DE19543325A1 - Pumpe für heiße korrosive Schmelzen - Google Patents
Pumpe für heiße korrosive SchmelzenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Pumpe zur Förderung von heißen korrosiven
Flüssigkeiten, insbesondere Salzschmelzen, bestehend aus einem Pumprohr, einem
in die Flüssigkeit eintauchenden Förderrohr und mindestens zwei Ventilen bei der
die Flüssigkeit durch Druckbeaufschlagung taktweise gefördert wird.
In verschiedenen chemischen Produktionsverfahren, z. B. im Deacon-Prozeß mit
anorganischen Salzschmelzen zur Direktoxidation von HCl zu Chlor muß
Salzschmelze in einen Umpumpkreislauf gefördert werden, um z. B. in einem
Rieselfilmreaktor unter Reaktionsbedingungen großflächig angeboten werden zu
können. Die Betriebsbedingungen sind mit einer Betriebstemperatur von ca. 500°C
anspruchsvoll; ein besonderes Problem in dem genannten Prozeß ist die hohe
Korrosivität der KCl/CuCl-Schmelze, die als Reaktorwerkstoff nur Keramik,
vorzugsweise Quarzglas, zuläßt.
Zur Förderung heißer aggressiver Salzschmelzen sind bislang zwei Verfahrens
typen angewendet worden.
In der unveröffentlichten deutschen Patentanmeldung mit dem Aktenzeichen
P 44 32 551.7 wird beispielsweise vorgeschlagen, eine Salzschmelze mit Hilfe
einer vollkeramischen Zahnradpumpe zu pumpen. Der Antrieb der Pumpe erfolgt
magnetgekuppelt, wobei der Abdichtung zwischen Förderraum und Kupplungs
raum besonderes Augenmerk gewidmet werden muß, damit keine Salzschmelze in
den Kupplungsraum gelangen kann, wo sie Schäden durch Korrosion verursachen
würde.
Nachteilig ist bei dieser Pumpe darüber hinaus die hohe Masse der Pumpeneinheit,
die in Wechselwirkung mit der relativ empfindlichen Reaktoranlage steht.
In der unveröffentlichten deutschen Patentanmeldung, Aktenzeichen:
P 44 40 632.0 wird als alternatives Pumpverfahren die pneumatische Förderung
einer Salzschmelze vorgeschlagen. Hierzu wird der Reaktorsumpfbehälter zeitlich
getaktet mit Eduktgas druckbeaufschlagt, so daß die Schmelze über ein Steigrohr
in einen Kopfbehälter gefördert werden kann, um von dort über die
Rieselfilmkolonne wieder in den Reaktor herunterzufließen. Eine Düse im Zulauf
zum Sumpfbehälter ermöglicht den Druckaufbau und verhindert eine zu große By
paßströmung. Nachteilig bei diesem Verfahren ist die periodische Druckbelastung
des keramischen Reaktorbehälters, der dadurch bis in die Nähe seiner Be
lastungsgrenze kommt, mit der Gefahr einer Leckage sowie die Notwendigkeit
eines Kopfbehälters zur Vergleichmäßigung des Salzschmelzeflusses.
Es bestand die Aufgabe eine Pumpvorrichtung für aggressive Flüssigkeiten, insbe
sondere Salzschmelzen zu konstruieren, die die Nachteile der obengenannten
Pumpen nicht aufweist.
Die Pumpe sollte vergleichbar einem einfachen Einsteckrohr in einen Vorratsbe
hälter bzw. Reaktor eingesetzt werden können. Sie sollte möglichst wenige Bau
elemente enthalten und weitgehend ohne mechanische oder elektrisch von außen
bewegte Teile auskommen und eine Druckbeaufschlagung des Reaktors überflüssig
machen.
Die Aufgabe wird erfindungsgemaß gelöst durch eine Vorrichtung zur Förderung
von insbesondere heißen, korrosiven Flüssigkeiten, insbesondere von Salz
schmelzen, bestehend aus einem Pumprohr mit einer Gaszuführung und einer Gas
abführung, einem in die Flüssigkeit offen eintauchenden, gegebenenfalls koaxial
zum Pumprohr angeordneten Förderrohr für die Flüssigkeit und mindestens zwei
Ventilen, wobei zwischen den Ventilen Öffnungen zwischen Pumprohr und
Förderrohr vorgesehen sind, die Ventile durch den jeweiligen Flüssigkeitsstrom
geöffnet werden und in Richtung der Schwerkraft schließen.
