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Schwere und hartnäckige Verschmutzungen, insbesondere Verfärbungen
der Hände, lassen sich mit Seife (z. B. Kern- oder Feinseife) allgemein ohne sonstige
Zusätze in den seltensten Fällen befriedigend entfernen. Unter reinigungsfördernden
Zusatzmitteln sind bekanntlich neben Seife und synthetischen Waschaktivsubstanzen
Stoffe, wie Phosphate, Soda, Wasserglas, weiterhin abrasiv wirkende Schleifmittel
(wie z. B. Sand, Bims, Holzmehl, Kunststoffmehl usw.), außerdem Lösungsmittel, Gleitmittel,
Feuchthaltemittel, Hautschutzstoffe, Desinfektionsstoffe usw. zu verstehen.
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Im Zuge einer differenzierteren industriellen Weiterentwicklung wurden
auch die Ansprüche an Handreinigungsmittel differenzierter und die speziellen Ansprüche
höher, so daß die Entwicklung von jahrzehntelang von Industriearbeitern benutzten
qualitativ schlechten Produkten weg zu neuen speziellen Handreinigungsmittelsparten
hinführte.
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Von den verschiedenen bisher bekanntgewordenen Handreinigungstypen
konnte insbesondere die sogenannte Handwaschpaste eine größere Bedeutung gewinnen.
Diese Sonderstellung ist dadurch zu erklären, daß die Pastenform im Prinzip wie
keine andere Seifenart, seien es Stückseifen, seien es Tabletten, geeignet ist,
die Reinigung stark verschmutzter Hände zu bewirken. Die bisher üblichen Handwaschpastentypen
sind hinsichtlich ihrer Zusammensetzung in der Hauptsache auf der Basis Seife bzw.
synthetischen Waschaktivsubstanzen aufgebaut und enthalten als Schleifmittel entweder
Sand, Quarzmehl oder Holzmehl.
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Der scheuernde Füllstoff erfüllt dabei eine Doppelfunktion, nämlich
die eines abrasiv wirkenden Scheuermittels und zugleich die eines Trägers für die
flüssigen oder festen aktiven Zusatzstoffe. Bei derartigen Kompositionen muß regelmäßig
ein Kompromiß zwischen Scheuerwirkung und Trägerfunktion geschlossen werden. Die
Scheuerwirkung ist häufig zu intensiv, d. h., zu scharfkantige harte Materialien
führen zu Hautbeschädigungen. Umgekehrt haben Holzmehlpasten den Nachteil, daß sie
bei steigender Feuchtigkeitsaufnahme zu weich werden und dann die mechanische Reinigungskraft
verlorengeht. Weiterhin bestehen bei Füllstoffen mit geringer Absorptionskapazität
für Flüssigkeiten dadurch häufig Schwierigkeiten, daß nicht genügend Mengen an Zusatzstoffen
untergebracht werden können, so daß bestimmte wünschenswerte Zusammensetzungen nicht
realisiert werden können, oder daß bei Lagerung und Transport Entmischungen auftreten.
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Diese auf üblicher Schleifmittelbasis aufgebauten Handwaschpasten
sind jedoch von der Verschmutzungsart her gesehen nur begrenzt einsetzbar; sie sind
keineswegs Universalmittel, wie man häufig fälschlicherweise annimmt Diese Schleifmittel
können, wie die Praxis gezeigt hat, nur bestimmte, meistens anorganische Verschmutzungen
auflockern, damit die waschaktiven Stoffe nachreinigen können. Diese herkömmlichen
Pasten sind zudem meistens alkalisch eingestellt. Dieser Umstand verhindert wegen
der Verätzungsgefahr bei schwierigen Verschmutzungen die Anwendung von erhöhten
Temperaturen (warmes Wasser). Um auch schwierige Verschmutzungen zu beherrschen,
wie sie beispielsweise von Malerfarben, Stempelfarben, Farbbändern, Tinten, Tuschen,
Lippenstiften, Ölen, Rußen usw. herrühren, hat man in
neuerer Zeit sogenannte Reinigungscremes
entwikkelt. Diese Cremes unterscheiden sich grundlegend von den Pasten dadurch,
daß sie keine Schleifmittel enthalten, sondern statt dessen aus Syndets mit Lösungsmittelkombinationen
bestehen.
