-
Die vorliegende Erfindung betrifft
Antagonisten von CGRP und Amylin, Antagonisten des CGRP-Rezeptors,
CGRP bindende und Amylin bindende Nukleinsäuren, die Verwendung solcher
Nukleinsäuren
als Antagonisten von CGRP und/oder des CGRP-Rezeptorsystems bzw.
von Amylin, die Verwendung einer der genannten Nukleinsäuren für die Herstellung
eines Medikamentes, eine Zusammensetzung, insbesondere pharmazeutische
Zusammensetzung, umfassend besagte Nukleinsäure(n), einen Komplex umfassend
CGRP bzw. Amylin und eine der besagten Nukleinsäuren, die Verwendung der besagten
Nukleinsäuren
zum Nachweis von CGRP bzw. Amylin sowie ein Verfahren zum Screenen
von CGRP-Antagonisten und Amylin-Antagonisten und einen Kit für den Nachweis
von CGRP bzw. Amylin.
-
Schon Hippokrates beschrieb die visuellen
Symptome von Migräne,
und auch der ägyptischen
Medizin waren diese Kopfschmerzen, wie Papyrusfunde bezeugen, nicht
unbekannt. Während
des 17. Jahrhunderts wurde erkannt, daß die Gefäße des Körpers eine bedeutende Rolle
beim Migränekopfschmerz
spielen. Es war schon damals bekannt, daß Migräne, neben der Schwere der Attacken,
benigne und erblich ist, und von den Jahreszeiten, vom Luftdruck
und vom Verzehr bestimmter Nahrungsmittel abhängt (Willis, T., Cerebri anatome, Martin
Allestry, London, 1664). Nach Willis (Willis, T., Cerebri anatome,
Martin Allestry, London, 1664) wird Kopfschmerz durch einen sich
langsam entwickelnden Vasospasmus, der in der Peripherie des Gefäßsystems beginnt,
ausgelöst.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Migräne-Pathophysiologie tauchte im 19. Jahrhundert auf.
Liveing (Liveing, E., Churchill, London, 1873, 1–512) ordnete Migräne einer
Dysfunktion des Gehirns zu, die durch "nerve Storms" innerhalb des Gehirns entsteht. Er
glaubte, daß eine
Beziehung zwischen Migräne und
Epilepsie bestehe, da beide durch Entladungen des Zentralen Nervensystems
bedingt sind. Die Studien von Ray und Wolff (Ray, B.S. et al., 1940,
Arch. Surg., 41, 813–856)
demonstrieren, daß nur
die großen
cerebralen Arterien der Schädelbasis
und die meningealen (duralen) Arterien und Venen sensitiv für schädliche Stimuli
sind. Das lenkte das Interesse zu den intercranialen Gefäßwänden als
putative Schmerzquelle bei Kopfschmerzen.
-
Nach der IHS-Klassifikation von 1998
gibt es hauptsächlich
zwei Gruppen von Migräne:
Migräne
mit und Migräne
ohne Aura. Die frühere
Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Migräne wurde
aufgegeben.
-
Migräne wird heute verstanden als
eine neurovaskuläre
Funktionsstörung,
von der etwa 10 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen sind. Charakterisiert
ist diese Erkrankung durch Attacken intensiver wiederkehrender Kopfschmerzen
(Doods, H., 2001, Current opinion in investigational Drugs 2(9),
1261–1268), Übelkeit
und übertriebene
Sensitivität
gegenüber
externen Stimuli wie Licht und Geräuschen. Die oftmals halbseitigen
Kopfschmerzen (Hemikranie) sind pulsierend und pochend und treten
in der Regel einseitig auf. Häufig wechselt
die Seite der Kopfschmerzen von einem Migräneanfall zum anderen oder sogar
während
einer Attacke. Die Attacke wird oft von weiteren Symptomen begleitet.
Die Betroffenen klagen über
Appetitlosigkeit, Übelkeit
und Erbrechen. Sie sind besonders licht- und lärmempfindlich und reagieren
extrem sensibel auf Gerüche
und zeigen Nerven- und Sehstörungen.
Zwischen den Migräneattacken
verschwinden die Kopfschmerzen. Vor und nach den Attacken können sich
Stimmung und Appetit, der Flüssigkeitshaushalt
und die Darmfunktion verändern.
-
Die Pathophysiologie der Migräne steht
immer noch unter Diskussion. Die vorherrschende derzeitige Meinung
ist, daß Migräne eine
neurovaskuläre
Erkrankung ist, deren Auslösemechanismus
möglicherweise
im ZNS lokalisiert ist. Diese Auslösung führt letztendlich zur Vasodilatation
mit einer nachfolgenden Aktivierung trigeminaler afferenter senorischer
Neurone und zentraler 'nociceptiver' Neurone in höheren Schmerzzentren (Hargreaves,
R.J. et al., 1999, Can. J. Neurol. Sci. 26, 512–519). Es gibt einige Belege
und Hinweise, die die Beteiligung von CGRP bei Migräne bestätigen. CGRP
ist abundant in trigeminalen sensorischen Nerven und einer der potentesten
bekannten Vasodilatatoren. Des weiteren ist der CGRP 1 Rezeptor
auf endothelialen Zellen der meningealen Arterien exprimiert. Es
wird angenommen, daß CGRP
eine Schlüsselrolle
als Mediator der meningealen Vasodilatation einnimmt. Neben diesen
physiologischen Betrachtungen gibt es einige Tierstudien, die eine
Beteiligung des CGRP1-Rezeptors in der Migräne stützen. Die Stimulation des trigeminalen Ganglions
in anästhesierten
Ratten führt
zur meningealen Vasodilatation, welche durch den aCGRP-Antagonisten
CGRP8-37 inhibiert werden kann (Kurosawa, M. et al., 1995, Br. J.
Pharmacol. 114, 1397–1402).
Dieses Experiment impliziert einen erhöhten CGRP-Level nach trigeminaler
Stimulation, was bereits 1993 von Goadsby und Edvinsson beschrieben
wurde (Goadsby, P. et al., 1993, Ann. Neurol., 33, 48–56).
-
Die Analyse von CGRP-Plasmakonzentrationen
in humanen Probanden ergab, daß die
Konzentration von CGRP im Plasma ein wichtiger Parameter in der
Migränediagnostik
ist. Es wurden erhöhte
Plasmakonzentrationen in Patienten mit akuter Migräne, in Patienten
mit Cluster-Kopfschmerz (engt. cluster Keadache) und in Menschen
nach trigeminaler Stimulation (Edvinsson, L. et al., 1994, Cephalalgia
14, 320–327)
gefunden. In Übereinstimmung
mit den gerade beschriebenen Tierstudien können die erhöhten CGRP-Konzentrationen,
die in Migränepatienten
beschrieben werden, durch Sumatriptan oder Dihydroergotamin reduziert
werden (Goadsby, P. et al., .1993, Ann. Neurol. 33, 48–56).
-
Im Rahmen der Therapie von Migräne, insbesondere
akuter Migräne
und vor Ausbildung des Vollbilds des Migräne-Kopfschmerzes, gilt als
Mittel der Wahl immer noch die Einnahme von 1–1,5 g Acetylsalicylsäure (z.
B. Aspirin). Zusätzlich
können
zu Acetylsalicylsäure
noch 1 bis 1,5 g Paracetamol gegeben werden. Alternativen zu Acetylsalicylsäure stellen
NSAIDs, d. h. nicht-Steroidale anti-inflammatorische Wirkstoffe,
und nicht-steroidale Antirheumatika, wie z. B. Naproxen, Diclofenac
oder Ibuprofen dar.
-
Als besonders wirksam haben sich
bei der Behandlung von Migräne
die sog. Triptane erwiesen, die derzeit die wohl potentesten Therapeutika
zur Akutbehandlung mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken darstellen
(Tepper, S.J. et al., 1999, CNS Drugs 12, 403–417; Doods, H., 2001, Current
opinion in investigational Drugs 2(9), 1261–1268).
-
Aufgrund ihrer hohen Spezifität für 5HT1B/D-Rezeptoren ermöglichen sie auch bei Langzeitanwendung eine
sehr effektive und unter Beachtung der Kontraindikationen insgesamt
auch nebenwirkungsarme, sichere Therapie akuter Migräneattacken.
Betrachtet man die Risiken und sekundären Kosten durch die z. T.
gravierenden Ergotamin-Nebenwirkungen
bzw. insuffizient behandelten Migräneattacken, erscheint der Einsatz
dieser zur Zeit zwar teuersten, aber auch potentesten Migräneakuttherapeutika
in vielen Fällen
gerechtfertigt. Im für
Migräne
so bedeutsamen trigeminovaskulären
System hemmen die Triptane auch die Freisetzung der vasoaktiven
und algogenen Neuropeptide (CGRP, Neurokinine) aus nociceptiven
trigeminalen Nervenendigungen und verhindern dadurch die Initüerung bzw.
Aufrechterhaltung der neurogenen Entzündung perivaskulär, im besonderen der
Dura-Arterien, dem vermutlichen Entstehungsort des Migräne-Kopfschmerzes.
Nach der erfolgreichen Einführung
von Sumatriptan wurden einige neue Triptane entwickelt und am Markt
zugelassen. Diese unterscheiden sich hauptsächlich im Beginn der Wirkung
und der oralen Bioverfügbarkeit.
Obwohl die Triptane wirksam sind und gut toleriert werden, gibt
es Limitationen für
diese Substanzklasse. Das Auftreten von Brustdruck, Enge/Anspannung
und Angst deuten oft auf Angina pectoris in bis zu 15% der Patienten
hin (Doods, H., 2001, Current opinion in investigational Drugs 2(9),
1261–1268;
Brown, E.G. et al. Eur. Neurol., 31, 339–344). Der Gebrauch von Sumatriptan
wird auch mit Myokardinfarkt (Ottervanger, J.P. et al., 1993, Lancet, 341,
861–862)
und Herzstillstand in cardiovaskulären Risikopatienten (Kelly,
K.M., 1995, Neurology, 45, 1211–1213)
in Verbindung gebracht. Außerdem
wurde beobachtet, daß die
Gabe von Sumatriptan, Rizatriptan (Merck & Co. Inc.) und Zolmitriptan (Glaxo
Wellcome plc/AstraZeneca plc) eine geringfügige Blutdruckerhöhung induziert
(De Hoon, J.N.J.M. et al., 2000, Clin. Pharmacol. Ther., 68, 418–426). Die
vasokonstriktorische Wirksamkeit der Triptane auf das Koronarsystem
konnte in vitro und in vivo deutlich gezeigt werden, obwohl es den
Anschein hat, daß die
Triptane selektiv auf cerebrale Gefäße wirken (Doods, H., 2001,
Current opinion in investigational Drugs 2(9), 1261–1268).
-
Eine weitere Gruppe von grundsätzlich zu
verwendenden Wirkstoffen sind die Ergotamine.
-
Die Freisetzung von CGRP bei primären Kopfschmerzen,
die Pharmakologie des trigeminovaskularen Systems, das Konzept der
neurogenen Entzündung
(Moskowitz, M.A. et al., 1993, Brain Metab. Rev. 5, 159–177) und
die Antwort auf Triptane (Humphrey, P.P.A. et al., 1991, Trends
Pharmacol. Sci., 12, 444–446) sind
Schlüsselelemente
in der Pathologie der Migräne
(Edvinsson, L., 2001, Pharmacology & Toxicology 89, 65–73). Entsprechend
hat sich die neueste pharmakologische Forschung auf dieses Neuropeptid
konzentriert.
-
Das 37 Aminosäuren lange Neuropeptid αCGRP, calcitonin
gene-related peptide, wurde 1982 als extrem potenter Vasodilator
identifiziert (Amara et al., 1982, Nature 298, 240–244). CGRP
entsteht durch alternatives splicing des CGRP-Gens. Neben dem αCGRP gibt
es ein zweites CGRP, βCGRP,
das eine hohe Sequenzhomologie zum erst genannten aufweist, jedoch
von einem anderen Gen transkribiert wird. Beide Peptide zeigen ähnliche
biologische Effekte wie Vasodilatation, erhöhter Blutdruck, Hypotonie und
Tachycardie. αCGRP
und Calcitonin entstehen durch alternatives Splicing des Calcitonin-Genes
(Amara, G.S. et al., 1982, Nature 298, 240–244). Die Struktur für hCGRP
wurde zum Teil durch 1H-NMR bestimmt. Das
Peptid besteht aus einer definierten N-terminalen Schleife, die
aus den Aminosäuren
2 bis 7 durch Verknüpfung
von zwei Cysteinen über
eine Disulfidbrücke
gebildet wird, an der sich etwa drei Windungen einer α-Helix anschließen. Richtung
C-Terminus schließt sich
ein schlecht definierter Knick an, der wiederum in eine instabile
Struktur am C-Terminus selbst mündet
(Breeze, A.L. et al., 1991, Biochemistry, 30, 575–582). Des
weiteren liegt das C-terminale Phenylalanin in amidierter Form vor.
-
Ergotaminpräparate sind klassische Pharmaka
zur Kupierung eines Migräneanfalls,
die wegen der möglichen
Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch sind. Die Gefahr
einer Gewöhnung
und Auslösung
eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerzes steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit.
Aus diesem Grunde sollten pro Woche nicht mehr als 6 mg Ergotamintartrat
und pro Migräneattacke
nicht mehr als 4 mg eingenommen werden. Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten
(z. B. Ergotamintartrat mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein,
Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf dieser Therapiestufe
kann auch 1–1,5
mg Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. oder ganz langsam
i.v. versucht werden. Besonders bei ausgeprägten vegetativen Migräne-Begleiterscheinungen hat
sich die zusätzliche
Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (Rohypnol®, ein Schlafmittel) sehr
bewährt.
Vor allem auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal
die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis haben,
sich hinzulegen. Werden die Migränekopfschmerzen
von Übelkeit
und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten
dieser Symptome), ist die Verabreichung von Metoclopramid (Paspertin®)
sehr wirksam. Es ist vorteilhaft, diese Substanz vor einem Analgetikum
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit
die Resorption weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann
auch der Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) verwendet
werden.
-
Im Stand der Technik sind eine Reihe
von CGRP-Antagonisten sowie davon abgeleitete Derivaten bekannt.
So ist beispielsweise ein Quinine-Analogon als CGRP-Antagonist in
der internationalen Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer WO 97/09046
beschrieben. Diese Verbindungen zeigen jedoch nur eine schwache
Affinität
für den
humanen CGRP-Rezeptor im mikromolaren Bereich und sind deshalb nicht
von großer
Wichtigkeit.
-
Ein erster potenter nicht-peptidischer
CGRP-Rezeptorantagonist ist die Verbindung BIBN-4096BS, wie beschrieben in
DE 19911039 . Diese Substanz ist ein
Lys-Tyr-Dipeptidderivat und weist eine hohe Affinität für den humanen
CGRP1-Rezeptor auf (K
i = 14,4 pM). In Untersuchungen
an cerebralen Gefäßen konnte BIBN-4096BS
die CGRP-vermittelte Vasodilatation umkehren (Doods, H. et al.,
2000, Br. J. Pharmacol., 129, 420–423). Obwohl hohe Dosen von
CGRP cardioprotektiv sind, hatte der α-CGRP-Antagonist BIBN-4096BS keinen
negativen Effekt auf Myokardinfarkte oder die Freisetzung von Creatinphosphatkinase.
-
Basierend auf der Struktur von BIBN-4096BS
wurde ein Cyclopropyl-Derivat entwickelt, bei welchem der Dipeptidkern
durch einen Cyclopropylring ersetzt wurde. Diese Verbindung ist
Gegenstand der internationalen Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer
WO 01/32648. Weitere CGRP-Rezeptor-Antagonisten sind Gegenstand
der internationalen Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer WO 01/32649, die
Naphthalene, Piperidine, Imidazole und Quinazoline als CGRP-Rezeptor-Antagonisten
beschreiben.
-
Weitere Strukturklassen, die Gegenstand
von Untersuchungen sind, sie als CGRP-Rezeptor-Antagonisten einzusetzen, sind 3,4-Dinitrobenzamine,
wie beispielsweise in der internationalen Patentanmeldung mit der
Veröffentlichungsnummer
WO 98/09630 beschrieben, sowie 4-Sulfinylbenzanilide, wie in der
internationalen Patentanmeldung mit der Veröffentlichungsnummer WO 98/56779
beschrieben. Ausführliche
Bindungsanalysen zeigen jedoch, daß diese Substanzen irreversible
Bindungseigenschaften besitzen. Darüber hinaus weisen sie, insbesondere
einige Vertreter der 4-Sulfinylbenzanilide, Einschränkungen
dergestalt auf, daß sie eine
vergleichsweise geringe Löslichkeit
und orale Verfügbarkeit
sowie eine kurze Halbwertszeit von ca. 10 Minuten haben, was eine
intensive in vivo-Charakterisierung
ausschließt.
-
Der vorliegenden Erfindung lag somit
die Aufgabe zugrunde, ein Mittel bereitzustellen, welches zur Behandlung
von Migräne
und den damit im Zusammenhang stehenden Formenkreis weiterer Erkrankungen
geeignet ist. Eine weitere der vorliegenden Erfindung zugrundeliegende
Aufgabe ist die Bereitstellung eines Antagonisten für CGRP sowie
das CGRP-Rezeptorsystem. Des weiteren ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein Verfahren bereitzustellen, mit dem CGRP-Antagonisten, insbesondere
im Rahmen eines Screening-Verfahrens, bereitgestellt werden können. Schließlich ist
es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, weitere Verwendungen
der Antagonisten bereitzustellen.
-
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe in einem
ersten Aspekt gelöst
durch einen Antagonisten von CGRP, wobei der Antagonist eine Nukleinsäure ist
und bevorzugterweise die Nukleinsäure an CGRP bindet.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass das CGRP α-CGRP
ist.
-
In einer alternativen Ausführungsform
ist vorgesehen, dass das CGRP β-CGRP
ist.
-
In einem zweiten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Antagonist von Amylin, wobei der Antagonist eine Nukleinsäure ist
und bevorzugterweise die Nukleinsäure an Amylin bindet.
-
In einem dritten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Antagonist des CGRP-Rezeptors, wobei der Antagonist eine Nukleinsäure ist
und wobei bevorzugterweise die Nukleinsäure an einen Liganden des Rezeptors
bindet und wobei bevorzugtererweise der Ligand CGRP ist.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass der Ligand α-CGRP
ist.
-
In einer alternativen Ausführungsform
ist vorgesehen, dass der Ligand β-CGRP
ist.
-
In einem vierten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Antagonisten des Amylin-Rezeptors, wobei der Antagonist eine
Nukleinsäure
ist und wobei bevorzugterweise die Nukleinsäure an einen Liganden des Rezeptors
bindet und wobei bevorzugtererweise der Ligand Amylin ist.
-
In einer weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der vorliegenden Erfindung ist vorgesehen,
dass die Nukleinsäure
wenigstens ein L-Nukleotid umfasst.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der vorliegenden Erfindung ist vorgesehen,
dass der Antagonist eine L-Nukleinsäure ist.
-
In einem fünften Aspekt wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst durch
eine Nukleinsäure,
die an CGRP bindet.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass das CGRP α-CGRP
ist.
-
In einer alternativen Ausführungsform
ist vorgesehen, dass das CGRP β-CGRP
ist.
-
In einem sechsten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
eine Nukleinsäure,
die an Amylin bindet.
-
In einem siebten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
eine Nukleinsäure
mit einer Sequenz, wobei die Sequenz ausgewählt ist aus der Gruppe umfassend
die Sequenzen gemäß SEQ ID
No. 1 bis SEQ ID No. 247 und SEQ ID No. 250 bis SEQ ID No. 261.
-
In einer Ausführungsform der verschiedenen
Aspekte der Erfindung ist vorgesehen, dass die Nukleinsäure wenigstens
ein L-Nukleotid umfasst.
-
In einer Ausführungsform der verschiedenen
Aspekte der Erfindung ist vorgesehen, dass die Nukleinsäure eine
L-Nukleinsäure
ist.
-
In einer weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der Erfindung ist vorgesehen, dass die Nukleinsäure ausgewählt ist
aus der Gruppe umfassend DNA, RNA und Kombinationen davon.
-
In einer noch weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der Erfindung ist vorgesehen dass der
KD-Wert der Nukleinsäure weniger als 0,5 μM, bevorzugterweise
weniger als 0,1 μM,
bevorzugtererweise weniger als 0,05 μM und am bevorzugtesten weniger
als 0,01 μM
ist.
-
In einer noch weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der vorliegenden Erfindung ist vorgesehen,
dass der KD-Wert der Nukleinsäure mehr
als 100 nM, bevorzugterweise mehr als 10 nM, bevorzugtererweise
mehr als 1 nM und am bevorzugtesten mehr als 0,01 nM ist.
-
In einer Ausführungsform der verschiedenen
Aspekte der Erfindung ist vorgesehen, dass die Nukleinsäure ein
minimales Bindungsmotiv umfasst.
-
In einer weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der Erfindung ist vorgesehen dass die Nukleinsäure eine
Länge aufweist,
wobei die Länge
ausgewählt
ist aus der Gruppe, die Längen
von 15 bis 150 Nukleotiden, 20 bis 100 Nukleotiden, 20 bis 80 Nukleotiden,
20 bis 60 Nukleotiden, 20 bis 50 Nukleotiden und 30 bis 50 Nukleotiden
umfasst, und die Länge
am meisten bevorzugt 25 bis 45 Nukleotide ist.
-
In einer noch weiteren Ausführungsform
der verschiedenen Aspekte der Erfindung ist vorgesehen dass die
Nukleinsäure
eine zwei-, drei- oder mehrteilige Struktur aufweist.
-
In einem achten Aspekt wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung einer der erfindungsgemäßen Nukleinsäure als
ein Antagonist von CGRP und/oder des CGRP-Rezeptorsystems.
-
In einem neunten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung einer Nukleinsäure
gemäß der vorliegenden
Erfindung als ein Antagonist von Amylin und/oder des Amylinrezeptorsystems.
-
In einem zehnten Aspekt wird die
Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung einer der erfindungsgemäßen Nukleinsäure für die Herstellung
eines Medikaments.
-
In einem elften Aspekt wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung eines erfindungsgemäßen Antagonisten für die Herstellung
eines Medikaments.
-
In einer Ausführungsform der Verwendungen
gemäß den beiden
vorstehenden Aspekten ist vorgesehen, dass das Medikament für die Behandlung
und/oder Prävention
einer Erkrankung ist, die aus der Gruppe ausgewählt ist, die Migräne, Cluster-Kopfschmerzen,
Appetitlosigkeit, Übelkeit,
Erbrechen, neurogene Entzündung,
insbesondere neurogene Entzündung,
die mit anderen Neuropeptiden vermittelt wird, Vasodilatation, erhöhter Blutdruck,
Hypotonie, Tachikadie, Erkrankungen, die auf eine Aktivierung trigeminaler
afferenter sensorischer Neurone und zentraler „nociceptiver" Neuronen, insbesondere
höheren
Schmerzzentren, zurückgehen, und
chronisch entzündliche
Schmerzen, umfasst und/oder zur Behandlung von Schmerzen, insbesondere chronische
Schmerzen, akute Schmerzen, entzündliche
Schmerzen, visceraler Schmerzen und neuropathischer Schmerzen.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass die Nukleinsäure
oder der Antagonist an CGRP bindet.
-
In einer Ausführungsform gemäß dem neunten
und zehnten Aspekt der vorliegenden Erfindung ist vorgesehen, dass
das Medikament für
die Behandlung und/oder Prävention
einer Erkrankung ist, die aus der Gruppe ausgewählt ist, die Bluthochdruck
und Diabetes, insbesondere Diabetes mellitus, umfasst.
-
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform
ist vorgesehen, dass die Nukleinsäure oder der Antagonist an
Amylin bindet.
-
In einem zwölften Aspekt wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst durch
eine Zusammensetzung umfassend eine erfindungsgemäße Nukleinsäure und
bevorzugterweise einen pharmazeutisch akzeptablen Träger.
-
In einem dreizehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
eine Zusammensetzung umfassend einen erfindungsgemäßen Antagonisten
und bevorzugterweise einen pharmazeutisch akzeptablen Träger.
-
In einem vierzehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Komplex umfassend CGRP und mindestens eine erfindungsgemäße Nukleinsäure.
-
In einem fünfzehnten Aspekt wird die Aufgabe
erfindungsgemäß gelöst durch
einen Komplex umfassend Amylin und mindestens eine erfindungsgemäße Nukleinsäure.
-
In einem sechszehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung einer erfindungsgemäßen Nukleinsäure zum
Nachweis von CGRP, bevorzugterweise α-CGRP oder β-CGRP und am bevorzugtesten
menschliches α-CGRP
oder β-CGRP.
-
In einem siebzehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
Verfahren zum Screenen von CGRP-Antagonisten umfassend die folgenden
Schritte:
- – Bereitstellen
eines Kandidaten-CGRP-Antagonisten,
- – Bereitstellen
einer erfindungsgemäßen Nukleinsäuren,
- – Vorsehen
eines Testsystems, welches ein Signal in Gegenwart eines CGRP-Antagonisten ergibt,
und
- – Bestimmen,
ob der Kandidaten-CGRP -Antagonist ein CGRP-Antagonist ist.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass das CGRP α-CGRP
und/oder β-CGRP
ist, bevorzugtererweise menschliches α-CGRP und/oder β-CGRP.
