DE19507931C1 - Verfahren zum Aktualisieren von Ersatzwerten für eine laufbestimmende Eigenschaft von Wagen auf einer Rangieranlage - Google Patents
Verfahren zum Aktualisieren von Ersatzwerten für eine laufbestimmende Eigenschaft von Wagen auf einer RangieranlageInfo
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Description
Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Betriebsverfahren für
rangiertechnische Anlagen und betrifft ein Verfahren zum Ak
tualisieren von Ersatzwerten für laufbestimmende Eigenschaf
ten von Wagen auf einer Rangieranlage, insbesondere einer Ab
laufanlage. Mittels Ablaufanlagen werden ursprüngliche Zug
verbände gemäß Vorgaben beispielsweise einer Zerlegeliste
aufgelöst und durch vorgabengemäßen Einlauf der vereinzelten
Wagen oder Wagengruppen in verschiedene Richtungsgleise zu
neuen Wagengruppen oder Zügen zusammengestellt. Für einen au
tomatisierten Betrieb bei reduziertem Einsatz von Personal
und Technik kommt der Beherrschung des Laufverhaltens der im
freien Ablauf nach Vereinzelung bis zu einer Talbremse lau
fenden Wagen und dem möglichst kuppelreifen Beilaufen mit zu
lässiger Auflaufgeschwindigkeit (Laufzielbremsung aus der
Richtungsgleisbremse) besondere Bedeutung zu. Für eine opti
male Einwirkung der Steuerungs- und Bremseinrichtungen der
Ablaufanlage müssen laufbestimmende Eigenschaften des jeweils
ablaufenden Wagens oder der Wagengruppe möglichst realitäts
nah prognostiziert werden.
Bekanntermaßen ("Die Systemlösung GERA", K. Bochmann, Trans
port und Umschlagtechnik, Folge 53/1993) wird dazu der je
weils ablaufende Wagen identifiziert und sein Laufverhalten
beispielsweise durch Messung der Radlasten und Belegungszei
ten einer Kurzzeitmeßstrecke bestimmt. Unter Auswertung der
so gewonnenen wagenspezifischen Meßwerte werden die rangier
anlagenseitigen Steuer- und Bremsorgane gesteuert.
Eine besondere Problematik ergibt sich allerdings, wenn für
den aktuellen Ablauf wagenindividuelle Meßwerte nicht zur
Verfügung stehen oder nicht oder nur unvollständig gewonnen
werden können. Beispielsweise kann eine ablaufende Wagen
gruppe beim Überschreiten einer maximalen Gruppenlänge zwar
in ihrer Zusammensetzung noch identifiziert werden, jedoch
können zur Laufeigenschaftenermittlung notwendige Messungen
(beispielsweise Kurzzeitgeschwindigkeitsmessungen) nicht mehr
ausgeführt werden. In einer derartigen Situation oder beim
bewußten oder durch Defekt von Meßeinrichtungen notwen
digerweise erforderlichen Verzicht auf aktuelle Meßwerte muß
zur Vermeidung von Betriebsstörungen auf Ersatzwerte zurück
gegriffen werden, die die jeweilige laufbestimmende Eigen
schaft charakterisieren. Zur Gewährleistung zufriedenstellen
der Ablaufergebnisse müssen diese Ersatzwerte entsprechend
den jeweils aktuellen Umgebungsbedingungen nachgeführt
(adaptiert) werden.
In diesem Zusammenhang ist aus dem genannten Aufsatz "Die Sy
stemlösung GERA" ein Verfahren zum Aktualisieren von Ersatz
werten für eine laufbestimmende Eigenschaft von Wagen auf ei
ner Rangieranlage bekannt, das die Möglichkeit einer manuel
len Änderung umweltspezifischer Vorgaben bietet. So ist eine
Einstufung in eine von mehreren zur Auswahl stehenden Witte
rungsklassen möglich, die für alle nachfolgend ablaufenden
Wagen gelten soll. Dies erfordert eine qualifizierte Ein
schätzung und Überwachung der Witterungsbedingungen durch ei
ne Bedienperson. Eine Selbstanpassung an sich ändernde Umge
bungsbedingungen und eine Differenzierung der Einstufung nach
unterschiedlichen Wagentypen ist mit dem bekannten Verfahren
nicht möglich.
