DE19614682A1 - Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und Kalkmilchverseifung - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und KalkmilchverseifungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid (PO) durch
Chlorhydrinierung von Propylen und Kalkmilchverseifung der dabei entstehenden wäßrigen
Propylenchlorhydrin(PCH)-Lösung mit dem Ziel der Gewinnung einer recycelfähigen
Kalkmilch und der gleichzeitigen AOX-Absenkung des Prozeßabwassers.
Die PO-Herstellung durch Chlorhydrinierung des Propylens mit Chlor in überschüssigem
Wasser und anschließende Verseifung der wäßrigen PCH-Lösungen mit Kalkmilch ist
allgemein bekannt und wird seit Jahrzehnten in großem Maßstab industriell praktiziert
(Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 5. Aufl., Vol. A22, S. 242 (1985)).
Die Kalkmilch wird in Verseiferapparaturen im Überschuß der wäßrigen PCH-Lösung
zugesetzt (DE 12 32 939, DE 16 43 847). Der ungelöste Kalküberschuß verläßt die Verseifer
suspendiert im Prozeßabwasser und wird in Absetzbecken oder in Eindickern abgetrennt
(DE 12 91 328). Der feste Abkalk wird auf einer Halde deponiert bzw. abgelagert und das von
suspendiertem Kalk befreite Abwasser einer geeigneten Kläranlage zugeführt oder das gesamte
Prozeßabwasser wird mit Salzsäure, Zwangsanfallsäuren bzw. ihren wäßrigen Lösungen
neutralisiert und als Salzlast einem Vorfluter zugeführt. Die Ausschleusung von Abkalk oder
Prozeßabwasser ist aufgrund des Inertegehaltes unverzichtbar und hängt von Art und Menge
des Inertegehaltes der eingesetzten Kalksorte ab. Des weiteren ist bekannt, daß das kalkhaltige
Prozeßabwasser zur Energierückgewinnung durch Wärmetauscher geleitet bzw. zum Ansetzen
neuer Kalkmilch verwendet wird (DE 9 37 947).
Von Nachteil ist es, daß beim Arbeiten nach dem Stand der Technik große Mengen
nichtumgesetzten Kalkes der eigentlichen Reaktion verlorengehen und den Material
einsatzkoeffizienten für Kalk um 15 bis 75% über das theoretisch notwendige Maß hinaus
vergrößern sowie durch Erhöhung der Salzlast in den Vorflutern die Umwelt zusätzlich
belasten. Ein Gegensteuern durch zu starkes Reduzieren des Kalküberschusses führt in der
Regel zu einem Absinken der Alkalität unter das für die Neutralisation und Verseifung
unbedingt notwendige Niveau. Im Falle einer Energierückgewinnung gestaltet sich der
Wärmetausch mit suspendiertem Kalk infolge des Feststoffgehaltes schwierig. Darüber hinaus
ist von Nachteil, daß durch Verwendung des kalkhaltigen Prozeßabwassers zur
Kalkmilchbereitung aufgrund der Mengenverhältnisse von Ansatzwasser und Prozeßabwasser
immer nur ein Bruchteil des überschüssigen Kalkes wiederverwendet werden kann.
Die PO-Herstellung nach der Chlorhydrinierungsroute geht mit der Bildung chlororganischer
Verbindungen einher und stellt deshalb einen für die Umweltbelastung relevanten Prozeß dar.
Zum Schutze der Umwelt müssen aufgrund von Grenzwertvorgaben am Ausgang von
Chlorhydrinanlagen Gehalte an Adsorbierbaren Organischen Halogenverbindungen (AOX-
Werte) kleiner 1 mg/l eingehalten werden.
Die AOX-Bildung ist der PO-Herstellung nach der Chlorhydrinroute immanent. Die
Hauptreaktion führt über Propylenchlorhydrine (PCH) zum PO. Als Nebenprodukte
entstehen 1,2-Dichlorpropan (DCP) und die isomeren Dichlordipropylether, vorwiegend
Dichlordiisopropylether (DCIPE). Eine vollständige Vermeidung dieser als primäre Reak
tionsprodukte anfallenden Nebenprodukte DCP und DCIPE ist nicht möglich. Ihre Bildung
kann aber durch einen großen Wasserüberschuß (Gewichtsverhältnis Wasser : Propylen = 50 : 1)
auf ein Mindestmaß zurückgedrängt werden (Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry,
5. Aufl., Vol. A 22, S. 242 (1985)).
Ebenfalls in der Chlorhydrinierungsstufe entstehen durch radikalische Chlorierung der
Ausgangs- und primären Reaktionsprodukte sowie durch Chlorhydrinierung der dabei
gebildeten ungesättigten Verbindungen weitere AOX-Bildner wie die Chlorpropene (CP), die
Tri- und Tetrachlorpropane, vorwiegend das 1,2,3-Trichlorpropan (TCP), die Trichlor
dipropylether, vorwiegend der Trichlordiisopropylether (TCIPE), die Dichlorhydrine (DCH)
und die homologe Reihe der Chloracetone. Obwohl in der Verseifungsstufe der größte Teil der
in der Chlorhydrinierung gebildeten AOX-Verbindungen zu chlorfreien Reaktionsprodukten
umgesetzt bzw. über Kopf abgerieben wird, verbleibt ein sehr kleiner (ppm-Bereich), jedoch
aus Sicht des Umweltschutzes immer noch zu großer Teil an AOX-Verbindungen im
Verseiferabwasser. Darüber hinaus werden auch in der Verseifungsstufe neue AOX-Bildner
erzeugt. So führt die Umsetzung der Dichlorhydrine zu Epichlorhydrin (EpCH) und
anschließend zu Monochlor-propylenglycol (MCPG). Aus den einseitig perchlorierten
Acetonen entstehen Chloroform (CF) und Calciumacetat, aus anderen homologen
Chloracetonen werden Mono-, Di- und Trichloracetate (MCA, DCA, TCA) gebildet.
