion) sind eine Anzahl von Verfahren bekannt geworden, die mit unterschiedlicher Effizienz bei verschiedenen Zelltypen arbeiten. Zu den wichtigsten zählen die Kalziumphosphat-DNA-Kopräzipitation, die Lipofektion und die Elektroporation, aber auch Virushüllproteine, chromosomale Proteine und synthetische kationische Polyaminosäuren wurden eingesetzt. Eine interessante Variante, die stark im Kommen ist, ist die Anknüpfung von Liganden für Zelloberflächenrezeptoren an durch z. B. mit Polylysin kondensierte DNA. Zu nennen ist hier die Transferrinfektion, bei der als Ligand das ubiquitäre Transferrin verwendet wird. Die kondensierte DNA wird über die Transferrin-Rezeptor-Wechselwirkung an die Zelloberfläche herangeführt und über Endozytose in die Rezipientenzelle eingeschleust (E. Wagner et. al.: Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 87 (1990), 3410-3414). Man kann wohl heute bei den meisten Anwendungsfällen für die in vitro Transfektion ein geeignetes und hinreichend effizientes Verfahren finden. Hauptnachteil ist das Fehlen einer universellen Methode und der häufige Einsatz von unphysiologischen Substanzen und Bedingungen, die zu einer Zellschädigung führen können. Hierauf ist häufig die Toxizität derartiger Verfahren beim in vivo Gentransfer zurückzuführen. Weitere Erfordernisse, die nur selten erfüllt sind, sind eine einfache Handhabung und ein günstiger Preis. Der derzeitige Kenntnisstand auf diesem Gebiet ist u. a. ausführlich in "Gene transfer and expression protocols" in Methods in Molecular Biology, Volume 7, 1991, E.J. Murray, ed., Humana Press, Clifton, N.J., beschrieben.
Forderungen, die heute an Transfektionsmethoden zu knüpfen sind, gehen über eine effiziente Transfektion und Expression von Fremdgenen in Zellkultur hinaus, sollen aber diese mit einschließen. Im Hinblick auf die Einführung der Gentherapie werden gegenwärtig etablierte Transfektionstechniken auf ihre Anwendbarkeit beim nichtviralen in vivo Gentransfer getestet. Bisher ist praktisch noch keine effiziente Methode des nichtviralen Gentransfers in ganze Organismen beschrieben worden. Die Ursachen sind vielfältig. Erwähnt sei die Größe der DNA-Kondensate, die häufig den Transport durch die Mikrokapillaren der Lunge und des peripheren Blutkreislaufs erschwert, der vorzeitige Abbau der Fremd-DNA in den Endosomen, der mangelnde Schutz gegen Scherkräfte und nukleolytische Enzyme sowie Toxizitäts- und Immunitätsprobleme. Ein als aussichtsreich angesehenes Verfahren, das auf Liposomen, einem inaktivierten Virus (Sendai-Virus) und dem Nichthistonprotein HMG1 beruht (Y. Kaneda et. al.: Science 243 (1989), 375-378), erwies sich international als sehr schwer reproduzierbar. Physikalische Transfersysteme, wie der Partikelbeschuß, erfordern einen hohen experimentellen Aufwand und befinden sich ebenfalls noch im Experimentalstadium.
Auch für den Gentransfer in explantierte Gewebe- und Organproben (Explantate, OP-Material), der als ein vereinfachender Modellfall für den in vivo Gentransfer anzusehen ist, wurden bisher keine geeigneten Methoden beschrieben.
Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, ein kostengünstiges, vielseitig anwendbares und hocheffizientes Verfahren zur Transfektion zu entwickeln, das es gestattet kultivierte Säugerzellen in vitro und explantierte Gewebe- und Organproben zu transfizieren und das sich potentiell auch zum Gentransfer in vivo in ganze Organismen eignet.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Ansprüche realisiert.