Die Aufgabe der Erfindung besteht daher in der Schaffung ei
nes Verfahrens, das bedarfsweise unter Berücksichtigung bis
heriger Abläufe automatisch an veränderte Umgebungsbedingun
gen angepaßte aktualisierte Ersatzwerte zum Ersatz eines Meß
wertes für eine laufbestimmende Eigenschaft eines Wagens oder
einer Wagengruppe bereitstellt.
Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten
Art erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Wagen nach bau
artabhängigen Kriterien in Klassen eingeteilt werden, daß
klassenindividuell Langzeitmittelwerte für die laufbestim
mende Eigenschaft zur Bildung der Ersatzwerte bereitgestellt
werden, daß aus aktuellen Wagenläufen Meßwerte für die lauf
bestimmende Eigenschaft gewonnen werden, die jeweils wagen
bauartabhängig der entsprechenden Klasse zugeordnet werden,
daß für eine Anzahl von aktuellen Meßwerten jeweils die Ab
weichung des klassenzugeordneten Meßwertes von dem Langzeit
mittelwert seiner Klasse bestimmt wird, daß der Mittelwert
der Abweichungen gebildet wird und daß zur Nachführung der
Langzeitmittelwerte der Mittelwert der Abweichungen den
Langzeitmittelwerten aller Klassen aufgeschlagen wird.
Durch Umwelteinflüsse und Witterungsbedingungen (z. B. plötz
lich einsetzender Regen) können sich z. B. die Reibverhält
nisse und damit die laufbestimmenden Widerstandskräfte kurz
fristig und schlagartig verändern. Damit ändern sich auch die
individuellen Laufeigenschaften jedes Ablaufs und auch das
durchschnittliche Laufverhalten aller Abläufe. Dies macht
sich insbesondere beim Rollwiderstand des Ablaufs und hin
sichtlich des Widerstands im Gleisbogen bemerkbar. Verglichen
mit einer langsamen Adaptation der Ersatzwerte durch Lang
zeitmittelwertbildung - bei der die aktuellen Meßwerte nur im
Verhältnis zur mittelwertbildenden Gesamtmeßwertmenge einge
hen würden - wird durch die Beaufschlagung aller Langzeitmit
telwerte mit dem Abweichungsmittelwert als Korrekturgröße
quasi ein "Kurzzeitmittelwert" gebildet. Dieser stellt
sprunghaft und schnell an eine veränderte Realität angepaßte
Ersatzwerte zur Verfügung. Dadurch kann eine schnelle Anpas
sung der Steuerung der Gleisbremsen erfolgen, so daß sich die
Änderungen allenfalls kurzzeitig auf das Ablaufgeschehen
auswirken. Vorteilhafterweise werden so ein systematisch
falsches Geschwindigkeitsniveau in der Verteilzone, Eckstoß
gefahren, zu hohe Einlaufgeschwindigkeiten in die Rich
tungsgleisbremsen und zu hohe Auflaufgeschwindigkeiten im
Richtungsgleis verhindert.
Bei Verfahrensbeginn, zumindest bei erstmaliger Inbetriebnah
me der Rangieranlage, können vorteilhafterweise vorgegebene
Basiswerte als Startwerte für die Langzeitmittelwerte ver
wendet werden. Die Basiswerte können vorab im OFF-Line-Be
trieb durch wagenklassenindividuelle Meßreihen ermittelt
werden. Daraus ergibt sich ein weiterer wesentlicher Vorteil
des erfindungsgemäßen Verfahrens, indem nämlich auch Lang
zeitmittelwerte und damit Ersatzwerte von Wagenklassen nach
geführt werden, zu denen in jüngerer Vergangenheit keine
aktuellen Meßwerte aufgenommen wurden.
In der Praxis hat sich gezeigt, daß bereits eine vergleichs
weise geringe Anzahl aktueller Meßwerte, vorzugsweise die
letzten 10 bis 20 aktuellen Meßwerte, zur Gewinnung eines
verwertbaren Abweichungsmittelwertes ausreichend sind.