Von großem Nachteil ist es, daß insbesondere die letzteren AOX-Verursacher nichtflüchtig
sind und durch thermische Prozesse nicht abgetrieben werden können. Beim Arbeiten nach
dem Stande der Technik wird deshalb der oben genannte Vorgabegrenzwert am Ende einer
Chlorhydrinanlage nicht erreicht. Des weiteren ist von Nachteil, daß der suspendierte Kalk
AOX-Bildner adsorptiv bindet und der Abkalk deshalb durch AOX kontaminiert ist. Eine
Kalkablagerung kann deshalb nur auf Sonderdeponien erfolgen.
Es besteht die Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung von PO nach der Chlorhydrinroute zu
entwickeln, das die Gewinnung einer recycelfähigen Kalkmilch aus den Verseiferabwässern
einer Chlorhydrinierungsanlage mit Kalkmilchverseifung sowie deren Rückführung in den
Prozeß ermöglicht und dadurch die Materialökonomie des Gesamtprozesses verbessert und
gleichzeitig eine AOX-Absenkung im Prozeßabwasser unter den Vorgabegrenzwert von 1 mg/l
realisiert und dadurch die Umwelt schont.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß in der Chlorhydrinierungsstufe das
molare Verhältnis von Propylen zu Chlor zwischen 1,15 und 1 gewählt und so ein
Chlorüberschuß in der Chlorhydrinierungslösung vermieden wird, die Einhaltung dieses
Fahrregimes über den Gehalt an 1,1,1,3,3-Pentachloraceton (PCA) im Ablauf des
Chlorhydrinierungsreaktors gesteuert wird, zur Bereitung der Kalkmilch ein Branntkalk mit
einem CaO-Gehalt von mindestens 85% und einem SiO₂-Gehalt von maximal 6% eingesetzt
wird, das die Verseifungsstufe verlassende Kalkabwasser auf kürzestem Wege unter
Bewahrung des Wärmeinhaltes des gesamten Abwasservolumens einem Absetzbehälter mit
Krälwerk zur Kalkabtrennung zugeführt wird, wobei sich die Bauart des Behälters durch ein
Höhe-Durchmesser-Verhältnis von 0,125 bis 0,75 auszeichnet und in Abhängigkeit von den
sich im Abwasser einstellenden und den für die Abströme gewünschten Konzentrationen
Verweilzeiten von 0,5 h und 10 h eingehalten werden, der am Boden des Absetzbehälters
abgezogene, mit chlororganischen Stoffen verunreinigte Recyclingkalkstrom einem Mischgefäß
zugeführt und nach Abmischung mit Frischkalkmilch in den Prozeß zurückgeführt wird, zur
Abtrennung der Inerte eine partielle Ausschleusung von Verseiferabwasser oder Recycling
kalkmilch in solchen Mengen erfolgt, daß der Inertegehalt im Kalkmilchkreislauf 65% nicht
übersteigt, wobei die Ausschleuseströme dem nachgeschalteten Verweilzeitbehälter zugeführt
werden, der klare, nur gelöstes Calciumhydroxid, Calciumchlorid und AOX-Verbindungen
enthaltende, obere Abwasserstrom des Absetzbehälters einem Verweilzeitbehälter oder einer
Kaskade von Verweilzeitbehältern zugeführt wird, wobei vorzugsweise der erste der
Verweilzeitbehälter mit einer Laugedosierung ausgerüstet ist und die Verweilzeitbehälter durch
ein Höhe-Durchmesser-Verhältnis von 0,25 bis 5 gekennzeichnet sind und die Möglichkeit zur
Durchmischung des Inhaltes der Verweilzeitbehälter in Form von Pumpenkreisläufen besteht,
und dort in Abhängigkeit von der Menge der AOX-Verbindungen und ihrer Zusammensetzung
bei Temperaturen von 75 bis 98°C und Verweilzeiten bis zu 20 h belassen und/oder mit einer
wäßrigen Alkalilauge beliebiger Konzentration im Verhältnis Abwasserstrom zu Alkalistrom
von 2,5 bis 200 oder mit festem Alkali versetzt und umgepumpt wird.
Vorzugsweise wird in der Chlorhydrinierungsstufe das Propylen/Chlor-Verhältnis durch
Feinregulierung beider Ströme sehr nahe an das Verhältnis von 1 herangebracht. Des weiteren
bestehen bevorzugte Arbeitsweisen darin, daß zur Bereitung der Kalkmilch ein Branntkalk mit
einem CaO-Gehalt von mindestens 92% und einem SiO₂-Gehalt von maximal 1,5% eingesetzt
wird, daß sich die Bauart des Absetzbehälters durch ein Höhe-Durchmesser-Verhältnis von
0,25 bis 0,55 auszeichnet und darin Verweilzeiten von 0,5 bis 6 h eingehalten werden, daß die
Verweilzeitbehälter durch ein Höhe-Durchmesser-Verhältnis von 0,4 bis 2 gekennzeichnet sind
und darin Verweilzeiten von 0,5 bis 10 h realisiert werden, daß Kalkabtrennung und AOX-
Zersetzung im Verweilzeitbehälter bei Temperaturen von 85 bis 98°C betrieben werden und
daß der Verweilzeitbehälter zusätzlich mit einer wäßrigen Alkalilauge beliebiger Konzentration
im Verhältnis Abwasserstrom zu Alkalistrom von 2,5 bis 150 versetzt und umgepumpt wird.
Überraschend wurde gefunden, daß durch die erfindungsgemäße Verfahrensweise eine exakte
Einhaltung vorgegebener AOX-Grenzwerte in vorhandenen Chlorhydrinanlagen wie auch eine
optimale Auslegung neu zu errichtender Anlagen ermöglicht wird. Völlig überraschend und
von Vorteil ist es, daß für die Berechnung der unbedingt notwendigen Verweilzeit und daraus
resultierend der optimalen Anzahl und Größe der Verweilzeitbehälter neben dem summarischen
AOX-Wert nicht die Zusammensetzung aller AOX-Bildner erforderlich ist, sondern die
Konzentration des Dichloracetates (DCA) am Ausgang der Verseifungsstufe ausreicht und
genügend genaue Ergebnisse liefert. Des weiteren ist von Vorteil, daß die Steuerung des
Chlorhydrinreaktors zur Vermeidung des Auftretens eines Chlorüberschusses mittels des
Pentachloraceton(PCA)-Gehaltes vorgenommen werden kann. Der Vorteil dieser Arbeitsweise
besteht darin, daß bei fehlendem Propylen-Recycling die Verluste an Rohstoff vermieden und
trotzdem kein Chlorüberschuß in der Chlorhydrinierungsstufe erzeugt wird.
