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Die Erfindung bezieht sich auf einen
Doppeltiegel für
Glas-Ziehverfahren mit einem beheizten Außentiegel und einem vom Außentiegel
umgebenen Innentiegel, der separat vom Außentiegel beheizbar ausgebildet
ist, wobei beide Tiegel eine Austrittsdüse für das zu ziehende Glas haben.
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Die Erfindung betrifft ferner ein
Verfahren zum Herstellen von Glasfasern oder zugehörigen Preformen
mit dem Doppeltiegel.
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Glasfasern in Form von Kern-Mantel-Gläsern, d.h.
Glasfasern, die einen inneren Kern aus einem ersten Glas und mindestens
einen äußeren Mantel
aus einem zweiten Glas besitzen, werden typischerweise aus einem
koaxialen Doppeltiegel gezogen.
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In dem äußeren Tiegel befindet sich
dabei das Mantelglas, und in dem inneren Tiegel befindet sich das
Kernglas.
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Bei den bekannten Herstellungsverfahren werden
typischerweise Doppeltiegel verwendet, bei denen der Außentiegel
beheizbar ist.
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Soll jedoch eine Glasfaser unter
Verwendung eines Glaspaares, dessen Mantelglas, das sich im äußeren Tiegel
befindet, eine niedrigere Viskosität als das Kernglas im Innentiegel
aufweist, hergestellt werden, dann erweist sich die Kontrolle des
Ziehprozesses als schwierig oder nicht möglich. Um eine vorgegebene
Viskosität
des Kernglases zu erreichen, müßte der äußere Tiegel
so erwärmt
werden, daß die Viskosität des Mantelglases
zu gering sein würde.
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Außerdem kann eine schlechte
Wärmeleitung
bzw. schlechte Transparenz bei Strahlungsbeheizung der Gläser im Außentiegel
eine gute Durchwärmung
des Inhaltes des Innentiegels erschweren.
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Durch die
DE 26 29 658 A ist auch ein
Doppeltiegel mit einem beheizten Außentiegel und einem vom Außentiegel
umgebenen Innentiegel bekannt geworden, bei dem der Innentiegel
separat vom Außentiegel
beheizbar ausgebildet ist. Durch die separate Beheizung des Innentiegels
läßt sich
das in ihm befindliche Kernglas unabhängig von der Beheizung des
Mantelglases im Außentiegel
auf eine höhere Temperatur
bringen und so eine niedrigere Viskosität des Kernglases, angepaßt an die
Viskosität
des Mantelglases, einstellen.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ausgehend
von dem eingangs bezeichneten Doppeltiegel diesen so auszubilden
bzw. das eingangs bezeichnete Verfahren so zu führen, daß Glasfasern aus insbesondere
Schwermetalloxidgläsern
(sog. HMO-Gläser)
mit hoher Qualität
und relativ einfachen Mitteln herstellbar sind. Vorzugsweise handelt
es sich bei den HMO-Gläsern um
Gläser,
welche Oxide von Bi, Sb, Te, Pb, As, Se, Cd und/oder Ga umfassen.
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Die Lösung dieser Aufgabe gelingt
durch einen Doppeltiegel für
Glasziehverfahren mit einem beheizten Außentiegel und einem vom Außentiegel umgebenen
Innentiegel, der separat vom Außentiegel
beheizbar ist, wobei beide Tiegel eine Austrittsdüse für das zu
ziehende Glas haben, der gemäß der Erfindung
so ausgebildet ist, daß die
Austrittsdüse des
Innentiegels gegenüber
der Austrittsdüse
des Außentiegels
um ein vorgegebenes Maß hervorragt.
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Die gegenüber dem Außentiegel hervorragende Düse des Innentiegels
stabilisiert mit Vorteil das Glas mit steiler Viskositätskurve,
sogenannte „kurze
Gläser".