Das erfindungsgemäße Verfahren berücksichtigt vorteilhafter
weise sich langsam ändernde Witterungsverhältnisse, indem die
von aktuellen Läufen gewonnenen Meßwerte für eine klassenin
dividuelle langfristige Nachführung der Langzeitmittelwerte
verwendet werden.
Um den Einfluß von Meßwert-Ausreißern frühzeitig auszuschlie
ßen, sieht eine vorteilhafte Ausgestaltung des erfindungsge
mäßen Verfahrens vor, daß eine Abweichung des klassenzuge
ordneten Meßwertes von dem Langzeitmittelwert seiner Klasse
bei der Bildung des Abweichungsmittelwertes nur berücksich
tigt wird, wenn die Abweichung innerhalb eines Toleranzbe
reichs liegt. Der Toleranzbereich kann vorzugsweise der
zweifachen Standardabweichung σ entsprechen.
Um den Aufwand zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfah
rens zu verringern und ein Oszillieren der Ersatzwerte zu
verhindern, sieht eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfin
dung vor, daß der Abweichungsmittelwert nur dann den Lang
zeitmittelwerten aufgeschlagen wird, wenn der Betrag des Ab
weichungsmittelwerts einen Schwellwert überschreitet. Bevor
zugt wird der Schwellwert mit zunehmender Anzahl verwertbarer
oder vorhandener Meßwerte verringert, so daß sich ein meß
werteanzahlabhängiger Signifikanztest ergibt.
Wenn die aktuellen Meßwerte beispielsweise infolge einer An
lagenstörung oder defekter Meßwertaufnehmer außerordentlich
stark von den Langzeitmittelwerten ihrer jeweiligen Klasse
abweichen, ist eine kurzfristige Nachführung u. U. nicht
sinnvoll oder nicht mehr möglich. Zu diesem Aspekt sieht eine
vorteilhafte Gestaltung der Erfindung vor, daß eine Warn
meldung ausgegeben wird, wenn der Abweichungsmittelwert einen
vorgegebenen Grenzwert überschreitet.
Erfahrungsgemäß reagieren laufbestimmende Eigenschaften von
Wagen gegenüber Veränderungen der Umgebungsbedingungen bau
artspezifisch unterschiedlich. Zur Kompensation klassenindi
viduell unterschiedlicher Reaktionen einer laufbestimmenden
Eigenschaft auf Veränderungen der Umgebungsbedingungen sieht
eine vorteilhafte Ausbildung der Erfindung vor, daß der Mit
telwert der Abweichungen den Langzeitmittelwerten mit einer
klassenindividuellen Gewichtung aufgeschlagen wird.
Wie bereits erwähnt, kann zu Verfahrensbeginn vorzugsweise
auf gespeicherte, auf Erfahrungswerten beruhende Basiswerte
zurückgegriffen werden. Um dabei aktuelle, der Außentempera
tur angepaßte Startwerte zur Verfügung zu stellen, sieht eine
vorteilhafte Fortbildung der Erfindung vor, daß vorab für un
terschiedliche Temperaturen klassenindividuell Basiswerte für
die laufbestimmende Eigenschaft ermittelt werden und daß zu
Verfahrensbeginn der aktuellen Temperatur entsprechende
Basiswerte als Startwerte bereitgestellt werden.
Damit kurzfristig zu beachtende und mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren kompensierbare Änderungen der Umweltbedingungen
nicht zu stark zukünftige Abläufe, insbesondere Abläufe nach
einer längeren Betriebspause, beeinflussen, sieht eine wei
tere vorteilhafte Fortbildung der Erfindung vor, daß die Ge
wichtung der nachgeführten Langzeitmittelwerte bei der Bil
dung der Ersatzwerte mit zunehmendem Alter des letzten aktu
ellen Meßwerts geringer und die Gewichtung der gemäß der
aktuellen Temperatur herangezogenen Basiswerte höher bemessen
wird.
