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Verfahren zum Abbau von Kaliumchlorid aus unterirdischen Lagern Kaliumchlorid
wird durch Abbau unterirdischer Salzlager gewonnen. Viele dieser Lager, z. B. die
von Karlsbad, Neu-Mexiko, kommen als horizontale Lagen oder Schichten in Tiefen
von 90 bis 900 m und tiefer vor. Der technische Abbau richtet sich in der Hauptsache
auf die Gewinnung aus solchen Lagern, in denen das Kalium in Form von Sylvinit oder
ähnlichen Rohsalzen vorliegt, die hauptsächlich aus Kaliumchlorid und Natriumchlorid
bestehen.
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Sylvinitlager werden im allgemeinen im Schachtbetrieb mit Kammer-
und Pfeilerbau, ähnlich wie im Kohlenbergbau, abgebaut. Diese Art des Abbaus erfordert
die Herstellung eines Zuganges zu dem unterirdischen Salzlager und das Abtragen
des Rohsalzes in fester Form. Die festen Rohsalze werden nach oben gebracht und
dort verarbeitet, um das Kaliumchlorid von den anderen Bestandteilen, insbesondere
vom Natriumchlorid, zu trennen. Diese Trennung wird beispielsweise durch Flotation
und Sortierung unter Ausnutzung ihrer verschiedenen Benetzbarkeiten durchgeführt.
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Diese technischen Verfahren sind im allgemeinen auf die Gewinnung
von Kaliumchlorid aus unterirdischen Lagern bis zu einer Tiefe von etwa 1000 m beschränkt.
Die Kosten für das Niederbringen tieferer Schächte und für die entsprechenden Abstützungen
sind zu hoch. Daher sind tiefer gelegene, stark kaliumchloridhaltige Lager, von
denen einige in Tiefen von 1800 m und mehr vorkommen, bis jetzt nicht in dem Maße
abgebaut worden, wie ihr Gehalt an Kaliumchlorid es normalerweise rechtfertigen
würde. Außerdem erfordert der Trockenabbau von Kaliumchloridlagern hohe Kapitalinvestierungen
und Betriebskosten sowohl für die technischen Ausrüstungen als auch für das Ausschachten,
die Instandhaltung der Schächte und die Verfahren zur Trennung des Kaliumchlorids
von den anderen Bestandteilen.
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Erfindungsgemäß wird Kaliumchlorid ohne schachtweisen Abbau und daher
auch ohne die damit verbundenen Nachteile aus den unterirdischen Lagern gewonnen.
Flotations- und Sortierungsanlagen sind nicht erforderlich, so daß ein großer Teil
der kostspieligen Ausrüstung und Abbautechnik zur Gewinnung von Kaliumchlorid im
Schachtbetrieb und zu seiner Abscheidung aus den Rohsalzen überflüssig ist. Daraus
ergeben sich sowohl niedrigere Kapitalinvestierungen als auch niedrigere Betriebskosten.
Ein Abbau von unterirdischen Rohsalzlagern, die auf Grund der Begrenzung der Schachtführung
bisher nicht abbaufähig waren, wird somit ermöglicht.
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Das Verfahren besteht darin, daß man Wasser oder eine verdünnte wäßrige
Sole in einen Hohlraum eines unterirdischen Rohsalzlagers einleitet, in diesem sowohl
das Kaliumchlorid als auch das Natriumchlorid löst und die entstehende Sole aus
der unterirdischen Höhlung herauspumpt, diese Sole abkühlt und festes Kaliumchlorid
von der Mutterlauge trennt. Die erfinderischen Merkmale des neuen Verfahrens bestehen
darin, daß man den Salzgehalt der Mutterlauge so einstellt, daß sie in bezug auf
beide Salze in demselben Verhältnis ungesättigt ist, wie diese beiden Salze in der
Lagerstätte vorkommen, die Mutterlauge in die Lagerstätte zurückführt und die Salze
in einem dem Vorkommen äquivalenten Verhältnis löst. Das Herauslösen des Kaliumchlorids
und Nätriumchlorids aus dem Rohsalzlager wird also so durchgeführt, daß beide Salze
gleichzeitig und ohne nennenswerte Selektivität gelöst werden.
