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Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen zur Immunisierung von Hunden
gegen Hundehepatitis Die Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von Impfstoffen,
die lebende, geschwächte infektiöse Hundehepatitis-I C H-viren enthalten und für
die Immunisierung von Hunden gegen ICH (infektiöse Hundehepatitis) wirksam sind.
Die ICH ist eine Viruskrankheit, die unter den Hunden auf der ganzen Welt weit verbreitet
ist. Junge Hunde sind gegen ICH sehr anfällig, und ein hoher Prozentsatz der infizierten
Welpen stirbt an dieser Krankheit. Die Sterblichkeit bei älteren Tieren ist nicht
so groß wie bei Welpen, aber viele Hunde, die von einer natürlichen ICH-Infektion
genesen, sind Überträger und übertragen die Krankheit auf andere anfällige Hunde.
Im Hinblick auf die Neigung der ICH, sich durch Überträgerhunde übertragen zu lassen,
ist es wichtig, daß ein Verfahren und Produkte für die Immunisierung anfälliger
Hunde geschaffen werden.
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Es ist bekannt, daß anfällige Hunde durch gleichzeitige Injektion
von virulentem ICH-Virus und immunemSerum geschützt werden können. Diese Methode
der Immunisierung scheint aber zu bewirken, daß ein hoher Prozentsatz der immunisierten
Hunde Krankheitsüberträger wird und so zur Ausbreitung der Infektion beiträgt. Es
wurden auch Impfstoffe aus mit ICH infiziertem Hundegewebe durch Inaktivierung des
Virus mit Agenzien, z. B. mit Formaldehyd, hergestellt. Diese Impfstoffe mit abgetötetem
Virus sind verwendbar, weisen aber gewisse Einschränkungen auf, die es wünschenswert
erscheinen lassen, wirksamere Impfstoffe zu schaffen. Die Impfstoffe mit abgetötetem
Virus benötigen nach der Injektion einen Zeitraum von etwa 2 Wochen, um Immunität
zu erzeugen. Die Dauer der durch den Impfstoff mit dem abgetöteten Virus erzeugten
Immunität wird gewöhnlich auf etwa 6 Monate angesetzt.
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Es wurde gefunden, daß durch mehrmaligen Durchgang des ICH-Virus
durch Gewebskulturen von Hundenieren, Hundeuterus und/oder Hundetestikeln der Virus
nach fünfzig Durchgängen in dem Ausmaß so weit geschwächt wird, daß er die ersten
Symptome der ICH nicht mehr hervorruft. Ein daraus hergestellter Impfstoff erzeugt
bei der Impfung von anfälligen Hunden eine Antikörperbildung, die den Hund wirksam
immunisiert.
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Bei einer Methode zur Durchführung des Verfahrens zur Schwächung
des ICH-Virus wurde die Wälzrohrtechnik zur Übertragung der Hundenierenexplantate
in einem geeigneten Nährmedium verwendet, und nachdem ein Auswuchs von Epithelzellen
erreicht wurde, werden die Röhren mit einer Suspension von Hundegewebe, das mit
ICH-Virus infiziert wurde, geimpft. Nach 4 oder 5 Tagen werden Serienübertragungen
auf neue Wälzrohrkulturen von Hundenierenexplantaten angestellt. Die vorzugsweise
verwendete Ntihrfliissigkeit wird aus etwa 8 Teilen Earlescher Lösung (W. R. Earle,
Journal of the National Cancer Institute, 1943, Bd. 4, S. 165), etwa l Teil 5°/oigem
Lactalbuminhydrolysat und etwa 1 Teil
inaktiviertem Pferdeserum hergestellt ; die
ganze Lösung wird auf pH-Wat m 7, 6 bis 7, 8 eingestellt. Die Nierenexplantatkulturen
können nach der Plasmaflockenmethode (plasma clot method), wie sie von Enders et
al.
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(J. F. Enders, T. H. Weller und F. C. Robbins, Science, 1949, Bd.
109, S. 85) beschrieben wurde, oder durch eine Trypsinbehandlung von zerkleinerter
Nierenrinde von Welpen, wie sie von Dulbecco und Vogt (R. Dulbecco und M. Vogt,
Journal of Experimental Medicine, 1954, Bd. 99, S. 167) beschrieben wurde, hergestellt
werden.