Eine besonders bevorzugte Anwendung des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist das Aktualisieren von Ersatzwerten für die
Rollwiderstandskraft (FACHS) einer rollenden Achse. Die Roll
widerstandskraft ist nämlich weitestgehend beladungsunabhän
gig und daher wagenspezifisch charakteristisch. Unter der
laufbestimmenden Eigenschaft "Rollwiderstandskraft" ist das
Produkt des Rollwiderstandes (wr) mit dem auf die Anzahl (n)
der Achsen pro Wagen oder Wagengruppe normierten Gesamtge
wicht (Gges) gemäß der Gleichung
zu verstehen. Die Bestimmung des Rollwiderstands ist für sich
bekannt und beispielsweise in der DE-OS 22 46 306 und DE-OS
42 30 061 beschrieben.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand einer Zeichnung weiter
erläutert; es zeigt
Fig. 1 schematisch eine Ablaufanlage,
Fig. 2 wesentliche Schritte des erfindungsgemäßen Verfah
rens,
Fig. 3 die Bildung von Ersatzwerten und
Fig. 4 den Temperatureinfluß auflaufbestimmende Eigenschaf
ten.
Nach Fig. 1 umfaßt eine bei der Temperatur T1 betriebene
Rangieranlage 1 einen Ablaufberg 2 und einen talwärts gerich
teten Ablaufbereich 3, der in Richtungsgleise RG1, RG2, RG3
und RG4 verzweigt. Ein Zug oder eine Wagengruppe 10 wird von
einer Abdrücklokomotive 11 derart bergaufwärts geschoben, daß
eine Vielzahl einzelner Wagen Wi (explizit sind Wagen
W1, W2, W17, W18, W19 und W20 gezeigt) oder Wagengruppen sukzes
sive in den freien Ablauf gelangt. Die Wagen Wi sind je nach
ihrem Aufbau und ihrer Achskonfiguration in bauartspezifische
Wagenklassen KL1, KL2, KL3, KL4 eingeteilt. In der in Fig. 1
gezeigten Situation befindet sich der Wagen W1 in freiem
Ablauf im Talbereich 3 und durchläuft eine Erkennungszone
EKZ, in der beispielsweise die Achskonfiguration (Anzahl,
Anordnung, Verteilung der Achsen) und durch Lichtschranken
der Aufbau als bauartabhängige Kriterien BK bestimmt werden;
der Wagen W1 wird gemäß diesen Kriterien BK der Klasse KL1
zugeordnet. Ferner erfolgt durch Geschwindigkeitsmessung, des
z. B. gemäß der DE-OS-42 14 541 oder dem Aufsatz "Neues
Verfahren zur Laufwiderstandsermittlung in beliebigen
Profilen", SIGNAL + DRAHT, 86, (1994) 4, Seiten 123 ff., daraus
ermittelbaren Rollwiderstands und Gewichtsmessung gemäß Glei
chung (1) die Bestimmung der Rollwiderstandskraft einer rol
lenden Achse FACHS. Diese Laufeigenschaft jedes Wagens Wi ist
durch einen Meßwert MWi repräsentiert. Die Meßwerte MWi die
nen in bekannter Weise zur Steuerung einer in Ablaufrichtung
nachfolgenden Talbremse TB, die eine vorgegebene Auslaufge
schwindigkeit je nach vorgesehenem Richtungsgleis zuläßt.
Auch Richtungsgleisbremsen RB1 bis RB4 werden gemäß den Meß
werten MWi gesteuert, um bei möglichst hoher Gleisfüllung ein
kuppelreifes Beilaufen zu erreichen. Die Rollwiderstandskraft
FACHS für den Wagen W1 ist durch den Meßwert MW1 reprä
sentiert, der gemäß dem ermittelten bauartabhängigen Kri
terium BK der wagenindividuellen Klasse KL1 zugeordnet wird.
Entsprechend wird ein Meßwert MW2 gewonnen und die Zuordnung
des Wagens W2 zur Klasse KL3 usw. vorgenommen.