-
In einem achtzehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
Verfahren zum Screenen von CGRP-Agonisten umfassend die folgenden
Schritte:
- – Bereitstellen
von CGRP, bevorzugt immobilisiertem CGRP,
- – Bereitstellen
einer erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, bevorzugterweise
einer markierten erfindungsgemäßen Nukleinsäure,
- – Zugabe
eines Kandidaten-CGRP-Agoniiten, und
- – Bestimmen,
ob der Kandidaten-CGRP -Agonist ein CGRP-Agonist ist.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass das Bestimmen dadurch erfolgt, dass festgestellt wird, ob die
Nukleinsäure
durch den Kandidaten-CGRP-Agonisten verdrängt wird.
-
In einem neunzehnten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Kit für
den Nachweis von CGRP, bevorzugterweise α-CGRP oder β-CGRP, umfassend mindestens
eine erfindungsgemäße Nukleinsäure.
-
In einem zwanzigsten Aspekt wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
die Verwendung einer Nukleinsäure
gemäß der vorliegenden
Erfindung zum Nachweis von Amylin und/oder amyloiden Polypeptiden und/oder
amyloiden Plaques.
-
In einem einundzwanzigstem Aspekt
wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
ein Verfahren zum Screenen von Amylin-Antagonisten umfassend die
folgenden Schritte:
- – Bereitstellen eines Kandidaten-Amylin-Antagonisten,
- – Bereitstellen
einer Nukleinsäuren
gemäß der vorliegenden
Erfindung,
- – Vorsehen
eines Testsystems, welches ein Signal in Gegenwart eines Amylin-Antagonisten ergibt,
und
- – Bestimmen,
ob der Kandidaten-Amylin -Antagonist ein Amylin-Antagonist ist.
-
In einem zweiundzwanzigsten Aspekt
wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
ein Verfahren zum Screenen von Amylin-Agonisten umfassend die folgenden
Schritte:
- – Bereitstellen
von Amylin,
- – Bereitstellen
einer Nukleinsäure
gemäß der vorliegenden
Erfindung, bevorzugterweise einer markierten Nukleinsäure gemäß der vorliegenden
Erfindung,
- – Zugabe
eines Kandidaten-Amylin-Agonisten, und
- – Bestimmen,
ob der Kandidaten-Amylin-Agonist ein Amylin-Agonist ist.
-
In einer Ausführungsform ist vorgesehen,
dass das Bestimmen dadurch erfolgt, dass festgestellt wird, ob die
Nukleinsäure
durch den Kandidaten-Amylin-Agonisten verdrängt wird.
-
In einem dreiundzwanzigsten Aspekt
wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
einen Kit für
den Nachweis von Amylin, umfassend eine Nukleinsäure gemäß der vorliegenden Erfindung.
-
Der vorliegenden Erfindung liegt
die überraschende
Erkenntnis zugrunde, dass es möglich
ist, spezifisch an CGRP bindende Nukleinsäuren zu erzeugen. Nachdem umfangreiche
Belege dafür
vorliegen, dass CGRP im Schmerzgeschehen und an der Ausbildung von
Migräne
in ihren verschiedenen Ausbildungsformen beteiligt ist, ergibt sich
somit, dass derartige Nukleinsäuren
als Antagonisten für
CGRP bzw. das CGRP-Rezeptorsystem verwendet werden können und
insoweit auch als pharmazeutische Wirkstoffe bei der Behandlung
von Erkrankungen des Formenkreises der Migräne. Dabei ist besonders bemerkenswert,
dass es sich bei CGRP um ein vergleichsweise kleines Peptid handelt,
gegen welches bindende Nukleinsäuren
nur schwer erzeugt werden können.
Die Aminosäuresequenz
von humanem αCGRP
und βCGRP
unterscheiden sich in drei Aminosäuren, die Aminosäuresequenz
von αCGRP
und βCGRP
und der Ratte unterscheiden sich in einer Aminosäure. Die verschiedenen Sequenzen
sind beschrieben in Hakala und Vihinen (Hakala J.M.L. und Vihinen
M., 1994, Protein Engineering 7 (9), 1069–1075. (Accession numbers:
human αCGRP
P06881, human βCGRP
P10092, rat aCGRP P01256, rat ßCGRP
P10093.
-
Diese Anwendung stützt sich
dabei im wesentlichen auf die Beobachtung, daß CGRP in neuralem Gewebe und
insbesondere in somatischen Sinneszellen reichlich vorhanden ist
und häufig
mit anderen Neuropeptiden, wie beispielsweise Substanz P co-exprimiert
wird, und die weiteren im folgenden geschilderten Ergebnisse der
Schmerz- und Migräneforschung.
-
Immunocytochemische Studien zeigen,
daß Substanz
P fast immer mit CGRP in kleinen DRG-Neuronen (dorsal root ganglion)
assoziiert ist, wohingegen CGRP auch ohne Substanz P beobachtet
wird (Wiesenfeld-Hallin, Z. et al., 1984, Neurosci. Lett. 52, 199–203). Die
Freisetzung von CGRP in der Peripherie führt zu einer Vasodilatation
und zusammen mit anderen Neuropeptiden, wie Substanz P, zur neurogenen
Entzündung. CGRP
wird auch im Dorsalhorn des Rückenmarks
als Antwort auf schädliche
Stimulationen in der Peripherie freigesetzt und stellt somit einen
Applikations- und Untersuchungsort zur Anwendung der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, Antagonisten
und Mittel dar.
-
Der CGRP1 Antagonist CGRP8-37 wurde
in unterschiedlichen Schmerzmodellen getestet. Um endogenes CGRP
zu antagonisieren, wurde ein anti-CGRP-Antiserum in verschiedenen
Schmerzmodellen nach intrathekaler Gabe getestet. Die Erzeugung
von aCGRP-defizienten Mäusen
und Verhaltensexperimente dazu schließen das Bild. Der anti-nociceptive
Effekt von CGRP8-37 konnte in verschiedenen Schmerzmodellen wie Phenylquinone-induziertes
(PQ Writhing (Saxen, M.A. et al., 1994, Life Sciences 55, 1665–1674),
Essigsäure-induziertes
Writhing (Friese, N. et al., 1997, Regulatory Peptides 70, 1–7), viszeraler
Schmerz (colorectales Distensions-Modell, Plourde, V. et al., 1997,
Am. J. Physiol, 36, G191–G196),
Brandschmerz (Hitzeinduzierte Hyperalgesie, Lofgren, 0. et al.,
1997, Neuropeptides 31, 601–607),
und neuropathischen Schmerz (spinale Hemisektion, Bennett, A.D.
et al., 2000, Pain 86, 163–175).
Im Maus tail-flick, einem Modell für den Akutschmerz, konnte kein
Effekt beobachtet werden.
-
Um den Effekt des spinal freigesetzten
CGRP's zu blockieren
wurde ein Antiserum in verschiedenen Modellen für chronischen Schmerz getestet.
In chronisch-entzündlichen
Schmerzmodellen wie beispielsweise Adjuvant-induzierter Arthritis
(Kuraishi, Y. et al., 1988, Neurosci. Lett. 92, 325–329) oder
Carrageenin-induzierter Hyperalgesie (Kawamura, M. et al., 1989,
Brain Res. 497, 199–203)
zeigte das anti-CGRP-Antiserum anti-nociceptive Wirkung. Dieses
Antiserum kann auch in Ratten eine wiederholte Stress-induzierte
Hyperalgesie verhindern (Satoh, M. et al., 1992, Pain 49, 273–278).
-
Die anti-nociceptiven Effekte, die
sowohl mit dem trunkierten Peptid CGRP8-37 und als auch mit dem Antiserum
beobachtet werden, passen gut mit der in aCGRP-defizienten Knockout-Mäusen beobachteten Hyperalgesie
zusammen (Salmon, A.-M. et al., 1999, Neuroreport 10, 849–954). CGRP–/– Mäuse zeigen
im Vergleich zu den CGRP+/+-Mäusen reduzierte
Hyperalgesie bei chronisch entzündlichem
Schmerz der durch Formalin- oder Capsaicin-Injektionen in die Hinterpfote ausgelöst wurde
(Salmon, A.-M. et al., 2001, Nature 56, 357-358). Eine zweite aCGRP-defiziente Maus
wurde erzeugt, um die Rolle des Calcitonins zu untersuchen. Die
CGRP–/–-Mäuse werden
normal geboren, sind fertil und leben ein normales Leben. Diese
Mäuse entwickeln
in einem chronischen Arthritis-Modell (Kaolin-Carragenin-Mix wurde ins Kniegelenk
injiziert) im Vergleich zum Wildtyp, keine sekundäre Hyperalgesie
(Zhang, L. et al., 2001, Pain 89, 265–273).
-
Infolge dieser Ergebnisse können α-CGRP-Antagonisten
wie die hierin offenbarte CGRP-Antagonisten
bzw. die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren auch
effektiv für
die Behandlung von chronisch entzündlichem und viszeralem Schmerz
eingesetzt werden.
-
Wie hierin verwendet bezeichnet der
Begriff des CGRP-Rezeptors grundsätzlich einen jeden CGRP-Rezeptor.
Bevorzugte CGRP-Rezeptoren sind dabei die sogenannten CGRP1-Rezeptoren und CGRP2-Rezeptoren,
an den die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren binden
bzw. für
die die hierin offenbarten Nukleinsäuren Antagonisten darstellen.
Dabei ist der Rezeptor CGRP1 ein solcher für alpha-CGRP und CGRP2 ein
solcher für
beta-CGRP.
-
Eine weitere der vorliegenden Erfindung
zugrundeliegende Erkenntnis ist die, dass auch Antagonisten auf
der Grundlage von Nukleinsäuren
gegen Amylin hergestellt werden können, bzw. die an CGRP bindenden Nukleinsäuren, die
eine antagonistische Wirkung zu CGRP bzw. zu dem CGRP-Rezeptor aufweisen,
mit Amylin wechselwirken und insoweit eine antagonistische Aktivität aufweisen.
-
Amylin ist ein 37 Aminosäuren langes
Peptidhormon. Es wird sowohl in diabetischen als auch in gesunden
Individuen zusammen mit Insulin aus den β-Zellen der Langerhansschen
Inseln sekretiert. Amylin wurde erst im Jahre 1987 entdeckt und
gilt zur Zeit als drittes aktives Hormon der Bauchspeicheldrüse, welches zur
Kontrolle des Blutzuckerspiegels beiträgt. Amylin verhindert eine
zu schnelle Entleerung des Magens und verlangsamt auf diese Weise
die Glukose-Aufnahme nach den Mahlzeiten. Darüber hinaus konnte gezeigt werden,
dass Amylin sowohl die Glucagon- als auch die Somatostatinsekretion
hemmt. Amylin bindet ebenso wie andere Mitglieder der Calcitionin-ähnlichen
Peptide an einen G Protein gekoppelten Rezeptor. Ebenso wie die
anderen Mitglieder der G Protein gekoppelten Receptoren, die Calcitionin-ähnlichen
Peptide binden, ist der Amylinrezeptor aus verschiedenen Untereinheiten
aufgebaut, die neben dem Calcitonin Rezeptor Genprodukt (CTR) entweder
das Protein RAMP1 (receptor activity modifying protein 1) oder das
Protein RAMP3 (receptor activity modifying protein 3) enthält. Beide
Isoformen bilden den Amylinrezeptor; es gibt aber auch Berichte, daß auch RAMP
2 am Aufbau des Rezeptors beteiligt sein kann (G. Christopoulos
et al. Mol Pharmacol. 1999 Jul; 56(1): 235–42 und N. Tilakaratne J Pharmacol
Exp Ther 2000 Jul; 294(1): 61–72)
-
Es ruft außerdem, offensichtlich durch
eine Interaktion mit dem zentralen Nervensystem, ein Gefühl der Sattheit
und des Durstes hervor. Bindungsstellen für Amylin wurden in der Nierenrinde
(insbesondere im Bereich des juxtaglomerulären Apparates) gefunden (Hayden,
M. R. (2002). "Islet
amyloid, metabolic Syndrome, and the natural progressive history
of type 2 diabetes mellitus." Jop
3(5): 126–38).
Eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, welches
unter anderem den Blutdruck und die Ausscheidung von Natrium reguliert,
wurde ebenfalls beschrieben (Cooper, M. E., P. G. McNally, et al.
(1995). "Amylin
stimulates plasma renin concentration in humans." Hypertension 26(3): 460–4). Gerade
in Patienten, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, wurde eine
erhöhte
Sensitivität
gegenüber
den Komponenten des systemischen Renin-Angiotensin-Systems festgestellt
(Carlsson, P. 0. (2001). "The
renin-angiotensin System in the endocrine pancreas." Jop 2(1): 26–32 2001).
-
In Patienten mit Typ 2-Diabetes mellitus, übergewichtigen
Patienten mit Insulinresistenz und in Patienten mit eingeschränkter Glukose-Toleranz
sind die Amylin-Spiegel im Blut erhöht.
-
Eine erhöhte Amylinproduktion, die stets
eine Begleiterscheinung einer erhöhten Insulinproduktion darstellt,
führt häufig zur
Bildung von amyloiden Plaques in der Bauchspeicheldrüse. Diese
Plaques breiten sich ausgehend von den β-Zellen enthaltenen Langerhansschen
Inseln über
die gesamte Bauchspeicheldrüse aus,
wie in transgenen Mäusen
gezeigt werden konnte, die menschliches Amylin exprimieren und typische amyloide
Ablagerungen bilden (Wang, F., R. L. Hull, et al. (2001). "Islet amyloid develops
diffusely throughout the pancreas before becoming severe and replacing
endocrine cells." Diabetes
50(11): 2514–20).
Es ist vielfach in der Literatur beschrieben, dass die amyloiden
Plaques vor allem die β-Zellen
der Pankreas absterben lassen oder zummindest in ihrer Funktion
als Insulinproduzent beeinträchtigen
(Jaikaran, E. T. and A. Clark (2001). "Islet amyloid and type 2 diabetes: from
molecular misfolding to islet pathophysiology." Biochim Biophys Acta 1537(3): 179–203). Daraus
ergibt sich für
Jaikaran und Clark (2001) (Jaikaran, E. T. and A. Clark (2001). "Islet amyloid and
type 2 diabetes: from molecular misfolding to islet pathophysiology." Biochim Biophys
Acta 1537(3): 179–203)
die Schlussfolgerung, dass die Plaque-Bildung ein Vorgang ist, den
es durch neue therapeutische Interventionen zu stoppen gilt (Jaikaran,
E. T. and A. Clark (2001). "Islet
amyloid and type 2 diabetes: from molecular misfolding to islet
pathophysiology." Biochim
Biophys Acta 1537(3): 179–203).
Endgültig
geklärt
ist allerdings noch nicht, ob die Ablagerungen des für β-Zellen toxischen
amyloiden Polypeptides nur ein gleichzeitig auftretendes Phänomen, eine
Verstärkung
oder gar einen Auslöser
für den
Verlauf von Typ2 Diabetes mellitus darstellt. Klar ist, dass die
amyloiden Plaques in über
70 % der Patienten beobachtet werden (Hayden, M. R. (2002). "Islet amyloid, metabolic
syndrome, and the natural progressive history of type 2 diabetes
mellitus." Jop 3(5):
126-38). Andere Quellen sprechen von über 90 % (Scrocchi, L. A.,
Y. Chen, et al. (2002). "Design
of peptide-based inhibitors of human islet amyloid polypeptide fibrillogenesis." J Mol Biol 318(3):
697–706)
bis über
95 % (Kapurniotu, A., A. Schmauder, et al. (2002). "Structure-based design
and study of non-amyloidogenic, double N-methylated IAPP amyloid
core sequences as inhibitors of IAPP amyloid formation and cytotoxicity." J Mol Bio1315(3):
339–50).
-
Auch Falle von Patienten mit Nierenversagen,
die an Dialyseprogrammen teilnehmen, wurden erhöhte Konzentrationen von amyloiden
Polypeptiden im Blut nachgewiesen (de Koning, E. J., K. A. Fleming,
et al. (1995). "High
prevalence of pancreatic islet amyloid in patients with end-stage
renal failure on dialysis treatment." J Pathol 175(2): 253–8).
-
Auch andere Gruppen haben bereits
versucht die Bildung von Fibrillen aus Amylin zu verhindern. So berichten
Scrocchi et al. und Kapurniotu et al. (2002) von einem peptidischen
Antagonisten der Fibrillenbildung (Scrocchi, L. A., Y. Chen, et
al. (2002). "Design
of peptide-based inhibitors of human islet amyloid polypeptide fibrillogenesis." J Mol Biol 318(3):
697–706)
(Kapurniotu, A., A. Schmauder, et al. (2002). "Structure-based design and study of
non-amyloidogenic, double N- methylated IAPP amyloid core sequences
as inhibitors of IAPP amyloid formation and cytotoxicity." J Mol Biol 315(3):
339–50).
-
Infolge der vorstehend beschriebenen
Beteiligung von Amylin an einer Reihe von biologischen Prozessen
können
sich daraus entsprechende Anwendungen zur Behandlung und/oder Prävention
von Organismen, insbesondere Säugetieren,
und ganz besonders bevorzugt des Menschen, ergeben. Die entsprechenden Erkrankungen
sind insbesondere Bluthochdruck sowie Diabetes, insbesondere Diabetes
mellitus.
-
Wie im Falle der CGRP-Rezeptoren,
hierin auch als CGRP-Rezeptorsystem bezeichnet, sind die Nukleinsäuren bzw.
die Antagonisten von Amylin gemäß der vorliegenden
Erfindung auch solche des Amylinrezeptors, der hierin auch als Amylin-Rezeptorsystem
bezeichnet wird. Bei dem Amylin und/oder dem Amylinrezeptor handelt
es sich bevorzugterweise um Amylin bzw. Amylinrezeptor vom Menschen
oder der Ratte. Amylin-Rezeptoren sind als soches beispielsweise
beschrieben in Christopoulos G, Perry KJ, Morfis M, Tilakaratne N,
Gao Y, Fraser NJ, Main MJ, Foord SM, Sexton PM. Multiple amylin
receptors arise from receptor activity-modifying protein interaction
with the calcitonin receptor gene product. Mol Pharmacol. 1999 Jul;
56(1): 235–42; Tilakaratne
N, Christopoulos G, Zumpe ET, Foord SM, Sexton PM. Amylin receptor
phenotypes derived from human calcitonin receptor/RAMP coexpression
exhibit pharmacological differences dependent on receptor isoform
and host cell environment; Tilakaratne N, Christopoulos G, Zumpe
ET, Foord SM, Sexton PM. J Pharmacol Exp Ther 2000 Jul; 294(1):
61–72.
-
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren bzw.
Antagonisten können
somit zur Inhibierung der physiologischen Wirkung von Amylin verwendet
werden, insbesondere der Inhibierung der amyloidabhängigen Stimulierung
des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems oder der Wirkung auf das
zentrale Nervensystem. Weiterhin können derartige Nukleinsäuren bzw.
Antagonisten zur Vermeidung von amyloiden Plaques, beispielsweise
in der Bauchspeicheldrüse,
eingesetzt werden. Es ist auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung,
dass die amyloiden Plaques unter Anwendung der erfindungsgemäßen Antagonisten
bzw. Nukleinsäuren
aufgelöst werden.
Zu der Gruppe der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, die
an Amlyin binden bzw. einen Amylinrezeptor-Antagonisten darstellen,
gehören
insbesondere jene Nukleinsäuren
mit der SEQ ID No. 191 bis SEQ ID No. 196.
-
Die Nukleinsäuren gemäß der vorliegenden Erfindung
sollen auch solche Nukleinsäuren
umfassen, die im wesentlichen homolog zu den spezifisch hierin offenbarten
Sequenzen sind. Der Begriff im wesentlichen homolog soll hierin
so verstanden werden, daß die
Homologie wenigstens 75 %, bevorzugterweise 85 %, bevorzugtererweise
90 % und am bevorzugtesten mehr als 95, 96, 97, 98 oder 99 % beträgt.
-
Der Begriff erfindungsgemäße Nukleinsäure oder
Nukleinsäure
gemäß der vorliegenden
Erfindung soll auch jene Nukleinsäuren umfassen, die einen Teil
der hierin offenbarten Nukleinsäuresequenzen
bzw. Nukleinsäuren
umfassen, bevorzugterweise in dem Umfang umfassen, daß die besagten
Teile bei der Bindung von CGRP beteiligt sind. Diese Art von Nukleinsäuren können von
den hierin offenbarten abgeleitet werden, beispielsweise durch Verkürzung oder
Trunkierung. Die Verkürzung
soll sich entweder auf eines oder beide Enden der hierin offenbarten
Nukleinsäuren
beziehen. Die Verkürzung
kann sich auch auf eine Nukleotidsequenz innerhalb der jeweiligen
Nukleinsäure
bzw. Nukleinsäuresequenz
beziehen, d. h. sie kann sich beziehen auf ein oder mehrere Nukleotide
zwischen dem 5'-
bzw. dem 3'terminalen
Nukleotid. Im Zusammenhang damit soll Verkürzung die Deletion von so wenig
wie einem einzelnen Nukleotid von der Sequenz der hierin offenbarten
Nukleinsäuren
umfassen. Verkürzung
kann auch mehr als einen Bereich der erfindungsgemäßen Nukleinsäure(n) betreffen.
Beispiele für
die Verkürzung
der Nukleinsäuren
werden in dem Beispielsteil der vorliegenden Beschreibung gelehrt.
-
Die Nukleinsäuren gemäß der vorliegenden Erfindung
können
entweder D-Nukleinsäuren
oder L-Nukleinsäuren
sein. Bevorzugterweise sind die Nukleinsäuren L-Nukleinsäuren. Zusätzlich ist
es möglich,
daß ein oder
mehrere Teile der Nukleinsäure
als D-Nukleinsäure(n)
ausgebildet sind, oder wenigstens ein oder mehrere Teile der Nukleinsäure als
L-Nukleinsäure
ausgebildet sind. Der Begriff „Teil" der Nukleinsäure soll
so wenig wie ein Nukleotid bezeichnen. Derartige Nukleinsäuren werden
im allgemeinen hierin als D- bzw. L-Nukleinsäure bezeichnet.
-
Es ist auch im Rahmen der vorliegenden
Erfindung, daß die
erfindungsgemäßen Nukleinsäuren Teil einer
längeren
Nukleinsäure
sind, wobei diese längere
Nukleinsäure
mehrere Teile umfaßt,
wobei wenigstens ein Teil eine Nukleinsäure gemäß der vorliegenden Erfindung
oder ein Teil davon ist. Der andere Teil oder die anderen Teile
dieser längeren
Nukleinsäuren
können
entweder eine D-Nukleinsäure
oder eine L-Nukleinsäure sein.
Eine jegliche Kombination kann in Verbindung mit der vorliegenden
Erfindung verwendet werden. Dieser andere Teil bzw. diese anderen
Teile der längeren
Nukleinsäure
können
eine Funktion aufweisen, die vom Binden und insbesondere vom Binden
an CGRP, verschieden ist. Eine mögliche
Funktion besteht darin, eine Wechselwirkung mit anderen Molekülen, z.
B. zu Zwecken der Immobilisierung, Kreuzvernetzung, Nachweis oder
Amplifikation zu erlauben.
-
Die L-Nukleinsäuren sind somit Nukleinsäuren, die
aus L-Nukleotiden bestehen, bevorzugterweise vollständig aus
L-Nukleotiden bestehen.
-
D-Nukleinsäuren sind somit solche Nukleinsäuren, die
aus D-Nukleotiden bestehen, bevorzugterweise vollständig aus
D-Nukleotiden bestehen.
-
Unabhängig davon, ob die erfindungsgemäße Nukleinsäure aus
D-Nukleotiden, L-Nukleotiden
oder einer Kombination beider besteht, wobei die Kombination z.
B. eine zufällige
Kombination oder eine definierte Sequenz von Abfolgen von Nukleotiden
ist, die aus wenigstens einem L-Nukleotid bzw. einem D-Nukleotid
besteht, kann die Nukleinsäure
aus einem oder mehreren Desoxyribonukleotid(en), Ribonukleotid(en)
oder Kombinationen davon bestehen.
-
Die Ausbildung der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren als
L-Nukleinsäure
ist aus einer Reihe von Gründen
mit Vorteilen verbunden. Die L-Nukleinsäuren sind Enantiomere der natürlicherweise
auftretenden Nukleinsäuren.
Die D-Nukleinsäuren
sind jedoch in wäßrigen Lösungen und
insbesondere in biologischen Systemen oder biologischen Proben nicht
sehr stabil infolge der weiten Verbreitung von Nukleasen. Natürlicherweise
auftretende Nukleasen, insbesondere Nukleasen von tierischen Zellen
oder Geweben oder Zell- oder Körperflüssigkeiten,
sind nicht in der Lage, L-Nukleinsäuren abzubauen. Infolge dessen
ist die biologische Halbwertszeit der L-Nukleinsäure in derartigen Systemen,
einschließlich
des menschlichen und tierischen Körpers, wesentlich verlängert. Bedingt
durch das Fehlen einer Abbaubarkeit von L-Nukleinsäuren werden
keine Nuklease-Abbauprodukte erzeugt und es werden insoweit keine
darauf zurückgehende
Nebenwirkungen beobachtet. Dieser Aspekt unterscheidet die L-Nukleinsäure von
all jenen anderen Verbindungen, die bei der Therapie von Erkrankungen,
die auf die Anwesenheit von CGRP abstellen, verwendet werden.
-
Es ist auch im Rahmen der vorliegenden
Erfindung, daß die
erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, unabhängig davon,
ob sie als D-Nukleinsäuren,
L-Nukleinsäuren
oder D,L-Nukleinsäuren vorliegen,
oder ob sie als DNA oder RNA vorliegen, als einzelsträngige oder
doppelsträngige
Nukleinsäuren
vorhanden sein können. Typischerweise
sind die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren einzelsträngige Nukleinsäuren, die
eine definierte Sekundärstruktur
infolge der Primärsequenz
aufweisen und auch Tertiärstrukturen
ausbilden können.