Eine Chlorhydrinanlage mit einer Kapazität zur Herstellung von 5t/h PO wird in der
Chlorhydrinierungsstufe mit einem Gewichtsverhältnis Wasser zu Propylen von 33 betrieben.
Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit mit der erfindungsgemäßen Fahrweise wird sie mit
einem Propylen/Chlor-Verhältnis nahe 1 beaufschlagt und durch Feinregulierung des
Propylen/Chlor-Verhältnisses so gefahren, daß ein Gehalt an PCA im Ablauf des
Chlorhydrinierungsreaktors von 8,42 mg/l nicht überschritten wird. Die Frischkalkmilch wird
aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit ebenfalls aus einem Branntkalk hergestellt, der
einen Anteil von 92,5% CaO sowie 6% Magnesium-, Aluminium- und Eisenoxide und 1,5%
Sand (SiO₂) enthält. Die Verseifungsstufe, die mit einem 1,5fachen molaren Überschuß an
Kalkmilch betrieben wird, verlassen 185,6 m³/h Verseiferabwasser, die noch den Überschuß an
Calciumhydroxid enthalten, mit einem Chloridgehalt von 32,3 g/l und einem AOX-Gehalt von
6,083 mg/l, resultierend aus Gehalten von 0,17 mg/l CF, 0,05 mg/l CP, 6,46 mg/l PCH, 1,12 mg/l
DCP, 0,11 mg/l TCP, 3,78 mg/l DCIPE, 0,005 mg/l TCIPE, 2,4 mg/l EpCH, 0,01 mg/l MCPG,
2,72 mg/l MCA, 5,18 mg/l DCA und 3,885 mg/l TCA, mit einer Temperatur von 90°C. Das
Verseiferabwasser wird über eine 1800 m lange, nicht isolierte Leitung mit einem Durchmesser
von 35 cm einem Halden-Rückhaltebecken mit den Seitenlängen von 60 und 80 m und von
diesem über Grabensysteme der Abwasserbehandlung zugeführt. Die festen Kalkbestandteile
setzen sich im Haldenbecken vollständig ab. Das Abwasser erreicht im Rückhaltebecken eine
Lamellenhöhe von 1,80 m, so daß ein effektives Volumen von ca. 8640 m³ eingenommen wird.
Die Verweilzeit im Becken beträgt demnach 46,6 h. Zeitweise wird dem Haldenbecken ein
weiterer Abwasserstrom von 100 m³/h zugeführt. Die Verweilzeit beträgt dann 30,36 h. Bei
einer Außentemperatur von 10°C verläßt das Abwasser das Haldenbecken als klare Lösung
mit einer Temperatur von 25°C (bzw. von 37°C bei zusätzlichem Abwasserstrom), einem
Chloridgehalt von 32,5 g/l (21,1 g/l) und dem der Löslichkeit entsprechenden Gehalt an
Calciumhydroxid von 0,81 g/l mit einem AOX-Gehalt von 3,37 mg/l (2,2 mg/l), resultierend aus
0,002 mg/l (0,002 mg/l) CF, 0,504 mg/l (0,326 mg/l) CP, 0,371 mg/l (0,263 mg/l) PCH, 0,498 mg/l
(0,326 mg/l) DCP, 0,049 mg/l (0,032 mg/l) TCP, 2,02 mg/l (1,334 mg/l) DCIPE, 0,003 mg/l
(0,002 mg/l) TICPE, 2,352 mg/l (1,529 mg/l) MCA, 5,18 mg/l (3,367 mg/l) DCA und 1,934 mg/l
(1,257 mg/l) TCA.
Unter den beschriebenen Reaktionsbedingungen und der aufgezeigten Anlagenkonfiguration
wird der geforderte AOX-Wert von 1 mg/l weder bei sehr langer Verweilzeit im Rückhalte
becken noch bei zusätzlicher Verdünnung erreicht. Eine Rückführung des abgesetzten, festen
Kalkes in die Produktionsanlage ist nicht möglich. Der Abkalk bleibt auf der Halde deponiert.
Infolge der, wenn auch geringen, Kontamination mit chlororganischen Verbindungen, handelt
es sich dabei um eine Sonderdeponie. Die den Vorfluter belastende Chloridlast des Abwassers
erhöht sich nach Neutralisation des gelösten Ca(OH)₂ mit Salzsäure nur geringfügig. Die
Chlorid-Konzentration des Prozeßabwassers beträgt nach der Neutralisation bei Abgabe in den
Vorfluter 33,5 g/l bzw. 22,1 g/l.