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Die verwendeten Nieren werden vorzugsweise von 2 bis 6 Wochen alten
Welpen von überimmunisierten Hündinnen oder von älteren Welpen, die gegen ICH immunisiert
waren, gewonnen, um vor zufälliger Ansteckung durch virulente ICH sicher zu sein.
Nach etwa dem fünfzigsten Durchgang des ICH-Virus in den Wälzrohrkulturen aus Hundeniere
ist der Virus so geschwächt, daß er zur aktiven Immunisierung von Hunden gegen ICH
verwendet werden kann, ohne die üblichen pahthologischen Symptome der ICH hervorzurufen.
Das flüssige Material mit dem geschwächten Virus kann direkt als Impfstoff verwendet
werden. Wenn es unter sterilen Bedingungen aufbewahrt wird, bewahrt es den Virus
in einer Form, die geeignet ist, eine aktive und dauerhafte Immunisierung hervorzurufen.
Gewünschtenfalls kann man das Material der Gefriertrocknung unterwerfen und das
trockene Material zu einem späteren Zeitpunkt mit einer geeigneten Flüssigkeit zum
Gebrauch als Impfstoff verdünnen.
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Es scheint, daß Wälzrohrkulturen von Hundeniere zur anfänglichen
Kultivierung und Schwächung der ICH gut geeignet sind. Nach der Erfindung aber können
suspendierte Zellkulturen aus Geweben aus Niere, Uterus und Testis von Hunden oder
deren Geniische in geeigneten Nährflüssigkeiten zur Züchtung der geschwächten ICH
und zur Herstellung eines Impfstoffes verwendet werden.
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Die Art, in der die Erfindung ausgeführt wird, wird in den folgenden
Versuchen dargelegt, die nur zur Erläuterung, nicht aber zur Beschränkung dienen.
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Die Züchtung des Virus Bei Versuchen, die unter Verwendung von Wälzrohrkulturen
mit Geweben aus Nierenrinden von Schweinen durchgeführt wurden, wurde jedes Rohr
mit 0, 2 ccm einer 20°/Oigen Suspension von Hundeleber, die mit virulentem ICH-Virus
infiziert war, beimpft. Die in den Röhren verwendete Nährflüssigkeit wurde aus 8
Teilen Earlescher eingestellter Salzlösung (6, 8 g Natriumchlorid, 0, 40 g Kaliumchlorid,
0, 20 g Calciumchlorid, 0, 20 g Magnesiumsulfat, 0, 125 g saures Natriumphosphat,
1, 00 g Glucose, 2, 20 g Natriumcarbonat und Wasser bis zur 1000-ccm-Marke), 1 Teil
5°lOigem Milchalbuminhydrolysat und 1 Teil inaktiviertem Pferdeserum hergestellt.
Die Nährflüssigkeit wurde auf einen psi-vert von 7, 6 bis 7, 8 eingestellt. In Abständen
von 4 Tagen wurden Reihenübertragungen von 0, 2 ccm unverdünnter Gewebskulturnüssigkeit
auf neue Rohre durchgeführt. Bei keinem Durchgang und in keinem Rohr wurden an den
Zellen des Schweinenierengewebes cytologische Veränderungen durch den Virus wahrgenommen.
Das Material des fünften Durchganges, das 10-3-fach verdünnt in Mengen von 0, 2
ccm zwei Hunden subkutan injiziert wurde, bewirkte den Tod des einen Tieres mit
den typischen starken pathologischen Schädigungen der ICH und löste beim anderen,
das bei Behandlung gegen ICH mit dem ursprünglichen infizierten Hundelebermaterial
immun war, eine fiebrige Reaktion aus. Diese Gewebskulturflüssigkeit stellte eine
107-fa. che Verdünnung gegenüber dem ursprünglichen Material dar, und zeigte bei
intravenöser Injektion von l ccm bei Hunden einen Titer von nur 10-6,5, Beim siebenten
Durchgang in Schweineniere bewirkte die unverdünnte Flüssigkeit, die zwei Hunden
injiziert wurde, den Tod dieser Tiere mit den typischen Merkmalen und Schädigungen.
Beim achten Durchgang hingegen wurde kein Virus gefunden. Es ist möglich, daß ein
Viruswachstum aufgetreten war, wenngleich nur in geringem Maße.