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Unter „kurzen Gläsern" werden Gläser verstanden,
bei welchen die Viskosität
des Glases innerhalb eines nur kleinen Temperaturintervalls ΔT von einem
Wert von 103 auf einen Wert von 107 dPa × s absinkt,
die also eine relativ steile Kurve im Temperatur-Viskositäts-Diagramm
aufweisen. Ein kurzes Glas weist beispielsweise ein solches Temperaturintervall ΔT von höchstens
150°C, mehr bevorzugt
ein Temperaturintervall ΔT
von höchstens
120°C, auf. „Lange
Gläser"
weisen dagegen ein Temperaturintervall ΔT von beispielsweise mindestens
300°C auf.
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Bei der Herstellung von Preformen
für Glasfasern
ist es wünschenswert,
eine Preform mit einem möglichst
großen
Durchmesser zu ziehen. Je größer der
Durchmesser der Preform, desto länger
kann die eine aus der Preform gezogene Glasfaser sein und umso wirtschaftlicher
ist das Ziehen einer Glasfaser aus einer solchen Preform. Sofern
jedoch Preformen für
Glasfasern aus eher kurzen Gläsern
herstellt werden sollen, ist die Herstellung von Preforms mit größerem Durchmesser
problematisch. Das Glas weist beim Ausströmen aus dem Doppeltiegel eine
relativ niedrigere Viskosität
auf und wird daher durch die Schwerkraft stärker in die Länge gezogen.
Dadurch entsteht eine dünnere
Preform.
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Auch bei Gläsern mit einer hohen Dichte kann
dieses Problem auftreten. Unter einer hohen Dichte versteht man
gemäß der Erfindung
eine Dichte von vorzugsweise mindestens 4,0 g/cm3,
vorzugsweise mindestens 4,5 g/cm3, mehr
bevorzugt mindestens 5,0 g/cm3.
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Selbstverständlich sind insbesondere kurze Gläser, welche
weiter noch eine hohe Dichte haben, schwer in Preformen mit einem
großen
Durchmesser auszuziehen. Als extremes Beispiel eines Schwermetalloxid-haltigen
Glases weist das Bismutoxid-haltige Glas gemäß der Beispiele eine Dichte
von 6,5 g/cm3 und ein Temperaturintervall ΔT von nur
560°C auf.
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Es wurde nun überraschenderweise festgestellt,
dass auch kurze Gläser
und/oder Gläser
mit einer hohen Dichte sich zu Preformen für Glasfasern mit einem großen Durchmesser
verarbeiten lassen, wenn ein Doppeltiegel gemäß der Erfindung verwendet wird.
Es wird angenommen, dass die gegenüber der Austrittsdüse des Außentiegels
hervorragende Austrittsdüse
des Innentiegels das herausfließende Glas
des Mantels stabilisiert, bis es sich durch den Kontakt mit der
Luft etwas abgekühlt
hat und dadurch die Viskosität
etwas geringer geworden ist.
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Bezogen auf den Durchmesser DA der Austrittsdüse des Außentiegels steht die Austrittsdüse des Innentiegels
vorzugsweise um eine Länge Δl von mindestens
1/3, mehr bevorzugt mindestens 1/2, am meisten bevorzugt mindestens
2/3, des Betrages des Durchmessers DA vor.
D.h. vorzugsweise ist Δl ≥ DA/3, mehr bevorzugt Δl ≥ DA/2,
am meisten bevorzugt Δl ≥ 2DA/3.
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Die vorzugsweise polierten Oberflächen des Doppeltiegels
sowie der gezogenen Preform führen zu
guter mechanischer Stabilität
der Glasfaser und geringer Rückstreuung
des Kern-Lichtes bzw. von Licht des ersten Mantels, wenn dieser
mittels eines feuerpolierten Rohres mit einem zweiten Mantel umgeben
wird. Auch ein Polieren durch Schleifen ist denkbar.
