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Die: Erfindung betrifft einen bemalbaren Bildträger, ein Gemälde mit einem solchen Bildträger sowie ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Bildträgers.
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In der Malerei eingesetzte Bildträger weisen üblicherweise eine auf einen Keilrahmen aufgespannte Leinwand auf, die beispielsweise mit in Öl, Acryl oder Wasser dispergierten Farbpigmenten bemalt werden kann. Die Farbpigmente unterliegen aufgrund von Umwelteinflüssen, wie beispielsweise UV-Strahlen, aber auch in der Umgebungsatmosphäre enthaltenen (oxidierenden) chemischen Stoffen einer Alterung, was über die Zeit zu einem unerwünschten Verblassen der Farben bzw. einer Veränderung deren Farbtreue führen kann. Gemälde mit solchen Bildträgern müssen daher häufig aufwändig geschützt werden, um ein Verblassen der eingesetzten Farbpigmente zu verzögern bzw. zu verhindern.
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Aufgabe der Erfindung ist es, einen bemalbaren. Bildträger anzugeben, bei dem auf den Bildträger aufgetragene Farbpigmente, insbesondere solche, die in Wasser aufgeschlämmt sind, auf einfache und kostengünstige Weise gegenüber einem Verblassen geschützt werden können. Der Bildträger soll dabei eine möglichst gleichmäßige bemalbare Oberfläche aufweisen. Es ist weiterhin Aufgabe der Erfindung, ein Gemälde mit einem solchen Bildträger sowie ein Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Bildträgers anzugeben.
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Die den bemalbaren Bildträger betreffende Aufgabe wird erfindungsgemäß durch einen Bildträger mit den in Patentanspruch 1 angegebenen Merkmalen und die das Gemälde betreffende Aufgabe mit einem Gemälde mit den im Patentanspruch 7 angegebenen Merkmalen gelöst. Die das Verfahren zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Bildträgers betreffende Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den in Patentanspruch 9 angegebenen Merkmalen gelöst.
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Der erfindungsgemäße bemalbare Bildträger weist einen plattenförmigen Tragkörper auf, der mit zumindest zwei schichtweise übereinanderliegend angeordneten Kalkmörtelschichten versehen ist, die den Tragkörper auf zumindest einer Seite vollständig überdecken. Eine zu bemalende oberste Kalkmörtelschicht der zumindest zwei Kalkmörtelschichten weist dabei eine gegenüber der untersten Kalkmörtelschicht geringere Körnung auf und ist nur teilweise verfestigt.
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Der mit dem Bildträger verbundene Vorteil besteht im Wesentlichen darin, dass auf die zu bemalende (oberste) Kalkmörtelschicht aufgetragene Farbpigmente allein durch eine während des vollständigen Abbindens der obersten Kalkmörtelschicht gebildeten Calciumcarbonathülle (Carbonatisierung) zur Umgebungsatmosphäre hin umhüllt werden. Diese Calciumcarbonathülle schützt die Farbpigmente effizient von Umwelteinflüssen, wie etwa oxidierenden Stoffen und/oder Verbindungen, die zu einem Verblassen der Farbpigmente führen können. Dadurch kann die Brillianz und Farbe der Farbpigmente über eine weitaus längere Zeitspanne erhalten werden. Auf aufwändige Schutzeinrichtungen, wie etwa UV-absorbierende Glas- oder Kunststoffscheiben, mit denen ein Gemälde üblicherweise vor UV-Strahlung bzw. anderen oxidierenden Einflüssen geschützt werden, erübrigen sich ebenso wie das nachträgliche Auftragen einer (UV-)Schutzbeschichtung auf den bemalten Bildträger. Bei dem erfindungsgemäßen Bildträger kann mittels der feinkörnigeren obersten Kalkmörtelschicht Strukturunregelmäßigkeiten der darunterliegenden Kalkmörtelschicht bzw. Kalkmörtelschichten zuverlässig ausgeglichen werden. Dadurch kann eine besonders homogene und ggf. plane zu bemalende Oberfläche bereitgestellt werden.
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Als Tragkörper sind alle Gegenstände geeignet, die oberflächenanfeuchtbar und/oder durchfeuchtbar sind (z. B. Vollholzkörper, insbesondere Vollholzplatten, Leichtbauplatten).
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Mit dem erfindungsgemäßen Bildträger ist es erstmals möglich, Fresken herzustellen, die standortunabhängig aufstellbar bzw. ausstellbar sind.