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können jedoch
auch als doppelsträngig
in dem Sinne vorliegen, daß zwei
zueinander komplementäre
Stränge
infolge Hybridisierung miteinander gepaart vorliegen. Dies verleiht
der Nukleinsäure
eine Stabilität,
die von Vorteil ist, wenn die Nukleinsäure in der natürlicherweise
vorkommenden D-Form anstelle der L-Form vorliegt.
-
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können auch
modifiziert sein. Eine besonders vorteilhafte Modifikation im Zusammenhang
mit der vorliegenden Erfindung stellt dabei die Ausgestaltung der
erfindungsgemäßen Nukleinsäure(n) dar,
bei der mindestens ein, bevorzugterweise mehrere und am bevorzugtesten
alle die Nukleinsäure
ausbildenden Pyrimidinnukleotide an der 2'-Position des Riboseteils der jeweiligen
Nukleotide eine 2'-Fluorogruppe aufweisen.
Andere Modifikationen stellen beispielsweise solche mit PEG dar.
-
Weitere Beispiele für eine Modifizierung
der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können solche
Modifikationen sein, die ein einzelnes Nukleotid der Nukleinsäure betreffen
und im Stand der Technik sehr gut bekannt sind. Entsprechende Beispiele
sind, unter anderem, beschrieben in Kusser, W. (2000) J Biotechnol
74, 27–38;
Aurup, H. et al., 1994, Nucleic Acids Res 22, 20–4; Cummins, L.L. et al, 1995,
Nucleic Acids Res 23, 2019–24;
Eaton, B.E. et al., 1995, Chem Biol 2, 633–8; Green, L.S. et al., 1995,
Chem Biol 2, 683–95;
Kawasaki, A.M. et al., 1993, J Med Chem 36, 831–41; Lesnik, E.A. et al., 1993,
Biochemistry 32, 7832-8; Miller, L.E. et al., 1993, JPhysiol 469,
213–43.
-
Die Nukleinsäuren gemäß der vorliegenden Erfindung
können
als einteilige, zwei-, drei oder mehrteilige Form ausgebildet sein.
Von den mehrteiligen Form ist besonders die zweiteilige oder bipartite
Form bevorzugt. Eine mehrteilige Form einer erfindungsgemäßen Nukleinsäure ist
hierin insbesondere eine solche, die aus wenigstens zwei Nukleinsäuresträngen besteht.
Diese beiden Nukleinsäurestränge bilden
eine funktionale Einheit, wobei die funktionale Einheit ein Ligand
oder bindendes Molekül
für ein
Zielmolekül
ist. Die wenigstens zwei Stränge
können
von einer der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren abgeleitet
sein oder werden durch entweder Spaltung einer an das Zielmolekül bindenden
erfindungsgemäßen Nukleinsäure, um
zwei oder mehrere Stränge
zu bilden, oder durch Synthese einer Nukleinsäure, die einem ersten Teil
der erfindungsgemäßen vollständigen Nukleinsäure entspricht
und einer weiteren Nukleinsäure,
die einem zweiten Teil der erfindungsgemäßen vollständigen Nukleinsäure entspricht.
Es ist anzuerkennen, daß sowohl
die Spaltung als auch die Synthese angewandt werden kann, um eine
mehrteilige Nukleinsäure
herzustellen, die aus mehr als den beiden vorstehend beispielhaft
beschriebenen Strängen
besteht. Im übrigen
ist betreffend die mehrteiligen Formen der erfindungsgemäßen Nukleinsäure festzuhalten,
daß wenigstens
zwei Nukleinsäurestränge typischerweise verschieden
sind von zwei Strängen,
die zueinander komplementär
sind und miteinander hybridisieren, obgleich ein gewisser Grad an
Komplementarität
zwischen den verschiedenen Nukleinsäure(teilen) existieren kann.
-
Die Nukleinsäuren gemäß der vorliegenden Erfindung
weisen typischerweise eine hohe Affinität zum Zielmolekül auf. Eine
Möglichkeit,
die Affinität,
ausgedrückt
als Bindungskonstante, der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren zu
bestimmen, ist die Verwendung der sog. Biacore-Vorrichtung, die
den Fachleuten auf diesem Gebiet bekannt und beispielsweise beschrieben
ist in Jönsson,
U. et al., 1991, Biotechniques, 11 (5), 620. Die Affinitäten wurden
auch gemessen durch isothermale Titrationskalorimetrie (ITC), wie
in den Beispielen und in Haq, I. & Ladburg,
J., 2000, J. Mol. Recognit. 13 (4): 188 beschrieben. Insoweit sind
die hierin beschriebenen Affinitätswerte
als durch isothermale Titrationskalorimetrie gemessen zu verstehen,
wobei die Temperatur für die
einzelne Messung 25°C
betrug, sofern keine gegenteiligen Angaben gemacht werden. Eine
weitere verwendete Methode wird manuell angewendet; es handelt sich
um einen sogenannten Bead-Assay.
Hierbei werden konstante Konzentrationen an radioaktiv markierter
Nukleinsäure
mit verschiedenen Konzentration an biotinyliertem Zielmolekül wie beispielsweise
einem Target-Peptid
zusammengegeben. Nach definierter Zeit werden die gebildeten Komplexe über die
Zugabe von mit Streptavidin-beladenen Beads aus der Lösung entfernt
und die jeweilige Menge an Radioaktivität wird bestimmt. Aus den erhaltenen
Werten lassen sich über entsprechende
Auftragung in Graphen die Bindungskonstanten bestimmen. Dieser Bead-Assay ist ausführlicher
u. a. in Beispiel 3 beschrieben. Sofern hierin auf eine erfindungsgemäße Nukleinsäure Bezug
genommen wird, sollen damit grundsätzlich alle erfindungsgemäßen Nukleinsäuren bzw.
alle hierin offenbarten Nukleinsäuren
verstanden werden, sofern keine gegenteiligen Angaben gemacht werden.
-
Es ist auch im Rahmen der vorliegenden
Erfindung, daß die
erfindungsgemäßen Sequenzen
entweder vollständig
oder teilweise aus dem randomisierten Teil der Mitglieder einer
Nukleinsäurebibliothek
entstammen, die als Ausgangsmaterial für den Selektionsprozeß verwendet
werden. Es ist jedoch auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung,
daß die
erfindungsgemäßen Sequenzen
entweder vollständig
oder teilweise aus dem nichtrandomisierten Teil der Mitglieder der
Nukleinsäurebibliothek,
die als Ausgangsmaterial für
den Selektionsprozeß dient,
entstammen. Ein derartiger nicht-randomisierter Teil ist beispielsweise
der Teil, der als Bindungsstelle für den Amplifikations-Primer
verwendet wird.
-
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können verwendet
werden für
die Erzeugung oder Herstellung eines Medikaments. Ein derartiges
Medikament enthält
wenigstens eine der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, optional
zusammen mit weiteren pharmazeutisch aktiven Verbindungen, wobei
die erfindungsgemäße(n) Nukleinsäure(n) bevorzugterweise
selbst als pharmazeutisch aktive Verbindung fungiert. Beispielsweise
könnte
eine der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren mit
einem weiteren Wirkstoff kombiniert werden, der die Konzentration
von CGRP bzw. Amylin beeinflusst. Generell scheint die Kombination
der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren mit
dem weiteren Wirkstoff besonders dann von Vorteil zu sein, wenn
beide Komponenten an CGRP bzw. Amylin und dessen Freisetzung über unterschiedliche
Wirkmechanismen angreifen. Eine in diesem Sinne vorteilhafte Kombination
könnte
beispielsweise aus einer der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren sowie
einem Triptan, wie beispielsweise Sumatriptan bestehen, da beide
Substanzen unterschiedliche Wirkmechanismen ansprechen. Bei einer
Migräneattacke
könnte
man sich ein Kombi-Präparat und
dessen Wirkung wie folgt vorstellen: im Plasma vorkommendes CGRP
wird durch eine erfindungsgemäße Nukleinsäure weggefangen
und gleichzeitig werden durch Triptane die CGRP-Freisetzung reduziert/verhindert.
Derartige Medikamente umfassen in bevorzugten Ausführungsformen
wenigstens einen pharmazeutisch akzeptablen Träger.
-
Derartige Träger können z. B. Wasser, Puffer,
Stärke,
Zucker, Gelatine und dergleichen sein. Derartige Träger sind
den Fachleuten auf dem Gebiet bekannt.
-
Die Erkrankungen, für die die
erfindungsgemäßen Nukleinsäuren und
die unter ihrer Verwendung identifizierten CGRP-Antagonisten verwendet
werden können,
sind im wesentlichen solche, die zum Formenkreis der Migräne gehören insbesondere
Migräne
mit und ohne Aura, einfache Migräne,
klassische Migräne und
komplizierte Migräne.
Dazu gehören
unter anderem Kopfschmerzen, insbesondere wiederkehrende Kopfschmerzen, Übelkeit,
Erbrechen, übertriebene
Sensitivität
gegenüber
externen Stimuli wie Licht und Geräuschen, Appetitlosigkeit und
Störungen
des Flüssigkeitshaushaltes.
Der Kopfschmerz ist dabei besonders ein solcher, der bei den Patienten
als pulsierend und pochend auftritt. Typischerweise treten diese
Kopfschmerzen einseitig auf. Weitere Erkrankungen, die unter Verwendung
der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren und
der auf der Grundlage deren Verwendung identifizierten Kandidaten-CGRP-Antagonisten
identifiziert werden können, sind
Vasodilatation, erhöhter
Blutdruck, Hypotonie und Tachykardie, insbesondere jene Formen der
vorstehend genannten Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Migräne, insbesondere
einem Migräneanfall,
zu beobachten sind. Weitere Erkrankungen, die unter Verwendung der
erfindungsgemäßen Nukleinsäure bzw. der
unter Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens identifizierten
Kandidaten-CGRP-Antagonisten bereitgestellt werden können, sind
solche Erkrankungen, die mit einer Aktivierung trigeminaler afferenter
sensorischer Neurone, mit der Aktivierung zentraler nociceptiver
Neuronen und Kombinationen der Aktivierung beider Neuronenklassen
einhergehen oder verbunden sind. Insbesondere handelt es sich bei
den Neuronen um solche, die höheren
Schmerzzentren zugeordnet sind. Weitere Erkrankungen im vorstehend
genannten Sinne sind neben Akutschmerz solche Erkrankungen, die
mit chronisch entzündlichen
Schmerzen verbunden sind. Zu derartigen chronisch entzündlichen
Schmerzen gehören
insbesondere jene, die von CGRP zusammen mit anderen Neuropeptiden
verursacht werden, wie beispielsweise Substanz P.
-
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können weiterhin
als Ausgangsmaterial für
das Design von pharmazeutischen Wirkstoffen (engt. drug design)
verwendet werden. Grundsätzlich
gibt es hierzu zwei mögliche
Ansätze.
Ein Ansatz besteht in dem Screening von Bibliotheken von Verbindungen,
wobei derartige Bibliotheken von Verbindungen bevorzugterweise Bibliotheken
von niedermolekularen Verbindungen (engt. low oder small molecules)
sind.
-
Derartige Bibliotheken sind den Fachleuten
auf diesem Gebiet bekannt. Alternativ können gemäß der vorliegenden Erfindung
die Nukleinsäuren
für das
rationale Design von Wirkstoffen verwendet werden.
-
Das rationale Design von Wirkstoffen
kann dabei seinen Ausgangspunkt von irgendeiner der Nukleinsäuren gemäß der vorliegenden
Erfindung nehmen und umfaßt
eine Struktur, insbesondere eine dreidimensionale Struktur, die ähnlich der
Struktur der erfindungsgemäßen Nukleinsäure(n) ist
oder identisch ist zu dem Teil der Struktur der erfindungsgemäßen Nukleinsäure(n),
die die Bindung an CGRP bzw. Amylin vermittelt. In einem jeden Fall
zeigt eine derartige Struktur noch das gleiche oder ein zumindest ähnliches
Bindungsverhalten, wie die erfindungsgemäße Nukleinsäure(n). In entweder einem weiteren
Schritt oder als ein alternativer Schritt werden bei dem rationalen
Design von Wirkstoffen die bevorzugterweise dreidimensionale Struktur
jener Teile der an CGRP bzw. Amylin bindenden Nukleinsäuren durch
chemische Gruppen nachgeahmt, die bevorzugterweise verschieden sind
von Nukleotiden und Nukleinsäuren.
Durch dieses Nachahmen, auch als Mimikri bezeichnet, kann eine Verbindung
konstruiert werden, die von der Nukleinsäure bzw. den Nukleinsäuren verschieden
ist, die als Ausgangsmaterialien für das rationale Design des
Wirkstoffes verwendet wurde. Eine derartige Verbindung oder Wirkstoff
ist bevorzugterweise ein kleines Molekül (engl. small molecule) oder
ein Peptid.
-
Im Falle des Screenings von Verbindungsbibliotheken,
wie bei Verwendung eines kompetitiven Tests, die den Fachleuten
auf dem Gebiet bekannt sind, können
geeignete CGRP-Analoga, CGRP-Agonisten, CGRP-Antagonisten, Amylin-Analoga,
Amylin-Agonisten
oder Amylin-Antagonisten gefunden werden. Derartige kompetitive
Assays können
wie folgt aufgebaut sein. Die erfindungsgemäße Nukleinsäure, bevorzugterweise ein Spiegelmer,
das als Zielmolekül
bindende L-Nukleinsäure
ausgebildet ist, wird an eine feste Phase gekoppelt. Um CGRP-Analoga
zu identifizieren, werden mit einer Markierung versehene Neuropeptide
zu dem Testsystem hinzugegeben. Ein potentielles Analogon würde mit
den CGRP-Molekülen,
die an das Spiegelmer binden, kompetitieren, was mit einer Abnahme
des Signals, das von der entsprechenden Markierung erhalten wird,
einhergehen würde.
Das Screenen auf Agonisten oder Antagonisten kann die Verwendung
eines Zellkultur-Testsystems umfassen, das den Fachleuten auf dem
Gebiet bekannt ist. Im Prinzip die gleichen Ansätze können unter Verwendung von Amylin
verwendet werden.
-
In einem weiteren Aspekt können die
erfindungsgemäßen Nukleinsäuren für die Targetvalidierung
verwendet werden infolge ihres charakteristischen Bindungsverhaltens
an CGRP bzw. Amylin. Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren können in
einem ex vivo-Organmodell
verwendet werden, um die Funktion von CGRP bzw. Amylin zu studieren.
Grundsätzlich
existieren zwei ex vivo Modelle, in denen CGRP Agonisten/Antagonisten
getestet werden können.
Im Meerschweinchen-Atrium können
Antagonisten für
den CGRP2-Rezeptor getestet
werden, im Ratten Vas deferens-Modell können Antagonisten hinsichtlich
ihrer Spezifität
für den CGRP-Rezeptor überprüft werden.
-
In einem weiteren Aspekt der Erfindung
betrifft diese einen Komplex umfassend CGRP bzw. Amylin und wenigstens
eine der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren. Es
ist überraschenderweise
festgestellt worden, daß die
erfindungsgemäßen Nukleinsäuren relativ
starr sind und eine genau definierte Struktur einnehmen und insoweit
auch dem Zielmolekül,
d. h. dem CGRP bzw. Amylin selbst, eine vergleichsweise starre Struktur
aufprägen,
wobei sowohl das CGRP als auch das Amylin infolge seiner Länge allgemein
als vergleichsweise flexibel verstanden wird.
-
Der Kit gemäß der vorliegenden Erfindung
kann wenigstens eine oder mehrere der erfindungsgemäßen Nukleinsäuren umfassen.
Zusätzlich
kann der Kit wenigstens eine oder mehrere Positiv- oder Negativkontrollen
umfassen. Als Positivkontrollen kann z. B. CGRP bzw. Amylin verwendet
werden, gegen das die erfindungsgemäße Nukleinsäure selektiert wurde, oder
an die diese bindet, bevorzugterweise in flüssiger Form. Als Negativkontrolle
kann unter anderem ein Peptid verwendet werden, welches sich hinsichtlich
seiner biophysikalischen Eigenschaften ähnlich wie CGRP bzw. Amylin
verhält,
welches jedoch nicht durch die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren erkannt
wird oder ein Peptid mit gleicher Aminosäurezusammensetzung aber von CGRP
bzw. Amylin verschiedener Sequenz.
-
Weiterhin kann der Kit einen oder
mehrere Puffer umfassen. Die verschiedenen Bestandteile können in
dem Kit in trockener oder lyophilisierter Fonm, oder gelöst in einer
Flüssigkeit
vorliegen. Der Kit kann eine oder mehrere Behältnisse umfassen, die wiederum
ein oder mehrere der Bestandteile des Kits enthalten können. Bevorzugterweise
enthalten die Gefäße Reaktionsansätze, wie
sie für
eine einmalige Durchführung
eines Experimentes unter Verwendung einer oder mehrere Bestandteile
des Kits erforderlich sind.
-
Es ist weiter im Rahmen der vorliegenden
Erfindung, dass die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren zum Nachweis
des Zielmoleküls
wie CGRP bzw. Amylin verwendet werden können bzw. den daraus hergestellten Strukturen
wie beispielsweise amyloide Plaquees oder Fibrillen. Hierzu können die
Nukleinsäuren
direkt oder indirekt markiert werden. Bevorzugterweise ist die Markierung
ausgewählt
aus der Gruppe, die radioaktive Markierungen, Fluoreszenzmarkierungen
oder für
die Magnetresonanz-Spektroskopie geeignete Markierungen, wie beispielsweise
Europium, umfasst.
-
Die erfindungsgemäßen Nukleinsäuren, Antagonisten
oder die diese enthaltenden Medikamente können sowohl systemisch als
auch lokal appliziert werden. Im Falle der Verwendung von Amylin-Antagonisten bzw.
entsprechenden Nukleinsäuren
ist dabei beispielsweise eine lokale Verabreichung im Sinne einer
Injektion in die Bauchspeicheldrüse
grundsätzlich
denkbar. Es ist auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung die Antagonisten
bzw. Nukleinsäuren
in biokompatible Gele als Depots aufzunehmen, die dann im Bauchraum oder
im Pankreas freigesetzt werden.
-
Die vorliegende Erfindung wird weiter
anhand der folgenden Figuren und Beispiele erläutert, aus denen sich weitere
Merkmale, Ausführungsformen
und Vorteile ergeben. Dabei zeigt
-
1 das
Prinzip der einer RNA-Selektion von an CGRP bindenden Nukleinsäuren umfassend
einen Anbindungsschritt mit den Teilschritten Denaturierung und
Faltung sowie Anbindung-Waschen-Elution und den Amplifizierungsschritt
umfassend den Schritt der reversen Transkription-PCR sowie T7-Transkription
und Aufreinigung;
-
2 den
Verlauf einer Selektion von 2'-Fluoro-modifizierten,
an CGRP bindenden Nukleinsäuren, wobei
insbesondere
-
2A die
in einer jeden Selektionsrunde verwendete CGRP-Konzentration und
die dazugehörige prozentuale
Anbindung des F-RNA-Pools und
-
2B eine
graphische Darstellung der in 2A angegebenen
Werte;
-
3 das
Ergebnis einer Sequenzanalyse der im Rahmen von Beispiel 1 erhaltenen
CGRP bindenden Nukleinsäuren;
-
4–11 die
Sekundärstruktur
von verschiedenen an CGRP bindenden Nukleinsäuren, wie sie im Rahmen von
Beispiel 2 erzeugt wurden;
-
12 den
Verlauf der Vorsäulen
während
der Selektion von an CGRP bindenden Nukleinsäuren;
-
13 den
Verlauf der CGRP bindenden 2'-F-RNA
und der Peptidkonzentration des Selektionsansatzes NA unter Verwendung
von Neutravidin als Selektionsmatrix;
-
14 den
Verlauf der an CGRP bindenden 2'-F-RNA
und der Peptidkonzentration des Selektionsansatzes SA-1 und SA-0,1
unter Verwendung Streptavidin derivatisierten magnetischen Beads
als Selektionsmatrix;
-
15 das
Reaktionsschema zur Synthese von 5'-DMT-2'-Fuoro-L-Uridin-Phosphoramidit;
-
16 die
Darstellung von 2'-Fluoro-L-Cytidin-Phosphoramidit
ausgehend von 2'-Fluoro-L-Uridin;
-
17 die
Synthese von 2'-Fluoro-L-Cytidin
ausgehend von 2'-Fluoro-L-Uridin;
-
18 die
Sequenzen der Ausgangssequenzen und der verkürzten Sequenzen der CGRP bindenden Nukleinsäuren von
Beispiel 2;
-
19 die
prozentuale Bindung verschiedener CGRP erkennender Nukleinsäuren, wie
in Beispiel 3 näher
beschrieben; NA-A bedeutet hier NeutrAvidin-Agarose mit Affinitätselution,
NA-D bedeutet NeutrAvidin-Agarose mit denaturierender Elution, SA-1
bedeutet Streptavidin Beads mit 1 nM Peptid- und SA 0,1 nM Peptidkonzentration
-
20 das
Ergebnis einer Kompetitionsanalyse verschiedener gemäß Beispiel
3 selektierter CGRP bindender Nukleinsäuren;
-
21 eine
Darstellung von Versuchen zur Bestimmung der Dissoziationskonstanten
verschiedener CGRP bindender Nukleinsäuren;
-
22 eine
weitere Darstellung von Versuchen zur Bestimmung der Dissoziationskonstanten
verschiedener CGRP bindender Nukleinsäuren;
-
23 die
Hemmung der cAMP-Produktion durch humanes CGRP bindende Spiegelmere;
-
24 die
Hemmung der cAMP-Produktion durch Ratten-CGRP bindende Spiegelmere,
-
25 Bindungsstudien
mit den verschieden gereinigten Spiegelmeren 732 045 (SSmer) und 732_096
(59mer) im [35S]GTPγS-Assay,
-
26–27 die
Sekundärstruktur
von verschiedenen an CGRP bindenden Nukleinsäuren, wie sie im Rahmen von
Beispiel 2 erzeugt wurden und die aus mehr als einem Nukleinsäurestrang
zusammengesetzt sind,
-
28, 30, 32, 34, 36 graphisch den Verlauf
der Bedingungen verschiedener Selektionsrunden,
-
29, 31, 33, 35, 37 tabellarisch den Verlauf
der Bedingungen verschiedener Selektionsrunden,
-
38 die
Dosis-Wirkungskurve für
CGRP,
-
39 bis 42 den Verlauf der kalorimetrischen
Bestimmung der Bindungskonstanten verschiedener CGRP bindender Nukleinsäuren;
-
43 bis 47 die Sequenzen verschiedener,
im Rahmen von Beispiel 4 erhaltenen CGRP bindenden Nukleinsäuren, und
-
48 und 49 die Sequenzen verschiedener,
im Rahmen von Beispiel 3 erhaltenen CGRP bindenden Nukleinsäuren.
-
50 die
Hemmung der cAMP-Produktion durch Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12 (NOX-504)
mit 1 nM Ratten-α-CGRP
bei 37°C;
-
51 ein
Enthalpiediagramm für
die Bindung von Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12 (NOX-504) an Ratten-α-CGRP;
-
52 einen
Strukturvorschlag für
Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12 (NOX-504) und die Verkürzungsstelle
(im Kasten);
-
53 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-014 mit 1 nM Ratten-α-CGRP;
-
54 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-014 mit 1 nM humanem α-CGRP;
-
55 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-014 mit 1 nM humanem β-CGRP;
-
56 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-014 bei 30 nM Ratten-Adrenomedullin;
-
57 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-014 mit humanem Adrenomedullin;
-
58 die
cAMP-Bildung durch Kompetition mit Ratten-Amylin bei 1 nM Ratten α-CGRP und 100 nM Spiegelmer
NOX-504-014;
-
59 die
cAMP-Bildung durch Kompetition mit humanem Amylin bei 1 nM humanem α-CGRP und 100
nM Spiegelmer NOX-504-014;
-
60 die
cAMP-Bildung durch Kompetition mit Ratten-Calcitonin bei 1 nM Rattenα-CGRP und
100 nM Spiegelmer NOX-504-014;
-
61 die
cAMP-Bildung durch Kompetition mit humanem Calcitonin bei 1 nM humanem α-CGRP und
100 nM Spiegelmer NOX-504-014;
-
62 die
Dosis-Wirkungs-Kurve von Spiegelmer NOX-504-089 mit 1 nM Ratten-α-CGRP;
-
63 die
Sequenzen der CGRP-bindenden RNA-Klone, Mutationen der reselektierten
Sequenz (Grt2-STAR-504-5-B0.1-C10) im Vergleich zur Ausgangssequenz
des 504-ad3-18%-Pools (NOX-504-ad3) sind unterstrichen;
-
64 den
Verlauf der Reselektion, mit der Peptid-Konzentration gekennzeichnet
als Linie (rechte Größenachse)
und dem SignaUHintergrund-Verhältnis
als Balken (linke Größenachse);
-
65 die
Sequenzen der RNA-Spiegelmere für
die Zellkultur-Versuche, wobei Mutationen durch Unterstreichungen
hervorgehoben sind;
-
66A die
Dosis-Wirkungskurven von L097 mit hCGRP, wobei der Pfeil die Konzentration
einer 50%-igen Hemmung der hCGRP-Wirkung (ICso) kennzeichnet;
-
66B die
Dosis-Wirkungskurven von L097 mit rCGRP, wobei der Pfeil die Konzentration
einer 50%-igen Hemmung der rCGRP-Wirkung (ICso) kennzeichnet;
-
67 die
Mutationsanalyse von L097, dargestellt ist die Hemmung der cAMP-Bildung durch verschiedene
Spiegelmere in den Konzentrationen 10 nM und 100 nM; und
-
68 die
Dosis-Wirkungskurven von L108 und L109 mit hCGRP, dargestellt ist
die Hemmung der cAMP-Bildung in Abhängigkeit der Spiegelmer-Konzentration,
wobei der Pfeil die Konzentration einer 50%-igen Hemmung der hCGRP-Wirkung (IC50) kennzeichnet.
