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Verfahren zum Herstellen eines mehrschichtigen Wandanstrichs in stark
wasserdampfhaltigen Räumen Die Wände vieler gewerblicher Räume sind häufig einer
anhaltenden Einwirkung durch Wasserdampf ausgesetzt. Dies kommt in erster Linie
für Arbeitsräume in Betracht, in denen Kochprozesse durchgeführt werden, wie z.
B. in Färbereien, Metzgereien und Wäschereien. Häufig werden aber auch Verarbeitungsvorgänge
in wasserdampfgeschwängerter Atmosphäre durchgeführt. Dies ist z. B. in Webereien
und Spinnereien der Fall. Darüber hinaus sind auch die Wände von Badeanstalten,
insbesondere Dampfbädern, einer dauernden Wasserdampfeinwirkung ausgesetzt.
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Um die Wände in den angeführten Fällen gegen den anhaltenden Wasserdampfeinfluß
und die dadurch hervorgerufenen schädlichen Wirkungen zu schützen, ist bereits vorgeschlagen
worden, Chlorkautschuk-Ölfarbe oder Latexfarben als Wandanstrich zu verwenden. Dadurch
ist jedoch erfahrungsgemäß kein wirksamer Schutz, insbesondere nicht gegen starke
Wasserdampfbeeinträchtigung, wie sie bei Überdruck auftritt, erreicht worden. Diese
bekannten Anstriche lassen vielmehr die Feuchtigkeit zum Wandbaustoff hindurchtreten,
was bei Mauerwerk aus Eisenbeton Korrosion des Eisens und bei Holz eine entsprechende
Fäulnis zur Folge hat.
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Im Fachschrifttum ist schon einmal darauf hingewiesen worden, daß
sich Vinylharze als Oberflächenüberzug für Mauerwerk eignen. Der erwähnte Hinweis
im Fachschrifttum gibt dem Fachmann jedoch keinerlei Lehre, in welcher Weise derartige
Überzüge aus Vinylharzen auf das zu schützende Mauerwerk aufzubringen sind, und
es sind auch keinerlei Angaben über die physikalischen Eigenschaften derartiger
Mauerüberzüge gemacht.
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Weiterhin findet sich im Fachschrifttum ein Hinweis, daß Bauwerke,
insbesondere aus Zement, Beton, Stein od. dgl., durch wäßrige Lösungen feinster
Teilchen von geringer Viskosität eines Polymerisats bzw. Mischpolymerisats von Vinylchlorid
abgedichtet werden können, welche bei Umgebungstemperatur in Form eines zusammenhängenden
Filmes erhärten und welche nach üblichen Verfahren, nämlich mit dem Pinsel, durch
Zerstäuben, durch Tauchen oder durch Imprägnieren im Vakuum aufgebracht werden können.
In Verbindung mit dieser Anregung sind auch einige Rezepturen angegeben. Abgesehen
davon, daß der Fachmann trotzdem aus der genannten Schrifttumsstelle keine eindeutige
Lehre entnehmen kann, wie im konkreten Fall ein derartiger Schutzanstrich auf Mauerwerk
aufzubringen ist, hat die Praxis gezeigt, daß die durch die erwähnten Rezepturen
bekanntgewordenen Schutzfilme infolge der Alkalität des Untergrundes bei Mauerwerk
nur ein geringes Haftvermögen besitzen, und es folglich zu einem Ausblühen von im
Putz befindlichen Schnellabbindemitteln, d. h. Salzen, kommen kann. Die Folge ist,
daß derartige Schutzbeläge leicht abblättern können.
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Eine weitere Schrifttumsstelle gibt dem Fachmann die ganz allgemeine
Lehre, daß die Verwendung von Vinylidenchlorid für polymere Massen ein interessantes
Beispiel für den praktischen Wert der Mischpolymerisationstechnik darstelle. Demgemäß
sei das Polyvinyhdenchlorid ein sehr kräftiges, widerstandsfähiges Material mit
außerordentlich guter Wasserfestigkeit, welches jedoch einen hochliegenden Erweichungspunkt
und eine begrenzte Kompatibilität und Löslichkeit besitze. Man könne jedoch durch
Mischpolymerisierung von Vinylidenchlorid mit einem Monomer, beispielsweise mit
Acrylonitril oder mit Vinylchlorid, die physikalischen Eigenschaften der Masse so
ändern, daß das Mischpolymerisat als Oberflächenbelag, Oberflächenfilm, Folie oder
als Kunststoff' verwendet werden könne. Die genannte Schrifttumsstelle stellt also
lediglich eine Zusammenstellung der zum Zeitpunkt ihrer Ausgabe als bekannt vorauszusetzende
Eigenschaften derartiger Polymerisate dar. Sie gibt dem Fachmann jedoch ebenfalls
keinerlei Hinweis im Sinne einer bestimmten zeitlichen und räumlichen Folge einzelner
Verfahrensschritte, die notwendig sind, um Mauerwerk wirksam gegen die Einwirkung
von Feuchtigkeit, insbesondere gegen die Einwirkung von Wasserdampf, zu schützen.
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Weiterhin ist es bekannt, daß beim Hydrophobieren von Formkörpern
aus Steinmassen mittels Silikonen der freie Kalk durch Behandlung mit Fluoriden
oder Fluosilikaten in gebundene Form übergeführt werden kann. Dies bedeutet nichts
anderes, als daß der Mauerwerksputz lediglich chemisch neutralisiert wird, wodurch
eine Verhärtung der Oberfläche eintritt. Ein derartiges Verfahren läßt jedoch die
Mauerwerksporen offen, durch welche die Feuchtigkeit nach wie vor ins Mauerwerk
selbst eindringen kann. Der Schritt des
Fluatierens allein genügt
also keineswegs zur Dampfsperrung bei Mauerwerk, sondern ergibt lediglich eine größere
Oberflächenhärte des Mauerwerks.