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Der erfindungsgemäße Bildträger ist zwar pro Flächeneinheit schwerer als eine herkömmliche Leinwand oder dergl., eignet sich aber dennoch vorzüglich für Gemälde, die an einer Wand aufgehängt und/oder gegen eine Wand gelehnt werden sollen. Aus Gründen der Handhabbarkeit des Bildträgers kann dieser insbesondere ein Format von bis zu 4 auf 4 Metern aufweisen. Die Variationsmöglichkeiten der räumlichen Anordnung des bemalten Bildträgers entsprechen im Wesentlichen solchen Gemälden, die auf einer Leinwand oder dergl. angefertigt sind.
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Der oberste der zumindest zwei Kalkmörtelschichten des Bildträgers weist im Hinblick auf eine besonders effektive Farbaufnahme vorzugsweise eine offenporige Oberflächenstruktur auf. Die eingesetzten Farbpigmente können dadurch leichter in einen oberflächennahen Bereich der Kalkmörtelschicht eindringen und von der sich im Rahmen des vollständigen Abtrocknens der obersten Kalkmörtelschicht gebildeten schützenden Calciumcarbonathülle umhüllt werden.
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Der Bildträger kann erfindungsgemäß auch an Stirnseiten des plattenförmigen Tragkörpers von wenigstens einer der zumindest zwei Kalkmörtelschichten überdeckt sein. Dadurch ergibt sich ein besonders homogenes äußeres Erscheinungsbild. Zusätzlich können dadurch ggf. auch die Stirnseiten des Tragkörpers bemalt und dort die Farbpigmente vor einem Verblassen geschützt werden.
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Der plattenförmige Tragkörper kann insbesondere eine Mehrschichtplatte mit zumindest einer Holz- oder Holzfaserschicht sein. Dadurch kann der Tragkörper auf einfache Weise mit Wasser durchfeuchtet werden, was für ein effektives Anhaften der ersten Kalkmörtelschicht an dem Tragkörper und ein homogenes und langsames Abbinden der Mörtelschicht vorteilhaft ist. Auf diese Weise kann eine unerwünschte. Rissbildung der Kalkmörtelschichten vermieden werden.
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Damit auch großformatige Gemälde realisiert werden können, die noch von einer überschaubaren Anzahl, vorzugsweise zwei, Personen, getragen/aufgehängt werden können, ist die Mehrschichtplatte in Leichtbauweise ausgeführt. Die Mehrschichtplatte kann diesbezüglich einen Schaumkern, insbesondere einen Schaumpolystyrolkern, aufweisen.
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Der Tragkörper weist vorzugsweise ein Aufhängemittel zum Aufhängen des Bildträgers auf. Das Aufhängemittel kann insbesondere eine in den Tragkörper eingelassene Injektionshülse, einen Haken und/oder eine Öse umfassen.
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Das erfindungsgemäße Gemälde umfasst zumindest einen Vorstehend erläuterten bemalbaren Bildträger, auf dessen oberster Kalkmörtelschicht kalkechte Farbpigmente aufgetragen sind. Die kalkechten Farbpigmente des Gemäldes sind im vollständig verfestigten Zustand der bemalten (obersten) Kalkmörtelschicht in. einer durch ein Abbinden der obersten Kalkmörtelschicht gebildeten Calciumcarbonathülle eingebettet und so vor einem unerwünschten Farbverlust bzw. Verblassen geschützt.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Herstellen des bemalbaren Bildträgers wird in einem ersten Arbeitsschritt ein plattenförmiger Tragkörper, insbesondere eine Mehrschichtplatte, bereitgestellt. Die Mehrschichtpatte kann dabei in Leichtbauweise ausgeführt sein und beispielsweise einen Schaumkern, z. B. aus geschäumtem Polystyrol, aufweisen. Der Tragkörper wird in einem weiteren Schritt mit Wasser durchfeuchtet. Dies kann beispielsweise durch teilweises oder vollständiges Eintauchen des Tragkörpers in Wasser erfolgen. Nach Erreichen eines definierten Durchfeuchtungsgrades wird auf den Tragkörper in einem nachfolgenden Arbeitsschritt ein Spritzbewurf aufgebracht, um so die erste Kalkmörtelschicht zu bilden. Die erste Kalkmörtelschicht wird in einem nachfolgenden Arbeitsschritt teilweise verfestigt. Dazu kann die Kalkmörtelschicht beispielsweise an der Luft über zumindest zwei oder mehr Stunden ruhen. Auf die teilweise verfestigte, d. h. noch feuchte Kalkmörtelschicht, wird in einem nachfolgenden Arbeitsschritt eine zweite oder auch mehrere Kalkmörtelschichten aufgetragen. Diese Kalkmörtelschicht(en) dienen dabei als Ausgleichsschicht zum Ausgleich von (unerwünschten) strukturellen Unebenheiten der ersten bzw. der jeweils zuletzt aufgetragenen Kalkmörtelschicht. Die zumindest eine weitere Kalkmörtelschicht wird nachfolgend teilweise verfestigt. Dies kann beispielsweise durch Ruhenlassen des mit den Kalkmörtelschichten versehenen Tragkörpers über einen Zeitraum von zumindest 12 Stunden, vorzugsweise bei einer definierten Luftfeuchtigkeit, erfolgen. Vor dem Auftragen einer jeweils weiteren Kalkmörtelschicht wird die jeweils zuletzt aufgetragene Kalkmörtelschicht dementsprechend zunächst teilweise verfestigt. Nach dem teilweisen Verfestigen der (zu bemalenden) obersten Kalkmörtelschicht kann diese feucht-in feucht, vorzugsweise mit in Wasser/Kalkwasser aufgeschlämmten Farbpigmenten, bemalt werden.
