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Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung
und ein Verfahren, nachfolgend auch System genannt, zur Begrenzung
eines Flüssigkeitsdruckes,
der durch ungewolltes Eindringen von Flüssigkeit in den Spalt zwischen
einer auf einen Untergrund geschraubten, oder in anderer Weise befestigten,
dichten Kunststoffplattenauskleidung und dem Untergrund selbst, entstehen
kann.
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Es ist bekannt, großflächige Kunststoffplatten
in einem besonderen, kunststoffgerechten Schraubverfahren oder in
sonstiger Weise auf dem Untergrund, dem statischen Träger, mit
einem dazwischen liegenden Haar- oder definierten Luft- und Stauraumspalt,
zu befestigen und zu einer wasserdichten Kunststoffauskleidung zu
verschweissen. Dies wurde in
EP 0 804 661 B1 dargestellt. Solche Auskleidungen
sind von der Auskleidungsseite her druckfest, von der Auskleidungsrückseite
jedoch durch die aus Kostengründen
relativ weit auseinanderstehenden Befestigungspunkte von annähernd 500
bis 1500 mm Distanz und der Flexibilität der Kunststoffplatten druckempfindlich.
Bildet sich durch in den Spalt eingedrungenes Wasser ein höherer hydrostatischer
Druck als einem Gegendruck im ausgekleideten Raum entspricht, kommen
schon bei sehr kleinen hydrostatischen Druckdifferenzen von wenigen
hundert Millimeter große
Kräfte
auf die Auskleidungsrückseite
zur Wirkung, die zum Abspreizen und auf Dauer schließlich zum
Abreissen der Kunststoffplatten vom statischer Träger führen können.
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Auskleidungen dieser Art eignen sich
andererseits besonders für
unter Flur liegende, alte Konstruktionen, z.B. Gruben oder begehbare
Abwasserkanäle
aus Beton oder Ziegel, bei denen die Gefahr eines Wassereintritts
von aussen und damit eines Wasserstaues und Druckaufbaues hinter
der Auskleidung besonders groß ist.
Auf Kanäle
wird in nachfolgender Beschreibung als Beispiel eingegangen.
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Zur Vermeidung eines Differenzdruckes
ist bekannt, Drainagelöcher
zur Entwässerung
des Spaltes an der tiefsten Stelle des Bauwerkes in den Statischer
Träger
zu bohren, so dass von oben eindringendes Wasser unten wieder abfließen kann. Diese
können
jedoch verstopfen oder das darunter liegende Erdreich kann verschlammen
oder der Grundwasserspiegel kann vorübergehend unerwartet ansteigen,
so dass Grundwasser von aussen durch die Drainagelöcher in
den Spalt drückt.
Es ist auch für
den Fall vorzusorgen, dass ein zeitweise anfallendes Sickerwasservolumen
die Drainagemöglichkeiten
der Bohrlöcher übersteigt,
z.B. bei ausserordentlich heftigen Regenfällen oder Auftreten von Betonrissen.
Kanäle
können
auch unter Grundwasserniveau liegen, so dass Drainagelöcher nicht
vorgesehen werden dürfen.
Ein rückseitiger Überdruck kann
des weiteren entstehen, wenn Flüssigkeit
aus dem Kanalinneren durch ein kleines Auskleidungsleck langsam
in den Spalt hinter die Auskleidung gelangt, sich dort aufstaut
und bei fallendem Kanalwasserniveau nicht mehr schnell genug zurück in den
Kanal fließen
kann.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein
System zur Vermeidung eines zu hohen rückseitigen Wasserdruckes zur
Verfügung
zu stellen, das auch unter schwierigen Betriebsbedingungen, beispielsweise
eines Kanals mit Schlammanfall und korrosiver Atmosphäre, zuverlässig und
wartungsfrei und ohne zusätzliche
Mess- und Steuerungselemente wartungsfrei arbeitet.
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Dem Erfindungsgedanken nach wird
eingedrungenes Stauwasser durch eine besondere Entspannungsvorrichtung,
bestehend aus einem Ventil und des zugehörigen Auskleidungssegmentes,
aus dem Luft- und Stauraumspalt in das Kanalinnere entspannt. Das
geschieht bei Auftreten eines vorbestimmten hydrostatischen Differenzdruckes
zwischen Spalt- und Kanalfüllung.
