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Die Erfindung betrifft eine Rundlauftablettiermaschine mit in einem
Drehkopf gegenläufig geführten, mit der Matrizenplatte umlaufenden Ober- und Unterstempeln,
die eine Schulter zwischen Stempel-und Stempelschaft aufweisen, sowie mit einer
Absaugeleitung an der Unterseite des Matrizentisches für den bei der Herstellung
der Tabletten abfallenden Pulverstaub.
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Die Verwendung von Rundlauftablettiermaschinen ist weit verbreitet.
Es sind Maschinen entwickelt worden, die die Herstellung von Tabletten mit genau
eingestellter Größe und Form bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen. Meistens enthält
das den Maschinen zugeführte Pulver, aus dem die Tabletten gepreßt werden, feine
Bestandteile, die die Neigung besitzen, durch kleine Spalte zwischen den Gesenken
und Unterstempeln zu fließen. Dieses Eindringen von Pulver läßt sich erfahrungsgemäß
auch nicht durch die sehr genaue Passung der Tablettierstempel in ihren Führungen
vermeiden. Das Eindringen von Tablettenpulver zwischen die Unterstempel und ihre
Führungen, in denen sich die Unterstempel im Zuge des Herstellungsvorgangs auf-
und abbewegen, führt häufig zur Bildung einer Schmierschicht, die ein einwandfreies
Funktionieren der Rundlauftablettiermaschine in Frage stellt. Das feine Pulver häuft
sich im Schmiermittel an, bis die Unterstempel klemmen. Dieses Klemmen der Unterstempel
kann ein solches Ausmaß annehmen, daß die Rückführung der Unterstempel in. ihre
abgesenkte Lage einen solchen Widerstand findet, daß die hierzu vorgesehenen Organe
an den Unterstempeln beschädigt und unbrauchbar werden. Das Klemmen der Stempel
in ihren Führungen wird durch die in modernen Rundlauftablettiermaschinen erreichten
hohen Geschwindigkeiten bei der Tablettenherstellung noch erheblich verstärkt. Obwohl
man schon durch eine sorgfältige Auswahl des Schmiermittels das Klemmen in den mit
hohen Geschwindigkeiten arbeitenden Tablettiermaschinen zu vermeiden versucht hat,
ist es noch nicht gelungen, diese Schwierigkeiten auszuräumen. Zudem macht die Auswahl
eines geeigneten Schmiermittels Schwierigkeiten, weil die zur Tablettenherstellung
verwendeten Pulver auf das Schmiermittel einwirken und in diesen Veränderungen hervorrufen
können. Die Folge ist, daß einheitliche Schmiermittel in RundlauftabIettiermaschinen,
die verschiedene Sorten von Tabletten herstellen, nicht verwendet werden können.
Man hat deshalb bereits versucht, Tablettiermaschinen mit Absaugstutzen zu entwickeln,
um das bei der Tablettierung entweichende Pulver abzusaugen. Offensichtlich kann
durch diese bekannten Absaugstutzen jedoch das Klemmen der Stempel nicht verhindert
werden, weil- die Absaugstutzen hinter der Tablettierstation arigebrdnet sind, wo
das Pulver schon in die Führung der Unterstempel eingetreten ist und dort seine
schädliche Wirkung ausgeübt hat.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Rundlauftablettiermasr,hine
so- auszubilden, daß das bei der Tablettierürii anfallende überflüssige Pulver einwandfrei
und so frühzeitig entfernt wird, daß ein Eindringen von Tablettenpulver in die Führungen
der Unterstempel mit Sicherheit vermieden und dadurch ein Klemmen der Unterstempel
ausgeschaltet wird.
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Diese Aufgabe wird bei einer Rundlauftablettiermaschine der eingangs
beschriebenen Art dadurch gelöst, daß seitlich in der Stempelführung eines jeden
Unterstempels eine nur bei abgesenktem Unterstempel frei liegende Mündung eines
ein Druckgas, wie Druckluft, führenden, im Drehkopf ausgebildeten Kanalsystems und
dieser Mündung gegenüber die Absaugeleitung vorgesehen ist.