Vorteilhaft für ein problemloses Betreiben der Förderung ist in einer besonderen
Ausführung der Vorrichtung der Einsatz verschiedener Ventile mit unterschied
lichem spezifischen Gewicht der beiden Ventilschließkörper. Der Schließkörper
des unteren Ventiles (Einlaßventil) soll möglichst leicht aufschwimmen, um das
Nachströmen der Flüssigkeit (Schmelze) zu ermöglichen. Er sollte ein spezifisches
Gewicht haben, das nur wenig größer ist als das der zu fördernden Flüssigkeit.
Der Schließkörper des oberen Ventils hingegen sollte möglichst nur beim
eigentlichen Fördervorgang öffnen, ansonsten aber sicher schließen, um ein
Rückfließen des Fluids z. B. einer Salzschmelze beim Nachladevorgang zu
verhindern. Er muß also ein möglichst hohes spezifisches Gewicht haben.
Beispielsweise ist für eine Kalium/Kupferchlorid-Schmelze mit einer Dichte von
etwa 3 g/cm³ eine Kugel aus Siliziumnitrit mit einer Dichte von 3,2 g/cm³ für das
untere Ventil und eine Kugel aus Zirkonoxid mit einer Dichte von 6 g/cm³ für das
obere Ventil besonders geeignet.
Die erfindungsgemäße Pumpvorrichtung zeichnet sich gegenüber anderen Förder
vorrichtungen durch ihre Einfachheit aus. Sie kommt mit nur zwei bewegten
Teilen, nämlich den passiv hydraulisch geöffneten Ventilen aus. Da die Ventile
durchweg in die Salzschmelze eingetaucht betrieben werden, stehen Rohr und
Ventilsitz immer nahezu unter derselben Temperatur, so daß Sekundärspannungen,
die gegebenenfalls zum Versagen bzw. Bruch des Bauteils führen könnten,
insbesondere dann vermieden werden können, wenn Ventilsitz und Rohr aus
demselben Material, z. B. Quarz, gefertigt sind.
Neben einer geraden Ausführungsform in vertikaler Betriebsstellung von Pump-
und Förderrohr sind auch gebogene oder seitlich versetzte Anordnungen bezüglich
der Rohrleitungsführung möglich, so daß eine hohe Flexibilität ihres Einsatzes
gegeben ist. Lediglich müssen die jeweiligen Ventilsitze waagerecht betrieben
werden.
Der besondere Vorteil der erfindungsgemäßen Vorrichtung liegt darin, daß sich die
Reaktorbehälterfunktion (z. B. bei einer getakten Druckbeaufschlagung zur pneuma
tischen Förderung) vollständig von der Pump-Funktion trennen läßt, so daß der
Reaktorbehälter nur den gasdichten Einschluß der Flüssigkeit, z. B. der Schmelze,
möglichst im drucklosen Zustand, gewährleisten muß.
Ein weiterer besonderer Vorteil der erfindungsgemäßen Vorrichtung besteht darin,
daß sie trotz individueller getakteter Fahrweise für einen kontinuierlichen
Salzschmelzefluß durch die Reaktionskolonne sorgen kann, wenn sie im Verbund
mit mindestens einer gleichartigen Pumpvorrichtung zeitlich nacheinander so
betrieben wird, daß sich mindestens eine Pumpe mit entsprechender zeitlicher
Überlappung im Fördermodus befindet.
Hierdurch kann z. B. auf eine Salzschmelzevorlage im Kopfbereich des Reaktors
verzichtet werden, was dessen Konstruktion deutlich vereinfacht. Darüber hinaus
entfällt die für die pneumatische Förderung notwendige Düse zwischen Kolonne
und Sumpf, so daß eine einfache, durchgehend zylindrische Reaktorkonstruktion
möglich wird.
