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Die Erfindung betrifft ein Regal für Land-, Luft- oder Wasserfahrzeuge zur Personenbeförderung, aus Regalböden sowie Rück-, Seiten- und/oder Zwischenwänden, gemäß dem Oberbegriff des ersten Patentanspruches.
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Für den heimischen Gebrauch sind Hängevorrichtungen bekannt,
DE 29 907 166 U1 , die an Seilen höhenverstellbar angeordnete Böden aufweisen, die aber nicht zur Anwendung in Fahrzeugen gedacht und geeignet sind. Weiterhin ist ein Trennnetz für den Innenraum eines Kraftfahrzeuges bekannt,
DE 20 2006 007 474 U1 , welches Energieabsorber für den Fall des Abfangens einer Ladung bei einem Auffahrunfall aufweist.
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Regalbefestigungssysteme zum Befestigen von Regalen in Fahrzeugen sind ebenfalls bekannt,
DE 10 2007 057 058 B4 , sie sind aber nicht dafür gedacht, weiteren Zusatznutzen als den der Lagerung von Gegenständen zu bieten.
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Aufgabe der Erfindung ist es, ein Regal für Fahrzeuge zur Personenbeförderung zur Verfügung zu stellen, welches einen oder mehrere Zusatznutzen aufweist, insbesondere darin gelagerte Waren sicher und stabil darin aufbewahren zu können oder auch gleichzeitig weitere Sicherheitsmerkmale zum Schutz von Fahrzeuginsassen gegen Explosionen oder Lärm sowie starke Temperaturschwankungen zur Verfügung zu stellen. Für in Krisengebieten eingesetzte Landfahrzeuge, wie beispielsweise Radpanzer, besteht zunehmend eine erhöhte Gefährdungslage durch sogenannte ”Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen” (USBV) bzw. ”Improvisierte Explosive Vorrichtungen (Devices)” (IED), welche enorme Kräfte auf damit angegriffene Fahrzeuge ausüben. Hierzu soll erreicht werden, dass ein solches Regal von plötzlichen Einbeulungen der Karosserie durch Explosionen von Mienen oder USBV/IED möglichst vollständig entkoppelt werden kann, so dass die Gefahr von aus dem Regal heraus beschleunigten und die beförderten Personen gefährdeten Gegenständen ausgeschlossen werden kann. Weiterhin soll das Regal bei der Verwendung in Luftfahrzeugen beispielsweise hinsichtlich der Notlandebedingungen von Hubschraubern crashsichere Bedingungen erzeugen, die ein Herausschleudern von Gegenständen aus dem Regal durch den Fahrgastraum sicher vermeiden können.
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Die Lösung dieser Aufgabe ergibt sich insbesondere dadurch, dass das Regal beabstandet von einer Wand und/oder zumindest der erste untere Regalboden von einer Bodenfläche entfernt in einem Fahrzeug angeordnet ist, es mindestens teilweise aus flexiblem textilen Material besteht und mittels zugfester, keine Druckkräfte übertragen könnenden Gurten im Fahrzeug verspannt ist. Der Abstand des Regals von den Wandungen kann dabei im Zentimeterbereich liegen oder auch so, dass das Regal als Raumteiler in einer Fahrgastzelle nutzbar wäre. Das flexible textile Material kann des Weiteren wahlfrei aus gewebtem oder unverwebtem Material bestehen, so dass hier eine Vielzahl von Materialien einsetzbar ist, die jeweils optimal auf ihren jeweiligen Einsatzzweck angepasst ausgewählt werden können.
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Dieses erfindungsgemäße Regal ist auf diese Art und Weise als vollkommen Mienen- oder sogar ”IED-”sicheres Regal ausgebildet.
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Vorteilhafte Ausgestaltungen des Gegenstandes der Erfindung ergeben sich mit und in Kombination aus den nachfolgenden Unteransprüchen.