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Die Vermeidung der selektiven Herauslösung des Kaliumchlorids aus
dem Lager ist ein wesentliches und charakteristisches Merkmal der erfindungsgemäßen
Abbaumethode. Wenn auch die verschiedene Löslichkeit von Kaliumchlorid und Natriumchlorid
in Wasser ein selektives Herauslösen von Kaliumchlorid aus den unterirdischen Lagern
zulassen und somit die lästige Beseitigung beträchtlicher Mengen Natriumchlorid
überflüssig machen würde, so hat sich dieses selektive Herauslösen doch als nachteilig
er,
wiesen, da es die Menge des abbaufähigen Salzes beschränkt.
Gewöhnlich konnte nur ein geringer Teil eines Lagers abgebaut werden. Wenn jedoch
ein selektives Herauslösen des Kaliumchlorids erfindungsgemäß vermieden wird, kann
eine größere Menge Salz abgebaut werden. Betrachtet man die Kosten, die mit der
Bildung eines unterirdischen Hohlraums zwecks Abbau eines Lagers verbunden sind,
so ist die Möglichkeit, das Lager praktisch zu erschöpfen, von großer Bedeutung.
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Bei dem erfindungsgemäßen Abbau von Kaliumchlorid aus gewöhnlichen
Kalilagern wird ein Bohrloch in die unterirdischen Kalischichten niedergebracht.
Solche Schichten können bis zu 2100 m und mehr tief liegen und mehrere hundert Meter
stark sein. Das Bohrloch hat die Form, wie sie beim sogenannten Lösungsabbau üblich
ist. Meistens wird das Bohrloch bis zu einem Punkt nahe der obersten Kalischicht
niedergebracht. Dann wird das Bohrloch bis zum oberen Teil der Kalischicht verrohrt.
Anschließend wird durch die Verrohrung ein meistens konzentrisches Rohr bis unterhalb
der unteren Kalischicht niedergebracht. Wenn die Natur der verschiedenen hängenden
und liegenden Schichten es erforderlich macht, können bekannte Bergbauhilfsmittel
verwendet werden, um den Hohlraum auf die KCl-Schichten zu beschränken und ein Zusammenbrechen
des Hohlraums zu vermeiden. Durch den Ringraum zwischen der Verrohrung und dem konzentrischen
Rohr (oder durch dieses bei umgekehrter Stromrichtung) wird ein wäßriges Medium
in die Kalischicht geleitet, in der dann ein Hohlraum entsteht. In diesem Hohlraum
wird sowohl Kaliumchlorid als auch Natriumchlorid in dem Wasser gelöst, das dann
durch das Rohr nach oben befördert wird.
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Die Kreislaufführung des wäßrigen Mediums in den Hohlraum und aus
diesem heraus kann auch in der Weise geschehen, daß man zwei oder mehrere Bohrlöcher
mit dem Hohlraum in Verbindung bringt. Durch das eine Bohrloch wird Wasser, das
hinsichtlich seines Kaliumchlorid- und Natriumchloridgehalts ungesättigt ist, in
den Hohlraum geleitet, während die Lösung, in der sich die Salze aus dem Lager gelöst
haben, aus einem anderen, mit dem Hohlraum verbundenen Bohrloch herausgepumpt wird.
Es können auch beliebig viele Bohrlöcher niedergebracht werden, wenn ein ausgedehntes
unterirdisches Lager ausgebeutet werden soll, wobei die Bohrlöcher je nach Erfordernis
geöffnet und geschlossen werden können.
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Kaliumchlorid und Natriumchlorid werden in dem Verhältnis, wie sie
in dem Lager vorliegen, aus diesem gelöst, und zwar dadurch, daß man die Kreislaufgeschwindigkeit
des wäßrigen Mediums durch den Hohlraum regelt. Die Flüssigkeit bleibt so lange
in dem Hohlraum, bis sie sowohl mit Kaliumchlorid als auch mit Natriumchlorid nahezu
gesättigt ist. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen, und es ist nicht ungewöhnlich,
wenn eine bestimmte Menge Zirkulierflüssigkeit einige Monate in dem Hohlraum bleibt.
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Wenn sich die gewünschten Mengen Kaliumchlorid und Natriumchlorid
aus dem Lager gelöst haben, wird die Flüssigkeit aus dem Hohlraum nach oben gepumpt.
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Die Bildung einer gesättigten Lösung in dem Hohlraum wird nur selten
angestrebt. Sehr oft sind die Solen aus dem Hohlraum beispielsweise nur zu 95°/0,
jedoch nicht vollständig mit Chloriden gesättigt. Der genaue Sättigungsgrad (insbesondere
an Kaliumchlorid) oder wie weit die Sättigung in dem Hohlraum gehen soll, wird von
wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt Sobald die Flüssigkeit nach oben kommt, wird
sie gekühlt. Die Löslichkeit von Kaliumchlorid in Wasser nimmt mit niedrigeren Temperaturen
ab, so daß das Kaliumchlorid beim Abkühlen ausfällt. Die Löslichkeit von Natriumchlorid
jedoch nimmt bei den hier in Betracht kommenden niedrigeren Temperaturen nicht ab.