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Die Erfindung betrifft ein trocken oder naß verwendbares Handreinigungsmittel,
bestehend aus einer Mischung aus einem scheuernden Füllstoff als Träger und bekannten
Zusätzen an waschaktiven Stoffen und gegebenenfalls an Lösungsmitteln, Feuchthaltemitteln,
antiseptisch wirkenden Verbindungen usw.
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Sie besteht darin, daß der Trägerstoff aus thermisch expandiertem
Perlit mit einer Körnung von 0 bis 2 mm besteht, wobei der Hauptanteil der Körnung
zwischen 0,2 und 1 mm liegt.
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Durch die Erfindung wurde eine neuartige unerwartete Wirkung nach
Art der Cremes dadurch erreicht, daß statt der bisher üblichen Schleifstoffzusätze
thermisch expandierter Perlit bestimmter Körnung und bestimmter Herstellungsart
verwendet wird.
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Thermisch expandierter Perlit wird bekanntlich durch Erhitzung über
10000 C von Rohperlit, einem silikatischen Mineral aus der Gruppe der vulkanischen
Gläser, hergestellt. Technischer Perlit ist somit ein sehr leichter, voluminöser
anorganischer Schaumstoff, der eine hohe Absorptionskapazität für Flüssigkeiten
hat.
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Perlit ist bisher nicht als Schleifstoff an Stelle von Quarzmehl
od. dgl. in Handwaschpasten eingesetzt worden. Der bisher handelsübliche grobe Perlit
mit Korngrößen von 5 bis 6 mm, der hauptsächlich für Bauisolierzwecke benötigt wird,
bot offensichtlich wegen seines hohen Preises weder wirtschaftliche Vorteile, noch
schien er wegen seiner Bimsähnlichkeit technisch interessant zu sein.
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Überraschenderweise ergab sich ein völlig anderes Bild, als gefunden
wurde, daß in diesem Zusammenhang der Zusatz von Perlit einen unerwarteten positiven
Effekt ergibt.
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Eine unerwartete Wirkungsweise wird insbesondere dann erhalten, wenn
man als Zusatzstoff einen Perlit einsetzt, der eine Korngrößenbegrenzung von 0 bis
2 mm aufweist, wobei der größte Anteil zwischen 0,2 bis 1 mm liegen sollte. Allein
durch diese Maßnahme lassen sich brauchbare Handwaschpasten herstellen. Weiterhin
ist es für die Wirksamkeit von größtem Vorteil, wenn der technische Perlit durch
eine starke Bläherhitzung des Rohperlits leicht gemacht wird, so daß das von Kapillaren
durchsetzte Material dünne Wandungen erhält und infolgedessen ein Schützgewicht
von höchstens 70 g/l, bevorzugt 40 bis 64 gll, aufweist. Die Schüttgewichte liegen
bei üblichem technischem Perlit wesentlich höher. Es ist in diesem Zusammenhang
ein großer Unterschied, ob ein Perlit ein Schüttgewicht von z. B. 60 g/l oder z.
B. 100 g/l aufweist. Diese Eigenschaften werden dadurch anders. Dieses gilt vor
allem für die Form der in jedem einzelnen Korn enthaltenen mikrofeinen Poren und
für die Porenwände selbst. Mit sinkendem Raumgewicht werden zwangläufig die Porenwände
dünner, »weicher« und poröser. Dieser Stoff erhält unter den angegebenen Voraussetzungen
Eigenschaften, die bewirken, daß aus einer Kombination mit Seife nicht, wie zu erwarten,
ein Typ nach Art der Handwaschpasten entsteht, sondern nach der Wirkungsweise der
Typ von Reinigungscremes, die, wie oben ausgeführt, an sich keine Schleifmittel
enthalten.
