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Verfahren zur Herstellung von als Psychotherapeutica geeigneten basischen
Fluorenverbindungen Basische Fluorenderivate der Formel
in welcher R ein Wasserstoffatom oder einen niedrigmolekularen Alkylrest und
A einen Dialkylamino-, Piperidino-, Pyrrolidino-, Morpholino- oder Piperazinorest
bedeutet, die gegebenenfalls auch durch Alkvl- oder Arylreste substituiert sein
können, sind in der Literatur bislang noch nicht beschrieben worden.
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Es wurde nun gefunden, daß sich diese Verbindungen dadurch herstellen
lassen, daß man Fluorenon in an sich bekannter Weise mit einer Grignardverbindung
der allgemeinen Formel Hal - Mg - CH2 - CH(R) - CH2
- A
in welcher A und R die obengenannte Bedeutung haben und Hal ein
Halogenatom bedeutet, umsetzt und das Reaktionsprodukt in an sich bekannter Weise
mit wasserabspaltenden Mitteln behandelt.
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Die Grignardierung des Fluorenons wird zweckmäßig wie folgt durchgeführt:
Man stellt zunächst aus Magnesium und einem Aminoalkylhalogenid in einem geeigneten
Lösungsmittel (vorzugsweise Tetrahydrofuran) die entsprechende Grignardverbindung
her und läßt anschließend bei Temperaturen unter 50'C eine Lösung von Fluorenon
einwirken. Durch vorsichtiges Zersetzen mit gesättigter Ammonehloridlösung erhält
man nach üblicher Aufarbeitung Verbindungen der Formel
Die basischen Carbinole (II) werden nun in üblicher Weise durch Behandlung mit wasserabspaltenden
Mitteln (7. B. Chlorwasserstoff) in die Aminoalkylidenfluorene
(1) übergeführt.
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Zur Herstellung der neuen Verbindungen I ist die Isolierung der Zwischenprodukte
II aber nicht unbedingt erforderlich. Man kann vielmehr Grignardierung und Wasserabspaltung
sehr vorteilhaft als »Eintopfverfahren« durchführen. Wenn nämlich die Umsetzung
des Fluorenons mit Grignardverbindungen unter, schärferen Reaktionsbedingungen durchgeführt
und insbesondere die Zersetzung des Grignardaddukts mittels Salzsäure unter anschließendem
Sieden bewirkt wird, so entstehen direkt die gewünschten Alkylidenverbindungen
1.
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Die Verfahrensprodukte können gewünschtenfalls in üblicher Weise in
ihre therapeutisch verwertbaren Salze (z. B. die Hydrochloride) übergeführt werden.
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Die neuen Verbindungen besitzen interessante pharmakologische Wirkungen
und sollen auf Grund ihrer neuroleptischen, thymoleptischen bzw. thymeretischen
Effekte vor allem in der psychiatrischen Pharmakotherapie Verwendung finden. Durch
Vergleichsversuche konnte nachgewiesen werden, daß die neuen Fluorenderivate dem
konstitutionsmäßig nahestehenden 5-(3'-Dimethylamino-propyliden)-dibenzo-[a,d]-cycloheptan,
welches als Psychotherapeuticum unter der Bezeichnung »Amitriptylin(f bzw. »Elavil«
bekanntgeworden ist (vgl. belgische Patentschrift 577075), hinsichtlich ihrer
stimmungsaufhellenden und thymoleptischen Wirkung überlegen sind und gleichzeitig
eine wesentlich bessere Verträglichkeit besitzen.
Beispiel
1
9-(3'-Dimethylamino-propyliden)-fluore-u Ausführungsform A
Grignardierung
18,25g Magnesium und einige Körnchen' Jod -in 100cem T.etrahydrofuran versetzt
man zunächst mit etwa 0,5 bis 1 ccm Methyljodid, bringt den Kolbeninhalt-zum-Sieden
und läßt dann, ohne zu erwärmen, eine Lösung von 91 g Dimethylaminopropylchlorid
in 100ccm Tetrahydrofuran so zutropfen, daß das Lösungsmittel schwach'siedet. Man
läßt nun bei etwa 20 bis 30'C 90 g Fluorenon, gelöst in 100 ccm Tetrahydrofurani
zutropfen -und erwärmt 3 Stunden auf 40 bis 45'C. Nach Zugabe von
Äther wird das Reaktionsprodukt mit gesättigter Ammönchloridlösung bei
5 bis lO'C zersetzt. Man trennt die organischen Anteile ab und extrahiert
die wäßrigen Anteile mit Äther. Die vereinigten und getrockneten Ätherauszüge ergeben
nach Abdampfen des Lösungsmittels 128g 9-Hydroxy-9-(dünethylaminopropyl)-fluoren
vom F. 97 bis 100'C, nach Umlösen aus Ligroin schmilzt die Verbindung
bei 101 bis 103'C; Ausbeute: 104 g
78 "/, der Theorie).