-
Ausgehend von dem Verfahren zur Identifizierung
von Nukleinsäuren,
insbesondere D-Nukleinsäuren, die
an ein Zielmolekül
binden, wie beispielsweise dargestellt in 1, wurden 2'-Fluoro-modifizierte Spiegelmere unter
Verwendung von 2'-fluorierten
RNA-Molekülen verwendet.
-
Die in dem Selektionsprozeß benutzten
Fluoro-modifizierten Nukleinsäuren
(F-RNA) unterscheiden sich von biologisch vorkommender RNA durch
das Vorhandensein einer Fluoro-Gruppe am 2'-Kohlenstoff der Ribose. Fluor ersetzt
hier die natürliche
Hydroxylgruppe der Ribose. Diese Modifikation wurde hier auf Pyrimidinnukleotide
begrenzt. Die Erstellung solcher künstlicher Nukleinsäuren erfolgt
enzymatisch mit einer mutierten T7-Polymerase (Epicentre, Madison,
WI, USA), die toleranter gegen modifizierte Nukleotide ist, unter
Verwendung von 2'-Fluoro-UDP
und 2'-Fluoro-CTP.
Die Mutation der T7-Polymerase ermöglicht den effizienten Einbau
von Fluoro-modifizierten Nukleosidtriphosphaten.
-
A. Materialien
-
GTP, ATP, und dNTPs wurden von Larova,
Berlin; Fluoro-dUTP und Fluoro-dCTP von TriLink, San Diego, USA
bezogen. Die T7 DNA/RNA Polymerase für die Herstellung fluorierter
RNA wurde von Epicentre, USA bezogen. Die Enzyme Taq DNA Polymerase
und Superscript II Reverse Transkriptase stammten von Life Technologies,
der Kit für
die Reverse Transkriptase/Taq Polymerase war von Qiagen. Radioaktives 32[P]-a-GTP zur Markierung der F-RNA wurde
von Hartmann, Braunschweig, bezogen.
-
D-CGRP wurde zunächst von JERINI AG, Berlin,
und später
von Bachem, Heidelberg synthetisiert. Das zur Selektion verwendete
Peptid trägt
eine Biotingruppe am Carboxylterminus, um die Trennung von ungebundenen
Nukleinsäuren
mittels der Biotin-Streptavidin
oder Biotin-NeutrAvidin Wechselwirkung zu ermöglichen. Hierfür wurden
NeutrAvidin-Agarose von Pierce und Streptavidin Paramagnetic Particles
von Roche verwendet. Unbiotinyliertes Peptid (ebenfalls von JERINI,
Berlin, und Bachem, Bubendorf, Schweiz) wurde in den ersten sieben
Runden zur Affinitätselution
benutzt.
-
DNA-Pool
-
Die DNA für den Startpool wurde im Hause
synthetisiert und basiert auf dem beschriebenem Pool PB40 mit der
Sequenz 5'-GGA GCT
CAG CCT TCA CTG C-N40-GGC ACC ACG GTC GGA
TCC AC-3' (Burgstaller & Famulok, 1994,
Angew. Chem. Int. Ed. 33,1084).
-
Die 5'- und 3'-Primer hatten die Sequenz
PB40-R-For:
5'-TCT AAT ACG ACT
CAC TAT AGG AGC TCA GCC TTC ACT GC-3' und
PB40-R-Rev: 5'-GTG GAT CCG ACC
GTG GTG CC-3'.
-
Die einzelsträngige DNA wurde auf ihre Amplifizierbarkeit
mit radioaktiven Primern überprüf; daraus wurde
eine Komplexität
von 1,41 × 1014 Moleküle/nmol
DNA abgeleitet. Mittels PCR wurde die einzelsträngige DNA in einem Gesamtvolumen
von 8 ml zu doppelsträngiger
DNA aufgearbeitet.
-
B. Selektionsschritte
-
Denaturierung und Faltung
der Ωuorierten
121YA
-
Alle nicht-enzymatischen Schritte
der Selektion mit Ausnahme der Denaturierung wurden in Selektionspuffer
(HEPES-KOH, pH 7,5; 150 mM NaCl, 1 mM MgCl2,
1 mM CaCl2 und 0,1 % Tween 20) durchgeführt. Die
Denaturierung erfolgte für
3 Minuten bei 94 °C
in Selektionspuffer ohne Tween 20, MgCl2 und
CaCl2. Nach der Denaturierung wurde die
enzymatisch hergestellte F-RNA in Selektionspuffer zunächst für 30 Minuten
bei 37 °C inkubiert,
MgCl2 und CaCl2 wurden
zugesetzt und die Faltung nochmals bei 37 °C für 30 Minuten fortgesetzt.
-
Anbindung
-
Im Anschluß an die Faltung wurde die
F-RNA zunächst
bei 37 °C
für 15
Minuten ohne Peptid mit der Matrix (NeutrAvidin-Agarose oder Streptavidin-paramagnetische
Partikel) inkubiert. Diese sogenannte Prä-Selektion diente der Vorisolierung
von potentiellen Matrixbindern. Nach diesem Inkubationsschritt wurde
die F-RNA von der Matrix getrennt, mit den aus 2A ersichtlichen Konzentrationen von
biotinyliertem CGRP versetzt und für mindestens 3 Stunden bei
37 °C belassen.
Daraufhin wurde dem Bindungsansatz die Biotin-bindende Matrix zugesetzt
und nochmals 5–10
Minuten bei 37 °C
inkubiert. Die Matrix wurde von der Lösung getrennt und mit Selektionspuffer
gewaschen. Das hierbei verwendete Waschvolumen lag in den ersten Runden
bei der 5–10-fachen
Menge der Matrix, in späteren
Runden wurden bis zu 60-fache Waschvolumina benutzt. Die nach dem
Waschen an der Matrix verbleibende Menge an F-RNA wurde durch Szintillationszählung detektiert
und quantifiziert. Der Anbindungswert wurde als Prozentsatz der
eingesetzten F-RNA ausgedrückt.
-
Elution
-
In den Runden 1–9 wurde die bindende F-RNA
in drei Schritten mit nicht-biotinyliertem Peptid eluiert. Hierbei
wurde in der Regel ein 10-facher Überschuß des nicht-biotinyliertem
gegenüber
des biotinylierten CGRP eingesetzt und erst eine, dann drei Stunden
und letztlich über
Nacht bei 37°C
eluiert. Die eluierte F-RNA wurde mit Phenol-Chloroform-Isoamylalkohol extrahiert,
mit Ethanol gefällt
und in Wasser resuspendiert. Die nach diesen Affinitätselutionsschritten
auf der Matrix verbleibende RNA wurde nicht eluiert sondern direkt
auf der Matrix amplifiziert (siehe unten).
-
Ab Runde 10 wurde nur noch in einem
Schritt unter denaturierenden Bedingungen eluiert. Hierzu wurde
die nach dem Waschen auf der Matrix verbliebene F-RNA in zwei Schritten
mit jeweils 100 μl
8 M Harnstoff für
5 Minuten bei 65°C
inkubiert. Die eluierte F-RNA wurde mit Phenol-Chloroform-Isoamylalkohol
extrahiert, mit Ethanol gefällt
und in Wasser aufgenommen.
-
C. Amplifikation -Enzymatische
Reaktionen
-
Transkription – Erstellung
fluorierter RNA für
Verwendung in der Selektion
-
Transkriptionen wurden mit 150 U
T7 RNA/DNA Polymerase und dem vom Hersteller mitgelieferten Puffer
(40 mM Tris-HCl pH 7,5; 10 mM NaCl; 6 mM MgCl2;
2 mM Spermidin; 10 mM DTT) in einem Gesamtvolumen von 100 μl durchgeführt. Den
Reaktionen wurde generell MgCl2 auf eine
Endkonzentration von 11 mM zugesetzt. Die Endkonzentrationen von
ATP und GTP betrugen jeweils 1 mM während der ganzen Selektion; 2'-Fluoro-UTP und 2'-Fluoro-CTP wurden
bis in die 9. Runde mit einer Konzentration von jeweils 3 mM verwendet,
ab der 9. Runde nur noch mit 1,5 mM. Pro Reaktion von 100 μl wurden
zwischen 20 und 50 pmol Template eingesetzt, d. h. doppelsträngige DNA
Template in der ersten Runde und in allen Folgerunden auf doppelsträngige DNA,
welche durch enzymatische Aufarbeitung der im vorausgehenden Zyklus
selektierten F-RNA erstellt. Für
die radioaktive Markierung der fluorieren RNA wurde 32[P]-α-GTP benutzt.
Die Reaktionen wurden über
Nacht bei 37° C
inkubiert und mit DNase I versetzt, um das Template zu verdauen.
Die erzeugte F-RNA wurde daraufhin unter denaturierenden Bedingungen über ein
8 % Polyacrylamidgel mit 8 M Harnstoff von nicht eingebauten NTPs
getrennt. Die transkribierte F-RNA wurde aus dem Gel eluiert, mit
Ethanol gefällt, getrocknet
und in reinem Wasser aufgenommen.
-
Reverse Transkription – Erstellung
von cDNA von selektierten F-RNAs
-
Die reverse Transkription eluierter
Fluoro-RNA wurde mit Superscript II und den Pufferbedingungen des
Herstellers in einem Volumen von 20 μl mit 200 units Enzym und einer
dNTP Konzentration von jeweils 1 mM durchgeführ. In der Regel wurden bis
zu 8 pmol der eluierten F-RNA in 10 μl Wasser gelöst und mit 2 μl einer 100 μM Lösung des
reversen Primers vermischt. Dieses Template-Primer-Gemisch wurde
für 2 Minuten bei
94 °C denaturiert,
auf Eis überführt und
dann im Thermocycler auf eine Temperatur von 50 °C eingestellt. Nach 2 Minuten
bei 50 ° C
wurden μl
eines Gemischs aus Puffer, dNTPs und Enzym zugesetzt und die Probe für 15 Minuten
bei 50 °C,
weitere 15 Minuten bei 55 °C
und letztlich 10 Minuten bei 68 ° C
inkubiert.
-
In den Runden 1–9 wurde die nach der Affinitätselution
auf der Matrix verbliebene F-RNA auch direkt auf dem Träger revers
transkribiert und mit Hilfe der PCR amplifiziert. Hierfür wurde
der RT-PCR Kit von Qiagen benutzt.
-
PCR- Erstellung
des doppelsträngigen
DNA Templates
-
Die in der reversen Transkription
erzeugte cDNA wurde direkt in die PCR eingesetzt. Dabei dienten 6,66 μl des 20 μl RT-Ansatzes
als Template für
eine 100 μl
Reaktion mit 5 units Taq DNA Polymerase. Die Konzentration der Primer
belief sich auf 2,5 μm.
Die DNA wurde zunächst
für 2 Minuten
bei 94 °C
denaturiert und dann mit einem PCR-Profil von 30 Sekunden bei 94 °C, 30 Sekunden
bei 55 °C
und 30 Sekunden bei 72 °C amplifiziert.
Die Anzahl der Zyklen wurde generell so gering wie möglich gehalten
und belief sich in der Regel auf etwa 5–10 Zyklen.
-
Resultate
-
Der Verlauf der Selektion ist in 2 dargestellt. Die in 2A angegebenen Werte stellen
die in der jeweiligen Runde verwendeten CGRP-Konzentrationen und
die dazugehörige
prozentuale Anbindung des F-RNA Pools dar.
-
Abgebildet ist dabei nur der Strang,
der letztendlich auch die nachstehenden Sequenzen hervorbrachte.
In den meisten Runden wurde die Anbindung mit unterschiedlichen
Peptidkonzentrationen sowie einer Kontrollselektion ohne Peptid
durchgeführt
(nicht dargestellt). Generell wurde die selektierte F-RNA des stringentesten
Stranges, d. h. der geringsten Peptidkonzentration, welche noch
ein signifikantes Signal über
der Nullkontrolle ergab, als Template für die nächste Runde aufgearbeitet. 2B ist eine graphische
Darstellung dieser Daten.
-
Die erste Selektionsrunde wurde mit
2,5 nmol F-RNA-Molekülen
durchgeführt,
die Komplexität
hatte eine Größenordnung
von etwa 2,82 × 1014 unterschiedlichen Sequenzen. Da unter
diesen Bedingungen jede Sequenz nur etwa fünf mal vertreten war, wurde
in der ersten Runde ein relative hoher Prozentsatz selektierter Sequenzen
in die 2. Selektionsrunde überführt. Von
der 2. bis zur 5. Runde wurden zwischen 0,36 % und 2,65 % der eingesetzten
F-RNA in die jeweilige Folgerunde eingesetzt. Während diesen fünf Runden
wurde die Stringenz durch eine Verringerung des zur Bindung angebotenen
biotinyliertes D-CGRP von 33 μM
auf 3,33 μM
angezogen. In der 6. Runde war ein leichter Anstieg in der Anbindung
zu verzeichnen, der sich mit einem Wert von 12.8 % der eingesetzten
F-RNA in der 7. Runde fortsetzte.
-
Durch kontinuierliche Verringerung
der CGRP-Konzentration in den Folgerunden wurde die Stringenz zunehmend
verschärft,
was zu einem Einbruch der Anbindung der eingesetzten F-RNA an das
Peptid führte. Eine
kontinuierliche Zunahme der Anbindungswerte in Runde 8 und 9 bis
auf 5,14 % in Runde 10 korrelierte mit einem Anstieg in der Prä-Selektion
(nicht dargestellt) und war somit nicht auf peptidvermittelte Bindung
zurückzuführen. Aus
diesem Grund wurde in Runde 11 die Matrix von NeutrAvidin-Agarose
auf Streptavidinparamagnetische Partikel gewechselt. Dies spiegelte
sich in einem Rückgang
der prozentualen Anbindung auf nunmehr 1,23 % wider. Ein peptidvermittelter
Anstieg auf 5,74 % war jedoch in Runde 13 zu verzeichnen. Über die
nächsten
drei Runden stellte sich ein Wert von etwa 3,5 % Anbindung bei einer
CGRP Konzentration von 125 nM ein. Da dieser Wert trotz gleichbleibender
Stringenz in den Runden 15, 16 und 17 (Runde 17 nicht abgebildet)
nicht weiter anstieg, wurden die Runden 17 und 18 als sogenannte
Doppelrunde durchgeführt.
Die Überlegung
für diesen
methodischen Ansatz beruht auf der Annahme, daß eine Stagnation der prozentualen Anbindung
bei gleichbleibender Peptidkonzentration die Folge einer Art Gleichgewicht
zwischen der eigentlichen Anbindung und der darauffolgenden Amplifizierung
ist. Um dieses Gleichgewicht zu Gunsten der Bindung zu verschieben,
wurde die F-RNA einem zweifachen Bindungsprozeß unterworfen: Die F-RNA wurde
zunächst bei
der weniger stringenten CGRP-Konzentration von 1,25 μM angebunden,
daraufhin eluiert und gereinigt. Die auf diese Weise gesammelte
F-RNA wurde nun nicht wie üblicherweise
durch enzymatische Amplifizierung aufgearbeitet, sondern neu gefaltet
und direkt in eine weitere Selektionsrunde unter stringenteren Bedingungen
eingesetzt. Wie aus 2A und B ersichtlich, konnten durch diese Methode
in Runde 18 bei Peptidkonzentrationen von 1 und 10 nM noch jeweils
4,89 % und 31,51 % Anbindung der eingesetzten F-RNA (wie aus 2A ersichtlich) erzielt
werden. Diese F-RNA wurde revers transkribiert und durch PCR amplifiziert.
Die DNA wurde kloniert, und es wurden insgesamt 192 Klone sequenziert.
-
Sequenzen
-
Das Ergebnis der Sequenzanalyse ist
in
3 dargestellt. Dabei
ist die kursiv dargestellte Sequenz (dritte Sequenz von oben) diejenige
des Klons 732. Mutationen sind in Fettdruck dargestellt, der Beitrag
der Primerbindungsstelle ist durch Unterstreichung markiert. Für die verschiedenen
Klone wurde die folgende Reihenfolge festgestellt:
-
Von den 192 Klonen konnten in 180
Klonen beide Primer gefunden werden. Von diesen 180 Sequenzen war
eine Sequenz mit 168 Exemplaren deutlich am häufigsten vertreten. Die übrigen zwölf Sequenzen
unterschieden sich von der Hauptsequenz nur durch Punktmutationen
und Basendeletionen: Eine Punktmutation kam dabei fünfmal, fünf weitere
je einmal vor. Eine Deletion von zwei Nukleotiden kam zweimal vor.
-
Ein Vergleich der Bindungsstärke dieser
Sequenzen wurde unter Verwendung der Biacore-Vorrichtung angestellt und ergab, daß sieben
von den acht Sequenzen dieselbe Affinität für das Targetmolekül zeigen.
Der KD des um zwei Nukleotide verkürzten Klons
wurde mit ca. 10 nM vermessen. Die Bindungskonstante lag bei 37 °C um den
Faktor zwei höher.
Bindungskonstanten wurden sowohl mit der Biacore-Vorrichtung, als
auch mit Isothermaler Kalorimetrie (ITC) bestimmt. Die Kalorimetrie-Experimente
wurden bei 37 °C
in entgastem Selektionspuffer mit einer Rührgeschwindigkeit von 300 U/min
durchgeführt.
Die Messzelle wurde mit einer 10 μM
Lösung
des jeweiligen 2'F-Spiegelmers
gefüllt.
Die Injektionsspritze enthielt eine 25 μM Lösung CGRP, die nach einer initialen
5 μl Injektion
in 7,5 μl
Fraktionen in die Messzelle eingespritzt wurde. Der Injektionsvorgang dauerte
jeweils 10 s, das Zeitintervall zwischen zwei Injektionen betrug
300s.
-
Die Biacore-Experimente wurden bei
37°C in
entgastem Selektionspuffer durchgeführt. Auf dem Streptavidin-Chip
war biotinyliertes CGRP immobilisiert (Blank – 140 RU – 640 RU – 900 RU). Spiegelmer-Lösung in
einer Konzentration von 500 ergab ein typisches Bindungssignal,
das mit Standard-Biacore-Software (1:1 Bindungsmodell) ausgewertet
wurde.
-
Beispiel 2: Verkürzung von
2'-F-RNA-Aptameren,
die freies D-CGRP binden
-
Ausgehend von den in Beispiel 1 beschriebenen
D-CGRP-bindenden 2'-F-RNA-Aptameren
und den hierzu korrespondierenden 2'-F-RNA-Spiegelmeren, die freies L-CGRP
erkennen können,
wurde versucht, die Länge
der jeweiligen Aptamere bzw. Spiegelmere zu verkürzen. Von den insgesamt acht
Klonen, wie in Beispiel 1 dargestellt, zeichneten sich sieben Klone
durch ähnliche
Bindungskonstanten von 10 bis 50 nM aus. Der Klon 670 erkannte D-CGRP
deutlich schlechter. Wie erwartet, erkannten die selektierten Aptamere,
die D-Oligonukleotide,
die von entsprechend aus der Klonierung und Sequenzierung erhaltenen
Plasmiden über einen
zwischengeschalteten PCR-Schritt exprimiert wurden, natürliches
L-CGRP nicht, wie
Messungen am Biacore ergeben haben.
-
Die Sekundärstruktur einiger der in Beispiel
1 beschriebenen Aptamere und Spiegelmere wurde mit dem Programm
rnafold (LL. Hofacker, et al., 1994, Monatsh. Chem 125, 167–188) bestimmt.
Im besonderen werden die Sekundärstrukturmodelle
der Aptamers 666 und 732 sowie der Spiegelmere 732-029, 732-026, 732-100
und 732-108 gezeigt. Die Ergebnisse sind in 4 und 5 sowie
für die
Spiegelmere in den Figs. 6, 7, 8 und 9 dargestellt. Die Sekundärstrukturmodelle
stimmten gut mit den Ergebnissen von enzymatischen Probing-Experimenten überein (Ehresmann,
C., et al., 1987, Nucleic Acids Res 15(22): p. 9109–28).
-
Die Sekundärstrukturen bestehen jeweils
aus einem Stamm, zwei Haarnadelschleifen und einer 15- oder 16-nt
langen Auswölbung
und bilden damit eine Kleeblatt-ähnliche
Struktur. Die Auswölbungen
im Strukturkern, geformt von C(10)-C(11)-U(12) und C(54)-U(55)-C(56),
und die Haarnadelschleife U(13) bis A(26) scheinen essentiell für die Erkennung
des Zielmoleküls
CGRP zu sein. Für
CGRP bindende Aptamere bzw. L-CGRP-bindende Spiegelmere kann somit
ein minimales Bindungsmotiv festgehalten werden, welches eine Kleeblatt-ähnliche
Struktur aufweist. Ein alternatives minimales Bindungsmotiv ist
die Ausbildung eines Stammes mit zwei Haarnadelschleifen und einer
15 oder 16 Nukleotide umfassenden Auswölbung. Bevorzugterweise wird
die Auswölbung
im Strukturkern gebildet durch die Nukleotidabfolge C(10)-C(11)-U(12)
und C(54)-U(55)-C(56)und die Haarnadelschleife durch die Nukleotidabfolge
U(13) bis A(26), wie in den 4 bis 9 dargestellt.
-
Aufgrund der gemessen Bindungsaffinität zum Zielmolekül CGRP mit
einem Ka von 10 nM wurde Klon 666 als Ausgangsklon für die Verkürzung und
Optimierung von 2'-F-RNA
Aptameren und Spiegelmeren ausgewählt. Wie in Beispiel 1 beschrieben,
wurde Klon 666 aus einem N40 Poo1, d. h. einem Poo1 dessen randomisierte
Sequenz eine Länge
von 40 Nukleotiden aufweist, isoliert und bestand aus einer 79-nt
langen Sequenz. Die Sequenz hat einen besonders auffälligen U-reichen
Bereich zwischen den Nukleotidposition 41-50, in dem 7 von 10 Nukleobasen
Uracile sind. Die Sekundärstruktur
des Klons 666 wurde mit dem Programm rnafold LL. Hofacker, et al.,
1994, Monatsh. Chem. 125, 167–188
vorhergesagt und ist in 4 dargestellt.
Die Sekundärstruktvorhersage
stimmte auch in diesem Fall gut mit den Ergebnissen enzymatischer
Probing-Experimente überein
(Ehresmann, C. et al., 1987, Nucleic Acids Res. 15(22), 9109–28). Das
Aptamer bildet eine charakteristische Kleeblatt-ähnliche Struktur, bestehend
aus einem Stamm mit mehreren kleinen Auswölbungen, zwei Haarnadelschleifen
(I und III) und einer scheinbar unstrukturierten 16-nt Auswölbung (II),
die die beiden Haarnadelschleifen verbindet. Alle vier Strukturelemente
haben ihren Ursprung in zwei gegenüberliegenden Auswölbungen
bestehend aus jeweils drei Basen. Die Primerbindungsstellen, vor
allem die 5'-Primerbindungsstelle,
sind im Stamm integriert.
-
Für
die Synthese von 2'-F-RNA
Spiegelmeren war es notwendig, die Sequenz von Klon 666 soweit zu verkürzen und
zu optimieren, daß das
resultierende minimale Bindungsmotiv eine chemische Synthese mit vertretbarem
Aufwand erlaubt bei gleichzeitigem Erhalt der hohen Affinität zum Zielmolekül.
-
Ein minimales Bindungsmotiv wurde
unter Verwendung von direkten Nukleotidpunktmutationen und -deletionen
identifiziert. Eine Serie von Deletionen mit Tetranukleotidblöcken ergab
eine erste Übersicht über Regionen,
die für
die Bindung des Zielmoleküls
essentiell sind. Deletionen in allen drei Doppelhelixregionen waren
möglich
und führten
nicht zu einer signifikanten Verringerung der Bindungsaffinität, allerdings
nur solange, wie eine Stammbildung noch möglich war. Sobald zu viele
Deletionen zum Verlust der Stammbildung führten, war keine Bindung an
das Zielmolekül
CGRP mehr zu beobachten. Dies war zu beobachten, wenn der schließende Stamm
des Nukleinsäurebinders
entweder auf weniger als fünf
Basenpaare oder die Haarnadelschleifen I und III auf weniger als
3 Basenpaare verkürzt
wurden.
-
Deletionen in den drei Schleifen
führte
zu unterschiedlichen Ergebnissen.
-
Eine jeder der im Folgenden beschriebenen
Ausführungsformen
der folgenden Sequenzen stellt eine erfindungsgemäße Nukleinsäure dar.
Das Ausschneiden der Nukleotide G(20)-A(21) in Haarnadelschleife I (in Analogie
zu Klon 732) führte
zu einem Nukleinsäurebinder
der weiterhin hochaffin war (Kd = 20 nM), jede weitere getestete
Deletion oder Mutation in Schleife 1 führte jedoch zu einem kompletten
Bindungsverlust. In Schleife III konnten die Nukleotide A(46) und
U(47) ohne Bindungsverlust herausgenommen werden. Wie zu erwarten,
führte
die Deletion einer der Basen U(48), U(49) oder U(50) in Kombination
mit A(46) zum gleichen Ergebnis. Verschiedene Verkürzungen
waren ebenfalls in Schleife II möglich,
im speziellen wurde das Herausnehmen der Basen G(28), U(29), A(30),
U(31), A(33) und A(35) toleriert, allerdings führte es zu verschieden starken
Veränderungen
in der Bindungsaffinität.
