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Technisches Gebiet
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Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Auslösung einer Fangvorrichtung bei Aufzügen, insbesondere bei Treibscheibenaufzügen, für den Einsatz in der Gebäudetechnik bei der Modernisierung oder dem Neubau von Aufzügen gemäß der Oberbegriffe der unabhängigen Patentansprüche 1 und 19.
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Stand der Technik
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Es sind Kombinationen aus konventionellen (d.h. mechanischen) Geschwindigkeitsbegrenzern und mechanischen Fangvorrichtungen bekannt, die über ein auslösendes Seil mechanisch gekoppelt sind.
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Beispielsweise beschreibt die
WO 2010 046 489 A1 einen Geschwindigkeitsbegrenzer in einer Aufzugsanlage, mit einer Rücksetzvorrichtung für eine Bremse des Geschwindigkeitsbegrenzers, wobei die Bremse maschinell-mechanisch und fernbetätigt lös- und auslösbar ist. Hierfür ist der Geschwindigkeitsbegrenzer mit einem fernbedienbaren Auslösemechanismus, beispielsweise einem Magnetschalter ausgestattet. Der Geschwindigkeitsbegrenzer ist hierbei der Detektor für die Übergeschwindigkeit und agiert als Aktor zur Auslösung der Fangvorrichtung.
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Ferner ist eine Kombination aus Schachtkopiersystemen mit Auswerteeinheiten von Absolutwertgebern, zum Beispiel auf Basis von Lochbändern, Magnetbändern oder optischen Bändern und elektrisch ausgelösten Fangvorrichtungen, beispielsweise durch Öffnen von Ventilen oder Abfallen von Magneten, bekannt.
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Das Schachtkopiersystem ist hierbei der Detektor für die Übergeschwindigkeit und steuert den Aktor zur Auslösung der Fangvorrichtung an.
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Bei bisher bekannten Lösungen ist nachteilig, dass konventionelle Geschwindigkeitsbegrenzer immer anlagenspezifisch mechanisch eingestellt/kalibriert werden müssen. Darüber hinaus verfügen konventionelle Geschwindigkeitsbegrenzer über viele sich bewegende Teile und sind daher eine Geräuschquelle.
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Nachteilig ist ferner, dass konventionelle Geschwindigkeitsbegrenzer durch ihre Bauart in ihrer Lage nur begrenzt einbaubar sind. Häufig muss deshalb für eine andere Einbaulage, wie beispielsweise hängend oder stehend, eine Einstellung verändert werden.
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Weiterhin nachteilig ist, dass durch die fail-safe Prinzipien elektrisch ausgelöste Fangvorrichtungen in der Regel so konstruiert sind, dass für den Normalbetrieb, also für 100% der Zeit, eine Betriebsspannung aufrechterhalten werden muss, um die Fangvorrichtung nicht auszulösen. Dies bedeutet einen permanenten Stand-by Strombedarf, der bei mechanischen Lösungen nicht gegeben ist.
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Ferner ist bei bekannten Lösungen ungünstig, dass bei Stromausfall immer ein Auslösen der Fangvorrichtung unvermeidlich ist. Daher ist in der Regel zusätzlich eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, Akkupufferung, etc. vorzusehen.
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In der Montagephase, bei der konventionelle Fangvorrichtungen bislang häufig bereits die Sicherheit von Montagepersonal gewährleisten, ist bei den jetzt bekannten elektrischen Lösungen eine vergleichbare Realisierung der Ansteuerung schwierig, da das auslösende System (Schachtkopierung) oft noch nicht betriebsbereit ist oder auch keine dauerhafte Stromversorgung gewährleistet ist.
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Aufgabenstellung
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Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung eine Kombination aus der Auswerteeinheit als detektierendes System und einer konventionellen Fangvorrichtung bereitzustellen, um die Vorteile der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung mit denen der konventionellen Fangvorrichtung zu kombinieren und dabei die Verwendung einer Fangvorrichtung in Kombination mit einem auslösenden Absolutwert-Gebersystem als Schutz vor Absturz und Übergeschwindigkeit während der Montage- und Betriebsphase zu ermöglichen. Ferner soll die Verwendung einer nicht vorab einzustellenden und in großer Stückzahl vorproduzierbaren Bremseinrichtung für das auslösende Seil der Fangvorrichtung, die komplett geschwindigkeitsunabhängig sowie richtungsunabhängig verwendbar ist, ermöglicht werden. Die Erfindung soll zur Verwendung für Neuanlagen sowie für Modernisierungslösungen, bei denen eine bestehende Fangvorrichtung nicht getauscht werden kann oder soll, gleichermaßen geeignet sein.