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Das spezielle Material, aus dem die
Doppeltiegel, zumindest ihre Kontaktflächen mit der Glasschmelze,
vorzugsweise bestehen, erlauben es, daß auch die eingangs erwähnten HMO-Gläser für die Glasfaser-Herstellung
verwendet werden können. Dies
deshalb, weil das Material auf Schwermetalloxidgläser in der
Schmelze allenfalls gering reduzierend einwirken und eine ausreichende
mechanische Festigkeit und chemische Inertheit gegenüber Schwermetalloxidgläsern haben.
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Vorzugsweise besteht das Tiegelmaterial aus
einer Platin/Iridium-Legierung oder aus Gold bzw. einer Gold enthaltenden
Legierung. Beide Materialien üben
einen sehr geringen, reduzierenden Einfluß auf HMO-Gläser aus.
Gerade die Verwendung von goldhaltigem Tiegelmaterial, insbesondere Pt5Au,
in Verbindung mit dem Ziehen von Glasfasern aus HMO-Glas, vorzugsweise
Te-, Sb- oder Bismutoxid-haltigem Glas, bewirkt mit Vorteil eine
niedrigere Dämpfung
der Faser und eine ausreichende mechanische Stabilität des Faseraufbaues.
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Der erfindungsgemäße Doppeltiegel kann dabei
sowohl zur Herstellung von Vorformlingen von Glasfasern als auch
zum direkten Ziehen der fertigen Glasfasern dienen. Unter einem
Vorformling bzw. einer "Preform" versteht man eine Roh-Glasfaser,
bestehend aus einem Kern und einem oder mehreren Mänteln, welche
schon den Schichtaufbau der späteren
Glasfaser aufweist und zu einer typischen Glasfaser ausgezogen werden
kann.
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Ein besonders einfacher Aufbau sowie
eine einfache, wirksame Beheizung des Doppeltiegels ist gemäß einer
Ausgestaltung der Erfindung gegeben, wenn der Außentiegel aus einem elektrisch
isolierenden Material und der Innentiegel aus einem elektrisch leitfähigen, durch
elektromagnetische Felder aufheizbaren Material besteht.
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Mittels einer einfachen Spulenanordnung läßt sich
dann die Tiegelwandung des Innentiegels mit einem MF/HF-Feld aufheizen,
die auf der Innenseite den Inhalt des Innentiegels und auf der nach
außen
gewandten Seite den Inhalt des Außentiegels erwärmt.
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Das isolierende Material des Außentiegels ist
vorzugsweise ein keramisches Material, z.B. Al2O3, ZrO2 oder Quarzal
bzw. ein gesintertes Quarzglaspulver. Das elektrisch leitfähige Material
des Innentiegels ist vorzugsweise eine Platin/Iridium- oder Platin/Gold-Legierung.
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Gemäß einer alternativen Ausführungsform des
Doppeltiegels kann dieser gemäß einer
weiteren Ausgestaltung der Erfindung so aufgebaut sein, daß der Außentiegel
zumindest teilweise aus einem elektrisch leitfähigen Material und der Innentiegel
ebenfalls aus einem elektrisch leitfähigen Material besteht.
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Auch bei einer derartigen Anordnung
ist eine einfache und wirksame Beheizung des Innentiegels mittels
eines MF/HF-Feldes möglich,
wobei das Feld auch in dem Außentiegel,
wenn auch im geringeren Umfang, Wirbelströme und damit eine zusätzliche
Erwärmung
des Außentiegels
bewirkt.
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Bei der vorgenannten, alternativen
Ausführungsform
sind verschiedene Ausgestaltungen des Außentiegels denkbar, die bewirken
sollen, daß das MF/HF-Feld
die Wandung des Außentiegels
möglichst
durchdringt und überwiegend
in der Wandung des Innentiegels Wirbelströme erzeugt. So ist denkbar,
daß der
Außentiegel
durch einen geschlitzten Edelmetalltiegel gebildet ist. Die Ausführung kann auch
so getroffen sein, daß der
Außentiegel
durch einen Quarzglastiegel mit dünner Edelmetallschicht gebildet
ist.