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Ein solches textiles oder halbtextiles Regal bzw. Verstauungs-, Ablage- oder Sicherungs-System lässt sich mittels der verwendeten Gurte einfach nach vorne, nach hinten, seitlich, nach oben, nach innen und/oder zur Außenwand eines Fahrzeuges hin verspannen, wobei diese Abspannung beispielsweise V-förmig, diagonal oder auch trapezförmig ausgeführt sein kann. Das Regal ist bevorzugt von der Decke abgehängt oder von den Seiten eines Fahrzeuges her aufgehängt und am Boden mit den Gurten befestigt, wobei die Gurte und auch die Befestigung an der Decke zur schnellen Montage und Demontage des Regals mit üblichen Verschraubungen oder vorzugsweise mit sicherheitsgurtschlossähnlichen Schlössern ausgestattet sind. Durch diese vorteilhafte Konstruktion wird erreicht, dass im Falle einer Explosion unter einem Fahrzeug der sich schlagartig mit extrem hoher Geschwindigkeit einbeulende Boden aufgrund der Abspannung mit Gurten keinerlei Kräfte in das Regal einleiten kann. Das Regal ist dabei insgesamt so stabil und energieabsorbierend aufgebaut, dass keine in ihm verstauten oder gelagerten Materialien aus ihm herausgeschleudert oder in anderer Weise Insassen durch herumfliegende Teile aus seinem Inneren verletzt werden können.
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Entsprechend einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des Gegenstandes der Erfindung sind zwischen dem Regal und dem Fahrzeug Energieabsorber vorgesehen, um zu verhindern, dass Teile, die im Ablage- und Verstausystem gelagert sind, durch Beschleunigungen, die durch Ansprengungen von unten oder von der Seite eines Fahrzeuges oder auch von vorne oder hinten nicht zu gefährlichen Projektilen im Fahrzeuginneren werden zu lassen. Da das Regal stets mit einem Mindestabstand zur Bordwand in ein Fahrzeug eingebaut wird, wird es auch nicht bei einer seitlichen Ansprengung von einer sich gegebenenfalls einbeulenden Bordwand beschleunigt, da auch dann die Gurte keine Kraft von der Bordwand in das System einleiten können. Die V-förmige, diagonale oder trapezförmige Abspannung ermöglicht es dabei, die Lage des Regals im Raum während des normalen Fahrbetriebes konstant zu halten.
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Als Energieabsorber lassen sich alle bekannten Verfahren oder Vorrichtungen verwenden, etwa Dehngurte, aufreißende Nähte zusammengenähter Gurte oder Metall- oder Keramikschäume, oder auch Dorne, die das verwendete Gewebe auf- oder zerreißen.
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Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfinderischen Regals ist auch mit anhängbaren oder anderweitig anzubringenden Zusatzbeuteln, Containern oder Gebinden textiler oder nicht textiler Art ausgestattet, um beispielsweise Waffen, Munition, Essenspakete, Rucksäcke, Helme, Getränkegebinde etc. aufzunehmen, wobei es des Weiteren vorteilhaft mit klarsichtigen Kartentaschen oder Verstaunetzen versehen sein kann, in denen schnell zu verstauende oder gut sichtbar zu lagernde Materialien untergebracht werden können.
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Eine zusätzliche vorteilhafte Ausgestaltung des erfinderischen Regals weist Befestigungsmechanismen und ggf. auch spezielle stabile Packnetze auf, an bzw. in denen beispielsweise Rucksäcke vom Boden beabstandet gelagert werden werden können, damit diese nicht während eines ”IED”-Ereignisses durch den Innenraum fliegen und somit keine Passagiere verletzen können. Sofern das Regal nicht selber mit solchen Aufnahmevorrichtungen ausgestattet ist, kann es bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform mit Befestigungsmitteln für diese ausgestattet sein, um beliebiges Material sicher am oder im Regal verstauen zu können.