Das erfindungsgemäße Verfahren zum Gentransfer in tierische Zellen ist dadurch gekennzeichnet, daß man zum Transport von DNA-Sequenzen vorgesehene Vektor-DNA mit Proteinfraktionen des Zellkerns oder daraus einzeln aufgereinigten Proteinen in Wechselwirkung bringt und die gebildeten kondensierten und/oder aggregierten Protein-DNA-Komplexe zur Transfektion mit Rezi­ pientenzellen in Verbindung bringt.
Die Proteinfraktionen bzw. die aufgereinigten Proteine werden im Überschuß zur Vektor-DNA eingesetzt.
Die Proteinfraktionen werden durch saure Extraktion von Zellkernen und Fällung erhalten, wobei man zur Extraktion der Zellkerne 5% Perchlorsärue (PCA) bzw. 0,4 N Schwefelsäure und zur Gewinnung der transfektionsaktiven Proteinfraktionen durch fraktionierte Fällung 2 bis 6,5 Volumen Aceton, vorzugsweise bis 3,5 Volumen Aceton in Schritten von 0,5 Volumen bzw. bei Verwendung von Schwefelsäure zur Fällung 3,5 Volumen Aceton verwendet.
Zum Erreichen einer weiteren Erhöhung der Transfektionsaktivi­ tät werden die Proteinfraktionen mittels chromatographischer Verfahren, z. B. FPLC (fast protein liquid chromatography) einer weiteren Aufreinigung unter Einsatz von Anionen- und Kationenaustauschern unterzogen.
Es können zur Transfektion auch die einzeln aufgereinigten Proteine, Histon H1, die Histone H2a, H2b, H3 und H4, entweder getrennt oder in äquimolarer Mischung und das Nichthistonprotein HMG 17 und weitere nichtidentifizierte Proteine, die in wechselnder Menge als Bestandteil der Fraktion vorkommen, eingesetzt werden.
Der erfindungsgemäße Protein-DNA-Komplex wird durch schrittweises Mischen oder durch Dialyse hergestellt, wobei divalente Kationen, insbesondere Kalzium, in der trans­ fektionsaktiven DNA-Protein-Mischung und im Zellkulturmedium anwesend sind.
Es besteht eine reverse Relation zwischen Ca-Konzentration im Zellkulturmedium und Inkubationszeit der Zellen mit den Protein-DNA-Komplexen. Bei einer Inkubationszeit von 4 Stunden ist eine Ca-Konzentration im Zellkulturmedium von 2-4 mM CaCl₂ optimal.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist zur in vitro Zelltransfektion mit transienter und stabiler Expression, zur in vitro Transfektion von Gewebe- oder Organexplantaten, wie Biopsie- und OP-Material, und zum in vivo Gentransfer geeignet.
Zur Verbesserung der Expression bei der Gewebetransfektion xenotransplantiert man transfizierte Gewebeexplantate in immunodefiziente Tiermodelle (z. B. nude, scid), beläßt diese dort für einige Tage und entnimmt sie dann zur Analyse der transfizierbaren Zellarten innerhalb des Explantates. Man kann auch über die Gewebetransfektion und syngene Transplantation einen in vivo Gentransfer durchführen.
Im Einzelnen läuft das erfindungsgemäße Verfahren wie folgt ab:
  • 1. Aus frisch entnommenem oder tiefgefrorenem Kalbsthymus bzw. aus anderen Organen werden die Zellkerne isoliert und ein Gesamtextrakt der chromosomalen Proteine hergestellt. Dies kann mit Hilfe von Säureextraktionsmethoden (Perchlorsäure PCA], Schwefelsäure) bzw. mit Hilfe der Salzextraktion (Kochsalz, Ammoniumsulfat) erfolgen. Die extrahierten Proteine werden mit 6 Volumen Aceton gefällt und getrocknet. Andere Fällungsmittel sind Äthanol, Methanol und Trichloressigsäure (TCA) bzw. hydrophobische Medien.