Daher scheidet sich das Kaliumchlorid nach dem Abkühlen selektiv als fester Stoff
ab, der durch abgeschiedenes Natriumchlorid nicht verunreinigt ist. Kleinere Mengen
Mutterlauge, die dem kristallisierten Kaliumchlorid nach dem Abscheiden anhaften,
sind meist keine wesentlichen Verunreinigungen des Kaliumchlorids. Gewünschtenfalls
kann ein beträchtlicher Teil der anhaftenden Mutterlauge auf mechanischem Wege,
z. B. durch Schütteln oder Waschen und Zentrifugieren oder Filtrieren des Kaliumchlorids,
entfernt werden.
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Nach Abscheiden des festen Kaliumchlorids wird die Mutterlauge mit
genügend Wasser, das weniger Salz gelöst enthält als die Sole, zu einer Lösung verdünnt,
welche sowohl Kaliumchlorid als auch Natriumchlorid in dem Verhältnis, wie sie in
dem Rohsalzlager vorkommen, zu lösen vermag.
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Dies wird zweckmäßig in der Weise durchgeführt, daß man einen Teil
der in das Bohrloch einzuleitenden Mutterlauge herausnimmt und ihn durch Wasser,
das im wesentlichen frei von Chlorid ist, ersetzt. Es wird also ein Teil der Mutterlauge
aus der Kühlzone herausgenommen und eine äquivalente Menge Wasser der zurückfließenden
Mutterlauge hinzugegeben. An Hand der Löslichkeit des Kaliumchlorids und des Natriumchlorids
in der wäßrigen Sole, des Gewichtsverhältnisses des Kaliumchlorids und Natriumchlorids
in dem Salzlager und der in dem Lager vorherrschenden Lösungstemperatur läßt sich
die Menge der herauszunehmenden Mutterlauge (oder der Grad der Verdünnung) leicht
errechnen, wobei der Gehalt der Chloride in der umlaufenden Mutterlauge und die
Änderung der in dem Hohlraum verbleibenden Menge (z. B. Vergrößerung des Hohlraums
durch die Lösung der Salze aus dem Lager) in Betracht zu ziehen sind.
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Dieses Herausnehmen an Mutterlauge dient nicht nur dazu die in den
Hohlraum zurückgeführte Mutterlauge auf den gewünschten Sättigungsgrad bezüglich
beider Chloride einzustellen, sondern auch dazu, das Natriumchlorid aus dem System
zu entfernen, so daß eine Anreicherung von Natriumchlorid in der zurückgeführten
Mutterlauge verhindert wird.
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Da die Lösung von Kaliumchlorid in einer wäßrigen Sole, z. B. in der
zurückgeführten Mutterlauge, mit einem Wärmeverbrauch verbunden ist, wird die für
die Lösung in dem Hohlraum benötigte Temperatur durch Erhitzen der Bohrlochbeschickung
aufrechterhalten. Andernfalls würde der Hohlraum sich allmählich zu stark abkühlen,
und dies würde die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen und die Wirkung des Verfahrens
in hohem Maße beeinträchtigen. Wenn es sich wirtschaftlich rechtfertigen läßt, sollte
man also die Temperatur im Hohlraum eher erhöhen, als sie unverändert lassen.
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Beispiel Aus einem etwa 1525 m unter der Erdoberfläche liegenden
Sylvinitlager von einer Mächtigkeit bis zu
12 m wird Kaliumchlorid
mit einer Ausbeute von etwa 900 t pro Tag abgebaut. Das Lager besteht zu etwa
570/, aus Kaliumchlorid und zu 430/, aus Natriumchlorid (bezogen auf die
beiden Salze). Andere Stoffe, wie Magnesiumchlorid, liegen in verschieden großen
Mengen vor.
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Zunächst wird ein Bohrloch niedergebracht und ein Zugang zu den unterirdischen
Sylvinitschichten geschaffen. Die Zeichnung gibt ein Schema des Abbaus von Kaliumchlorid
aus diesem unterirdischen Lager. Die Zahlenangaben stehen für Tonnen des Materials
pro Stunde.
