DE1238011B - Verfahren zur Herstellung von Acrylsaeurenitril unter gleichzeitiger Gewinnung von Blausaeure aus Acroleincyanhydrin - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Acrylsaeurenitril unter gleichzeitiger Gewinnung von Blausaeure aus AcroleincyanhydrinInfo
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Description
DEUTSCHES
PATENTAMT
AUSLEGESCHRIFT
Deutsche Kl.: 12 ο-21
Nummer: 1238 011
Aktenzeichen: K47740IVb/12o
Anmeldetag: 15. September 1962
Auslegetag: 6. April 1967
Bei der Acrylsäurenitrilherstellung durch Umsetzung eines Olefins, vorzugsweise Propylen, mit
Ammoniak und Sauerstoff im Gaszustand bei höheren Temperaturen in Gegenwart eines Katalysators entsteht
als Nebenprodukt in wechselnden Mengen Acrolein. Bei der Aufarbeitung der Reaktionsprodukte
gelangt das Acrolein in das rohe Acrylsäurenitril und setzt sich dort mit der stets im Überschuß vorhandenen
Blausäure zwangläufig zu Acroleincyanhydrin um. Bei der Reinigung des Acrylsäurenitrils reichert sich
das Acroleincyanhydrin im Destillationssumpf an und mußte bisher als unverwertbare und giftige Verbindung
vernichtet werden.
Es wurde nun überraschenderweise gefunden, daß man Acroleincyanhydrin, vermutlich nach dem Formelbild
OH
—OH
NH3
->- CH2 = CH-CN + HCN + 2 H2O
auf einfache Weise mit Ammoniak und Sauerstoff, vorzugsweise in Form von Luft, zu Acrylsäurenitril
und Blausäure bei 3CO bis 550°C mit denselben Katalysatoren umsetzen kann, die üblicherweise unter
den gleichen Bedingungen zur Herstellung von Acrylsäurenitril aus einem Olefin, Ammoniak, Luft und
gegebenenfalls Wasserdampf verwendet wurden.
Die Erfindung betrifft deshalb ein Verfahren zur Herstellung von Acrylsäurenitril unter gleichzeitiger
Gewinnung von Blausäure, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man gasförmiges Acroleincyanhydrin.
das als Nebenprodukt bei der Umsetzung von Propylen mit Sauerstoff oder Luft und Ammoniak zu
Acrylsäurenitril aus den Reaktionsgasen abgetrennt worden sein kann, oder eine Mischung aus Acroleincyanhydrin
und einem Olefin, vorzugsweise Propylen, bei Temperaturen von 300 bis 550° C, einem Druck
von 0,1 bis 10 ata, einer Verweilzeit von 0,05 bis 50, vorteilhaft 0,2 bis 20 Sekunden mit Ammoniak, Sauerstoff
oder Luft und vorteilhaft Wasserdampf in Gegenwart eines Katalysators, der zur Gewinnung von
Acrylsäurenitril aus Olefinen, Ammoniak und Luft üblicherweise eingesetzt wurde, in Acrylsäurenitril und
Blausäure überführt.
Es hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen, die Umsetzung mit einer Gasmischung durchzuführen,
die 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,5 bis 5 Volumprozent Acroleincyanhydrin enthält.
Verfahren zur Herstellung von Acrylsäurenitril
unter gleichzeitiger Gewinnung von Blausäure aus Acroleincyanhydrin
unter gleichzeitiger Gewinnung von Blausäure aus Acroleincyanhydrin
Anmelder:
Knapsack Aktiengesellschaft, Hürth-Knapsack
Als Erfinder benannt:
Dipl.-Chem. Dr. Kurt Sennewald,
Dipl.-Chem. Dr. Wilhelm Vogt,
Dipl.-Chem. Dr. Klaus Gehrmann,
Knapsack bei Köln;
Dipl.-Chem. Dr. Alexander Ohorodnik,
Berrenrath bei Köln
Bei den bekannten Verfahren zur Acrylsäurenitrilherstellung aus Olefinen werden als Katalysatoren die
folgenden Metalle oder deren Oxide, einzeln oder in Mischung, verwendet: Thorium, Molybdän, Vanadin,
Zinn, Chrom, Wolfram, Kobalt, Eisen, Mangan, Nickel, Kupfer, Wismut, Titan, Zink, Cadmium,
Silber, QoJiL^Blei, Niob, Tantal, Uran und Cer. Im
allgemeinen werden diese Katalysatoren auf Träger, wie Aluminiumoxid, Aluminium- oder Borphosphat,
Kieselsäuregel oder Bimsstein, aufgebracht verwendet. Vorteilhaft ist auch eine Zugabe von Phosphorsäure.