  • 2. Nach Lösen des Gesamtproteins in physiologischem Puffer werden Proteinfraktionen durch fraktionierte Acetonfällung mit ansteigendem Volumen in Schritten von je 0,5 Volumeneinheiten Aceton, beginnend mit 2 Vol Aceton gewonnen. Nach jedem Fällungsschritt wird nach Abzentrifugieren des gefällten Proteins der Überstand mit einer weiteren Portion Aceton versetzt und die nächste gefällte Fraktion erhalten. Auf ähnliche Weise kann man mit anderen Fällungsmitteln verfahren.
  • 3. Die Fraktionen, die man durch Fällung mit 2 Volumen bis 6,5 Volumen Aceton erhält, erweisen sich nach dem unten beschriebenen Transfektionsansatz als transfektionsaktiv. Sie enthalten in wechselnder Zusammensetzung neben dem H1-Histon die großen und kleinen HMG-Proteine und weitere Proteine. Das Transfektionsmaximum liegt bei 3 Volumen Aceton. Aus der Zusammensetzung der aktiven Fraktionen, die man durch Polyacrylamidgelelektrophorese im Essigsäure/Harnstoff- System erhält, ergibt sich, daß die Proteine H1, HMG17, HMG1 und HMG2 neben weiteren Proteinen an der Transfektion beteiligt sind. HMG1 und HMG2 wurden bereits als transfektionsaktive Proteine identifiiziert (M. Böttger et al. DD 2 56 148, Biochim. Bioophys. Acta 950 (1988) 221-228). H1-Histon erwies sich unter den hier erprobten Transfektionsbedingungen auch allein als transfektionsaktiv und zeigt eine hohe Effizienz.
  • 4. Transfizierende Komplexe mit der Vektor-DNA werden durch Mischung der Konstituenten DNA und Protein in Gegenwart von divalenten Kationen hergestellt. Als Protein können die o.g. Fraktionen, H1-Histon, die Histone H2a, H2b, H3 und H4, HMG 17 und HMG1/2 dienen. Die Anwesenheit von divalenten Kationen, z. B. Ca⁺⁺, ist für das Erreichen hoher Transferraten essentiell.
  • 5. Die Transfektion erfolgt einfach durch die Addition der Komplexe zum Zellkulturmedium, das ebenfalls divalente Kationen enthält und weiter durch die Addition dieser Transfektions­ mischung zu den Zellen. Die Transfektionsmischung wird in Abhängigkeit von der Zellverträglichkeit einige Stunden mit den Zellen unter den üblichen Bedingungen inkubiert. Nach Wechsel zum normalen Kulturmedium wird bis zum Fremdgen-Assay bzw. bis zum Beginn der Selektion weiter inkubiert.
  • 6. Mit dieser Methode lassen sich auch Gewebe- bzw. Organproben (z. B. humanen Ursprungs aus Biopsien oder OP-Material) trans­ fizieren. Diese Materialien, soweit sie ausreichend vital sind, werden in den beschriebenen Transfektionsmischungen inkubiert und können anschließend auf die Anwesenheit der Fremdgene (z. B. Lac Z als Reportergen) analysiert werden. Eine Transplantation in immundefiziente Versuchstiere (z. B. nude- oder scid-Mäuse) verstärkt die Fremdgenexpression.
Anschließend wird die Erfindung an Beispielen erläutert, auf die sie aber nicht beschränkt sein soll.