Die jeweils der Klasse des ablaufenden Wagens Wi zugeordneten
Meßwerte MWi werden gemäß Fig. 2 in einen FIFO-Speicher SP
mit 20 Speicherzellen seriell eingeschrieben, so daß jeweils
die letzten 20 Meßwerte MW1 bis MW20 in dem Speicher SP vor
handen sind. Bei Verfahrensbeginn, z. B. bei Inbetriebnahme
der Anlage, werden zunächst (durch Pfeile P3 angedeutet)
Startwerte SW1 bis SW4 in die Langzeitmittelwerte LM1 bis LM4
eingeschrieben. Die Startwerte bestimmen sich aus vorab für
unterschiedliche Temperaturen T1, T2, T3 klassenindividuell
ermittelten und gespeicherten Basiswerten BW1 bis BW4. Im
vorliegenden Beispiel wird für jede Klasse der Startwert SW1=
BW1(T1), SW2 = BW2(T1), SW3 = BW3(T1), SW4 = BW4(T1) gemäß der Tem
peratur T1 (Fig. 1) der Rangieranlage herangezogen. Vorzugs
weise wird zumindest bei der nachfolgend näher erläuterten
kurzfristigen, schnellen Nachführung (Adaptation) der Lang
zeitmittelwerte LM1 bis LM4 das Alter der Meßwerte berück
sichtigt. Dazu wird jeder Meßwert MWi mit einem Zeitstempel
ZST versehen, der die Zeit ti der Meßwertaufnahme angibt.
Zur kurzfristigen Adaptation aller Langzeitmittelwerte werden
die 20 letzten Meßwerte MW20 bis MW1 mit dem aktuell gültigen
bei Verfahrensbeginn also z. B. mit dem entsprechenden
Startwert oder mit dem bisherigen - klassenspezifischen Lang
zeitmittelwert verglichen. Die Bereitstellung der dazu je
weils benötigten klassenspezifischen Langzeitmittelwerte LM1
bis LM4 ist in Fig. 2 summarisch durch den Pfeil P1 symboli
siert. Demgemäß wird der Meßwert MW1 aufgrund der Klassenzu
ordnung KL1 des Wagens W1 mit dem Langzeitmittelwert LM1
(oder bei Verfahrensbeginn mit dem Startwert SW1), der Meß
wert MW2 mit dem Langzeitmittelwert LM3 (SW3) usw. vergli
chen. Jede dabei ermittelte Abweichung Δ1 bis Δ20 (allgemein
Δi) wird in einem ersten Vergleich VGL1 daraufhin überprüft,
ob sie innerhalb eines Toleranzbereichs liegt. Dazu wird
jeweils der Betrag der Abweichung Δi in bezug auf einen
ersten Schwellwert S1 geprüft. Ist der Betrag kleiner (N) als
der Schwellwert S1, wird die jeweilige Abweichung Δi bei
einer nachfolgenden Mittelwertbildung MWB berücksichtigt. In
dem vorliegenden Beispiel sei nur der Betrag der Abweichung Δ
17 größer (J) als der Schwellwert S1, so daß nur die Abwei
chung Δ17 als Meßwertausreißer bei der nachfolgenden Mittel
wertbildung MWB unberücksichtigt bleibt. Aus den übrigen
Abweichungen Δ1 bis Δ16; Δ18 bis Δ20 wird gemäß der
Gleichung
der Mittelwert der Abweichungen (Abweichungsmittelwert) AWM
gebildet. Wegen der Nichtberücksichtigung der Abweichung Δ17
beträgt n = 19. In einem weiteren Vergleich VGL2 wird ge
prüft, ob der ermittelte Abweichungsmittelwert AWM eine Si
gnifikanzschwelle S2 überschreitet (Signifikanztest). Vor
zugsweise kann die Signifikanzschwelle S2 mit zunehmender An
zahl verwertbarer Meßwerte geringer gewählt werden. Liegt der
Abweichungsmittelwert unterhalb der Signifikanzschwelle (N),
erfolgt keine kurzfristige Nachführung (Adaptation) der Lang
zeitmittelwerte. Überschreitet der Abweichungsmittelwert da
gegen die Signifikanzschwelle S2 (J), so wird nachfolgend ge
prüft, ob der Betrag des Abweichungsmittelwerts oberhalb ei
nes zulässigen Grenzwertes GW liegt. In diesem Fall (J) zeigt
der Abweichungsmittelwert eine außerordentlich starke
Abweichung. Deshalb wird anstelle oder zusätzlich zur Nach
führung der Langzeitmittelwerte eine Warnmeldung ausgegeben.