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Wasserabspaltung 32,04 g 9-Hydroxy-9-(dünethylaminopropyl)-fluoren
werden mit 200 ccm 7normaler absolutalkoholischer Salzsäure 5 Stunden zum
Sieden erhitzt. Den beim Kühlen ausgefallenen Kristallbrei sammelt man auf einer
Glassinternutsche und wäscht gut mit Äther. Ausbeute: 27,9 g (= 81,3 0/,
der Theorie) 9-(Dimethylamino-Propyliden)-fluoren-hydrochlor-id vom F.
183
bis 186'C. Nach zweimaliger Umkristallisation aus absolutem Äthanol erhält
man 21,0 g (= 61,20/, der Theorie)9-(Dimethylamino-propyliden)-fluoren-hydrochlorid
vom F. 189 bis 191'C.
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Ausführungsform B Aus 3,65 g Magnesium und 18,2 g Dimethylaminopropylchlorid
in 40 ccm Tetrahydrofuran stellt man, wie unter A beschrieben, die entsprechende
Grignardverbindung her, läßt anschließend bei 20 bis 30'C
18 g Fluorenon
in 20 cem Tetrahydrofulan zutropfen und erwärmt den Kolbeninhalt 5 Stunden
zum Sieden-. Bei Raumtemperatur zersetzt man das Gemisch mit 100 cem 6n-Salzsäure
un& erhitzt die klare Lösung 5 Stunden zum Sieden. Nach Zugabe von Wasser
wird die Lösung mit Äther extrahiert. Die abgetrennten wäßrigen Anteile alkalisiert
man mit konzentriertem " Ammoniak, extrahiert mit Äther, wäscht die vereinigten
Ätherauszüge neutral und trocknet sie mit Natriumsulfat. Der nach Verdampfen des
Äthers verbleibende Rückstand wird aus Ligroin umkristallisiert und ergibt
18,9 g (=76 "/,' der Theorie 9-(Dünethylämino-propyliden)-fluoren vom F.
58'C. Beispiel 2 9-(3-Diäthylaminopropyliden)-fluoren 3,65 g Magnesium, 22-,5
g Diäthylaminopropylchlorid und 18 g Fluorenon -in insgesamt
60 ccm Tetrahydrofüran werden, wie -im Beispiel 1, A beschrieben,
umgesetzt. Man zersetzt die Grignardverbindung mit gesättigter Ammonehloridlösung
unter Zugabe vofi Wasser und Chloroform. Die vereinigten und getrockneten Chloroformauszüge-
ergeben 23,7.g Rohprodukt. Nach Anreiben des Rückstandes mit einem Gemisch aus Äther
und Ligroin-werden 19,2,g
(-- 67,30/0 der Theorie) 9-Hydroxy-9-(diäthylaminopropyl)-fluoren
vom F. 124 bis 126'C erhalten.
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5,9 g 9-Hydroxy-9-(diäthylaminopropyl)-fluoren werden mit 30ccm
bei Raumtemperatur gesättigter isopropanolischer Salzsäure 1 Stunde zum Sieden
erhitzt. Man entfernt im Vakuum auf dem Wasserbad das Lösungsmittel, löst den Rückstand
unter Zugabe von Tierkohle in heißem Isopropanol, filtriert, fügt absoluten Äther
hinzu und läßt kiistallisieren. Ausbeute: 5,0 g (= 79,7 0/, der Theorie)
9-(Diäthylanünopropyliden)-fluoren-hydrochloridvomF. 162 bis 165'C. Beispiel
3
9-(3#-Piperidino--propyliden)-fluoren 3,65 g Magnesium, 24,2
g 1-Piperidino-propylchlorid und 18 g Fluorenon werden, wie im Beispiel
l,A beschrieben, zur Reaktion gebracht und aufgearbeitet. Die nach dem Zersetzen
mit gesättigter Ammonchloridlösung erhaltenen und getrockneten Ätherauszüge dampft
man auf ein kleines Volumen ein und läßt kristallisieren. Man erhält so
19,5 g (= 63,5 0/, der Theorie) 9-Hydroxy-9-(piperidino-propyl)-fluoren
vom F. 112 bis 114'C.
