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Vorrichtung zum Bilden eines Wanderfaches bei Webmaschinen Die Erfindung
bezieht sich auf eine Vorrichtung zum Bilden eines Wanderfaches bei Webmaschinen,
bei denen durch phasenverschobenes, gruppenweises Hin- und Herbewegen der Litzen
der das Ober- bzw. Unterfach bildenden Kettenfäden hintereinander verlaufende Wanderwellen
bildbar sind, in deren Wellenbäuche je ein Webschützen läuft.
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Bei der Bildung von Wanderfächern, wie dies beispielsweise bei Webmaschinen
mit Schützenkolonnen nötig ist, befinden sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in jedem
Einzelfach ein Teil der Kettenfäden ganz oben bzw. ganz unten, während alle anderen
Kettenfäden sich in Bewegung befinden, d. h. sich gleichzeitig aufwärts oder abwärts
bewegen. Für eine Leinwandbindung würde dies bedeuten, daß zur korrekten Bildung
einer wandernden Fachwelle aus jeder Welle jeweils nur ein Faden mit den entsprechenden
Fäden der anderen Welle die gleiche Bewegung macht. Sind beispielsweise auf die
Webbreite zwölf Fachwellen vorgesehen, so könnten bei Verwendung von üblichen Webschäften
nur je zwölf einzelne Kettenfäden auf dem gleichen Schaft vereinigt sein. Befänden
sich nun beispielsweise, bezogen auf eine Wellenlänge, 100 Fäden im Oberfach und
100 Fäden im Unterfach, so müßten bei dieser Webmaschine 2 - 100 Schäfte verwendet
werden.
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Es ist zwar bei Webmaschinen mit Wanderwellen bereits bekannt, die
Wanderwelle als Stufenwelle durch Hin- und Herbewegen von zu Gruppen zusammengefaßten
Litzen zu erzeugen (deutsche Patenschrift 1072 569 und USA.-Patentschrift 1161979)
und dabei jeder Litzengruppe einen gesonderten Schaft zuzuordnen. Die nebeneinander
in Reihe angeordneten Einzelschäfte werden hierbei durch eine mit ihnen zusammenwirkende
Exzenterwelle entsprechend dem gewünschten Wanderfach einzeln hin-und herbewegt.
Der Aufbau und auch der Betrieb derartiger bekannter Webmaschinen ist jedoch relativ
kompliziert und störanfällig, und es ist infolge der Vielzahl von einzelnen und
bewegten Schäften nur schwer eine saubere Fachbildung und ein gleichmäßiger Schützenlauf
erreichbar.
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Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Webmaschine dieser Art zu schaffen,
die mit einem Minimum an Einzelschäften und damit einem sehr einfachen Aufbau und
Antrieb für die Einzelschäfte eine saubere Wanderfachbildung und einen sicheren
Schützenlauf ermöglicht.
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Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß, ausgehend von einer Vorrichtung
der eingangs erwähnten Art, dadurch gelöst, daß die Litzen des Ober- und Unterfaches
jeder Halbwelle der Wanderwelle in Gruppen zusammengefaßt und die gleichphasig hin-
und herbewegten Litzengruppen aller Wanderwellen auf einem gemeinsamen, geraden
Schaft befestigt sind, wobei die einzelnen Schäfte entsprechend der gewählten Gruppenzahl
phasenverschoben hin- und herbewegbar angeordnet sind. Vorzugsweise sind dabei die
Litzen des Ober- und Unterfaches jeder Halbwelle in drei Einzelgruppen zusammengefaßt.
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Da gemäß der Erfindung jeweils Kettenfäden des Oberfaches und des
Unterfaches auf dem gleichen Schaft vereinigt sind, kann mit einer relativ kleinen
Schaftzahl eine Fachwelle erzeugt werden, die mit praktisch genügender Annäherung
an eine stufenlose Wanderwelle einen ungehinderten Durchgang der Webschützen gewährleistet.
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Vorzugsweise sind die im Abstand einer Halbwelle aufeinanderfolgenden
Litzengruppen von Oberfach und Unterfach auf je einem gemeinsamen Schaft befestigt.
Die einzelnen Schäfte können über gegenseitig versetzte Exzenterscheiben einer Antriebswelle,
vorzugsweise über zwischengeschaltete Hebelübersetzungen, beispielsweise an beiden
Enden in der vorbestimmten gegenseitigen Phasenverschiebung hin-und herbewegbar
angeordnet sein, und zwar erfolgt vorzugsweise diese Hin- und Herbewegung der einzelnen
Schäfte sinusförmig. Ein besonders guter Schützenlauf wird erreicht, wenn jeder
einzelnen Litzengruppe eine gesonderte Spanneinrichtung zugeordnet ist. Dies wird
vorzugsweise durch eine synchron mit den hin- und herbewegbaren Schäften angetriebene
Stufenwelle erreicht, deren einzelne jeder Kettenfadengruppe von Ober- und Unterfach
von der Litzengruppenbreite entsprechenden Länge zugeordnete Stufenabschnitte rohrförmig
ausgebildet und derart gegeneinander exzentrisch versetzt vorgesehen
sind,
daß die durch die aufeinanderfolgende Wanderfachbildung erzeugte Spannungsänderung
der einzelnen Kettenfadengruppen jeweils ausgeglichen ist. Die Kettenfäden der wandernden
Stufenwelle werden damit an jeder Stelle gleichmäßig gespannt gehalten, so daß ein
guter Schützenlauf möglich ist und die Fadenanschlagstelle eine gerade und ruhig
stehende Linie bildet, wodurch die Gefahr einer Kettenstreifigkeit an den Grenzen
der zusammengefaßten Fadengruppen ausgeschaltet wird.
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Da je Wanderwelle die Kettenfäden zweimal angespannt werden, läuft
die Stufenwelle vorzugsweise doppelt so schnell um wie der Antrieb der Schäfte.
Um weiterhin eine Kettenfadenbremsung zu erzielen, kann die Stufenwelle entgegen
der Kettenfadenzuführrichtung angetrieben werden.
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In der Zeichnung ist der Gegenstand der Erfindung an Hand eines Ausführungsbeispieles
schematisch näher erläutert. Es zeigt F i g. 1 eine Aufteilung der Öber- und Unterfachwanderwellen
in einzelne Litzengruppen, F i g. 2 eine Zuordnung der einzelnen Litzengruppen zu
den entsprechenden gemeinsamen Schäften, F i g. 3 in Seitenansicht und teilweise
im Schnitt eine gegenseitig phasenverschobene Anordnung der parallel hin- und herbewegbaren
Schäfte sowie eine Kettenfadenspannungsausgleichsvorrichtung und F i g. 4 eine Stufenwelle
in Draufsicht.
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Gemäß F i g, 1 ist das Ober- und Unterfach einer ganzen Länge L einer
Wanderwelle W in jeweils sechs Gruppen 1 bis 12 von der Breite L/6 aufgeteilt. Zur
Bildung der schematisch angedeuteten Wanderwelle W müssen diese einzelnen Fadengruppen
von der gezeichneten Stellung aus die durch Pfeile angedeutete Bewegung ausführen.
Man ersieht daraus, daß die Kettenfadengruppen 1, 2 und 3 sowie 10, 11 und 12 im
gezeigten Zeitpunkt gleichzeitig eine Abwärtsbewegung und die Kettenfadengruppen
4, 5 und 6 sowie 7, 8 und 9 gleichzeitig eine Aufwärtsbewegung machen. Weiter ersieht
man, daß die Gruppen 1 und 10, 2 und 11 sowie 3 und 12 bzw. die Gruppen 4 und 7,
5 und 8 sowie 6 und 9 - also jeweils Gruppen in einem Abstand einer Halbwelle L/2
- ihre Abwärts- bzw. Aufwärtsbewegung nicht nur zur gleichen Zeit, sondern auch
bei gleicher Fachhöhe ausführen. Es ist also möglich, diese Gruppen auf einem gemeinsamen
Schaft zu vereinigen. Zur Wanderfachbildung werden bei der erfindungsgemäßen Aufteilung
deshalb nicht zwölf, sondern lediglich sechs Einzelschäfte benötigt. Auf jedem Schaft
befinden sich dabei im Abstand einer Halbwelle L/2 gleiche Litzengruppen, wie dies
in F i g. 2 für die Schäfte A, B und C bezüglich der Litzengruppen 1 und
10, 2 und 11 sowie 3 und 12 bzw. für die Schäfte D, E, F bezüglich der Litzengruppen
4 und 7, 5 und 8 sowie 6 und 9 gezeigt ist. Die Schäfte A bis F können dabei in
an sich bekannter Weise als Schaftrahmen ausgebildet sein, und die Litzen I sind
ebenfalls in bekannter Weise in diesen Schaftrahmen eingehängt.
