DE1547085C - Biegeweicher Schalldammstoff - Google Patents
Biegeweicher SchalldammstoffInfo
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Description
Bis zu einem gewissen Grade wurden inzwischen
40 diese Lehren auch auf die Baustoffe übertragen, aus
denen Wandplatten für die Schalldämmung herge-
·. · ' · stellt wurden. Durch die deutsche Auslegeschrift
1134 191, die österreichische Patentschrift 233 216 und den Aufsatz »Schalldämmstoffe aus Kunststoff«
45 von Dr. Karl Kurz aus »Lärmbekämpfung«, 9. Jahrgang, Heft 6, 1965, ist bekannt, zur Herstellung von
Die Erfindung betrifft einen aus plastischen Binde- Wandmaterialien aus plastischen Stoffen, z. B. Kunstmitteln
und darin homogen verteilten Füllstoffen stoff, Kautschuk, Bitumen und Mischungen aus ihnen
bestehenden biegeweichen Schalldämmstoff mit einer beschwerende, verhältnismäßig kleinkörnige Werkderartigen Weichheit und einem derartigen Füllüngs- 50 stoffe in diesen Massen homogen fein zu verteilen,
grad, daß das kennzeichnende Verhältnis des dyna- so daß ein gleichmäßiges beschwertes Flächenmatemischen
Elastizitätsmoduls oberhalb 1000 Hz zur rial entsteht, das im Gegensatz zu den mit Einzeldritten
Potenz des spezifischen Gewichtes und damit massen versehenen Platten eine ziemlich homogene
Ε/ρ3 klein ist. Struktur hat und bei Bedarf beliebig zugeschnitten
Ein solcher verhältnismäßig verlustloser und In- 55 und auch in räumliche Formen, z. B. Wölbungen
folge Reflexion den Schalldurchgang hindernder aller Art, gebracht werden kann. Mischt man ein
Schalldämmstoff ergibt sich durch eine Umrechnung Bindemittel der genannten Art mit einem solchen
aus der Gleichung 14 auf, S. 176 des Buches »Die Füllstoff in verschiedenen Mischungsverhältm"ssen, so
wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik«,. * liegen die spezifischen Gewichte der Mischungen
1950, von Lothar Cremer. Aus der Original- 60 zwischen dem spezifischen Gewicht des reinen Bindegleichung
14 auf S. 176 des genannten Buches hat mittels und dem Schüttgewicht des Füllstoffes, welman
bisher Lehren zum technischen Handeln abge- ches mit steigender Füllung angenähert wird,
leitet, die zu zweckmäßigen Gestaltungen von Wand- Die dynamischen Ε-Moduli solcher gefüllter plasti-
leitet, die zu zweckmäßigen Gestaltungen von Wand- Die dynamischen Ε-Moduli solcher gefüllter plasti-
platten als Bauteil führten. scher Stoffe hatten bisher die Größenordnungen unter
So ist es durch die deutsche Patentschrift 880 798 65 1010 dyn/cm2, und die spezifischen Gewichte lagen
bekannt, Rillen in die Wandplatten zu fräsen, um zwischen 1 und 1,5 g/cm3. Im Gegensatz zu Schalldurch
diese Formgebung die Biegesteife des Bauteiles dämmstoffen hatten Entdröhnungsmittel (mit denen
zu vermindern, ohne das Gewicht wesentlich zu die Erfindung an sich nichts zu tun hat) E-Moduli
3 4
von mehr als 1010 dyn/cm2 und spezifische Gewichte Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch ge-
von möglichst weniger als 1 g/cm3 (vgl. »Schall- löst, daß bei einem Schalldämmstoff der eingangs
dämmstoffe aus Kunststoff«, von Dr, Karl Kurz aus erwähnten Art das kennzeichnende Verhältnis klei-
» Lärmbekämpfung«, 9. Jahrgang, Heft 6, 1965, und ner ist als das kennzeichnende Verhältnis von Blei,
»Über das dynamisch-elastische Verhalten linearer, 5 -. .'—, „,. . . .,„„ dyncm' . " ...