Die Umsetzungstemperaturen liegen zwischen etwa 300 und 550°C, die Drücke zwischen etwa 0,1 und
10 ata. Die Verweilzeit des Gemisches aus Olefin, Luft und Ammoniak in Gegenwart des Katalysators liegt
zwischen etwa 0,05 und 50 Sekunden, vorzugsweise zwischen etwa 0,2 und 20 Sekunden. Es werden etwa
1 bis 10 Mol Ammoniak, 1 bis 40 Mol Sauerstoff, vorzugsweise in Form von Luft, und etwa 0 bis 5 Mol
Wasserdampf je Mol Olefin eingesetzt. Man kann mit fest angeordneten oder mit bewegten Katalysatoren
im Wirbel- oder Fließbett arbeiten.
Es besteht einerseits die Möglichkeit, Acroleincyanhydrin bei der Aufarbeitung des Acrylsäurenitrils abzutrennen
und vorteilhaft in Verdünnung mit Wasserdampf, in Anwesenheit von Sauerstoff und Ammoniak
in einem eigenen Umsetzungsgefäß, das die genannten Katalysatoren in geeigneter Mischung enthält, bei
300 bis 550° C, zu Acrylsäurenitril und Blausäure umzusetzen, wobei auch die vorstehend erwähnten
üblichen Umsetzungsbedingungen hinsichtlich des
709 548/419
1 238 Ol 1
Drucks, der Verweilzeit und der Gaszusammensetzung zu beachten sind. Andererseits ist es jedoch besonders
wirtschaftlich, das bei der Herstellung von Acrylsäurenitril aus einem Olefin stets als Nebenprodukt
entstehende Acroleincyanhydrin kontinuierlich von den übrigen Reaktionsprodukten abzutrennen, ebenfalls
kontinuierlich in das gleiche Umsetzungsgefäß zurückzuführen und dort unter den gleichen Bedingungen
zu zusätzlichem Acrylsäurenitril und Blausäure umzusetzen. Hierbei stört die Anwesenheit des
Olefins keineswegs. Auch hier ist es vorteilhaft, das Acroleincyanhydrin bei der Rückführung mit Wasser
zu verdünnen, etwa im Gewichtsverhältnis 1:2 bis 1:10, wobei die Wassermenge davon abhängt, ob die
dem Umsetzungsgefäß zugeführten Gase schon Wasserdampf enthalten oder nicht.
Um eine Polymerisation des Acroleincyanhydrins zu vermeiden, soll das für die Umsetzung erforderliche
Ammoniak nicht mit flüssigem Acroleincyanhydrin in Berührung kommen. Man kann deshalb entweder das
Gemisch aus Acroleincyanhydrin und Wasser unter Verdampfung in den aus dem Olefin, Ammoniak, Luft
und gegebenenfalls Wasserdampf bestehenden Gasstrom einsprühen oder einen bestimmten Teil des
ammoniakfreien Gasstromes bei einer bestimmten Temperatur mit Acroleincyanhydrindampf sättigen
und den Teilstrom wieder mit der Hauptmenge vereinigen. Dieses Gemisch kann anschließend, weil das
Acroleincyanhydrin nicht mehr flüssig vorliegt, mit dem getrennt zugeführten Ammoniakstrom vereinigt
und in das Umsetzungsgefäß eingeleitet werden.
Aus dem Acroleincyanhydrin werden bei der Umsetzung mit Sauerstoff und Ammoniak hauptsächlich
Blausäure und Acrylsäurenitril gebildet. Als Nebenprodukt werden Acetonitril sowie Kohlenmonoxid
und Kohlendioxid gefunden.
Eine Vorrichtung zur Durchführung der kontinuierlichen Umwandlung von Acroleincyanhydrin zu
Acrylsäurenitril und Blausäure unter Eingliederung in das bekannte Herstellungsverfahren für Acrylsäurenitril
aus einem Olefin, Ammoniak und Luft wird an Hand der Zeichnung beschrieben.
