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Einstückiges Formteil für Möbel Die Erfindung betrifft ein einstückiges
Formteil für Möbel aus einer Sperrholzplatte oder einem plattenförmigen Werkstoff
mit ähnlichen Eigenschaften, bei dem mindestens zwei gewölbte flächige Abschnitte
des Formteiles im Winkel zueinander stehen und an der übergangszone eine abgerundete
Knickkante bilden.
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Es ist bekannt, daß man in einer Richtung gekrümmte Formteile aus
Sperrholz in Preßformen herstellen kann. Weiterhin ist bekannt, daß man dreidimensionale
Werkstücke, wie z. B. abgewinkelte Regenrohre aus Sperrholz, dadurch herstellen
kann, daß man diese Werkstücke aus einzeln hergestellten Krümmungsabschnitten zusammensetzt.
Dagegen ist es bisher nicht möglich gewesen, Formteile aus Sperrholz oder einem
anderen geschichteten Material mit mindestens zwei gekrümmten Flächen, deren Längsachsen
unter einem bestimmten Winkel zueinander stehen, einstückig herzustellen. Das bisher
Erreichte beschränkt sich auf ganz flache Mulden, etwa bei Sitz und Lehne von einstückigen
Sperrholzsitzen, deren Wölbungsgrad durch die geringe Dehnbarkeit des Materials
begrenzt wird. Weiterhin ist es möglich, die Vorderkante von muldenförmig gekrümmten
Sperrholzsitzen nach unten leicht abgebogen herzustellen. Die abgebogene Vorderkante
muß jedoch sehr knapp begrenzt sein und dort aufhören, wo die beim Pressen auftretenden
Spannungen die Möglichkeiten des Schichtmaterials übersteigen. Aus den gleichen
Gründen müssen auch z. B. bei einstückigen Sperrholzsitzschalen, bei denen sowohl
die Lehne als auch der Sitz entsprechend den anatomischen Erfordernissen verformt
ist, im Knick zwischen Sitz und Rückenlehne beiderseitige Aussparungen angeordnet
werden, so daß nur ein schmales, annähernd einfach gekrümmtes Übergangsstück übrigbleibt.
Andernfalls würden im Bereich des Knickes Zug- und Druckspannungen auftreten, die
zum Reißen oder Stauchen des Schichtmaterials füh-
ren würden. Soll ein derartiger
Sitz ohne Aussparungen hergestellt werden oder soll sogar ein derartiger Sitz einstückig
als Doppelsitz ausgeführt werden, wie es z. B. bei Omnibussitzen gebräuchlich ist,
so ist es nach der bisher bekannten Methode unbedingt nötig, die Wölbung des Sitzes
und der Rückenlehne schon vor dem Knick selbst auslaufen zu lassen, so daß der Knick
selbst nur einen einfach gekrümmten Zwischenabschnitt darstellt.
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Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht nun darin, allein
durch Mittel der Formgebung Formteile mit räumlich stark gekrümmten Flächen, deren
Längsachsen unter einem bestimmten Winkel zueinander stehen, einstückig so herzustellen,
daß in dem geschichteten Material keine Zug- und Druckspannungen während des Preßvorganges
entstehen, die die begrenzten Möglichkeiten des Materials überschreiten und das
Werkstück deshalb durch Reißen oder Stauchen der einzelnen Schichten unbrauchbar
oder unansehnlich machen würden.
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Der Vorteil eines erfindungsgemäß ausgebildeten Formteiles besteht
darin, daß gekrümmte Flächen im Sinne der Aufgabenstellung spannungsfrei aneinandergereibt
werden können. So ist es z. B. möglich, bei Sitzschalen auch bei starker Wölbung
des Sitzes und der Rückenlehne das Formteil einwandfrei und ohne beiderseitige Aussparungen
in voller Breite auszuführen, ja es ist sogar möglich, zweisitzige Formteile, also
etwa die vorstehend erwähnten Omnibusdoppelsitze, einstückig in voller Breite auszuführen,
ohne daß die anatomisch erwünschte Verformung der Sitz- und Rückenlehnenabschnitte
im Bereich des Knicks auf einen einfach gekrümmten Abschnitt reduziert werden muß.
