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Technisches
Gebiet
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Gegenstand der Erfindung ist ein
auf dem Katheterwege implantierbarer Klappenersatz für Organwege,
insbesondere für
Blutgefäßem z.B.
venen bei Klappeninsuffizienz oder temporär für große Arterien. Eine Modifikation
dient der Koronarperfusion mittels Baypass eine weitere mittels Öffnung.
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Nachdem in der ersten Hälfte dieses
Jahrhunderts die methodischen und technischen Grundlagen für einen
operativen Aortenklappenersatz (AKE) durch Chirurgen wie Hufnagel
erarbeitet worden waren (1), war es dann Anfang der sechziger Jahre
möglich,
einen AKE unter den Bedingungen der extracorporalen Zirkulation
mittels Herzlungenmaschine (HLM) mit vertretbarem Risiko durchzuführen (2).
Es war durch einen prothetischen AKE möglich, die Morbidität und Letalität von Patienten
mit Erkrankungen der Aortenklappe deutlich zu verbessern (3).
Zunächst
verwendete man vor allem prothetisches Material zum Klappenersatz,
welches jedoch eine lebenslange Antikoagulation erforderte. Im Laufe
der achtziger Jahre wurde bei ensprechender Indikation zunehmend
biologisches Material zum Klappenersatz verwendet. Als besonders
vorteilhaft war hierbei die nicht mehr notwendige Antikoagulation anzusehen.
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1996 wurden in der BRD insgesamt
ca. 9000 Operationen an der Aortenklappe durchgeführt. 8200 Operationen
davon betrafen ausschließlich
die Aortenklappe, während
die übrigen
Eingriffe als Kombinationseingriffe vorgenommen wurden. Die Letalität des operativen
AKE's liegt je nach
Kombination mit anderen Eingriffen bei 3,7–14 %. Für den einfachen AKE liegt sie
bei 3,7 %, bei Kombinatonseingriffen steigt sie dagegen bis auf
14,7 % an (4). Neben der Gefährdung der Patienten durch
die technisch relativ schwierige Herzoperation kommt dem umfangreichen
operativen Trauma durch die Thorakotomie und der Anwendung der HLM
eine herausragende Bedeutung zu. Kirklin beschrieb bereits 1981
ein sepsisähnliches
Bild nach Anwendung der HLM (5).
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Hierbei ist insbesondere festzuhalten,
daß bei
bereits praeoperativ stark eingeschränkten Patienten die negativen
Einflüsse
des operativen Traumas und der HLM am deutlichsten zutage treten, während sonst
gesunde Patienten diese Belastung ohne weiteres verkraften. Dennoch
ist gerade bei der erstgenannten Patientengruppe die Überwindung dieses
sogenannten „Postperfusion" Syndroms oft nur
durch längerfristige
Intensivtherapie möglich.
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In den letzten Jahren hat in der
gesamten Chirurgie ein Trend hin zu weniger invasiven d. h. weniger
traumatisierenden Operationsverfahren eingesetzt. Auch in der invasiven
Kardiologie kam es zu rasanten Entwicklungen der Behandlungsmethoden. Zum
Teil ist es möglich,
Erkrankungen, welche bis vor wenigen Jahren eine absolute Operationsindikation bedeutet
hätten,
mittels invasiver kardiologischer Maßnahmen zu behandeln.
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Seit Beginn der Aortenklappenchirurgie
wurden immer wieder Versuche unternommen, eine Klappenprothese an
anderer Stelle v.a. in die Aorta descendens zu implantieren (6).
Hierdurch waren gewisse hämo-dynamische
Verbesserungen zu beobachten, welche allerdings keineswegs denjenigen
bei einem orthotopen Aortenklappenersatz entsprachen. Bereits 1965
berichteten Davies et al. über
eine prothetische Aortenklappe, welche jedoch auf einem Katheter
befestigt war und dieser in situ belassen werden mußte. Es
zeigte sich, daß diese
Konstruktion innerhalb kürzester
Zeit thrombosierte (7). Moulopolous et al. entwickelten
1971 aufbauend auf Erfahrungen bei der Entwicklung EKG getriggerter
IABP Pumpen verschiedene Katheterventile zur Plazierung in Aortenposition,
welche die Funktion der Aortenklappe imitieren sollten. Indikationen
für diese „Aortenklappenprothesen" wurden damals primär zur hämodynamischen
Stabilisierung bei akuten Aorteninsuffizienzen gesehen. Als hämodynamisch
am wirkungsvollsten erwies sich in diesen Untersuchungen eine relativ
einfache Schirmkonstruktion, welche sich analog der Aortenklappe
passiv öffnete
und schloß (8).