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Diese Aufgabe wird durch eine Steuervorrichtung mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruches 1 und ein Verfahren zur Auslösung einer Fangvorrichtung mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 19 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen finden sich in den abhängigen Ansprüchen.
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Zur Lösung der Aufgabe ist erfindungsgemäß vorgesehen:
- Die Verwendung einer sicheren intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung mit integrierter Auswerteeinheit oder separater Auswerteeinheit als System zur Erkennung von ausgehend vom Normalbetrieb abweichenden Betriebsparametern der Aufzugsanlage, beispielsweise der Übergeschwindigkeit, oder unbeabsichtigter oder untypischer Bewegungen mit oder ohne geschlossene Türen.
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Die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung umfasst dabei Mittel zur positionsabhängigen Erfassung von Betriebsparametern der Aufzugsanlage.
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Die integrierte Auswerteeinheit oder separate Auswerteeinheit der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung umfasst vorteilhafter Weise einen integrierten oder entfernten analogen oder digitalen Computer mit Prozessor, Programmspeicher und Datenspeicher und Schnittstelle zur Datenerfassung und optional zur Programmierung.
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Mittel zur zeitlich kontinuierlichen oder in zeitlich definierten Abständen erfolgenden Erfassung der Positionswerte des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts.
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Daraus bildet die integrierte oder separate Auswerteeinheit der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung die zeitabhängige Position s(t)F und davon durch einmalige Differentiation nach der Zeit abhängig von s(t)F die Ist-Geschwindigkeit v(t)F und/oder durch zweimalige Differentiation nach der Zeit die Ist-Beschleunigung a(t)F des Fahrkorbs und/oder die zeitabhängige Position s(t)G und davon abhängig von s(t)G entsprechend durch einmalige Differentiation nach der Zeit abhängig die Ist-Geschwindigkeit v(t)G und/oder durch zweimalige Differentiation nach der Zeit die Ist-Beschleunigung a(t)G des Fahrkorbs des Gegengewichts. Vorteilhafter Weise können jeweils auch weitere Differentiationen nach der Zeit erfolgen, um so die differentielle Ansprechempfindlichkeit bei Veränderungen des zeitlichen Verlaufs der Position s(t)F und oder s(t)G zu erhöhen.
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Erfassung der Steuerungsparameter der Aufzugssteuerung wie beispielsweise „Auffahrt“ oder „Abfahrt“ oder vorgesehene „Startposition“ und vorgesehene „Stoppposition“, Geschwindigkeits- oder Beschleunigungsprofi etc.
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Die Korrelation dieser Werte wird bevorzugter Weise unter Berücksichtigung der Steuerungsparameter und optional unter Berücksichtigung der Fahrkorblast in einer oder mehreren Eichfahrten ermittelt und als wenigstens eine Sollwertkurve oder ein Sollwertprofil mit definierten Bereichen zulässiger Werte für die positionsabhängige Sollgeschwindigkeit und/oder die positionsabhängige Sollbeschleunigung und/oder gegebenenfalls weiterer positionsabhängiger Ableitungen der Sollbeschleunigung abgespeichert. Es ist von Vorteil, dass dabei jeweils ein Toleranzband oder ein Profil mit definierten Bereichen zulässiger Werte für den Sollwertverlauf gebildet wird. Bei Abweichung der positionsabhängigen Sollgeschwindigkeit und/oder Sollbeschleunigung und/oder weiterer Ableitungen der Sollbeschleunigung vom jeweiligen Sollwert innerhalb des Toleranzbandes oder innerhalb des Sollwerteprofils erfolgt die Auslösung der Fangvorrichtung über Mittel zum Bremsen des Auslöseseils, wodurch die konventionelle Fangvorrichtung der Aufzugsanlage eingreift.
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Vorteilhafter Weise kann das jeweilige Toleranzband während des Fahrbetriebes laufend erfasst und selbstlernend abgespeichert und damit aktualisiert werden. So ist eine laufende Anpassung der Sollwertbänder oder des Sollwerteprofils für die positionsabhängige Geschwindigkeit und/oder die positionsabhängige Beschleunigung des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts möglich, um dadurch in der Praxis auftretende Veränderungen und Lastzustände zu erfassen und tolerierbar zu machen. Dabei kann ein definiertes maximales Toleranzband als Begrenzung der tolerierbaren Veränderungen vorgegeben werden.
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Die Erfassung der Positionswerte des Fahrkorbes und/oder des Gegengewichts kann vorteilhafter Weise durch optische, magnetische und/oder akustische Inkremental- oder Absolutwertsensoren erfolgen. Die Bildung einer ersten Ableitung und/oder einer zweiten Ableitung erfolgt bevorzugter Weise durch eine integrierte oder separate Auswerteeinheit durch wenigstens einmalige und/oder wenigstens zweimalige Differentiation des Positionswertes nach der Zeit. Das Ergebnis ist die Geschwindigkeit und/oder die Beschleunigung des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichtes.