vernetzter und gefüllter Kunststoffe« von Becker wobei El^ Wemer *** 10* —ψ~ ist : ■ ν \λν..;
und Oberst aus »Kolloid-Zeitschrift«, 148. Band, Gegenüber der bisherigen Lehre, daß Wänder für
Heft 1 und 2, S. 6 bis 16 [Ϊ956]). die Schalldämmung biegeweich und schwer sein" inüs-
Da es sich hier um Schwingungsvorgänge handelt, ' sen, eröffnet die Erfindung also Wege zur Verwenist
der dynamische Ε-Modul des fertigen Platten- io dung von Materialien mit hohem Elastizitätsmodul,
materials zu berücksichtigen, der bei der Verwen- wenn Dir spezifisches Gewicht ausreichend hoch ist
dung von plastischen Bindemitteln stets größer als und auch zur Verwendung von leichten Materialien,
der statische Ε-Modul ist. Da der Koinzidenzeffekt solange ihr Elastizitätsmodul niedrig genug ist, für
im allgemeinen oberhalb 1000 Hz auftritt, istder dy- die Herstellung schalldämmender Wände,
namische Elastizitätsmodul nur dieses Frequenz- 15 Es werden also auch spezifisch leichte Werkstoffe
bereiches zu berücksichtigen, im Gegensatz zu dem zur Schalldämmung verwendet, wenn ihre Weichheit
dynamischen Elastizitätsmodul unter 100 Hz, der bei so eingestellt ist, daß ihr kennzeichnendes Verhältschwingungsisolierenden
Gummielementen zu be- ms El ρ3 gleich oder kleiner ist als das kennzeichrücksichtigen
ist. Der dynamische Elastizitätsmodul nende Verhältnis von bekannten schweren Werkstofplastischer
Massen ist aber im-Frequenzbereich ober- so fen, z.B. Stahl. Diese Weicheinstellung kann durch
halb 1000 Hz im allgemeinen zehnmal größer als im Zugabe von Weichmachern erfolgen, durch unvoll-Frequenzbereich
unter 100 Hz. Außerdem wurde ständige Vernetzung bei Stoffen mit vernetzter Molefestgestellt, daß bei bestimmten Mischungsverhältnis- külstruktur oder dadurch, daß die beiden Komposen
ein maximaler Elastizitätsmodul erreicht wird. nenten von ^-Komponenten-Bindemitteln nicht in
Unterhalb dieses Maximums des Ε-Moduls sind aber 35 stöchiometrischem Verhältnis miteinander gemischt
die spezifischen Gewichte klein. Füllt man die plasti- werden.
sehen Bindemittel so hoch, daß das Maximum des Die notwendige geringe Steife erhält man aber
Ε-Moduls überschritten wird, so werden die Platten auch gemäß der Erfindung mechanisch durch schwa-
spröde, brüchig oder gar bröckelig. dies Schäumen. Die Schäumung muß in dem Augen-
Wird ' ein Bindemittel mit jeweils verschiedenen 30 blick abgebrochen werden, wenn das spezifische GeFüllstoffen
gefüllt, z. B. mit Schwerspat oder Blei- wicht noch nicht wesentlich vermindert, jedoch die
oxyd, so erhält man Mischungen unterschiedlichen Steife der Schicht bereits genügend herabgesetzt ist. _
spezifischen Gewichtes, aber nahezu gleicher innerer Durch die Erfindung gelingt es also einerseits, aus
Steife. Die beiden Beispiele zeigen, daß hier gerade Werkstoffen mit hohem Elastizitätsmodul durch Eindas
akustisch bessere, also schwerere Material das 35 stellung eines entsprechenden spezifischen Gewichtes
teuerere ist und daher, in der Praxis oft aus Kosten- Wände herzustellen mit mindestens gleichguter
gründen das akustisch schlechtere, also leichteres Schalldämmung wie biegeweiche Wände und ande-Material
bevorzugt wird. Andererseits: besteht ein rerseits aus Werkstoffen mit niedrigem spezifischem
Widerspruch zwischen dieser akustischen Forderung Gewicht durch Einstellung eines geeigneten Elastizi-
und den Wünschen des Leichtbaus, z.B. bei Fahr- 40 tätsmoduls Wände herzustellen, die mindestens die
zeugen, weil ausreichende Schalldämmung nur mit gute Schalldämmung von schweren Wänden haben,
entsprechenden Wandgewichten gewährleistet ist. Die Erfindung ermöglicht es also auch, den spezi-
Aus der erwähnten Formel 14 im Buch von fisch leichteren Werkstoff mit dem preisgünstigeren
L. Cremer auf S. 176 kann man erst nach mathe- leichten Füllstoff so einzustellen, daß er einem schwemätischer
Umformung entnehmen, daß die schall- 45 fen Werkstoff akustisch gleichwertig wird,
dämmende Wirkung von Baustoffen vom Verhältnis , Die Änderung des spezifischen Gewichtes als phy-
E! ρ3 abhängt und daß sie um so größer ist, je kleiner sikalischer Eingriff in die Mischung ist der Änderung
der Wert dieses Verhältnisses der Materialkonstanten des Elastizitätsmoduls als chemischer Eingriff in die
ist. Es geht aber weder aus der ursprünglichen noch Mischung durch Weichmacheränderung akustisch
aus der umgeformten Gleichung hervor, bis zu wel- 50 gleichwertig. Einer Änderung des spezifischen Gechen
Werten dieses Verhältnisses der Materialkon- wichtes um den Faktor 2 ist akustisch die Änderung
stanten man zur Erreichung besonderer Vorteile her- des Elastizitätsmoduls um den Faktor 1/8 gleichuntergehen kann und muß. . wertig. Eine Verminderung des Ε-Moduls ist aber
Aus dem beschriebenen Stand der Technik ergibt beispielsweise dann nicht mehr möglich, wenn die
sich weiterhin, daß die bisherigen Baustoffe aus pla- 55 Arbeitstemperaturen in der Nähe des Erweichungsstischen
Bindemitteln und darin homogen verteilten punktes des Bindemittels liegen oder das Bindemittel
Füllstoffen für die Herstellung schalldämmender bereits in seiner weichsten Form vorliegt.