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Danach wurden Wälzrohrkulturen unter Verwendung des gleichen Nährmediums,
wie oben beschrieben, aus Milz und ganzen Nieren aus 2 Wochen alten Hunden hergestellt.
Einige von ihnen wurden mit 0, 2 ccm unverdünnter Flüssigkeit vom dritten Schweinenierendurchgang
und einige mit 0, 2 ccm einer 2001, igen Suspension von Hundeleber, die mit ICH
infiziert war, geimpft. In beiden Rohrsätzen wurde bis zum sechsten Tag der Inkubation
keine Wirkung des Virus festgestellt. Zu diesem Zeitpunkt zeigten nur die Epithelzellen
in den Hundenierenkulturen offenkundige cytologische Veränderungen.
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Die Zellen waren rundlich und sehr zerbrechlich. Die Epithelflächen
waren aufgebrochen und die Zellen in kleinen Gruppen wie Trauben angeordnet. Die
Fibroblasten, die in diesen Kulturen vorhanden waren, waren nicht angegriffen und
wuchsen weiter, obwohl die Epithelzellen wahrscheinlich schon vollkommen degeneriert
waren. In den Milzkulturen, die nur Fibroblasten enthielten, waren keine Wirkungen
des Virus zu sehen. Die überstehenden Flüssigkeiten bei den Nierenkulturen wurden
entfernt, und mit 0, 2 ccm unverdünnter Flüssigkeit wurde ein Reihendurchgang durchgeführt.
Bei den fol-
genden Durchgängen trat die Wirkung nach 24 bis 48 Stunden Inkubationszeit
auf. Die Durchgänge wurden in Zwischenräumen von 2 oder 3 Tagen gemacht.
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Die Identifizierung des Virus in der Gewebskultur erfolgte beim zehnten
Durchgang. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Gehalt an Virus 10's's. Ein Welpe, der
für ICH anfällig war, wurde mit ICH-Virus, der von Hunden stammte und garantiert
frei von Hundestaupe-Virus war, geimpft. Der Hund bekam hohes Fieber und genas schließlich
wieder.
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Der Reihendurchgang des Virus wurde mehrere Monate hindurch fortgeführt
bei gelegentlicher Zwischenimpfung des unverdünnten Virus auf Hunde zum Zwecke der
Prüfung auf Virulenz und Spezifität des cytopathogenen Effektes. Beim vierzigsten
Durchgang wurde festgestellt, daß der Virus noch eine fiebrige Reaktion erzeugte,
daß aber beim einundfünfzigsten und vierundfünfzigsten Durchgang keine Reaktion
auf den Virus hervorgerufen wurde. Die Hunde, die mit Durchgang Nummer 40 geimpft
wurden, wurden mit einem Stamm-Fuchsencephalitisvirus, der für Hunde sehr virulent
war, angesteckt, andere mit virulentem ICH-Virus, der bereits Hunde passiert hatte.
Alle Tiere widerstanden der Ansteckung.
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Um Veränderungen des Virus nachzuweisen, wurden verschiedene Durchgänge
des Virus auf Hunde zurückinjiziert, um festzustellen, ob Veränderungen aufgetreten
waren. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt.
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Tabelle
| Gewebs- |
| Zahl der Flebrige Trübung Todes- |
| kultur |
| geimpf- Reacktion der Cornea fälle |
| Durch- |
| Hunde An- An- An- |
| NR. % % % |
| zahl zhal zahl |
| l |
| 10 2 2 0 1 |
| 11 17 17 2 3 |
| 13 5 5 0 3 |
| #100 # 12 # 32 |
| 14 8 8 0 4 |
| 23 9 9 3 3 |
| 40 2 2 0 0 |
| 51 2 0 0 0 |
| 54 3 0 0 0 |
| 603) 4 1 0 0 |
| 70 4 0 0 0 |
| 7430610 |
| 872) 12 2 0 0 |
1) Siebzig schnelle Durchgange, unverdünnt, vier Durchgänge bei begrenzten Verdünnungen.
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2) Siebzig schnelle Durchgänge, unverdünnt, siebzehn Durchgänge bei
begrenzten Verdünnungen.
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3) Fünfundzwanzig von sechsundzwanzig Kontrolltieren-Hundesüuglinge-erlitten
eine tödliche Infektion, wenn sie mit virulentem Virus geimpft wurden.
