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Die vorliegende Erfindung betrifft
die Verwendung von Tetrahydrobiopterinderivaten gemäß Anspruch 1,
eine Zusammensetzung gemäß Anspruch
13, eine Verwendung von Tetrahydrobiopterinderivaten als Nahrungsergänzungsmittel
gemäß Anspruch
26, eine Spezialnahrung gemäß Anspruch
28, ein phenylalaninarmes Spezialnahrungsmittel gemäß Anspruch
40, sowie ein Diagnostikum zur Diagnose von Tetrahydrobiopterin
-sensitiven Erkrankungen, die mit gestörtem Aminosäurestoffwechsel einhergehen
gemäß Anspruch
43.
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Erkrankungen als Folge von Aminosäurestoffwechselstörungen sind
in ihrer Gesamtheit relativ weitverbreitete, Erkrankungen die meist
genetisch bedingt sind. Als pathophysiologisches Korrelat finden
sich verminderte Aktivitäten
bestimmter Enzyme mit der Folge von erhöhten oder erniedrigten Konzentrationen
von Aminosäuren
und von daraus synthetisierten Neurotransmittern und Botenstoffen
sowie gestörter
Verträglichkeit
(Proteintoleranz) von bestimmten Eiweißkomponenten in der Nahrung.
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Für
die Zwecke der vorliegenden Erfindung sollen unter dem Begriff "Erkrankungen als
Folge eines gestörten
Aminosäurestoffwechsels
folgende pathophysiologischen Zustände verstanden werden:
Zustände mit
erhöhtem
Phenylalanin oder vermindertem Tyrosin, Serotonin oder Dopamin in
Körperflüssigkeiten,
Geweben oder Zellen, insbesondere bei Zuständen mit verringerter Phenylalaninhydroxylase-,
Tyrosinhydroxylase- Tryptophanhydroxylase- und NO-Synthaseaktivität. Diese
Zustände
können – jedoch
ohne Einschränkung
hierauf – folgende
Krankheitsbilder umfassen: Phenylketonurie, insbesondere milde Phenylketonurie,
klassische Phenylketonurie; Pigmentstörungen der Haut, insbesondere
Vitiligo; sowie Zustände
bedingt durch verminderte zelluläre
Verfügbarkeit
von Katecholaminen, insbesondere orthostatische Hypotension (Shy-Drager
Syndrom), muskuläre
Dystonie; sowie Neurotransmitterstörungen, insbesondere Schizophrenie; Zustände bedingt
durch verminderte zelluläre
Verfügbarkeit
von Dopamin oder Serotonin als Folge von Tyrosinhydroxylase- oder
Tryptophanhydroxylasemangel, insbesondere Parkinsonismus, depressive
Erkrankungen sowie dystone Bewegungsstörungen, Zustände mit
verminderter NO-Synthaseaktivität,
insbesondere endotheliale Dysfunktion, mangelnde Infektabwehr.
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Eine bekannte Aminosäurestoffwechselstörung, welche
auf der fehlenden oder verringerten Metabolisierbarkeit des Phenylalanins
beruht, ist die Hyperphenylalaninämie, welche durch einen Mangel
an Phenylalaninhydroxylase hervorgerufen wird. Mindestens die Hälfte der
betroffenen Patienten manifestieren sich mit milden klinischen Phänotypen.
Die im Stand der Technik einzig mögliche Behandlung der meisten
Aminosäurestoffwechselerkrankungen,
wie beispielsweise der Hyperphenylalaninämie, liegt darin, die Patienten
mit einer Diät
zu ernähren,
die Produkte verwendet, die die durch die spezielle Stoffwechselstörung betroffene
Aminosäure
nicht enthält
bzw. nur in sehr geringen Mengen enthält.
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Die Hyperphenylalaninämie war
eine der ersten genetischen Störungen,
die behandelt werden konnten. In den meisten Fällen wird Hyperphenylalaninämie von
einem Phenylalaninhydroxylasemangel verursacht, hervorgerufen durch
Mutationen auf dem Phenylalaninhydroxylasegen. Die damit verbundenen
Phänotypen
reichen in ihrem Schweregrad von der klassischen Phenylketonurie
(Online Mendelsche Vererbungslehre beim Menschen Nr. 261600) (online
Mendelian Inheritance in Man number 261600) bis hin zur milden Phenylketonurie
und milden Hyperphenylalaninämie.
Mindestens die Hälfte
der betroffenen Patienten leidet an einem der milderen klinischen
Phänotypen.
Sowohl Patienten, die an einer klassichen Phenylketonurie leiden, als
auch Patienten, die an einer milden Phenylketonurie leiden, müssen ihr
Leben lang auf eine proteinarme Ernährung achten, um neurologischen
Folgeerscheinungen vorzubeugen und eine normale kognitive Entwicklung
sicherzustellen, wohingegen Patienten mit einer leichten Hyperphenylalaninämie unter
Umständen
keine Behandlung benötigen.
Im Zusammenhang mit der sehr strengen Diät steht das Risiko ernährungsbedingter Mangelerscheinungen
und sie stellt eine starke Belastung für die Patienten und deren Familien
dar.
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Eine kausal wirkende Therapie existiert
bislang im Stand der Technik nicht, so dass es für die betroffenen Patienten
keine andere Möglichkeit
gibt, als strenge Diät
einzuhalten, wenn sie nicht riskieren wollen, erhebliche Folgeerscheinungen
der Aminosäurestoffwechselstörung und
der beispielsweise damit verbundenen Hyperphenylalaninämie, zu
erleiden. Die neurologischen Folgeerscheinungen umfassen beispielsweise
irreversible Schädigungen
des Nervensystems und des Gehirns, mentale Retardierung bis hin
zum völligen Schwachsinn.
Darüber
hinaus sind Nierenschäden,
Leberschäden
und Schädigungen
der Sinnesorgane beschrieben.
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Für
die betroffenen Patienten heißt
das – am
Beispiel der Hyperphenylalaninämie – dass man
diese mit einer phenylalaninarmen Kost versorgen muß. Da Phenylalanin
ein wichtiger Proteinbaustein, insbesondere in der tierischen Welt
ist, ist es naturgemäß schwierig,
Patienten mit Aminosäurestoffwechselstörungen – ohne Provokation
von unerwünschter
und toxischer Phenylalaninerhöhung
zu ernähren.
Darüber
hinaus können
ernährungsbedingte
Mangelerscheinungen auftreten.
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Im Stand der Technik wurden hierzu
früher
Eiweißhydrolysate
verwendet, welche aus phenylalaninarmen Proteinen durch saure oder
alkalische Hydrolyse hergestellt wurden.
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Derartige Produkte hatten einen mehr
als üblen
Geschmack und waren häufig
für die
Patienten auf lange Sicht untragbar. Neben diesen Hydrolysaten kamen
nur nach entsprechendem diätetischem
Konzept streng ausgewählte
Speisen, meist vegetarischer Natur, als Ernährung für die betroffenen Patienten
in Frage.
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Demgegenüber sind die synthetischen
Aminosäurenmischungen
welche diejenige Aminosäure,
die von der Stoffwechselstörung
betroffen ist, nicht enthält,
bereits eine starke Verbesserung gegenüber den althergebrachten Hydrolysaten.
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Phenylalaninfreie Produkte auf dieser
Basis sind beispielsweise aus der
US
5,393,532 bekannt und werden seither als Spezialnahrung
für Hyperphenylalaninämie- und
Phenylketonuriepatienten verwendet.
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Desweiteren ist es aus der WO 98/08402
A1 bekannt, Spezialnahrungsmittel auf Basis von Casein-Glyko-Makropeptiden
in Verbindung mit Aminosäuremischungen
herzustellen, um Patienten im Bedarfsfalle z.B. phenylalaninfrei
ernähren
zu können.
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Geschmacklich stehen derartige Aminosäuremischungen
jedoch weit unterhalb des Niveaus der gewöhnlichen Nahrungsmittel.
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Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass ein strenger, lebenslang einzuhaltender Diätplan, der auf eine spezielle
Aminosäurestoffwechselstörung zugeschnitten
ist, eine starke psychosoziale Belastung darstellt und andere Behandlungsmethoden
bisher nicht erfolgreich waren.
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Ausgehend von diesem Stand der Technik
ist es daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Stoffe zur Verfügung zu
stellen, welche einerseits im Rahmen einer therapeutischen Behandlung
von Aminosäurestoffwechselstörungen eingesetzt
werden können
und andererseits zur Herstellung von Nahrungs-Mitteln, insbesondere
diätetische
Spezialnahrung für
von Aminosäurestoffwechselstörungen betroffenen
Patienten verwendet werden können.
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Die obige Aufgabe wird durch eine
Verwendung von Tetrahydrobiopterinderivaten gemäß Anspruch 1, eine Zusammensetzung
gemäß Anspruch
13, eine Verwendung von Tetrahydrobiopterinderivaten als Nahrungsergänzungsmittel
gemäß Anspruch
26, eine Spezialnahrung gemäß Anspruch
28 sowie ein phenylalaninarmes Spezialnahrungsmittel gemäß Anspruch
40 gelöst.