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4,4 g 9-Hydroxy-9-(piperidino-propyl)-fluoren und
15 ccm 7normale alkoholiS-che Salzsäure werden 1 Stunde unter Rückfluß
erwärmt. Den beim Kühlen ausgefallenen Kristallbrei sammelt man auf einer Nutsche,
wäscht ihn mit absolutem Äther und kristaffigiert aus absolutem Äthanol um. Ausbeute-
3.-5 g
(= 750/, der Theorie) 9-(Piperidino-propyliden)-fluolen-hydrochlorid
vom F. 205'C.
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Beispiel 4 9-(3'-Morphohno-propyliden)-fluoren 3,65 g Magnesium,
24,5 g 1-Morpholino-pröpylchlorid und 18 g Fluorenon werden, wie im
Beispiel l,A beschrieben, umgesetzt und aufgearbeitet. Die nach dem Zersetzen der
Grignardverbindung mit gesättigter Ammonchlor-idlösung erhaltenen und getrockneten
Chloroforinauszüge dampft man im Vakuum am Wasserbad auf ein kleines Volumen ein
und läßt kristallisieren. Der ausgeschiedene Kristallbrei wird abgesaugt, mit wenig
Äther gewaschen und aus Essigegter umgelöst. Ausbeute: 17,2 g (= 56 0/, der
Theorie) 9-Hydroxy-9-(morpholino-propyl)-fluoren vom F. 139 bis 140-C.
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6,0 g 9-Hydroxy-9-(morpholino-propyl)-fluoren und 40ccm 7normale
alkoholische Salzsäure werden 1 Stunde zum Sieden erhitzt. Den beim Erkalten
ausgeschiedenen Niederschlag saugt - man ab, wäscht mit absolutem Äther und
kristallisiert aus absolutem Äthanol um. Ausbeute: 5,0 g (=790/0 der Theorie)
9-(MorphoHno-propyliden)-fluoren-hydrochlorid vom F. 213 0 C.
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Beispiel 5
9-[3'-(N'-Methyl-N-piperazinyl)-propyliden]-fluoren
Ausführungsform A
3,65 g Magnesium, 26,5 g 1-Methyl-4-[3'-chlorpropyl-1']-piperazin
und 18 g Fluorenon in insgesamt 60 ccm Tetrahydrofuran werden, wie
im Beispiel 1, A
beschrieben, umgesetzt und aufgearbeitet. Die nach dem Zersetzen
der Grignurdverbindung mit gesättigter Ammonchloridlösung erhaltenen und getrockneten
Ätherauszüge werden vom Lösungsmittel befreit. Der Äthen-äckstand ergibt nach Umlösen
aus Essigester 18;0 g (= 56 0/, der Theorie) 9-Hydroxy-9-[3'#(N'#mmethyl
-N-piperazinyl)-propyl]-fluoren
vom F. 115 bis 1160c.
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6,4g 9-Hydroxy-9-[3'-(N'-methyl-N-piperazinyl)-propyl]-fluoren
in 20ccm absolutem Äthanol und 30cem absoluter 7normaler alkoholischer Salzsäure
werden 1 Stunde zum Sieden erhitzt. Der beim Erkalten ausgefallene KristaUbrei
wird auf einer Nutsche gesammelt, mit Äther gewaschen und aus Äthanol umgelöst.
Ausbeute: 5,45 g (= 70 0/, der Theorie) 9- [3'-(N'-methyl
- N - piperazinyl) - propyhden] - fluorendihydrochlorid vom
F. 233'C (Zersetzung); die Substanz kristallisiert mit 1 Mol Kristallwasser.
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Ausführungsform B 3,65 g Magnesium, 26,5 g 1-Methyl-4-(3'-chlorpropyl-l')-piperazin
und 18 g Fluorenon werden, wie im Beispiel 1, B näher beschrieben,
umgesetzt und aufgearbeitet. Die nach dem Zersetzen mit gesättigter Ammonchloridlösung
erhaltenen und getrockneten Ätherauszüge engt man auf ein geringes Volumen ein,
saugt den ausgeschiedenen Kristallbrei ab und wäscht mit gekühltem Äther. Man erhält
so 15,6 g (= 51,5 0/,
der Theorie) 9-[3'-(N'-methyl-N-piperazinyl)-propyliden]-fluoren
vom F. 95 bis 98'C. Nach dem Umlösen aus Äther in Gegenwart von Tierkohle
erhöht sich der Schmelzpunkt auf 98 bis 100'C.