Die Steuerung der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann völlig entkoppelt von der
Salzschmelze über die Gasphase erfolgen, wobei die Intervalle entweder
zeitgetaktet oder auch druckgetaktet gesteuert werden können.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann aufgrund ihrer einfachen zylindrischen
Form auch durch die Schüttung einer Füllkörperkolonne geführt werden. Wird sie
durch ein oben gegen ein Eduktgas-Bypass abgedichtetes Führungsrohr durch die
Schüttungszone geschoben, so kann sie bei Bedarf herausgezogen werden, ohne
daß die Schüttung gestört wird.
Gegebenenfalls kann oberhalb des Auslaßventiles eine verschließbare Öffnung vor
gesehen sein um die Schmelze im Förderrohr z. B. zu Reinigungszwecken ab
lassen zu können.
Das Fördervolumen pro Takt der erfindungsgemäßen Vorrichtung läßt sich durch
Änderung der Tauchtiefe im Sumpf und konstruktiv durch Änderung des
Durchmessers des Pumprohrs im Verhältnis zum Förderrohr beeinflussen.
Der Fördertakt läßt sich insbesondere durch Verbesserung der Zulaufbedingung
während der Nachladephase verkürzen. Hierzu können statt des einen Zulaufventils
im Förderrohr eine kreisförmig angeordnete Gruppe von mehreren Ventilen im
Bodenbereich des Pumprohrs vorgesehen werden und das Förderrohr in dieser
Höhe unten geschlossen werden. Hierdurch wird Totzeit während des Nachfüllens
klein gehalten.
Mit diesem Prinzip der erfindungsgemäßen Vorrichtung lassen sich nahezu be
liebige technisch sinnvolle Förderhöhen realisieren.
Die Erfindung wird anhand der nachstehenden Figuren beispielhaft näher erläutert.
In den Figuren zeigen:
Fig. 1 einen schematischen Schnitt durch eine erfindungsgemaße Pumpe während
des Befüllens
Fig. 2 die Pumpe nach Fig. 1 während der Förderung
Fig. 3 die Pumpe nach Fig. 1 während des Nachfüllens
Fig. 4 eine Variante der erfindungsgemäßen Pumpe mit außenliegendem Förder
rohr während des Förderns.
Die Förderung mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung erfolgt taktweise. Beim
Erstbefüllen aus dem Vorratsbehälter 6 entsprechend Fig. 1 werden beide Kugel
ventile 3, 4 mit den Kugeln 12 bzw. 13 und den Ventilsitzen 14 bzw. 15 durch die
von unten in das Förderrohr 2 einströmende Schmelze 5 geöffnet; die gasseitige
Entlüftung 9 mit Ventil 10 ist offen. Zum Fördervorgang nach Fig. 2, wird das
Pumpgas z. B. das Eduktgas einer Reaktion bei geschlossener Entlüftung 9 mit
Ventil 10 in das Pumprohr 1 eingespeist und drückt die Schmelze 5 durch die
Schlitze 7 weiter durch das sich öffnende obere Kugelventil 4 in das Förderrohr 2,
bis das Pumprohr 1 bis auf das Niveau der Schlitze 7 entleert ist. Zur Nachladung,
entsprechend Fig. 3, wird die Eduktgaszufuhr 8 am Ventil 11 geschlossen und die
Entlüftung 9 am Ventil 10 geöffnet. Das obere Kugelventil 4 wird durch die auf
lastende Schmelze 5 geschlossen, während das untere Ventil 3 durch den äußeren
Schmelzedruck aufgedrückt wird und ein Nachfüllen des Pumprohrs 1 ermöglicht.
Alternativ kann die Anordnung von Pumprohr 1 und Förderrohr 2 auch umgekehrt
werden (siehe Fig. 4). Durch diese Anordnung läßt sich das zur Förderung
notwendige Gasvolumen besonders klein und damit die Taktzeit besonders kurz
gestalten. Vorteilhaft bei dieser Anordnung ist im einlaßnahen Bereich eine
Aufweitung des Pumprohres 1 fast bis auf den Förderrohrinnendurchmesser, um
z. B. besonders viel Schmelze pro Fördertakt zu bewegen.
