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Kollisionsgeschützte Anordnung eines Reaktors in einem Schiffskörper
Die Erfindung betrifft eine kollisionsgeschützte Anordnung eines Reaktors in einem
Schiffskörper auf einem oberhalb des Innenbodens angeordneten Schutzdeck. Es ist
bereits bekannt, durch Anordnung mehrerer starker Decks übereinander, seitlich von
der Reaktoranlage, z. B. zwischen Außenhaut und Längsschott, und zwar annähernd
gleichmäßig über der Seitenhöhe zwischen Innenboden und oberstem Deck verteilt,
eine gute Kollisionsschutzwirkung in der Weise zu erzielen, daß bei einer Kollision
entweder die Decks zerstört oder die Bugplatten des rammenden Schiffes zerschnitten
werden. Große Massengutschiffe, z. B. Tanker, und große Passagierschiffe, die hauptsächlich
einem Reaktor bei einer Kollision gefährlich werden können, werden jedoch in zunehmendem
Maße mit einem sehr steifen, unter der Wasseroberfläche liegenden Wulststeven ausgebildet.
Derartige Wulststeven können, falls überhaupt, nur durch die Anordnung sehr starker
Decks so gestaucht und zerstört werden, daß ein Eindringen des rammenden Stevens
bis zur Reaktoranlage verhindert wird. Durch eine erhöhte Anordnung, wie sie von
dem Eisbrecher »Lenin« bekannt ist, kann in vielen Fällen eine unmittelbare Zerstörung
einer Reaktoranlage durch einen Wulststeven vermieden werden, ohne jedoch das tiefere
Eindringen eines mit einem Wulst versteiften Vorschiffes in einen Kollisionsschutz
bekannter Ausführung seitlich vom Reaktor zu vermeiden.
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Die Erfindung geht von der Aufgabe aus, unter Berücksichtigung der
in den letzten Jahren zunehmend bevorzugten Stevenbauweise eine kollisionsgeschützte
Anordnung des Reaktors in einem Schiff zu ermöglichen, bei welcher die Wirkung des
Kollisionsschutzes gegenüber bekannten Anordnungen verbessert bzw. bei gleicher
Wirksamkeit der dafür erforderliche Aufwand verringert ist. Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß
dadurch gelöst, daß das oberhalb des Innenbodens angeordnete Schutzdeck zumindest
in den an die Außenhaut angrenzenden Bereichen gegenüber normalen Schutzdecks erheblich
verstärkt ist.
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Vorzugsweise wird der Reaktor innerhalb des Schiffes erhöht angeordnet,
so daß der Reaktorraum oben z. B. vom Hauptdeck und unten vom Hauptschutzdeck begrenzt
ist. In weiterer Ausgestaltung sind noch eine Mehrzahl von zusätzlichen Schutzdecks
vorgesehen, die in an sich bekannter Weise seitlich zwischen dem Reaktorraum und
der Schiffsaußenhaut über dem Hauptschutzdeck ausgebildet sind. Das unter dem Reaktor
liegende Hauptschutzdeck ist ein besonders starkes Deck, so daß bei einem Rammstoß
der rammende Steven durch das Hauptschutzdeck aufgeschnitten wird. Dadurch entstehen
an dem rammenden Vorschiff zwei voneinander unabhängige Gebilde, von denen das obere
am Eindringen bis zur Reaktoranlage durch die über dem Hauptschutzdeck befindlichen
Kollisionsschutzdecks gehindert wird. Der untere Teil des rammenden Vorschiffes
wird bei Wulststeven im wesentlichen von der sehr steifen Wulstform gebildet, die
bei der neuen Kollisionsschutzanordnung mehr oder weniger ungehindert in das Reaktorschiff
eindringen kann, ohne dabei jedoch den verhältnismäßig hoch gelegenen Reaktor beschädigen
zu können.
