DE1533278C - Gesinterter Reibwerkstoff - Google Patents
Gesinterter ReibwerkstoffInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen gesinterten Reibwerkstoff auf Eisenbasis.
Die Sinterreibwerkstoffe haben gegenüber den mit organischen, harzartigen Bindemitteln hergestellten
Reibwerkstoffen den hauptsächlichen Vorteil, wesentlich höheren Wärmebeanspruchungen gewachsen zu
sein.
Sie werden aus einem innigen Gemisch von Metall- und Nichtmetallpulvern durch Pressen und Sintern
hergestellt. Üblicherweise bestehen diese Reibwerkstoffe aus gesinterten Bleibronzen mit Zusätzen an
Trockenschmiermitteln und sogenannten Reibstützern. Als Trockenschmiermittel eignen sich beispielsweise
Graphit und Molybdänsulfid; dagegen kommen für die Erhöhung des Reibbeiwertes keramische Zuschläge
und Mineralien wie z. B. Quarz und Korund in Frage. Man hat es durch entsprechende Variation der Zusätze
in der Hand, sich, vor allem was den Reibbeiwert anbetrifft, auf alle Anwendungsfälle einstellen
zu können.
Um die Herstellungskosten zu senken, versucht man schon seit langem, von den Bronzereibwerkstoffen auf
solche überzugehen, die hauptsächlich Eisen enthalten.
So wird beispielsweise in der USA.-Patentschrift 3 067 493 vorgeschlagen, zur Stabilisierung des Reibbeiwertes
eines gesinterten Eisenreibwerkstoffes über einen weiten Temperaturbereich statt nur Eisen eine
Eisen-Nickel-Legierung mit von der Temperatur unabhängigem Ausdehnungskoeffizienten einzusetzen. Der
Nachteil ist aber, daß Nickel knapp und teuer ist.
Es ist weiter bekannt, z. B. aus der deutschen Auslegeschrift 1 189 814, Sinterreibwerkstoffen auf Eisenbasis
hauptsächlich Graphit, in diesem Fall 15 bis 60 Gewichtsprozent, zuzusetzen.
In dieser Auslegeschrift sind auch die im wesentlichen zu fordernden Eigenschaften solcher Reibwerkstoffe
angegeben; nämlich:
1. ein hoher Reibbeiwert,
2. eine hohe Verschleißfestigkeit,
3. Konstanz des Reibbeiwerts,
4. geräuschloses, weiches und gleichmäßiges Arbeiten der mit dem Reibwerkstoff bestückten Konstruktionsteile,
5. billige Herstellung.
Ein hoher Graphitanteil soll hauptsächlich dazu dienen, das Fressen oder den Gegenangriff im Zusammenwirken
mit der Gegenreibfläche, die meistens aus Gußeisen, Temperguß und gehärteten oder ungehärteten
Maschinenbaustählen besteht, zu vermeiden. Die Schwierigkeit bei den Stoffen mit so hohem
Graphitanteil besteht jedoch darin, Reibbeläge mit genügender innerer Festigkeit herzustellen.
Man hat deshalb bei einem anderen Reibwerkstoff auf Eisenbasis (deutsche Auslegeschrift 1 205 286) versucht,
erstens den Graphitanteil auf 20 bis 32 Gewichtsprozent zu verkleinern, zweitens eine Mischung von
pulverigem und flockigem Graphit einzusetzen und drittens 3 bis 10 Gewichtsprozent bindend wirkende
Bestandteile wie Kupfer, Blei, Wismut oder Cadmium hinzuzufügen. Hierdurch sollten die oben erwähnten
Eigenschaften bei genügender innerer Festigkeit erzielt werden. Es wird aber zugegeben, daß Reibbeläge
aus einer derartigen Pulvermischung, wenn der Graphitanteil geringer als 25 % ist, zu einer geräuschvollen
Betriebsweise neigen.
Außerdem ist in dieser Schrift als schon bekannt ein Reibwerkstoff erwähnt, der im Eisen 10 bis 50%
Graphit und 10 bis 15% Blei oder andere niedrigschmelzende Metalle enthalten soll. Hier wird versucht,
einen verringerten Graphitanteil durch einen verhältnismäßig hohen Bleianteil auszugleichen, um
die innere Festigkeit bei der Verwendung von pulverigem Graphit zu verbessern und die Geräuschneigung
zu vermindern. Es wird aber, in der gleichen Schrift, warnend darauf verwiesen, daß bereits bei
Anteilen unter 25% Graphit Geräuschneigung auftritt.
Die Neigung zur Geräuschbildung hängt zusammen mit dem großen Unterschied von Haft- und Gleitreibung
bei diesen Stoffen, einer dem Fachmann als »Stick-Slip« bekannten Erscheinung. Außerdem ist der
Verschleiß immer noch verhältnismäßig hoch, da die innere Scherfestigkeit des Materials durch die geforderten
Graphitzuschläge gering ist.