Das System wird gesteuert durch die differenzdruckbedingte und damit der
Gefahrenlage der Auskleidung entsprechende Abspreizung der Auskleidung
vom statischen Träger.
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Ein wesentlicher Gedanke der Erfindung liegt
darin, dass ein Schließteiles
der Entspannungsvorrichtung mit dem statischen Träger und
der andere Schließteil
mit der Auskleidung verbunden ist. Dadurch erfolgt die Steuerung
zwangsweise direkt durch die der Gefahrenlage entsprechende differenzdruckbedingte
Abspreizung der Auskleidung vom Untergrund.
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Die Erfindung wird nachstehend mit
Bezug auf die Zeichnungen näher
erläutert:
Es zeigen:
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1 Schnitt
durch die Entspannungsvorrichtung
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2 die
Situation der Entspannungsvorrichtung innerhalb der Auskleidung
in der Draufsicht.
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3 Querschnitt
durch einen beispielhaft dargestellten begehbaren Kanal mit Entspannungsvorrichtung
und Niveauunterschied zwischen Luft- und Stauraumspalt einerseits
und Kanalinnenraum andererseits.
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4 Schnitt
durch ein anderes Ausführungsbeispiel
der Entspannungsvomchtung Gemäß 1 besteht die Vorrichtung
aus einem Ventil (3,4,5) das in ein dem
Ventil zugeordnetem Auskleidungssegment (18) der Auskleidung
(1) eingesetzt wird und einen Druckausgleich zwischen Differenzdruck
(10) im Luft- und Stauraumspalt (2) und Kanalinnendruck
(11) bewirkt. Ventilteller (5) wird über Schraube
(8), die in einem Dübel
(15) verstellbar eingeschraubt ist, im statischen Träger (14)
in entsprechender Lage so fixiert, dass er über Ventilsitz (9)
auf Ventilring (4), der mit der Auskleidung (1)
im Auskleidungssegment (18) als Teil der Vorrichtung verbunden
ist, drückt,
und die Auskleidung so vom Untergrund elastisch abspreizt, dass
ein ausreichender Ventilschließdruck
erreicht wird. Anstelle oder in Ergänzung dazu kann der Ventilschließdruck durch
andere bekannte Verfahren, beispielsweise durch Federn (19)
bewirkt bzw. verstärkt
werden. Im normalen Betriebszustand soll Luft- und Stauraumspalt
(2) drucklos sein, so dass das auf Auskleidungssegment (18)
lastende Gewicht der Kanalfüllung
den Ventilschließdruck
erheblich verstärkt.
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Entsteht im Luft- und Stauraumspalt
(2) ein hydrostatischer Differenzdruck (10), wird
durch dessen Wirkung die gesamte vom Druck betroffene Auskleidung
vom statischen Träger
zunehmend abgespreizt. Dies betrifft ebenso die Auskleidung innerhalb
des Auskleidungssegmentes (18), wodurch Schraubring (3)
mit Ventilsitz (4) angehoben wird bei gleichzeitiger zulässiger Materialdehnung
der Auskleidung zwischen den Ankern (17). Ventilsitz (9)
wird geöffnet
und Flüssigkeit
kann aus Luft- und Stauraumspalt (2) abfließen.
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Der freie Öffnungsquerschnitt der Entspannungsvomchtung,
also die Relativposition von Ventilring (4) zu Ventilsitz
(5) hängt
in selbstregulierender Weise von der Druckdifferenz (10)
unter Berücksichtigung
der vorgegebenen Ventilschlussvorspannung einschließlich eines
evt. Hilfsdruckes (19) und damit von der Höhe ab, um
die Ventilring (4) angehoben wird. Sollte sich Schlamm
oberhalb des Ventilsitzes (9) befinden, wird dieser fortgespült. Tendiert
die hydrostatische Druckdifferenz (10) gegen Null, schließt das Ventil
unter Berücksichtigung
der Vorspannung, so dass kein Kanalwasser in den Luft- und Stauraumspalt
gelangen kann.