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Die Erfindung nutzt die Tatsache aus, daß die Stoßenergie beider Schiffe
in Verformungsarbeit umgesetzt wird, und zwar von dem Schiff mit der nachgiebigeren
Struktur in stärkerem Maße. Durch das starke Hauptschutzdeck wird bei einer Kollision
das sehr steife Unterwasserschiff vom Überwasserschiff abgetrennt. Damit wird insbesondere
die versteifende Wirkung eines Wulststevens ausgeschaltet und die Nachgiebigkeit
der Vorschiffsstruktur eines Kollisionsgegners vergrößert. Das in der Höhe des Reaktors
auftreffende, rammende Vorschiff wird daher bei einer Schutzanordnung nach der Erfindung
stärker zusammengestaucht, so daß die Eindringtiefe im gerammten Schiff in Höhe
und in Richtung auf den Reaktor verringert wird.
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Weitere Vorzüge und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung und der Zeichnung, in denen eine bevorzugte Ausführungsform beispielsweise
erläutert und dargestellt ist. Die einzige Zeichnungsfigur zeigt schematisch einen
Querschntt durch einen Schiffsrumpf und einen seitlich danebenliegenden Umriß des
Stevens eines anderen Schiffes.
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Der Schiffsrumpf des Reaktorschiffes wird im wesentlichen von der
Außenhaut 10, dem Hauptdeck 12
und dem Boden 30 gebildet.
Unmittelbar unter dem Hauptdeck 12 befindet sich der Reaktorraum 15 in der Mitte
des Schiffes. Der Boden des Reaktorraumes 15 wird von dem besonders starken Hauptschutzdeck
14 gebildet, welches sich parallel zum Hauptdeck 12 über die ganze Breite des Schiffes
erstreckt. Die Seitenwände des Reaktorraumes 15 werden in üblicher Weise von Längsschotten
16 gebildet.
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Der Reaktor 18 ist hier schematisch als ein einen kreisförmigen Querschnitt
aufweisender Körper dargestellt. Der Reaktor ist auf schrägliegenden Fußteilen 20
abgestützt, die ihrerseits sowohl an den Längsschotten 16 als auch am Schutzdeck
14 abgestützt sind.
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Oberhalb des Hauptschutzdeckes 14 sind beiderseits vom Reaktorraum
15 üblichen Kollisionsschutzdecks 22, 24 und 26 vorgesehen. Unterhalb des Schutzdecks
14 weist der Schiffsraum keine zusätzlichen Schutzvorrichtungen auf. Bei der dargestellten
Ausführungsform der Erfindung liegt unter dem Schutzdeck 14 im Schiffsraum nur noch
der übliche Innenboden 28.
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Zur Verdeutlichung der Lage des Schutzdeckes 14 mit Bezug auf einen
Schiffssteven ist neben dem Querschnitt des Reaktorschiffes der Umriß eines Vorschiffes
32 dargestellt. Dieses Vorschiff weist einen Wulstbug 34 auf, der üblicherweise
wesentlich tiefer unter dem Wasserspiegel 36 als das Schutzdeck 14 des Reaktorschiffes
liegt. Im Falle einer Kollision würde daher das besonders stark ausgebildete Schutzdeck
14 den Wulst von dem darüberliegenden Teil des Vorschiffes abtrennen. Dadurch wird
es möglich, die Rammenergie mittels des besonders stark ausgebildeten Schutzdeckes
14 und der darüberliegenden normalen Schutzdecks 22, 24, 26 an einem verhältnismäßig
leicht verformbaren Teil des rammenden Schiffes in Verformungsarbeit umzusetzen,
so daß dieser Teil des rammenden Schiffes am Eindringen in das Reaktorschiff gehindert
wird. Der vom übrigen Vorschiff abgetrennte Wulst des rammenden Schiffes dringt
unterhalb des besonders starken Schutzdeckes 14 in das Reaktorschiff ein, so daß
selbst bei einem tieferen Eindringen des Wulstes 34 der Reaktor 18 nicht beschädigt
wird.