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Die Erfindung betrifft ein Cabrioletverdeck eines Kraftfahrzeuges mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Patentanspruches 1.
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Eine Kinematikanordnung eines Kraftfahrzeuges ist beispielsweise von einem Cabriolet-Verdeck oder einer sonstigen beweglichen Baugruppe eines Kraftfahrzeuges, wie beispielsweise einer Heckklappe gebildet. Ein Cabriolet-Verdeck umfasst in der Regel ein Verdeckgestänge, mittels dessen ein faltbarer Verdeckbezug aufspannbar ist oder an dem starre Dachsegmente eines Starrdach-Cabriolets befestigt sind. Das Verdeckgestänge weist mehrere Lenker auf, die gegeneinander verschwenkt werden können. An dem Verdeckgestänge sind häufig auch elektrische Bauelemente, wie Motoren und Sensoren befestigt, die über Kabel, die zu Kabelbäumen zusammengefasst sein können, gesteuert und mit Strom versorgt werden. Die Kabel sind entlang der Lenker verlegt. Bei der Relativbewegung der Lenker muss die von den Kabeln gebildete Kabelanordnung ausreichend lose verlegt sein, damit ein gegebenenfalls erforderlicher Längenausgleich möglich ist. Dies erfolgt dadurch, dass die Kabelanordnung mit einer Überlänge in Form von Losen verlegt ist. Um einen Verschleißschutz an potentiellen Knickstellen zu bieten, ist die Kabelanordnung in diesen Bereichen mit Schutzschläuchen, Spezialklebebändern, Wellschläuchen, Gummitüllen, Formclipsen und dergleichen versehen. Hierfür muss aber hinreichend Bauraum zur Verfügung stehen. Auch können die genannten Schutzmaßnahmen die Kabelanordnung nicht immer zuverlässig vor einem Kabelbruch schützen. Des Weiteren sind die Schutzmaßnahmen mit Kosten verbunden, die sich im Gesamtpreis des Systems niederschlagen.
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Aus der Druckschrift
DE 197 17 490 A1 ist ferner eine Schiebetür eines Kraftfahrzeuges bekannt, bei der ein elektrisches Versorgungskabel für türseitige Verbraucher vorgesehen ist. Das Versorgungskabel ist auf einer Kabeltrommel mit Rückstellvorrichtung aufgewickelt. Die Kabeltrommel ist karosserieseitig gelagert. Beim Öffnen der Schiebetür wird das Versorgungskabel von der Kabeltrommel abgewickelt. Beim Schließen der Schiebetür wickelt sich das Versorgungskabel aufgrund der Rückstellvorrichtung selbsttätig auf die Kabeltrommel auf.
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Aus der Druckschrift
DE 103 08 951 A1 ist eine Längenausgleichsvorrichtung für eine elektrische Leitung bekannt, die bei einer Schiebetür eines Kraftfahrzeuges zur Anbindung einer elektrischen Leitung vorgesehen ist. Die Längenausgleichsvorrichtung, die entweder türseitig oder karosserieseitig befestigt ist, weist ein Gehäuse auf, das eine Spule aufnimmt, auf der ein Kabelvorrat aufgewickelt ist, der einem aus dem Gehäuse auslaufenden Kabelabschnitt zugeordnet ist. Ein in das Gehäuse einlaufender Kabelabschnitt ist lose um einen Nabenabschnitt der Spule gewickelt, so dass bei einem Abwickeln des auslaufenden Kabelabschnitts von der Spule der einlaufende Kabelabschnitt eine Drehung der Spule nicht behindert.
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Des Weiteren ist aus der Druckschrift
DE 44 32 884 C2 eine Vorrichtung zum elektrischen Verbinden eines sich drehenden Stromverbrauchers mit einer ortsfesten Stromquelle bekannt. Diese Vorrichtung umfasst eine von einem Gehäuse aufgenommene Schraubenfeder, die eine sich drehende Welle umgreift, die eine elektrische Leitung darstellt und die Drehungen in beiden Richtungen durch Auf- oder Abwickeln von einer Welle abfängt.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Cabrioletverdeck der einleitend genannten Gattung zu schaffen, bei dem eine verschleißfeste Kabelführung mit geringem Bauraumbedarf gewährleistet ist.
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Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß durch das Cabrioletverdeck mit den Merkmalen des Patentanspruches 1 gelöst.
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Der Kern der Erfindung besteht mithin darin, an einem der zueinander beweglich angeordneten Lenkern die Wickel- und Führungseinrichtung für die Kabelanordnung vorzusehen, von der bei Bedarf eine zusätzliche Länge an Kabel abgezogen wird bzw. in umgekehrter Weise bei Nachlassen eines auf die Kabelanordnung wirkenden Zugs eine nicht erforderliche Kabellänge aufgenommen wird. Auf der Wickel- und Führungseinrichtung wird also eine für einen etwaigen Längenausgleich erforderliche Überlänge vorgehalten. Die Kabelanordnung ist entlang der beiden Lenker geführt und die Achse der Wickel- und Führungsanordnung ist im Wesentlichen parallel zu einer Schwenkachse zwischen den beiden Lenkern. Die Wickel- und Führungsanordnung ist auch vorzugsweise im Bereich bzw. nahe an der Schwenkachse angeordnet, um eine Überlänge dort bereitzustellen, wo eine Umlenkung und damit eine Bewegung der Kabelanordnung stattfindet.
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Bei einer bevorzugten Ausführungsform des Cabrioletverdecks nach der Erfindung umfasst die Wickel- und Führungseinrichtung einen Zapfen, der von der Kabelanordnung mindestens einmal umschlagen ist und der quer zur Erstreckung der Kabelanordnung ausgerichtet ist. Insbesondere umgreift die Kabelanordnung den Zapfen derart, dass bei Nachführen der Überlänge für einen Längenausgleich die von der Kabelanordnung gebildete, den Zapfen umgreifende Schlinge zusammengezogen wird, und zwar maximal soweit, bis sie eng an dem Zapfen anliegt. Hingegen umgreift die Schlinge im entlasteten Zustand der Kabelanordnung den Zapfen lose, d. h. die Schlinge der Kabelanordnung ist mit Radialspiel auf dem Zapfen angeordnet. Durch den Zapfen, der von der Kabelanordnung umgriffen ist, kann gewährleistet werden, dass eine Bewegung der Kabelanordnung stets im Bereich des Zapfens, d. h. in einem definierten Bereich, erfolgt, wodurch eine zuverlässige Führung der Kabelanordnung gewährleistet wird.
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Damit die Kabelanordnung bzw. die Schlinge der Kabelanordnung nicht von dem Zapfen rutscht, ist der Zapfen bei einer vorteilhaften Ausführungsform des Cabrioletverdecks nach der Erfindung mit einer stirnseitigen Endplatte versehen.
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Damit die Kabelanordnung im Bereich des Zapfens nicht in radialer Richtung ausbricht, ist an der Endplatte vorzugsweise eine Radialplatte angeformt, die die Kabelanordnung bezogen auf die Achse des Zapfens in radialer Richtung stützt.
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Eine besonders kostengünstige Ausführungsform besteht darin, dass der Zapfen von einem im Querschnitt im Wesentlichen T-förmigen Bauteil gebildet ist, das insbesondere ein Kunststoffformteil ist.
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Zur Anbindung des im Querschnitt T-förmigen Bauteils an eines der Bauelemente weist dieses vorzugsweise eine Lagerausnehmung für einen Lagerzapfen auf, der an einem der beiden Bauelemente ausgebildet ist.
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Zur drehfesten Anbindung des T-förmigen Bauteils an den Lagerzapfen kann es zweckmäßig sein, dass die axiale Lagerausnehmung eine Innenverzahnung aufweist, die mit einer Außenverzahnung des Lagerzapfens in Eingriff steht.
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Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen des Cabrioletverdecks nach der Erfindung sind der Beschreibung, der Zeichnung und den Patentansprüchen entnehmbar.
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Ein Ausführungsbeispiel eines Cabrioletverdecks nach der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch vereinfacht dargestellt und wird in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Es zeigt:
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1 eine Seitenansicht eines Verdeckgestänges eines Cabriolet-Verdecks;
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2 eine vergrößerte Darstellung eines Bereiches II in 1, der eine Wickel- und Führungseinrichtung für eine Kabelanordnung aufweist;
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3 einen Schnitt durch die Wickel- und Führungseinrichtung entlang der Linie III-III in 1; und
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4 eine perspektivische Ansicht eines Kunststoffformteils der Wickel- und Führungseinrichtung.
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In 1 ist ein Verdeckgestänge 10 eines als Festdach bzw. als RHT (retractable hard top) ausgebildeten Verdecks eines ansonsten nicht näher dargestellten Cabriolet-Fahrzeugs gezeigt. Mittels des Verdeckgestänges 10, an dem starre Dachsegmente gelagert sind, kann das Verdeck zwischen einer einen Fahrzeuginnenraum überdeckenden Schließstellung und einer den Fahrzeuginnenraum nach oben freigebenden Öffnungsstellung verstellt werden.
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Das Verdeckgestänge 10 umfasst bezogen auf eine vertikale Fahrzeuglängsmittelebene beidseits jeweils einen Hauptlenker 12, der an einem nicht näher dargestellten, fahrzeugfesten Hauptlager schwenkbar gelagert ist. An den Hauptlenker 12 ist über ein eine Schwenkachse bildendes Gelenk 14 ein Lenker 16 angelenkt, der einen Dachseitenholm des Verdecks darstellt und dessen vorderes, dem Gelenk 14 abgewandtes Ende 18 in der Schließstellung des Verdecks an einen vorderen Windlauf des Fahrzeugs angrenzt, der von einem oberen Windschutzscheibenrahmenquerholm gebildet ist.
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An den Lenker 16 ist eines der nicht näher dargestellten stammen Dachsegmente angebunden, das in der Schließstellung des Verdecks mit seinem vorderen Rand ebenfalls an den vorderen Windlauf grenzt. Im Bereich des vorderen Randes dieses Dachsegments ist ein Verschluss ausgebildet, mittels dessen das Verdeck an dem vorderen Windlauf gesichert werden kann. Der Verschluss wird mittels eines Elektromotors betätigt. Des Weiteren sind Sensoren vorgesehen, die den Betriebszustand des Verschlusses ermitteln können. Zur Anbindung des Elektromotors und der Sensoren an eine Verdecksteuerung ist eine einen Kabelbaum bildende Kabelanordnung 20 vorgesehen, die entlang dem Lenker 16 und entlang dem Hauptlenker 12 geführt ist und an diesen mittels Kabelbindern 22 befestigt ist.
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An dem Hauptlenker 12 ist in einem von dem Hauptlager beabstandeten und nahe an dem Gelenk 14 liegenden Bereich eine Wickel- und Führungseinrichtung 24 für die Kabelanordnung 20 ausgebildet. Die Wickel- und Führungseinrichtung 24 umfasst ein pilzförmiges bzw. im Querschnitt im Wesentlichen T-förmiges Kunststoffformteil 26, das in 4 in Alleinstellung dargestellt ist und das einen Zapfen 28 bildet, der eine axiale Lagerausnehmung 30 mit einer Innenverzahnung aufweist, die mit einer Außenverzahnung eines Lagerzapfens 32 in Eingriff steht, der von dem Hauptlenker 12 in Fahrzeugquerrichtung vorsteht. Das Kunststoffformteil 26 ist mittels einer Mutter 34 auf dem Lagerzapfen 32 gesichert. An der dem Hauptlenker abgewandten Stirnseite ist der Zapfen 28 des Kunststoffformteils 26 von einer Endplatte 38 begrenzt. Die Achse des Zapfens 28 ist zumindest annähernd parallel zur Schwenkachse ausgerichtet, die durch das Gelenk 14 zwischen dem Lenker 16 und dem Hauptlenker 12 gebildet ist.
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Wie insbesondere den 2 und 3 zu entnehmen ist, ist die Kabelanordnung 20 in Form von einer Schlinge um den Zapfen 28 geführt, und zwar derart, dass, wie 3 zu entnehmen ist, die Kabelanordnung 20 gegenüber dem einen Wickelkörper bildenden Zapfen 28 radial beabstandet ist. Bei einem Zug auf die Kabelanordnung 20, die bei einem Verschwenken des Lenkers 16 gegenüber dem Hauptlenker 12 auftritt, kann sich damit die von der Kabelanordnung 20 gebildete Schlinge zusammenziehen, wodurch Kabel nachgeführt wird und ein Längenausgleich durch den von dem Zapfen 28 abgezogenen Kabelanordnungsvorrat bzw. Längenausgleichsvorrat erfolgt. Bei einem Verschwenken des Lenkers 16 gegenüber dem Hauptlenker 12 in umgekehrter Richtung weitet sich hingegen die von der Kabelanordnung 20 gebildete und den Zapfen 28 des Kunststoffformteils 26 umgreifende Schlinge durch die Eigenspannung der Kabelanordnung 20 wieder auf. Die Aufweitung der Schlinge ist durch eine Radialplatte 36 begrenzt, die von der Endplatte 38 des Kunststoffformteils 26 in Richtung des Hauptlenkers 12 vorsteht und die Kabelanordnung 20 bezogen auf die Achse des Zapfens 28 des Kunststoffformteils 26 in radialer Richtung stützt bzw. hält. Die Endplatte 38 gewährleistet ebenfalls, dass die Kabelanordnung 20 auf dem Zapfen 28 gehalten wird.
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Die Wickel- und Führungseinrichtung 24 ermöglicht ein Bereitstellen einer definierten Überlänge der Kabelanordnung, um bei einem Verschwenken des Lenkers 16 gegenüber dem Hauptlenker 12 einen aufgrund der wirkenden Zugkräfte erforderlichen Längenausgleich vornehmen zu können. Durch die Wickel- und Führungseinrichtung 24 wird eine kostengünstige und sichere Verlegung der Kabelanordnung 20 gewährleistet.
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Bezugszeichenliste
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- 10
- Verdeckgestänge
- 12
- Hauptlenker
- 14
- Gelenk
- 16
- Lenker
- 18
- Ende
- 20
- Kabelanordnung
- 22
- Kabelbinder
- 24
- Wickel- und Führungseinrichtung
- 26
- Kunststoffformteil
- 28
- Zapfen
- 30
- Lagerausnehmung
- 32
- Lagerzapfen
- 34
- Mutter
- 36
- Radialplatte
- 38
- Endplatte