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Züchtung von ICH-Virus in suspendierten Zellkulturen von Hundeuterus,
Hundetestis und Hundeleber Uterus-und Testisgewebe von Hunden, das frisch aus bis
zu 9 Wochen alten Hunden gewonnen wurde, wurde in Stücke von 1 bis 2 mm Durchmesser
geschnitten und in phosphatgepufferter Salzlosung gewaschen. Zehn bis zwanzig Stücke
wurden dann auf 25-ccm-Erlenmeyerkolben mit Gummistopfen verteilt, die 3 ccm Nährflüssigkeit
enthielten. Die Inkubation dieser Kulturen wurde bei 35° durchgeführt.
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ICH-Virus vom sechsundachzigsten Durchgang in Nieren wurde auf Zellkulturen
von suspendiertem Hundeuterus
und-testis übertragen. Es wurden
25-ccm-Erlenmeyerkolben, die zerkleinerte Stücke von Uterus oder Testis und 3 ccm
Nährflüssigkeit enthielten, mit 0, 1 ccm 10-3-fach verdünnter Viruslösung aus dem
vorhergegangenen Durchgang geimpft und nach 7 Tagen Inkubationszeit aufgearbeitet.
In dieser Weise wurde der Virus in vier weiteren Durchgängen in Uteruskulturen gezüchtet.
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Der Virusgehalt, der dadurch erzeugt wurde, war den der im Wälzrohr
mit Niere erzeugten Kulturen vergleichbar und betrug etwa das 10-7 7-fache der Virusgrunddosis
je ccm Flüssigkeit. Aus diesen Uterus-und Testiskulturen wurden flüssige Impfstoffe
gewonnen, die die Bildung von schützenden ICH-Antikörpern stimulieren, wenn man
sie nichtimmunen Hunden injiziert, ohne die üblichen pathologischen Symptome der
infektiösen Hundehepatitis hervorzurufen.
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Suspendierte Zellkulturen von Hundeuterus-und-testikelgewebe sind
im Anfangsstadium zur Isolierung und Züchtung des virulenten ICH-Virus aus Geweben
von infizierten Tieren ebenfalls geeignet. Zum Beispiel wurden drei Kolben von suspendierten
Uterusgewebszellen mit 0, 1 ccm einer im Verhältnis von 1 : 50 verdünnten Lösung
von Leber eines infizierten Hundes geimpft.
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(Es war dasselbe Material, das zum Ingangbringen des Wachstums des
ICH-Virus in den ursprünglichen Nierenlsulturen verwendet wurde.) Gleiche Proben
dieser Flüssigkeiten wurden nach dem Mischen entnommen, und es wurde eine Titration
in einer VVälzrohrkultur von Nieren ausgeführt, um die Menge des vorhandenen Virus
zu bestimmen. Die Flüssigkeiten hatten einen Titer von 10-4v0 je ccm. 1 Woche später
wurden die Flüssigkeiten abgezogen und gesammelt, und es wurde der Titer zu 10-7,
7 je ccm bestimmt. Der Virusgehalt hatte also um das 5000fache zugenommen.
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So bewirkt der wiederholte Durchgang des infektiösen Hundehepatitisvirus
in Zellkulturen von suspendierter Hundeniere, Hundeuterus und Hundetestis bei wenigstens
fünfzig Durchgängen die Schwächung des ICH-Virus so weit, daß er die Produktion
von schützenden Antikörpern bei nichtimmunen Hunden hervorruft, ohne die üblichen
pathologischen Symptome zu geben. Es wird angenommen, daß durch das wiederholte
Passieren von Kombinationen dieser Gewebskulturen oder von aufeinanderfolgenden
Gewebskulturen die Schwächung erzielt werden kann. Es können z. B. fünfundzwanzig
Durchgänge in Nierenkulturen und anschließend fünfundzwanzig Durchgänge in Uterusgewebskulturen
ausgeführt werden und zu einer Schwächung eines virulenten Stammes ICH-Virus führen.
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In ähnlicher Weise können Kombinationen dieser Gewebe in geeigneten
Nährflüssigkeiten für die Züchtung des geschwächten ICH-Virus verwendet werden und
führen zur Herstellung eines geeigneten Impfstoffes zum Schutze von Hunden gegen
ICH-Infektionen.