Ein Teil der in das Umsetzungsgefäß über die Hauptleitung 1 einzuführenden Gase, nämlich das
Olefin, vorzugsweise Propylen, Sauerstoff, vorzugsweise in Form von Luft sowie gegebenenfalls Wasserdampf,
strömt über die Leitung 2 in den Sättiger 3 ein und wird dort bei einer bestimmten Temperatur, beispielsweise
4600C, mit dem aus der Aufbereitung des rohen Acrylsäurenitrils 8 über die Leitung 5 ankommenden
Gemisches aus Acroleincyanhydrin und Wasser gesättigt und das Gas-Dampf-Gemisch über
die Leitung 4 wieder in die Hauptleitung 1 zurückgeleitet. Über die Leitung 6 wird Ammoniak zugeführt
und die gesamte Gasmischung in das Umsetzungsgefäß 7 eingeleitet. Das aus dem Umsetzungsgefäß
durch die Leitung 9 strömende Abgas wird auf bekannte Art aufgearbeitet; beispielsweise können das
Acrylsäurenitril, die Blausäure und das Acetonitril mit Wasser ausgewaschen und durch Destillation voneinander
getrennt werden.
Die Umsetzung des Acroleincyanhydrins zu Acrylsäurenitril und Blausäure nach dem Verfahren der
Erfindung führt ohne besonderen technischen Aufwand zu einer Verbesserung der Acrylsäurenitrilausbeute
um einige Prozente.
Darüber hinaus kann die Angliederung einer kontinuierlichen Umwandlung von Acroleincyanhydrin zu
Acrylsäurenitril und Blausäure an die Acrylsäurenitrilherstellung zu einer Einschränkung des Ammoniakverbrauchs
bei der Acrylsäurenitrilgewinnung führen. Bisher hat man meist einen molaren Überschuß an
Ammoniak aufgewendet, um den Propylenumsatz zu erhöhen bzw. die Acroleinbildung zu unterdrücken.
Das überschüssige Ammoniak ist bei der Herstellung von Acrylsäurenitril aber nicht mehr auf einfache Art
zurückzugewinnen, wodurch die Verfahrenskosten
ίο erhöht werden. Nach der Erfindung kann nun aber das
durch den Verzicht auf die Anwendung eines großen Ammoniaküberschusses in erhöhter Menge entstehende
Acrolein beziehungsweise dessen Cyanhydrin verwertet werden, was bisher nur schwer möglich war.
Durch das Verfahren der Erfindung ist die Verminderung des bisherigen Ammoniaküberschusses durchaus
wirtschaftlich.
Es empfiehlt sich, das Acroleincyanhydrin gasförmig in das Umsetzungsgefäß einzuführen.
Der Katalysator enthält folgende Metalle oder deren Oxide, einzeln oder in Mischung: Thorium, Molybdän,
Vanadin, Zinn, Chrom, Wolfram, Kobalt, Eisen, Mangan, Nickel, Kupfer, Wismut, Titan, Zink,
Cadmium, Silber, Blei, Niob, Tantal, Uran, Cer und gegebenenfalls Phosphor.
Der Katalysator kann auf einen Träger, beispielsweise Kieselsäuregel, Aluminiumoxid, Aluminiumphosphat,
Borphosphat oder Bimsstein aufgebracht sein.
Die folgenden Beispiele erläutern das Verfahren.
Ein für das Verfahren der Erfindung verwendbarer Katalysator wird wie folgt hergestellt.
Man gibt 730 cm3 einer Ferrinitratlösung mit insgesamt 365 g Fe(NO3)3 · 9 H2O, 438 cm3 einer salpetersauren
Wismutnitratlösung mit insgesamt 438 g Bi(NO3)3 · 5H2O und 416 cm3 einer Ammoniummolybdatlösung
mit insgesamt 208 g (NH4)6Mo7O24 ·
4H2O zusammen und trägt nach der Zugabe von 10 cm3 85°/oiger Phosphorsäure 4900 g 14°/0ige, wäßrige,
kolloidale Kieselsäure ein. Das Gemisch wird zur Trockne eingedampft. Der Rückstand wird 24 Stunden
auf 1500C und 16 Stunden auf 5000C erhitzt. Nach
dem Abkühlen wird der Katalysator auf eine Körnung von 0,2 bis 0,3 mm gemahlen und gesiebt.
In ein Reaktionsrohr von 150 cm Länge und 5 cm Durchmesser, das mit 500 ml dieses Katalysators als
Wirbelschicht gefüllt ist, werden bei einer Temperatur von 450 bis 5000C je Stunde 42 g (0,5 Mol) Acroleincyanhydrin,
in etwa 100 ml Wasser gelöst, etwa 2 Mol Sauerstoff in Form von Luft und x/2 Mol Ammoniak
eingeleitet.