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Vorzugsweise besteht das Kanalsystem für das Druckgas im Drehkopf
in einem Ringkanal an der Unterseite des Drehkopfes mit senkrecht von ihm ausgehenden,
den einzelnen Stempelführungen zugeordneten Bohrungen und Abzweigen, die von den
Bohrungen ausgehend in die Stempelführungen münden. Der Gasdruck kann selbstverständlich
regelbar sein.
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Es ist grundsätzlich bekannt, Schmiermittel den Unterstempeln zuzuführen.
Im Rahmen der Erfindung wird aber nun die Möglichkeit geschaffen, das Schmiermittel
in Verbindung mit der Vorrichtung zur Entfernung des schädlichen Pulvers einzuführen.
Das geschieht zweckmäßig dadurch, daß ein Abzweig der Druckgasleitung über den Spiegel
eines abgeschlossenen Ölbehälters geführt ist, dessen Ölleitung einen Zugang zum
Ringkanal des Kanalsystems im Drehkopf besitzt. Außerdem kann die zum Kanalsystem
im Drehkopf führende Druckgasleitung eine an sich bekannte ölzerstäubervorrichtung
aufweisen.
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Die durch die Erfindung erzielten Vorteile sind insbesondere darin
zu sehen, daß das bei der Tablettierung entstehende Pulver auf einfache Weise schnell
und einwandfrei entfernt wird, so daß ein Klemmen und schließlich Beschädigen der
Unterstempel durch das Eindringen von Tablettenpulver in die Führungen - der Unterstempel
nicht mehr eintritt. Die mit hohen Geschwindigkeiten arbeitenden Rundlauftablettiermaschinen
können nunmehr zuverlässig gegen Blockierung durch das bei der Herstellung der Tabletten
anfallende überflüssige Pulver gesichert werden. Von besonderem Vorteil ist es ferner,
daß die hierzu verwendeten und notwendigen Einrichtungen mit einer Schmierung der
Unterstempel der Tablettiermaschine kombiniert werden können, was eine besonders
zweckmäßige Ausgestaltung der bisher nicht mehr sehr wirkungsvollen Schmiereinrichtungen
an Tablettiermaschinen bedeutet.
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Im folgenden wird die Erfindung an Hand einer ein Ausführungsbeispiel
darstellenden Zeichnung näher erläutert ist. Es zeigt F i g. 1 einen senkrechten
Teilschnitt durch die Rundlauftablettiermaschine, F i g. 2 eine vergrößerte Einzelheit
des Teilschnitts nach F i g. 1, F i g. 3 einen Teilschnitt wie nach F i g. 2 im
Bereich der Druckmittel- und Schmiermittelzufuhr, F i g. 4 einen Schnitt längs der
Linie 4-4 der F i g. 3 und F i g. 5 einen Schnitt längs der Linie 5-5 der F i g.
3.
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Die Maschine 10 besitzt einen starren Rahmen 12, in dem ein Drehkopf
14 mittels einer Spindel 16 drehbar gelagert ist. Oberstempel 18 sind innerhalb
des Drehkopfes 14 geführt und gegenüber Gesenken 20 axial ausgerichtet. Die Gesenke
20 befinden sich innerhalb des Drehkopfes 14 und liegen in einer Ebene mit der Oberfläche
einer Matrizenplatte 22. Unterstempel 24 befinden sich innerhalb von Stempelführungen
in dem Drehkopf 14. Die Unterstempel 24 fluchten in der Vertikalen mit den Gesenken
20 und den Oberstempeln 18. Die Drehbewegung des Drehkopfes 14 wird durch Eingriff
einer Schnecke
28 in ein Schneckenrad 30 erzeugt. Die Schnecke 28
ist an einen Antrieb 32 angeschlossen. Die Unterstempel 24 sind in einer unteren
Leitspur 34 geführt, wobei die der Abwärtsbewegung dienende Seite 36 des Stempelkopfes
38 jedes Unterstempels 24 während des Augenblickes der Tablettenherstellung, in
dem sich ein Unterstempel 24 in der abgesenkten Stellung befindet, mit der unteren
Leitspur 34 in Eingriff tritt. Die abgesenkte Stellung eines Unterstempels 24 ist
auf der linken Seite der F i g. 1 dargestellt. Während des Preßvorgangs im Verlauf
der Tablettenherstellung wirkt die Unterseite des Stempelkopfes 38 jedes
Unterstempels 24 mit einer unteren Rolle 40 zusammen, was rechts in F i g.
