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Rohrbiegevorrichtung Die Erfindung betrifft eine Rohrbiegevorrichtung
mit Gegenhalter, Biegeformstück und einem Biegehebel mit Druckstück, wobei der Biegehebel
im Biegeformstück schwenkbar gelagert ist und beim Verschwenken das zu biegende
Rohr mit dem Druckstück um das Biegeformstück biegt. Bei bekannten Rohrbiegevorrichtungen
ist der Biegehebel zum Biegen eines Rohres im Zentrum des Biegeformstückes schwenkbar
gelagert.
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Derartigen von Hand bedienten Biegevorrichtungen sind bezüglich des
Querschnittes des zu biegenden Rohres Grenzen gesetzt. Das Widerstandsmoment eines
Rohres gegen Biegung wächst in der dritten Potenz des Durchmessers, während die
am Biegehebel ausgeübte Kraft begrenzt ist und der Biegehebel nicht beliebig verlängert
werden kann. Es können unter normalen Bedingungen Stahlrohre bis 18 mm Durchmesser
und 2 mm Wanddicke gerade noch gebogen werden. Wenn es erforderlich ist, stärkere
Rohre zu biegen, so läßt sich dies nur dadurch verwirklichen, daß der Biegehebel
entsprechend verstärkt und durch Über- oder Aufsteckteile verlängert wird. Hierdurch
ergibt sich neben der Unhandlichkeit der ganzen Biegevorrichtung eine übermäßige
Kraftanspannung des Bedienungsmannes sowie eine erhebliche Beanspruchung an der
Einspannstelle im Schraubstock oder Pionier. Zudem wird das ganze Gerät sehr schwer.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein günstigeres Hebelverhältnis
zu schaffen, um auch Rohre größeren Durchmessers oder größerer Wandstärke biegen
zu können. Hierzu wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, auf einem Kreisbogen am Rand
des Biegeformstückes angeordnete Einsteckbohrungen für den Schwenkzapfen des Biegehebels
vorzusehen. Es ergibt sich ein günstigeres Hebelverhältnis durch Verkleinerung des
Abstandes Schwenkzapfen -Druckstück und außerdem für das am Biegehebel angeordnete
Druckstück ein vorteilhafterer Kraftangriff als bei einem unter gleichen Verhältnissen
mittig gelagerten Biegehebel. Dadurch gelingt es, auch stärkere Rohre ohne wesentliche
Verstärkung der Biegevorrichtung und ohne verlängernde Aufsätze am Biegehebel sowie
ohne übermäßige Beanspruchung der Einspannstelle noch von Hand zu biegen.
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Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird das zu biegende Rohr nicht
mehr wie bei der achsmittigen Lagerung des Biegehebels am Biegeformstück in einem
Zug gebogen, sondern in Teilabschnitten mit kleinen Biegewinkeln. Ist die Endstellung
um die erste Aufnahmebohrung erreicht, wird der Biegehebel mit seinem Schwenkzapfen
herausgehoben, in die nächste Bohrung eingesetzt und das Rohr weiter bis zu der
zugeordneten zweiten Endstellung des Biegehebels bzw. seines Druckstückes gebogen.
Dann wird der Biegehebel in die nächstfolgende Bohrung eingesetzt, und der Vorgang
wiederholt sich, bis der gewünschte Biegewinkel des Rohres erreicht ist. Auf diese
Weise läßt sich z. B. ein Stahlrohr von 25 mm Durchmesser und 3 mm Wanddicke genausogut
und ohne größeren Kraftaufwand biegen wie ein Rohr von 18 mm Durchmesser und 2 mm
Wanddicke mit Hilfe der bekannten Vorrichtungen, bei welchen das Biegen mit Hilfe
eines achsmittig angeordneten Biegehebels erfolgt.
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Es ist bei einer Rohrbiegevorrichtung der eingangs genannten Art,
bei welcher das Biegen mit Hilfe eines im Zentrum des Biegeformstückes eingesetzten
Biegehebels erfolgt, bekannt, am Biegeformstück auf einem Kreisbogen am Rand desselben
Einsteckbohrungen für den Schwenkzapfen des Biegehebels vorzusehen. Diese Einsteckbohrungen
sind dazu bestimmt, beim Biegen um das Zentrum des Biegeformstückes aufgetretene
Deformationen oder Abplattungen des Rohres zu beseitigen, wobei es nur auf den Angriffspunkt
des Druckstückes ankommt. Dazu ist es erforderlich, den Biegehebel mit seinem Schwenkzapfen
in eine der außermittigen Einsteckbohrungen zu stecken, dann das jeweilige Druckstück
auf die kürzere Distanz umständlich umzustecken und nun durch kurzes Schwenken zu
versuchen, die Deformation wieder zu beseitigen. Sobald dies gelungen ist, wird
der Biegehebel wieder in die zentrische Einsteckbohrung und das Druckstück in die
Ausgangslage umgesteckt.