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Es ist eine weitere Aufgabe der vorliegenden
Erfindung, ein Diagnostikum für
solche Aminosäurestoffwechselstörungen zur
Verfügung
zu stellen, die durch Tetrahydrobiopterinderivate günstig beeinflusst
werden können.
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Diese Aufgabe wird durch ein Diagnostikum
gemäß Anspruch
43 gelöst.
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Insbesondere betrifft die vorliegende
Erfindung die Verwendung wenigstens einer Verbindung mit folgender
allgemeiner Formel:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl, Br, I, NH
2, N(CH3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H7)
2; NH-Acyl, wobei
der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome enthält, insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise 9 bis
20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl, Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei
R9 CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie
deren pharmazeutisch akzeptablen
Salze;
zur Herstellung eines Medikamentes zur Verbesserung
der Proteintoleranz zur Behandlung von Erkrankungen als Folge eines
gestörten
Aminosäurestoffwechsels.
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Im Folgenden sind bevorzugte Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Verwendung
beschrieben:
Besonders für
die erfindungsgemäße Verwendung
geeignet ist eine Verbindung, ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin,
Sapropterin, insbesondere dessen Hydrochlorid oder Sulfat, sowie
einer Verbindung mit folgender Struktur:
(-)-(1'R, 2'S,
6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,7,8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
dessen Dihydrochlorid; und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
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Als Salze kommen insbesondere Hydrochloride
oder Sulfate zum Einsatz.
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Die oben genannten Verbindungen kommen
insbesondere als Medikament zur Behandlung folgender Erkrankungen
bzw. Aminosäurestoffwechselstörungen in
Frage:
Zustände
mit erhöhtem
Phenylalanin oder vermindertem Tyrosin in Körperflüssigkeiten, Geweben oder Zellen, insbesondere
Zustände
mit verringerter Phenylalaninhydroxylaseaktivität; Phenylketonurie, insbesondere
milde Phenylketonurie, klassische Phenylketonurie; Pigmentstörungen der
Haut, insbesondere Vitiligo; Zustände bedingt durch verminderte
zelluläre
Verfügbarkeit
von Katecholaminen, insbesondere orthostatische Hypotension (Shy-Drager
Syndrom), muskuläre
Dystonie; sowie Neurotransmitterstörungen, insbesondere Schizophrenie.
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Vorzugsweise wird als pharmazeutisch
akzeptables Salz ein Hydrochlorid, insbesondere ein Dihydrochlorid,
verwendet.
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Darüber hinaus kommt der vorliegenden
Erfindung Bedeutung zu, indem man wenigstens eine Verbindung mit
folgender allgemeinen Formel als Chaperon, insbesondere chemisches
Chaperon, oder sogenanntes Protein-Faltungshilfsmittel einsetzt:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl, Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2N
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl, Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei
R9 CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie
deren pharmazeutisch akzeptablen
Salze.
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Auch bei Verwendung als Chaperon
ist es bevorzugt, dass die Verbindung ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin,
Sapropterin, insbesondere dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung
mit folgender Struktur:
(-)-(1'R, 2'S,6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,7,
8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
dessen Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
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Die genannten Verbindungen haben
sich als hervorragend geeignet zur Abminderung von Proteinmißfaltung
und dadurch zur Verbesserung von Enzymaktivität, insbesondere bei Strukturanomalien
in Enzymen, die Tetrahydrobiopterin als Cofaktor benötigen, beispielsweise
bei Defekten der Phenylalaninhydroxylase, herausgestellt. Durch
diesen Wirkmechanismus sind sie bevorzugt geeignet zur Herstellung
von Arzneimitteln, die zur Behandlung von Krankheitsbildern geeignet
sind welche auf Strukturanomalien der folgenden Enzyme zurückzuführen sind:
Phenylalaninhydroxylase,
Tyrosinhydroxylase, Tryptophanhydroxylase, oder NO-Synthase.
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Somit eignen sich die erfindungsgemäßen Chaperone
zur Therapie von Zuständen
mit erhöhtem
Phenylalanin oder vermindertem Tyrosin, Serotonin oder Dopamin in
Körperflüssigkeiten,
Geweben oder Zellen, insbesondere bei Zuständen mit verringerter Phenylalaninhydroxylase-,
Tyrosinhydroxylase-Tryptophanhydroxylase-
und NO-Synthaseaktivität
verwendet wird.
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Dieser Aspekt der vorliegenden Erfindung
betrifft die Verwendung wenigstens einer Verbindung gemäß folgender
allgemeiner Formel als Neurotransmitter-oder Botenstoff-Enhancer,
insbesondere für
Catecholamine und/oder Serotonin und/oder Dopamin und/oder Stickoxid
(NO):
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl, Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl, Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei
R9 CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie deren pharmazeutisch akzeptablen
Salze.
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Auch als Neurotransmitter-oder Botenstoff-Enhancer
wird bevorzugt eine Verbindung ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin,
Sapropterin, insbesondere dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung
mit folgender Struktur:
(-)-(1' R,2'S,6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,
7, 8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
dessen Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
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Die vorliegende Erfindung betrifft
ferner eine Zusammensetzung, die wenigstens eine Verbindung mit folgender
allgemeiner Formel enthält:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl, Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei R9
CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie
deren pharmazeutisch akzeptablen
Salze; sowie
wenigstens eine Aminosäure enthaltend, welche ausgewählt ist
aus der Gruppe bestehend aus den essentiellen Aminosäuren: Isoleucin,
Leucin, Lysin, Methionin, Threonin, Tryptophan, Valin, Histidin;
sowie aus den nicht essentiellen Aminosäuren, insbesondere Alanin,
Arginin, Asparaginsäure,
Asparagin, Cystein, insbesondere Acetylcystein, Glutaminsäure, Glutamin,
Glycin, Prolin, Serin sowie Tyrosin.
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Eine bevorzugte Zusammensetzung ist
dadurch gekennzeichnet, dass sie die essentiellen Aminosäuren, ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus: Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Threonin,
Tryptophan, Valin, Histidin und zusätzlich wenigstens eine der
Aminosäuren
Alanin, Arginin, Asparaginsäure,
Asparagin, Cystein, insbesondere Acetylcystein, Glutaminsäure, Glutamin,
Glycin, Prolin, Serin sowie Tyrosin enthält.
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Es ist ferner bevorzugt, dass die
erfindungsgemäße Zusammensetzung
zusätzlich
Kohlehydrate, insbesondere Glucose, und/oder Vitamine enthält.
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Vorzugsweise kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung
als oral oder intravenös
zu verabreichendes Präparat
formuliert sein.
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Das Präparat kann als Pulver, Tablette,
Kapsel, Dragee, in Tropfenform oder für topische Anwendungen, insbesondere
Salben; sowie als Lösung
zur intravenösen
Anwendung, formuliert sein.
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Selbstverständlich können derartige Zubereitungen
als pharmazeutische Zusammensetzung, gegebenenfalls mit pharmazeutischgalenisch üblichen
Hilfsstoffen, ausgebildet sein.
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Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann jedoch
ebenfalls als diätetische
Zusammensetzung, gegebenenfalls mit lebensmitteltechnisch üblichen
Hilfsstoffen, insbesondere Emulgatoren, bevorzugt Lecitin oder Cholin,
ausgebildet sein.
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Darüber hinaus ist es bevorzugt,
dass die erfindungsgemäße Zusammensetzung
noch zusätzlich
Mineralstoffe und/oder Elektrolyte enthält, welche ausgewählt sind
aus: Mineralsalzen; Salinensalzen; Meersalzen; Spurenelementen,
insbesondere Selen, Mangan, Kupfer, Zink, Molybdän, Jod, Chrom; Alkaliionen,
insbesondere Lithium, Natrium, Kalium; Erdalkaliionen, insbesondere
Magnesium, Calcium; Eisen.
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Im Rahmen eines diätetischen
Nahrungsmittels für
Patienten mit Hyperphenylalaninämie
kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung
sogar zusätzlich
Phenylalanin enthalten, ohne dass die Gefahr einer toxischen Akkumulation
von Phenylalanin im Serum, Cerebrospinalflüssigkeit und/oder dem Gehirn
auftritt.
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Es ist ferner bevorzugt, dass die
Zusammensetzung zusätzlich
noch L-Carnitin
und/oder Myoinosit und/oder Cholin enthält.
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Darüberhinaus kann es nützlich sein,
dass die erfindungsgemäße Zusammensetzung
noch die in der Lebensmitteltechnik üblichen Antioxidantien, insbesondere
Vitamin C, enthält,
wodurch die oxidative Zersetzung der Tetrahydrobiopterinderivate
wenigstens weitgehend vermieden werden können und die Lagerstabilität der Zusammensetzung
verbessert wird.