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Es versteht sich, dass die Farbpigmente derart beschaffen bzw. dispergiert sein müssen, dass sich um diese zumindest teilweise eine Calciumcarbonathülle ausbilden kann. Dies ist bei in Wasser dispergierten reinen, kalkbeständigen Farbpigmenten stets der Fall.
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Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines in der Zeichnung wiedergegebenen Ausführungsbeispiels näher erläutert.
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In der Zeichnung zeigt:
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1 einen erfindungsgemäßen Bildträger, der einen Tragkörper und zwei darauf angeordnete Kalkmörtelschichten aufweist, in perspektivischer Ansicht;
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2 ein Gemälde mit einem Bildträger gemäß 1, in perspektivischer Ansicht;
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3 ein von einer Schutzhülle umhülltes Farbpigment des Gemäldes aus 2, im Querschnitt; und
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4 ein Blockdiagramm mit einzelnen Arbeitsschritten zur Herstellung des in 1 gezeigten Bildträgers.
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1 zeigt einen erfindungsgemäßen Bildträger 10, der mehrschichtig aufgebaut ist. Der Bildträger 10 weist einen plattenförmigen Tragkörper 12 in Leichtbauweise auf, der eine zwischen zwei Holzfaserschichten 14 angeordnete Schaumpolystyrolschicht 16 (Mehrschichtplatte) aufweist.
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Auf der dem Betrachter zugewandten Seite des Tragkörpers 12 sind zwei schichtweise übereinanderliegend angeordnete Kalkmörtelschichten 18, 20 aufgebracht, die den Tragkörper 12 jeweils vollflächig überdecken. Die an ihrer Oberfläche 22 zu bemalende oberste Kalkmörtelschicht 20 weist eine gegenüber der darunterliegend angeordneten Kalkmörtelschicht 18 geringere Körnung auf und dient vornehmlich als Ausgleichsschicht. Die oberste Kalkmörtelschicht 20 ist deutlich dünner als die darunterliegende Kalkmörtelschicht und nur teilweise verfestigt, d. h. weist eine für deren Bemalen erforderliche definierte Restfeuchte auf. Die oberste Kalkmörtelschicht 20 ist zwecks eines erleichterten späteren Farbauftrags offenporig. Zwischen dem Tragkörper 12 und der Kalkmörtelschicht 18 kann eine Spritzwurfschicht aufgebracht sein. Dadurch kann die Kalkmörtelschicht 18 verbessert am Tragkörper 12 haften.
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Der Tragkörper 12 ist bei dem hier gezeigten Ausführungsbeispiel an seinen Stirnseiten 24 nicht mit einer der zwei Kalkmörtelschichten 18, 20 versehen, kann aber nach einer in der Zeichnung nicht näher wiedergegebenen Ausführungsform der Erfindung auch an den Stirnseiten 24 mit einer oder auch beiden Kalkmörtelschichten 18, 20 verputzt sein.
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Der Bildträger 10 ist rückseitig mit zwei an dem Tragkörper 12 befestigten Aufhängemitteln 26 zum späteren Aufhängen des bemalten Bildträgers 10 versehen. Die Aufhängemittel 26 können an den Tragkörper festgeschraubt bzw. auch zumindest teilweise in diesen eingelassen sein. Es versteht sich, dass die Aufhängemittel auch vollständig auf der Rückseite des Tragkörpers angebracht sein können, damit die Aufhängemittel bei Betrachtung des Bildträgers unsichtbar sind.