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Infolge des hohen Absorptionsvermögens und der hohen spezifischen
Festhaltekraft, verbunden mit dünnen, weichen und porösen Porenwänden, resultiert
eine fast flockige leichte Reinigungsmittelform, die eine Handreinigung ohne gleichzeitige
Wasserbenutzung gestattet. Das Material zerreibt sich unter gleichzeitiger Schmutzadsorption
ohne zusätzliches Wasser auf den Handflächen und zwischen den Fingern. Natürlich
schließt das eine nachträgliche Wassernachspülung nicht aus. Dieser praktische Vorteil
ist besonders in den Fällen sehr erwünscht, wo in Werkstätten oder bei Tätigkeiten
im Freien in direkter Nähe kein Wasser zur Verfügung steht. Der Perlitzusatz, der
nicht nur den Ersatz eines bereits bekannten Schleifmittels darstellt, ist in jeder
Konfektionsform möglich und führt immer zu Verbesserungen. Perlit an Stelle von
z. B. Sand od. dgl. verbessert in jedem Fall die Qualität, auch die eines an sich
billigen Handreinigungsmittels. Es wurde gefunden, daß sich erfindungsgemäße, Perlit
enthaltende Handreinigungsmittel besonders gut zur Entfernung öliger Verschmutzungen
eignen.
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Gute Handwaschpasten enthalten an Gewichtsprozent 50 °/0 Sand bzw.
Quarz als Schleifmittel, billigere Typs zwischen 70 und 80°/o. Demgegenüber beträgt
der Bedarf an Perlit nur einen Bruchteil, nämlich etwa 20 O/o. Zur Verstärkung der
spezifischen Wirksamkeit in der einen oder anderen gewünschten Richtung können auch
mit Perlit außer den Seifenstoffen ausgezeichnet Lösungsmittel, desinfizierend wirkende
Stoffe, Feuchthaltemittel, Hautschutzstoffe usw. kombiniert werden, wobei sich flüssige
Stoffe besonders gut eignen.
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Diese unerwartete universelle Wirkungsweise nach Art einer Creme
beruht auf speziellen Oberflächeneigenschaften des Perlits in Verbindung mit strukturell
bedingten Adsorptionseigenschaften. Die Oberfläche dieser Perlittypen als Träger
der mechanischen Reinigungswirkungen ist natürlich nicht einfach zu beschreiben.
Es ist aber festzustellen, daß sie die schmirgelnde Wirksamkeit des Sandes hat und
gleichzeitig die schonende Weichheit eines Holzmehles, ohne die sonstigen negativen
Eigenschaften desselben. Von gleichrangiger Wichtigkeit scheint die Art der Flüssigkeitsbindung
des Spezialperlits zu sein.
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Beide Eigenschaften müssen wohl zur Erreichung des optimalen Effekts
gleichzeitig vorhanden sein; daher ist erklärlich, daß ein harter Perlit weniger
geeignet ist.
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Bei der Flüssigkeitsbindung von Stoffen unterscheidet man zwischen
einer lockeren oberflächlichen Bindung und fester gebundenen Absorptions- bzw.
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Kapillarflüssigkeiten. In diesem Zusammenhang ist aber offensichtlich
nicht vorwiegend die Gesamt-Flüssigkeitskapazität des Trägerstoffes von Belang,
sondern vor allem die sogenannte Feldkapazität.
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Unter Feldkapazität versteht man die fest gebundene Flüssigkeit, die
erst bei einer Saugspannung von 150 cm Wassersäule freigegeben wird. Sande verfügen
z. B. wegen der geringen Kapillarstruktur nur über eine verhältnismäßig geringe
Feldkapazität, weil die Flüssigkeit nur oberflächlich festgehalten wird. Bei Holzmehl
z. B. ist zwar die in den inneren Kapillaren aufnehmbare Menge relativ groß, aber
locker gebunden. Sie drückt sich leicht aus. Perlit hat demgegenüber, was bisher
in diesem Zusammenhang unbekannt war, andere Bindungsverhältnisse.