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Der Doppeltiegel kann dabei auch
so aufgebaut sein, daß der
Außentiegel
durch einen gekühlten
Skull-Tiegel mit einer Palisade von Edelmetall-Rohren gebildet ist.
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Bei all diesen Alternativen des Außentiegels ist
das Edelmetall vorzugsweise eines der vorgenannten Metalle bzw.
Metalllegierungen.
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Gemäß einer vorteilhaften Weiterbildung
der Erfindung ist ein vorteilhafter Aufbau der vorgenannten, alternativen
Ausführungsform
des Doppeltiegels, bei der der Außentiegel zumindest teilweise
aus einem elektrisch leitfähigen
Material und der Innentiegel ebenfalls aus einem elektrisch leitfähigen Material
besteht, gegeben mit einem Außentiegel
mit geschlossenem Mantel aus elektrisch leitfähigem Material, dem eine MF/HF-Spule
zur Beheizung zugeordnet ist, und mit einem koaxial doppelwandigen
Innentiegel, der an eine Stromquelle anschließbar ist.
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Bei dieser Weiterbildung ist der
Außentiegel separat
beheizbar, und der Innentiegel kann über Joule'sche Wärme durch
Stromfluß in
den beiden Wandteilen separat zum Außentiegel erwärmt werden.
Dadurch ist eine besonders wirksame Abstimmung der Beheizung der
beiden Tiegel im Hinblick auf die Viskosität der Gläser möglich.
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Bei dieser Weiterbildung ist die
Anordnung vorteilhafterweise so getroffen, daß der Zwischenraum zwischen
der leitenden Innenwand und der leitenden Außenwand mit isolierendem Material
ausgefüllt
ist.
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Dieses Material verhindert Kurzschlüsse zwischen
den Wandteilen und trennt die beiden Gläser thermisch.
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Ein weiterer, besonderer Vorteil
dieser Weiterbildung liegt darin, daß die Heizleistung der Innen- bzw.
Außenwand
durch unterschiedliche Wandstärken
variierbar ist. Durch eine geeignete Wahl der Wandstärken der
leitenden Innen- bzw.
Außenwand läßt sich
daher auf einfache Weise die Heizleistung im Innen- bzw. Außentiegel
einstellen. Außerdem läßt sich über eine
unterschiedlich starke Innenwand ein Temperaturverlauf im Innentiegel
einstellen, der für
das Ziehen vorteilhaft ist.
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Dabei kann die Leistung, d.h. der
Stromfluß der
Stromquelle auch hinsichtlich der Vorgabe einer bestimmten Temperatur
im Innentiegel geregelt werden. Dazu ist die Anordnung zweckmäßig so getroffen,
daß in
dem Zwischenraum zwischen der leitenden Innenwand und der leitenden
Außenwand
ein Temperatur-Sensor angeordnet ist. Das Ausgangssignal dieses
Temperatur-Sensors, der insbesondere durch ein Thermoelement gebildet
wird, dient dann als Istwert-Temperatursignal
für den
vorgenannten Regler.
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Hinsichtlich des Verfahrens zum Herstellen von
Glasfasern oder Preformen von Glasformen, bestehend aus einem Kern
und mindestens einem Mantel mit erfindungsgemäßem Doppeltiegel, wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst mit den
Schritten:
- – Erschmelzen von Schwermetalloxid-Glas,
vorzugsweise TeO-, Sb2O3 oder
Bismutoxid-Glas für das
Kernglas der Glasfaser und das Mantelglas in separaten Goldtiegeln
aus einem Gemenge in einem Vorschmelzschritt,
- – Bubbeln
der Schmelze mit Sauerstoff,
- – Umgießen der
Schmelzen in den vorgeheizten Doppeltiegel, mit der Schmelze des
Kernglases in den Innentiegel und der Schmelze des Mantelglases
in den Außentiegel,
- – Halten
der Schmelzen für
eine vorgegebene Zeit auf einer vorgegebenen Temperatur unter Sauerstoff-Bubbling,
- – Erhöhen der
Temperatur und Läutern
der Schmelze, vorzugsweise mit übergeleitetem
Sauerstoff,
- – Abtempern
der Schmelzen auf die Glas-Ziehtemperatur und
- – Ziehen
der Glasfaser oder der Preform.