Eine Chlorhydrinanlage mit einer Kapazität zur Herstellung von 5t/h PO wird in der
Chlorhydrinierungsstufe und bei der Kalkmilchbereitung aus Gründen der besseren
Vergleichbarkeit gefahren wie im Beispiel 1 beschrieben. Die Verseifungsstufe, die mit einem
1,5fachen molaren Überschuß an Kalkmilch betrieben wird, verlassen 213 m³/h
Verseiferabwasser mit einem Chloridgehalt von 51,3 g/l und einem AOX-Gehalt von 6,766 mg/l,
resultierend aus Gehalten von 0,17 mg/l CF, 0,1 mg/l CP, 7,11 mg/l PCH, 1,23 mg/l DCP,
0,12 mg/l TCP, 4,16 mg/l DCIPE, 0,006 mg/l TCIPE, 2,4 mg/l EpCH, 0,01 mg/l MCPG, 3,0 mg/l
MCA, 6,58 mg/ml DCA und 4,27 mg/ml TCA, mit einer Temperatur von 90°C. Vom
Verseiferabwasser werden 32 m²/h abgezweigt und zwecks Ausschleusung von Inerten direkt
dem Verweilzeitbehälter zugeführt. Auf Grund dieser Ausschleusung an Verseiferabwasser
beträgt der Inertegehalt 53,4%, bezogen auf den Gesamt-Feststoffgehalt der Recycling
kalkmilch. Der verbleibende Verseiferabwasserstrom von 181 m³/h wird auf kürzestem Wege
ohne großen Wärmeverlust einem 820 m³ fassenden Absetzbehälter mit 8 m Höhe und 11,4 m
Durchmesser zugeführt. Der Höhe-Durchmesser-Verhältnis beträgt demnach 0,7. Die
Verweilzeit im Behälter stellt sich auf 4,5 h ein. Der am Boden des Absetzbehälters
abgenommene Recyclingkalkstrom von 46 m³/h enthält von den eingesetzten 5,53 t/h Kalk noch
2,06 t/h CaO. Das entspricht einer Recyclingrate von 93%, bezogen auf in der Verseifung nicht
umgesetztes CaO, bzw. von 37,3%, bezogen auf eingesetzten Kalk (einschließlich Inerte). Der
AOX-Gehalt des Recyclingkalkstromes beträgt 3,861 mg/l, resultierend aus 0,059 mg/l CF,
0,473 mg/l CP, 1,524 mg/l PCH, 0,661 mg/l DCP, 0,064 mg/l TCP, 2,904 mg/l DCIPE,
0,004 mg/l TCIPE, 2,521 mg/l MCA, 6,579 mg/l DCA und 1,455 mg/l TCA.
Die von dem festen, ungelösten Kalk befreiten 135 m³/h Abwasser verlassen den Absetzbehälter
als oberer Strom mit einem Ca(OH)₂-Gehalt von 1,11 g/l und einem AOX-Gehalt von
3,861 mg/l und werden ebenso wie der Ausschleusestrom von 32 m³/h Verseiferabwasser mit
einem AOX-Gehalt von 6,766 mg/l einem 700 m³ fassenden Verweilzeitbehälter mit 15 m Höhe
und 7,7 m Durchmesser zugeführt. Das Höhe-Durchmesser-Verhältnis beträgt 1,95. Die
Eingangskonzentration der AOX-Bildner im Verweilzeitbehälter beträgt demnach 4,418 mg/l,
resultierend aus 0,08 mg/l CF, 0,402 mg/l CP, 2,594 mg/l PCH, 0,77 mg/l DCP, 0,075 mg/l TCP,
3,145 mg/l DCIPE, 0,075 mg/l TCIPE, 2,613 mg/l MCA, 6,579 mg/l DCA und 1,994 mg/l TCA.
Gleichzeitig werden in diesen Verweilbehälter 3 m³/h einer 46%igen Natronlauge
eingespeist. Demnach beträgt das Verhältnis von Abwasserzulauf und Natronlauge-
Einspeisung in den Verweilzeitbehälter 55,7. Die Verweilzeit im Behälter beträgt 4,1 h. Der
Prozeßabwasserstrom von 170 m³/h, der diesen Verweilzeitbehälter verläßt, weist einen
Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l, einen Chlorid-Gehalt von 54,6 g/l und einen AOX-Gehalt von
0,996 mg/l auf, resultierend aus 0,295 mg/l CP, 0,0001 mg/l DCIPE, 0,018 mg/l MCA,
5,953 mg/l DCA und 0,003 mg/l TCA.
Durch die erfindungsgemäße Verfahrensweise wird der geforderte AOX-Wert erreicht, jedoch
erhöht sich die den Vorfluter belastende Chloridkonzentration des Prozeßabwassers nach
Neutralisation der überschüssigen Lauge mit Salzsäure auf 65,2 g/l. Dieser hohe Chloridwert ist
dem zu geringen Wasserüberschuß in der Chlorhydrinierung und dem Einsatz einer
hochkonzentrierten Natronlauge in der Verweilstufe geschuldet. Aus diesem Grunde ist
eine erfindungsgemäße Arbeitsweise analog Beispiel 4 zu bevorzugen.
Eine Chlorhydrinanlage mit einer Kapazität zur Herstellung von 15 t/h PO wird in der
Chlorhydrinierungsstufe mit einem Gewichtsverhältnis Wasser zu Propylen von 50 betrieben.
Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit mit der erfindungsgemäßen Fahrweise wird sie mit
einem Propylen/Chlor-Verhältnis nahe 1 beaufschlagt und durch Feinregulierung des Propylen/
Chlor-Verhältnisses so gefahren, daß ein Gehalt an PCA im Ablauf des Chlorhydrinierungs
reaktors von 2,38 mg/l nicht überschritten wird. Die Frischkalkmilch wird aus Gründen der
besseren Vergleichbarkeit ebenfalls aus einem Branntkalk hergestellt, der einen Anteil von 95%
CaO sowie 4,3% Magnesium-, Aluminium- und Eisenoxide und 0,7% Sand (SiO₂) enthält. Die
Verseifungsstufe, die mit einem 1,5fachen molaren Überschuß an Kalkmilch betrieben wird,
verlassen 764 m³/h Verseiferabwasser, die noch den Überschuß an Calciumhydroxid enthalten,
mit einem Chlorid-Gehalt von 23,5 g/l und einem AOX-Gehalt von 3,84 mg/l, resultierend aus
Gehalten von 0,17 mg/l CF, 0,05 mg/l CP, 6,46 mg/l PCH, 1,12 mg/l DCP, 0,11 mg/l TCP,
3,78 mg/l DCIPE, 0,005 mg/l TCIPE, 2,4 mg/l EpCH, 0,01 mg/l MCPG, 0,736 mg/l MCA,
1,4 mg/l CDA und 1,05 mg/l TCA, und mit einer Temperatur von 90°C. Das Verseiferabwasser
wird über eine 2200 m lange, nicht isolierte Leitung mit einem Durchmesser von 40 cm einem
Halden-Rückhaltebecken mit den Seitenlängen von 80 und 160 m und von diesem über
Grabensysteme der Abwasserbehandlung zugeführt. Die festen Kalkbestandteile setzen sich im
Haldenbecken vollständig ab. Das Abwasser erreicht im Rückhaltebecken eine Lamellenhöhe
von ca. 2 m, so daß ein effektives Volumen von ca. 25600 m³ eingenommen wird.Die
Verweilzeit im Becken beträgt demnach 33,5 h. Das Abwasser verläßt das Haldenbecken als
klare Lösung mit einer Temperatur von 35°C, einem Chloridgehalt von 23,6 g/l und dem der
Löslichkeit entsprechenden Gehalt an Calciumhydroxid von 0,83 g/l mit einem AOX-Gehalt
von 1,91 mg/l, resultierend aus 0,0006 mg/l CF, 0,463 mg/l CP, 0,36 mg/l PCH, 0,488 mg/l DCP,
0,048 mg/l TCP, 2,002 mg/l DCIPE, 0,003 mg/l TCIPE, 0,633 mg/l MCA, 1,4 mg/l DCA und
0,51 mg/l TCA.