Ausführungsbeispiele 1. In vitro-Transfektion von NIH3T3-Zellen mit säureextrahierten Kernfraktionen und H1-Histon aus Kalbsthymus
a) Herstellung der Kernfraktionen (in Anlehnung an C. Sanders, E. W. Jones: Biochem. Soc. Trans. 2 (1974), 547-550):
Tiefgefrorener Kalbsthymus (ca. 50 g) wird mechanisch zerkleinert und grob im Puffer I, der auch bei allen weiteren Schritten Anwendung findet, homogenisiert (Ultraturrax). Um nicht die Kerne zu schädigen, erfolgt die Feinhomogenisierung per Hand in einem Potter-Homogenisator. Nach Grobfiltration wird zur Kernisolierung das Homogenisat bei ca. 50 × g für 20 min zentrifugiert. Die resultierenden Kerne sollen ein gelartiges, weißes Pellet bilden. Der Gewebeaufschluß und die gesamte Kernisolierung wird bei 0°C durchgeführt. Nach einem Waschschritt in Puffer I zur Entfernung von Fett werden die Kerne unter Kühlung vorsichtig mit kurzen Ultraschallimpulsen aufgeschlossen, mit 5% Perchlorsäure im Potter-Homogenisator per Hand extrahiert und 1,5 Stunden auf Eis gehalten. Die Extrakte werden weiter bei ca. 7000 × g zentrifugiert, der Überstand gesammelt und auf Eis gekühlt. Nach einer weiteren Extraktion der Pellets werden die Proteine aus dem Überstand mit 6 Volumen (V) kalten Aceton in Gegenwart von 0,1 M HCl über Nacht bei -20°C gefällt. Das gefällte Protein wird bei 6000 × g für 10 min bei -15°C abzentrifugiert und getrocknet. Nach Lösen in physiologischem Puffer wird eine Fraktionierung durch schrittweise Addition der folgenden Volumen (V) kalten Aceton/0,1 M HCl 1 V, 2 V, 2,5 V, 3 V, 3,5 V, 4,5 V, 5,5 V, 6,5 V erreicht. Die Proteine werden jedes Mal durch Zentrifugation bei 6000 × g bei -15°C abzentrifugiert und das nächste Volumen Aceton zum Überstand addiert. Die gesammelten Proteine werden mehrfach mit reinem Aceton gewaschen, getrocknet (lyophilisiert) und in getrocknetem Zustand bei -20°C aufbewahrt.
Puffer I: 0,05 M NaCl, 0,1 M KCl, 1 mM MgCl₂, 0,01 M Tris-HCl, pH 7,4, 1 mM DTT, 50 mM PMSF.
b) Weitere Separierung und Aufreinigung der Kernfraktionen:
Eine weitere Aufreinigung der so erhaltenen Kernfraktionen erfolgt durch FPLC (fast protein liquid chromatography), wobei die Erhöhung der Transfektionseffizienz als Kriterium für die fortschreitende Aufreinigung fungiert. Sowohl der Einsatz von starken Anionenaustauschern (Mono Q) als auch von Kationenaustauschern (Mono S) der Firma Pharmacia sowie deren Kombination führen zu Fraktionen mit weiter erhöhter Transfektionseffizienz. Beschrieben wird hier die Aufreinigung der 3,5 V-Fraktion. Nach Anwendung der Mono Q-Säule erwies sich die nicht an die Säule bindende Proteinfraktion (Ausschluß) am effektivsten. Sie wird hier 3,5 VA genannt. Die weitere Fraktionierung der 3,5 VA-Fraktion auf einer Mono S-Säule führte zu einer Reihe von Subfraktionen (3,5 VA S3-S9). Im einzelnen: Die lyophilisierte Fraktion 3,5 V wurde in Puffer A gelöst und in einer Konzentration von 2 mg/ml auf die Säule Mono Q HR 5/5 aufgetragen. Die Elution erfolgte durch einen Salzgradient von 3-73% in Puffer B. Die resultierende Ausschluß-Fraktion 3,5 VA wurde nach Fällung, Lyophilisierung und Aufnahme in Puffer A auf die Säule Mono S HR 5/5 aufgetragen und in analoger Weise mit dem gleichen Salzgradienten, aber in Puffer C eluiert. Die Protein­ zusammensetzung der untersuchten Fraktionen wurde durch Polyacrylamidgelelektrophorese im Säure-Harnstoff-System (S. Paniym, R. Chalkley: Arch. Biochem. Biophys. 130 (1969), 337-346) untersucht.