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Alternativ oder zusätzlich kann die Erfassung der Geschwindigkeit durch geschwindigkeitsproportionale Mittel wie beispielsweise induktive Sensoren erfolgen, welche abhängig von der Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichtes die jeweilige Geschwindigkeit erfassen und als Istwert an die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung weiterleiten.
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Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung daraus durch einmalige Integration die Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts ermitteln. Vorteilhaft werden dabei als Anfangswert und/oder als Zwischenwert die Position der Türschalter als Zwischen- und Stützwerte der Positionen herangezogen.
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Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung aus dem Geschwindigkeitssignal durch Differentiation die positionsabhängigen Beschleunigungswerte ermitteln.
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Alternativ oder zusätzlich kann die Erfassung der Beschleunigung durch beschleunigungsproportionale Mittel wie beispielsweise wenigstens einen inertialen Beschleunigungssensor erfolgen, welcher abhängig von der Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichtes die jeweilige Beschleunigung erfasst und als Istwert an die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung weiterleitet.
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Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung daraus durch einmalige Integration die Geschwindigkeit des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts und/oder durch zweimalige Integration die Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts ermitteln. Vorteilhafter Weise werden dabei als Anfangswert und/oder Zwischenwert die Position der Positionssensoren eines konventionellen Schachtkopierungssystems und/oder die Türschalter als Zwischen- und Stützwerte der Positionen herangezogen.
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Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung aus dem Beschleunigungssignal durch Differentiation wenigstens eine positionsabhängige Ableitung des Beschleunigungswertes ermitteln, welche besonders empfindlich kritische Veränderungen des positionsabhängigen Bewegungsverlaufs des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts anzeigen.
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Optional umfassen die Mittel zur positionsabhängigen Erfassung von Betriebsparametern der Aufzugsanlage Mittel zur Erfassung des Körperschalls an Komponenten der Aufzugsanlage, wie beispielsweise am umlaufenden Auslöseseil und/oder an den Fahrkorbschienen und/oder an den Treibmitteln. Eine Analyse des darin enthaltenen Frequenzspektrums kann beispielhaft mittels einer Fast-Fourier-Transformations-Analyse erfolgen. Das im Normalbetrieb ermittelte Frequenzspektrum dient dabei als Referenz oder zusammen mit einem definierten Toleranzband als Sollwertespektrum. Im Betrieb wird das Frequenzspektrum laufend überwacht und als Istwert mit dem Sollwertespektrum verglichen. Bei Abweichung, beispielsweise bei verändertem Frequenzspektrum aufgrund von veränderter Friktion der Treibmittel oder bei mangelnder Schmierung der Laufschienen etc., erfolgt gesteuert von der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung die Auslösung der Fangvorrichtung über Mittel zum Bremsen des Auslöseseils, wodurch die konventionelle Fangvorrichtung der Aufzugsanlage eingreift.
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Dadurch ergibt sich vorteilhafter Weise eine Möglichkeit zur Definition verschiedener Auslösegeschwindigkeiten, Auslösebeschleunigungen oder weiterer Ableitungen nach der Zeit oder von frequenzspezifischen akustischen bzw. mechanischen Schwingungen in den Betriebsparametern der Aufzugsanlage in Abhängigkeit von der Position, der Richtung oder dem Betriebszustand (Normalbetrieb/Inspektion/Montage/...) der Fahrkabine und/oder des Gegengewichts.
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Damit wird erfindungsgemäß die Überwachung von positionsabhängiger, optional lastabhängiger und steuerungsabhängiger wie beispielsweise fahrtrichtungsabhängiger und/oder start/stopp-abhängiger Übergeschwindigkeit, oder unbeabsichtigter oder untypischer Bewegungen oder Beschleunigungen mit oder ohne geschlossene Türen und bedarfsweise die Auslösung der Fangvorrichtung der Aufzugsanlage ermöglicht.
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Es ist von Vorteil, wenn die Verwendung eines umlaufenden alternativen oder zusätzlichen Auslöseseils zur Auslösung der Fangvorrichtung erfolgt, welches analog zu einem Geschwindigkeitsbegrenzer-Seil auf die Fangvorrichtung wirkt. Die Verwendung des alternativen oder zusätzlich umlaufenden Auslöseseils zur Auslösung der Fangvorrichtung erfolgt analog zu einem Geschwindigkeitsbegrenzer-Seil. Das alternative oder zusätzliche Auslöseseil umfasst ein quer zur Umlaufrichtung flexibles Material mit hoher Reißfestigkeit, beispielsweise ein Stahlseil oder ein kunststoffummanteltes Stahlseil, ein Faserseil, einen Riemen, einen Gurt oder eine Kette.