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Herstellung des Impfstoffes im großen unter Verwendung des geschwächten
Virus Bei diesem Verfahren werden 5-1-Flaschen, die 5 g frische zerkleinerte Hundeniere
in 500 ccm Medium Nr. 199 (J. F. Morgan, H. J. Morton und R. C. Parker, Proceedings
of the Society for experimental Biology, 1950, Vol. 73, 1) suspendiert enthalten,
mit geschwächtem ICH-Virus (fünfzigster oder höherer Durchgang) geimpft und unter
gelindem Schwenken bei 35° gehalten. Nach einem Wachstum von etwa 5 bis 7 Tagen
wird die Flussigkeit aufgearbeitet und vom Gewebsmaterial abgetrennt. Die Flüssigkeit
hat eine hohe Viruskonzentration und ist direkt als ICH-Impfstoff verwendbar oder
kann der Gefriertrocknung unterworfen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder in
flüssiger Form verwendet werden.
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Das Medium Nr. 199 enthält etwa 50 Bestandteile und ist im wesentlichen
ein Gemisch aus Aminosäuren, Vitaminen, Desoxyribosederivaten von Purinen, Pyrimidinen
und Nucleinsäuren, ungesättigten Fettsäuren und Salzen, das mit Natriumbicarbonat
auf einen pH-Wert von 7, 8 eingestellt ist.
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Zusammenfassend sieht man, daß die Erfindung ein Verfahren zur Schwächung
von virulentem ICH-Virus angibt, und der geschwächte Virus zur Herstellung eines
Impfstoffes verwendbar ist, der, Hunden parenteral injiziert, diese innerhalb weniger
Tage nach der Impfung gegen ICH zu immunisieren vermag, ohne daß er irgendwelche
pathologische Symptome dieser Krankheit hervorruft. Der Schwächungsprozeß besteht
darin, daß man virulenten ICH-Virus nacheinander in einer ausreichenden Anzahl von
Durchgängen, die die normale ICH-Sterblichkeit der damit infizierten Hunde wesentlich
erniedrigen, durch Gewebskulturen aus Hundeniere, Hundeuterus und/oder Hundetestikeln
passieren läßt. Etwa beim vierzigsten Durchgang tritt eine wesentliche Schwächung
ein ; vorzugsweise ist jedoch ein Virus mit fünfzig oder mehr Durchgängen zur Verwendung
als Impfstoff am besten geeignet.
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Das besondere, beim Wälzrohrverfahren verwendete Nährmedium bewirkt
ein üppiges Wachstum der Epithelzellen der Gewebsexplantate aus Hundeniere. Beim
Schwächungsprozeß erscheint das Wachstum der Epithelzellen vom Standpunkt der Bestimmung
des Vorhandenseins des Virus und zur Messung des gesunden Wachstums des Virus bei
jedem Durchgang wünschenswert. Man kann auch andere Nährmedien zur Förderung des
Epithelzellenwachstums bei Gewebsexplantaten aus Hundenieren verwenden, z. B. das
Medium Nr. 199 mit 10°/o Pferdeserum. Durch Hitzebehandlung inaktiviertes Pferdeserum
scheint einer der wesentlichsten Bestandteile des Nährmediums zu sein, in dem man
ein Wachstum der Nierenepithelzellen erhält. So enthalten geeignete Nährflüssigkeiten
für das Gewebswachstum nach dem Wälzrohrverfahren und zur Vermehrung des darin enthaltenen
ICH-Virus z. B. eingestellte Earlesche Salzlösung mit Lactalbuminhydrolysat und
Pferdeserum oder Medium Nr. 199 und Pferdeserum. Wendet man das Verfahren der suspendierten
Zellen an, so sind die beim Wälzrohrverfahren verwendeten Nährflüssigkeiten ausreichend,
oder man kann auch Medium Nr. 199 allein verwenden.
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Verwendet man das besondere Nährmedium, so sind wenigstens vierzig
hintereinanderfolgende Durchgänge des ICH-Virus nötig, um ihn so weit zu schwächen,
daß er nichtimmunen Hunden injiziert werden kann, ohne die schweren pathologischen
Symptome der ICH zu erzeugen. Nach fünfzig oder mehr Durchgängen ist der Virus so
weit geschwächt, wo er nicht einmal mehr eine fiebrige Reaktion erzeugt, wenn er
nichtimmunen Hunden injiziert wird ; vorzugsweise verwendet man den ICH-Virus mit
wenigstens dieser Anzahl von Durchgängen.