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Bevorzugt wird eine Zusammensetzung
mit einer Verbindung verwendet, wobei die Verbindung ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin, Sapropterin,
insbesondere dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung mit folgender
Struktur:
(-)-(1' R,2'S,6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,7,8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
dessen Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
-
Der vorliegenden Erfindung kommt
eine besondere Bedeutung bei der Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln
zu, weiche sich eignen, um von Aminosäurestoffwechselstörungen betroffenen
Patienten eine weitgehend normale Ernährung trotz ihrer Erkrankung
zu ermöglichen.
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Insbesondere betrifft die vorliegende
Erfindung eine Verwendung wenigstens einer Verbindung mit folgender
allgemeiner Formel:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei R9
CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie deren geeignete Salze;
als Nahrungsergänzungsmittel.
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Als Nahrungsergänzungsmittel für die angesprochene
Patientengruppe eignet sich insbesondere eine solche Verbindung
besonders, die ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin, Sapropterin, insbesondere
dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung mit folgender Struktur:
(-)-(1'R, 2'S,
6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,7,8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
dessen Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
-
Eine herausragende Bedeutung kommt
der vorliegenden Erfindung bei der Herstellung einer Spezialnahrung
auf Basis von im Wesentlichen phenylalaninfreien Aminosäurenmischungen
zu, mit der insbesondere Patienten mit Hyperphenylalaninämie optimal
ernährt
werden können.
-
Derartige Spezialnahrung enthält wenigstens
eine Verbindung mit folgender allgemeiner Formel:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl, Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei R9
CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie
deren lebensmitteltechnisch
akzeptablen Salze.
-
Als Spezialnahrung für Hyperphenylalaninämie-Patienten
eignet sich besonders eine solche, welche wenigstens eine Verbindung
enthält,
die ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin, Sapropterin, insbesondere
dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung mit folgender Struktur:
(-)-(1' R, 2'S,6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl)-5,6,
7, 8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
deren Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
-
Zur Sicherung des vollständigen Nahrungsangebotes
ist es bevorzugt, dass die erfindungsgemäße Spezialnahrung zusätzlich Kohlenhydrate,
insbesondere Glucose, Maltodextrin, Stärke und/oder Fette, wie Fischöl, insbesondere
Lachsöl,
Heringsöl,
Makrelenöl,
oder Thunfischöl;
enthält.
-
Es ist besonders bevorzugt, dass
die Spezialnahrung hypoallergen und/oder im wesentlichen glutenfrei
ist.
-
Da die meisten Aminosäurestoffwechselstörungen genetisch
bedingte Erbkrankheiten sind, ist es erforderlich, die Patienten
von Geburt an mit der richtigen Nahrung zu versorgen. Daher ist
es ein besonderer Vorteil, dass die Spezialnahrung der vorliegenden
Erfindung als Säuglingsnahrung,
insbesondere als Milchersatzmittel sowohl für Säuglinge als auch ältere Kinder
und Erwachsene, formuliert werden kann.
-
Ein derartiges Milchersatzmittel
für Säuglinge
weist zusätzlich
einen Fettanteil auf, wobei insbesondere in etwa 90% als Triglyzeride,
10% als Mono- und Diglyzeride vorliegen.
-
Zur leichteren Konfektionierung und
zur Erhöhung
der Lagerstabilität
wird die Spezialnahrung als Pulver, insbesondere als Lyophilisat,
zur Verfügung
gestellt.
-
Desweiteren ist es bevorzugt, die
erfindungsgemäße Spezialnahrung
zusätzlich
mit Fettsäuresupplementen
zu versehen, insbesondere ungesättigte
Fettsäuren,
vorzugsweise Omega-3-Fettsäuren,
insbesondere Alphalinolensäure,
Docosahexaensäure,
Eicosapentaensäure,
oder Omega-6 Fettsäuren, insbesondere Arachidonsäure, Linolsäure, Linolensäure; oder Ölsäure.
-
Es ist ferner bevorzugt, dass die
Spezialnahrung Fischölzusätze enthält, insbesondere
aus Lachs-, Hering-, Makrelen- oder Thunfischöl.
-
Darüber hinaus kann die Spezialnahrung
einen Fettanteil aufweisen, der pflanzliche Öle, insbesondere Distelöl und/oder
Sojaöl
und/oder Kokosöl
umfasst.
-
Eine besonders bevorzugte Ausführungsform
der Spezialnahrung der vorliegenden Erfindung ist es diese aufgrund
ihres Charakters als Milchersatzmittel auch als speziell für Patienten
mit einer Aminosäurestoffwechselstörung, insbesondere
Hyperphenylalaninämie,
geeignetes Milchmixgetränk,
insbesondere Fruchtmilchmixgetränk
oder Kakao auszubilden.
-
Bei der Ernährung von Patienten mit Hyperphenylalaninämie kommt
der vorliegenden Erfindung eine herausragende Bedeutung zu: Durch
den Verdienst der Erfinder der vorliegenden Erfindung ist es erstmals möglich, solchen
Patienten ein phenylalaninarmes Spezialnahrungsmittel zur Verfügung zu
stellen, das durch den Zusatz von Tetrahydrobiopterin – Derivaten
geeignet ist die Proteintoleranz und den Abbau von Phenylalanin
zu erhöhen.
-
Gemäß der vorliegenden Erfindung
enthält
ein solches phenylalaninarmes Spezialnahrungsmittel ein proteinarmes
Grundnahrungsmittel sowie wenigstens eine Verbindung mit folgender
allgemeiner Formel:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei R9
CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt; sowie
deren lebensmitteltechnisch
akzeptablen Salze.
-
Für
das erfindungsgemäße phenylalaninarme
Spezialnahrungsmittel ist es ebenfalls bevorzugt, eine Verbindung
einzusetzen, welche ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin, Sapropterin,
insbesondere dessen Hydrochlorid, sowie einer Verbindung mit folgender
Struktur:
(-)-(1' R,2'S,6R)-2-Amino-6-(1',2'-dihydroxypropyl
)-5,6, 7, 8-tetrahydro-4(3H)-pteridinon,
insbesondere
deren Dihydrochlorid oder Sulfat und/oder
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
-
Es ist möglich und bevorzugt, das phenylalaninarme
Spezialnahrungsmittel auszubilden als: Fertiggerichte; Teigwaren,
insbesondere Nudeln; Backwaren, insbesondere Brot, Kuchen, Kekse;
Süßwaren,
insbesondere Schokolade, Bonbons, Eis; Getränke, insbesondere Milchersatzmittel,
ausgebildet als Milchmixgetränk,
insbesondere als Fruchtmilchmixgetränk oder Kakao; sowie Bier.
-
Hiermit können Hyperphenylalaninämie-Patienten
erstmals signifikant höhere
Mengen an normaler Kost zu sich nehmen – ohne sich aufgrund ihrer
Aminosäurestoffwechselstörung in
Gefahr zu begeben – und ohne
ausschließlich
auf die übel
schmeckenden Produkte des Stands der Technik angewiesen zu sein.
-
Infolge des raschen Eintritts der
Wirkung von Tetrahydrobiopterinderivaten ist es im Rahmen der vorliegenden
Erfindung schlussendlich möglich,
ein Diagnostikum zur Erkennung von Tetrahydrobiopterin-sensitiven
Erkrankungen des Aminosäurestoffwechsels,
zur Verfügung
zu stellen, welches wenigstens eine Verbindung mit folgender allgemeiner
Formel enthält:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, F, Cl Br, I, NH
2, N(CH
3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H
7)
2; NH-Acyl, wobei der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome
enthält,
insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise
9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält;
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, O, S;
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2N
5;
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, Acetyl, OX, wobei X ein C1 bis C32 Acylrest, insbesondere
ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist;
worin
R5 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: Phenyl, CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl;
worin R7
und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2, F,
Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO, COOR9, wobei R9
CH
3, C
2H
5, C
3H
7,
Butyl ist;
worin R10 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3,
C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt;
insbesondere 5,6,7,8-Tetrahydrobiopterin;
sowie deren pharmazeutisch akzeptablen Salze.
-
Zusammenfassend ist festzustellen,
dass es mit den im Rahmen der vorliegenden Erfindung beschriebenen
Verbindungen erstmals möglich
ist, bestimmte genetisch bedingte Aminosäurestoffwechselstörungen medikamentös zu behandeln,
so dass die Patienten eine Verbesserung der Proteintoleranz sowie
eine weitgehende Normalisierung ihrer gestörten Enzymaktivität sowie
der Konzentrationen der betroffenen Aminosäuren und/oder deren Stoffwechselprodukte
in Körperflüssigkeiten
und Körperzellen
aufweisen.
-
Desweiteren schlägt die vorliegende Erfindung
Zusammensetzungen von Nahrungsergänzungsmitteln und Spezialnahrungen
vor, die gleichzeitig die in der Erfindung beschriebenen Verbindungen
zur Verbesserung der Proteintoleranz und des Abbaus von Phenylalanin
enthalten. Dadurch ist es erstmals möglich ist, Patienten mit Aminosäurestoffwechselstörungen praktisch
normal, d.h. mit quasi allen geschmacklichen und kompositorischen
Nuancen, zu ernähren.