Wird der Grenzwert GW dagegen nicht überschritten (N), werden
zur Adaptation AD jeweils der Abweichungsmittelwert AWM den
bisherigen - durch den Zusatz "(alt)" gekennzeichneten -
Langzeitmittelwerten LM1(alt), LM2(alt), LM3(alt), LM4(alt)
aller Klassen KL1 bis KL4 aufgeschlagen und so aktualisierte
Langzeitmittelwerte LM1 bis LM4 gebildet. Dabei kann der Ab
weichungsmittelwert AWM über unterschiedliche Koeffizienten
α1, α2, α3, α4 jeweils mit unterschiedlicher Gewichtung auf
die Langzeitmittelwerte LM1(alt) bis LM4(alt) Einfluß nehmen,
wenn empirische Ermittlungen für die betrachtete laufbestim
mende Eigenschaft bauartabhängig und damit klassenindividuell
unterschiedliche Reaktionen auf veränderte Umwelteinflüsse
erwarten lassen. Die Koeffizienten α1 bis α4 können zusätz
lich dazu dienen, ein zu starkes Überschwingen des erfin
dungsgemäßen Verfahrens zu verhindern; vorzugsweise werden
die Koeffizienten α1 bis α4 zwischen 0,5 und 1 gewählt. Die
auf diese Weise an die durch die Meßwerte MW1 bis MW20 reprä
sentierten veränderten Umweltbedingungen kurzfristig adap
tierten Langzeitmittelwerte LM1 bis LM4 werden nun (wie in
Fig. 2 durch den Pfeil P1 angedeutet) für nachfolgende Be
stimmungen von Abweichungen Δi nachfolgender Meßwerte (z. B.
MW21) herangezogen. Durch die unmittelbare Aufschaltung des
Abweichungsmittelwertes AWM auf die bisherigen Langzeit
mittelwerte aller Klassen ist eine sprunghafte und sofortige
Adaptation an veränderte Umweltbedingungen erreicht.
Sofern Meßwerte MWi des aktuellen Ablaufs - z. B. infolge ei
nes Meßwertausfalls oder nicht individuell meßbarer Wagen
gruppen - nicht zur unmittelbaren Steuerung der rangiertech
nischen Anlage, insbesondere der Talbremse und der Richtungs
gleisbremsen (Fig. 1) genutzt werden können, werden unter
Zugrundelegung der nachgeführten Langzeitmittelwerte LM1 bis
LM4 Ersatzwerte EW1 bis EW4 gebildet. Im einfachsten Fall
können die adaptierten Langzeitmittelwerte LM1 bis LM4 unmit
telbar als Ersatzwerte verwendet werden. Bevorzugt werden je
doch die adaptierten Langzeitmittelwerte LM1 bis LM4 unter
Berücksichtigung des Alters des zuletzt ausgewerteten Meß
werts gewichtet. Dazu werden auch die Langzeitmittelwerte LM1
bis LM4 jeweils mit einem Zeitstempel ZST versehen, der den
Zeitpunkt der letzten Adaptation AD wiedergibt. Wie für die
Bildung eines Ersatzwertes EW4 in Fig. 2 angedeutet und in
Fig. 3 explizit dargestellt, werden die Ersatzwerte EW1 bis
EW4 in einem Verhältnis aus den Basiswerten BW1(T1) bis
BW4(T1) und den nachgeführten Langzeitmittelwerten LM1 bis
LM4 gebildet, das von dem Alter der letzten Adaptation AD
abhängig ist.