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Der nach diesem Verfahren erzeugte ICH-Virus ist, wenn er nichtimmunen
Hunden injiziert wird, zur Anregung der Bildung von schützenden ICH-Antikörpern
befähigt, ohne die üblichen pathologischen Symptome der ICH hervorzurufen. Der Impfstoff
kann einfach aus dem filtrierten oder geklärten Nährmedium, das den geschwächten
ICH-Virus enthält, bestehen. Vom technischen Standpunkt aus kann es wünschenswert
sein, die geklärte Nährflüssigkeit mit dem geschwächten ICH-Virus schnell gefrieren
zu lassen und im gefrorenen Zustand zu trocknen. In gewissen Fällen können geeignete
Antibiotika, wie Penicillin und Streptomycin, der Impfsubstanz zugegeben werden.
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Füchse, Wölfe, Coyoten, Schakale und andere Arten der Familie der
Hunde sind gegen ICH und/oder Fuchsencephalitis
anfällig, so daß
der geschwächte Impfstoff zu ihrem Schutz gegen diese Infektionen verwendbar ist.
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Da Hundegewebe leicht erhältlich ist, wird es beim Schwächungs-und
Impfstoffherstellungsverfahren bevorzugt verwendet ; es können jedoch auch die entsprechenden
Gewebe von Wölfen, Füchsen, Coyoten, Schakalen und anderen Arten der Familie der
Hunde verwendet werden.
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Die in diesem Verfahren angewandte Gewebskulturtechnik führt zur
Herstellung eines Impfstoffes mit einer verhältnismäßig hohen Konzentration an lebendem,
geschwächtem ICH-Virus. In vielen Fällen hat die infizierte Gewebskulturflüssigkeit
einen Titer von 10-7, wie durch Titration des Virus in der Gewebskultur bestimmt
wird.
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Schon 0, 2 ccm Gewebskulturflüssigkeit dieser Verdünnung reichen aus,
um einen cytopathogenen Effekt in der Gewebskultur hervorzurufen und stellen daher
erwartungsgemäß eine immunisierende Dosis dar, wenn sie einem nichtimmunen Hund
injiziert werden.
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Wenn der geschwächte ICH-Virus auch die üblichen pathologischen Symptome
der ICH hervorruft, wenn nichtimmune Hunde damit geimpft werden, findet im Hund
unzweifelhaft ein Wachstum des Virus statt. Es ist möglich, daß geeignete Gewebe
dieser Hunde, die nach 4 bis 8 Tagen nach der Impfung aufgearbeitet wurden, zur
Herstellung eines Impfstoffes verwendet werden, der zur Immunisierung anderer anfälliger
Hunde gegen ICH dienen kann.
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Die Herstellung eines Impfstoffes in dieser Weise unter Verwendung
des geschwächten ICH-Virus soll innerhalb des Rahmens dieser Erfindung liegen. In
ähnlicher Weise ist esmöglich, daß der geschwächteICH-Virus abwechselnd von Gewebskulturen
auf Hunde und wieder auf Gewebskulturen bei einer beträchtlichen Anzahl dieser alternie-
renden
Schritte übertragen wird und dabei doch geschwächt bleibt, und dies liegt gleicherweise
innerhalb des Rahmens dieser Erfindung.
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PATENTANSPROCHE : 1. Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen zur
Immunisierung von Hunden gegen infektiöse Hundehepatitis, dadurch gekennzeichnet,
daß ein durch wenigstens fünfzig aufeinanderfolgende Durchgänge durch Gewebskulturen
aus Hundeniere, Hundetestikeln, Hundeuterus oder deren Gemischen geschwächter Virus
der infektiösen Hundehepatitis auf eine Gewebskultur aus Hundeniere, Hundetestikeln,
Hundeuterus oder deren Gemischen in einer Nährflüssigkeit entwickelt wird, bis der
geschwächte Virus genügend gewachsen ist, um eine verwendungsfähige Konzentration
zu besitzen, worauf das flüssige Material, das den Virus in einer verhältnismäßig
hohen Konzentration enthält, zu einem Impfstoff mit dem geschwächten Virus der infektiösen
Hundehepatitis aufgearbeitet wird.