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Dazu zwei Zahlenbeispiele: 1. Perlit gemäß Erfindung Körnung 0 bis
2 mm, Schüttgewicht 68 g/l, Gesamt-Flüssigkeitsaufnahmemenge 50 Volumprozent, Feldkapazität
25 Volumprozent.
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2. Sand Körnung 0 bis 2 mm, Schüttgewicht 1550 gll, Gesamt-Flüssigkeitskapazität
28 Volumprozent, Feldkapazität 10 Volumprozent.
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Perlit bindet sowohl Wasser wie organische Flüssigkeiten in gleicher
Weise. Das besondere Charakteristikum des Perlits liegt nun darin, daß eine ideale
Verteilung von loser und fester gebundener Flüssigkeitsmenge vorliegt. Es ist wahrscheinlich
für eine optimale Wirksamkeit nötig, daß bei einer bestimmten Weichheit bzw. relativ
geringer mechanischer Festigkeit, aber genügender Oberflächenrauhigkeit der flüssige
Inhalt gemäß dem jeweiligen Druck beim Verreiben zwischen den Händen dosiert an
die Oberfläche kommt.
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Im folgenden wird die Erfindung an Hand von Beispielen erläutert.
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Zur Anwendung kam ein thermisch expandierter Perlit mit den beschriebenen
Eigenschaften, der ein Schüttgewicht von 60 g/l und folgende Körnungsanalyse aufwies:
| Korngröße Gewichts- |
| mm prozent |
| 1,0 bis 0,75 2,2 |
| 0,75 bis 0, |
| 0,5 bis 0,3 33,4 |
| 0,3 bis 0,2 . ......... 24,4 |
| 0,2 bis 0,1 20,0 |
| 0,1 bis 0,06 8,9 |
| 0,06bis0 2,2 |
Beispiel 1 (alles in Gewichtsprozent) 22 O/o thermisch expandierter Perlit, 18°/o
Alkylsulfonat Cl2-Ct4, 5°/o Glycerin, 50/0 Myristylalkohol, 2°/o Lanolin, 48 0/o
Wasser.
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Beispiel 2 (alles in Gewichtsprozent) 20 0/o thermisch expandierter
Perlit, 15 O/o Oleinkaliseife, 10 ovo Methylhexalin, 5°/o Tetrachlorkohlenstoff,
5 O/o Glykol, 3 0/o Ammoniakwasser (250/oil), 420/o Wasser.
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Es können auch mit anwendungstechnischem Vorteil bekannte desinfizierende
bzw. antiseptische Stoffe, wie z. B. Chlorthymol, Benzylchlorphenol usw., in die
erfindungsgemäßen perlitischen Reinigungsmittel eingebaut werden. Weiterhin auch
entgiftenden Stoffe, wie z. B. Chloramide; hierzu
Beispiel 3 (alles
in Gewichtsprozent) 18 0/o thermisch expandierter Perlit, 15 O/o Dodecylbenzolsulfonat,
1 (} 9/o Butylalkohol, 50/0 Glykol, 5% p-Toluolsulfonchloramidnatrium, 47 0/o Wasser.
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Patentansprüche: 1. Trocken oder naß verwendbares Handreinigungsmittel,
bestehend aus einer Mischung aus
einem scheuernden Füllstoff als Träger und bekannten
Zusätzen an waschaktiven Stoffen und gegebenenfalls an Lösungsmitteln, Feuchthaltemittel,
antiseptisch wirkenden Verbindungen usw., dadurch gekennzeichnet, daß der Trägerstoff
aus thermisch expandiertem Perlit mit einer Körnung von 0 bis 2 mm besteht, wobei
der Hauptanteil der Körnung zwischen 0,2 bis 1 mm liegt.