1 veranschaulicht ist.
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Die Tablettiermaschine 10 weist einen Ringkanal 42 auf, der innerhalb
des unteren Teils des Drehkopfes 14 angeordnet ist. Der Ringkanal 42 ist mit einer
Vielzahl von senkrechten Bohrungen 44 verbunden, so daß die Anordnung sich für verschiedene
Arbeitsweisen benutzen läßt. Jede senkrechte Bohrung 44 ist mit einem seitlichen
Abzweig 46 versehen, der in die Führung 26 des Unterstempels
24 mündet. Wie man aus F i g. 2 besonders deutlich erkennt, ist die Mündung
des seitlichen Abzweigs 46 in die Wandung der Unterstempelführung 26 in solcher
Höhe angeordnet, daß sie unmittelbar über einer scharfkantigen Schulter
48 des Unterstempels 24 zu liegen kommt, wenn sich der Unterstempel
24 in seiner abgesenkten Stellung befindet. Ein Stützring 50 ist an dem Rahmen 12
unterhalb des Ringkanals 42 angeordnet. Dieser Ring 50 bildet ein Widerlager, auf
dem Ringdichtungen 52 mittels eines Befestigungsringes 54 festgeklemmt werden können.
Die Dichtungen 52 können aus beliebigen Dichtungsmaterialien hergestellt sein, wobei
selbstschmierende Polymere, wie z. B. Tetrafluoräthylen oder synthetischer Kautschuk,
vorteilhaft sind. Der Stützring 50 ist mit einer Bohrung 56 für Ölzufuhr versehen,
die an eine in den Ring 50 von unten her eintretende Ölleitung 58 und einen Ölkopf
60 angeschlossen ist, der innerhalb des Befestigungsringes 54 von dessen Unterseite
nach oben bis zu einer Stelle verläuft, die zwischen seiner Ober- und seiner Unterseite
liegt. Der Ölkopf 60 steht mit seitlich durch den Ring 54 verlaufenden Ölbohrungen
62, die in den Ringkanal 42 oberhalb der Dichtungen 52 einmünden (s. F i g. 4),
in Verbindung. Der Stützring 50 ist außerdem mit einer Bohrung 64 für Luftzufuhr
versehen, die mit einer in den Ring 50 von dessen Unterseite eintretenden Luftleitung
66 sowie einem innerhalb des Ringes 54 über dessen gesamte Höhe verlaufenden Luftkopf
68 verbunden ist. Der Luftkopf 68 mündet in den Ringkanal 42 oberhalb der
Dichtungen 52 ein (s. F i g. 5). Die Luftleitung 66 weist ein T-Stück 70 auf, so
daß eine Abzweigung von der Luftleitung 66 möglich ist, die als Abzweig 66 a zu
dem oberen Teil eines Ölbehälters 72 verläuft. Ein Druckregler 76 mit einem dazugehörigen
Manometer 78 kann an die Luftleitung 66 angeschlossen werden. Bevorzugt wird die
Luftleitung 66 mit einem Absperrventil 80 versehen. Ist eine Schmierung der Stempelführung
26 erforderlich, so kann eine Vorrichtung 100 zur Erzeugung eines Schmiermittelnebels
in der Luftleitung 66 hinter dem Druckregler 76 eingesetzt werden. Die Befestigung
des Ringes 54 am Stützring 50 kann beliebig vorgenommen werden, z. B. mittels eines
Schraubenbolzens 82, der, ausgehend von dem Ring 54, in einem mit Gewinde versehenen
Sockel innerhalb des Ringes 50 eingeschraubt ist.