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Dennoch zeigte sich auch bei diesen
Konstruktionen eine nach einiger Zeit nicht unerhebliche Thrombosierungsneigung
und ein aufgrund unpräziser
Plazierungsmöglichkeiten
reduzierter coronarer Blutfluß. Ähnliche
Ergebnisse erbrachte trotz weiter verbesserter Kathetertechnologie
eine neuere Untersuchung von Matsubara et al. 1992 (9).
Prinzipiell neue Ansätze,
nämlich
der Versuch prothetische oder biologische Herzklappen auf endovaskulärem Wege
zu positionieren, werden seitdem von einigen Autoren beschritten.
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Knudsen et al. positionierten 1993
endoluminal eine biologische Aortenklappe, die auf einem Stent fixiert
worden war, in der Aorta descendens (10). Sie konnten dabei
prinzipiell aufzeigen, daß die biologische
Herzklappe nach vorheriger Größenreduktion
durch das Zusammenfalten des Stents, endovaskulärer Implantation und Wiederausdehnung des
Stents eine kompetente Funktion aufweist und keine Dislokation stattfindet.
Zuvor hatten Pavcnik et al. 1992 eine Kugelprothese in Aortenklappeposition implantiert,
welche jedoch sehr provisorisch wirkte. Die Kugel wurde hierbei
durch einen dünnwandigen Ballon
gebildet, wodurch eine nur kurze Lebensdauer vorprogrammiert war.
Dennoch wurde dieser kathetergeführte
Aortenklappenersatz am schlagenden Herzen ohne Anwendung der HLM
und ohne Thorakotomie durchgeführt
(11). 1996 führten
Moazami et al. einen kathetergeführten
transluminalen orthotopen Aortenklappenersatz durch. Allerdings
wurde in dieser Untersuchung nach Thorakotomie und Anschluß des Tieres
an die HLM unter Cardioplegie die native Aortenklappe reseziert
und die biologische Aortenklappe unter Sicht kathetergeführt plaziert. Einzig
die mechanisch stabile Verankerung in Aortenposition bei gleichzeitiger
Kompetenz der kathetergeführt
plazierten Aortenklappe konnte gezeigt werden (12).
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Neben eigenen Untersuchungen (13)
ist in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse an einem perkutanen
Aortenklappenersatz zu verzeichnen. (14–16) Bis auf diese
wenigen genannten Veröffentlichungen
sind bisher keine Untersuchungen zu einem komplett endovasculären oder
auch transluminalen Aortenklappenersatz ohne Thorakotomie und HLM
durchgeführt
worden, obwohl dem Verfahren eines perkutanen AKE's für die nächste Zukunft
eine zunehmende Bedeutung zugesprochen wird (17).
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Literatur:
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- (1) Hufnagel CA., Harvey WP., Rabil PJ., McDermott TF.:Surgical
correction of aortic insufficiency. Surgery 1954; 35: 673–683
- (2) Harken DE., Soroff HS., Taylor WJ., Lefemine AA., Gupta
SK., Lunzer S.: Partial and complete prosthesis in aorta insufficiency.
J. Thorac. Cardiovasc. Surg. 1960; 40: 744–763
- (3) Schwartz F., Baumann P., Manthey J., Hoffmann M., Schuler
G., Mehmenl HC., Schmitz W., Kubler W.: The effect of aortic valve
replacement on survival. Circulation 1982; 66: 1105–1110
- (4) Kalmar P., Irrgang E.: Cardiac Surgery in Germany during
1996. Thorac. Cardiovasc. Surgeon 45 (1997): 134–137
- (5) Blackstone E.H., Kirklin J.W., Stewert R.W., Chenoweth D.E.:
Damaging effects of cardiopulmonary bypass. In: Wu K. K., Rossi
E.C., eds. Prostaglandin clinical medicineChicago: Year book, 1981:
355–369
- (6) Hufnagel CA., Haevey WP.: The surgical correction of aortic
regurgitation Prelimary report. Bull Georgetown Univ Med. Center
1953; 6: 3–6
- (7) Davies H.: Catheter mounted valve for temporary relief of
aoriic insufficiency. Lancet 1965; 1: 250
- (8) Moulopolous SD., Anthopolous L., Stamatelopolous S., Stefadorous
M.: Catheter-mounted aoriic valves. 1971; 11: 423–430
- (9) Matsubara T., Yamazoe M., Tamura Y., Oshima M., Yamazaki
Y., Suzuki M., Izumi T., Shibata A: Niigata, Japan. Balloon catheter
with check valves for experimental relief of acut aortic regurgitation.