Die grundsätzliche Funktion der erfindungsgemäßen Pumpvorrichtung ist in einer
Versuchsanordnung mit Zinkchloridhydrat (Dichte: 2,0 g/cm³) als Testflüssigkeit
getestet worden. Der Test verlief bei Raumtemperatur. Das Testmodell hatte die
folgenden Bestandteile bzw. Abmessungen:
Pumprohrdurchmesser: 80 mm
Förderrohrdurchmesser: 24 mm
Förderhöhe: 10 000 mm
Eintauchtiefe: 600 mm
Förderrohrdurchmesser: 24 mm
Förderhöhe: 10 000 mm
Eintauchtiefe: 600 mm
Einlaufventile: 6 Stück, in kreisförmiger Anordnung
Kugeldurchmesser der Schließkörper: 5 mm
Kugelmaterial: Siliziumnitrit
Dichte: 3,2 g/cm³
freier Durchgang: 12 mm
Kugelmaterial: Siliziumnitrit
Dichte: 3,2 g/cm³
freier Durchgang: 12 mm
Förderventil 4
Kugeldurchmesser des Schließkörpers: 15 mm
Kugelmaterial: Aluminiumoxid
Dichte: 3,9 g/cm³
freier Durchgang: 11 mm
Ausgleichsbohrungen: 6 Stück a 12 mm Durchmesser
Kugelmaterial: Aluminiumoxid
Dichte: 3,9 g/cm³
freier Durchgang: 11 mm
Ausgleichsbohrungen: 6 Stück a 12 mm Durchmesser
Das Testmodell zeigte im Betrieb die folgenden Leistungsdaten:
gemessener Förderdruck: 1 bar über hydrostatischem Druck
gemessener Fördertakt: 30 sec
Zulaufzeit: 4 sec
Pumpvorgang: 26 sec
gemessenes Fördervolumen: ca. 1 l/Takt
gemessener Fördertakt: 30 sec
Zulaufzeit: 4 sec
Pumpvorgang: 26 sec
gemessenes Fördervolumen: ca. 1 l/Takt
Mit der beschriebenen Pumpvorrichtung konnten pro Stunde ca. 120 l Schmelze
gefördert werden. Die Totzeit betrug etwa 13% (bezogen auf die Förderzeit).
Der Schließkörper schloß so dicht ab, daß die Schmelze auch nach einem Tag
nicht aus dem Förderrohr zurückgelaufen war.
In weiteren Versuchen mit heißen Salzschmelzen hat sich ein Schließkörper aus
Zirkonoxid bewährt.
Claims (5)
1. Vorrichtung zur Förderung von, insbesondere heißen, korrosiven Flüssig
keiten (5), insbesondere Salzschmelzen, bestehend aus einem Pumprohr (1) mit
einer Gaszuführung (8) und einer Gasabführung (9), einem in die Flüssigkeit (5)
offen eintauchenden, gegebenenfalls koaxial zum Pumprohr (1) angeordneten
Förderrohr (2) für die Flüssigkeit (5), mindestens zwei Ventilen (3, 4), wobei
zwischen den Ventilen (3) und (4) Öffnungen (7) zwischen Pumprohr (1) und
Förderrohr (2) vorgesehen sind, die Ventile (3, 4) durch den Fluidstrom ge
öffnet werden und in Richtung der Schwerkraft schließen.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Pumprohr
(1) koaxial innerhalb des Förderrohres (2) angeordnet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Pumprohr
(1) zwischen Einlaßventil (3) und Auslaßventil (4) fast bis auf den Innen
durchmesser des Förderrohres (2) aufgeweitet ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Ventile (3) und (4) als Kugelventile ausgeführt sind.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 2 dadurch gekennzeichnet, daß die
Schließkörper (12, 13) der Ventile (3) und (4) ein unterschiedliches spezifisches
Gewicht haben, wobei das spezifische Gewicht des Schließkörpers (13) des
Einlaßventiles (3) wenig mehr, insbesondere 1 bis 10% mehr als das
spezifische Gewicht der Flüssigkeit (5), und das spezifische Gewicht des
Schließkörpers (12) des Auslaßventiles (4) deutlich mehr, insbesondere
mindestens 50% mehr als das spezifische Gewicht der Flüssigkeit (5)
beträgt.
Priority Applications (9)
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| 8139 | Disposal/non-payment of the annual fee |