Bauteile entweder ein zu geringes spezifisches Ge- Wohl die häufigste Aufgabe der Praxis ist die Verwicht
oder einen zu großen Elastizitätsmodul auf- besserung der Schalldämmung von bereits bestehenwiesen.
60 den Wänden. Hierfür schlägt die Erfindung vor, daß
Demgemäß liegt der Erfindung die Aufgabe zu- das'kennzeichnende Verhältnis Ε/ρ3 des Schalldämmgrunde,
Baustoffe mit verbesserten schalldämmenden stoffes bei Anordnung desselben als Vorsatzschale
Eigenschaften zu schaffen und insbesondere die im Abstand vor einer bestehenden Wand oder als
schalldämmenden Eigenschaften von Stoffen mit nied- Belag direkt auf der Wand kleiner ist als das kennrigem
spezifischem Gewicht oder hohem Elastizitäts- 65 zeichnende Verhältnis des Materials der bestehenden
modul so zu verbessern, daß auch solche Baustoffe Wand. Aus der Tatsache, daß das vorgeschlagene
zur Herstellung schalldämmender Bauteile verwen- Belagmaterial zur Verbesserung einer Trennwand so
det werden können. . angewandt wird, daß seine Kennzahl kleiner ist als
die Kennzahl des Wandmaterials, ergibt sich ζ. Β., daß im Fahrzeugbau und im Maschinenbau solche
Materialien kleinere Kennzahlen haben müssen als Eisen bzw. Stahl, also kleiner als 4-109. Entsprechendes
gilt für Wandungen aus anderen Materialien, z. B. aus Bleiblechen mit Ε/ρ3 = 108.
Werden Materialien gemäß der Erfindung auf z. B. einem Trägerwerkstoff aufgebracht, der reißfest,
bruchfest und nicht spröde ist, dann muß er so beschaffen,
z. B. so dünn sein, daß er die akustischen Eigenschaften des Dämmstoffes nicht beeinflußt.
Hierfür kommen Textilgewebe, dünne reißfeste Kunststoffolien und ähnliches in Betracht.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen Materialien erfolgt im übrigen mittels bekannter Verfahren
durch Rühren, Kneten, Walzen u.dgl. Die Herstellung der Platten aus diesen Mischungen erfolgt ebenfalls
nach bekannten Verfahren durch Gießen, Pressen, Walzen usw., und die Aushärtung des Materials
kann in bekannter Weise durch Trocknen oder durch chemische Abbindevorgänge, wie z. B. Polymerisation,
Polyaddition oder Polykondensation, erfolgen.
Mit folgendem Beispiel soll die Herstellung solcher Schalldämmstoffe erläutert werden:
8,5 kg PyC-Pulver , '
- 7,5 kg Dioctylphthalat
72,0 kg Bleipulver
10,0 kg Bariumsulfat (Schwerspat)
2,0 kg Zuschlagstoffe, wie Pigmente,
Schwebemittel u. dgl.
10,0 kg Bariumsulfat (Schwerspat)
2,0 kg Zuschlagstoffe, wie Pigmente,
Schwebemittel u. dgl.
ίο Diese Stoffe werden im Kneter innig gemischt,
anschließend in eine flache Form gegossen oder auf eine Bahn eines reißfesten textlien Trägers in gleichmäßiger
Dicke, ζ. Β. durch Spritzen, Gießen oder Rakeln, aufgetragen und schließlich bei einer Temperatur
von 140° C geliert. Die fertige flexible Bahn hat ein kennzeichnendes Verhältnis Ε/ρ3, das kleiner
als 108ist. _
Zur Bestimmung des kennzeichnenden Verhältnisses Ε/ρ3 werden E und ρ getrennt bestimmt, und es
ao werden in der Physik übliche Meßmethoden angewendet.