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Um sicherzustellen, dass ein passgenauer Ventilsitz
(9) auch bei eventuell möglichen unterschiedlichen Dehnungen
der Auskleidung zwischen den Ankern (17) passgenau schliesst,
ist zwischen Ventilring (4) und Ventilteller (5)
eine selbstjustierende Möglichkeit
vorgesehen. Diese wurde in der Gleitmöglichkeit (6) des
Bolzenkopfes (7) beispielhaft dargestellt. An dieser Stelle
kann auch ein anderes selbstjustierendes Element wie beispielsweise
ein Kugelkopf zusätzlich
oder ersatzweise verwendet werden.
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Zur Kontrolle der Entspannungsvorrichtung können elektrische
und in Kunststoff eingeschweisste Distanzmesser (16) eingebaut
werden. Diese überwachen
automatisch die Distanz zwischen statischem Träger (14) und Ventilring
(4) und sind über eine
gemeinsame Leitung mit einem Anzeigegerät verbunden. Eine Vergrößerung der
gemessenen Distanz zeigt die Öffnung
des Ventils an. Aus Dauer und Frequenz der Anzeige kann in Verbindung
mit fehlenden oder gegebenen äusseren
Ereignissen, wie starken Regenfällen
und damit erhöhtem
Anfall von Sickerwasser, auf den Zustand des Kanals geschlossen
werden. Kommt es zu einer Daueranzeige über ein offenes Ventil, ist
ein Schaden aufgetreten, der eine Begehung und Reparatur erforderlich
macht. Durch eine entsprechende elektrische Schaltung kann die genaue
Position von offenen Ventilen bestimmt werden.
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2 zeigt
die Stellung des Ventils (3,4,5) innerhalb
des dem Ventil zugeordneten Auskleidungssegmentes (18)
zwischen den Ankern (17). Zur Versteifung des Auskleidungssegmentes
(18) kann dieses durch untergeschweisste Rippen (13)
verstärkt
werden, die beispielhaften in 1 im
Luft- und Stauraumspalt (2) zwischen den Tragnoppen (12)
untergebracht sind. Auskleidungssegment (18) kann auch
in thermoplastischer oder elastischer Verformung, z.B. in konkaver
oder konvexer Formgebung, Siekenbildung etc. den jeweiligen Erfordernissen
angepasst werden. Anstelle oder in Ergänzung des durch die Materialelastizität der Auskleidung
bewirktem Ventilschließdruck
können
andere bekannte Verfahren, beispielsweise Federkraft (19)
treten. Im normalen Betriebszustand soll Luft- und Stauraumspalt
(2) drucklos sein, so dass das auf Auskleidungssegment
(18) lastende Gewicht der Kanalfüllung den Ventilschließdruck erheblich
verstärkt.
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3 zeigt
die Position des Ventils (3,4,5) innerhalb
des Kanals und einen hydrostatischen Differenzdruck (10)
zwischen Kanalinnenraum und Luft- und Stauraumspalt (2).
Bereits ein geringer Differenzdruck (10) wird durch dessen
Wirkung auf die große
Fläche
des Auskleidungssegmentes (18) so verstärkt, dass eine sichere und
berechenbar große Ventilöffnungskraft
entsteht.
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Bezogen auf Kanäle, ist eine Abschottung des
Luft- und Stauraumspaltes in gewissen Längenabständen empfehlenswert. Den einzelnen
Entspannungsvorrichtungen sind jeweils eine Vielzahl von anderen
kommunizierend verbundenen Auskleidungssegmenten zugeordnet. Ein
Wassereinbruch von aussen oder eine Undichtigkeit von innen sammelt
sich innerhalb einer Abschottungen und wird durch das selbsttätige Öffnen des
Ventils entspannt. Es wird verhindert, dass Sickerwasser durch den Luft-
und Stauraumspalt über
lange Distanzen dem Gefälle
folgend bis zum tiefsten Punkt es Kanalstranges fließt, bevor
es sich aufstaut und die dortigen Ventile zeitverzögert öffnet.
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4 zeigt
ein anderes Ausführungsbeispiel,
bei welchem unter Beibehaltung des grundlegenden Erfindungsgedankens
Ventilring (4) über Tragring
(3) einerseits mit Auskleidung (1) und andererseits
mit dem statischen Träger
(14) fest verbunden ist. Ventilteller (5) wird
beweglich im statischen Träger
(14) geführt,
und über
ein Hebelsystem (20), das von der Abspreizbewegung der
Auskleidung (1) gesteuert wird, geöffnet.