-
Neben den oben bereits mehrfach erwähnten Verbindungen
können
jedoch auch folgende Verbindungen als bevorzugte Ausführungsformen
für sämtliche
Anspruchskategorien zum Einsatz gelangen:
Sämtliche Einzelverbindungen
sowie deren unterschiedliche Enantiomere, die sich mit den jeweils
offenbarten Substituenten R1 bis R10 und X aus den dargestellten
allgemeinen Formeln ergeben sowie sämtliche Unterkombinationen
davon.
-
Insbesondere sollen folgende Unterkombinationen
von Verbindungen Bestandteil der Offenbarung sein:
worin R1 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH; und/oder
worin R1
ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: F, Cl Br, I; und/oder
worin
R1 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: NH
2,
N(CH3)
2, N(C
2H
5)
2, N(C
3H7)
2; und/oder
worin R1 NH-Acyl ist, wobei
der Acylrest 1 bis 32 Kohlenstoffatome enthält, insbesondere CH
3O, bevorzugt 9 bis 32, vorzugsweise 9 bis
20 Kohlenstoffatome, enthält;
und/oder
worin R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH; und/oder
worin
R2 ausgewählt
wird aus der Gruppe bestehend aus: NH
2,
F, Cl Br, I, O, S; und/oder
worin R3 ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend
aus: H, CH
3, C
2H
5; und/oder
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2;
und/oder
worin R4 und R6 unabhängig voneinander ausgewählt werden
aus der Gruppe bestehend aus: F, Cl Br, I; und/oder
worin R4
und R6 unabhängig
voneinander Acetyl ist; und/oder
worin R4 und R6 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: OX, wobei X ein C1 bis C32
Acylrest, insbesondere ein C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9
bis C20 Acylrest, ist; und/oder
worin R5 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: CH
3, C
2H
5, C
3H
7, Butyl, Isobutyl, t-Butyl; und/oder
worin
R5 Phenyl ist; und/oder
worin R7 und R8 unabhängig voneinander
ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: H, OH, SH, NH
2,
F, Cl Br, I, CH
3, COOH, CHO; und/oder
worin
R7 und R8 unabhängig
voneinander ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: COOR9, wobei R9 CH
3,
C
2H
5, C
3H
7, Butyl ist; und/oder
worin R10 ausgewählt wird
aus der Gruppe bestehend aus: H, CH
3, C
2H
5, und – – eine optionale
Doppelbindung darstellt.
-
Es hat sich ferner herausgestellt,
dass sich lipophile Tetrahydrobiopterinderivate, wie sie beispielsweise
in der
EP 0 164 964
A1 beschrieben sind, besonders eignen, um einerseits die
Serumhalbwertszeit im Vergleich zu Tetrahydrobiopterin von ca. 8
Stunden auf über
18 Stunden zu erhöhen.
Andererseits sind derartige lipophile Tetrahydrobiopterinderivate
besonders geeignet, um Spezialnahrungen und Nahrungsmittelergänzungen
herzustellen, da sie sich auch in fetthaltigen Gemischen, beispielsweise
in Milchersatzmitteln, gut lösen.
-
Desweiteren liegt ein Vorteil der
lipophilen Verbindungen in ihrer verminderten Oxidationsempfindlichkeit.
-
Derartige lipophile Verbindungen
sind insbesondere solche, bei welchen
R1 in obiger allgemeiner
Formel ein NH-Acyl ist, wobei der Acylrest insbesondere 9 bis 32,
vorzugsweise 9 bis 20 Kohlenstoffatome, enthält; und/oder
R4 und R6
unabhängig
voneinander ausgewählt
werden aus der Gruppe bestehend aus: OX, wobei X insbesondere ein
C9 bis C32 Acylrest, bevorzugt ein C9 bis C20 Acylrest, ist; wobei
die Substituenten R2, R3, R5, R7, R8, R9, R10 wie im Rahmen der
vorliegenden Erfindung offenbart ausgewählt sein können.
-
Vorzugsweise können folgende lipophile Tetrahydrobiopterinderivate
für die
Zwecke der vorliegenden Erfindung beispielhaft eingesetzt werden:
2-N-Stearoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Decanoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Palmitoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin;
und/oder
2-N-Linoleoyl-1',2'-di-O-acetyl-5,6,7,8-tetrahydrobiopterin.
-
Tetrahydrobiopterin ist derzeit kommerziell
erhältlich,
so beispielsweise als Sapropterinhydrochlorid welches unter dem
Namen BIOPTEN® von
der Firma Suntory erhältlich
ist und welches zur Therapie von genetisch bedingten Tetrahydrobiopterin-Synthesestörungen eingesetzt
wird.
-
Darüber hinaus kann Tetrahydrobiopterin
und seine Derivate synthetisch hergestellt werden. Beipielhaft ist
hierzu die
EP 0 164
964 A1 genannt, welche u.a. die Herstellung einer Reihe
von acylierten Tetrahydrobiopterinderivaten beschreibt. Desweiteren
offenbart die
US 4,665,182 die
organisch chemische Synthese von Biopterinderivaten.
-
Somit bereitet die Herstellung der
verwendeten Verbindungen dem Fachmann keine Schwierigkeiten.
-
Weitere Vorteile und Merkmale ergeben
sich aufgrund der Beschreibung von Ausführungsbeipielen sowie anhand
der Zeichnung.
-
Es zeigt:
-
1 die
Phenylalaninkonzentrationen im Blut vor Provokation mit Phenylalanin
sowie vor und nach Gabe von Tetrahydrobiopterin bei der milden Hyperphenylalaninämie, der
milden Phenylketonurie, der milden, nicht auf Tetrahydrobiopterin
ansprechenden Phenylketonurie sowie der klassischen Phenylketonurie;
-
2 die
Wirkungen von Kurzzeitbehandlungen mit Tetrahydrobiopterin auf die
Phenylalaninoxidation;
-
3 eine
Relation zwischen der kumulativen Wiederfindungsrate von 1
3C-markiertem CO2 während nach
Gabe von 1
3C-markiertem
Phenylalanin und den Phenylalanin-Blutkonzentrationen vor und nach
Verabreichung von Tetrahydrobiopterin;
-
4 die
Wirkung von Tetrahydrobiopterin auf die periphere Phenylalanin-Clearance
und Oxidationsraten bei Patienten mit Hyperphenylalaninämie; und
-
5 die
strukturelle Lokalisation von Phenylalaninhydroxylase Missense-Mutationen.
-
Tabelle 1 die Korrelation der Genotypen
zu klinischen Phänotypen.
-
Verfahrensweise
-
Um die therapeutische Wirksamkeit
von Tetrahydrobiopterin zu untersuchen, führten wir einen kombinierten
Phenylalanin-Tetrahydrobiopterin
Belastungstest zur Diagnostik durch und analysierten die Wirkung
in vivo mittels Bestimmung der [13C]Phenylalanin-Oxidations-Raten bei 38 Personen
mit einem Mangel an Phenylalanin-Hydroxylase vor und nach Gabe von
Tetrahydrobiopterinderivaten Das Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin
stand mit bestimmten Genotypen im Zusammenhang und wir lokalisierten
Mutationen anhand des Strukturmodelles des Phenylalanin-Hydroxylase-Monomers
und daraus abzuleitende Proteinfehlfaltung.
-
Ergebnisse
-
Bei 27 der 31 Patienten (87 Prozent)
mit einer milden Hyperphenylalaninämie (n=10) oder einer milden Phenylketonurie
(n=21) senkte Tetrahydrobiopterin deutlich den Phenylalaningehalt
im Blut und erhöhte/verbesserte
die Phenylalanin-Oxidation. Umgekehrt erfüllte keiner der sieben Patienten
mit klassischer Phenylketonurie (n=7) das Kriterium des starken
Ansprechens auf Tetrahydrobiopterin, wie es in der Studie definiert wurde.
Bei einzelnen Patienten mit klassischer Phenylketonurie waren jedoch
geringe Effekte nachweisbar. Eine Langzeittherapie mit Tetrahydrobiopterin,
die bei fünf-Kindern
durchgeführt
wurde, erhöhte
die tägliche Phenylalanintoleranz
signifikant von 8,7 ± 8,6
mg/kg Körpergewicht
(Spanne 8,8–30)
auf 61,427,9 mg/kg Körpergewicht
(Spanne 17,9–90)
unter medikamentöser
Behandlung (P=0,0043) und ermöglichte
ihnen damit, ihre Spezialdiät
abzubrechen. Sieben Mutationen des Phenylalaninhydroxylasegens (P314S,
Y417H, V177M, V245A, A300S, E290G und IVS4-5C→G) und daraus resultierende
Strukturanomalie und Fehlfaltung des Enzyms wurden als höchstwahrscheinlich
ursächlich
in Zusammenhang stehend mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin
klassifiziert und sechs Mutationen (A403V, F39L, D415N, S310Y, R158Q
und I65T) wurden als möglicherweise
in Zusammenhang stehend klassifiziert. Vier Mutationen (Y414C, L48S,
R261Q und 165V) standen uneinheitlich mit diesem Phänotyp in
Zusammenhang. Mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin verbundene
Mutationen waren vor allem im katalytischen Bereich des Proteins
lokalisiert und waren nicht direkt an der Cofaktorbindung beteiligt.