Am Heart J 1992; 124: 1002–1008
- (10) Knudsen L. L., Andersen H.R., Hasenkam J.M.: Catheter implanted
prostetic heart valves. Int. J. Artif. Organs 1993; 16: 253–62
- (11) Pavcnik D. et al.: Development and initial Experimental
Evaluation of a Prosthetic Aortic Valve for Transcatheter Placement.
Radiology 183; 1992: 151–154
- (12) Moazami N. et al: Transluminal Aortic Valve Placement.
ASAIO Journal 1996; 42: 381–385
- (13) J. Spinner et al: Endovascular Aortic valve Replacement", Preliminary Experience.
Cardiovascular Engineering Vol. 5, No 2 June 2000, 93
- (14) Lutter G, Kuklinski D, Berg G, von Samson P, Martin J,
Handke M, Uhrmeister P, Beyersdorf F: Percutaneous aortic valve
replacement: An experimental study. I. Studies on implantation.
J Thorac Cardiovasc Surg 2002; 123: 768–776
- (15) Boudjemline Y. et al.: Steps toward percutaneous Aortic
valve replacement. Circulation 2002; 105: 775–778
- (16) Cribier A. et al.: Percutaneous transcatheter implantation
of an aoriic valve prosthesis for calcific aoriic stenosis. Circulation
2002;106:3006–3008
- (17) Bailey S.R.: Percutaneous Expandable Prostetic valves.
In: Topol E.J.: Textbook of Interventional Cardiology. Vol. 2, Second
edition 1994; W.B. Saunders philadelphia
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Wie oben ausgeführt herrscht heute in der Literatur
Einigkeit darüber,
daß ein
inerventionller Herzklappenersatz technisch machbar ist. Ferner
gehen alle ernstzunehmenden Arbeitsgruppen nach dem Prinzip eines
herzklappen-tragenden Stents vor. Unterschiede bzw. verschiedene
Verfahren finden sich bezüglich
der Stents, der Verankerung derselben und den Plazierungsverfahren.
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Ein bis heute nicht gelöstes Problem
bei einem interventionellen Aortenklappenersatz stellt jedoch die
Sicherstellung der lebensnotwendigen Durchblutung der Herzkranzgefäße (coronare
Perfusion) dar. Dieses Problem ist lediglich in der Arbeit von Boudjemline
et al. thematisiert worden.
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Wenige Millimeter oberhalb der Aortenklappe
entspringen die Herzkranzefäße (Coronarien)
aus der Aorta. Bei einer Verlegung derselben durch ungenau platzierte
Stents, Herzklappenanteile oder abgesprengte Verkalkungen entsteht
ein lebensbedrohlicher Herzinfarkt. Wir sehen in diesem Problem
den wichtigsten Grund dafür,
dass ein interventioneller Herzklapenersatz bis heute nicht mit
einer ausreichenden Sicherheit für
den Patienten durchgeführt werden
kann.
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Hauptaufgabe der vorliegenden Erfindung
ist es, aus der Verbindung von zwei Prinzipien zum einen soll die
Herzklappe des Klappentragenden Stents oberhalb der Herzkranzgefäße zu liegen
kommen und nicht wie bei allen bisherigen Untersuchungen Erfindungen
an orthotoper Lage dh. Wenige Millimeter unterhalb der Herzkranzgefäße (supracoronare
Lage anstelle einer bisherigen subcoronaren Lage).
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Allein hierdurch ist jedoch keine
ausreichende Durchblutung der Herzkranzgefäße zu gewährleisten, da eine diastolische
Perfusion durch die Lageänderung
nicht gewährleistet
ist.