Bei der beschriebenen Anlagenkonfiguration wird der geforderte AOX-Wert von 1 mg/l trotz
der sehr langen Verweilzeit im Rückhaltebecken nicht erreicht und eine Rückführung des
abgesetzten, festen Kalkes in die Produktionsanlage ist nicht möglich. Der Abkalk bleibt auf
der Halde deoponiert. Infolge der, wenn auch geringen Kontamination mit chlororganischen
Verbindungen, handelt es sich dabei um eine Sonderdeponie. Die den Vorfluter belastende
Chloridlast des Abwassers ist auf Grund des optimalen Wassereinsatzes in der
Chlorhydrinierungsstufe deutlich geringer als in den Beispielen 1 und 2. Die Chlorid-
Konzentration des Prozeßabwassers erhöht sich nach der Neutralisation mit Salzsäure auf
26 g/l.
Eine Chlorhydrinanlage mit einer Kapazität zur Herstellung von 15 t/h PO wird in der
Chlorhydrinierungsstufe mit einem Gewichtsverhältnis Wasser zu Propylen von 50 und einem
Propylen/Chlor-Verhältnis nahe 1 beaufschlagt und durch Feinregulierung des Propylen/Chlor-
Verhältnisses so gefahren, daß ein Gehalt an PCA im Ablauf des Chlorhydrinierungsreaktors
von 2,35 mg/l nicht überschritten wird. Die Frischkalkmilch wird aus einem Branntkalk
hergestellt, der einen Anteil von 95% CaO sowie 4,3% Magnesium-, Aluminium- und
Eisenoxide und 0,7% Sand (SiO₂) enthält. Die Verseifungsstufe, die mit einem 1,5fachen
molaren Überschuß an Kalkmilch betrieben wird, verlassen 844 m³/h Verseiferabwasser, die
den nicht umgesetzten Überschuß an Calciumhydroxid enthalten, mit einem Chlorid-Gehalt
von 24,8 g/l und einem AOX-Gehalt von 4,21 mg/l, resultierend aus Gehalten von 0,17 mg/l CF,
0,1 mg/l CP, 7,11 mg/l PCH, 1,23 mg/l DCP, 0,12 mg/l TCP, 4,16 mg/l DCIPE, 0,006 mg/l
TCIPE, 2,4 mg/l EpCH, 0,01 mg/l MCPG, 0,81 mg/l MCA, 1,64 mg/l DCA und 1,16 mg/l TCA,
mit einer Temperatur von 90°C. Vom Verseiferabwasser werden 85 m³/h abgezweigt und
zwecks Ausschleusung von Inerten direkt dem Verweilzeitbehälter zugeführt. Auf Grund
dieser Ausschleusung am Verseiferabwasser beträgt der Inertegehalt 50,6%, bezogen auf den
Gesamt-Feststoffgehalt der Recyclingkalkmilch. Der verbleibende Verseiferabwasserstrom von
759 m³/h wird auf kürzestem Wege ohne großen Wärmeverlust einem 3445 m³ fassenden
Absetzbehälter mit 10 m Höhe und 21 m Durchmesser zugeführt. Das Höhe-Durchmesser-
Verhältnis beträgt demnach 0,48. Die Verweilzeit im Behälter stellt sich auf 4,5 h ein. Der am
Boden des Absetzbehälters abgenommene Recyclingkalkstrom von 155 m³/h enthält von den
eingesetzten 15,0 t/h noch 6,55 t/h CaO. Das entspricht einer Recyclingrate von 93%,
bezogen auf nichtumgesetztes CaO, bwz. von 41,5%, bezogen auf eingesetzten Kalk
(einschließlich Inerte). Der AOX-Gehalt des Recyclingkalkstromes beträgt 2,435 mg/l,
resultierend aus 0,016 mg/l CF, 0,472 mg/l CP, 1,529 mg/l PCH, 0,662 mg/l DCP, 0,065 mg/l
TCP, 2,906 mg/l DCIPE, 0,004 mg/l TCIPE, 0,68 mg/l MCA, 1,638 mg/l DCA und 0,394 mg/l
TCA.
Die von dem festen, ungelösten Kalk befreiten 604 m³/h Abwasser verlassen den Absetzbehälter
als oberer Strom mit einem Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l und einem AOX-Gehalt von
2,435 mg/l und werden ebenso wie der Ausschleusestrom von 85 m³/h Verseiferabwasser mit
einem AOX-Gehalt von 4,21 mg/l einem 1120 m³ fassenden Verweilzeitbehälter mit 10 m Höhe
und 12 m Durchmesser zugeführt. Das Höhe-Durchmesser-Verhältnis beträgt 0,83. Die
Eingangskonzentration der AOX-Bildner im Verweilzeitbehälter beträgt demnach 2,654 mg/l,
resultierend aus 0,035 mg/l CF, 0,426 mg/l CP, 2,217 mg/l PCH, 0,732 mg/l DCP, 0,071 mg/l
TCP, 3,06 mg/l DCIPE, 0,004 mg/l TCIPE, 0,696 ml/l MCA, 1,638 mg/l DCA und 0,488 mg/l
TCA. Gleichzeitig werden in diesen Verweilzeitbehälter 7 m³/h einer 30%igen Natronlauge
eingespeist. Demnach beträgt das Verhältnis von Abwasserzulauf und Natronlauge-
Einspeisung in den Verweilzeitbehälter 98,4. Die Verweilzeit im Behälter beträgt 1,6 h. Der
Prozeßabwasserstrom von 696 m³/h, der diesen Verweilzeitbehälter verläßt, weist einen
Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l, einen Chlorid-Gehalt von 24,8 g/l und einen AOX-Gehalt von
0,996 mg/l auf, resultierend aus 0,011 mg/l CF, 0,761 mg/l CP, 0,005 mg/l PCH, 0,066 mg/l
DCP, 0,006 mg/l TCP, 0,763 mg/l DCIPE, 0,001 mg/l TCIPE, 0,354 mg/ml MCA, 1,615 mg/l DCA
und 0,055 mg/l TCA. Der Chlorid- Gehalt des Abwassers erhöht sich nach Neutralisation der
überschüssigen Lauge mit Salzsäure auf 30,7 g/l.