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In F i g. 2 ist ein ringförmiger Saugdichtungskörper 84 in einer unterschnittenen
Rille 86 unterhalb der Matrizenplatte 22 vorgesehen, der von der Wandung der unteren
Stempelführung 26 räumlich getrennt und neben der Mündung des Abzweigs
46 angeordnet ist. Der ringförmige Saugdichtungskörper 84 weist Dichtungen
88 auf, die am inneren Ende mittels eines Klemmelementes 90 befestigt sind. Diese
Dichtungen 88 können aus demselben Material wie die Dichtungen 52 bestehen. Wie
man aus F ig. 1 erkennt, besitzt der ringförmige Saugdichtungskörper 84 wenigstens
eine Saugöffnung 92, die eine Verbindung zwischen dem inneren Teil des ringförmigen
Saugdichtungskörpers 84 und einen im Bereich der unteren Stempelführung befindlichen
Saugkanal 94 sowie einer Vakuumleitung 96 darstellt. An die Vakuumleitung 96 ist
eine Saugpumpe 98, die in dem Saugkanal 94 einen Unterdruck erzeugt, angeschlossen.
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Die Wirkungsweise der Tablettiermaschine 10 nach der Erfindung
ist folgende: Bei Stillstand der Tablettiermaschine kann das Absperrventil 80, z.
B. mittels einer mit der Spindel 16 zusammenwirkenden (nicht dargestellten) Sperre,
geschlossen werden. Dies verhindert den Austritt von Luft durch den Luftkopf 68
in den Befestigungsring 54. Der Ölspiegel in dem Ölbehälter 72 wird mit dem Ölspiegel
über den Dichtungen 52 ausgerichtet, so daß der Luftdruck innerhalb des Ölbehälters
72 demjenigen im Ringkanal 42 entspricht. Die Luft oder das im Falle einer Schmierung
durch die Vernebelungsvorrichtung 100 in dem Luftstrahl zerstäubte Öl treten
in den Ringkanal 42 ein und strömen dann nach oben durch die senkrechten Bohrungen
44 und anschließend durch die Abzweige 46. Trockene oder Schmiermittelnebel
enthaltende Luft wird der Schulter jedes Unterstempels 24 zugeführt, wenn der betreffende
Stempel sich in seiner abgesenkten Stellung befindet, wie es links in F i g. 1 dargestellt
ist. Die Abgabe von Öl an die Schulter dient zur Schmierung des Unterstempels 24
gegenüber seiner Führung 26. Die Abgabe von Luft aus dem Abzweig 46 über
der Schulter des Unterstempels 24 bei abgesenkter Stellung desselben dient der Schaffung
eines Luftpolsters gegen das Herabfallen von feinem Pulver um den Schaft des Unterstempels
24 in die Führung 26. Wenn der Unterstempel in seiner angehobenen Stellung
steht, in der er die Verdichtung des zu Tabletten zu formenden Pulvers im Gesenk
20 bewirkt, wobei diese Verdichtung durch das Zusammenwirken der Unterseite des
Stempelkopfes 38 des Unterstempels 24 mit der unteren Rolle 40 erfolgt,
so sperrt der Schaft des Unterstempels die Mündung des Abzweigs 46 ab. Auf diese
Weise wird eine pulsierende Bewegung des Öls und der Luft zu dem Raum über der Schulter
jedes Unterstempels 24 erzielt. Der Unterdruck im Saugkanal 94 vermindert die Menge
des in Luft supendierten Staubes. Der Unterdruck im Kanal 94 ist nicht groß genug,
um die Schmierung der Unterstempel zu beeinträchtigen. Er ist jedoch hinreichend
groß, um das Pulver zu entfernen, das von der Schulter des Unterstempels 24 mittels
der aus dem Abzweig 46 austretenden Luft fortgeblasen wird. Dieses Pulver kann durch
(nicht dargestellte) Filter innerhalb der Saugleitung 96 vor der Saugpumpe 98 beseitigt
werden. Der Luftstoß aus dem Abzweig 46 verhindert ein Eindringen von
Pulver
in die Spalte zwischen den Unterstempeln und ihren Führungen 26 und verhindert damit
das bisher als Folge dieses Eindringens auftretende Klemmen. Ferner ermöglicht die
Abgabe von Öl an die Unterstempel 24 aus den Abzweigen 46 eine sehr wirkungsvolle
Schmierung der Unterstempel 24.