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Verfahren und Vorrichtung zum Auswechseln der Oberseile von zweitrumigen
Treibscheibenförderanlagen in Bergwerksbetrieben Die Erfindung betrifft ein Verfahren
und eine Vorrichtung zum Auswechseln der Oberseile von zweitrumigen Treibscheibenförderanlagen
und ist sowohl für Turmfördermaschinen als auch für Flurfördermaschinen anwendbar.
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Es sind Verfahren zum Auswechseln des Oberseils bekannt, bei denen
die Antriebskraft der Fördermaschinen zum Aufbringen der neuen Seile auf den Seilträger
benutzt wird. Beispielsweise ist es bei einer Flurfördermaschine mit einfach umschlungener
Treibscheibe bekannt, die Fördermaschine zum Seilauflegen zu benutzen, wobei während
des Auflegevorgangs das Seil unter Verwendung von Hilfsrollen mehrmals über die
Treibscheibe geschlungen wird (deutsche Patentschrift 276 843).
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Dieses Verfahren zum Seilauflegen kann auch zum Auswechseln der Seile
verwendet werden. Hierbei wird zunächst ein Hilfsseil mehrfach um die Treibscheiben
und Hilfsrollen geschlungen, an welchen das aufzulegende Seil befestigt wird. Die
Fördermaschine arbeitet zusammen mit den Hilfsrollen als Friktionswinde, mittels
welcher das neue Seil auf den Seilträger aufgelegt wird, so daß es dann mit dem
oberhalb der Rasensohle abgefangenen Teil des alten Seiles verbunden werden kann.
Dann wird das alte Seil von dem in seiner tiefsten Stellung befindlichen Förderkorb
gelöst und mit Hilfe der Treibscheibe das neue Seil in den Schacht hinabgelassen
und anschließend mit dem unteren Förderkorb verbunden.
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Bei einem weiteren Verfahren, bei dem ebenfalls die Antriebskraft
der Fördermaschine zum Aufbringen des neuen Seiles auf den Seilträger benutzt wird,
ist in der Mitte zwischen der untersten Sohle und der Rasenhängebank eine Seilwechselsohle
vorgesehen. Das neu aufzulegende Seil wird in die Seilwechselsohle gebracht. Die
in der Mitte des Schachtes auf gleicher Höhe stehenden Förderkörbe werden abgefangen,
so daß das alte Seil von beiden Körben gelöst werden kann. Auf der Seite des neu
aufzulegenden Seiles wird das Ende des alten Seiles mit dem Anfang des neuen Seiles
verbunden, während auf der gegenüberliegenden Seite eine Seiltrommel zum Aufwickeln
des alten Seiles angeordnet ist, auf welche der Anfang des alten Seiles geführt
wird.
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Mit Hilfe der Fördermaschine wird nun durch das über die Koepescheibe
laufende alte Seil das neue Seil aufgelegt. Dieses Verfahren ist infolge hoher Kosten
unwirtschaftlich und kann daher nur in Ausnahmefällen angewandt werden, wenn günstige
Gebirgsverhältnisse vorliegen und nicht weiter abgeteuft wird.
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Die bekannten Verfahren zum Auswechseln der Förderseile mittels auf
die Treibscheibe aufgesetzter Seilmagazine weisen erhebliche Nachteile auf. Die
Magazine zum Aufwickeln der Seile erfordern bei den ständig zunehmenden Teufen und
den damit immer größeren Seillängen und wachsenden Seildurchmessern immer mehr Raum,
so daß die Magazinaufbauten große Dimensionen und beachtliche Gewichte annehmen.
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Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Antriebsmotor ebenfalls
stärker auszulegen, zumal er noch das Gewicht des in den Schacht herabgelassenen
Seiles und des Gefäßes halten muß. Bei dem Auswechselverfahren von einer Seilwechselsohle
aus ist zwar eine größere Bemessung der Antriebsleistung der Fördermaschine nicht
erforderlich, weil das Förderseil stets durch ein entsprechendes Gegengewicht ausgeglichen
ist. Doch ist dieses Verfahren aus den erwähnten Gründen sehr teuer, da das Ausschießen
der Seilwechselsohle einen erheblichen Kostenaufwand erfordert.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Auswechseln
der Oberseile zu schaffen, welches die genannten Nachteile vermeidet und bei dem
insbesondere keine besonderen, mit großem Kostenaufwand verbundenen Sonderanlagen,
wie z. B. eine Seilwechselsohle, Seilmagazine, Hilfsrollen, Auflegewinden und verstärkte
Fördermaschinen, erforderlich sind.