Eine Chlorhydrinanlage zur Herstellung von 15 t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Gegensatz zu Beispiel 4 erfolgt
die Inerteabtrennung durch die Ausschleusung von 17 m³/h Recyclingkalkmilch, die dem
Verweilzeitbehälter zugeführt werden. Auf Grund dieser Ausschleusung von Recyclingkalkmilch
beträgt der Inertegehalt 50,2%, bezogen auf den Gesamt-Feststoffgehalt der Recycling
kalkmilch. Bei ansonsten gleicher Anlagenkonfiguration und gleicher Natronlauge-Einspeisung
in den Verweilzeitbehälter wird in dem die Anlage verlassenden Prozeßabwasserstrom ein
AOX-Gehalt von 0,95 mg/l erreicht, resultierend aus 0,001 mg/l CF, 0,768 mg/l CP, 0,003 mg/l
PCH, 0,054 mg/l DCP, 0,005 mg/l TCP, 0,682 mg/l DCIPE, 0,001 mg/l TCIPE, 0,338 mg/l
MCA, 1,631 mg/l DCA und 0,04mg/l TCA.
Eine Chlorhydrinanlage zur Herstellung von 15 t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Gegensatz zu Beispiel 4 steht
jedoch nur ein Verweilzeitbehälter in Höhe von 9 m, einem Durchmesser von 17 m und
einem Volumen von 1093 m³ zur Verfügung. Das Höhe-Durchmesser-Verhältnis beträgt 0,53.
Der AOX-Abbau wird dadurch erreicht, daß dem Verweilzeitbehälter ein Strom von 21 m³/h 32 m³/h
einer 12%igen, wäßrigen Natronlauge zugeführt werden. Demnach beträgt das Verhältnis von
Abwasserzulauf und Natronlauge-Einspeisung in den Verweilzeitbehälter 32,8. Die Verweil
zeit des Abwassers im Behälter beträgt 1,54 h. Der Prozeßabwasserstrom von 710 m³/h, der
diesen Verweilzeitbehälter verläßt, weist einen Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l, einen Chlorid-
Gehalt von 24,8 g/l und einen AOX-Gehalt von 0,996 mg/l auf. Die Zusammensetzung der
übrigen Ströme und des Abwassers entspricht denen des Beispieles 4.
Eine Chlorhydrinanlage zur Herstellung von 1,5 t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Gegensatz zu den Beispielen 4
und 6 steht zur Einstellung der Alkalität im Verweilzeitbehälter jedoch nur eine ca. 1,24%ige
Dünnlauge zur Verfügung. Die für den AOX-Abbau auf mindestens 0,999 mg/l dem
Verweilzeitbehälter zuzuführende Menge an Dünnlauge läßt sich unter Verwendung der
Nomogramme 1 und 2 sowie der Formel 1 errechnen. Die 689 m³/h Abwasserzulauf zum
Verweilzeitbehälter enthalten wie in Beispiel 4 beschrieben 2,654 mg/l Gesamt-AOX und
1,64 mg/l DCA. Die Temperatur wird auf Grund der Zuführung der zu erwartenden größeren
Menge an kalter Lauge abweichend von Beispiel 4 mit 85°C angenommen. Unterstellt man die
mögliche Errichtung eines Verweilzeitbehälters in einer Größe von 3100 m³ Fassungsvermögen
und einer aus dieser Größe resultierenden Verweilzeit von 4,5 h, so kann man aus Nomogramm
1 den Faktor a zu 0,008 und aus Nomogramm 2 den Exponenten b zu 1,3 entnehmen. Die
Berechnung mittels Formel 1 ergibt, daß die Lösung im Verweilzeitbehälter 0,028 molar an
Lauge sein muß. Das bedeutet, daß der Abwasserstrom mit 69 m³/h einer 1,24%igen
Natronlauge versetzt werden muß.
cNaOH = a * cAOX b (Formel 1)
Demnach beträgt das Verhältnis von Abwasserzulauf und Natronlauge-Einspeisung in den
Verweilzeitbehälter 10. Das Fassungsvermögen des Verweilzeitbehälters korrigiert sich auf
3410 m³/h. Der Prozeßabwasserstrom von 758 m³/h, der diesen Verweilzeitbehälter verläßt,
weist einen Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l, einen Chlorid-Gehalt von 24,8 g/l und einen AOX-
Gehalt von 0,999 mg/l auf, resultierend aus 0,001 mg/l CF, 0,768 mg/l CP, 0,007 mg/l PCH,
0,0073 mg/l DCP, 0,007 mg/l TCP, 0,808 mg/l DCIPE, 0,001 mg/l TCIPE, 0,365 mg/l MCA,
1,636 mg/l DCA und 0,009 mg/l TCA. Der Chlorid-Gehalt des Abwassers erhöht sich nach
Neutralisation der überschüssigen Lauge mit Salzsäure auf 26,6 g/l.