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Vorteilhafterweise ist das Regal des Weiteren mit einem auf seiner nach innen gerichteten Seite angeordneten Verschluss aus textilem und/oder Folienmaterial versehen, welcher in unkritischen Einsatzgebieten eines Kampffahrzeuges aufgerollt oder gänzlich entfernt werden kann, wobei ein solcher Verschluss weitere vorteilhafte Schutz- und Sicherheitsaspekte beinhaltet. Der Verschluss einzelner Regalfächer kann bevorzugterweise als mit einem nach Art eines Labyrinthverschlusses ausgestatteten Verschlussmechanismus ausgebildet sein, wodurch auch eine zusätzliche Schutzbarriere in oder aus Richtung der Fahrzeugwand erzeugt wird.
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Entsprechend einer bevorzugten Ausführungsform des erfinderischen Regals ist dieses mindestens teilweise aus Materialien mit besonders schalldämmender, temperaturdämmender, ggf. auch hohe Temperaturen dämmend, die bedingt durch USBV/IED-Beanspruchung entstehen, und/oder ballistischer Schutzwirkung gefertigt, wie etwa aus Aramid oder Dyneema (Dyneema ist eine eingetragene Marke der DSM IP Assets B. V.), Keramiken oder Metallen und/oder mit ballistisch wirksamen Geweben, Vliesen oder Filzen, wobei diese Materialien miteinander verklebt, verrastet oder versteppt sein können. Sowohl die Rückwände, die Vorderseiten, die Seiten als auch die Zwischenböden können textiler Art sein oder aus harten, gegebenenfalls auch laminierten Geweben, Folien oder anderen Materialien bestehen und zur weiteren Verstärkung mit weiteren starren oder textilen Materialien ausgestattet sein.
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Bei einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist das Regal zumindest teilweise mit leicht zu reinigen Oberflächenbeschichtungen ausgerüstet, so dass es einfach sauber zu halten ist. Bevorzugterweise ist das Regal dabei mit Sterionen und/oder andere Bakterien, Pilze, Viren oder Sporen abtötende bioziden Mitteln versehen, so dass es über einen langen Zeitraum hygienisch sauber bleibt und sich darin kein Herd für Bakterienwachstum oder ähnliches bilden kann.
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Vorteilhaft ist des Weiteren eine Ausführungsform des erfinderischen Regals, welche innen und/oder außen mit Beleuchtungsmitteln versehen ist, so dass stets der Regalinhalt erkennbar ist, wodurch sich der Nutzwert der Erfindung weiter wesentlich erweitert.
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Entsprechend einer erfinderischen Weiterbildung des Regals kann es für einen ergänzenden ballistischen Schutz mittels daran angehängter Platten oder Lagen ballistisch schutzwirksamer Materialien verstärkt werden, ebenso wie zur Geräuschdämpfung innerhalb des Fahrzeuges entsprechendes Dämmmaterial daran befestigt oder von vorne herein mit in dem Regal verbaut sein kann.
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Solcher zur Geräuschdämpfung eingebauter Schaum oder die alternativ genannten Materialien können des Weiteren als Energieabsorber für Geschosse und Splitter eingesetzt werden. Dazu dient eine Decklage der Materialien als Kugel- oder Splitterbarriere oder -fang und der dahinter liegende Schaum leitet durch Nachgeben die Energie der Splitter oder Geschosse ab. Gegenüber einem ”starren” System ergeben sich hierbei pro eingesetzter Masse bessere Schutzwirkungen. Um den Schallpegel in einem Fahrzeug zu senken, kann das Regal mit besonders gut schallabsorbierenden Schäumen beklebt, besteppt oder anderweitig ausgerüstet sein, damit diese einen möglichst großen Teil des Schalls im Innenraum des Fahrzeuges ”schlucken” bzw. absorbieren. Es können aber auch andere Materialien zum Abbau des Schalls wie z. B. Faservliese, Filze oder weitere, zusätzlich auch ballistisch wirksame Gewebe mit verbaut werden.