Eine Kombination dieser Deletionen war ausschließlich im Fall der Co-Deletion von U(29)-A(30)
möglich.
Der Stamm der Haarnadelschleife I erlaubte eine weitere Verkürzung der
Stammlänge
auf drei Basenpaare bei der Deletion des Basenpaares A(15) und U(24)
(die Stammlänge
wird bereits bei der Deletion der Nukleotide G(20)-A(21) in der
Schleife I von 5 Basenpaare auf 4 Basenpaare verkürzt (Klon
732, 5)). Die Auswölbung C(10)
bis U(12) und C(54) bis C(56) scheinen essentiell für die Erkennung
des Zielmoleküls
bzw. für
die hierzu benötigte
Tertiärstruktur
zu sein, da bereits die Deletion eines dieser Nukleotide zum vollständigen Verlust
der Erkennung des Zielmoleküls
CGRP führt.
-
Zusammenfassend läßt sich somit feststellen,
daß insbesondere
die Schleife der Haarnadelschleife I und die zentrale Auswölbung der
Kleeblattstruktur essentiell für
die Bindung des Zielmoleküls
sind. Die Haarnadelschleife III, die kleineren Auswölbungen
im Zentrum der Kleeblattstruktur und der daran anschließende Stamm
dienen wahrscheinlich der Stabilisierung einer speziellen Tertiärstruktur.
-
Weitere Verkürzungen konnten mit dem fast
vollständigen
Herausnehmen der 3'-Primerbindungsstelle C(64)
bis C(79) und dem Herausnehmen des Dinukleotides A(3)-G(4), einem
kleinen Teil der 5'-Primerbindungsstelle
aus dem abschließenden
Stamm des Nukleinsäurebinders,
erzielt werden. Eine derartige Verkürzung stellt der Klon 732 029
dar. Diese Verkürzung
ging einher mit einem nur geringfügigen Affinitätsverlust (Kd
= 30 nM). Der abschließende
Stamm konnte weiter durch die Deletionen der Basenpaare C(5):G(61)
und U(6):G(60) auf fünf
Basenpaare verkürzt
werden (Kd = 30 nM, wie dies auch in 7 beschrieben
ist).
-
Das Austesten verschiedener Kombinationen
dieser unterschiedlichen Deletionen führte zu K1on 732_100 (Länge 51 nt,
Ka = 75 nM, 8). Hierbei
wurden die Deletionen A(3)-G(4), C(5):G(61), U(6):G(60), G(20)-A(21),
A(15):U(24), A(46)-U(47) und C(64) bis C(79) miteinander kombiniert.
Dieses 51mer bindet mit einem Kd von 75 nM an das Zielmolekül CGRP.
Eine Analyse der mittels des Programms rnafold vorhergesagten Struktur
zeigt allerdings eine potentielle Alternativfaltung, die durch eine
Mutation des Basenpaares C(14):G(25) zu G(14):C(25) (Klon 732_103)
bzw. des Basenpaares C(44):G(52) nach G(44):C(52) (Klon 732_104)
verhindert werden kann. In der Tat zeigen diese beiden Klone auch
eine erhöhte
Affinität
zu CGRP mit einem Ka von 20 bzw. 40 nM. Klon 732_104 läßt sich
weiter mit der Deletion G(32) kombinieren, wodurch man Klon 732_108
erhält,
ein SOmer mit einem Kd von 35 nM (9).
-
Die Sequenzen 732_026 und 732_029
wurden für
die Herstellung von Spiegelmeren zur Bestimmung ihrer biologischen
Aktivitäten
ausgewählt.
Da kein Festphasenmaterial mit L-2'-F-modifiziertem
C zur Verfügung
stand, wurde zunächst
getestet, ob eine Mutation des jeweils endständigen GC-Basenpaares in ein CG-Basenpaar
entsprechend den Klonen 732_045 bzw. 732_096 (10 und 11)
ohne meßbaren
Verlust der Bindungsaffinität
möglich
war. Da nahezu identische Kd-Werte für 732_045
bzw. 732_096 im Vergleich zu 732 026 bzw. 732 029 erhalten wurden,
wurden diese für
die Produktion von Spiegelmeren zur Bestimmung ihrer biologischen
Aktivitäten
ausgewählt.
-
Eine weitere Methode, um ein minimales
Bindungsmotiv zu finden, wurde verfolgt, als Klon 666 oder verkürzte Formen
davon aus zwei unabhängig
voneinander synthetisierten Fragmenten kombiniert wurden. In zwei
Vorversuchen wurde eine Fragmentierung in jeweils einer der beiden
Haarnadelschleifen I und III getestet. Zum einen G(1) bis C(19)
und A(22) bis C(79) (dargestellt mit Klon 732_070a und 732_070b, 26) und zum anderen G(1)
bis A(46) + AG und C+U(49) bis C(79) (dargestellt mit Klon 732_071a
und 732_071b, 27).
-
Das zusammengesetzte System 732_070ab
zeigte keine meßbare
Bindungsaffinität
zu CGRP. Dieses Ergebnis verstärkt
die Vermutung, daß die
Haarnadelschleife I in den Bindungsprozeß mit CGRP involviert ist, wie
auch Daten des enzymatischen Probing-Experimenten nahelegen. Die
Fragmente 732_071a + 732_071 dagegen bilden einen Nukleinsäurebinder,
der mit einem Kd von 100 nM an das Zielmolekül CGRP bindet.
Weitere Experimente zeigten, daß der
Stamm der ehemaligen Haarnadelschleife III mindestens fünf Basenpaare lang
sein muß,
um ein meßbares
Bindungsereignis zu erhalten. Das Zusammensetzen eines Nukleinsäurebinders
aus zwei Fragmenten ist eine effiziente Alternative, um ein minimales
Bindungsmotiv zu erhalten. Es gestattet die Synthese und Produktion
von relativ langen Nukleinsäurebindern
in einem großen
Syntheseumfang unter vertretbarem wissenschaftlichen und auch wirtschaftlichen
Aufwand. Für
die Generierung von zusammengesetzten CGRPbindenden Nukleinsäurestrukturen
gelten die gleichen Grundlagen wie für einteilige Nukleinsäurebinder.
Die Affinität
und Bioaktivität
des resultierenden erfindungsgemäßen Nukleinsäurebinders 732_071ab
war vergleichbar mit denen der einteiligen Nukleinsäurebindern
732_108, 732_096 und 732_045 in den gemessenen Bereichen in den
verwendeten Assays (732_071ab, Kd = 100
nM), 732_108 Kd = 35 nM, 732_096 Kd = 30 nM und 732_045 Kd =
30 nM).
-
Die Spiegelmer/L-CGRP- und Aptamer/D-CGRP-Komplexe
ergaben innerhalb der experimentellen Fehlerabweichung übereinstimmende
Gleichgewichtsbindungskonstanten.
-
Die Nukleinsäurebinder 732_045, 732_096
und 732_071 ab wurden ausgewählt
für weiterführende biologische
Studien und in den entsprechenden enantiomeren Formen synthetisiert.
-
Die verschiedenen, im Rahmen dieses
Beispiels erzeugten und verwendeten Sequenzen sind in 18 dargestellt. Den in 18 dargestellten Sequenzen
kann dabei die jeweils folgende SEQ.ID.No. zugeordnet werden:
-
| Sequenz |
SEQ. ID. No. |
| 666 |
9 |
| 732 |
10 |
| 732 026 |
11 |
-
| 732 |
029 |
| 12 |
732 |
| 045 |
13 |
| 732 |
096 |
| 14 |
732 |
| 100 |
15 |
| 732 |
103 |
| 16 |
732 |
| 104 |
17 |
| 732 |
108 |
| 18 |
732 |
| 070a |
19 |
| 732 |
070b |
| 20 |
732 |
| 071a |
21 |
| 732 |
071b |
| 22 |
|
-
Beispiel 3: Selektion
von 2'-F-RNA-Aptameren
-
Es wurde eine weitere Selektion durchgeführt mit
dem Ziel, 2'-F-RNA-Aptamere
gegen D-CGRP zu identifizieren.
Die dabei angewandten Reaktionsbedingungen sind die folgenden:
-
Bei dem verwendeten Zielmolekül handelt
es sich um CGRP aus Ratten. Sequenz und Bereitstellung erfolgte
analog zu der in Beispiel 1 beschriebenen Vorgehensweise.
-
Selektionspool, Erstellung
des Startpools
-
Der Selektionspool SK60 besteht aus
einem randomisierten Bereich von 60 Nukleotiden, welcher von dem
T7-Primer (37 Nukleotide) vom 5'-Ende
und vom reverse-Primer (20 Nukleotide) am 3'-Ende flankiert wird. Der T7 Primer
beinhaltet einen Transkriptionsinitüerenden und einen Forward-Primerbereich.
Der Forward-Primer fängt
zur Verbesserung der Transkriptionseffizienz mit einen Guanosintriplett
an.
-
-
Die Annealing-Temperatur für die Primer
wurde theoretisch berechnet und im berechneten Rahmen anschließend experimentell
optimiert.
-
-
Tm = Schmelztemperatur,
Tp = 22 + 1.46 × [2 × (#GC) + (#AT)] = optimale
Annealing-Temperatur
mit optimaler Amplifikation, nach Wu et al., 1991, DNA and Cell
Biology 10, 233; ohne T7-Promotor-Region.
-
Der Pool wurde synthetisch hergestellt,
die Basenzusammensetzung bestimmt und eine Komplexität von 1 × 1015 Molekülen
entsprechend 1,78 nmol ssDNA über
Polymerase-Kettenreaktion
(engl. polymerase chain reaction [PCR]) amplifiziert. 1,78 nmol
der doppelsträngigen
DNA wurden in der in vitro Transkription mit fluorierten Pyrimidin-Nukleotiden (TriLink
BioTechnologies, San Diego, CA92121) in 2'-fluoroierte RNA nach Protokoll 1 umgeschrieben.
Der so hergestellte 2'-F-SK60
RNA Startpool wurde in die erste Selektionsrunde eingesetzt.
-
Protokoll
1. Ansatz der in vitro Transkription für die 1. Runde
-
Selektionspuffer
-
Der Selektionspuffer (20 mM HEPES,
150 mM NaCl, 5 mM KCl, 1 mM MgCl2 und 1
mM CaCl2) ist an physiologische Bedingungen
des menschlichen Bluts angelehnt und während der ganzen Selektion
verwendet. Der pH Wert von 7,4 wurde bei 37 °C eingestellt.
-
Selektionsstränge und
Stringenzen
-
Es wurden 2 verschiedene Selektionsansätze zur
Identifizierung einer CGRP bindenden 2'-Fluoro-RNA
durchgeführt,
deren Charakteristika in der folgenden Tabelle zusammengefaßt sind.
-
-
Der erste Ansatz wurde unter Verwendung
von Neutravidin-Agarose (Pierce) als Matrix zur Immobilisierung
des 2'-F-RNA/Peptidkomplexes
durchgeführt.
Die gebundene 2'-Fluoro-RNA wurde in 2 Schritten
von der Matrix eluiert. Zunächst
wurden die Binder über
Affinitätselution
durch Kornpetition mit einem Überschuß an nicht-biotinyliertem
CGRP eluiert. Anschließend
erfolgte eine Elution mit 8 M Harnstoff durch Denaturierung des
2'-Fluoro-RNA-Peptidkomplexes.
Die Eluate wurden getrennt in der Amplifikation aufgearbeitet, um
einen Selektionsdruck seitens der enzymatischen Reaktionen zu limitieren.
-
Der zweite Selektionsansatz wurde
auf Steptavidin-derivatisierten magnetischen Partikeln als Matrix zur
Immobilisierung des 2'-Fluoro-RNA-Peptidkomplexes
durchgeführt.
Die Elution erfolgte ebenfalls mit 8 M Harnstoff durch Denaturierung
des RNA/Peptidkomplexes.
-
Faltung der 2'Fluoro-RNA
-
Um eine Mg2+-
und Ca2+-Ionen unabhängige Faltung der 2'-Fluoro RNA zu erhalten,
wurde die Denaturierung und Renaturierung (Faltung) in Selektionspuffer
ohne Ca2+- und Mg2+-Ionen durchgeführt. Die
2'-Fluoro-RNA wurde
in Selektionspuffer ohne Mg2+/Ca2+ für
5 Minuten bei 95 °C
denaturiert und anschließend
für 30
Minuten auf 37 °C
gefaltet. Danach erfolgte die Zugabe der Ionen und eine weitere
Faltung für
10 Minuten bei 37 °C.
Der Ansatz wurde direkt auf eine Vorsäule gegeben.
-
Vorsäulen
-
Die Vorsäule wurde zur Gegenselektion
(counter-Selektion) von potentiell Matrix-bindenden 2'F-RNA Molekülen durchgeführt und
dient somit generell der Abreicherung Matrixbindender 2'-F-RNA innerhalb
des Selektionsprozesses. Unter einer Vorsäule versteht man eine unbeladene
Säule,
welcher der eigentlichen Peptidsäule
innerhalb einer Selektionsrunde vorgeschaltet ist. Die Vorsäule wurde
gleich der Hauptsäule
dimensioniert. Die 2'-F-RNA
wurde für
30 Minuten bei 37 °C
mit der Matrix inkubiert, und anschließend wurde die 2'-F-RNA mit einem Säulenvolumen
Selektionspuffer von der Matrix gewaschen. Die an der Matrix verbleibende
markierte RNA wurde bestimmt und als Vorsäule dokumentiert. Die eluierte
2'-F-RNA wurde für den Selektionsprozeß weiter
verwendet.
-
Der Verlauf der Vorsäulen während der
Selektion, d. h. der an der Matrix verbleibende Anteil markierter RNA,
ist in 12 dargestellt.
Dabei ist beachtlich, daß ab
der Runde 13 die Selektion SA in zwei Selektionsstränge aufgeteilt
wurde, nämlich
Selektionsstrang SA-1 und SA-0,1, die sich in der Peptidkonzentration
unterschieden. Im Falle von SA-1 betrug die Peptidkonzentration
in Runde 13 10 nM und in den Runden 14 bis 16 1 nM, wohingegen im
Selektionsansatz SA-0,1 die Konzentration an Peptid in der 13. Runde
10 nM und anschließend
in den Runden 14 bis 16 nur 0,1 nM betrug.
-
Anbindung
und Immobilisierung
-
Zu der 2'F-RNA in Lösung wurde direkt das biotinylierte
D-CGRP zugegeben. Die Konzentration des biotinylierten Peptids im
Bindungsansatz wurde im Laufe des Selektionsprozesses, wie in der
nachfolgenden Tabelle dargestellt, sukzessive verringert.
-
-
Die Anbindung des biotinylierten
rCGRP-2'-F-RNA Ansatzes
an die Neutravidin- bzw. Steptavidin-derivatisierte Matrix erfolgte
durch direkte Zugabe des Bindungsansatzes auf die Matrix. Die Bindung
erfolgte im Thermoschüttler
(Eppendorf) für
10 Minuten bei 37 °C
mit einer Schüttelgeschwindigkeit
von 800 UpM.
-
Waschen
-
Der an der Matrix immobilisierte
bio-CGRP-2'F-RNA
Komplex wurde mit Selektionspuffer gewaschen, um nicht gebundene
2'F-RNA in einzelnen
Waschschritten von der Säule
zu entfernen. CGRP-1 bindende 2'F-RNA
verbleibt dabei auf der Matrix. Ein Waschvolumen betrug 100 μl Selektionspuffer.
Während
der Selektion wurde die Stringenz der Selektion über die Erhöhung der Waschschritte angezogen,
wie dies auch aus der nachfolgenden Tabelle ersichtlich ist.
-
-
Elution der gebundenen
2'-Fluoro-RNA
-
Selektionsansatz NA-A: Die Elution
der an der Matrix über
das Peptid gebundenen 2'-F-RNA erfolgte zunächst über Kompetition
mit nicht-biotinyliertem CGRP in einem 10-fachen Überschuß über dem
immobilisiertem bio-CGRP. Die Inkubation erfolgte für 12 Stunden
bei 37 °C
im Überkopfschüttler. Anschließend erfolgte
eine Flution der verbleibenden 2-F-RNA durch Denaturierung des 2'-F-RNA/Peptidkomplexes
durch Zugabe von 8 M Harnstoff. Die Inkubation erfolgte bei 65°C für 20 Minuten
im Thermoschüttler
bei einer Schüttelgeschwindigkeit
von 1200 UpM.
-
Selektionsansatz SA-1/0,1: Die Elution
erfolgte durch Denaturierung des 2'-F-RNA/ Peptidkomplexes durch Zugabe
von 8 M Harnstoff. Die Inkubation erfolgte bei 65 °C für 20 Minuten
in einem Thermoschüttler bei
einer Schüttelgeschwindigkeit
von 1200 UpM.
-
Der Verlauf der eluierten 2'-F-RNA und der Peptidkonzentration
des Selektionsansatzes NA-A
ist in 13 dargestellt.
Es konnte eine Anreicherung bindender 2-F-RNA in der sechsten Selektionsrunde
bei 1 μM Peptidkonzentration
gezeigt werden. Die Peptidkonzentration wurde kontinuierlich bis
auf 10 nM reduziert. Eine Reduktion der Peptidkonzentration erfolgte
jeweils nur nach erneuter Anreicherung bindender 2'-F-RNA bei gegebener
Peptidkonzentration, wie dies in den Runden 6, 8, 10 und 13 dargestellt
ist. Die Selektion wurde ab Runde 13 bis 16 bei 10 nM Peptid in
Plateau geführt,
und die angereicherten Nukleinsäuren
wurden kloniert und sequenziert.
-
Der Verlauf der eluierten 2'-F-RNA und der Peptidkonzentration
der Selektionsstränge
SA-1 und SA-0,1 ist in Abb. 14 AB dargestellt. Die Selektionen SA-1
und SA-0,1 wurden bis zur 13. Runde gemeinsam als ein Selektionsstrang
geführt
und dann in die unterschiedlichen Selektionsstränge SA-1 und SA-0,1 mit unterschiedlicher
Fortführung
der Peptidkonzentration bis zur Runde 16 geführt, kloniert und sequenziert.
Eine Reduktion der Peptidkonzentration erfolgte dabei jeweils nur
nach erneuter Anreicherung bindender 2'-F-RNA bei
gegebener Peptidkonzentration, wie dies in den Runden 8, 11 und
13 dargestellt ist.
-
Amplifikation
-
Extraktion
und Fällung
-
Die eluierte 2'-F-RNA wurde mittels Phenol-Chloroform-Extraktion
gereinigt und anschließend
mit Glycogen als Carrier, 0,3 M Natriumacetat pH 5,5 und 3 Volumina
50:50 (v/v) Ethanol-Isopropanol für 30 Minuten bei –80°C gefällt.
-
Reverse Transkription
(RT)
-
Die gefällte 2'-F-RNA wurde mittels reverser Transkription
in einzelsträngige
DNA (ssDNA) umgeschrieben. Es werden < 5pmol 2'-F-RNA-Templat pro 40 μl Ansatz
eingesetzt.
-
Zunächst wurden der 10 μM SK60-reverse
Primer nach Denaturierung (5 Minuten 95 °C) des 2'-F-RNA Templates in der Anwesenheit
von 0,8 M Betain durch direktes Abkühlen der Probe auf Eis (sogenanntes.
snap cooling) annealed. Anschließend wird der first strand
Puffer (250 mM Tris/HCl, pH 8,3, 375 mM KCl, 15 mM MgCl2),
10 mM DTT und Desoxyribonukleinsäure
zugegeben. Die Pufferbedingungen entsprechen denen für das Enzym
Superscript II (Standardbedingungen des Herstellers). Der Ansatz
wird für
2 Minuten auf 48 °C
erwärmt,
und 5 Units der Reversen Transkriptase werden hinzugegeben. Die
Inkubation erfolgte über
einen Temperaturstufengradienten (48 °C 30 Minuten, 50 °C 20 Minuten,
55 °C 10
Minuten, 70 °C
15 Minuten) in einem PCR Thermocycler.
-
Polymerase-Kettenreaktion
(Polymerase-chain-reaction)
-
Jeweils 10 μl des RT-Ansatzes wurden als
Template für
die PCR eingesetzt, was einer Template-Menge von 1-5 pmol/100 μl PCR Ansatz
entspricht. Die Nukleotidsequenzen der Primer sind:
-
Der PCR-Ansatz wurde wie folgt zusammen
gegeben und bis zu einer Ausbeute an dsDNA von ca. 1 pmol/μl Ansatz
bei 1 Minute 94 °C
Denaturierung, 1 Minute 72 °C
Annealing und 1 Minute 72 °C
Elongation gefahren. Die Reaktion wurde auf einem denaturierenden
8 %igen Polyacrylamidgel analysiert.
-
Protokoll
2 : PCR-Reaktion während
der Selektion
-
Die PCR Ansätze wurden mit Ethanol gefällt, in
Wasser resuspendiert, und 50–100
pmol Material wurden für
die in vitro Transkription eingesetzt.
-
2'-Fluoro Transkription
-
50 pmol dsDNA wurden als Template
für die
Transkription mit Fluoro-Pyrimidinnukleosidtriphosphaten eingesetzt.
Das Verhältnis
der 2'-Fluroro-Pyrimidinnucleosidtriphosphaten
zu den nicht-modifizierten Purinnukleosidtriphosphaten ist 3:1.
Die Inkubation wurde über
Nacht bei 37 °C
in einem Thermoblock durchgeführt.
-
4. Ergebnisse
-
Verlauf der Selektionen
-
Die Selektionen wurden in der ersten
Runde als Sammelrunde angelegt, um möglichst keine bindenden F-RNA-Moleküle zu verlieren.
In den folgenden Runden wurde über
die Intensivierung der Waschschritte, die Verringerung der Peptidkonzentration,
sowie die Erhöhung
des RNA:Peptid-Verhältnisses
die Stringenz hinsichtlich der Selektion hochaffiner bindender 2'-F-RNA kontinuierlich
angezogen.
-
Es konnte für den Selektionsstrang NA eine
erste Anreicherung an CGRP-bindender 2-F-RNA in den Runden 6 und 8 gezeigt werden.
Nach Erhöhung
der Stringenzfaktoren und anschließendem Einbruch des Signals
konnte jeweils ein erneuter Anstieg an bindender 2'-F-RNA beobachtet werden.
Die Selektion wurde schließlich
bei einer Peptidkonzentration von 10 nM hinsichtlich des Signals
in ein Plateau geführt,
und die Eluate (Affinitätselution
und denaturierende Elution) wurden getrennt amplifiziert, kloniert
und sequenziert. NA-A bezeichnet die Sequenzen der Eluate der Affinitätselution
und NA-D die Eluate der anschließenden denaturierenden Elution.
-
Der Selektionsstrang SA zeigte in
Runde 8 eine Anreicherung an CGRP bindender 2'-F-RNA. Eine Reduktion der Peptidkonzentration
führte
immer zunächst
zu einem Einbruch des Signals mit anschließender erneuter Anreicherung
(Runden 11 und 13). Nach der Runde 13 wurde der Selektionsstrang
in die beiden Stränge
SA-1 und SA-0,1 gespalten. SA-1 wurde bei einer Peptidkonzentration
von 1 nM, SA-0,1 bei einer Peptidkonzentration von 100 pM in ein
Signalplateau gebracht; beide Strängen wurden dann getrennt amplifiziert, kloniert
und sequenziert.
-
Sequenzen:
-
Im Rahmen der Selektion wurden die
folgenden Sequenzen erhalten:
Die vorstehend
genannten Sequenzen entsprechen dabei den folgenden SEQ.ID.No.:
-
| Sequenz |
SEQ.ID.No. |
| 1 |
23 |
| 2 |
24 |
| 3 |
25 |
| 4 |
26 |
| 5 |
27 |
| 6 |
28 |
| 7 |
29 |
| 8 |
30 |
| 9 |
31 |
| 10 |
32 |
-
Ranking
-
Ein Ranking der Klone wurde über Bindungsversuche
gegen 1 μM
D-CGRP in Lösung
ermittelt. Die gefaltete, radioaktiv markierte RNA wurde 2 Stunden
bei 37 °C
mit dem Peptid inkubiert, über
Neutravidin-Agarose immobilisiert, gewaschen, und die prozentuale
Anbindung der 2'-F-RNA
an CGRP wurde ermittelt. Die Klone D7, E1, G10 und E3 zeigten die
höchste
prozentuale Anbindung. Das Ergebnis ist auch in 19 dargestellt. Die Zuordnung der Herkunft
der Klone aus den jeweiligen Selektionssträngen NA-A (Affinitätselution), NA-D
(denaturierende Elution), SA-1 und SA-0,1 ist unter der x-Achse
dargestellt.
-
Kompetition
-
Zur weiteren Charakterisierung der
Klone C5, E1, F1 D7, B3 und F10 wurden Kompetitionstests durchgeführt. Das
Ergebnis ist in 20 dargestellt.
Die Kompetition durch nicht-biotinyliertes D-CGRP wurde durch Inkubation
des biotinylierten D-CGRP (1 μM)
und des freien CGRP (10 μM)
bei 37 °C
mit radioaktiv markierter 2-F-RNA für 2 Stunden bestimmt. Es konnte
gezeigt werden, daß die
Klone C5, E1 und D7 durch freies CGRP kompetierbar sind, wohin gegen
die Klone F1, B3 und F10 das nicht-biotinylierte CGRP nicht erkennen.