Eine Chlorhydrinanlage zur Herstellung von 15 t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Gegensatz zu den bisherigen
Beispielen steht jedoch überhaupt keine Alkalilauge zur Verfügung. Die für den AOX-Abbau
auf mindestens 0,999 mg/l notwendige Anlagenkonfiguration bzw. die dazu notwendige
Verweilzeit errechnet sich wie folgt: Zuerst wird mit Hilfe von Nomogramm 3 der
Geltungsbereich der für die Verweilzeitberechnung zu verwendenden Nomogramme A, B und
C überprüft. Der Geltungsbereich für den 689 m³/h Abwasserstrom ist mit einem Gesamt-AOX-
Gehalt von 2,654 mg/l und einem DCA-Gehalt von 1,64 mg/l ist entsprechend Nomogramm 3
für Temperaturen oberhalb 76°C gegeben. Für diese Parameter und eine Temperatur von 90°C
läßt sich aus Nomogramm A der Faktor a zu -0,23, aus Nomogramm B der Faktor b zu 7 und
aus Nomogramm C der Summand c zu -7 ermitteln und mittels Formel 2 die Verweilzeit zu
18,2 h errechnen.
tm = a * cAOX² + b * cAOX + c (Formel 2)
Es muß also ein Absetzbehälter und eine Kaskade von Verweilzeitbehältern mit einem
Gesamtvolumen von 12540 m³ installiert werden, um hinsichtlich der AOX-Belastung und
Zusammensetzung die gleichen Parameter wie in Beispiel 7 zu erzielen. Im Ergebnis dieser
Berechnungen ergibt sich bei gleichem Absetzbehälter, wie in Beispiel 4 beschrieben, für die
Verweilzeitbehälter-Kaskade ein erforderliches Gesamtvolumen von 9095 m³. Es wird
vorgeschlagen, zwei Behälter mit jeweils 4548 m³ Fassungsvermögen und einem Höhe-
Durchmesser-Verhältnis von 1 bei einer Höhe von 18 m zu installieren.
Eine Chlorhydrinanlae zur Herstellung von 15 t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Gegensatz zu den bisherigen
Beispielen steht als zweite Alkalikomponente nur festes Ätznatron zur Verfügung. Analoge
Ergebnisse wie in den Beispielen 7 und 8 werden durch die stündliche Zugabe von 1,38 t festem
Ätznatron erreicht. Durch die Verringerung des Flüssigkeitsvolumens und die durch die
Ätznatronzugabe eintretende Temperaturerhöhung von ca. 1°C reduziert sich das für die AOX-
Einstellung unbedingt notwendige Volumen des Verweilzeitbehälters auf 2100 m³. Das
entspricht einer Verweilzeit von 3 h.
Eine Chlorhydrinanlage zur Herstellung von 15t/h PO wird unter analogen Voraussetzungen
und Bedingungen gefahren wie in Beispiel 4 beschrieben. Im Unterschied zu den bisherigen
Beispielen soll jedoch aus Gründen des Umweltschutzes oder aus Gründen eines zu berück
sichtigenden Verbundsystems am Ende der Anlage ein AOX-Wert deutlich unter 1 mg/ml erreicht
werden. Im Gegensatz zu Beispiel 4 erfolgt die Kalkabtrennung bei einer Temperatur von 92°C
und der Verweilstufe werden 14 m³/h einer 30%igen Natronlauge zugegeben. Demnach
beträgt das Verhältnis von Abwasserzulauf und Natronlauge-Einspeisung in den Verweilzeit
behälter 49,2. Die Verweilzeit des Abwassers im Verweilzeitbehälter beträgt ebenfalls 1,6 h.
Der Prozeßabwasserstrom von 703 m³/h, der diesen Verweilzeitbehälter verläßt, weist einen
Ca(OH)₂-Gehalt von 1,36 g/l, einen Chlorid-Gehalt von 31,4 g/l und einen AOX-Gehalt von
0,629 mg/l auf, resultierend aus 0,0004 mg/l CF, 0,6826 mg/l CP, 0,0045 mg/l DCP, 0,0004 mg/l
TCP, 0,1807 mg/l DCIPE, 0,0002 mg/l TCIPE, 0,1553 mg/l MCA, 1,608 mg/l DCA und
0,0281 mg/l TCA.
Kommt es in Chlorhydrinanlagen, wie sie in den Beispielen 4 bis 10 beschrieben sind, technisch
bedingt zu besonderen Vorkommnissen, so ist schnelles Handeln wie bei einer Havariebe
seitigung gefragt. Findet zum Beispiel in der Verseifungsstufe ein plötzlicher Dampfausfall
statt, so kann es im Ergebnis dessen bei einer Konstellation analog Beispiel 4 zu einer
Erhöhung des Gesamt-AOX-Gehaltes am Ende der Verseiferstufe auf 17,377 mg/l kommen,
der sich bis zum Eintritt in die Verweilstufe abbaut auf 11,055 mg/l, resultierend aus
0,119 mg/l CF, 2,133 mg/l CP, 11,066 mg/l PCH, 3,656 mg/l DCP, 0,357 mg/l TCP, 1,542 mg/l
EpCH, 15,3 ,mg/l DCIPE, 0,022 mg/l TCIPE, 0,696 mg/l MCA, 1,638 mg/l DCA und 0,488 mg/l
TCA und zu einer Temperaturabsenkung auf 88°C.
Für die Havarie-Daten sind aus den Nomogrammen 1 und 2 für 88°C und die 1,5 h-Kurve zu
ermitteln: Faktor a = 0,0093, Faktor b = 1,67. Aus Formel 1 errechnet sich die im Verweilzeit
behälter einzustellende Natronlauge-Molarität zu 0,514. Der Natronlauge-Bedarf zur Wieder
erreichung des AOX-Normwertes von 1 mg/l ergibt sich daraus zu 37 m³/h an 30%iger
Natronlauge. Durch dieses Abwehrmanöver erhöht sich die Salzlast kurzzeitig für die Dauer
der zusätzlichen Natronlaugezufuhr um 13,2 t/h.
Analoge Abwehrstrategien sind mit Hilfe der Nomogramme je nach Bedarf zu erarbeiten.