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Schließlich sind noch Oberflächenbeläge bekannt, die im wesentlichen
aus mit Halogenen angereichertem Kautschuk und einer weiteren Schicht aus Polyvinylhaloiden
bestehen. Diese Schichten können aus Chlorkautschuk und Polyvinylchlorid bestehen,
welch letzteres vorzugsweise plastifiziert ist und gegebenenfalls aus einer Lösung
des mit Trikresylphosphat plastifizierten Polyvinylchlorids in Mesityloxyd bestehen
kann. Derartige Oberflächenbeläge sind nicht nur infolge des hohen Preises ihrer
Einzelkomponenten, sondern auch wegen der Kostspieligkeit ihres Herstellungsverfahrens
teuer und außerdem nicht allgemein verwendbar. Sie dürften infolgedessen in der
Praxis nur in Einzelfällen Anwendung finden, wo sich der hohe Kostenaufwand angesichts
des zu schützenden Objektes lohnt.
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Die Erfindung beinhaltet ein neuartiges Verfahren zum Herstellen eines
mehrschichtigen Wandanstriches in stark wasserdampfhaltigen Räumen, welches in seiner
Anwendung einfach ist, keinen hohen Kostenaufwand erfordert und, wie durch Versuche
bewiesen ist, einen im Vergleich zu den bisher bekannten Verfahren und Schutzbelägen
besonders wirksamen und hochfesten Oberflächenschutz gegen Dampfeinwirkung ergibt.
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Das erfindungsgemäße Verfahren ist durch die Kombination folgender,
an sich- bekannter Maßnahmen gekennzeichnet: Nach dem Fluatieren und Trocknen der
Wand wird eine Dispersion eines Mischpolymerisats aus Vinylidenchlorid und Vinylchlorid
und nach dem Trocknen dieser Schicht eine Deckschicht auf der Basis von Polyvinylchlorid
aufgebracht. Falls die Deckschicht vorzugsweise gestapft oder gerollt wird, wird
nach einem weiteren Erfindungsmerkmal anschließend mindestens eine weitere Mischpolymerisatschicht
auf die Polyvinylchloridschicht als Haftgrund für mindestens eine weitere Deckschicht
aufgebracht.
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Das erwähnte Stapfen oder Rollen der Deckschichtmasse gewährleistet
einen sicheren Halt der Mischpolymerisatemulsion an der Massenschicht. Durch das
erwähnte Aufbringen einer weiteren Deckschicht auf die getrocknete Außenfläche des
Mischpolymerisats, die wiederum vorzugsweise aus einer gestapften oder gerollten
Masse auf Polyvinylchloridbasis besteht, wird erreicht, daß die dem Mischpolymerisat
vorgelagerte Masseschicht bei Feuchtigkeitseinwirkung mit Wasserdampf abgesättigt
wird, so daß sie diesen bei Rückgang der Feuchtigkeit in dem betreffenden Arbeits-
oder Behandlungsraum wieder abgibt.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel eines nach der Erfindung
erzeugten Schutzbelages wiedergegeben.
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Danach ist auf der Wandoberfläche 1 eines Betonmauerwerks zunächst
eine Fluatschicht 2 durch Aufstreichen, Aufbürsten oder Aufspritzen aufgetragen.
Fluatüberzüge dieser Art trocknen erfahrungsgemäß in einigen Stunden. Darüber befindet
sich eine Emulsionsschicht 3 eines Mischpolymerisats aus Vinylidenchlorid und Vinylchlorid,
in welchem der Festkörpergehalt 50 °/o beträgt, wovon etwa 10 bis 25 °/o auf Vinylidenchlorid
und 40 bis 25 °/a auf Vinylchlorid entfallen. Diese Schicht wurde ebenfalls in dem
erforderlichen Maße getrocknet. Darüber befindet sich eine Masseschicht
4 auf Polyvinylchloridbasis, die aufgestupft oder aufgerollt wurde, wodurch
eine Oberflächenvergrößerung erzielt wird, die ein besseres Anhaften der nachfolgenden
beiden Emulsionsschichten 5 und 6 gewährleistet. Diese Masseschicht 4 hat
vorzugsweise einen Gehalt von 17,5 °/o Polyvinylchlorid. Die beiden Emulsionsschichten
5 und 6 bestehen wiederum aus einem Mischpolymerisat aus Vinylidenchlorid und Vinylchlorid
der vorgenannten Zusammensetzung. Nach jeweils wiederum erfolgtem Trocknen der Schichten
wurde die zusammensetzungsmäßig der Masse 4 entsprechende Masse 7 auf Polyvinylchloridbasis
aufgestupft oder aufgerollt, die dann dem Wasserdampfeinfluß gegenüber in der geschilderten
Weise wirkt. Der Polyvinylchloridgehalt der Masse 7 kann je nach gewünschtem Oberflächenglanz
bzw. gewünschter Deckschichtelastizität oder gewünschter chemischer Widerstandsfähigkeit
bis auf 15 °/o erniedrigt oder bis auf 40 °/o erhöht werden.
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Das Mauerwerk der Wand, auf die ein Belag nach der Erfindung aufzubringen
ist, kann aus Ziegelsteinen mit oder ohne Mörtelschicht sowie auch aus Beton, insbesondere
aus Eisenbeton bestehen. Daneben lassen sich aber auch Wände aus Holz in der erwähnten
Weise schützen, wobei lediglich statt des Fluatüberzugs ein Firnis-Terpentin-Überzug
in der bereits erwähnten Weise Verwendung findet.