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Diese Aufgabe wird gelöst durch ein die Antriebskraft der Fördermaschine
zum Aufbringen der neuen Seile auf den Seilträger benutzendes Verfahren zum Auswechseln
der Oberseile von zweitrumigen Treibscheibenförderanlagen, welches erfindungsgemäß
die nachstehenden zeitlich aufeinanderfolgenden Verfahrensschritte aufweist:
I.
Das eine Gefäß bzw. der eine Förderkorb wird in die unterste Stellung gefahren und
das zuvor auf die tiefste Sohle gebrachte neue Oberseil an das untere Ende des alten
Oberseiles angeschlagen.
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1I. Das untere Gefäß bzw. der untere Förderkorb wird, das neue Oberseil
von seiner Trommel abrollend, in die oberste Stellung gefahren; nach Festlegung
der Gefäße bzw. Förderkörbe wird das alte Oberseil von den Gefäßen bzw. Förderkörben
getrennt und sein oberes Ende mittels eines für das Laufen über die Treib- und Ablenkscheibe
geeigneten Verbinders mit dem oberen Ende des neuen Oberseiles verbunden.
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III. Bis zum völligen Abrollen des neuen Oberseiles von seiner Trommel
und zum Freihängen seines unteren Endes wird weitergetrieben und das alte Oberseil
nach Verkürzen auf etwa Unterseillänge mit seinem unteren Ende an das untere Ende
des neuen Oberseiles angeschlagen.
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IV. Anschließend wird im bisherigen Treibsinne weitergetrieben, bis
die Enden des neuen Oberseiles über den Gefäßen bzw. Förderkörben anstehen, an die
sie dann angeschlagen werden.
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V. Abschließend wird das untere Ende des alten Oberseiles von dem
neuen Oberseil gelöst, an die auf der untersten Sohle befindliche leere Seiltrommel
angeschlagen, durch Treiben in nunmehr entgegengesetzter Richtung das alte Oberseil
herabgelassen, aufgewickelt und zuletzt sein oberes Ende vom neuen Oberseil gelöst.
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Bei diesem Verfahren hat die Fördermaschine das Gewicht des neuen
Oberseiles zusätzlich zu heben. Ist dieses Gewicht größer als die Nutzlast, so wird
man entsprechende Totgewichte in dem dem aufzulegenden Seil gegenüber befindlichen
Gefäß unterbringen, um das übergewicht zu verringern.
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In weiterer Ausbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird vorgeschlagen,
daß bei dem Anschlagen des neuen Oberseiles an das mit dem in die unterste Stellung
gefahrenen Gefäß oder Förderkorb verbundene Ende des alten Oberseiles ein überstehendes
Endstück des neuen Oberseiles von mindestens solcher Länge frei bleibt, daß es nach
Einfahren dieses Gefäßes bzw. Förderkorbes in die oberste Stellung unter Einspannung
eines besonderen, für das Laufen über die Seilscheiben geeigneten Verbinders die
Umschlingung der Treibscheibe ermöglicht.
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Zur Ausübung des einen für das Laufen über die Treib- und Ablenkscheibe
geeigneten Verbinder benutzenden erfindungsgemäßen Oberseilauflegeverfahrens wird
gemäß einem Merkmal der Erfindung eine zur Verbindung des neuen Oberseiles mit dem
alten Oberseil bestimmte Brückenklemmvorrichtung vorgeschlagen, von welcher die
jedem Seilende zugeordnete Klemme um eine Achse schwenkbar ist, wobei beide Achsen
durch ein Laschenpaar parallel in festem Abstand voneinander gehalten sind. Dabei
können gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung die beiden Achsen der Brückenklemmvorrichtung
als Bolzen mit auf den Treib- und Ablenkscheiben laufenden Rollen ausgebildet sein.
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Der Vorteil der erfindungsgemäßen Brückenklemmvorrichtung besteht
vor allem darin, daß die zu verbindenden Teile nicht geknickt werden und ohne Beschädigung
der Treibscheibe über dieselbe geführt werden können. In weiterer Ausbildung der
erfindungsgemäßen Brückenklemmvorrichtung wird für Mehrseilförderung vorgeschlagen,
die Bolzen an ihren Enden mit Querbohrungen zu versehen zur Anbringung von Verschraubungen
für die Verbindung zweier benachbarter, in axialer Richtung fluchtender Bolzen mittels
je nach Seilabstand verschieden langer Verbindungslaschen.
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Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt
und im folgenden näher erläutert. Es zeigen F i g. 1 bis 10 die einzelnen Schritte
des Verfahrens zum Auswechseln des Oberseiles nach der Erfindung, F i g. 11 und
12 eine Draufsicht und eine Seitenansicht der Brückenklemmvorrichtung, welche die
Durchführung des Seilauswechselverfahrens nach der Erfindung erleichtert.