-
Bead-Assay
zur Bestimmung der Dissoziationskonstanten
-
Jeweils 50 pmol der markierten 2'-F-RNA der Klone
E1, D7 und 732 (Referenz, Ursprung der 2'-F-RNA-Selektion mit Pool PB40) wurden
gefaltet und für
3 Stunden mit unterschiedlichen bio-CGRP-Konzentrationen in Lösung bei
37 °C im
Thermoschüttler
inkubiert. Anschließend
wurde eine konstante Menge magnetischer Steptavidin-Beads (Roche)
als Matrix zugegeben und der 2'-F-RNA/
Peptid-Komplex für
10 Minuten bei 37 °C
und einer Schüttelgeschwindigkeit
von 800 UpM immobilisiert. Die magnetische Partikelmatrix wurde mittels
eines Magnetseparators getrennt, der Überstand abgenommen und die
Differenz der gebundenen/ungebundenen 2'-F-RNA ermittelt. Von den ermittelten
Werten wurde die Kontrolle (0 μM
bio-CGRP) als Background abgezogen. Die ermittelten Werte wurden
in das Software-Programm GraphFit (Erithacus Software Ltd.) eingegeben
und die Dissoziationskonstante bestimmt.
-
Die abgeschätzte Dissoziationskonstante
ist danach 196 nM für
E1 und 42 nM für
D7. Der Referenzklon 732 (siehe Anwendungsbeispiel 1) aus der Selektion
mit dem Startpool PB40 als interner Kontrolle für den hier verwendeten Bead-Assay
ergab eine Dissoziationskonstante von 23 nM. Das Ergebnis ist in
den 21 und 22 dargestellt. Weitere
erhaltene Sequenzen sind in den Figs. 48 und 49 dargestellt.
-
Beispiel 4: Verwendung
von Nukleinsäuren
ohne Primer-Bindungsstellen für
die Selektion von D-CGRP bindenden Nukleinsäuren
-
Für
die hierin beschriebenen Untersuchungen wurden die folgenden Materialien
verwendet, wobei die Angaben zu den Herstellern der folgend aufgeführten Substanzen,
Lösungen
und Enzyme bei den entsprechenden Textpassagen aufgeführt wurden.
In allen Fällen
wurde LiChromosoly Wasser von Merck verwendet.
-
Ratten α-D-CGRP wurde von Bachem, Heidelberg
synthetisiert. Das zur Selektion verwendete Peptid trägt eine
Biotingruppe am Carboxylterminus um die Trennung von ungebundenen
Nukleinsäuren
mittels der Biotin-Streptavidin oder Biotin-Neutravidin Anbindung
zu ermöglichen.
Hierfür
wurde als Matrix Neutravidin-Agarose und Ultralink Plus Immobilized
Streptavidin Gel (beides von Pierce) verwendet.
-
Die verwendeten Oligonukleotide,
d. h. RNA- und DNA-Nukleotide, wie Primer, Startpool, Ligationskonstrukte
und dergleichen wurden alle bei der NOXXON Pharma AG mit Standard-Phosphoramiditchemie synthetisiert.
Die Sequenzen finden sich in der folgenden Übersicht.
-
Verwendete und getestete
Oligonukleotide STAR-1 Oligonukleotide
-
Für
die hierin offenbarten Sequenzen gilt hinsichtlich der Schreibweise
folgendes: Angaben in kursiv Schrift bezeichnen Nukleotide der Ligationsmatrizen,
die mit der Bibliothek hybridisieren.
-
Der unterstrichene Bereich einer
Sequenz bedeutet, dass dieser Bereich dem T7 RNA-Polymerase-Promotor entspricht.
NOH bezeichnet allgemein ein Ribo-Nukleotid.
COme bezeichnet ein 2'-OMethyl-modifiziertes Cytosin.
P
bezeichnet ein 5'-Phosphat
-
Übersicht
der verschiedenen Sequenzen:
-
-
Herstellung des Startpools
-
Für
eine Komplexität
von 1×1015 Molekülen
wurden 1,67 nmol Startpool in die Selektion eingebracht. Entsprechend
wurde 33,4 Transkriptionen mit 50 pmol „STAR-1 initialer Pool, Reverse
Strang" (5' COMeCOMeT GTC-(dN)40-GTC
CTA TAG TGA GTC GTA TTA GTA GTG CGA AG) als Templat einer 100 μl Reaktion
verwendet. Zur Bewerkstelligung eines DNA-Doppelstranges im Bereich
des T7 Promotors wurde „STAR-1
Forward Primer" im
1,5 fachen Überschuß zu „STAR-1
initialer Pool, Reverse Strang" dem
Reaktionsansatz zugefügt.
Die RNA wurde im Anschluß gelgereinigt
und gefällt
(Transkription und Gelreinigung siehe unten).
-
Selektionsschritte
Denaturierung und Faltung der RNA
-
Alle nicht-enzymatischen Schritte
der Selektion – mit
Ausnahme der Denaturierung – wurden
in Selektionspuffer (10 mM Hepes-KOH pH 7,5 (Biochrom AG); 150 mM
NaCl; 4 mM KCl; 1 mM Mgl2; 1 mM CaCl2 (alle Ambion) und 0,05 % Tween-20 (Sigma))
durchgeführt.
Die Denaturierung erfolgte für
5 Minuten bei 95°C
in Selektionspuffer ohne Tween-20, MgC12 und
CaCl2. Nach der Denaturierung wurde die
RNA zunächst
für 15 Minuten
bei 37°C
(oder Raumtemperatur) auf 37°C
(oder Raumtemperatur) abgekühlt.
Tween-20, MgCl2 und CaCl2 wurden
zugesetzt und die Faltung nochmals bei 37°C (oder Raumtemperatur) für 15 Minuten
fortgesetzt.
-
Anbindung
-
Im Anschluss an die Faltung wurde
die RNA zunächst
bei 37°C
(oder Raumtemperatur) für
30 Minuten ohne Peptid entweder mit der Matrix Neutravidin-Agarose
oder mit Ultralink Plus Immobilized Streptavidin Gel inkubiert.
Diese sogenannte Vorselektion diente der Abtrennung von potentiellen
Matrixbindern. Nach diesem Inkubationsschritt wurde die ungebundene
RNA von der Matrix mittels Filtration durch MobiTec-Säulchen getrennt,
mit verschiedenen Konzentrationen von biotinyliertem CGRP versetzt
und für
mindestens 2 Stunden – bei
niedrigen Peptidkonzentrationen gegebenenfalls auch über Nacht – bei 37°C (oder Raumtemperatur)
belassen. Daraufhin wurde dem Bindungsansatz die biotinbindende
Matrix zugesetzt. Die Matrix mit der daran gebundenen RNA wurde
nach 30 min von der Lösung
durch Zentrifugation getrennt und mit Selektionspuffer gewaschen.
Das hierbei verwendete Waschvolumen lag in den ersten Runden bei
der 5-10fachen Menge der Matrix, in späteren Selektionsrunden bei
25fachem Waschvolumen.
-
Elution der
bindenden RNA-Moleküle
-
Hierzu wurde die nach dem Waschen
auf der Matrix verbliebene RNA zweimal mit jeweils 400 μl 8 M Harnstoff
mit 10 mM EDTA (beide von Ambion) für 15 Minuten bei 65° C vom Matrixmaterial
eluiert. Die eluierte RNA wurde mit 400 μl Phenol/(Chloroform/Isoamylalkohol)-Gemisch
(1:(1:1/24)) (Applichem) versetzt, 5 min bei 13000 rpm bei Raumtemperatur
zentrifugiert, die wässrige
Phase (Überstand)
abgenommen, die phenolische Phase einmal mit 100 μl Wasser
re-extrahiert, die wässrigen
Phasen vereinigt und mit 500 μl
Chloroform-Isoamylyalkohol-Gemisch (24:1) (Applichem) geschüttelt, 5
min bei 13000 rpm auf Raumtemperatur zentrifugiert und die obere
wässrige
Phase abgenommen.
-
Die wässrige Phase wurde daraufhin
mit 2,5 fachen Volumen 100% Ethanol (Fluka), 0,3 M Natriumacetat
(Ambion) und 1 μl
Glycogen (Roche) für
30 min bei –80°C gefällt und
für 30 min
bei 14.000 rpm (4°C) zentrifugiert.
Das Pellet wurde einmal mit eiskaltem 70 %igem Ethanol (Fluka) gewaschen.
-
Ligation und
Amplifikation
-
Vorbereitung
für die
Ligation
-
Entscheidend für eine erfolgreiche Ligation
war die Ermittlung der zu ligierenden RNA-Menge. Die eluierte RNA-Menge wurde über die
Radioaktivität
und – wenn
möglich – über die
OD bestimmt. Die OD-Bestimmung hat den Nachteil, dass ein Minimalvolumen
von 50 μl
nötig ist.
Für den
Ligationsansatz durfte die RNA aber nicht in zu großem Volumen
aufgenommen werden.
-
Deshalb wurde zu Beginn einer jeden
Selektionsrunde die spezifische Aktivität [cpm/pmol] bestimmt. Damit
ließ sich
die Menge der eluierten RNA gut abschätzen.
-
Abschätzung der H2O-Menge
zur Lösung
des Pellets:
-
Da die Ligationsansätze für Templat-Mengen
von bis 5 pmol Templat beziehungsweise ab 5 pmol Templat optimiert
wurden, wurde für
die folgende Berechnung der H2O-Menge das
entsprechendene Protokoll gewählt.
Mit Hilfe des Ligationsprotokolls wurde die maximale Menge H2O bestimmt und das Pellet entsprechend gelöst.
-
Ligation
-
Für
die Ligation wurden in Vorversuchen 2 Ansätze mit unterschiedlichen (Templatmenge)/(Reaktionsvolumen
+ Enzymmenge)-Verhältnissen
bestimmt. Die Ansätze
variieren zudem, wenn statt der hier aufgeführten „Simultan-Ligation" die „Parallele-2-Schritt-Ligation" durchgeführt wurde
(siehe unten).
-
Ansätze bis 5 pmol: "Simultan Ligation"
-
Volumen
des Ansatzes: 14 μl
pro 1 pmol RNA-Templat
-
"Parallele-2-Schritt-Ligation": In diesem Fall
wurde die gelöste
RNA in zwei Ansätze
geteilt. Der erste Ansatz wurde zunächst am 5'-Ende ligiert, während der zweite Ansatz zunächst am
3'-Ende ligiert
wurde. Dementsprechend wurden zunächst jeweils nur die entsprechende
Menge „ds
F- oder R-Adapter" in
den Ansatz gegeben . Nach dem ersten Ligationschritt wurden entsprechend
dann die jeweils noch fehlenden „ds F- oder R-Adapter" zugesetzt, 5 min.
auf 50°C
erhitzt und danach erneut RNAse-out und Ligase dazugegeben.
-
Ansätze ab 5 pmol: "Simultan Ligation"
-
Volumen
des Ansatzes: 14 μl
pro 5 pmol RNA-Template
-
„Parallele-2-Schritt-Ligation": (wie oben beschrieben)
-
Ligation nach der ersten
Runde
-
Im Gegensatz zu dem oben beschriebenen
Protokoll, ist nach der 1. Runde die Zugabe von ds R-Adapter 2 (für n + 1
Transkripte) nicht notwendig, da die Transkription vor der 1. Runde
durch Einsatz von zwei terminalen 2'-O-Methyl-Nukleotiden sauber terminiert
wurde. Deshalb wurd im Anschluß an
die erste Runde nur ds R-Adapter 1 (Rev Ligat/Rev Primer) im 20× Überschuß zur eluierten
RNA eingesetzt.
-
Reverse Transkription
-
Die Reverse Transkription fand – direkt
im Anschluss an die Ligation – mit
bis zu 15 pmol ligierter RNA in einem Volumen von bis zu 100 μl statt.
Bei größeren Stoffmengen
müssen
mehrere Parallelansätze
gemacht werden. Die Größe des rT-Ansatzes
ist durch die unterschiedlich konzentrierten Ligationsansätze bestimmt (Simultan-Ligation/Parallele-2-Schritt Ligation
bis bzw. ab 5 pmol).
-
Eckpunkte für die RT waren:
-
PCR
-
PCR wurde mit maximal 1 pmol Template
pro 100-μl-PCR
durchgeführt.
Wenn eine größere Stoffmenge
RNA eluiert wurde, mussten mehrere PCRs parallel angesetzt werden.
Wenn man bedenkt, dass vor Beginn eines Anstieges häufig nur
1 pmol eluiert werden und somit die Kompexität nicht größer als die Anzahl der Moleküle in einem
pmol sein kann, kann man ohne Zweifel auch nur einen Teil (> 1 pmol) der cDNA PCR-amplifizieren
(man muss nicht die gesamte cDNA in PCR einsetzen). Dies wurde ab
Runde 5 so gehandhabt.
-
Grund für den Einsatz von maximal 1
pmol Ligationstemplat in die PCR ist die Ligationsmatrix für die n
+ 1-Transkripte (3'-Mikroheterogenitäten in der
Transkription). Die genutzte Ligationsmatrix mit der "universal"-Base (2'-Desoxyinosin) wird
in die PCR verschleppt und kann dort auch zwangsläufig als
Reverse Primer primen. So entsteht ein nicht spaltbares PCR-Produkt.
Je mehr Templat in die PCR gebracht wird, desto mehr Ligationsadapter
werden verschleppt und desto mehr unspaltbares PCR-Produkt entsteht.
Deshalb sollte nie mehr als 1 pmol Templat in die PCR eingesetzt
werden.
-
Wird dagegen Inosin als "universal base" für die Ligationsmatrix
verwendet, kann bis zu 5 pmol (oder mehr, nicht getestet) Templat
in die PCR eingesetzt werden. In diesem Fall sind auch die durch
die Ligationsmatrize geprimten PCR-Produkte alkalisch verdaubar
(Wurde in dieser Selektion nicht verwendet). Wie bei der Ligation
und reversen Transkription gab es zwei verschiedene PCR-Protokolle
für Simultan-Ligation/Parallele-2-Schritt
Ligation bis bzw. ab 5 pmol.
-
Eckpunkte für die PCR waren:
-
In der Regel wurden 13-15 PCR-Zyklen
gefahren.
-
Alkalische
Spaltung des Reverse-Strande und Testgel
-
Zunächst wurden 10 μl PCR-Produkt
testweise alkalisch gespalten. Das Standardrezept für die analytische
alkalische Spaltung des Reverse-Stranges sah wie folgt aus:
-
Im Anschluss wurde der pH-Wert mittels
Indikatorpapier überprüft. Der
pH-Wert sollte in etwa bei pH 5-6 liegen.
-
Das gespaltene PCR Produkt wurde
mittels eines ssDNA-Standards (Länge
78 nt, zur Probe wurde 3,55 μmol
NaCl (Ambion) zugegeben, um Salzeffekt auszugleichen) auf einem
10 % denaturierenden PAGE quantifiziert, um zu bestimmen, welches
Volumen alkalisch gespaltenes PCR-Produkt in die folgende in vitro-Transkription
(Ziel-Menge: 50 pmol PCR-Produkt
pro 100-μl-Ansatz)
eingesetzt werden muss. In der Regel wurden 100 pmol PCR-Produkt alkalisch
verdaut (für
zwei 100 μl
in vitro-Transkriptionen).
-
Ethanolfällung mit
Natriumacetat
-
Die Ethanolfällung mit Natriumacetat (Ambion)
diente an dieser Stelle hauptsächlich
zum Entsalzen der Proben.
-
Es wurde 1/10 Volumen der PCR an
3 M NaOAc (pH 5,3), 2,5fache PCR-Volumen an 100 % Ethanol und 1-2 μl Glycogen
(20μg/ml)
hinzugefügt.
Der Ansatz wurde 30 min bei -80°C
gefällt,
30 min bei 13.000 – 14.000
rpm bei 4°C
zentrifugiert, das Pellet einmal mit 500 μl 70 %igem Ethanol gewaschen
und 5 min bei 13.000 – 14.000
rpm abzentrifugiert. Das Pellet wurde in Wasser (1/10 des ursprünglichen
PCR-Volumens) resuspendiert oder der T7-Transkriptionsansatz direkt auf das
Pellet pipettiert (und dann resuspendiert).
-
T7-Transkription
-
sWährend der T7-Transkription
wurde radioaktives alpha-32P-GTP (Hartmann)
eingebaut. In die in vitro Transkription wurden 50 pmol Templat
(pro 100 μl
Ansatz) eingebracht. Als Besonderheit gegenüber anderen Transkriptionen
wurde ein 8-facher Überschuss
an Guanosin-5'-Monohosphat
(8 × GMP) über GTP
zugegeben, so dass die meisten Transkripte ein 5'-Monophosphat getragen haben dürften.
-
Eckpunkte für die in vitro Transkription
waren:
-
Der 10× Txn-Puffer (SK) enthält 800 mM
Hepes/KOH (Biochrom), 220 mM MgCl2 (Ambion), 10 mM Spermidin (Fluka),
pH 7,5.
-
Die in vitro-Transkription wurde
für 8–16 Stunden
bei 37°C
durchgeführt.
Im Anschluß wurde
die verbliebene DNA mit ca. 10 units DNAse I (Sigma) verdaut (20
min bei 37°C).
Der Verdau wurde durch Zugabe von EDTA (Ambion) gestoppt (Endkonzentration
25 mM).
-
Gelreinigung der transkribierten
RNA
-
Den 100-μl-Transkriptionsansätzen wurde
je 50μl
konzentrierte Harnstoff-Lösung
(Roth) mit Blaumarker (7,2 M urea, 10% Bromphemolblau (Merck)) zugesetzt,
5 min bei 95°C
denaturiert und auf ein präparatives denaturierendes
10 % PAA-Gel gegeben (Laufzeit etwa 1 Stunde bei 50 Watt). Als Größenstandards
wurden zusätzlich
ein RNA-(50mer) und DNA(78mer)-Größenstandard (je 250 pmol) aufgetragen.
Die Banden wurden mittels „UV-Shadowing" (bei 256 nm) sichtbar
gemacht.
-
Die ausgeschnittene Gel-Bande wurde
mittels „Crush & Soak" eluiert. Dazu wurden
die Gelstücke
in 360 μl
H2O und 140 μl
5 M Ammoniumacetat (Endkonzentration ca. 2 M) aufgenommen. Die Crush-and-soak-Elution
lief 2 × 1,5
Stunden bei 68°C
auf dem Thermoschüttler
(1000 rpm). Die Überstände wurden
durch Ultrafree MC-Säulchen
(Millipore) in der Tischzentrifuge in 2 ml Eppis gefiltert. Dem
Crush-and-Soak Filtrat (500 μl)
wurden 1-2 μl
Glycogen (20 μg/ml)
und 1250 μl
100% Ethanol zugegben, die RNA 30 min bei Raumtemperatur gefällt, für 30 min
bei 13.000-14.000 rpm abzentrifugiert, das Pellet einmal mit 400 μl eiskaltem
70 %igem Ethanol gewaschen und letztendlich für 5 min bei 13.000-14.000 rpm
abzentrifugiert. Das getrocknete Pellet wurde in 100 μl Wasser
aufgenommen und die RNA-Konzentration bei 260 nm photometrisch bestimmt.
-
Ergebnisse
-
Simultane 5'- und 3'-Ligation: STAR-R02
-
Selektion STAR-R02 wurde in Runde
6 in zwei Stränge
geteilt. Der erste Strang wurde mit einer Peptidkonzentration von
10 μM und
einem 2-fachem Peptid-Überschuss
ins Plateau geführt.
Runde 10 wurde kloniert und sequenziert. Das Ergebnis ist graphisch
in 28 und tabellarisch
in 29 dargestellt.
-
Sequenzierung von Selektionsrunde
STAR-R02-10
-
Es wurden von 82 auswertbaren Sequenzen
62 verschiedene Sequenzen erhalten. Davon tragen 19 das charakteristische
Kern-Motiv 1 (CATACGGTGAAAGAAACGAT), jedoch mit mit leichten Abwandlungen
als in späteren
Selektionsrunden. Sieben Klone zeigen ein über den gesamten randomisierten
Bereich gespanntes Motiv 1/1, das nur an drei aufeinanderfolgenden
Positionen beliebige Variabilität
zulässt.
Es enthält
im Zentrum das Motiv 1. (ggacGACATGTTC NNN GAACATACGGTGAAAGAAACGATTGTCGgacagg).
Darüber
hinaus tauchen zwei Klone in der Sequenzierung von STAR-R02-12MW
wieder auf. Ein weiterer findet sich in STAR-R02-15d.
-
Selektion
mit höherer
Stringenz
-
Selektionsrunde 6 wurde wiederholt,
wobei mehrere Parallelansätze
selektiert wurden. Diese unterschieden sich lediglich in einer fallenden
Peptidkonzentration. In den folgenden Runden wurde die Peptidkonzentration
immer weiter verringert. Die Wahl der Peptidkonzentrationen geschah
wie folgt: Die höchste
Peptidkonzentration entsprach der Konzentration bei der in der vorangegangenen
Runde noch erfolgreich hatte selektiert werden können (Signal > 1 %, mindestens 3-fach über Leerselektion).
Zusätzlich
wurden um den Faktor 3,16 und den Faktor 10 verringerte Peptidkonzentrationen
eingesetzt. Als Kontrolle diente eine Leerselektion ganz ohne Peptid.
Die Runden 11–14
wurden mit einem verringerten RNA:Peptid-Verhältnis von 5:1 selektiert, Runde
15 als Doppelrunde (2× Selektion
mit Verzicht auf Amplifikation) Das Ergebnis ist graphisch in 30 und tabellarisch in 31 dargestellt.
-
Sequenzierung von Selektionsrunde
STAR-R02-15d
-
Es wurden von 41 auswertbaren Sequenzen
22 verschiedene Sequenzen erhalten, die alle das charakteristisches
Motiv 1 (CATACGGTGAAAGAAACGAT) aufwiesen. 14 davon zeigten das erweiterte
Motiv 1/1. 20 der 41 Klone treten auch in Selektion STAR-RNA-03-11
mit paralleler 2-Schritt-Ligation auf. 17 zum Teil überschneidende
finden sich in STAR-R02-12MW
wieder, 3 in der 37°C-Selektion
STAR-R02-15xx. Eine einzige Sequenz findet sich in Selektion STAR-R02-10.
-
Matrixwechsel
-
Ab Runde 8 wurde ausgehend von Runde
7s (1 μM)
ein weiterer, paralleler Seletionsstrang eröffnet. Dieser zeichnet sich
gegenüber
den vorher genannten Seletionssträngen durch den wiederholten
Wechsel der Selektionsmatrix (Festphase) aus. Es wurde zwischen
Streptavidin ultra-link Plus (Pierce/Perbio) und Neutravidin-Agarose
(Pierce/Perbio) gewechselt. Das Ergebnis ist graphisch in 32 und tabellarisch in 33 dargestellt..
-
Sequenzierung von Selektionsrunde
STAR-R02-12MW
-
Es wurden von 35 auswertbaren Sequenzen
22 verschiedene Sequenzen erhalten (1 davon hat ein N). 20 der 22
(19 ohne N der 22) Sequenzen tragen das charakteristische Motiv
1, das auch schon in Selektion STAR-R02-15d beobachtet wurde (CATACGGTGAAAGAAACGAT).
11 Klone bestehen aus dem erweiterten Motiv 1/1. 2 der 35 Klone
sind aus Selektion STAR-R02-10 bekannt, 21 aus STAR-R02-15d. 2 treten
auch in STAR-R02-15xx und 15 Klone in STAR-R03-11 auf.
-
Selektion bei 37°C
-
Ab Runde 10 wurde aus der Matrixwechsel-Selektion
(RNA 02MW) ein weiterer Strang abgezweigt und bei 37°C weiterselektiert.
Runden 13xx, 14xx, 15xx wurden als Doppelrunden selektiert. Das
Ergebnis ist graphisch in 34 und
tabellarisch in 35 dargestellt.
-
Sequenzierung von Selektionsrunde
STAR-R02-15xx
-
Klonierung und Sequenzierung lieferten
40 auswertbare Klone mit 17 verschiedenen Sequenzen (3 davon tragen
ein N). 6 Sequenzen (5 ohne eine Seq. mit N) tragen das typische
Motiv 1 (CATACGGTGAAAGAAACGAT). 4 (3 ohne N) Sequenzen tragen ein
Teilmotiv von dem oben genannten: (GAAAG) und sind beinahe identisch.
Ein Klon zeigt das charakteristische Motiv 1/1. 7 Klone (davon 6
identisch) tragen das Motiv 1/1 jedoch mit vier aufeinander folgenden
variablen Positionen (ggacGACATGTTC NNNN GAACATACGGTGAAAGAAACGATTGTCGgacagg).
-
Aus diesem Selektionsstrang ging
Klon R02-15xx-A11 hervor, der in den Beispielen 9 und 11 in der Zellkultur
und in Beispiel 12 im Micro-Kalorimeter charakterisiert wurde.
-
6 (5 ohne eine mit N) Sequenzen tragen
mit leichten Variationen ein neu identifiziertes Motiv 2 (GATGGCGCGGTCTNAAAAAACGCCGNNNGGGNGAGGG).
Eine weitere ein sehr ähnliches
mit einer Abwandlung (6 nt) im Zentrum des Motivs. Von den 40 Klonen waren
bereits drei identische in Selektion STAR-R02-10 zu finden. Zwei
traten in STAR-R02-15d
auf. Einer davon auch in STAR-R02-12MW. 7 Klone waren in Selektion
R03-11 zu finden.
-
Parallele 2-Schritt-Ligation:
Selektion STAR-R03
-
Die Selektion, deren Eluate zunächst geteilt
und dann erst 5' und
dann 3' bzw. erst
3' und dann 5' ligiert wurden,
wurde mit steigender Stringenz bis in Runde 11 geführt. Das
Ergebnis ist graphisch in 36 und
tabellarisch in 37 dargestellt.