-
Schlußfolgerungen:
-
Ein Ansprechen auf Tetrahydrobiopterinderivate – charakterisiert
durch Verbesserung der Proteintoleranz, weitgehender Normalisierung
gestörter
Phenyalaninhydroxlyseaktivität
sowie Absenkung erhöhter Phenylalaninkonzentration – tritt
häufig
bei Patienten mit einem milden Phänotyp einer Hyperphenylalaninämie auf. Das
Ansprechen kann nicht zuverlässig
anhand des Genotyps vorhergesagt werden, was vor allem bei zusammengesetzten
doppelt heterozygoten Genotypen zutrifft. Die medikamentöse Behandlung
mit Tetrahydrobiopterinderivaten und/oder Zusatz der Verbindungen
zu Nahrungsmitteln könnte
viele Patienten von ihrer sehr belastenden phenylalaninarmen Diät befreien
und dadurch ihre Ernährung
erleichtern.
-
Nach Einreichung der vorliegenden
Patentanmeldung werden die Daten der Erfindung in wissenschaftlich
begutachteter Form publiziert und dokumentiert: New England Journal
of Medicine, 2002, 347 (26), 2122–2132 (26.12.02).
-
Einleitung
-
Hyperphenylalaninämie, eine weitverbreitete vererbbare
Stoffwechselkrankheit, war eine der ersten genetischen Störungen,
die behandelt werden konnten. In den meisten Fällen resultiert Hyperphenylalaninämie aus
einem Mangel an Phenylalanin-Hydroxylase (EC1.14.16.1), hervorgerufen
durch Mutationen auf dem Phenylalanin-Hydroxylase-Gen. Die damit verbundenen
Phänotypen
reichen in ihrem Schweregrad von der klassischen Phenylketonurie
(MIM261600) bis hin zur milden Phenylketonurie und milden Hyperphenylalaninämie. Mindestens
die Hälfte
der betroffenen Patienten leidet an einer der milderen klinischen
Phänotypen.
Sowohl Patienten, die an einer klassischen Phenylketonurie leiden,
als auch Patienten, die an einer milden Phenylketonurie leiden,
müssen
ihr Leben lang auf eine proteinarme Ernährung achten, um neurologischen
Folgeerscheinungen vorzubeugen und eine normale kognitive Entwicklung
sicherzustellen. Im Zusammenhang mit der sehr strengen Spezialdiät steht
das Risiko ernährungsbedingter
Mangelerscheinungen, zudem stellt sie eine Belastung für die Patienten
und deren Familien dar. Nur Patienten die an einer milden Hyperphenylaninämie leiden,
benötigen
unter Umständen
keine Behandlung. Die Suche nach alternativen Behandlungsmethoden
ohne Ernährungsumstellung
wurde angeregt.
-
Bei ca. 50 genetisch bedingten Krankheiten
beim Menschen kann die Behandlung durch eine hohe Dosis eines Cofaktors
die Enzymtätigkeit
anregen. Tetrahydrobiopterin ist ein natürlicher Kofaktor von aromatischen
Aminosäurehydroxylasen
und der Stickoxidsynthase. Die Substitution dieser Cofactor-Komponente
ist eine etablierte Behandlungsmethode bei seltenen Fällen von
Hyperphenylalaninanäme,
die von angeborenen Fehlern bei der Tetrahydrobiopterin-Biosynthese
herrührt.
Mehr als 98 Prozent der Patienten mit Hyperphenylalaninämie weisen
jedoch Mutationen auf dem Phenylalanin-Hydroxylase-Gen auf und sie
haben eher eine erhöhte
als eine verringerte Plasmakonzentration an Biopterin, was auf die
Aktivität
des Guanosintriphosphatcyclohydroxylase 1-Rückkopplungsregulationsproteins
zurückzuführen ist.
Eine mögliche
therapeutische Wirkung des Tetrahydrobiopterins bei Patienten mit
einem Mangel an Phenylalanin-Hydroxylase
wurde aus diesem Grund bisher nicht bedacht.
-
In jüngster Zeit wurde nachgewiesen,
daß einzelne
Patienten mit Mutationen auf dem Phenylalanin-Hydroxylase-Gen niedrigere
Phenylalanin-Konzentrationen
im Blut aufwiesen, nachdem ihnen zu diagnostischen Zwecken Tetrahydrobiopterin
verabreicht worden war. Es ist jedoch bekannt, daß periphere
Phenylalaninwerte von verschiedenen genetischen Orten und verändernden
Faktoren reguliert werden und es gibt keine Beweise, daß die positive
Wirkung von Tetrahydrobiopterin auf der Ebene der Phenylalanin-Hydroxylierung erfolgt.
-
In dieser Studie, die mit nach dem
Zufallsprinzip ausgewählten
Patienten durchgeführt
wurde, wurden die folgenden Fragen behandelt: (1) Wie weit ist das
Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin verbreitet? (2) Stellt Tetrahydrobiopterin
die Phenylalaninoxidationsfähigkeit
wieder her? (3) Hängt
das Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin mit bestimmten Genotypen
zusammen und befinden sich damit im Zusammenhang stehende Mutationen
an bestimmten Orten der Proteinstruktur? (4) Verbessert es die Proteintoleranz
bei Langzeitbehandlung?
-
Verfahren
-
Patienten
-
Wir erhielten eine schriftliche Zustimmungserklärung der
Familien von 38 Kindern, die an verschiedenen Unterformen der Hyperphenylalaninämie leiden.
Die Klassifikation erfolgte in Abhängigkeit der Plasmaphenylalanin-Konzentration vor
der Behandlung: <600μmol/l, milde
Hyperphenylalaninämie,
n=10, Alter 15 Tage bis 10 Jahre; 600–1200 μmol/l, milde Phenylketonurie,
n=21, Alter 8 Tage bis 17 Jahre; >1200μmol/l, klassische
Phenylketonurie, n=7, Alter 1 Tag bis 9 Jahre. Ein Defekt bei der
Tetrahydrobiopterin-Biosynthese oder beim Recycling von Tetrahydrobiopterin
wurde durch eine Analyse der Pterinwerte im Urin und der Dihydropteridin-Reduktaseaktivität in Erythrozyten
ausgeschlossen. Wir untersuchten 7 Patienten während der Neugeborenenperiode
und 31, als sie schon älter
waren. Erkrankte Geschwister (n=5) wurden ebenfalls mit in die Untersuchung
aufgenommen, denn es ist bekannt, daß nicht-genetische Faktoren
die Phenylalaninhomeostase beeinflussen.
-
Kombinierter Phenylalanin
und Tetrahydrobiopterin Belastungstest
-
Die Aufnahme von Phenylalanin wurde
erreicht, indem man die Patienten eine Mahlzeit mit 100 mg Phenylalanin
pro Kilogramm Körpergewicht
zu sich nehmen ließ.
Eine Stunde nach dem Ende der Mahlzeit nahmen die Patienten 20 mg
Tetrahydrobiopterin pro Kilogramm auf (Schircks Laboratories, Jona,
Schweiz). Die Phenylalanin-Konzentration im Blut wurde durch eine
Elektrospray Ionisations – Tandemmassenspektroskopie
bestimmt – vor
der Aufnahme von Phenylalanin und vor und nach (bei 4, 8 und 15
Stunden) Provokation mit Tetrahydrobiopterin. Während der Testphase wurden
die Neugeborenen mit Muttermilch ernährt, während die älteren Kinder eine standardisierte
Proteinzufuhr (10 mg Phenylalanin pro Kilogramm) zwischen sechs
und acht Stunden nach der Belastung mit Tetrahydrobiopterin erhielten.
-
In vivo Analyse der L-Phenylalaninoxidation
-
Die Tests wurden nach vierstündigem Fasten
bei Kleinkindern und einem Fasten über Nacht bei älteren Kindern
durchgeführt.
Insgesamt wurden 6 mg L-[1-13C]Phenylalanin
(Euriostop, Paris, Frankreich) pro Kilogramm Körpergewicht oral verabreicht.
Der Tracer wurde in einer 25%igen Dextroselösung aufgelöst (2 mg pro Milliliter). Anschließend wurden
Atemproben über
einen Zeitraum von 180 Minuten genommen und in luftleeren Glasröhrchen bis
zur Analyse mittels Isotopenmassenspektroskopie aufbewahrt (deltaS,
Thermoquest, Bremen). Die Wiedergewinnung von Kohlenstoff-13 in
den Atemproben wurde errechnet, wie durch Treacy et al. beschrieben,
wobei eine Gesamtkohlendioxidproduktion von 300 mmol pro Stunde × Quadratmeter
der Körperoberfläche angenommen
wurde. Die 1
3CO2-Produktion wurde als ein kumulativer Prozentsatz
der verabreichten Dosis gegen die Zeit dargestellt. Die Gültigkeit
der Ergebnisse bei den Neugeborenen könnte durch die Ernährung oder
die Tatsache beeinflußt
werden, daß die
Atemprobennahme bei ihnen schwieriger ist, als bei älteren Kindern.