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2 zeigt ein Gemälde 100 mit einem vorstehend erläuterten Bildträger 10. Die oberste Kalkmörtelschicht 20 des Bildträgers 10 wurde in ihrem noch nicht vollständig verfestigten, d. h. restfeuchten Zustand, mit einer hier flächendeckenden Farbschicht 102 aus in Wasser aufgeschlämmten kalkechten Farbpigmenten 104 versehen. Die einzelnen Farbpigmente 104 sind aus Darstellungsgründen entgegen ihrer tatsächlichen Größe und Verteilung pro Flächeneinheit auf der obersten Kalkmörtelschicht 20 des Bildträgers 10 als einzelne Punkte veranschaulicht.
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Die Farbpigmente 104 sind durch ein im Rahmen des vollständigen Abbindens, d. h. Verfestigens, der obersten Kalkmörtelschicht 20 von einer Calciumcarbonathülle 106 umhüllt, wie dies in 3 am Beispiel eines im Querschnitt wiedergegebenen Farbpigments 104 des in 2 gezeigten Gemäldes aus 2 stark schematisiert angedeutet ist. Die Calciumcarbonathülle 106 schützt die Farbpigmente effizient vor Umwelteinflüssen, wie etwa UV-Strahlen bzw. anderen chemischen Stoffen und/oder Verbindungen, die zu einem Verblassen der Farbpigmente 104 führen können. Dadurch wird die Brillianz, die Farbtiefe und Farbtreue der Farbpigmente 104 langfristig erhalten.
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Zum Herstellen des erfindungsgemäßen Bildträgers 10 wird in einem ersten Arbeitsschritt 200 ein plattenförmiger Tragkörper bereitgestellt. Der Tragkörper kann dazu beispielsweise im gewünschten Format aus einer handelsüblichen Holz- oder Mehrschichtplatte ausgesägt werden.
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Auf den Tragkörper wird, wie in 4 gezeigt, in einem zweiten Arbeitsschritt 202 ein Spritzbewurf zum Bilden der ersten Kalkmörtelschicht aufgetragen. Die erste Kalkmörtelschicht wird in einem dritten Arbeitsschritt 204 zumindest teilweise verfestigt. Dazu wird die erste Kalkmörtelschicht beispielsweise über einen. Zeitraum von zumindest zwei Stunden bei einer Umgebungstemperatur von 16–22 Grad Celsius und einer vorgegebenen Luftfeuchtigkeit von größer 40% ruhen gelassen.
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In einem vierten Arbeitsschritt 206 wird die zweite Kalkmörtelschicht (Putzschicht) vollflächig auf die erste Kalkmörtelschicht und bedarfsweise auch auf die Stirnseiten des Tragkörpers und der ersten Kalkmörtelschicht aufgebracht. Dies erfolgt vorzugsweise bei horizontal ausgerichtetem Tragkörper.
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Die zweite (und oberste) Kalkmörtelschicht wird in einem fünften Arbeitsschritt 208 teilweise verfestigt, bevor diese zum Erstellen eines Gemäldes 100 bemalt wird, d. h. auf deren feuchte Oberfläche 22 (1) ein Farbpigmentauftrag mit den Farbpigmenten erfolgt.
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Der Bildträger 10 wird vorzugsweise in einer gas- und wasserdichten Schutzumhüllung verpackt. Dadurch kann der Bildträger auch über längere Zeit gelagert, transportiert und zum Kauf angeboten werden. Die Schutzumhüllung wird dabei vorzugsweise mit einer, idealerweise CO2-freien, Schutzatmosphäre befüllt, um einem unerwünschten Abbinden, d. h. vollständigen Verfestigen (Durchtrocknen), der obersten Kalkmörtelschicht entgegenzuwirken. Alternativ kann der Bildträger in der Verpackung auch vakuumverpackt werden.
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Die Erfindung betrifft einen bemalbaren Bildträger 10 mit einem plattenförmigen Tragkörper 12, auf dessen einer Seite. zumindest zwei Kalkmörtelschichten 18; 20 schichtweise übereinanderliegend angeordnet sind, wobei die zumindest zwei Kalkmörtelschichten 18; 20 die eine Seite des Tragkörpers 12 vollständig überdecken, wobei eine zu bemalende oberste Kalkmörtelschicht 20 der zumindest zwei Kalkmörtelschichten 18; 20 eine gegenüber der untersten Kalkmörtelschicht 18 geringere Körnung aufweist und nur teilweise verfestigt ist. Die Erfindung betrifft weiterhin ein Gemälde mit einem erfindungsgemäßen Bildträger sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung.