Oft erfolgt eine Messung mit dem Zollstock nicht im
vollständig ausgestreckten sondern in einem teilweise oder
vollständig zusammengeklappten Zustand. Die Benutzung eines
teilweise oder vollständig zusammengeklappten Zollstocks ist
bequem, wenn die volle Länge für eine Messung nicht benötigt
wird, und sogar notwendig, wenn aufgrund räumlicher
Gegebenheiten kein Platz für eine vollständige Ausstreckung
des Zollstocks vorhanden ist.
Eine Messung mit einem nur teilweise oder vollständig
zusammengeklappten Zollstock hat jedoch den Nachteil, daß
damit eine Länge entlang einer festen Fläche nur schwierig
abgenommen werden kann. Dies ist in Fig. 1 schematisch
dargestellt. Aufgrund des Raumbedarfs des zusammengeklappten
Gliederbündels 10 kann der Zollstock 1 nicht über die zu
messende Länge auf die feste Fläche 2 aufgelegt werden.
Dadurch kann die Länge zwischen dem ersten Meßpunkt 7 und dem
zweiten Meßpunkt 8 auf der festen Fläche nur mit
Schwierigkeiten gemessen werden. Durch die räumliche
Ausdehnung des Gliederbündels 10 ist es schwierig, den
zweiten Meßpunkt 8 in Überlagerung mit einer Markierung 9 auf
dem Zollstock 1 zu bringen. Weiterhin ergibt sich eine
Schwierigkeit daraus, daß eine Überlagerung von Meßpunkt 8und Markierung 9 aufgrund von Parallaxe-Fehlern von der
Beobachtungsposition des Messenden abhängt.
Dieses Problem wird durch die im Patentanspruch 1 aufgeführte
Längenmeßvorrichtung gelöst. Weitere Aspekte und Vorteile der
Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung, den
Unteransprüchen und den beiliegenden Zeichnungen.
Mit dem Zollstock nach Anspruch 1 ist es möglich, den
Endbereich des Zollstocks, auf dem der niedrigste eine Länge
anzeigende Zahlenwert aufgetragen ist, auf eine feste Fläche
aufzulegen, ohne daß die Zahlenwerte des Endbereichs durch
die feste Fläche verdeckt sind. Durch den erfindungsgemäßen
Zollstock können daher Längen auf einer festen Fläche mit
minimalem Parallaxe-Fehler und direkt vom Zollstock abgelesen
werden. "Direkt ablesen" bedeutet, daß die Zahlenwerte die
Länge angeben, ohne daß eine Rückrechnung, z. B. die
Subtraktion des angegebenen Zahlenwertes von der Gesamtlänge
des Zollstocks, erforderlich ist. Dadurch werden Meßfehler
durch Fehler bei der Rückrechnung vermieden.
Die Erfindung beruht darauf, daß die erste Seite des
Zollstocks die Seite des Zollstocks ist, bei der der
niedrigste Zahlenwert beim vollständig zusammengeklappten
Zollstocks verdeckt ist. Der niedrigste Zahlenwert der ersten
Seite kennzeichnet gleichzeitig einen ersten Endbereich des
Zollstocks, von dem an gemessen der niedrigste Zahlenwert die
Länge angibt. Wird der vollständig zusammengeklappte
Zollstock an dem durch den ersten Endbereich gekennzeichneten
Ende aufgeklappt, so kann der Zollstock in dem aufgeklappten
Bereich im wesentlichen flach so auf eine feste Fläche
aufgelegt werden, daß die erste Seite des Zollstocks der
festen Fläche abgewandt ist. Dadurch sind der niedrigste
Zahlenwert und dazugehörige andere Zahlenwerte mit der
gleichen Zählrichtung, ohne Umstände ablesbar. Durch das im
wesentlichen flache Auflegen des Zollstocks im zu messenden
Bereich auf die feste Fläche wird der Parallaxe-Fehler klein
gehalten. Weiterhin geben der niedrigste Zahlenwert und die
dazugehörigen anderen Zahlenwerte mit der gleichen
Zählrichtung direkt die Länge an, da die Zahlenwerte sich auf
die Länge zum ersten Endbereich des Zollstocks beziehen. Ein
Umrechnen ist dadurch nicht nötig.
Bevorzugt sind auf einer zweiten Seite des Zollstocks
Zahlenwerte zur Längenmessung mit einer zweiten Zählrichtung
angeordnet. Bevorzugt ist die zweite Seite die der ersten
Seite gegenüberliegende Seite. In einer bevorzugten
Ausführung hat die Zählrichtung der Zahlenwerte der zweiten
Seite die gleiche Richtung wie die der ersten Zählrichtung.
Dadurch ist es möglich, Längen von beiden Seiten des
Zollstocks abzulesen. Dies ist von Vorteil, wenn Längen
nicht auf Flächen sondern über einen freien Raum, z. B.
zwischen zwei Pfosten, abgenommen werden sollen. Zahlenwerte
auf beiden Seiten des Zollstocks mit gleicher Zählrichtung
ermöglichen es somit, Längen direkt abzulesen, wenn der
Zollstock aufgrund von äußeren Bedingungen (Platznot,
Standort des Messenden etc.) um seine Längsachse gedreht
werden muß.
In einer anderen bevorzugten Ausführung ist die Zählrichtung
auf der zweiten Seite des Zollstocks der ersten Zählrichtung
entgegengesetzt. Dadurch haben beide Seiten des Zollstocks
die Eigenschaften einer ersten Seite, bei der der jeweils
niedrigste Zahlenwert beim vollständig zusammengeklappten
Zollstock verdeckt ist. Dadurch kann der Benutzer beide Enden
des Zollstocks zur Messung verwenden und mit minimalem
Parallaxe-Fehler und ohne Umrechnen auf einer festen Flächen
eine Länge messen. Dies ist bequem, da der Benutzer vor der
Messung nicht erst feststellen muß, mit welchem Ende des
Zollstocks er messen muß.
In einer anderen bevorzugten Ausführung sind auf der ersten
Seite des Zollstocks weitere Zahlenwerte mit einer weiteren
Zählrichtung angeordnet, wobei die weitere Zählrichtung der
ersten Zählrichtung entgegengesetzt ist. Dadurch kann der
Benutzer bei Messungen im freien Raum beide Enden des
Zollstock zur Messung verwenden, ohne daß er rückrechnen muß.
Aus dem gleichen Grund sind bevorzugt auch auf der zweiten
Seite des Zollstocks weitere Zahlenwerte mit einer weiteren
Zählrichtung, die bevorzugt der zweiten Zählrichtung
entgegengesetzt sind.
Fig. 2a zeigt eine erfindungsgemäßen zusammenklappbaren
Zollstock 1 in teilweise ausgestrecktem Zustand. In dieser
Ausführung besteht der Zollstock 1 aus zehn leistenförmigen
Gliedern 3, die je eine Länge von 25 cm, eine Breite von 2 cm
und eine Dicke von 2 mm haben. Mit Hilfe von Gliedachsen 4
(siehe Fig. 3a, 3b, 3c) werden die benachbarten
leistenförmigen Glieder 3 an ihren Enden drehbar miteinander
verbunden. Durch Drehungen der leistenförmigen Glieder 3 ist
der Zollstock 1 auf der rechten Seite zu einem Gliederbündel
10 parallel angeordneter Glieder zusammengeklappt. Auf der
linken Seite von Fig. 2a ist ein leistenförmiges Glied 3 so
gedreht, daß es ausgestreckt ist.
In vollständig ausgestrecktem Zustand ist der Zollstock 1 in
Fig. 2 zwei Meter lang. Die Differenz zwischen der Summe der
einzelnen leistenförmigen Gliedern 3 (10 × 25 cm = 250 cm) und der
Gesamtlänge des Leistenstocks von 200 cm ergibt sich aus dem
Überlappungsbereich der einzelnen leistenförmigen Glieder 3a,
3b im ausgestreckten Zustand (siehe Fig. 3a, 3b, 3c). Die
Größe des Überlappungsbereichs wird durch die Positionen der
Gliedachsen 4 auf jedem der leistenförmigen Glieder 3
bestimmt. Die Erfindung ist jedoch unabhängig von den Längen-
Breiten- und Dickenmaßen, die lediglich der
Veranschaulichung dienen.
Fig. 2a zeigt weiterhin den niedrigsten eine Länge angebenden
Zahlenwert "0" und den größten eine Länge angebenden
Zahlenwert "200" an, die jeweils auf der ersten Seite 100
angeordnet sind. Beide Zahlenwerte sind Teil einer
Längenskala mit anderen Zahlenwerten 6 (Fig. 4) mit der
gleichen ersten Zählrichtung 12. Z. B. sind die Zahlenwerte
"0" und "200" Teil einer Längenskala mit den anderen
Zahlenwerten "10", "20", "30", . . ., und "190". Der
niedrigste Zahlenwert 5 auf der ersten Seite 100 des
Zollstocks 1 kennzeichnet den ersten Endbereich 20 des
Zollstocks 1. In diesem Beispiel sind auf der zweiten Seite
200 keine Zahlenwerte 6 angegeben.
Der niedrigste angegebene Zahlenwert S kann auch ein Wert
sein, der größer als "0" ist, da z. B. für die "0" oft kein
entsprechender Platz auf dem Zollstock 1 vorhanden ist. Die
Zahlenwerte 5, 6 geben eine Länge des Zollstocks 1 im
Längenmaß von Zentimetern an. Fig. 2a zeigt weiterhin, daß
die Position des Zahlenwertes "0" mit dem einen Endbereich
des Zollstocks 1 übereinstimmt. Insofern geben die eine Länge
angebenden Zahlenwerte 6 die Länge des Zollstocks 1 von dem
mit dem Zahlenwert "0" gekennzeichneten Ende des Zollstocks 1
an gemessen an.
Die Zahlenwerte "0" und "200" sind beide auf der ersten Seite
100 des Zollstocks 1 aufgebracht. Dies erkennt man am
einfachsten, wenn der Zollstock 1 vollständig aufgeklappt
ist. Der Zusammenklappmechanismus des Zollstocks 1 bewirkt
jedoch, daß beim vollständigen Zusammenklappen des Zollstocks
1 ein großer Teil der auf einer Seite 100 des Zollstocks
aufgetragenen Zahlenwerte 6 abgedeckt ist und nur ein kleiner
Teil nicht abgedeckt ist. Dies kann man z. B. in Fig. 2b
erkennen.
Fig. 2b zeigt den gleichen Zollstock 1 wie in Fig. 2a mit dem
Unterschied, daß er vollständig zusammengeklappt ist. Dort
erkennt man, daß der niedrigste eine Länge angebende
Zahlenwert 5, insbesondere auch der Zahlenwert "0", durch
benachbarte leistenförmige Glieder 3 verdeckt ist, während
die höchsten Zahlenwerte 6, insbesondere der Zahlenwert
"200", weiterhin offenliegen. Genauer gesagt sind im
vollständig zusammengeklappten Zustand die Zahlenwerte 6 der
unteren neun leistenförmigen Glieder 3 verdeckt während die
Zahlenwerte 6 des obersten leistenförmigen Glieds 3
offenliegen.
Fig. 2a offenbart weiterhin, daß man die leistenförmigen
Glieder 3a, 3b mit dem niedrigsten Zahlenwert 5, im
wesentlichen koplanar, auf eine feste Fläche 2 auflegen kann,
so daß die die Länge angebenden Zahlenwerte 6 auf der der
festen Fläche 2 abgewandten Seite aufgetragen sind. Durch das
Auflegen des Zollstocks 1 auf die feste Fläche 2 lassen sich
Parallaxe-Fehler vermeiden. Gleichzeitig, da der niedrigste
Zahlenwert 5 auf der ersten Seite 100 der festen Fläche 2
abgewandt ist, geben die Zahlenwerte 6 direkt die Länge von
einem Punkt der Fläche an gemessen an. Ein Rückrechnen, z. B.
die Subtraktion des abgelesenen Wertes von der Gesamtlänge
des Zollstocks 1, ist dadurch nicht nötig. Dadurch werden
Fehler durch Rückrechnen vermieden.
Fig. 3a, 3b und 3c zeigen erfindungsgemäße Zollstöcke 1 mit
verschiedenen Anordnungen der die Längen angebenden
Zahlenwerte. Mechanisch sind die drei Zollstöcke identisch
und bevorzugt ähnlich wie die in Fig. 2a, 2b gezeigten
Zollstöcke.
In Fig. 3a sind Längen angebende Zahlenwerte 6 von "0" bis
"200" nur auf der ersten Seite 100 des Zollstocks 1
aufgetragen. Der niedrigste Zahlenwert "0" ist verdeckt, wenn
der Zollstock 1 vollständig zusammengeklappt ist. Der
Zollstock 1 kann so aufgeklappt werden, daß der Endbereich
des Zollstocks 1 mit dem niedrigsten Zahlenwert 5 auf der
festen Fläche 2 (nicht gezeigt) aufliegt und gleichzeitig der
niedrigste Zahlenwert 5 der festen Fläche 2 abgewandt ist.
Dadurch kann der Parallaxe-Fehler klein gehalten werden und
gleichzeitig die Länge direkt durch die Angabe der
Zahlenwerte 6 abgelesen werden.
Fig. 3b zeigt den gleichen Zollstock 1 wie in Fig. 3a mit dem
Unterschied, daß Zahlenwerte 6 nicht nur auf der ersten Seite
100 sondern auch auf der zweiten Seite 200 des Zollstocks 1
aufgetragen sind. Die Zahlenwerte 6 der zweiten Seite 200 des
Zollstocks 1 haben eine zweite Zählrichtung 15, die der
ersten Zählrichtung entgegengesetzt ist. Auf diese Weise hat
der Zollstock 1 an seinen beiden Enden die niedrigsten
Zahlenwerte verdeckt, wenn der Zollstock 1 vollständig
zusammengeklappt ist. Auf diese Weise können beide Enden des
Zollstocks 1 für eine Messung auf einer festen Fläche 2
verwendet werden, ohne daß Parallaxe-Fehler auftreten oder
Rückrechnung erforderlich sind. Die Unabhängigkeit davon,
welche der beiden Enden des Zollstocks man für eine Messung
verwendet, erleichtert den alltäglichen Gebrauch, da der
Benutzer nicht erst prüfen muß, welches Ende des Zollstocks 1
er für eine Messung aufklappen muß.
Fig. 3c zeigt den gleichen Zollstock 1 wie in Fig. 3b mit dem
Unterschied, daß Zahlenwerte 6 auf der ersten Seite 100 des
Zollstocks 1 die gleiche Zählrichtung 12 wie die Zahlenwerte
6 der zweiten Seite 200. Bei Längenmessungen im freien Raum
ist es dadurch möglich, Längen auch dann direkt vom Zollstock
1 abzulesen, wenn der Blickwinkel des Messenden es nicht
erlaubt, die Zahlenwerte 6 der ersten Seite 100 abzulesen.
Fig. 4 zeigt eine Aufsicht auf die erste Seite 100 des
zusammenklappbaren Zollstocks 1, wobei in diesem Fall nur
zwei durch die Gliedachse 4 drehbar miteinander verbundene
leistenförmige Glieder 3a und 3b zu sehen sind. Die erste
Seite 100 des Zollstocks 1 zeigt eine erste Längenskala mit
Zahlenwerten 6 mit einer ersten Zählrichtung 12. Gegenüber,
auf der gleichen ersten Seite 100 des Zollstocks, sind
weitere Zahlenwerte 6 mit einer entgegengesetzten weiteren
Zählrichtung 14 zu sehen. In Fig. 4 sind die Zahlenwerte mit
der ersten Zählrichtung die Zahlenwerte "10", "20", "30",
"40", . . ., während die Zahlenwerte mit der weiteren
Zählrichtung die Zahlenwerte "190", "180", "170", "160", . . .
sind. Der niedrigste Zahlenwert 5 der Zahlenwerte, der
verdeckt ist, wenn der Zollstock vollständig zusammengeklappt
ist, ist der Zahlenwert "10". In diesem Beispiel zeigen die
Zahlenwerte 6 der ersten Zählrichtung 12 wie die der weiteren
Zählrichtung 13 Längen in Einheiten von Millimetern an.
Um eine Länge zwischen einem ersten Meßpunkt 7 und einem
zweiten Meßpunkt 8 auf einer festen Fläche 2 zu vermessen
(Fig. 1), werden zunächst die leistenförmigen Glieder 3a und
3b des vollständig zusammengeklappten Zollstocks 1 durch eine
Drehung 14 von 180° um die Gliedachse 4 ausgestreckt (Fig.
4); weiterhin werden die ausgestreckten leistenförmigen
Glieder 3a und 3b auf die feste Fläche 2 aufgelegt, so daß
die erste Seite 100 des Zollstocks der festen Fläche 2
abgewandt ist. Weiterhin wird das Ende des leistenförmigen
Gliedes 3a an den ersten Meßpunkt 7 und eines der
leistenförmigen Glieder 3a, 3b an den zweiten Meßpunkt 8
angelegt. Der Zahlenwert 6 aus dem Satz der Zahlenwerte mit
der ersten Zählrichtung 12, der dem zweiten Meßpunkt 8 dabei
am nächsten kommt, gibt die Länge zwischen erstem und zweiten
Meßpunkt 7, 8 an. Eine noch genauere Längenangabe wird im
Falle von Fig. 4 dadurch erhalten, daß nicht nur die
Zahlenwerte 6 zur Längenangabe sondern auch die Markierungen
der entsprechenden Längenskala zwischen den Zahlenwerten
berücksichtigt werden. Wie dies im einzelnen durchgeführt
wird, ist dem Fachmann bekannt.
Bezugszeichenliste
1 Zollstock
2 feste Fläche
3a, 3b leistenförmiges Glied
4 Gliedachsen
5 niedrigster Zahlenwert
6 Zahlenwert
7 erster Meßpunkt
8 zweiter Meßpunkt
10 Gliederbündel
12 erste Zählrichtung
13 weitere Zählrichtung
15 zweite Zählrichtung
20 erster Endbereich