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In F i g. 3 ist gezeigt, wie die sechs Schäfte A bis F zusammenwirken
und für den in F i g. 1 gezeigten Zustand gemäß den eingezeichneten Pfeilen phasenverschoben
hin- und herbewegt werden. Die Hin-und Herbewegung erfolgt dabei vorzugsweise im
wesentlichen waagerecht. Für eine Leinwandbindung genügt es dabei, die Schäfte eine
einfache phasenverschobene Sinusbewegung ausführen zu lassen. Eine derartige Sinusbewegung
kann beispielsweise mit Hilfe von Exzentern oder Kurbeln erzielt werden, wobei die
Schäfte ohne jeden Stoß arbeiten. In F i g. 3 ist ein solcher Schaftantrieb mit
einem Exzenter 20 angedeutet. Im Falle des gewählten Ausführungsbeispieles mit sechs
Schäften sind entsprechend sechs derartige Exzenter 20 erforderlich, die
um je 60° versetzt auf ein und derselben Welle 21 angeordnet sind und mit dazugehörigen
Schubstangen 22 auf die entsprechenden Schäfte einwirken.
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Kettenfäden K jeder Fadengruppe werden bei der erfindungsgemäßen Fachbildung,
bei der also die einzelnen Schäfte parallel zueinander hin- und herbewegt werden,
jeweils in der oberen und in der unteren Stellung (Stellung des Schaftes A und des
Schaftes D gemäß F i g. 3) am stärksten gespannt, während sie in der Mittelstellung
entsprechend schlaff werden. Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung wird deshalb,
wie dies in F i g. 3 gezeigt ist, jede Kettenfadengruppe K über eine entsprechende
Spannrolle S geführt, welche eine derartige Exzentrizität besitzt und synchron mit
der Schaftbewegung angetrieben ist, daß die auftretende Fadenverkürzung bzw. Fadenverlängerung
ausgeglichen wird. Die exzentrischen Rollen S werden vorzugsweise nebeneinander
auf einer Welle 25 aufgereiht, die sich doppelt so schnell wie die Exzenterwelle
21 für die Schaftbewegung drehen muß, da ja in der ganzen Fachwelle die Fäden zweimal,
nämlich oben und unten, angespannt werden. Ist die Spannungslänge, d. h. die Länge,
um welche der Faden in der Mittelstellung gegenüber der oberen bzw. unteren stärksten
Fadenspannung erschlafft, x, so werden die Spannrollen S auf der Welle 25 gegenüber
dieser Wellenachse um x/2 versetzt, wie dies in den F i g. 3 und 4 gezeigt ist.
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Die Herstellung der Stufenwelle mit den gegeneinander exzentrisch
versetzten Spannrollen S erfolgt gemäß den F i g. 3 und 4 vorzugsweise derart, daß
an der Umfangsfläche der Welle 25 der Anzahl der gewählten Fadengruppen je Wellenlänge
entsprechend viele Längsnuten 26 gleichmäßig verteilt ausgebildet werden. Die Spannrollen
S werden dabei durch der Fadengruppenbreite entsprechend lang bemessene zylindrische
Rohrabschnitte gebildet. Für aufeinanderfolgende Spannrollen S werden bei in Umfangsrichtung
entsprechend aufeinanderfolgenden Längsnuten 26 Keile 27 eingesetzt, so daß die
Rohrabschnitte S entsprechend exzentrisch auf der Welle 25 gelagert sind. Zwischen
diesen Rohrabschnitten S können noch entsprechende Fadenführungsscheiben 28 zwischengelegt
werden, so daß die einzelnen Fadengruppen sicher auf der ihnen zugeordneten Spannrolle
geführt sind.
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Der Drehsinn der Stufenwelle ist vorzugsweise so gewählt, daß eine
Kettenfadenbremsung entsteht, d. h. also, daß sich die Oberfläche der Rollen S entgegen
der Kettenfadenzuführung bewegt. Die Spannrollen S können jedoch auch auf der Welle
25 drehbar gelagert sein, beispielsweise über entsprechende Nadellager.
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Mit der gemäß dem gezeigten Ausführungsbeispiel gewählten Aufteilung
der ganzen Wanderwelle in sechs Einzelgruppen läßt sich eine für die meisten praktischen
Fälle ausreichende feine Abstufung erzielen. Man kann jedoch auch jede andere beliebige
geradzahlige Aufteilung, beispielsweise eine Aufteilung in acht, zehn oder mehr
Gruppen, vornehmen.
Jedoch bedingt dies eine entsprechend größere
Schaftanzahl.
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Obwohl die Erfindung an Hand einer Leinwandbindung beschrieben ist,
kann die erfindungsgemäße Vorrichtung nach entsprechender Abänderung auch für andere
einfache, regelmäßige Bindungen, beispielsweise für Köperbindungen, verwendet werden.