Puffer A: 0,02 M NaCl, 0,05 M Tris-HCl, pH 7,4, 0,02 M β-Mercaptoethanol,
Puffer B: 0,82 M NaCl, 0,05 M Tris-HCl, pH 7,4, 0,02 M β-Mercaptoethanol,
Puffer C: 1,82 M NaCl, 0,05 M Tris-HCl, pH 7,4, 0,02 β-Mercaptoethanol.
c) Herstellung transfektionsaktiver Protein-DNA-Komplexe und Transfektion:
Vektor-DNA und Protein werden bei Zimmertemperatur in physiologischem Puffer (0,15 M NaCl, 10 mM Tris-HCl, pH 7,6) und in Gegenwart von 2 mM CaCl₂, bezogen auf 100 µl Gesamtansatz, gemischt. Um Trübungen zu vermeiden, wird das Protein schrittweise in Portionen zur DNA zugesetzt. Im allgemeinen wird ein Endverhältnis von Protein/DNA von ca. 20 eingestellt, höhere Protein/DNA-Ratios resultieren nicht in höherer Transfektionseffizienz. Vor der Transfektion werden die Komplexe etwa 15 min geschüttelt. Für die in vitro Transfektion werden i.a. 2 × 10⁵ Zellen, hier NIH 3T3, und 2 µg DNA eingesetzt. Die fertigen Komplexe (100 µl) werden direkt ins Kulturmedium gegeben, das 8 mM Calciumchlorid enthält, und nach Umschütteln zu den Zellen addiert. Die Transfektionsmischung bleibt 4 Stunden auf den Zellen, die Zellen werden dann mit RPMI gewaschen, frisches Kulturmedium (RPMI, 10% FKS) hinzugefügt und ca. 24 Std. wie üblich inkubiert. Anschließend wird mit dem Assay bzw. bei stabiler Expression mit der Selektion begonnen. Die Transfereffizienz kann am einfachsten mit Reportergenen (pCMVLuci und pSVβgal) abgeschätzt werden. Die Nachweismethoden sind Routine und werden hier nicht weiter beschrieben (z. B. Gene Transfer and Expression Protocols, Methods in Molecular Biology Vol. 7, E.J. Murray, ed., Humana Press, Clifton, N.J.).
d) Ergebnisse:
Die Ergebnisse von Transfektionsversuchen zur transienten Transfektion mit dem Luciferasegen (pCMVβgal) in NIH 3T3-Zellen als Komplex mit den durch Acetonfällung erhaltenen Proteinfraktionen 1 V-6,5 V werden in Abb. 1 dargestellt. Das übertragene Gen induziert in Gegenwart von Luciferin eine Lichtemission, die in Form von relativen Lichteinheiten an einem Luminometer (Berthold, Lumat) gemessen werden kann.
Die Abb. 1 zeigt, daß ausgehend von 2 V Aceton bis zu 3,5 V eine hohe Transfektionseffizienz erhalten wird (Maximum bei 3 V). Freie DNA als Negativkontrolle ist inaktiv und liefert Werte, die dem Leerwert (ca. 2000 RLU) zuzuordnen sind. Oberhalb 3,5 V nimmt die Effizienz ab, eine geringe Transfektion wird jedoch noch bei 6,5 V erhalten. Hieraus ist zu schließen, daß insbesondere bis zu 3,5 V Aceton Proteinkomponenten mit hoher Transfektionsaktivität enthalten sind.
Die gelelektrophoretische Analyse im Essigsäure/Harnstoff-System (nicht gezeigt) erbrachte das Ergebnis, daß insbesondere von 2 bis 2,5 V Aceton in Gegenwart von CaCl₂ das H1-Histon die entscheidende Komponente ist. Ab 3,5 V spielen auch HMG17 sowie HMG1 und 2 eine Rolle. Des weiteren sind nichtidentifizierte Proteinkomponenten beteiligt. HMG1 und 2 sind bereits als transfektionsaktive Proteine identifiziert worden (M. Böttger et. al. DD 2 56 148 A1, Biochim. Biophys. Acta 950 (1988), 221-228).