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In F i g. 1 ist die Ausgangsstellung zu Beginn des Auswechselvorganges
dargestellt. Das aufzulegende Oberseil mit der Seiltrommel 10 befindet sich auf
der untersten Sohle 1 des Förderschachtes B. Das alte Oberseil 4 ist noch mit beiden
Fördergefäßen 3 und 6 verbunden. Das aufzulegende neue Oberseil 2 wird an dem mit
dem Gefäß 3 verbundenen Ende des alten Seiles 4 angeklemmt.
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Wie aus Fi g. 2 hervorgeht, wird nunmehr das neue Seil 2 mittels der
Treibscheibe 5 durch das alte Seil 4 nach oben gezogen und von der Seiltrommel
10 abgerollt. Zur Verringerung des Übergewichtes des Seiltrums 4 kann im
Gefäß 6 ein Totgewicht untergebracht werden.
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In F i g. 3 hat das Gefäß 3 auf der Auflegeseite des neuen Seiles
2 seine oberste Stellung erreicht, während das Gefäß 6 in die unterste Lage
eingefahren ist.
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Gemäß F i g. 4 werden beide Gefäße festgelegt und vom alten Seil 4
getrennt. Wie sich weiter aus F i g. 4 ergibt, wird nunmehr das neue Seil t mit
dem alten Seil 4 durch eine Brückenklemmvorrichtung nach der Erfindung verbunden.
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Nunmehr wird mittels der Treibscheibe 5 das neue Seil 2 über das Fördergestell,
die Treibscheibe 5, die Umlenkscheibe 9 auf der anderen Seite in den Schacht hinuntergelassen
(F i g. 5). Hierbei ist es von besonderem Vorteil, daß die Brückenklemmvorrichtung
nach beiden Seiten, sowohl auf der Treibscheibe als auch auf der Umlenkscheibe,
sich der Krümmung des Scheibenumfanges anpaßt, ohne daß die Seile beschädigt bzw.
geknickt werden.
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Das alte Oberseil 4 wird etwa auf die Länge des Unterseiles 7 gekürzt
und mit seinem neuen Anfangsstück mit dem von der Trommel 10 gelösten und frei herunterhängenden
Ende des teilweise aufgelegten neuen Seiles 2 verbunden, wie in F i g. 6 dargestellt
ist.
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Weiterhin wird, wie sich aus F i g. 7 ergibt, mit Hilfe der Treibscheibe
5 das neue Oberseil 2 weitergetrieben, bis, wie aus F i g. 8 ersichtlich, die beiden
Seilenden des neuen Seiles 2 über den Fördergefäßen 3 und 6 anstehen.
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Nunmehr wird das neue Seil 2 mit den beiden Fördergefäßen 3 und 6
verbunden, während gleichzeitig das alte Seil 4 an seinem unteren Ende vom neuen
Seil 2 gelöst und auf der untersten Sohle 1 an die Trommel 10 angeschlagen wird
(F i g. 9).
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Mit Hilfe der sich nunmehr entgegengesetzt drehenden Treibscheibe
5 wird das alte Seil 4 nach unten zur tiefsten Sohle heruntergelassen, aufgewickelt
und zuletzt sein oberes Ende vom neuen Oberseil gelöst
(F i g. 10).
Damit ist der Auswechselvorgang des Oberseils beendet.
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In F i g. 11 sind die beiden zu verbindenden Seile mit 11 und 12 bzw.
11' und 12' bezeichnet. Mittels der Klemmen 13, 14 sind die Seile in den Hülsen
15, 16 befestigt. Die Hülsen 15 und 16 sind um die Achsen A, B gegeneinander
schwenkbar gelagert. Die Schwenkachsen sind als Bolzen 17, 18 ausgebildet, die mit
den Rollen 19 und 20 versehen sind. Die Schwenkbolzen 17, 18 sind mittels des Laschenpaares
21 miteinander verbunden und damit zu einer Brückenklemmvorrichtung ausgebildet.
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Bei Mehrseilfördeiung sind die Schwenkachsen 17, 18 an ihren Enden
mit Querbohrungen versehen, die eine Schraubverbindung der Verbindungslaschen 22
mittels der Schrauben 23 ermöglichen. Die Verbindungslaschen 22 können je nach dem
Seilabstand der Mehrseilförderung verschieden lang sein.
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Durch Abrollen der Rollen 19, 20 auf der Oberfläche der Treib- bzw.
Seilscheibe werden die Seile von der Seillaufrille (Seilfutter) abgehoben, und es
werden dadurch Beschädigungen vermieden.