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Bei der Erfindung wird somit zwar von dem bekannten Biegeformstück
mit mehreren am Rande des Biegeformstückes auf einem Kreisbogen angeordneten Einsteckbohrungen
für den Schwenkzapfen des
Biegehebels Gebrauch gemacht, jedoch nicht
zur Beseitigung von Rohrdeformierungen, für die das Hebelverhältnis nicht von Bedeutung
ist, sondern zum unmittelbaren Biegen von Rohren größeren Durchmessers oder größerer
Wandstärke mit günstigerem Hebelverhältnis.
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Es ist außerdem eine Rohrbiegeeinrichtung bekannt, bei welcher das
Biegeformstück selbst auf seiner Halterung außermittig gelagert ist. In diesem Falle
trägt das Biegeformstück den Biegehebel. Die Funktion dieser Vorrichtung ist von
derjenigen der Erfindung verschieden, denn es wird das Biegeformstück um seinen
außermittigen Schwenkzapfen von dem daran befestigten Biegehebel gedreht, wobei
das mit einer besonderen Spannzwinge am Biegeformstück befestigte zu biegende Rohr
mitgenommen und sozusagen aufgewickelt wird.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt.
Es zeigt Fig. 1 die Seitenansicht, teilweise im Schnitt, einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung, Fig. 2 die Draufsicht und Fig. 3 und 4 die Draufsicht bei eingelegtem
Rohr zu Beginn bzw. in einem Zwischenstadium des Biegevorganges.
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Im Ausführungsbeispiel besteht die Biegevorrichtung aus einer Grundplatte
1, an der ein nach abwärts gerichteter Sechskantzapfen 2 angebaut ist, mit dessen
Hilfe die Biegevorrichtung beispielsweise in einem Schraubstock festgespannt werden
kann. Auf der Grundplatte 1 ist mittig zum Sechskantzapfen 2 ein kreisförmiges Biegeformstück
3 aufgesteckt, das durch einen seitlichen, in der Grundplatte 1 eingesetzten Haltezapfen
4 gegen Mitdrehen gesichert ist. Ein als Anschlag 5 ausgebildeter Gegenhalter hält
das zu biegende Rohr 16 während des Biegevorganges verklemmend fest, so daß es sich
unter der Einwirkung der Druckkraft axial nicht bewegen kann. Das Biegeformstück
3 und der Anschlag 5 können - was nicht dargestellt ist - zum Biegen von Rohren
mit unterschiedlichen Durchmessern und mit unterschiedlichen Biegeradien auswechselbar
und gegeneinander verstellbar eingerichtet sein. Beide Teile sind in an sich bekannter
Weise mit Umfangsrillen versehen, in denen sich das zu biegende Rohr einlagert.
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Am Rand des Biegeformstückes 3 sind auf einem Kreisbogen um dessen
Achsmitte 6 eine Anzahl, hier insgesamt vier Einsteckbohrungen 7 vorgesehen, in
die ein Biegehebel 9 mit einem Schwenkzapfen 8 nacheinander eingesetzt werden kann.
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Der Biegehebel 9 besteht aus einem im Querschnitt quadratischen Hebelstück
und endet an beiden Stirnseiten in Zapfen, auf die Verlängerungsstücke aufgesetzt
werden können. Das Hebelstück kann selbstverständlich jede beliebige Form aufweisen,
ebenso die Aufsteckzapfen für die Verlängerungsstücke. Als Verlängerungsstücke sind
Rohrenden vorgesehen, die in Fig. 1 und 2 mit gestrichelten Linien eingezeichnet
sind. Es ist zu erkennen, daß der Biegehebel entweder als einarmiger Hebel 11 benutzt
oder in einen doppelarmigen Hebel 12 -durch Aufstecken eines zweiten Rohrendes umgewandelt
werden kann, wodurch sich die Biegekräfte etwa verdoppeln.
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Am Biegehebel 9 ist ein Druckstück 10 angeordnet, mit dessen Hilfe
die Biegekraft auf das zu biegende Rohr 16 ausgeübt und übertragen wird.
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Beim Biegen wird wie folgt verfahren: Das zu biegende Rohr 16 wird
in die in Fig. 3 eingezeichnete Stellung gebracht und der (ohne Verlängerungsstücke
eingezeichnete) Biegehebel 9 mit seinem Schwenkzapfen 8 in die erste außermittige
Einsteckbohrung 7 am Biegeformstück 3 eingesetzt. Man beginnt den Biegevorgang durch
Verschwenken des Biegehebels 9, bis dessen Druckstück 10 sich infolge des wachsenden
Widerstandes nicht mehr weiter verschwenken läßt. Nun wird der Biegehebel kurz zurückgeschwenkt
und - wie Fig. 4 zeigt - in die nächstfolgende Einsteckbohrung 7 eingesetzt und
der Schwenkvorgang wiederholt. Ist auf diese Weise für das Druckstück 10 die zweite
Endstellung erreicht, wird der Biegehebel wieder kurz zurückgeschwenkt, ausgehoben,
in die dritte Einsteckbohrung 7 eingesteckt und wieder verschwenkt, bis der Vorgang
nach dem Einstecken des Biegehebels in die vierte Einsteckbohrung so beendet werden
kann, daß das Rohr einen Biegewinkel von 180° erreicht. Selbstverständlich ist es
möglich, auch jeden dazwischenliegenden Biegewinkel herzustellen.