Der Basislinienprozentsatz von 1
3C, gemessen zum Zeitpunkt 0 unterschied
sich jedoch bei den Neugeborenen und den älteren Kindern nicht signifikant.
Die Werte wurden als unterhalb der Detektierbarkeit erachtet, wenn
die Signalintensität
des Atom%-Überschusses
zum Zeitpunkt t, erhalten durch Subtraktion des durchschnittlichen
Basiswertes, keine ausreichende Unterscheidung vom atmosphärischen 1
3CO2 zuließ. Im Durchschnitt
waren weniger als 1 (ältere
Kinder) und weniger als 2 (Neugeborene) von 27 aufeinanderfolgenden 1
3CO2-Messungen,
die während
der 180 Minuten eines Einzeltests erhalten wurden, nicht interpretierbar.
Dies hat einen vernachlässigbaren
Einfluß auf
die Endauswertung.
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Analyse der Mutationen
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DNA wurde aus den Leukozyten nach
dem Standardverfahren extrahiert. 13 Genomfragmente, die die gesamte
kodierende Sequenz beinhalten, sowie die exonflankierende, intronische
Sequenz des Phenylalaninhydroxylase-Gens wurden durch eine Polymerasekettenreaktion
amplifiziert, gefolgt von einer direkten Sequenzierung.
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Strukturbasierende Lokalisation
von Phenylalanin-Hydroxylase-Genmutationen
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Ein Gesamtlängenmodell der Tetrahydrobiopteringebundenen
Phenylalanin-Hydroxylase
wurde von den Kristallstrukturen verschiedener trunkierter Formen
erstellt, indem die katalytischen Bereiche mittels der von SWISS-MODEL/Swiss-Pdb Viewer
zur Verfügung
gestellten Tools übereinander
gelegt wurden.
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Ergebnisse
Auswirkungen von Tetrahydrobiopterin auf die Phenylalanin-Konzentration im
Blut und die Phenylalaninoxidationsraten
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Die Patienten wurden als ansprechend
auf Tetrahydrobiopterin klassifiziert, wenn die Phenylalanin-Konzentration
im Blut 15 Stunden nach der Belastung mit Tetrahydrobiopterin um
mindestens 30% im Vergleich zum Wert vor der Einnahme von Tetrahydrobiopterin
gesunken war. Ein Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin wurde bei allen
10 Patienten mit einer milden Phenylalaninämie und bei 17 der 21 Patienten
mit einer milden Phenylketonurie beobachtet. Nur 4 Patienten mit
einer milden Phenylketonurie und alle 7 Patienten mit einer klassischen
Phenylketonurie erfüllten
das Kriterium des Ansprechens auf Tetrahydrobiopterin nicht ( 1). Bei einigen Patienten
sank die Phenylalaninkonzentration rasch ab, ähnlich wie man es bei Patienten mit
einem Tetrahydrobiopterin-Synthesedefekt
beobachten kann, während
andere nur langsam reagierten und die niedrigste Phenylalaninkonzentration
erst 15 Stunden nach der Cofaktorverabreichung erreichten (Daten nicht
gezeigt).
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Patienten mit unterschiedlichem klinischem
Schweregrad der Erkrankung erreichten basale kumulative 1
3CO2 Wiederfindungsraten,
die jeweils ihre individuelle Rest-Phenylalainin-Oxidationskapazität (klassische Phenylketonurie,
Mittelwert 1,4%; milde Phenylketonurie, 3,1 %; milde Hyperphenylalaninämie, 5,6%;
gesunde Vergleichsgruppe 9,0%) widerspiegelten. Nach der Behandlung
mit Tetrahydrobiopterin (10 mg/kg Körpergewicht, 24 Stunden) stieg
die Gesamt 1
3CO2 Wiederfindung deutlich bei denselben Patienten
an, die auf den Belastungstest angesprochen hatten. Der Anstieg
war bei Patienten mit einer milden Phenylketonurie deutlicher ausgeprägt als bei
Patienten mit einer milden Hyperphenylalaninanämie (2A). Es ist bemerkenswert, daß 8 von
11 Patienten, die nicht ansprachen, einen milden Anstieg der Phenylalaninoxidation
nach Kurzzeittherapie mit Tetrahydrobiopterin aufwiesen, wobei bei
3 dieser Patienten gleichzeitig auch der Phenylalaningehalt im Blut
beeinflußt
wurde. Dies legt nahe, dass bei längerer Therapie auch bei schwereren
Formen von Hyperphenylalaninämie
geringe Verbesserung durch Tetrahydrobiopterinderivate erreicht
werden könnte.
Die Zeitkurven der fraktionierten 1
3CO2-Bildung zeigten
deutliche Abweichungen vom normalen Oxidationsphänotyp (2B, C, D und E).
Nach Cofaktorverabreichung fiel die Kurve bei Patienten, die auf
Tetrahydrobiopterin ansprechen, auf den normalen Wert ab (2B und C),
wobei sie bei Patienten, die nicht auf Tetrahydrobiopterin ansprachen,
unverändert
blieb.
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Vor der Behandlung mit Tetrahydrobiopterin
wiesen alle Patienten Phenylalanin-Konzentrationen im Blut von über 200 μmol/l auf,
und die kumulative 1
3CO2 Wiederfindung lag unter 7% mit einer beachtlichen Überschneidung
der Werte der Patienten, die ansprechen und der Patienten, die nicht
ansprechen. Nach der Verabreichung von Tetrahydrobiopterin bildeten
die beiden Patientengruppen zwei nicht überlappende Cluster. Unter
den als Tetrahydrobiopterin-sensitiven Patienten fanden sich 4 Kinder,
die ein moderates Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin zeigten (3).
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Es konnte eine beachtliche interindividuelle
Variabilität
beobachtet werden: Die Belastung mit Tetrahydrobiopterin reduzierte
die Phenylalanin-Konzentrationen
um 37 bis 92%, wenn man die Blutwerte vor und 15 Stunden nach Gabe
von Tetrahydrobiopterin verglich. Bei 23 der 27 auf Tetrahydrobiopterin
reagierenden Patienten gingen die Phenylalanin-Konzentrationen im Blut auf Werte von
unter 200 μmol/l
zurück,
wobei 4 Patienten Werte zwischen 200 und 400 μmol/l erreichten. Bei Patienten,
die nicht reagieren, überstieg
die Konzentration von Phenylalanin nach der Belastung mit Tetrahydrobiopterin
stets 400 μmol/l.
Tetrahydrobiopterin erhöhte
die 1
3C-Phenylalaninoxidationsraten
um 10 bis 91 % und 22 der 27 auf Tetrahydrobiopterin reagierenden Personen
erreichten Oxidationsraten auf normalem Niveau. Bei den verbleibenden
5 Patienten zeigte sich eine Verbesserung, ein normales Niveau wurde
jedoch nicht erreicht. Obwohl im allgemeinen konsistent, zeigten sich
bei manchen Patienten bemerkenswerte Uneinheitlichkeiten des Tetrahydrobiopterineffekts
auf die beiden analysierten Endpunkte. (Beispiele in 4 angegeben). Bei einem
Patienten mit klassischer Phenylketonurie trat ein leichter Anstieg
der Phenylalanin-Konzentration im Blut – auf, sowie eine Verbesserung
der Phenylalaninoxidationsrate, doch der Patient erfüllte das
Kriterium des starken Ansprechens auf Tetrahydrobiopterin nicht
(4).
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Langzeitbehandlung
mit Tetrahydrobiopterin
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Die Familien mit fünf Kindern
im Alter von 4 bis 14 Jahren mit milder Phenylketonurie stimmten
einem Therapieversuch zu, bei dem die phenylalaninarme Ernährung durch
eine orale Verabreichung von Tetrahydrobiopterin in täglichen
Dosen zwischen 7,1 und 10,7 mg/kg Körpergewicht ersetzt wurde.
Die Behandlung dauerte 207 ± 51,3
Tage (Durchschnitt ± SD;
Spanne 166–263).
Die Cofaktorbehandlung führte
zu einem Anstieg der täglichen
Phenylalanintoleranz von 8,7 ± 8,6
mg/kg Körpergewicht
(Spanne 8,8–30
vorher bei 61,4 ± 27,9
mg/kg Körpergewicht
(Spanne 17,9–90)
bei Behandlung (P=0,0043) mit geringer Auswirkung auf die Phenylalanin-Konzentration
im Blut (während
der diätetischen
Behandlung, 366 ± 120 μmol/l; während der
reinen Cofaktorbehandlung, 378 ± 173 μmol/l).