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Anhand von in den Zeichnungen dargestellten
Ausführungsformen
wird die Erfindung näher
erläutert.
Dabei werden auch weitere Ausgestaltungen der Erfindung deutlich.
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1 in
einer schematischen Längsschnitt-Darstellung
den Aufbau eines Doppeltiegels mit einem Außentiegel aus isolierendem
Material und einem Innentiegel aus leitfähigem Material, das durch ein
MF/HF-Feld beheizbar ist,
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2 eine
Variante des Doppeltiegels nach 1 mit
einem Außentiegel
in Form eines Skull-Tiegels, mit einer Draufsicht-Darstellung im Figurenteil
A und einem Längsschnitt
im Figurenteil B,
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3 eine
Ausführungsform
des Doppeltiegels mit einem Außentiegel
aus leitfähigem
Material, der mittels eines MF/HF-Feldes beheizbar ist und einem
doppelwandigen, leitfähigen
Innentiegel, der mittels direktem Stromfluß beheizbar ist,
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4 einen
vergrößerten Ausschnitt
aus 2 unter näherer Darstellung
der Doppelwandung des Innentiegels, und
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5 die
zeitliche Temperaturführung
im Doppeltiegel beim Ziehen von Glasfasern.
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Die 1 zeigt
in einer schematischen Längsschnitt-Darstellung
eine erste Ausführungsform
der Erfindung mit einem Außentiegel 1 aus
elektrisch isolierendem Träger-Material,
beispielsweise aus einem keramischen Material, wie Al2O3, ZrO2 oder Quarzal
bzw. gesintertem Quarzglaspulver, und einem koaxial darin angeordneten
Innentiegel 2 aus leitfähigem
Material.
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In dem Außentiegel 1 befindet
sich beispielsweise im Fall des Ziehens von Glasfasern in Pfeilrichtung
das Mantelglas, wogegen sich im Innentiegel 2 das Kernglas
befindet.
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Zur Beheizung des Innentiegels 2 ist
eine den Doppeltiegel koaxial umschließende Spulenanordnung 3 vorgesehen,
die, angeschlossen an einen Mittelfrequenz-Generator, ein Mittelfrequenzfeld
erzeugt, das wiederum im Material des Innentiegels 2 Wirbelströme induziert
und dabei mit der Innenseite den Tiegelinhalt und mit der äußeren Seite
zugleich den Inhalt des Außentiegels
erwärmt.
Das Mittelfrequenzfeld durchdringt dabei das nichtleitende Material
des Außentiegels 2.
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Gemäß einer alternativen Ausführungsform des
Doppeltiegels nach 1 kann
dieser so aufgebaut sein, daß auch
der Außentiegel
zumindest teilweise aus einem elektrisch leitfähigen Material besteht. Auch
bei einer derartigen Anordnung ist eine einfache und wirksame Beheizung
des Innentiegels mittels eines MF/HF-Feldes möglich, wobei das Feld auch
in dem Außentiegel,
wenn auch im geringeren Umfang, Wirbelströme und damit eine zusätzliche
Erwärmung
des Außentiegels
bewirkt.
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Bei der vorgenannten, alternativen
Ausführungsform
sind verschiedene Ausgestaltungen des Außentiegels denkbar, die bewirken
sollen, daß das MF/HF-Feld
die Wandung des Außentiegels
möglichst
durchdringt und überwiegend
in der Wandung des Innentiegels Wirbelströme erzeugt. So ist denkbar,
daß der
Außentiegel
durch einen geschlitzten Edelmetalltiegel gebildet ist. Die Ausführung kann auch
so getroffen sein, daß der
Außentiegel
durch einen Quarzglastiegel mit dünner Edelmetallschicht gebildet
ist.