Die Gasmischung hatte folgende Zusammensetzung:
Acrolein 0,01 %
Acetonitril 2,0%
Propionitril 0,7 %
Acrylsäurenitril 58,5 °/0
Blausäure 34,3 %
Acroleincyanhydrin 4,5 %
Bezogen auf das zu 95,5% umgesetzte Acroleincyanhydrin, beträgt die Ausbeute an dem wertvollen
Acrylsäurenitril und der Blausäure 70 bis 80%, der Rest des Acroleincyanhydrins ist zu Kohlenmonoxid
1 238 Oil
und -dioxid verbrannt oder hat sich zu anderen wertlosen Nebenprodukten umgesetzt.
Ein Umsetzungsgefäß mit einer Füllung von 900 ml eines fest angeordneten Katalysators nach dem Beispiel
1 wurde bei einer Temperatur von 460" C und einer Verweilzeit von 2,2 Sekunden jeweils
a) ohne Rückführung des Acroleincyanhydrins und
b) mit Rückführung des Acroleincyanhydrins
mit folgenden Mengen an Ausgangsstoffen beschickt:
Propylen
Ammoniak
Acroleincyanhydrin
Luft (0,21 Molprozent O2
+ 0,79 Molprozent N2)
+ 0,79 Molprozent N2)
Wasserdampf
*) = 5,46 Mol O2 + 20,54 Mol N2
Hierbei entstanden:
a)Mol
je Stunde
je Stunde
2,6
2,7
26,0*)
13,0
13,0
b)Mol
je Stunde
je Stunde
2,6
2,7
0,16
2,7
0,16
26,0*) 13,0
Gebildete Verbindungen
Acrylsäurenitril
Acrolein
Acetonitril
Blausäure
Mol je Stunde
a) ohne j b) mit
Acroleincyanhydrin-
rückführung
1,67
0,11
0,4
0,75
0,11
0,4
0,75
1,78
0,12
0,4
0,86
0,12
0,4
0,86
| a) | b) | |
| zu Acrylsäurenitril 5 zu Acrolein |
64,2% 4,2% 1,0% 9,6% |
68,5% 4,6% 1,0% 11,0% |
| zu Acetonitril | ||
| zu Blausäure |
Vom eingesetzten Acroleincyanhydrin wurden in diesem Fall rund 70% in Acrylsäurenitril und Blausäure
umgewandelt.
Claims (2)
1. Verfahren zur Herstellung von Acrylsäurenitril unter gleichzeitiger Gewinnung von Blausäure,
dadurch gekennzeichnet, daß man gasförmiges Acroleincyanhydrin, das als
Nebenprodukt bei der Umsetzung von Propylen mit Sauerstoff oder Luft und Ammoniak zu Acrylsäurenitril
aus den Reaktionsgasen abgetrennt worden sein kann, oder eine Mischung aus Acroleincyanhydrin
und einem Olefin, vorzugsweise Propylen, bei Temperaturen von 300 bis 5500C, einem
Druck von 0,1 bis 10 ata, einer Verweilzeit von 0,05 bis 50, vorteilhaft 0,2 bis 20 Sekunden mit
Ammoniak, Sauerstoff oder Luft und vorteilhaft Wasserdampf, in Gegenwart eines Katalysators,
der zur Gewinnung von Acrylsäurenitril aus Olefinen, Ammoniak und Luft üblicherweise eingesetzt
wird, in Acrylsäurenitril und Blausäure überführt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Umsetzung mit einer Gasmischung
durchführt, die 0,1 bis 10, vorzugsweise 0,5 bis 5 Volumprozent Acroleincyanhydrin enthält.
Die erzielte Ausbeuteverbesserung, bezogen auf das eingesetzte Propylen, ergibt sich aus dem Vergleich
der nachstehend unter a) und b) aufgeführten Zahlenwerte :
In Betracht gezogene Druckschriften:
Französische Patentschrift Nr. 77 200 (Zusatz zu französischem Patent Nr. 1222 460);
USA.-Patentschrift Nr. 2 417 024.
Französische Patentschrift Nr. 77 200 (Zusatz zu französischem Patent Nr. 1222 460);
USA.-Patentschrift Nr. 2 417 024.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
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