Claims (9)
1. Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und Kalkmilch
verseifung, gekennzeichnet dadurch, daß in der Chlorhydrinierungsstufe das molare
Verhältnis von Propylen zu Chlor zwischen 1,15 und 1 gewählt und so ein Chlorüberschuß
in der Chlorhydrinierungslösung vermieden wird, die Einhaltung dieses Fahrregimes über
den Gehalt an 1,1,1,3,3-Pentachloraceton im Ablauf des Chlorhydrinierungsreaktors
gesteuert wird, zur Bereitung der Kalkmilch ein Branntkalk mit einem CaO-Gehalt von
mindestens 85% und einem SiO₂-Gehalt von maximal 6% eingesetzt wird, das die
Verseifungsstufe verlassende Verseiferabwasser auf kürzestem Wege unter Bewahrung des
Wärmeinhaltes des gesamten Abwasservolumens einen Absetzbehälter mit Krälwerk zur
Kalkabtrennung zugeführt wird und in Abhängigkeit von den sich im Abwasser
einstellenden und den für die Abströme gewünschten Konzentrationen Verweilzeiten von
0,5 bis 10 h eingehalten werden, der am Boden des Absetzbehälters abgezogene, mit
chlororganischen Stoffen verunreinigte Recyclingkalkstrom einem Mischgefäß zugeführt
und nach Abmischung mit Frischkalkmilch in den Prozeß zurückgeführt wird, zur
Abtrennung der Inerte eine partielle Ausschleusung von Verseiferabwasser oder
Recyclingkalkmilch in solchen Mengen erfolgt, daß der Inertegehalt 65% des Gesamt-
Feststoffgehaltes im Kalkmilchkreislauf nicht übersteigt, wobei die Ausschleuseströme dem
nachgeschalteten Verweilzeitbehälter zugeführt werden, der klare, nur gelöstes
Calciumhydroxid, Calciumchlorid und AOX-Verbindungen enthaltende, obere
Abwasserstrom des Absetzbehälters einem Verweilzeitbehälter oder einer Kaskade von
Verweilzeitbehältern zugeführt wird, wobei den Verweilzeitbehältern Lauge zudosiert
werden kann und dort in Abhängigkeit von der Menge der AOX-Verbindungen und ihrer
Zusammensetzung bei Temperaturen von 75 bis 98°C und Verweilzeiten bis zu 20 h belassen
und/oder mit einer wäßrigen Alkalilauge beliebiger Konzentration im Verhältnis
Abwasserstrom zu Alkalistrom von 2,5 bis 200 oder mit festem Alkali versetzt und
umgepumpt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet dadurch, daß in der Chlorhydrinie
rungsstufe das Propylen/Chlor-Verhältnis durch Feinregulierung beider Ströme sehr nahe an
das Verhältnis zu 1 herangebracht wird, ohne einen Chlorüberschuß in der Chlorhydrinierungs
stufe zuzulassen, was durch den Gehalt an Pentachloraceton gesteuert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, gekennzeichnet dadurch, daß zur Bereitung der
Kalkmilch ein Branntkalk mit einem CaO-Gehalt von mindestens 92% und einem SiO₂-
Gehalt von maximal 1,5% eingesetzt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, gekennzeichnet dadurch, daß im Absetzbehälter
Verweilzeiten von 0,5 bis 6 eingehalten werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 4, gekennzeichnet dadurch, daß im Verweilzeitbehälter
oder der Kaskade Verweilzeiten von 0,5 bis 10 h realisiert werden.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, gekennzeichnet dadurch, daß Kalkabtrennung und
AOX-Zersetzung im Verweilzeitbehälter bei Temperaturen von 85 bis 98°C betrieben
werden.
7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, gekennzeichnet dadurch, daß der Verweilzeitbehälter
zusätzlich mit einer wäßrigen Alkalilauge beliebiger Konzentration im Verhältnis
Abwasserstrom zu Alkalistrom 2,5 bis 150 versetzt und umgepumpt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, gekennzeichnet dadurch, daß dem ersten der
Verweilzeitbehälter Lauge zudosiert wird.
9. Verfahren nach Anspruch 1 bis 8, gekennzeichnet dadurch, daß Absetzbehälter zur
Kalkabtrennung mit einem Höhe-Durchmesser-Verhältnis von 0,125 bis 0,75, vorzugsweise
0,25 bis 0,55 und Verweilzeitbehälter mit einem Höhe-Durchmesser-Verhältnis von 0,25 bis
5, vorzugsweise 0,4 bis 2 verwendet werden und daß zur Durchmischung des Inhalts in den
Verweilzeitbehältern Pumpenkreisläufe vorhanden sind.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996114682 DE19614682A1 (de) | 1996-04-13 | 1996-04-13 | Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und Kalkmilchverseifung |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1996114682 DE19614682A1 (de) | 1996-04-13 | 1996-04-13 | Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und Kalkmilchverseifung |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19614682A1 true DE19614682A1 (de) | 1997-10-16 |
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ID=7791222
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1996114682 Withdrawn DE19614682A1 (de) | 1996-04-13 | 1996-04-13 | Verfahren zur Herstellung von Propylenoxid durch Chlorhydrinierung und Kalkmilchverseifung |
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| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19614682A1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| CN106397362A (zh) * | 2016-09-06 | 2017-02-15 | 南京英斯派工程技术有限公司 | 一种环氧丙烷装置中脱氨并回收环氧丙烷、丙烯的方法及设备 |
| CN111201207A (zh) * | 2017-09-05 | 2020-05-26 | 李知宪 | 具备废热回收线的石灰乳制备装置及利用废热回收线的石灰乳制备方法 |
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1996
- 1996-04-13 DE DE1996114682 patent/DE19614682A1/de not_active Withdrawn
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| CN106397362B (zh) * | 2016-09-06 | 2018-05-01 | 南京英斯派工程技术有限公司 | 一种环氧丙烷装置中脱氨并回收环氧丙烷、丙烯的方法及设备 |
| CN111201207A (zh) * | 2017-09-05 | 2020-05-26 | 李知宪 | 具备废热回收线的石灰乳制备装置及利用废热回收线的石灰乳制备方法 |
| CN111201207B (zh) * | 2017-09-05 | 2022-06-14 | 李知宪 | 具备废热回收线的石灰乳制备装置及利用废热回收线的石灰乳制备方法 |
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