Ein hoher Anteil an bindenden Metallen, insbesondere wenn es sich um die leicht schmelzenden,
z. B. Cadmium, Wismut und Blei, handelt, bleibt nun nicht gleichmäßig im Reibwerkstoff verteilt, sondern
unter Verarmung des Anteiles im Inneren wandert ein großer Prozent unter der Einwirkung der beim-Reibeingriff
entwickelten Wärme nach außen-und bewirkt an der Reiboberfläche eine zusätzliche
Schmierung. Diese Erscheinung kann unter gewissen Umständen sogar erwünscht sein, weil auf diese
Weise ein Angriff der Gegenfläche vermieden und zusätzlich kinetische Energie als Schmelzwärme gebunden
wird.
Es ist andererseits jedoch klar, daß der Austritt eines schmelzflüssigen Metalls an die Reiboberfläche
in nachteiliger Weise zu einer Herabsetzung des Reibbeiwertes im Betrieb und damit zu einer weiteren
ungünstigen Vergrößerung des Unterschiedes zwischen Haft- und Gleitreibung führt.
Der erfindungsgemäße Reibwerkstoff vermeidet diese Nachteile. Er hat die vorerwähnten fünf Eigenschaften
und genügt außerdem noch den folgenden besonderen Anforderungen:
Bei ausreichender, innerer Festigkeit tritt kein Gegenangriff oder Neigung zum Feuern im
Trockenlauf auf. Die Zusammensetzung des Materials bleibt im Betrieb unverändert; der
Unterschied zwischen Haft- und Gleitreibung bleibt klein.
Es zeigt sich nun, daß die geschilderten Schwierigkeiten
vermieden und die vorteilhaften Eigenschaften erreicht werden können durch Verwendung eines
Reibwerkstoffes auf Eisenbasis in einer gemäß der Erfindung besonders ausgeglichenen Zusammensetzung,
die dadurch gekennzeichnet ist, daß der Reibwerkstoff aus 10 bis 15 Gewichtsprozent Graphit, 1,5
bis 3,5 Gewichtsprozent eines oder mehrerer der Metalle Arsen, Antimon oder Wismut, Rest Eisen
besteht. Wenn zwei oder alle drei dieser Metalle in Legierung zugesetzt Sind, beträgt der Wismutanteil
vorteilhafterweise mindestens 50 Gewichtsprozent der Legierungsbestandteile dieser Metalle.
Während in der deutschen Auslegeschrift 1 205 286 darauf hingewiesen wird, daß Reibelemente mit einem
Graphitanteil unter 25 Gewichtsprozent bereits zu geräuschvoller Betriebsweise neigen und geringere
Anteile an Graphit hohe Anteile an Blei bedingen, zeichnet sich der erfindungsgemäße Reibwerkstoff bei
hervorragendem Betriebsverhalten durch eine überraschend einfache Zusammensetzung bei verhältnis-
Claims (1)
- 3 4mäßig niedrigen Graphitanteilen und sehr geringen sich auf einen Reibwerkstoff nach der deutschen AusAnteilen an teuren Zuschlagmetallen aus. legeschrift 1 189 814 beziehen. Diese Reibwerkstoffe Ein mit den Gewichtsanteilen von waren wie folgt zusammengesetzt:14,5% C, Probe 23,3°/0Bi, 5 22,0 Gewichtsprozent CRest 82,2 % Fe 4,5 Gewichtsprozent Bi^ ·, .-.,·, ■ Rest Fe
hergestellter Reibwerkstoff zeigte besonders günstigeEigenschaften, vor allem einen gleichmäßig hohen Probe 3Reibbeiwert. Dieser gleichmäßige Verlauf des Reib- io 29,5 Gewichtsprozent Cbeiwertes ergab sich sowohl in Abhängigkeit vom 4>° Gewichtsprozent BiAnpreßdruck als auch von der Gleitgeschwindigkeit ^-est . ^eoder von der Temperatur. Probe 4Ein gleichmäßig weicher, geräuschloser Reibeingriff 30 Gewichtsprozent Cauch im Trockenlauf ist die vorteilhafte Folge. Als 15 70 Gewichtsprozent Fe