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Identifizierung und strukturbasierende
Lokalisation von Phenylalanin-Hydroxylase-Genmutationen
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Bei 37 von 38 Patienten wurden jeweils
zwei mutante Allele identifiziert (Tabelle 1). Wir klassifizierten 7
Mutationen (P314S, Y417H, V177M, V245A, A300S, E390G, IVS4-5C>G) als höchst wahrscheinlich
verantwortlich für
das Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin, da sie entweder in homozygoter
oder funktionell hemizygoter Form nachgewiesen wurden. Sechs weitere
Mutationen stehen möglicherweise,
aufgrund einer signifikanten in vitro Rest-Enzymaktivität (A403V,
F39L, D415N, R158Q, I65T) wie bereits vorher beschrieben, oder aufgrund
einer bekannten schweren Mutation auf dem zweiten Allel (S310Y)
mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin in Verbindung. Vier Mutationen
(Y414C, L48S, R261 Q, 165V) zeigten einen uneinheitlichen Zusammenhang
mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin. Acht von 12 Missense-Mutationen,
die im Zusammenhang mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin stehen,
befinden sich auf der katalytischen, wohingegen sich zwei auf der
regulatorischen und zwei auf der Tetramerisierungs-Domäne befinden.
Keine von ihnen hatte Auswirkungen auf Reste des aktiven Zentrums
oder auf Aminosäuren,
die direkt mit dem Cofaktor interagieren (5).
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Diskussion
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Wir zeigen mehrere Beweisstränge auf,
um deutlich zu machen, daß der
metabolische Phänotyp
des Mangels an Phenylalanin-Hydroxylase durch pharmakologische Dosen
von Tetrahydrobiopterin oder dessen Derivate signifikant modifiziert
werden kann. Erstens führte
die Einnahme von Tetrahydrobiopterin bei den meisten Patienten mit
einer Phenylalanin-Hydroxylase-Rest-Enzymaktivität zu normalen
oder annähernd
normalen Phenylalanin-Konzentrationen im Blut, was nahelegt, daß das Ansprechen
auf Tetrahydrobiopterin bei Patienten, die phänotypisch nur leichte Symptome
aufweisen, weitverbreitet ist. Zweitens erhöhte Tetrahydrobiopterin die
verbliebene Phenylalanin-Oxidationsfähigkeit bei diesen Patientengruppen.
Drittens führte
Langzeitbehandlung mit Tetrahydrobiopterin zu einer signifikanten
Verbesserung der Proteintoleranz und Wegfall der Notwendigkeit zu
einschränkender
Diättherapie.
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Wir zeigen, daß der in vitro Phenylalaninoxidations-Test
eine Einteilung von Patienten mit Hyperphenylalaninämie in verschiedene
Klassen unterschiedlicher Schwere ermöglicht. Diese Ergebnisse stimmen
mit den Daten über
die Fähigkeit
des Verfahrens überein,
die Phenylalanin-Hydroxylase-Gen-Dosis
zu messen. Aufgrund der multifaktoriellen Natur der Hyperphenylalaninämie ist
die Phenylalanin-Oxidationsgeschwindikeit im ganzen Körper nicht
ein einfaches Äquivalent
der Phenylalaninhydroxylase-Aktivität. Der Rückgang des Phenylalaningehalts
im Blut wurde von einer Verbesserung der in vivo Phenylalanin-Oxidationsfähigkeit
bei allen Patienten begleitet, die auf Tetrahydrobiopterin ansprechen.
Alles in allem stimmen diese Beobachtungen mit der Hypothese überein,
daß die
Fehlfaltung des Enzyms und die gestörte Phenylalanin-Hydroxylase
Aktivität
durch Tetrahydrobiopterin verbessert werden kann. Das Ausmaß der Verbesserung
im Phenylalaninabbau entsprach nicht immer der Verbesserung der
Phenylalaninoxidation, ein nicht unerwartetes Ergebnis für einen
genetisch bestimmten Enzymmangel im allgemeinen und für einen
Mangel an Phenylalanin-Hydroxylase im speziellen. Wir beobachteten
langsame und schnelle Reaktionen, ebenso wie Unterschiede im Zeitverlauf und
im relativen Ausmaß der 1
3CO2-Bildung,
was darauf hindeutet, daß Tetrahydrobiopterin
seine Wirkung durch verschiedene Wirkungsweisen und – in Abhängigkeit
vom Ausmaß der
Proteinfehlfaltung – mit
unterschiedlicher Effizienz entfaltet. Neben dem Vorschlag, daß eine hoch
dosierte Tetrahydrobiopterin-Behandlung eine verringerte Affinität der defekten
Phenylalanin-Hydroxylase gegenüber
Tetrahydrobiopterin kompensieren könnte, müssen zusätzliche Wirkungsweisen in Betracht
gezogen werden.
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Eine Behandlung mit Tetrahydrobiopterin
könnte
zusätzlich
die Phenylalanin-Hydroxylase-Genexpression hochregulieren, Phenylalanin-Hydroxylase mRNA
stabilisieren, die funktionale Phenylalanin-Hydroxylase-Tetramerbildung erleichtern
oder ein falsch gefaltetes Enzymprotein vor einem proteolytischen
Verdau schützen.
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Vorhersagen über den Phänotyp anhand des Genotyps können bei
komplexen, durch genetisch multifaktoriell bedingten Erkrankungen,
wie bei Hyperphenylalaninämie,
schwierig sein. In der Gruppe der Patienten, die auf Tetrahydrobiopterin
ansprachen, identifizierten wir überwiegend "milde" Genotypen, wohingegen die
Genötypen
der Patienten, die nicht ansprachen, überwiegend "schwer" waren. Die experimentellen Hinweise
auf den Zusammenhang verschiedener Mutationen mit dem Ansprechen
auf Tetrahydrobiopterin sind unterschiedlich konsistent und Voraussagen
anhand des Genotyps sind deshalb vor allem bei Vorliegen doppelter
Heterozygotie schwierig. Es ist bekannt, daß die Y414C Mutation bei mehr
als einem klinischen Phänotyp auftritt.
Wir identifizierten diese Mutation in einem funktionell hemizygoten
Stadium bei zwei Patienten mit identischen Genotypen aber abweichenden
Reaktionen auf Tetrahydrobiopterin. Diese Beobachtung könnte dadurch
erklärt
werden, daß sich
die Einflüsse
multipler modifizierender Genorte bei Hyperphenylalaninanämie unterschiedlich
auswirken. Im homozygoten Zustand, der auf eine homopolymere Tetramerbildung
schließen läßt, wurde
festgestellt, daß die
Y414C sowie die L48S Mutationen ein Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin
bedingen. Im funktionell hemizygoten Zustand entdeckten wir diese
Mutationen jedoch bei Einzelpersonen mit klassischer Phenylketonurie,
die nicht auf Tetrahydrobiopterin reagierten. Unter diesen Umständen könnte die Heteropolymerisation
die Bildung von funktionellen Tetrameren behindern.
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Unsere Daten bestätigen die Annahme, daß die meisten
Missense-Mutationen
im Zusammenhang mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin in der
katalytischen Domäne
des Proteins liegen, jedoch nicht in Reste des aktiven Zentrums
betreffen und auch nicht direkt an der Cofaktorbindung beteiligt
sind. Diese Mutationen können
bei einem Monomer Auswirkungen auf die Interaktionen zwischen den
Domänen
haben oder Reste auf den Berührungsflächen der
Dimere oder Tetramere beinflussen und damit zu Fehlfaltung der Proteine und
reduzierter Enzymaktivität
führen.
Tetrahydrobiopterin dient so als ein chemisches Chaperonund verhindert
dies.
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Früher wurden in vitro Expressionsanalysen
angewendet um den funktionellen Einfluß der Phenyfalanin-Hydroxylase-Genmutationen
in vivo vorherzusagen. Eine Überschätzung der
Phenylalanin-Hydroxylase-Aktivitäten in vitro
im Vergleich zu jenen in vivo konnte dabei beobachtet werden. Dies
könnte
durch die Tatsache erklärt
werden, daß die
in vitro Expressionsanalyse bisher nahezu ausschließlich in
Gegenwart von hohen Konzentrationen natürlicher oder synthetischer
Cofaktoren ausgeführt
wurde, was Genotyp-Phänotyp-Korrelation
erschwerte. Überarbeitete
experimentelle Protokolle, sollten eine Reihe unterschiedlicher
Tetrahydrobiopterin-Konzentrationen beinhalten, um den intrinsischen
Schweregrad der Mutationen beurteilen zu können.