Um die Transfektionsaktivität von gereinigtem H1 in Gegewart von CaCl₂ zu beweisen, wurde ein Transfektionsversuch wie oben, mit kommerziellem H1 durchgeführt (Calbiochem Lot B12480).
Abb. 2 zeigt eine hohe Transfektionseffizienz von H1 in der Gegenwart von CaCl₂. In Abwesenheit von Ca ist H1 inaktiv (nicht gezeigt). Zum Vergleich ist auch die Transfektionseffizienz von FPLC-gereinigtem HMG1 dargestellt.
Abb. 3 zeigt die Transfektionsaktivität einer Serie von Proteinfraktionen, die den Effekt verschiedener Reinigungsschritte, angefangen vom ungereinigtem Gesamtprotein (Σ PCA) bis hin zum hocheffektiven, durch 2 FPLC-Säulen aufgereinigtem Protein (3,5 VA S8) demonstriert. Es sei erwähnt, daß in diesem Fall noch keine Aufreinigung zur Homogenität beobachtet wird. Die Essigsäure/Harnstoff-Proteinelektrophorese zeigt, daß neben H1-Histon noch das HMG-Protein HMG17 und weitere unbekannte Minorfraktionen vorhanden sind (nicht gezeigt).
2. Transfektion von Gewebeproben
Arteriensegmente (Aorta carotis) wurden Ratten entnommen und nach Spülung in isotonischer NaCl-Lösung in Zellkulturmedium (RPMI, 10% fötales Kälberserum) zwecks Aufbewahrung bis zu 16 Stunden aufgenommen. Vitalitätskontrollen anhand der Prostaglandinsekretion bzw. durch Xenotransplantation in nude und scid Mäuse zeigten einen hohen Vitalitätsgrad über mehrere Tage an. Die Arterien wurden in analogen Transfektionsmischungen wie bei der in vitro Transfektion (3 V, 3,5 V), jedoch pSVβgal enthaltend, für 16 Stunden inkubiert. Mit diesem Reporterplasmid kann man nach gelungener Einschleusung in die Zellen eine intensive Blaufärbung nach Anfärbung mit dem Farbstoff X-gal und histochemischer Analyse erzielen. (Lit. Gene transfer and expression protocols, wie oben). Die Arterienproben werden nach Spülung wie oben für 2 Stunden in 10% FKS, 8 mM CaCl₂ inkubiert, anschließend für 24 Stunden in 10% FKS inkubiert und für die histochemische Analyse tiefgefroren. Ein Teil der Arterienstücke wird nach der Inkubation in nude oder scid Mäuse xenotransplantiert.
Die histochemische Analyse erbrachte sowohl bei den direkt untersuchten, als auch bei den transplantierten Aorten eine intensive Blaufärbung sowohl der luminalen Endothelien, als auch der Adventitia. Auch eine Anfärbung der glatten Muskelzellen ist nachweisbar. Nach der Xenotransplantation in eine scid-Maus ist deutlich eine Expressionszunahme erkennbar. Die beobachtete Expressionszunahme ist auf die verbesserte Stoffwechsellage der transplantierten Aorta zurückzuführen, die in einer Steigerung der Transkription des eingeschleusten Fremdgens resultiert.

Claims (13)

1. Verfahren zum Gentransfer in tierische Zellen, dadurch gekennzeichnet, daß man zum Transport von DNA-Sequenzen vorgesehene Vektor-DNA mit Proteinfraktionen des Zellkerns oder einzeln daraus aufgereinigten Proteinen in Wechselwirkung bringt, die gebildeten kondensierten und/oder aggregierten Protein-DNA-Komplexe zur Transfektion mit Rezipientenzellen in Verbindung bringt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Proteinfraktionen durch saure Extraktion von Zellkernen und Fällung erhält.