Dadurch kann ein größerer Komfort erzielt werden, da der Wölbungsgrad der einzelnen
Abschnitte nicht mehr von der begrenzten Dehnungsmöglichkeit des Materials abhängt,
sondern allein nach den funktionellen Erfordernissen gestaltet werden kann.
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Die gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß bei
Wahl der Wölbung der flächigen Abschnitte als gekrümmte Fläche mit etwa gleichem
Krümmungsradius und in einer gemeinsamen Ebene liegenden Längsachsen die Anordnung
so getroffen ist, daß der Krümmungssinn des einen Ab-
schnittes jeweils dem
des benachbarten Abschnittes entgegengesetzt ist und die Knickkante jeweils entlang
der Durchdringungslinie zweier benachbarter Abschnitte verläuft.
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In derselben Weise ist es natürlich auch möglich, einen dritten oder
beliebig viele weitere Abschnitte hinzuzufügen, wobei jeder Abschnitt die gleiche,
je-
doch umgekehrte Krümmung aufweist, wie der vorhergehende
Abschnitt. Da andererseits auch die Krümmung völlig frei, also auch wellenförinig
gestaltet werden kann, ergeben sich vielfältige Mög-
lichkeiten der Formgebung.
Soll z. B. bei einem Fonnteil an einen gekrümmten Abschnitt im Winkel dazu ein zweiter
Abschnitt mit gleichgerichteter Krümmung folgen, so wird zwischen die beiden gleichgerichtet
gekrümmten Abschnitte ein dritter, entgegengesetzt gekrümmter Abschnitt eingeschoben,
der im extremen Fall so klein sein kann, daß sich die zwischen dem eingeschobenen
und je einem der beiden anderen Abschnitte ausgebildeten Knickkanten berühren.
Dabei bilden die Längsachsen des ersten und des eingeschobenen Abschnittes zunächst
einen Winkel, der größer ist als der gewünschte Winkel zwischen den beiden Endabschnitten.
Danach wird der letzte Abschnitt so angeschlossen, daß der erste und letzte Abschnitt
den gewünschten Winkel bilden. Durch die Erfindung wird es also möglich, Formteile
herzustellen, die in ihrer Gesamtheit stark räumlich verforinte Gebilde darstellen,
die jedoch im einzelnen aus einer Reihe einfach gekrümmter, spannungsfreier Abschnitte
bestehen.
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Die Möglichkeiten der Verformung lassen sich noch dadurch erhöhen,
daß die Krümmung des einen Abschnittes gegenüber dem vorhergehenden durch besondere
Maßnahmen im gewissen Umfang abgeändert wird. Dies wird erfindungsgemäß dadurch
gelöst, daß bei aufeinanderfolgenden Abschnitten die Krümmung des einen Abschnittes
gegenüber dem anderen dadurch verstärkt oder abgeschwächt wird, daß die Knickkante
zwischen beiden Abschnitten entlang der Durchdringungslinie nicht mit gleichbleibendem,
sondern sich stetig änderndem Radius ausgerundet wird.
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Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der folgenden Beschreibung
von erfindungsgemäß ausgebildeten Fonnteilen in Verbindung mit den Ansprüchen und
der Zeichnung. Die einzelnen Merkmale können je für sich oder zu mehreren
bei einer Ausführungsforin der Erfindung verwirklicht sein.
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In den Zeichnungen sind folgende erfindungsgemäß ausgebildete Forinteile
dargestellt.