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Zu Beginn des Abbauverfahrens wird durch das Bohrloch Wasser in das
unterirdische Lager eingeleitet, wodurch eine wäßrige Lösung, die mit Kaliumchlorid
und Natriumchlorid nahezu gesättigt ist, erhalten wird. Gewöhnlich bildet sich hierdurch
der gewünschte Hohlraum. Nachdem die Lösung das für den Betrieb günstige Gleichgewicht
(z. B. eine etwa 95°/oige Sättigung) erreicht hat, wird sie heraufgepumpt und dem
in der Zeichnung dargestellten Umlaufverfahren unterworfen.
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Bei dem hier beschriebenen Abbauverfahren beträgt die Temperatur der
Lösung in dem Hohlraum etwa 45°C. Die aus dem Bohrloch kommende wäßrige Lösung hat
daher 45°C und enthält 197,7 kg KCl und 277,2 kg NaCI pro 1000 kg Wasser. Pro Stunde
werden 654,31 t Wasser bzw. 129,34 t Kaliumchlorid und 181,40 t Natriumchlorid aus
dem Hohlraum hochgepumpt.
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Die Lösung wird dann in ein offenes Kühlbecken geleitet. Hier wird
sie durch die vorherrschende Umgebungstemperatur auf 10°C abgekühlt. Das Kühlbecken
ist verhältnismäßig flach und hat eine Flüssigkeitstiefe von 0,9 bis 1,5 m. Etwa
37,82 t Kaliumchlorid pro Stunde scheiden sich als festes Produkt ab. Die sich in
dem Kühlbecken ergebende Mutterlauge wird derart abgezogen, daß stündlich 654,31
t Wasser, 181,40 t Natriumchlorid und 91,52 t Kaliumchlorid das Kühlbecken verlassen.
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Von dieser Mutterlauge wird ein Teil abgetrennt, der sich auf 131,24
t Wasser, 18,32 t Kaliumchlorid und 36,37 t Natriumchlorid pro Stunde beläuft.
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Die übrige Mutterlauge wird mit Wasser, das im wesentlichen frei von
Kalium- und Nätriumchlorid ist und dessen Menge der abgezogenen Menge entspricht,
aufgefüllt, d. h. mit 178,04 t Wasser pro Stunde (davon 131,24 t als Ersatz für
das abgezogene Wasser und 46,80 t als Ausgleich für die Vergrößerung des Hohlraums
durch das Lösen der Salze).
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Die so erhaltene verdünnte Mutterlauge wird dann erhitzt und in das
Bohrloch zurückgeleitet. Dem Bohrloch wird also ein wäßriger Strom von 701,11 t
Wasser, 73,19 t Kaliumchlorid und 145,03 t Natriumchlorid pro Stunde zugeführt.
Diese verdünnte Mutterlauge gelangt in den Hohlraum, wo wiederum eine gesättigte
wäßrige Lösung von Kaliumchlorid und Natriumchlorid entsteht, die aus dem Bohrloch
hochgepumpt, in das Kühlbecken geführt und nach Aufarbeitung wieder in das Bohrloch
eingeführt wird.
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Auf diese Weise wird Rohsalz im Verhältnis von 65,39 t Kaliumchlorid
und 49,34 t Natriumchlorid in der Stunde aus dem Lager gelöst. Infolge Vergrößerung
des Hohlraums hält dieser 10,2 t Kaliumchlorid, 12,97 t Natriumchlorid und 46,80
t Wasser pro Stunde zurück.
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Beim Abbau von Kaliumchlorid nach dem Verfahren dieses Beispiels wird
vorzugsweise kontinuierlich gearbeitet. Sowohl in dem Kühlbecken als auch in dem
Bohrloch ist eine genügend lange Verweilzeit vorgesehen, so daß der gewünschte Sättigungsgrad
erreicht wird und die umlaufenden Flüssigkeiten die angegebene Zusammensetzung annehmen.
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Das feste Kaliumchlorid, das sich in dem Kühlbecken ausscheidet, wird
auf mechanischem Wege, z. B. mit Hilfe von Kratzern, entfernt. Je nach dem gewünschten
Reinheitsgrad kann dieses Kaliumchlorid weiterverarbeitet werden. Da das Kaliumchlorid
aus einem direkten Kontakt mit der Mutterlauge kommt, enthält es meist noch etwas
Mutterlauge, so daß es zweckmäßig ist, wenigstens die freie Feuchtigkeit zu entfernen.