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Zur Steuerung des Prozesses des Ziehens von
Glasfasern mit einem inneren Kern und einem äußeren Mantel ist es dabei vorteilhaft,
den Innentiegel in den drei Achsen X, Y, Z verstellen zu können. Die
Bezugsziffer 4 kennzeichnet den schematisch angedeuteten
Verschiebemechanismus.
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Durch die separate Beheizbarkeit
des Innentiegels 2 kann das in ihm befindliche Glas auf
eine höhere
Temperatur und damit auf eine niedrigere Viskosität gegenüber einem
Doppeltiegel gemäß dem Stand
der Technik, bei dem nur der Außentiegel
beheizbar ist, gebracht werden.
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Die 2 zeigt
in einer Draufsicht-Darstellung im Figurenteil A und einer Schnittdarstellung
im Figurenteil B analog 1 eine
zweite Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Doppeltiegels.
Diese Ausführungsform
weist zum einen einen Außentiegel in
Form eines sogenannten Skulltiegels 1', der aus einzelnen
wassergekühlten,
elektrisch leitfähigen Rohren 5 in
Form einer Palisade (s. 2A)
besteht, und zum anderen, wie bei der Ausführungsform nach 1, einen Innentiegel 2 aus
leitfähigem
Material auf. Die Erwärmung
des Innentiegels 2 erfolgt ebenfalls über im Material des Innentiegels
erzeugte Wirbelströme.
Das dazu notwendige elektromagnetische Feld wird, wie bei der Ausführung nach 1, durch die Spulenanordnung 3 bereitgestellt
und durchdringt dabei die Rohr-Palisaden des Außentiegels 1. Die heiße Innentiegelwand
erwärmt
zugleich den Außentiegel-Inhalt.
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Die 3 in
Verbindung mit einer Ausschnitt-Vergrößerung nach 4 zeigt eine dritte, bevorzugte Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Doppeltiegels.
Diese Ausführungsform
besitzt einen Außentiegel 1" aus
leitfähigem
Material mit einem Innentiegel 2 aus leitfähigem Material,
bestehend aus einem Innenleiter 2" und einem Außenleiter 2',
die koaxial zueinander angeordnet sind und die an eine Stromquelle 6 angeschlossen
sind. Die Erwärmung
des Innentiegels 2 erfolgt somit über direkten Stromfluß. Zur Erwärmung des
Außentiegels 1" dient die
Mittelfrequenz-Spule 3, die in dem leitenden Material des
Außentiegels
Wirbelströme
erzeugt.
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Zur Regelung der Temperatur im Innentiegel 2 ist
ein Temperatur-Regler 7 vorgesehen, der eingangsseitig
ein Temperatur-Istwertsignal eines Thermoelements 8, das
im Raum zwischen den Leitern 2', 2", der vorzugsweise
mit einem nichtleitenden Material ausgefüllt ist, angeordnet ist, erhält, und
der ausgangsseitig auf die Stromquelle 6 geschaltet ist.
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Durch geeignete Wahl der Wandstärken des Innenleiters 2" bzw.
des Außenleiters 2' läßt sich
die Heizleistung im Innentiegel und auch im Außentiegel einstellen.
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Allen Ausführungsformen ist das Merkmal gemeinsam,
daß die
Austrittsdüse
des Innentiegels gegenüber
dem Außentiegel
hervorragt. Dadurch wird beim Ziehen des Glases erreicht, daß sich das Glas
mit steiler Viskositätskurve
stabilisiert.
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Es kann vorgesehen sein, daß die Oberflächen der
Düsen des
Doppeltiegels, die mit dem Glas in Berührung stehen, poliert sind.