-
Sequenzierung von Selektionsrunde
STAR-R03-11
-
Die Klonierung und Sequenzierung
lieferte von 47 Klonen 29 verschiedene Sequenzen. 26 davon enthielten
das charakteristische Motiv (CATACGGTGAAAGAAACGAT). Einer Sequenz
fehlt davon das 5'C
(→ A). Eine
Sequenz zeigt das verkürzte
Motiv (GAAAG, siehe STAR-R02-15xx). 14 der 26 zeigten das erweiterte Motiv
1/1. Zwei weitere das Motiv 1/1 mit vier aufeinanderfolgenden variablen
Nukleotiden, das auch in Selektion STAR-R02-15xx auftrat. Eine Sequenz ist offensichtlich
ein Orphan.
-
Es gibt keine Sequenzüberschneidungen
mit STAR-R02-10. 20 Klone fanden sich auch in Selektion STAR-R02-15d,
19 Klone in Selektion STAR-R02-12MW und 7 Klone in STAR-R02-15xx.
-
Insgesamt ist also auf Sequenzebene
aufgrund der großen Überschneidung
kein Unterschied zwischen gleichzeitiger und paralleler 2-Schritt-Ligation
festzustellen. Von zwei Klonen wurden bereits abgewandelte Moleküle synthetisiert
(verkürzt
und terminaler Stern stabilisiert). Dies sind: STAR-R03-11-F10-45-001 und
STAR-R03-11-C 12-48-001.
-
Aus dieser Selektion ging der Klon
R03-11-F10 hervor, der in Beispiel 12 im Mikrokalorimeter näher charakterisiert
wurde.
-
Die verschiedenen erhaltenen Sequenzen
sind in Figs. 43 – 47
dargestellt.
-
Beispiel 5: Selektion
eines an biotinyliertes CGRP bindenden Aptamers unter Anwendung
nicht-modifizierter RNA
-
In diesem Beispiel wird die Selektion
von Aptameren beschrieben, die gegen CGRP, genauer biotinyliertes
CGRP von der Ratte binden. Das CGRP wurde erworben von Jerini AG
und weist 37 Aminosäuren
bei einem pI gemäß SWISS
PROT-Datenbankeintrag von 7,8 auf. Als Matrix wurde Neutravidin-Agarose
verwendet, nach Runde 9 wurde auf magnetische Streptavidin-Beads
entsprechend den in Beispiel 3 verwendeten Materialien gewechselt.
Die Immobilisierung für
die Selektion mit prä-immobilisiertem
CGRP erfolgte auf NeutrAvidin-Agarose
unter Verwendung des folgenden Puffers, der auch als Selektionspuffer
verwendet wurde: 10 mM HEPES (pH 7,4), 1 mM CaCl2,
1 mM MgCl2, 4 mM KCl, 150 mM NaCl, 0,1 %
Tween 20.
-
Die Komplexbildung erfolgte auf der
Matrix, nach Runde 9 in Lösung.
Die Elution erfolgte durch Affinitätselution für das prä-immobilisierte Target, mit
8 M Harnstoff für
die Streptavidin-Beads. Die Selektionstemperatur war 37 °C und als
Pool wurde der RNA-Pool verwendet, wie er im Zusammenhang mit Beispiel
1 verwendet wurde, mit der Ausnahme, daß hier keine 2'-Fluor-modifizierten
Pyrimidinnukleotide verwendet wurden.
-
Charakteristika der Selektion:
-
Die Selektionen wurden bei einer
konstanten Konzentration des Zielmoleküls von 50 μM bis zur Runde 9 durchgeführt. Ab
Runde 9 wurde diese Konzentration schrittweise auf 10 nM abgesenkt,
um die Stringenz der Selektion langsam zu erhöhen. Im Verlauf der Selektion
wurden ausgehend von einen 2,5-fachen Waschvolumen der Waschanteil
auf ein 5-faches (Runden 3-6) bzw. 10-faches (ab Runde 7) Waschvolumen
erhöht. Das
Zielmolekül
war in den Runden 1-8 prä-immobilisiert
auf NeutrAvidin – Agarose.
In den folgenden Runden (ab Runde 9) erfolgte die Komplexbildung
in Lösung
an magnetischen Streptavidin Beads. Als Elutionsmethode wurde jeweils
5 Minuten mit 7 M Harnstoff bei 65 °C eluiert.
-
Verlauf der Selektion:
-
Im Verlauf der Selektion konnte ein
erster Anstieg in der Runde 4 beobachtet werden. Dieser Anstieg konnte
sich jedoch erst in Runde 9 mit 17 % Anbindung durchsetzten. Da
in dieser Runde auch ein Anstieg auf der Vorsäule zu beobachten war, erfolgte
in dieser Runde der oben erwähnte
Umstieg auf die magnetischen Streptavidin Beads, wobei noch ca.
10 % der RNA eine Anbindung zeigten. Durch die Steigerung der Stringenz der
Selektion wurde versucht, die Qualität der bindenden Moleküle hinsichtlich
einer höheren
Bindungskonstante zu verbessern. In Runde 15 wurden bei einer Konzentration
von 500 nM des Zielmoleküls
eine Anbindungsrate von 16 % erreicht und der Pool wurde kloniert
und sequenziert. Die Sequenzierung ergab 4 Sequenzfamilien, die
mit 14 bis 32 Klone stark vertreten waren, weitere 13 Sequenzen
waren 2 bis 7 mal im Pool vorhanden. Weiterhin wurden 36 Einzelsequenzen
gefunden. Die Bestimmung von Bindungskonstanten unter Verwendung
der Biacore-Vorrichtung ergaben Affinitäten, die von der Zielaffinität von KD < 30
nM noch zu weit entfernt waren. Die beste Bindungskonstante wurde
für die
Einzelsequenz G12 ermittelt. Aufgrund dieses Ergebnisses wurde die
Selektion bei weiterer Erhöhung
der Stringenz bis in Runde 19 (Konzentration an Zielmolekül 10 nM)
weitergeführt.
In Runde 18 erfolgte als Kontrollexperiment eine Anbindung bei einer
Konzentration des Zielmoleküls
von 5 μM
und einem Verhältnis
RNA zu Zielmolekül
von 1:1, dabei wurde eine 50%ige Anbindung erreicht. Nach Abschluß der Runde
19 bei 10 nM und einer Anbindungsrate von 8,5 % wurde der erhaltene
Pool sequenziert. Aus dem Ergebnis der Sequenzierung konnte eine
Sequenzfamilie identifiziert werden, die über 60 % des Pools ausmacht.
Dieses Sequenzfamilie entsprach dem Klon G 12, dem besten Binder aus
der Sequenzierung nach Runde 15 (wobei G12 dort eine Einzelsequenz
war). Für
den Klon G12 wurde eine Kp von 100 – 200 nM bei 25°C bestimmt.
-
Die Ergebnisse der Biacore-Versuche
legen ein bivalentes Bindeverhalten des Klons nahe. Dies konnte
in Versuchen mit nicht-biotinyliertem CGRP gezeigt werden. Auch
zeigt die Wiederholung der Runde 19 mit Affinitätselution, bei der die Elution
der an biotinyliertem CGRP gebundenen RNA mit freiem, nicht-biotinyliertem
CGRP erfolgt, nur einen geringen Anteil an eluierbarer RNA. Diese
Runde 19 mit Affinitätselution
wurde nicht sequenziert. Weiterhin wurde in der Sequenzierung der
Runde 19 mit denaturierender Elution neben dem dominanten G12 Klon
eine weitere Motivfamilie mit 14 Vertretern, sowie 30 neue Einzelsequenzen
gefunden. Die Bestimmung der Dissoziationskonstanten unter Verwendung
der Biacore-Vorrichtung ergab, daß alle diese neuen Sequenzen
eine geringere Affinität
und damit eine schlechtere Dissoziationskonstante als der Klon G12 aufwiesen.
-
Der Verlauf der Selektion ist in
der nachfolgenden Tabelle wiedergegeben.
-
-
Die bevorzugten Einzelsequenzen können wie
folgt dargestellt werden.
-
-
G12 – Gruppe
12:
wobei die K
D-Werte nur
in einem sehr schmalem Band variierten.
-
-
Die bindenden Nukleinsäuren dieser
Gruppe zeigen KD-Werte schlechter als die
Nukleinsäure
gemäß Klon G12.
-
-
Die bindende Nukleinsäuren dieser
Gruppe zeigt einen KD-Wert schlechter als
die Nukleinsäure
gemäß Klon G12.
-
Beispiel 6: Synthese von
L-2'-Fluoro-phosphoramiditen
-
Die Synthese von 5'-DMT-2'-fluoro-L-uridin
und 5'-DMT-2'-Fluoro-N(Ac)-L-cytidin
phosphoramidites (3 and 5) ist in Figs. 15 bis 17 veranschaulicht:
2'-Fluoro-L-uridine
2 wurde gemäß Codington,
J. F., Doerr, I. L., & Fox,
J. J. (1964) J. Org. Chem. 29, 558, aus L-Arabinose 1 synthetisiert.
Anschließend
wurde sie zu 5'-DMT-2'fluoro-L-uridine
konvertiert und phosphityliert (15),
um das Phosphoramidit zu erhalten (17).
-
Die Bezüge gemäß 15 bedeuten dabei:
a) Cyanamid,
MeOH, NH4OH; b) Methylpropiolat, EtOHaq;
c) HF, Dioxan, Autoklav 120°C;
d) DMTCI, DMAP, Pyr; e) Cl-P(OCH2CH2CN)N(iPr)2, DIPEA,
DMAP, THF.
-
Für
die Konversion von D-Uridin-Derivaten in D-Cytidin-Derivate sind
in der Literatur (Sung W. L. (1982) J. Org. Chem. 47, 3623; Reese
C.B., Ubasawa A. (1980) Tetrahedron Lett., 2265; Sung W. L. (1981)
J. Chem. Soc. B, 1089; Krug A., Schmidt S., Lekschas J., Lemke K.,
Cech D. (1989) Journal f. prakt. Chemie, 331(5), 835) viele Synthesewege
beschrieben. Diese Synthesen nutzen als Ausgangsgruppe 1,2,4-Triazol (Sung
W. L. (1982) J. Org. Chem. 47, 3623) oder 1-Tetrazol (Reese C.B.,
Ubasawa A. (1980) Tetrahedron Lett., 2265; Sung W. L. (1981) J.
Chem. Soc. B, 1089; Krug A., Schmidt S., Lekschas J., Lemke K.,
Cech D. (1989) Journal f. prakt. Chemie, 331(5), 835). Die Synthese
von 2'-Fluoro-L-cytidin
4 wurde mit der 1,2,4-Triazol-Chemie (Krug A., Schmidt S., Lekschas
J., Lemke K., Cech D. (1989) Journal f. prakt. Chemie, 331(5), 835)
durchgeführt.
Das hierdurch gewonnene 2'-Fluoro-L-cytidin
4 wurde anschließend
aminoacetyliert, trityliert und phosphoryliert (16) um 5 zu erzielen.
-
Die Bezüge gemäß 16 bedeuten dabei:
a) BzCl, Pyr;
b) 1,2,4-Triazol, 4-Chlorophenylphosphordichloridate, Pyr; c) NH3 (28% in Wasser) /Dioxan; d) Ac2O,
DMF; e) DMTCI, DMAP, Pyr; f) Cl-P(OCH2CH2CN)N(iPr)2, DIPEA,
DMAP, THF.
-
Die Details der Konversion von 2'-Fluoro-L-uridin
2 in 2'-Fluoro-L-Cytidin
4 werden in der folgenden Abbildung beschrieben (17):
-
Die Bezüge gemäß 17 bedeuten dabei:
a) BzCl, Pyr;
b) 1,2,4-Triazol, 4-Chlorophenylphosphordichloridat, Pyr; c) NH3 (28% in Wasser)/Dioxan; oder NH3 (28% in Wasser)/Dioxan und MeO/NH3 sat.
-
2'-Fluoro-L-uridin
2 wurde zuerst benzoyliert um 6 zu erzielen. Die Substanz 6 wurde
ohne Aufreinigung direkt weiter mit 1,2,4-Triazol und 4-Chlorophenylphosphordichloridat
umgesetzt um 7 zu ergeben. Nach der Behandlung mit Ammoniak/Dioxan
kann 2'-Fluoro-Lcytidin
direkt aus der ungereinigten Substanz als beige-braunes Kristallisationsprodukt
erhalten werden.
-
Von besonderem Interesse bei dieser
Syntheseart ist, daß keine
Aufreinigung der Zwischensubstanzen notwendig ist. Die Endsubstanz
kann von der Rohsubstanz mit hoher Ausbeute von etwa 70 % erhalten werden.
-
Versuchsaufbau
-
2'-Fluoro-L-uridine
2 (22,35 g, 57 % Reinheit, 90 mmol) wurde dreimal mit trockenem
Pyridin (3 × 40 ml)
coevaporiert. Die Rohsubstanz wurde in trockenes Pyridin eingebracht
(150 ml, mit Molekularsieb) und auf 0 °C gekühlt. Benzoylchlorid wurde tropfenweise
hinzugegeben, und die Reaktion wurde 1 h bei 0 °C umgerührt und über Nacht bei Zimmertemperatur
gelagert (TLC (Hex/EE 1/2): Rf: 0,5). Die Reaktion wurde mit Methanol
gestoppt (5 ml) und bis zur Trockene eingeengt. Die Restsubstanz
wurde in DCM (250 ml) aufgelöst
und mit NaHCO3 (50 %, 150 ml, dreimal) verdünnt. Die
organische Phase wurde über
Na2SO4 getrocknet
und eingeengt.
-
Die Rohsubstanz wurde in trockenem
Pyridin (300 ml) aufgelöst.
Die Mischung wurde mit Molekularsieb bei 0 °C unter N2 30
Minuten lang umgerührt.
1,2,4-Triazol (4,0 eq, 360 mmol, 29,9 g) wurde dann hinzugefügt. Diese
Mischung wurde bei Raumtemperatur 10 Minuten lang umgerührt. Danach
wurde langsam 4-Chlorophenyl-phosphodichloridat (2,0 eq, 180 mmol,
29,3 ml) der Mischung zugeführt.
Nach 30 Minuten wurde die Reaktion exotherm.
-
Die Mischung wurde 2 h bei 0 °C umgerührt und über Nacht
bei Raumtemperatur aufbewahrt. Das ungereinigte Produkt lief in
auf der Dünnschichtplatte
in einem Fleck (TLC, Hexan/ Essigsäureethylester 1/2): Rf: 0,34).
Die Restsubstanz wurde in DCM (250 ml) aufgelöst und die organische Phase
mit verdünntem
NaHCO3 (50 %, 300 ml) (exotherm) gewaschen.
Die organischen Phasen wurden über
Na2SO4 getrocknet
und evaporiert.
-
Die Rohsubstanz wurde in Dioxan (600
ml) und NH3 (600 ml, 28 % in Wasser) aufgelöst, dann
72 h bei Raumtemperatur umgerührt.
Nach der TLC Kontrolle (DCM/MeOH 9/1, Rf: 0,34) wurde die Mischung
bis zur Trockene eingeengt (bräunliches Öl) und mit
Methanol (zweimal 50 ml) coevaporiert. Die bräunliche Restsubstanz wurde
in einer Mischung aus Wasser (200 ml) und DCM (200 ml) aufgelöst. Die
wäßrige Phase
wurde anschließend
dreimal mit DCM (150 ml) gewaschen und soweit konzentriert, bis
ein minimales Volumen (50 ml) erreicht wurde. Nach einer Nacht im
Kühlschrank
wurde die Substanz filtriert, mit DCM (zweimal 25 ml) sowie Et2O (2 × 25
ml) (beige-braune Kristalle, 6,1 g (50 % Ausbeute) gewaschen. Ein
zweiter Ertrag (3,0 g, 23 % Ausbeute) wurde nach einer kurzen Chromatographie
von der Originalsubstanz (Lagerung auf Silica Gel, Verlauf von McOH
in DCM (5-30 %)) und einer zweiten Kristallisierung aus Wasser (Totalausbeute
73 %) erzielt.
-
Eine alternative Methode könnte sich
aus der Suspension der Rohsubstanz in Dioxan (300 ml) und NH3 (300 ml, 28% in Wasser) ergeben. Die Mischung
wurde 2 h bei Raumtemperatur umgerührt. Nach der TLC Kontrolle
(DCM/MeOH 9/1) wurde die Mischung zur Trockne (bräunliches Öl) evaporiert
und mit Methanol (zweimal 50 ml) coevaporiert. Die Rohsubstanz wurde
in Methanol (ca. 5 ml) aufgelöst,
und gesättigter
methanolischer Ammoniak (200 ml) wurde zugegeben. Die Mischung wurde über Nacht
umgerührt.
-
Beispiel 7: Bestimmung
der Zytotoxizität
von an CGRP bindenden selektierten L-Nukleinsäuren
-
Auf der Grundlage der in Beispiel
2 selektierten L-Nukleinsäuren
wurde eine der Verbindungen, nämlich
732 096, verwendet, um die Toxizität der L-Nukleinsäure zu bestimmen.
Als zelluläres
Testsystem wurde dabei die Neuroblastom-Zellinie SK-N-MC mit der
Accession Nummer ACC 203 (DSMZ, Deutsche Sammlung von Mikroorganismen
und Zellkulturen GmbH, Braunschweig) verwendet
-
AlamarBlue
Test
-
Der AlamarBlue Test ist ein Assay
zu Erfassung von Zellwachstum und Zytotoxizität. AlamarBlue ist ein Indikatorfarbstoff
zur quantitativen Messung der Proliferation von eukaryotischen und
prokaryotischen Zellen. AlamarBlue ist ein ungiftiger, wasserlöslicher
Oxidations-Reduktions-Indikator, der bei erfolgter chemischer Reduktion
sowohl seine Fluoreszenz- als auch seine colorimetrischen Eigenschaften ändert. Chemische Reduktion
des Indikators findet in lebenden Zellen proportional zum zellulären Metabolismus
und zur intrazellulären
Enzymaktivität
statt und ist daher ein Maß für die Zytotoxizität getesteter
Substanzen (Ahmend et al., 1994, J. Immunol. Methods 170, 211–224, Page
et al., 1993, Int. J. Oncology 3, 473–476,. Die Absorption kann mit
einem Mikrotiterplattenphotometer bei 570 nm (Excitation) (600 nm
Emission; Referenz) gemessen werden.
-
Zur Durchführung wird AlamarBlue in Kulturmedium
zu 5 % verdünnt,
mit 100 μl/Napf
eine Mikrotiterplatte (96-er Format) auf die vorher mit den Testsubstanzen
(Spiegelmere) 30 Minuten inkubierten Zellen gegeben und für eine bestimmte
Zeit im Brutschrank inkubiert. Die Inkubationszeit richtet sich
nach Zellart und Zellzahl. Als Richtwert gelten für die verwendeten
SK-N-MC-Zellen (Neuroblastom Zellinie) 2 h. Nach Ende der Inkubationszeit
erfolgt die photometrische Messung.
-
Als Maß für die Zytotoxizität wird die
prozentuale Veränderung
der behandelten Näpfe
gegen die jeweiligen Kontrollen ermittelt. Hemmungen größer 20 %
werden als cytotoxische Effekte betrachtet.
-
Das Ergebnis ist tabellarisch in
der nachfolgenden Tabelle angegeben.
-
-
Beispiel 8: Hemmung der
cAMP-Produktion durch humanes CGRP bindende Spiegelmere
-
Die Analyse der biologischen Wirksamkeit
von CGRP-bindenden L-Nukleinsäuren,
d. h. von Spiegelmeren wurde wie folgt vorgenommen.
-
Zellen der humanen Neuroblastoma-Linie
SK-N-MC mit der Accession Nummer ACC 203 (DSMZ, Deutsche Sammlung
von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, Braunschweig) werden
in einer Zahl von 4 × 104 pro Napf einer 96 Napf-Mikrotiterplatte
ausgesät
und bei 37°C
und 5% CO2 in DMEM (1,000 mg/L Glucose),
das zusätzlich
10 % hitzeinaktiviertes fötales
Kälberserum
(FCS), 4 mM L-Alanyl-L-Glutamin (GLUTAMAX ), 50 units/ml Penicillin,
50 ug/ml Streptomycin enthält,
kultiviert. 48 h nach Aussaat sind die Zellen zu 80-90 % konfluent und
werden für
die Versuche eingesetzt.
-
Die Spiegelmere werden zusammen mit
1 nM humanem oder Ratten-CGRP (Bachem) in Hank's balanced satt solution (HBSS) + 1
mg/ml BSA für
15–60
min bei RT oder 37 °C
in einer 0,2 ml "Iow
profile 96-tube"-Platte
inkubiert. Kurz vor Zugabe zu den Zellen werden 2 μl einer 50
mM IBMX-Lösung
zugegeben. Die Zellen werden 20 min vor Zugabe der CGRP/Spiegelmer-Ansätze mit
1 mM IBMX vorbehandelt.
-
Zur Stimulation wird das Medium von
den Zellen abgesaugt, und die vorinkubierten Ansätze werden zugegeben. Nach
Inkubation für
30 min bei 37 °C
werden die Zellüberstände abgesaugt
und die Zellen mit 50 μl/Napf
Lysis-Puffer für
30 min bei 37 °C
lysiert. Der Lysis-Puffer
ist Bestandteil des "cAMP-ScreenTM System"-kits
(Applied Biosystems), mit dem der cAMP-Gehalt der Extrakte bestimmt
wird. Jeweils 10 μl
der Extrakte werden in den Test eingesetzt. Die Durchführung des
Tests erfolgt wie vom Hersteller beschrieben:
-
In einer Assay-Platte (beschichtet
mit Ziegen anti-Kaninchen-IgG) werden zu 50 μl des Lysis-Puffers 10 μl/Napf des Lysats gegeben und
mit 30 μl/Napf
des nach Herstellerangaben verdünnten
cAMP-Alkalische Phosphatase-Konjugats vermischt. Danach werden 60 μl/Napf des
im Kit mitgelieferten cAMP-Antikörpers
hinzugefügt.
Es folgt eine Inkubationszeit von 1 h unter Schütteln bei Raumtemperatur. Danach
werden die Lösungen
aus den Näpfen
entfernt und diese sechsmal mit dem mitgelieferten Waschpuffer gewaschen.
Zur Detektion werden 100 μl/Napf
CSPD/Sapphire-II RTU Substrat zugegeben, 30 min bei RT inkubiert
und die Lumineszenz in einem POLARstar Galaxy Multidetektions-Plattenlesegerät (BMG)
gemessen.
-
In diesem Testsystem wurde zwei im
Rahmen von Beispiel 2 hierin beschriebenen L-Nukleinsäuren getestet. Dabei handelt
es sich um die Sequenzen 732 096 und 732 045 entsprechend den SEQ.ID.No
14 und 13.
-
Die Spiegelmere 732 045 und 732 096
wurden vor Zugabe zu den Zellen zusammen mit 1 nM humanem CGRP in
Medium (M199) ohne Serum für
15 min vorinkubiert. Nach 30 min bei 37 °C erfolgte die Lyse der Zellen.
Die Extrakte aus jeweils zwei gleich behandelten "Näpfen" wurden vereinigt und die Mengen an cAMP
wie beschrieben bestimmt.
-
Das Ergebnis ist in 23 dargestellt. Aufgetragen wurden die
gebildeten Mengen an cAMP als Prozentsatz der Kontrolle. Die graphische
Auswertung ergibt als Konzentration an Spiegelmer, bei der nur noch 50
% der in der Kontrolle vorhandenen cAMP-Menge gebildet wird (IC50),
einen Wert von ca. 60 nM für
732 096 (59mer) und von ca. 22 nM für 732 045 (55mer). Diese sehr
guten IC50 Werte, die auch mit den Dissoziationskonstanten korrelieren,
zeigen deutlich, daß die
identifizierten Fluoro-Spiegelmere extrem potent sind, potenter
als die mit gleichen Methoden bisher selektierten unmodifizierten
RNA-Moleküle.
-
Beispiel 9: Hemmung der
cAMP-Produktion durch Ratten-CGRP bindende Spiegelmere
-
Der Versuch wurde wie im Zusammenhang
mit Beispiel 8 beschrieben durchgeführt. Das Spiegelmer L 501L,
das im Rahmen von Beispiel 4 selektiert worden war, wurde vor Zugabe
zu den Zellen zusammen mit 1 nM Ratten-CGRP in Hank's balanced salt solution
(HBSS) + 1 mg/ml BSA für
60 min bei 37 °C
vorinkubiert. Nach 30 min Stimulationsdauer erfolgte die Lyse der
Zellen und die Bestimmung der cAMP-Mengen in den Lysaten wie beschrieben.
Es wurden Dreifachbestimmungen durchgeführt und die gebildeten Mengen
an cAMP als Prozentsatz der Kontrolle (kein Spiegelmer im Vorinkubationsansatz)
f Standardabweichung aufgetragen in 24.
Die graphische Auswertung ergibt als Konzentration an Spiegelmer, bei
der nur noch 50 % der in der Kontrolle vorhandenen cAMP-Menge gebildet
wird, einen Wert von ca. 60 nM.
-
Mit einer halbmaximalen stimulierenden
Konzentration durch CGRP von ca. 1 nM, wie in Beispiel 11 bestimmt,
ergibt sich daraus ein Ki-Wert von ca. 30 nM.
-
Beispiel 10: Bindungsstudien
an zellulärem
CGRP-Rezeptor
-
Membranen von CHO-K1 Zellen, die
mit humanem calcitonin-receptor related receptor (CRLR, Genbank:
U17473) und humanem receptor-associated modifying protein type 1
(RAMP1, Genbank: AJ001014) transfiziert sind (Fa. Euroscreen, Brussels,
Belgium), werden zügig
aufgetaut, in 20 mM HEPES, 100 mM NaCl, 10 mM MgCl2,
1 mM EDTA pH 7.4 verdünnt
und durch Homogenisieren resuspendiert. Für jeden Testansatz werden 2 μg Membranprotein
in 20 mM HEPES pH 7.4, 10 mM MgCl2, 100
mM NaCl, 1 mM EDTA, 1 μM
GDP und den Spiegelmeren in einem Volumen von 150 μl inkubiert.