weitere günstige Eigenschaft war eine gute innereFestigkeit des Materials und infolgedessen eine lange Aus dem Verlauf der Kurven 2 und 3 ist deutlich zuLebensdauer der hieraus hergestellten Reibbeläge zu erkennen, daß der Reibbeiwert mit ansteigendemverzeichnen. Graphitanteil und besonders mit zunehmender Gleit-Der im wesentlichen aus nur drei Komponenten zu- 20 geschwindigkeit stark abfällt. Diese Erscheinung, diesammengesetzte Reibwerkstoff zeigte weiter eine gute mit »Geschwindigkeitsfading« bezeichnet wird, machtVerformbarkeit und war leicht zu verarbeiten. sich auch bei der mit 4 bezeichneten Probe starkDie Pulvermischung in der erfindungsgemäßen Zu- bemerkbar. Bei einer Verwendung solcher Reibwerk-sammensetzung bestand aus stoffe in Bremsen bedeutet ein Anstieg des ReibwertesEisenpulver in einer Körnung *5 bei Erniedrigung der Geschwindigkeit eine durchauskleiner als 0,1 mm Maschenweite, unerwünschte Vergrößerung der BlockiergefahrGraphitpulver in einer Körnung Alle drei bekannten Reibwerkstoffe (Proben 2, 3. kleiner als 0,3 mm Maschenweite und und 4> ?efen A weit,fr eiI\e Sonders bei 4 sehr starkWismutpulver in einer Körnung ausgeprägte Abnahme des Reibbeiwertes mit derkleiner als 0,06 mm Maschenweite. 3° Temperatur das gefurchtete »Warmefading«.Aus dem Temperatur- und aus dem Gleitgeschwin-Die Mischung wurde mit 4 Mp/cm2 verpreßt und digkeitsverlauf bei Proben 2 und 3 läßt sich weiter auf bei 960 bis 980° C gesintert. Der sich ergebende Reib- die vorher erwähnten Erscheinungen der Metallwerkstoff hatte eine Brinellhärte von 18 bis 25 kp/mm2. ausschwitzung und des >Stick-Slip« schließen. DerIn der Zeichnung sind in graphischer Darstellung 35 Reibwerkstoff »Probe 4« wies den zu erwartenden,der Verlauf des Reibbeiwertes in Abhängigkeit von durch den hohen Graphitanteil verursachten hohender Flächenpressung, der Gleitgeschwindigkeit und der Verschleiß auf.Reibflächentemperatur sowie der Verschleiß angegeben. Die Vergleichswerkstoffe (Proben 2 und 3) mußtenDer Prüfstand, mit dessen Hilfe die Messungen ge- mit 5,5 Mp/cm2 verpreßt und bei 10500C gesintertmacht wurden, war dabei so aufgebaut, daß zwei 40 werden; die Probe 4 wurde zwar nur bei 1,75 Mp/cm2Proben mittels einer zangenähnlichen Vorrichtung verpreßt, mußte aber bei 18 kp/cm2 und 9900C, d. h.gegen die einander gegenüberliegenden Flächen einer im Drucksinterofen, gesintert werden,umlaufenden Scheibe von etwa 400 mm Durchmesser Außer den bereits aufgeführten, den technischengepreßt werden. Die Scheibe wird durch einen elek- Fortschritt kennzeichnenden Vorzügen ergibt sich noch,trischen Antrieb auf die festgelegte Drehzahl gebracht; 45 daß ein Reibwerkstoff in der erfindungsgemäßen Zu-danach werden die beiderseits neben der Scheibe an- sammensetzung billiger, herzustellen ist, nämlich beigeordneten Belagproben hydraulisch an die Scheibe niedrigeren Preßdrücken und ohne Drucksinterungangedrückt. Die hydraulisch betätigte, zangenartige bei niedrigeren Sintertemperaturen und daß er einenVorrichtung ist über einen Hebel auf einer Druck- im Vergleich zu den bekannten Sintereisenreib-meßdose abgestützt. 50 werkstoffen überraschend gleichmäßigen Reibbeiwert-Die Scheibe, als Gegenmaterial in der Reibpaarung, verlauf zeigt.bestand aus einem phosphor- und schwefelarmen Patentansprüche-Stahl mit 0,6% C, 0,25% Si, 0,25% Mn und maximalje 0,035% P und S, VDEh-Bezeichnung des Stahles: 1· Gesinterter Reibwerkstoff auf Eisenbasis,Ck60. 55 dadurch gekennzeichnet, daß er ausDer erfindungsgemäße Reibwerkstoff in der Zu- 10 bis 15% Graphit, 1,5 bis 3,5% eines odersammensetzung 14,5 Gewichtsprozent C, 3,3 Gewichts- mehrerer der Metalle Arsen, Antimon und Wismut,prozent Bi, Rest Fe — sein Reibbeiwertverlauf ist in Rest Eisen besteht.der Zeichnung mit 1 gekennzeichnet — wurde ver- 2. Reibwerkstoff nach Anspruch 1, dadurch ge-,glichen mit bekannten Reibwerkstoffen, wobei die mit 60 kennzeichnet, daß in dem Legierungsbereich von2 und 3 gekennzeichneten Meßergebnisse sich auf 1,5 bis 3,5% mindestens 50% Wismut bei An-Reibwerkstoffe nach der deutschen Auslegeschrift Wesenheit von Arsen und/oder Antimon anwesend1 205 286 und der mit 4 gekennzeichnete Kurvenverlauf sind.Hierzu 1 Blau Zeichnungen
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