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Da man aus den prätherapeutischen Plasmaphenylalninkonzentraionen
nicht darauf schließen
kann, ob und wie auf Tetrahydrobiopterin angesprochen wird, ist
eine neue klinische Klassifizierung ratsam: (1) Hyperphenylalaninämie, bei
der nicht auf Tetrahydrobiopterin angesprochen wird, (2) Hyperphenylalaninämie, bei der
auf Tetrahydrobiopterin angesprochen wird, beinhaltend (a) einen
auf Tetrahydrobiopterin reagierenden Mangel an Phenylalanin-Hydroxylase
und (b) Störungen
im Tetrahydrobiopterin-Biosynthese-Weg. Ein Phenylalanin-Tetrahydrobiopterin
Belastungstest mit einer ausgedehnten Beobachtungsphase (≥15 Stunden)
kann zuverlässig
zwischen Patienten, die ansprechen und Patienten, die nicht ansprechen
unterscheiden und sollte bei allen Personen, die an einer Hyperphenylalaninämie leiden,
durchgeführt
werden um eine sichere Identifizierung der Patienten, die von einer
Tetrahydrobiopterin-Behandlung profitieren könnten, sicherzustellen. Unsere
auf einen kurzen Zeitraum angelegte Studie schließt die Möglichkeit
nicht aus, daß leichte
Effekte sogar bei einigen Patienten mit klassischer Phenylketonurie
erst nach einer längeren
Behandlung zutage kommen.
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Unsere Ergebnisse zeigen, daß eine Langzeittherapie
mit Tetrahydrobiopterin zu einer erhöhten Phenylalanintoleranz führt. Eine
Cofaktorbehandlung, anstelle der belastenden Spezialdiät, ist für viele
Patienten geeignet und man kann erwarten, daß die Behandlung mit Tetrahydrobiopterinderivaten
zu einer ansehnlichen Verbesserung der Lebensqualität führt. Insbesonders
sollte der Zusatz dieser Verbindungen zu Nahrungsmitteln die Gestaltung
der ansonsten sehr schwierigen Ernährung erheblich erleichtern.
Eine Tetrahydrobiopterin-Behandlung könnte ebenfalls bei einer mütterlichen
Phenylketonurie hilfreich sein, da die strikte metabolische Einstellung
während
der Schwangerschaft sehr schwierig, aber sehr wichtig ist, um schwerwiegende
negative Auswirkungen beim Neugeborenen zu vermeiden. Wie sicher
oder nebenwirkungsfrei die Einnahme von Tetrahydrobiopterin während der
Schwangerschaft ist, wurde jedoch noch nicht festgestellt. Weltweit
wurden insgesamt mehr als 350 Patienten mit einem Mangel an Tetrahydrobiopterin
mit dem Cofaktor behandelt. Bei einer Beurteilung der Sicherheit
wurden einige dosisabhängige
unerwünschte
Nebenwirkungen wie Schlafstörungen,
Polyurie und dünner
Stuhl beobachtet (BIOPTEN® Approbationszettel, Suntory,
Japan).
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Einige Hindernisse müssen aus
dem Weg geräumt
werden, bis die Behandlung mit Tetrahydrobiopterin zu einer Routinebehandlung
werden kann. Erstens ist Tetrahydrobiopterin in den meisten Ländern noch kein
zugelassenes Medikament. Zweitens ist es immer noch teuer. Drittens
werden noch Studien über
die zu verabreichenden Dosen, sowie klinische Untersuchungen im
Hinblick auf die Bioverfügbarkeit
und die noch unbekannten Langzeitnebenwirkungen von Tetrahydrobiopterin
bei Phenylalanin-Hydroxylase-Mangel benötigt.
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Zusammenfassend kann gesagt werden,
dass wir zeigen, daß pharmakologische
Dosen von Tetrahydrobiopterin bei den meisten Patienten mit Hyperphenylalaninämie eines
weniger schweren Phänotyps über eine
Behebung von Proteinfehlfaltung eine gestörte Phenylalaninoxidation deutlich
verbessern oder ganz normalisieren können. Darüber hinaus kann eine verbesserte
Proteintoleranz und eine Lockerung der diätetischen Maßnahmen
erreicht werden. Diese Erkenntnisse sind für das diagnostische Vorgehen,
die klinische Klassifikation und das therapeutisch Vorgehen von
Bedeutung. In naher Zukunft wird die Cofaktorbehandlung viele Patienten
von ihrer sehr belastenden Einschränkung der Ernährung befreien.
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Figurenlegende
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1
Wirkung
von Tetrahydrobiopterin auf die Phenylalaninkonzentration im Blut.
Phenylalaninkonzentration im Blut (Phe) vor der Phenylalaninbelastung
und vor und nach der Herausforderung durch Tetrahydrobiopterin (BH4). Die Kästchen
stellen das 50%ige Vertrauensintervall dar (25.–75. Percentile); die horizontalen
schwarzen Balken stellen die Mediane dar; die Fehlerbalken zeigen
die Spanne zwischen Minimum und Maximum an. Der Wert P betrifft
die Differenz zwischen dem Phenylalaningehalt im Blut vor und 15
Stunden nach der Verabreichung von Tetrahydrobiopterin.
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2
Wirkung
der Kurzzeitbehandlung mit Tetrahydrobiopterin auf die Phenylalaninoxidation
in vivo. A kumulative 1 3CO2 (180 min.)-Wiederfindung vor und nach der
Behandlung mit Tetrahydrobiopterin (BH4).
Die Kästchen stellen
das 50%ige Vertrauensintervall dar (25.–75. Percentile); die horizontalen
schwarzen Balken stellen die Mediane dar; die Fehlerbalken zeigen
die Spanne zwischen Minimum und Maximum. B-E Fraktionalanalyse der 1
3CO2-Bildung
bei repräsentativen
Patienten mit einer beeinträchtigten
Phenylalaninhydroxylase vor (⎕) und nach (λ) einer Kurzzeitbehandlung
mit Tetrahydrobiopterin.
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3
Beziehung
zwischen der kumulativen 1 3CO2 Wiederfindung (180 min.) und der Phenylalaninkonzentration
im Blut vor und nach der Behandlung mit Tetrahydrobiopterin (BH4). Patienten, die auf Tetrahydrobiopterin
nicht ansprechen: O; Patienten, die auf Tetrahydrobiopterin ansprechen: λ; Patienten,
die moderat auf Tetrahydrobiopterin ansprechen: λ.
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4
Wirkung
von Tetrahydrobiopterin auf die periphere Phenylalanin-Clearance
und auf die Oxidationsraten bei einzelnen Hyperphenylalaninämiepatienten.
Die Phenylalaninkonzentration im Blut vor (ausgefüllter Balken) und
15 Stunden nach der Verabreichung von Tetrahydrobiopterin (BH4) (dunkelgrauer Balken). Die durch Tetrahydrobiopterin
bei einzelnen Patienten erhaltenen, positiven Wirkungen werden durch
einen schwarzen Pfeil dargestellt (oberes Feld). Kumulative 1
3CO2 Wiederfindung
(180 min.) vor (hellgrauer Balken) und nach der Verabreichung von
Tetrahydrobiopterin (ausgefüllter
Balken). Die durch Tetrahydrobiopterin verursachte Verbesserung
bei einzelnen Patienten wird durch einen schwarzen Pfeil (unteres
Feld) dargestellt. Die normale Spanne (n. r.) für die in vivo Phenylalaninoxidation,
die durch eine gesunde Kontrollgruppe im Alter von 2 Tagen bis 13
Jahren festgesetzt wurde, wird angegeben (8.3 ± 2.8%; Durchschnitt ± SD, n=12).
Unregelmäßigkeiten bei
der Wirkung von Tetrahydrobiopterin: deutlicher Rückgang der
Phenylalaninkonzentration im Blut, jedoch geringe Erhöhung der
Phenylalaninoxidation bei einem Patient (λ) und geringe Wirkung auf die
Phenylalaninkonzentration im Blut sowie eine große Erhöhung der Phenylalaninoxidation
bei einem anderen Patienten (H). Leichtes Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin
entspricht nicht dem Kriterium des Ansprechens auf Tetrahydrobiopterin
bei einem Patienten mit klassischer Phenylketonurie (ν).
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5
Strukturelle
Lokalisierung von Phenylalanin-Hydroxylase Missense-Mutationen. Das Phenylalanin-Hydroxylase-Monomer,
dargestellt in Form eines Bandes, setzt sich aus drei funktionellen
Domänen
zusammen: die regulatorische Domäne
(Reste 1–142),
die katalytische Domäne
(Reste 143–410),
und die Tetramerisierungsdomäne
(Reste 411–452).
Das Eisen am aktiven Zentrum (brauner Bereich, teilweise verdeckt)
und das Cofaktor-Analog
7,8-Dihydro-Tetrahydrobiopterin Stabmodell (stick model) befinden
sich auf der katalytischen Domäne.
Mutationen, die höchstwahrscheinlich
mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin in Verbindung stehen,
sind türkisfarben
dargestellt. Mutationen, die möglicherweise
mit dem Ansprechen auf Tetrahydrobiopterin in Verbindung stehen,
sind grün
dargestellt. Mutationen, die uneinheitlich mit dem Ansprechen auf
Tetrahydrobiopterin in Verbindung stehen, sind purpurrot dargestellt.