Nach 30-minütiger Inkubation
bei Raumtemperatur werden 50 μl
2 nM [35S]GTPγS (Fa. Amersham) hinzugefügt und für weitere
30 Minuten bei Raumtemperatur inkubiert. Danach werden 25 ug WGA-PVT-Kügelchen
(Weizenkeimagglutinin-beladene Polyethyleneimine-behandelt) (Amersham)
in 50 μl
hinzupipettiert, für
30 Minuten bei Raumtemperatur inkubiert und die Assay-Platte für 10 min
bei 3200 rpm zentrifugiert. Die gebundene Aktivität wurde
mit einem Wallac1450 MicroBetaTM scintillation counter (Wallac)
bestimmt.
-
Auswertung. Die Daten werden durch
nicht-lineare Regression analysiert (GraphPad Prism, Vers. 3.02,
Graphpad Software Inc., San Diego, CA, USA).
-
Die Bindungsstudien wurden mit den
beiden Spiegelmeren 732_045 und 732_096 durchgeführt, die im Rahmen von Beispiels
2 selektiert wurden. Das Ergebnis ist in 25 dargestellt.
-
Beide Spiegelmere hemmen effizient
die Bindung des Liganden an den Rezeptor. Das bedeutet, daß das Spiegelmer
spezifisch das CGRP erkennt, wegfängt und deshalb keine Rezeptorbindung
und Rezeptoraktivierung erfolgt. Folglich kann auch kein [35S]GTPγS
eingebaut werden.
-
732_045 und 732_096 wurden jeweils
mittels HPLC oder Gel gereinigt. 25 zeigt,
daß die
Reinigungsmethode im Rahmen des Fehlers nur einen unwesentlichen
Einfluß auf
die biologische Aktivität
der Fluoro-modifzierten RNA-Spiegelmere hat.
-
Beispiel 11: Zellkulturexperimente – Dosis-Wirkungskurve
für CGRP
-
SK-N-MC- Zellen wurden wie in Beispiel
8 beschrieben in 96-well-Platten kultiviert. 20 min vor Stimulation
mit Ratten α-CGRP
wurde das Medium durch jeweils 100 μl Hank's balanced satt solution (HBSS) + 1 mg/ml
BSA ersetzt und mit 1 mM 3-Isobutyl-1-methylxanthin (1BMX) versetzt.
Die Stimulation mit CGRP erfolgte durch Zugabe aus 100- bzw 30 fach
konzentrierten Stammlösungen
von in PBS gelöstem
Ratten-α-L-CGRP
(Bachem). Nach 30 min bei 37°C
wurde der Überstand
abgesaugt und die Zellen mit 50 μl
Lysis-Puffer lysiert. Der cAMP-Gehalt der Extrakte wurde bestimmt
wie in Beispiel 8 beschrieben. Die Auftragung der gebildeten cAMP-Mengen
gegen die zur Stimulation verwendete CGRP-Konzentration, wie dargestellt in 38 ergab eine halbmaximale
Aktivierung von ca. 1 nM.
-
Beispiel 12: Kalorimetrische
Bestimmung der Bindungskonstanten und der Aktivität Durchführung
-
Die Bindung von Spiegelmeren an Ratten
alpha-CGRP wurde auch über
das Verfahren der Isothermen Titrations-Kalorimetrie (ITC) mit dem
VP ITC (Microcal) bestimmt.
-
Dazu wurden 1,465 ml einer 10 μM Lösung der
Spiegelmere in die adiabate Messzelle des Gerätes vorgelegt. Die bei Zugabe
von 7,5 μl
einer 70 μM
Ratten α-L-CGRP-Lösung frei
werdende Bindungsenthalpie wird von dem Gerät registriert. Durch wiederholte
Zugabe des Peptides und Messung der jeweils frei werdenden Bindungsenthalpien
können
Bindungskonstanten und Aktivitäten
der Moleküle
bestimmt werden.
-
Das Spiegelmer STAR-R02-15xx-A11
wurde bei 37°C
vermessen. Das Ergebnis ist in den 39 und 40 dargestellt.
-
Das Spiegelmer STAR-R03-F10 wurde
bei 25°C
gemessen. Das Ergebnis ist in den Figs. 41 und 42 dargestellt.
-
Ergebnisse der ITC-Messung
-
Die Bindungskonstante oder Dissoziationskonstante
Kp ist der Kehrwert der Assoziationskonstante KA (K
im Enthalpiediagramm) und ergab sich für das Spiegelmer STAR-R02-15xx-A11 zu 65 nM. Die
Aktivität
war 42 %. Dies ist etwas schlechter als die Daten der Zellkultur,
aber in der gleichen Größenordnung.
-
Spiegelmer STAR-R03-11-F10 zeigte
bei 25°C
eine Bindungskonstante von 28 nM und eine Aktivität von 83
%.
-
Beispiel 13: Charakterisierung
von Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12 (NOX-504)
-
Der Versuch wurde, wie im Zusammenhang
mit Beispiel 8 beschrieben, durchgeführt. Das Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12
(auch als NOX-504 bezeichnet) wurde vor Zugabe zu den Zellen zusammen
mit 1 nM Ratten-aCGRP in Hank's
balanced salt solution (HBSS) + 1 mg/ml BSA 60 min bei 37°C vorinkubiert.
Nach 30 min Stimulationsdauer erfolgte die Lyse der Zellen und die
Bestimmung der cAMP-Mengen in den Lysaten wie beschrieben. Es wurden
Doppelbestimmungen durchgeführt
und die gebildeten Mengen an cAMP + Standardabweichung in 50 aufgetragen. Die graphische
Auswertung ergab als Konzentration an Spiegelmer, bei der nur noch
50% der in der Kontrolle (Inkubation der Zellen mit CGRP aber ohne
Spiegelmer) vorhandenen cAMP-Menge gebildet wird, einen Wert von
ca. 7 nM. Mit einer halbmaximal stimulierenden Konzentration durch
CGRP von ca. 1 nM, wie in Beispiel 11 bestimmt, ergibt sich daraus
ein Ki-Wert von ca. 3,5 nM.
-
Auch mit der Methode der Microkalorimetrie
wurde dieses Spiegelmer charakterisiert, wie in Beispiel 12 für andere
Spiegelmere beschrieben. Die Bindungskonstante oder Dissoziationskonstante
KD ist der Kehrwert der Assoziationskonstanten
KA (K im Enthalpiediagramm, 51) und ergab sich für das Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12
zu 44 nM. Die Aktivität
war 47%.
-
Beispiel 14: Identifikation
verkürzter
Spiegelmere
-
Ausgehend von Spiegelmer STAR-R02-15xx-F12
(48 Nukleotide), welches in Zellkultur die beste CGRP-Bindung gezeigt
hatte (siehe Beispiel 13), wurden verkürzte Varianten hergestellt,
da die Synthese kürzerer
Moleküle
kostengünstiger
ist, was bei Großmaßstabsynthesen über den
kommerziellen Erfolg eines Produkts mitentscheidend sein kann. Wichtig
für den
Erfolg einer Verkürzung
ist dabei jedoch, dass die Bindungsfähigkeit an CGRP erhalten bleibt.
52 zeigt einen Strukturvorschlag
für das
Spiegelmer. Aufgrund dieses Strukturvorschlages lassen sich keine
rationalen Verkürzungsvorschläge erarbeiten.
Eine Verkürzung
vom 3'-Ende her
lieferte dann aber überraschenderweise
gleichbleibend gute Bindungseigenschaften bei Steigerung des Anteils
aktiver (bindender) Moleküle,
was möglicherweise
auf eine Begünstigung
der bindenden Konformation (Faltung) durch eine Verringerung störender Einflüsse der
3'-terminalen Nukleotide
zurückzuführen sein
könnte.
Die um 6 Nukleotide verkürzte
Sequenz lautet wie folgt: STAR-R02-15xx-014 (auch als NOX-504-014
bezeichnet):
-
Eine weitere Ausbeutesteigerung in
der Spiegelmersynthese ist durch Auflösung des 3'terminalen Purin-Bereiches ab G28 zu
erwarten. Daher wurden dort gezielt Punktmutationen eingeführt. Die
Sequenz, welche trotz zweier A-U-Mutationen (A30U und A35U) überraschenderweise
noch eine gleichbleibend hohe Bindung an CGRP zeigte, lautet wie
folgt:
NOX-504-089:
-
Beispiel 15: Charakterisierung
der verkürzten
Varianten
-
Die verkürzten Varianten des Spiegelmers
STAR-R02-15xx-F12 wurden wie in Beispiel 13 beschrieben getestet.
-
Darüber hinaus wurde die Spezifität des 42
Nukleotide langen Spiegelmers NOX-504-014 (verkürztes STAR-R02-15xx-F12) bei
37°C gegen
Calcitonin (CT), Calcitonin gene related peptide I (α-CGRP), Calcitonin gene
related peptide II (β-CGRP),
Adrenomedullin (AMD) und Amylin getestet.
-
Zunächst wurden die Dosis-Wirkungs-Kurven
der Peptide ohne Zugabe von Spiegelmeren bestimmt. Für diejenigen
Peptide, die eine gute Rezeptorantwort zeigten (gemessen über erhöhte intrazelluläre cAMP-Levels),
wurden direkte Versuche mit zunehmenden Spiegelmerkonzentrationen
durchgeführt
und die ICso Werte bestimmt. Die folgenden Peptide wurden in direkten
Versuchen gemessen:
- – α-CGRP aus der Ratte und humanes α-CGRP (ECso
bei 1 nM), dargestellt in 53 und 54,
- – humanes β-CGRP (ECso
bei 1 nM), dargestellt in 55 und
- – Adrenomedullin
aus der Ratte und humanes Adrenomedullin (EC50 bei
30 nM), dargestellt in 56 und 57.
-
Das Spiegelmer NOX-504-014 bindet
stark an Ratten α-CGRP
und humanes α-CGRP.
Die ICso-Werte waren jeweils 2,8 nM und 25 nM (53 und 54).
-
Wie den 53-55 zu
entnehmen ist, bindet das Spiegelmer NOX-504-014 humanes β-CGRP ähnlich gut
wie Ratten α-CGRP
und daher besser als humanes α-CGRP.
Der IC50 liegt bei etwa 1,5 nM. Die Versuche wurden
mit jeweils 1 nM CGRP durchgeführt,
was dem EC50 entspricht. Daher ergeben sich
folgende Ks für NOX-504-014:
α-CGRP der
Ratte: 1,4 nM, humanes α-CGRP:
12,5 nM und β-CGRP:
750 pM.
-
Das Spiegelmer NOX-504-014 hemmt
nur schwach die Wechselwirkung zwischen Ratten bzw. humanem Adrenomedullin
mit dem Calcitonin-Rezeptor-ähnlichen
Rezeptor (CRLR). Der IC50 konnte nicht bestimmt werden.
In diesen Versuchen wurde 30 nM Adrenomedullin eingesetzt, was dem
EC50 von Adrenomedullin am CRLR entspricht.
Sogar mit 100-fachem Überschuss
an Spiegelmer (3 μM)
wurde keine eindeutige Reduktion in der cAMP-Produktion beobachtet.
-
Die übrigen Peptide wurden in Kompetitionsversuchen
mit α-CGRP
getestet. In diesen Versuchen wurde die Konzentration von α-CGRP und
Spiegelmer konstant gehalten, während
die Konzentration der Peptide erhöht wurde. Im Falle einer Kreuz-Reaktivität werden
Kompetitor-Spiegelmerkomplexe gebildet. Dadurch erniedrigt sich
die Konzentration an freiem Spiegelmer. Dann werden Spiegelmere
aus den α-CGRP-Spiegelmer-Komplexen
freigesetzt. Das somit freigesetzte α-CGRP führt folglich zur Rezeptor-Stimulierung.
Peptide die in Kompetitionsversuchen getestet wurden, waren:
- – Amylin
aus der Ratte und humanes Amylin (ECso jeweils bei 1 μM + 3 μM), dargestellt
in 58 und 59 und
- – Calcitonin
aus der Ratte und humanes Calcitonin (ECso nicht bestimmbar), dargestellt
in 60 und 61.
-
Amyline stimulieren den Calcitonin-Rezeptor.
Diese Stimulierung ist jedoch mit einem EC50 von
1 μM und
3 μM für jeweils
Ratten- und humanes Amylin recht schwach. Um direkte Versuche durchzuführen, müssten sehr
hohe Spiegelmer-Konzentrationen benutzt werden. Dies könnte zu
ungewünschten
unspezifischen Effekten führen.
Daher wurde ein indirekter Ansatz gewählt. Wir stellten uns dazu
die Frage, wie viel Amylin notwendig sei, um die Konzentration von
freien Spiegelmeren durch Bildung von Amylin-Spiegelmer-Komplexen
zu reduzieren, so dass CGRP aus CGRP-Spiegelmer-Komplexen freigesetzt
werden würde.
Das freigesetzte freie CGRP würde
dann durch Rezeptor-Stimulation und eine starke cAMP-Antwort (CGRP hat
eine EC50 von 1 nM) nachgewiesen werden.
Die Graphen für
Ratten-Amylin (58) sowie humanes Amylin (59) zeigen, dass Amylin
bei einer Konzentration von 100 nM offensichtlich fähig ist,
das Gleichgewicht in Richtung weniger freies Spiegelmer zu verschieben,
und daher in Richtung von mehr freiem a-CGRP. Bei 100 nM Amylin
ist die Stöchiometrie
zwischen Amylin und Spiegelmeren 1:1.
-
Im Ratten-Amylin Versuch bei 100
nM ist der Beitrag von CGRP zum Gesamtsignal 56 pmol cAMP hoch.
Dies ist zirka 50 % des Gesamtsignals. Wenn man die Resultate des
Ratten α-CGRP-Graphen (ICso von
2 nM Spiegelmer bei 1 nM Ratten α-CGRP)
hinzuzieht, könnte
man schließen,
dass bei der Konzentration von 100 nM Amylin nur 2 nM freies Spiegelmer
zur Bindung an CGRP zur Verfügung
stehen. Die verbleibenden Spiegelmere müssten daher im Komplex mit
Ratten-Amylin vorliegen. Da überdies
die Stöchiometrie
von Amylin und Spiegelmer 1:1 ist, deutet dies auf eine niedrige
Bindungskonstante des Spiegelmers für Amylin hin. Vermutlich liegt
sie im nanomolaren Bereich.
-
Im gleichen Versuch mit humanen Peptiden
ist die Höhe
der ausschließlich
durch humanes α-CGRP-induzierten
cAMP-Produktion bei 26 % des Maximums, wenn 100 nM humanes Amylin
eingesetzt wird. Dies stimmt, wenn man die Dosis-Wirkungs-Kurve
von humanem α-CGRP hinzuzieht (54), mit einer Spiegelmer
Konzentration von fast 100 nM überein.
Bei 300 nM h-Amylin werden bereits 50 % der maximalen cAMP-Produktion
durch die CGRP-Rezeptor-Interaktion
erreicht. Hier muss die Konzentration freier Spiegelmere vergleichbar
der IC50 für humanes CGRP (d.h. 25 nM)
sein. 75 nM (75 %) der Spiegelmere müssen daher im Komplex mit den
anwesenden 300 nM humanem Amylin sein. Die Interaktion ist demzufolge
etwas schwächer,
vermutlich aber immer noch im nanomolaren Bereich.
-
Weder Ratten- noch humanes Calcitonin
stimulieren die intrazelluläre
cAMP-Produktion der SK-N-MC Zellen. Daher wurde ein Kompetitionsexperiment
mit 1 nM α-CGRP
und 100 μM
Spiegelmer durchgeführt,
um ein cAMP-Signal zu erhalten. In diesem Fall ist die Menge des
cAMP, welches durch die direkte Wirkung von Calcitonin produziert
wird, unbedeutend. Auch bei steigender Menge Kompetitor (Calcitonin)
wurde kein zusätzliches
cAMP gebildet. Calcitonin ist daher offensichtlich nicht in der
Lage, Spiegelmer zu binden und so durch eine Verschiebung des Gleichgewichtes
CGRP aus CGRP-Spiegelmer-Komplexen zu befreien, was in einer cAMP-Antwort
resultiert hätte.
Wie aus 60 und 61 ersichtlich, zeigten
die Experimente, dass eine keine Kreuz-Reaktivität der Spiegelmere mit Calcitonin
nicht vorliegt.
-
In einem weiteren Versuch wurde eine
Dosis-Wirkungskurve für
das Spiegelmer NOX-504-089
mit den A-U-Mutationen in Zellkultur aufgenommen. Die Sequenz des
Spiegelmers NOX-504-089 ist in Beispiel 14 aufgezeigt. Wie sich
aus der 62 ergibt,
konnten die Mutationen überraschenderweise
ohne Verlust der Bindungsgüte
eingebaut werden.
-
Beispiel 16: Reselektion
von STAR-R02-15xx-F12 (NOX-504)
-
Die in der Selektion mit biotinyliertem
Ratten-CGRP erhaltene RNA-Sequenz NOX-504 (SEQ ID No. 504) (63) diente als Ausgangspunkt
für eine
Reselektion mit humanem biotinyliertem D-CGRP (D-hCGRP).
-
Um eine wechselseitige Kontamination
von RNA-Pools bei der Reselektion zu vermeiden, wurden die sechs
3'-terminalen Nukleotide
(Positionen 43–48)
der Ausgangssequenz modifiziert (Grt2-STAR-504-ad3, auch genannt
NOX-504-ad3; siehe 63).
-
Es wurde eine 18%-Mutations-Bibliothek
von Molekülen
basierend auf NOX-504-ad3 generiert. Dafür wurden die vier 5'-terminalen und sechs
3'-terminalen Positionen
der Sequenz konstant gehalten, während
in den Positionen 5 bis 42 die in der Sequenz vorgegebenen Basen
nur zu 82%, die anderen Basen zu jeweils 6 % eingebaut werden; die
Bibliothek repräsentiert
also die Sequenz NOX-504-ad3 mit eine Mutationsrate von 0,18 in
den Positionen 5 bis 42.
-
Die Reselektion sollte Hinweise auf
die Vartabilität
der Sequenz und darüber
auf die Struktur des RNA-Molekuls liefern. Aus diesem Grund wurden
zum einen eine vergleichsweise geringe Mutationsrate des RNA-Pools
und zum anderen eine niedrige Rundenzahl für die Selektion gewählt.
-
Die Durchführung der Selektion folgt der
Beschreibung im Beispiel 4, wobei der RNA-Pool und seine Herstellung,
einige Oligonukleotide, sowie die Elution und die Ligation der eluierten
RNA-Moleküle
wie folgt verändert
wurden:
-
Verwendung eines Mutations-Pools
-
Der Mutationspool mit vorgeschaltetem
T7-Promotor wird als reverser ssDNA-Strang synthetisiert, enzymatisch
in dsDNA umgewandelt und anschließend in eine RNA-Bibliothek
transkribiert:
-
Herstellung der initialen
RNA-Bibliothek
-
Der reverse ssDNA-Strang der 504-ad3-18%-Bibliothek
wurde mit einem dreifachen molaren Überschuss STAR-1 Forward Primer
(s. Beispiel 4) gemischt und enzymatisch durch AmpliTaq DNA Polymerase Stoffel
Fragment (Applied Biosystems) in doppelsträngige DNA überführt. Diese wurde als Template
in die T7 Transkription (s. Beispiel 4) eingesetzt.
-
Elution der bindenden
IRNA-Moleküle
-
Die nach dem Waschen auf der Matrix
verbliebene RNA wird zweimal mit jeweils 100 μl Guanidiniumisothiocyanat (Roti-Quick
1; Fa. Roth) in 15 min bei 37 °C
eluiert.
-
Ligation
-
Die Ligate werden nach dem Protokoll
der Simultan-Ligation mit der eluierten RNA verknüpft.
-
Es wurden 5 Runden (R1 bis RS) Reselektion
durchgeführt.
Die Stringenz wurde dabei erhöht,
indem die Peptid-Konzentration von 1 μM (R1) über 100 nM (R2) und 1 nM (R3,
R4) auf 0,1 nM (RS) gesenkt wurde. Gleichzeitig wurde das RNA:Peptid-Verhältnis von
1:2 (R1, R2, R3) über
1:1 (R4) auf 10:1 (RS) erhöht.
Nach anfänglichem
Anstieg des Signals in den Runden R1 und R2 auf ein Signal/Hintergrund-Verhältnis von
4,5 reduzierte sich der Quotient mit steigender Stringenz bis auf
einen Wert von ca. 1,3. Der Selektionsverlauf ist in der 64 dargestellt.
-
Die CGRP-bindende RNA der Runde 5
wurde amplifiziert, kloniert und sequenziert. Dabei wurden 22 Sequenzen
erhalten: die Ausgangssequenz der Reselektion sowie weitere 16 Sequenzen
mit unterschiedlichen Mutationen. Unter diesen befindet sich die
Sequenz Grt2- STAR-504-5-B0.1-C10
(SEQ ID No. 252), welche durch die Substitution A37U, sowie zwei
Insertionen von Guanosin zwischen den Positionen 29/30 und 41/42
charakterisiert ist (ins[29G30]; A37U; ins[41G42]; s. 63).
-
Beispiel 17: Biologische
Wirksamkeit von Grt2-STAR-504-5-B0.1-C10
-
Grt2-STAR-504-5-B0.1-C10 wurde als
D-RNA mittels biotinyliertem D-hCGRP selektiert. Um die biologische
Aktivität
des entsprechenden Spiegelmers (L-RNA) mit L-hCGRP zu analysieren,
wurde auf das in Beispiel 8 beschriebene Zellkultur-Modell zurückgegriffen.
-
Die Ausgangssequenz der Reselektion
(NOX-504-ad3) mit den modifizierten 3'-terminalen Nukleotiden ist im Vergleich
zu NOX-504 hinsichtlich der Bindung von CGRP kaum verändert. Deswegen
wurde vermutet, dass der variierende Sequenz-Bereich für die Peptid-Bindung nicht von
Bedeutung ist. Für
die Zellkultur-Studien wurde entsprechend das um sechs Nukleotide
verkürzte
Spiegelmer L097 (65)
verwendet.
-
Im Zellkultur-Experiment wurden die
Dosis-Wirkungskurven von L097 (SEQ ID No. 253) mit hCGRP und rCGRP
bestimmt. Dabei wurde ein IC50 von [L097]
= 6 nM für
die Inhibition von hCGRP und [L097] = 1,5 nM für die Inhibition von rCGRP
ermittelt (Figs. 66A und 66B).
-
Beispiel 18: Mutationsanalyse
von L097 im Zellkultur-Modell
-
Die drei Mutationen, welche L097
von der Ausgangssequenz der Reselektion unterscheiden, führen zu
einer etwa fünffachen
Verbesserung der Bindung an hCGRP. Um zu analysieren, welche dieser
drei Mutationen für
die Bindungsverbesserung notwendig sind, wurden Spiegelmere mit
den Einzelmutationen (ins[29G30]; A37U; ins[41G42]), sowie deren
Kombinationen synthetisiert und deren biologische Aktivität im Zellkultur-Modell
untersucht. Die Durchführung
der Experimente folgt der Beschreibung im Beispiel B. Die Sequenzen
der L-RNA sind in 65 aufgeführt, wobei
L097 SEQ ID No. 253, L102 SEQ lD No. 254, L103 SEQ ID No. 255, L104
SEQ ID No. 256, L105 SEQ ID No. 257, L106 SEQ ID No. 258, L107 SEQ
ID No. 259, L108 SEQ ID No. 260, L109 SEQ ID No. 261 entspricht.
-
Jedes der Spiegelmere wurde sowohl
in einer Konzentration von 10 nM, als auch 100 nM eingesetzt und
in seiner biologischen Wirkung auf hCGRP vermessen (67). Dabei zeigte sich, dass keine der
Einzelmutationen (L102, L103, L104) die CGRP-Wirkung derart stark
hemmt wie L097 (vgl. L097, L102, L103, L104). Das gleiche gilt für die Kombination
von Mutationen (vg1. L097, L105, L106) mit Ausnahme des Klones L107: die
Insertion der zwei Nukleotide zwischen die Positionen 29/30 und
41/42 ist ausreichend für
die verbesserte Bindung des RNA-Spiegelmers an hCGRP.
-
Der 3'-Terminus von L097 ist stark Purin-reich.
Zur Vereinfachung der chemischen Synthese und Erhöhung der
Ausbeute des Spiegelmers sollte untersucht werden, ob weitere A→U-Subsitutionen eingeführt werden
können,
ohne dass die biologische Aktivität beeinflusst wird.
-
Hierzu wurden in die Sequenz von
L097 die zusätzlichen
Mutationen A30U (=L108) oder A35U (=L109) eingeführt (Sequenzen vgl. 65) und im Zellkultur-Modell
eine Dosis-Wirkungskurve
der entsprechenden Spiegelmere erstellt (68).
-
Dabei wurden IC50-Werte
von [L108] = 5,5 nM und [L109] = 9 nM für hCGRP ermittelt. Im Vergleich zum
Spiegelmer L097 wird die biologische Wirkung durch die Einführung der
zusätzlichen
Mutationen nicht wesentlich verschlechtert.
-
Die in der vorangehenden Beschreibung,
den Ansprüchen
und den Zeichnungen offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl
einzeln als auch in beliebiger Kombination zur Verwirklichung der
Erfindung in ihren verschiedenen Ausführungsformen wesentlich sein.
-
SEQUENZPROTOKOLL
-