Dies führt
zu einer sehr guten Rundheit des Kernes und des Mantels. Dies ist
für eine
kleine Polarisations-Moden-Dispersion
und gute Ankopplung der Faser wichtig. Die polierten Oberflächen des
Doppeltiegels führen
zudem zu guter mechanischer Stabilität der gezogenen Glasfaser und
geringer Rückstreuung
des Kernlichtes bzw. vom Licht des ersten Mantels, wenn dieser mittels
eines innen feuerpolierten Rohres mit einem zweiten Mantel umgeben
wird (nicht dargestellt).
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Der erfindungsgemäße Doppeltiegel wird vorzugsweise
zum Ziehen von Glasfasern aus Schwermetalloxidgläsern, sogenannten HMO-Gläsern (heavy
metal oxid) eingesetzt, zu denen auch Bismutoxid-haltige Gläser gehören. Diese
Gläser zeichnen
sich gegenüber
SiO2-Gläsern
durch eine deutlich breitbandigere Emission seltener Erden-Ionen
aus, was zu höheren Übertragungsleistungen führt.
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Auf der anderen Seite weisen z.B.
die Bismutoxid-haltigen Gläser
den Nachteil auf, daß Bismutoxid
unter den drastischen Bedingungen der Schmelze durch andere Komponenten
reduziert werden kann und das ausfallende, elementare Bismut die
optischen Eigenschaften, insbesondere die Transparenz des Glases,
nachteilig beeinträchtigen kann.
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Es kommt daher dem Tiegelmaterial
beim Faserziehen von HMO-Gläsern
eine besondere Bedeutung bei.
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Da Platin eine ungünstige Wechselwirkung mit
beispielsweise dem Bismutoxid-haltigen
Glas zeigt, ist es von Vorteil, anstelle eines Platintiegels bei
relativ niedriger Schmelztemperatur von höchstens 1000°C, einen
Goldtiegel zu verwenden. Da jedoch Gold bei dieser Temperatur aufgrund
der Nähe zum
Schmelzpunkt, verglichen mit Platin, zwar noch formstabil, jedoch
weicher ist, können
auch mit Gold beschichtete Platintiegel verwendet werden. Dadurch
wird der direkte Kontakt der Schmelze mit dem Platin vermieden,
gleichzeitig jedoch die Goldauflage mechanisch durch die darunterliegende
Platinschicht gestützt.
Eine solche Goldbeschichtung kann beispielsweise durch Aufwalzen
einer Goldfolie auf Platin, elektrochemische Abscheidung oder andere
im Stand der Technik bekannte Verfahren erfolgen. Weiterhin eignen
sich als ein solches resistentes Tiegelmaterial überraschenderweise auch Pt/Au-Legierungen,
wobei bereits ein Anteil von beispielsweise 5 Gew.-%, vorzugsweise
10 Gew.-% Gold im Platin ausreicht, um eine Korrosion des Tiegelmaterials deutlich
zu verringern bzw. sogar ganz zu verhindern. Beispielsweise enthält ein Tiegel
mit einem Au/Pt-Verhältnis
von 95/5 nur geringe Mengen an Platin, ist jedoch bis zu einer Temperatur
von etwa 1200°C
einsetzbar. Auch eine Pt/Ir-Legierung hat sich als vorteilhaftes
Tiegelmaterial gezeigt.
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Es hat sich weiterhin gezeigt, daß gerade
die Verwendung von Pt5Au als Tiegelmaterial beim Ziehen von Glasfasern
aus HMO-Glas eine niedrige Dämpfung
der Glasfaser und eine ausreichende mechanische Stabilität des Aufbaues
der Faser bewirkt.
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Anhand von vier Ausführungsbeispielen
soll nunmehr das Verfahren zum Herstellen von Glasfasern mit dem
in 1 dargestellten Doppeltiegel
näher beschrieben
werden.
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Ausführungsbeispiel 1
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Der Außentiegel 1 hat eine
Höhe von
250 mm und einen Durchmesser von 150 mm, die Düse 1a des Außentiegels
hat eine Länge
von 45 mm und einen Durchmesser von 30 mm. Der Innentiegel 2 hat eine
Höhe von
500 mm und einen Durchmesser von 40 mm und ist so befestigt, daß seine
Düse 2a aus der
Düse 1a des
Außentiegels 1 ca.