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F i g. 1 zeigt schematisch einen Hocker gemäß der Erfindung;
F i g. 2 zeigt eine erfindungsgemäß ausgebildete Sitzschale mit Rückenlehne;
F i g. 3 zeigt die Rückenlehne eines Stuhles, bei der die Wölbung der oberen
gegenüber der unteren Fläche durch die Veränderung des Radius der Knickkante verstärkt
ist.
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F i g. 1 zeigt einen verhältnismäßig einfach ausgebildeten
Hocker. Bei diesem Hocker sind die aneinander angrenzenden Flächen, nämlich die
Sitzfläche 1 und die beiden Seitenteile 2, nach verschiedenen Seiten gekrümmt.
Der Krümmungsradius der beiden aneinander anschließenden, nach verschiedenen Seiten
gekrümmten Teile ist der gleiche. Die zu den gekrümmten Flächen 1 und 2 gehörenden
spannungsfreien Knickkanten 3 müssen in der beschrie' benen Weise gestaltet
sein. Entsprechend diesen Merkmalen wird dann die Preßform gebaut. Zur Herstellung
des Hockers werden in die Presse mit Leim versehene Furniere eingelegt und das Formteil
dann in bekannter Weise in der Form gepreßt.
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Bei der in F i g. 2 dargestellten Ausführungsform der Erfindung
soll ein Formteil gepreßt werden, bei dem zwei in gleicher Richtung gekrümmte Flächen
einen Winkel miteinander im Sinne der Aufgabenstellung bilden. An die nach oben
gekrümmte Sitzfläche 4 soll sich nämlich in einem bestimmten Winkel die nach vom
gekrümmte Rückenlehne 5 anschließen. Wenn die Biegung spannungsfrei werden
soll, so muß das hintere Ende der Sitzschale zunächst in einem Winkel
6 gebogen werden, der größer ist als der Winkel, in dem Rückenlehne
5 zu dem Sitz 4 steht. Die Wölbung der Fläche 4 ist gleich der umgekehrten
Wölbung des Zwischenstückes 7. An diesen Zwischenabschnitt 7 schließt
sich die Rückenlehne 5 im Winkel 9 an, mit der die Rückenlehne
5 in die gewünschte Winkelstellung mit dem Sitz 4 gebracht wird. Auf die
Sitzfläche 4 gegebener Krümmung folgt also ein Zwischenabschnitt 7 mit einer
nach der entgegengesetzten Seite gerichteten Krümmung und auf diesen folgt die Rückenlehne
5, deren Krümmung wiederum entgegengerichtet ist, jedoch nach der gleichen
Seite wie Sitz 4. Das Formteil wird also durch den Kunstgriff, daß man zwischen
zwei Abschnitte mit gleichgerichteter Krümmung einen Zwischenabschnitt mit entgegengesetzter
Krümmung einschaltet, spannungsfrei gestaltet. Nach einem so bestimmten Modell wird
dann die Preßform angefertigt und das Formteil in bekannter Weise hergestellt.
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Bei dem Forinteil gemäß F i g. 3 wird die Krümmung der oberen
Fläche 1 gegenüber der entgegengesetzten Krümmung der unteren Fläche 2 dadurch
verstärkt, daß in der Knickkante 3 der Radius der Ausrundung entlang der
Durchdringungslinie nicht gleichbleibend gestaltet wird, sondern sich von der Mitte
her nach den Seiten zu vergrößert. Selbstverständlich ist es auch möglich, die Veränderung
unsymmetrisch, d. h. von der einen Seite nach der anderen hin, vorzunehmen.
Das Pressen der Formteile geschieht dann in der bekannten Weise.
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An Stelle von Holzfurnieren können auch andere geschichtete Werkstoffe
zur Herstellung der erfindungsgemäßen Formteile, verwendet werden, beispielsweise
geschichtete Kunststoffe oder aber andere Werkstoffe, die zwar biegsam sind, die
ihre Dicke oder Länge jedoch beim Biegen nicht ändern. Denn nur in diesem Fall treten
die beim Sperrholz bekannten Schwierigkeiten auf.