3. Verfahren nach Anspruch 1-2, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Extraktion der Zellkerne 5% Perchlorsäure (PCA) und zur Gewinnung der transfektionsaktiven Proteinfraktionen durch fraktionierte Fällung 2 bis 6,5 Volumen Aceton, vorzugsweise bis 3,5 Volumen Aceton in Schritten von 0,5 Volumen verwendet.
4. Verfahren nach Anspruch 1-2, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Extraktion der Zellkerne 0,4 N H₂SO₄ und zur Gewinnung der transfektionsaktiven Proteinfraktion durch Fällung 3,5 Volumen Aceton verwendet.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß man die Proteinfraktionen mittels chromatographischer Verfahren, z. B. FPLC (fast protein liquid chromatography) einer weiteren Aufreinigung unter Einsatz von Anionen- und Kationenaustauschern unterzieht.
6. Verfahren nach Anspruch 1-5, dadurch gekennzeichnet, daß man die einzeln aufgereinigten Proteine, Histon H1, die Histone H2a, H2b, H3 und H4, entweder getrennt oder in äquimolarer Mischung und das Nichthistonprotein HMG 17 und weitere nichtidentifizierte Proteine, die in wechselnder Menge als Bestandteil der Fraktionen vorkommen, zur Transfektion verwendet.
7. Verfahren nach Anspruch 1-6, dadurch gekennzeichnet, daß die Proteinfraktionen bzw. die aufgereinigten Proteine im Überschuß zur Vektor-DNA eingesetzt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 1-7, dadurch gekennzeichnet, daß die Protein-DNA-Komplexe durch schrittweises Mischen oder durch Dialyse hergestellt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, daß divalente Kationen, insbesondere Kalzium, in der transfek­ tionsaktiven DNA-Protein-Mischung und im Zellkulturmedium anwesend sind.
10. Verwendung von Protein-DNA-Komplexen, die man erhält, indem man zum Transport von DNA-Sequenzen vorgesehene Vektor-DNA mit Proteinfraktionen des Zellkerns oder daraus einzeln aufgerei­ nigten Proteinen in Wechselwirkung bringt, zur in vitro Zelltransfektion.
11. Verwendung von Protein-DNA-Komplexen, die man erhält, indem man zum Transport von DNA-Sequenzen vorgesehene Vektor-DNA mit Proteinfraktionen des Zellkerns oder daraus einzeln aufgerei­ nigten Proteinen in Wechselwirkung bringt, zur in vitro Transfektion von Gewebe- oder Organexplantaten, wie Biopsie- und OP-Material.
12. Verwendung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß man die transfizierten Gewebeexplantate zur Verbesserung der Expression in immunodefiziente Tiermodelle (z. B. nude, scid) xenotransplantiert, sie dort für einige Tage beläßt und dann zur Analyse der transfizierbaren Zellarten innerhalb des Explantates entnimmt.
13. Verwendung von Protein-DNA-Komplexen, die man erhält, indem man zum Transport von DNA-Sequenzen vorgesehene Vektor-DNA mit Proteinfraktionen des Zellkerns oder daraus einzeln aufgerei­ nigten Proteinen in Wechselwirkung bringt, zum in vivo Gentransfer.
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Cited By (4)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
EP0908521A1 (de) * 1997-10-10 1999-04-14 Hoechst Marion Roussel Deutschland GmbH Transfektionssystem für die Übertragung von Nukleinsäuren in Zellen
WO1999019502A1 (en) * 1997-10-10 1999-04-22 Aventis Pharma Deutschland Gmbh Transfection system for the transfer of nucleic acids into cells
EP0967288A1 (de) * 1998-06-16 1999-12-29 Hoechst Marion Roussel Deutschland GmbH Transfektionssystem für den Transfer von Nukleinsäuren in Zellen
WO2002063026A1 (en) * 2001-02-08 2002-08-15 Geneporter, Inc. Complexes and components thereof for introducing polynucleotides into eukaryotic cells

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