In einem ersten Beispiel soll gemäß Fig. 3 für einen aktuel
len Ablauf eines Wagens der Klasse KL4 mangels realer Meßwer
te ein Ersatzwert EW4 gebildet werden. Der Wagen läuft zu ei
nem Zeitpunkt t ab, der genau eine Stunde (ta = 1h) nach dem
Zeitpunkt t20 liegt, zu dem der letzte Meßwert MW20 aufgenom
men wurde (Fig. 2). Der Anteil AN des nachgeführten Langzeit
mittelwerts LM4 ist gemäß Fig. 3 in einem ersten Zeitraum
von 3 Stunden konstant und beträgt 60%, d. h. der Ersatzwert
EW4 ist zu 60% aus dem nachgeführten Langzeitmittelwert LM4
und zu 40% aus dem gemäß der aktuellen Temperatur T1 herange
zogenen Basiswert BW1(T) gebildet. Bei einem weiteren, späte
ren Ablauf eines Wagens der Klasse KL1 tb=6h nach dem
Zeitpunkt t20 beträgt dagegen der Anteil AN 40%, d. h. der
Ersatzwert EW1 ist nur noch zu 40% von dem nachgeführten
Langzeitmittelwert LM1 und zu 60% von dem gemäß der aktuellen
Temperatur T1 herangezogenen Basiswert BW1(T) bestimmt. Der
Anteil AN nimmt nämlich in einem Zeitraum von 3 bis 12 Stun
den linear von 60% auf 0% ab. Entsprechend würde die Bildung
von Ersatzwerten EW2, EW3, EW4 verlaufen.
Beim Einschreiben eines neuen Meßwertes MW21 aufgrund eines
Ablaufs eines (nicht dargestellten) Wagens W21 wird der älte
ste Meßwert MW1 aus dem Speicher SP ausgelesen und wie durch
den mit P2 bezeichneten Pfeil angedeutet zur langfristigen
Nachführung des jeweiligen klassenindividuellen Langzeitmit
telwertes LM1 herangezogen. Der Meßwert MW1 geht aufgrund
seiner Zuordnung zur Klasse KL1 nur in den Langzeitmittelwert
LM1 ein, und zwar entsprechend der Wichtung, die sich aus der
Gesamtanzahl der berücksichtigten Werte bei der klassischen
Mittelwertbildung ergibt. Der Meßwert MW1 kann in dieser Hin
sicht allerdings auch gänzlich ohne Einfluß bleiben, wenn an
hand seines Zeitstempels t1 die Überschreitung eines höchst
zulässigen Alters von z. B. 12 Stunden erkannt wird. Auf die
übrigen Langzeitmittelwerte LM2 bis LM4 hat der Meßwert MW1
auf diesem Weg keinen Einfluß. Entsprechend würde der Meßwert
MW2 in den Langzeitmittelwert LM3 eingehen, wenn ein weiterer
neuer Meßwert in den Speicher SP eingeschrieben werden würde.
Zur weiteren Veranschaulichung der Umgebungseinflüsse bei
spielsweise auf die Rollwiderstandskraft einer Achse (FACHS)
als laufbestimmende Eigenschaft zeigt Fig. 4 den Langzeit
mittelwert LM1 bzw. die statistische Verteilung der Rollwi
derstandskräfte bei Abläufen einer ersten Klasse KL1 und
einen zweiten Langzeitmittelwert LM2 bzw. die statistische
Verteilung der Rollwiderstandskräfte bei Abläufen einer zwei
ten Klasse KL2. In Abhängigkeit von der Temperatur, die für
die durchgezogene Kurve T1 = 20°C und für die gestrichelt an
gedeutete Kurve T3 = -10°c beträgt, ist jeweils eine Ver
schiebung der klassenspezifischen Mittelwerte FACHS1, FACHS2
zu höheren Rollwiderstandskräften FACHS erkennbar.