Dies kann dadurch erreicht werden, daß man das von der Mutterlauge im wesentlichen
befreite Kaliumchlorid offen an der Atmosphäre stehenläßt. Wenn dem Kaliumchlorid
größere Mengen Mutterlauge anhaften, können diese mit den üblichen Mitteln entfernt
werden. Dieses Produkt kann auch getrocknet werden.
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Der erfindungsgemäße Abbau von Kaliumchlorid ist nicht auf die Anwendung
der oben angegebenen Temperaturen beschränkt, Die Temperaturdifferenz zwischen Bohrloch
und Kühlbecken sollte jedoch mindestens 20°C, vorzugsweise 30 bis 50°C, betragen.
Dies schließt nicht aus, daß die Lösung auch weniger stark abgekühlt werden kann.
.jedoch sollte, wenn lohnende Mengen Kaliumchlorid mittels umlaufender Flüssigkeit
abgebaut werden, nicht zu gering gekühlt werden.
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Oft ist es zweckmäßig, sofern dies möglich ist, Temperaturen anzuwenden,
die normalerweise beim Lösen in dem Hohlraum erreicht werden. Die Temperaturen,
bei denen sich die Lösung bildet (unter Berücksichtigung der Lösungswärme), können
zwischen 35 und 55°C liegen. Es können auch höhere Temperaturen zur Bildung der
Lösung verwendet werden, indem man die Bohrlochbeschickung stärker erhitzt, als
zur Kompensierung der negativen Lösungswärme des Kaliumchlorids erforderlich ist.
In jedem Fall liegt die Temperatur der wäßrigen, gesättigten Lösung, die aus dem
Bohrloch abgepumpt wird, selten über 75'C oder unter 25-C.
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Der Grad der Abkühlung soll ausreichen, um die Abscheidung einer wirtschaftlichen
Menge Kaliumchlorid aus der Lösung zu bewirken. Daher hängt die jeweilige Abkühlungstemperatur
von verschiedenen Umständen ab. Im allgemeinen wird die Lösung auf 0 bis 25'C abgekühlt.
Es lassen sich auch niedrigere Temperaturen anwenden, vorausgesetzt, daß ein Gefrieren
der Lösung vermieden wird.
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Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das Abscheiden
des festen KCl aus der Lösung in der Weise durchgeführt, daß man die Lösung in ein
Becken fließen läßt, das der Atmosphäre ausgesetzt ist. Die Kühlung wird dadurch
bewirkt, daß man die Lösung in dem offenen Becken auf eine so niedrige Temperatur
kommen läßt, wie sie der umgebenden Atmosphäre, dem Flüssigkeitsdurchsatz und .der
Beckenfläche entspricht. Man verwendet ein Becken mit möglichst großer Oberfläche
und einer Tiefe von weniger als 3 m, vorzugsweise einer Tiefe von 0,60 bis 0,90
m.
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In Gebieten mit warmem Klima, wo ein Abkühlen in offenen Becken nicht
möglich ist, muß man natürlich zu anderen Hilfsmitteln greifen, obwohl diese weniger
wirtschaftlich sind. Es ist auch möglich, unter atmosphärischen Bedingungen mit
Hilfe von Wärmeaustauschern
und Kühlmitteln oder mit anderen bekannten
Vorrichtungen, welche die Wirksamkeit oder Geschwindigkeit des Abkühlens fördern,
stärker und/ oder schneller abzukühlen. Beispielsweise kann das Abkühlen an der
Atmosphäre dadurch beschleunigt und verbessert werden, daß die Flüssigkeiten im
Becken belüftet werden. Die Flüssigkeit kann in die Atmosphäre versprüht werden,
um sich bei Zurückfallen abzukühlen.
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Um gute Ergebnisse zu erzielen, sollte die gesättigte wäßrige Sole,
die aus dem Bohrloch kommt, kein festes Natriumchlorid enthalten. Ist ein geringer
Teil festes Natriumchlorid in der Sole, so emfiehlt es sich, dieses vor dem Abkühlen
auf mechanischem Wege zu entfernen. Da jedoch die Löslichkeit des Natriumchlorids
in der Sole mit fallender Temperatur zunimmt, kann eine gewisse Menge ungelöstes
Natriumchlorid in der aus dem Bohrloch kommenden Sole gelassen werden.