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Zum anderen besteht unsere Erfindungsgemäße Problemlösung deshalb
in der Verwendung eines in den Herzklappentragenden Stent integrierten internen
Bypasses. Dies bedeutet, dass eine, von der übrigen Zirkulation abgetrennten,
Verbindung von oberhalb der neu eingesetzten Herzklappe bis hin
zu den Herzkranzgefäßen hergestellt
wird. Eine, in die Herzklappe selbst oder an sonstiger Stelle des
herzklappentragenden Stents eingebaute Verbindung bis zu den Herzkranzgefäßen sorgt
so für
einen die Coronarperfusion sichernden Blutfluß, so dass keine Einschränkung der
Coronarperfusion auftritt.
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Detaillierter beschrieben wird eine
Gefäßprothese
oder ähnliches
Material mit Öffnung
nach oberhalb der neu zu implantierenden Herzklappe mit der Öffnung der
Herzkranzgefäße dicht
verbunden, so dass über
diesen Umweg eine Durchblutung der Herzkranzgefäße sichergestellt wird.
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Wegen der Verwandschaft mit aortokoronaren
Bypässen
haben wir dieser Problemlösug
den Namen „Herzlappentragender
Stent mit integriertem internem Bypass genannt" Die Erfindung wird nachfolgend unter
Bezugnahme auf die Figuren noch detallierter beschrieben.
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Die Anwendung und Herstellung ist
dem Fachmann Bekannt und bedarf daher keiner weiteren Erklärung
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1a zeigt
die schematisch einen zusammengefalteten Herzklappentragenden Stent
mit integrierten Baypass in einem Hohlorgan.
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1b zeigt
ein schematisch entfalteten Herklappentragenden Stent mit integrierten
Baypass in einem Hohlorgan.
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2a zeigt
eine schematisch zusammengefalteten Herzklappentragenden Stent mit
Baypass.
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2b zeigt
eine schematisch entfalteten Herklappentragenden Stent mit Baypass.
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3a zeigt
ein schenatisch gefalteten Herzklappentragenden Stent mit Baypass
ohne Transportsystem.
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3b zeigt
ein schematisch entfalteten Herzklappentragenden Stent mit Baypass
ohne Transportsystem.
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4 zeigt
ein schematisch entfalteten herzklappentragenden Stent mit Baypass
wobei die Herzklappe am oberen teil des Stents angebracht wurde.
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Bezugszeichenliste
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1a Herzklappentragender
Steht mit Bypass auf Einführungskatheter
im gefalteten Zustand.
1: Einführungskatheter, 2: Hohlorgan,
3: Steht , 4: Herzklappe aus Polyurethan, 5: Steht , 6: Klappenhalterung
für Klappensegel,
7: Bypass.
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1b Herzklappentragender
Steht mit Bypass im expandiertem zustand liegend in einem Holorgan.
1:
Einführungskatheter,
2: Holorgan, 3: Steht , 4: Klappenhlterung für Klappensegel, 5:Stent, 6:
Holorgan, 7: Bypass am oberteil der Klappe angebracht, 8: Aussenseite
der Klappenhalterung für
Klappensegel, 9: Bypass am Ende der Klappenhalterung angebracht,
10: Bypass am Steht angebracht.
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2a Herzklappentragender
Steht mit Bypass im Gefaltetem Zustand
1: Herzklappenflügel aus
Polyurethan, 2: Steht, 3: Herzklappenflügel aus Polyurethan draufsicht,
4: Klappenhalterung für
Klappensegel im gefalteten Zustand.
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2b Herzklappentragender
Steht mit Bypass im geöffneten
Zustand
5: Herzklappensegel aus Polyurethan, 6: Steht, 9: Klappenhalterung
für Klappensegel,
10: Bypass, 7: Herzklappensegel draufsicht, 8: Klappenhalterung für Klappensegel.
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3a Gefalteter
Herzklappentragender Steht mit Bypass ausehalb eines Hohlorgans
1:
Steht, 2: Herzklappenflügel
aus Polyurethan, 3: Steht, 8: Bypass
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3b Expandierter
Herzklappentragender Steht mit Bypass
4: Steht, 5: Herzklappenflügel aus
Polyurethan, 6: Steht, 7: Bypass am Steht, 9: Bypass an der Herzklappenhalterung.
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4 Herzklappentragender
Steht mit Bypass wobei die Herzklappe am Ende aufgesetzt wird
1:
Herzklappenflügel
aus Polyurethan, 2: Bypass, 3: Steht, 4: Bypass 5: Herzklappenhalterung
für Klappenflügel.