15 mm herausragt. Die Düse 2a hat
eine Länge
von 60 mm und einen Durchmesser von 4 mm. Beide Tiegel bestehen aus
Pt/Ir oder Pt5Au.
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In einem separaten Vorschmelzschritt
werden in einem Au-Tiegel bei ca. 950°C ca. 4 l eines Bi-Oxid-Mantelglases
und 1/2 l des ebenfalls Bi-Oxid-Kernglases werden aus dem Gemenge
in einem Au-Tiegel erschmolzen. Dabei werden die Schmelzen mit getrocknetem
Sauerstoff intensiv gebubbelt, um eine Reduktion des Bi zu verhindern.
Zusätzlich
verhindert das Bubbling ein gravitatives Entmischen der leichten
und schweren Gemengebestandteile und sorgt für eine gute Durchmischung. Ferner
kann ein Au-Rührer
eingesetzt werden.
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Die Schmelzen werden in den durch
Einkoppeln von MF-Energie vorgeheizten Doppeltiegel umgegossen und
dort bei einer Temperatur von ca. 650°C mit Sauerstoffbubbling über einige
Stunden gehalten. Nun wird, wie in 5 dargestellt,
die Temperatur auf 820°C
erhöht
und nach 1/2 h mit übergeleitetem
Sauerstoff geläutert.
Dem Läutern
folgt das Abtempern auf die Ziehtemperatur von ca. 520°C, wie in 5 dargestellt.
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Nun wird mit dem Ziehen der Preformen
begonnen. Der genauen Temperaturkonstanz kommt dabei aufgrund der
steilen Viskositätskurve
eine besondere Bedeutung zu. Temperaturschwankungen von einigen °C machen
sich in der Geometrie der gezogenen Preform bemerkbar.
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Über
die Position des Innentiegels läßt sich die
Zentrizität
des Kerns und das Kern/Mantelverhälntnis einstellen. Mit den
o.a Geometrien ergibt sich ein Kern-Mantel-Verhältnis von 1:10 bei einem Außendurchmesser
von 1,2 mm.
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In einem separaten Schritt werden
Mantelrohre aus Bi-Oxidglas für
die im Doppeltiegel hergestellten Preformen nach der down-draw-Methode
aus einem 4-l-Ablauftiegel
gezogen. Das dazu benötigte Glas
wird ebenfalls in einem separaten Schritt in einem Au-Tiegel mit
intensivem Sauerstoffbubbling vorgeschmolzen und in den Ziehtiegel
umgegossen. Dabei werden Rohre mit polierten Oberflächen einem Außendurchmesser
von 6 mm und einer Wanddicke von 2,2 mm hergestellt, so daß sich eine
Faser mit folgenden Abmessungen ergibt: Kern: 3 μm, Mantel 1: 30 μm bei einem
Faseraußendurchmesser
von 125 μm.
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Ausführungsbeispiel 2
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Wie 1: Durch die Verwendung von nanoskaligen
Rohstoffen wird eine gute Auflösung
der Komponenten in der Bi2O3-Matrix
erreicht. Dadurch kann die Aufschmelztemperatur und so die Bildung
von elementarem Bi reduziert werden.
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Ausführungsbeispiel 3
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Wie 1: Die Rohstoffe werden in geeigneter Zusammensetzung
gemischt und in einem ersten Schritt bei 600°C gebrannt, daß eine Vorreaktion stattfindet.
Dadurch kann die Aufschmelztemperatur und so die Bildung von elementarem
Bi reduziert werden.
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Ausführungsbeispiel 4
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Wie 1 nur mit folgender Regelung:
Messung des Durchmessers der Kern/Mantelpreform und Regelung der
Ziehgeschwindigkeit mit kurzer Zeitkonstante in den Grenzen von
6 cm/min, jedoch Regelung der Tiegeltemperatur mit langer Zeitkonstante.