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Ein wichtiges Merkmal des neuen Verfahrens ist die beschriebene Rückführungeinerungesättigten
wäßrigen Lösung von KCl und NaCl in das Bohrloch, welche sowohl Natriumchlorid als
auch Kaliumchlorid in einem Gewichtsverhältnis zu lösen vermag, das etwa dem Gewichtsverhältnis
der Salze in dem Rohsalzlager entspricht. Infolge dieser Maßnahme gibt es praktisch
keine selektive Lösung. Dies ist sehr wichtig, da sich herausgestellt hat, daß ein
selektives Herauslösen von Kaliumchlorid die Geschwindigkeit, mit der sich dieses
Salz an den Grenzflächen des Hohlraums löst, allzuschnell herabsetzt. Schließlich
wird immer weniger Kaliumchlorid gelöst, so daß der Hohlraum seinen Wert als Kaliumchloridquelle
praktisch verliert.
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Die Rückführung der Mutterlauge aus dem Abkühlbecken zu dem Bohrloch
ist ebenfalls von großer Wichtigkeit für eine wirtschaftliche Durchführbarkeit des
Verfahrens. Um die Mutterlauge auf diese Weise zu verwenden und um beide Salze innerhalb
des Hohlraums in dem Gewichtsverhältnis zu lösen, wie , sie in dem Lager vorkommen,
muß die Mutterlauge mit Wasser verdünnt werden. Nach einer bevorzugten Ausführungsform
wird die Mutterlauge für ihre Rückführung in das Bohrloch derart zubereitet, daß
zunächst ein wesentlicher Teil abgetrennt und dann Wasser in einer Menge zugegeben
wird, die der entfernten Menge plus der Zunahme der in dem vergrößerten Hohlraum
zurückbleibenden Menge entspricht. Die genaue Menge des abgezogenen Teils und des
Frischwassers ist natürlich je nach dem Kalium-und Natriumchloridgehalt der Mutterlauge
und des Lagers verschieden. An Hand des Chloridsalzgehalts der Mutterlauge, des
Verhältnisses von Kaliumchlorid und Natriumchlorid in dem Lager, der Löslichkeit
dieser beiden Salze bei der Bohrlochtemperatur und der verschieden großen Mengen,
die in dem Hohlraum zurückgehalten werden, wird die richtige Zusammensetzung der
Bohrlochbeschickung ermittelt, um damit alle Bedingungen für das Lösen beider Salze
aus dem Lager in dem Gewichtsverhältnis, wie sie in dem Lager vorkommen, erfüllen
zu können.
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Vorzugsweise verdünnt man die Mutterlauge mit Wasser, das im wesentlichen
frei von KCl und NaCI ist. Man kann auch mit Wasser verdünnen, das hinsichtlich
des KCl- und NaCI-Gehalts weniger konzentriert ist als die abgezogene Mutterlauge.
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Jedes Sylvinit-Rohsalzlager kann nach dem neuen Verfahren abgebaut
werden. Solche Lager bestehen in der Hauptsache aus KCI und NaCI, können aber auch
noch verschiedene andere lösliche und sogar unlösliche Bestandteile enthalten. Der
Abbau ist im allgemeinen auf solche Lager beschränkt, die wenigstens 15 Gewichtsprozent,meistensjedoch25
Gewichtsprozent KCI enthalten. Wenn lösliche Stoffe vorhanden sind, die die Löslichkeit
von NaCI und KCI in Wasser verändern, so muß ihre Wirkung nach den hier beschriebenen
allgemeinen Richtlinien bei der Bildung der umlaufenden Sole in dem erforderlichen
Sättigungs- bzw. Nichtsättigungsgrad in Betracht gezogen werden.
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Die Verwendung von mehreren Bohrlöchern und Hohlräumen ist in dem
neuen Verfahren möglich. Wenn man beispielsweise einen Hohlraum mit zwei Bohrlöchern
in Verbindung bringt, so ist es möglich, ungesättigte Sole durch ein Bohrloch einzuführen
und gesättigte Sole aus einem anderen Bohrloch abzuziehen. Eine solche Verwendung
von zwei Bohrlöchern vermeidet den Wärmeverlust infolge Wärmeaustausches zwischen
Bohrlochbeschickung und abgezogener Sole. Die verdünnte Mutterlauge kann auch in
ein Bohrloch eingeführt werden, das mit einem anderen als dem ursprünglichen Hohlraum
in Verbindung steht, z. B. wenn das ursprüngliche Bohrloch stillgelegt und der Abbau
mit einem neuen Bohrloch wieder begonnen wird.
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Der aus der Mutterlauge jeweils abgezogene Teil kann verworfen oder
weiterverarbeitet werden, um das eine Salz oder beide Salze nach bekannten Verfahren
zu gewinnen.