Claims (10)
1. Verfahren zum Aktualisieren von Ersatzwerten (EW1 bis EW4)
für eine laufbestimmende Eigenschaft (FACHS) von Wagen (Wi)
auf einer Rangieranlage (1),
dadurch gekennzeichnet, daß
- - die Wagen (Wi) nach bauartabhängigen Kriterien (BK) in Klassen (KL1 bis KL4) eingeteilt werden,
- - klassenindividuell Langzeitmittelwerte (LM1 bis LM4) für die laufbestimmende Eigenschaft (FACHS) zur Bildung der Ersatzwerte (EW1 bis EW4) bereitgestellt werden,
- - aus aktuellen Wagenläufen Meßwerte (MWi) für die laufbestimmende Eigenschaft gewonnen werden, die jeweils wagenbauartabhängig der entsprechenden Klasse (KL1 bis KL4) zugeordnet werden,
- - für eine Anzahl (n) von aktuellen Meßwerten (MW20 bis MW1) jeweils die Abweichung (Δi) des klassenzugeordneten Meßwertes (MW1) von dem Langzeitmittelwert (LM1) seiner Klasse (KL1) bestimmt wird,
- - der Mittelwert (AWM) der Abweichungen (Δi) gebildet wird und daß
- - zur Nachführung der Langzeitmittelwerte (LM1 bis LM4) der Mittelwert (AWM) der Abweichungen (Δi) den Langzeitmittel werten (LM1 bis LM4) aller Klassen (KL1 bis KL4) auf geschlagen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die letzten 10 bis 20 aktuellen Meßwerte (MWi) zur Gewinnung
des Mittelwertes (AWM) der Abweichungen (Δi) herangezogen
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2
dadurch gekennzeichnet, daß
die von aktuellen Läufen gewonnenen Meßwerte (MWi) für eine
klassenindividuelle langfristige Nachführung der Langzeit
mittelwerte (LM1 bis LM4) verwendet werden.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
eine Abweichung (Δi) des klassenzugeordneten Meßwertes (MWi)
von dem Langzeitmittelwert (LM1 bis LM4) seiner Klasse (KL1
bis KL4) bei der Bildung des Abweichungsmittelwertes (AWM)
nur berücksichtigt wird, wenn die Abweichung (Δi) innerhalb
eines Toleranzbereichs liegt.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Abweichungsmittelwert (AWM) nur dann den Langzeitmittel
werten (LM1 bis LM4) aufgeschlagen wird, wenn der Betrag des
Abweichungsmittelwerts (AWM) einen Schwellwert (S2)
überschreitet.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Schwellwert (S2) mit zunehmender Anzahl (i) verwertbarer
Meßwerte (MW20 bis MW1) verringert wird, so daß sich ein
meßwerteanzahlabhängiger Signifikanztest ergibt.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
eine Warnmeldung ausgegeben wird, wenn der Abweichungsmittel
wert (AWM) einen vorgegebenen Grenzwert (GW) überschreitet.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Abweichungsmittelwert (AWM) den Langzeitmittelwerten (LM1
bis LM4) mit einer klassenindividuellen Gewichtung
(α1 bis α4) aufgeschlagen wird.
9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
vorab für unterschiedliche Temperaturen (T1 bis T3)
klassenindividuell Basiswerte (BW1 bis BW4) für die
laufbestimmende Eigenschaft (FACHS) ermittelt werden und daß
zu Verfahrensbeginn der aktuellen Temperatur (T1)
entsprechende Basiswerte (BW1(T1), BW2(T1), BW3(T1), BW4(T1))
als Startwerte (SW1, SW2, SW3, SW4) bereitgestellt werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Gewichtung der nachgeführten Langzeitmittelwerte (LM1 bis
LM4) bei der Bildung der Ersatzwerte (EW1 bis EW4) mit
zunehmendem Alter des letzten aktuellen Meßwerts (MW20)
geringer und die Gewichtung der gemäß der aktuellen
Temperatur (T1) herangezogenen Basiswerte (BW1(T1), BW2(T1),
BW3(T1), BW4(T1)) höher bemessen wird.
Priority Applications (6)
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| DE19507931A DE19507931C1 (de) | 1995-02-24 | 1995-02-24 | Verfahren zum Aktualisieren von Ersatzwerten für eine laufbestimmende Eigenschaft von Wagen auf einer Rangieranlage |
| AT96902890T ATE187131T1 (de) | 1995-02-24 | 1996-02-16 | Verfahren zum aktualisieren von ersatzwerten für eine laufbestimmende eigenschaft von wagen auf einer rangieranlage |
| SI9630156T SI0810941T1 (en) | 1995-02-24 | 1996-02-16 | Process for updating substitute values for a run-determining property of wagons in a shunting facility |
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