Im übrigen können handelsübliche Meßgeräte verwendet werden.
Claims (5)
1 2
ändern. Es bedarf also besonderer konstruktiver Patentansprüche· Maßnahmen, um die Biegesteife zu verringern.
Außerdem ist es durch die deutsche Patentschrift 1 015 209 bekannt, die Wandplatten durch das An-
■ L Aus plastischen Bindemitteln und darin 5 bringen von verhältnismäßig großen Einzelmassen
homogen verteilten Füllstoffen bestehender biege- zu beschweren, wobei die Einzelmassen auch im
weicher Schalldämmstoff mit einer derartigen Plattenmaterial eingebettet sein und aus Stücken von
Weichheit und einem derartigen Füllungsgrad, Metallschrott, Kieselsteinen, Betonstücken u. dgl. bedaß
das kennzeichnende Verhältnis des dynami- stehen können. In diesen Fällen wurde die Masse
sehen Elastizitätsmoduls oberhalb 1000 Hz zur io pro Flächeneinheit des Bauteiles »Wandplatte« erdritten Potenz des spezifischen Gewichtes und höht, ohne dabei seine Biegesteife zu verändern. Auf
damit £/ρ3 klein ist, dadurch gekenn- beiden Wegen verfolgte man das Ziel, die Wandzeichnet,
daß das kennzeichnende Verhält- platten nicht nur schwer, sondern auch biegeweich
nis der Werkstoffe des Schalldämmstoffes kleiner zu machen, um den sogenannten Koinzidenzeffekt
ist als das kennzeichnende Verhältnis von Blei, 15 in einen höheren Frequenzbereich zu verschieben.
' u · ε·/ »11 · 1 in» dyncm7 . ' Die Vermeidung des Koinzidenzeffektes im Bereich
wobei Β/ρ» kleiner als 10»,—r- ist. technisch interessierender Frequenzen ist eine not-
2. Schalldämmstoff nach Anspruch 1, da- wendige Maßnahme zur Verbesserung der Schalldurch
gekennzeichnet, daß das kennzeichnende dämmung.
Verhältnis E/ρ3 des Schalldämmstoffes bei An- ao Während es erfahrungsgemäß für bauakustische
Ordnung desselben als Vorsatzschale im Abstand Zwecke ausreicht, wenn die Koinzidenzfrequenz (gevor
einer bestehendenWand oder als Belag direkt maß DIN 4109 und DIN 52 210) oberhalb 3200 Hz,
auf der Wand kleiner ist als das kennzeichnende also oberhalb der oberen Frequenzgrenze bau-Verhältnis
des Materials der bestehenden Wand. akustischer Prüfung liegt, werden wegen der hoch-
3. Schalldämmstoff nach Anspruch 1 oder 2, 25 frequenten Anteile in den Maschinengeräuschen,
dadurch gekennzeichnet, daß bei Anordnung des- z. B. für den Schallschutz im Maschinen- und Fahrseiben
auf einem reißfesten, bruchfesten und zeugbau, wesentlich höhere Koinzidenzfrequenzen
nicht spröden Trägerwerkstoff dieser so beschaf- notwendig. Es ist aus der österreichischen Patentfen,
z. B. so dünn ist, daß er die akustischen schrift 233 216 bekannt, aus diesem Grunde für die-Eigenschaften
des Schalldämmstoffes nicht be^ 30 sen technischen Bereich die Koinzidenzfrequenzen
einflußt. auf über 7000Hz zu verlegen. Zudem sind im Ma-
4. Schalldämmstoff nach Anspruch 1 oder 2, schinen1- und Fahrzeugbau schwere Wände aus kondadurch
gekennzeichnet, daß er die Form einer struktiven Gründen unerwünscht.
homogenen Platte besitzt. Schalldämmende Wände aus leichten Baustoffen
5. Schalldämmstoff nach einem der An- 35 dürfen nicht leichter als 4 kg/qm sein. Diese untere
sprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß Grenze hat akustische Gründe, weil gute Schalldäm-·
der Elastizitätsmodul durch schwaches Schäumen mung mit guter Reflexion an der Trennwand gleichvermindert
ist. zusetzen ist.
Applications Claiming Priority (2)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEST026344 | 1967-01-04 | ||
| DEST026344 | 1967-01-04 |
Publications (3)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE1547085A1 DE1547085A1 (de) | 1969-10-23 |
| DE1547085B2 DE1547085B2 (de) | 1972-07-13 |
| DE1547085C true DE1547085C (de) | 1973-02-08 |
Family
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