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Dieses erfinderische Regal bietet damit nicht nur einen zusätzlichen Splitterschutz, beispielsweise gegen Splitter, die aufgrund von Beschuss auf der Innenseite der Bordwand eines gepanzerten Fahrzeuges eintreten und ansonsten durch den Innenraum fliegen und Insassen in Gefahr bringen würden, sondern es bietet auch Sicherheit gegen Querschläger (Geschosse oder Splitter), die nicht aus einer Richtung der Bordwand kommen, die durch dieses Regal abgedeckt wird, so dass dieses Regal zusätzlich eine Splitterfalle bildet. Diese Splitter dringen dann beispielsweise durch oder in die Innseiten der Regale ein und fangen sich je nach der noch vorhandenen kinetischen Energie im Regal oder durchschlagen noch dessen hintere Rückwand und verbleiben dann aber zwischen dieser und der Innenwandung des Fahrzeuges.
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Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist das Regal mit einem Tragwerk aus miteinander oder auch freien Profilstäben aus natürlichen oder Kunststoffen, Verbundstoffen oder Metall versehen, so dass es stets ein Mindestmaß an einer bestimmten Raumform aufweist. Die Regalböden können mit stirnseitigen Querstegen oder Bändern gegen ein Herausfallen der darin gelagerten Gegenstände ausgeführt sein, so dass auch beim nicht durchgeführten Verschluss des Regals ein Herausfallen der darin gelagerten Gegenstände weitgehend ausgeschlossen werden kann.
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Besonders vorteilhaft ist eine Ausführungsform des erfinderischen Regals, welche passend zur Bordwand der Kontur eines entsprechenden Fahrzeuges angepasst ist, wodurch zum einen die Raumausnutzung optimiert wird und zum anderen aber auch weiterhin die Möglichkeit erzeugt wird, das Regal so auszubilden, dass es besonders gefährdete Teile von Fahrzeugen, wie z. B. Radkästen von Rad oder Kettenfahrzeugen, abdeckt, so dass sich auch Splitter, welche von den Radkästen ausgehen, von dem Regal abgefangen werden können, wobei dies sowohl die Oberseite der Radkästen wie auch deren senkrechten Teile betrifft. Zu diesem Zweck kann z. B. die Regalvorderseite bis auf den Fahrzeugboden ausgebildet sein. Durch die textile Ausbildung überträgt dieser Teil ebenfalls keine Druckkräfte, die ggf. aus einer schlagartigen Verformung des Fahrzeugbodens rühren könnten.
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Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die Materialien des Regals so ausgewählt, dass sie auch den Anforderungen der Luftfahrt F/S/T (Fire, Smoke, Tox) als auch den gewünschten Gewichtsvorstellungen entsprechen, also besonders leicht ausgeführt sind.
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Das erfinderische Regal ist weiterhin so aufgebaut, dass es eine gute Wärmeisolierung zwischen den Bordwänden und den von den Passagieren genutzten Innenraum bildet, so dass sich dieser Innenraum im aufgeheizten oder total abgekühlten Zustand sehr schnell auf angenehme Temperaturen klimatisieren lässt. Somit geht der Wärmestrom vom großen Teil der Bordwand nicht mehr so schnell auf den genutzten Innenraum über und die Wirkung der Klimaanlage oder Lüftung bzw. Heizung wird schneller wirksam und die gewünschten Innenraumtemperaturen werden schneller erreicht.
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Bevorzugterweise lässt sich ein solches Regal auch im Bereich sämtlicher Bordwände, Außenwände, Trennwände oder Türen, gegebenenfalls auch ohne große Staufächer oder vor sonstigen Flächen als Splitterfang nutzen, wobei die Rück- und Seitenwände des erfinderischen Regals insgesamt so gestaltet sein können, dass der ballistische Schutz durch die Verarbeitung z. B. von Nähten nicht geschwächt wird.