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Vorteilhaft kann die Verwendung von zwei beliebig gelagerten Umlenkrollen, beispielsweise hängend, stehend oder seitlich, im Schachtkopf und in der Schachtgrube zur Führung des umlaufenden Auslöseseils erfolgen.
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Die Umlenkrollen und ihre Anbauten, insbesondere die Bremsmittel und die Mittel zur Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern der Aufzugsanlage, sind ferner unabhängig von der Einbaulage, Drehrichtung und Geschwindigkeit und es ist keine Voreinstellung oder Kalibrierung an Richtung oder Geschwindigkeit vorzunehmen.
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Die Spannung des umlaufenden Auslöseseils wird über die untere Umlenkrolle oder die obere Umlenkrolle oder über beide Umlenkrollen mittels Federn und/oder Gewichten gehalten.
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Das Bremsmittel umfasst eine Bremseinrichtung an wenigstens einer eine Umlenkrolle des Auslöseseils, welche die Bremswirkung über Form- oder Reibschluss und mechanisch, hydraulisch oder pneumatisch, beispielsweise über Bolzen, Bremsbeläge oder dergleichen auf wenigstens eine Umlenkrolle oder Anbauteile wie beispielsweise Bremsscheiben, Lochscheiben oder dergleichen der Umlenkrolle des Auslöseseils übertragen.
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Alternativ oder zusätzlich umfasst das Bremsmittel eine Seilbremse, durch welche die Bremskraft auch direkt auf das Auslöseseil aufbringbar ist.
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Das Bremsmittel wird vorteilhafter Weise durch elektrische Spannung offengehalten und fällt bei Wegnahme der Spannung durch Schwerkraft, sichere Federn oder dergleichen sofort ein, so dass dadurch auch ein fail-safe Prinzip erreicht wird.
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Das Bremsmittel kann zum Stromsparen im Stillstand jederzeit einfallen und vor der nächsten Fahrt wieder gelöst werden.
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Die Betätigung der Bremsmittel kann über einen oder mehrere Bremskontakte überwacht werden; so dass der offene, der geschlossene oder beide Zustände von dem intelligenten sicheren Schachtkopierungssystem erkannt werden können.
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Durch Abfall der Spannung nach Detektion eines Auslösekriteriums, beispielsweise einer Übergeschwindigkeit, fällt die Bremse ein, bremst mindestens eine Umlenkrolle und/oder direkt das Auslöseseil. Dadurch wird über das Auslöseseil die Fangvorrichtung aktiviert.
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Optional können weitere Schalter in einen Stromkreis zur Ansteuerung der Bremseinrichtung integriert werden, die ein Auslösen der Fangvorrichtung zu Testzwecken oder bei sonstigen Sicherheitsanforderungen zum Beispiel zur Überwachung von Schutzräumen oder bei Montagetätigkeiten ermöglichen.
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Das intelligente sichere Schachtkopiersystem ist zusammen mit dem Mittel zur Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern der Aufzugsanlage erfindungsgemäß der Detektor für die Übergeschwindigkeit und/oder von einem Soll-Toleranzbereich abweichender Bewegungen, wie Positionsabweichungen, Geschwindigkeitsabweichungen, abweichende Beschleunigungen, Abweichungen in der dritten oder höhergradigen Differentiation der Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts nach der Zeit und/oder für außergewöhnliche akustische und/oder mechanische Schwingungen in der Aufzugsanlage und steuert die Bremseinrichtung für das Auslöseseil als Aktor zur Auslösung der Fangvorrichtung an.
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Ein Verfahren zum Einrücken einer Fangvorrichtung umfasst die folgenden Schritte:
- • Verwendung einer sicheren intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung mit integrierter Auswerteeinheit oder separater Auswerteeinheit als System zur Erkennung von ausgehend vom Normalbetrieb abweichenden Betriebsparametern der Aufzugsanlage, beispielsweise der Übergeschwindigkeit, oder unbeabsichtigter oder untypischer Bewegungen mit oder ohne geschlossene Türen.
- • Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern der Aufzugsanlage durch die Schachtkopierungsvorrichtung
- • Erfassung von zeitlich kontinuierlichen oder in zeitlich definierten Abständen der Positionswerte des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts.
- • Erfassen der zeitabhängigen Position s(t)F und davon durch einmalige Differentiation nach der Zeit abhängig von s(t)F Bestimmung der Ist-Geschwindigkeit v(t)F und/oder durch zweimalige Differentiation nach der Zeit Bestimmung der Ist-Beschleunigung a(t)F des Fahrkorbs und/oder der zeitabhängigen Position des Gegengewichts s(t)G und davon abhängig von s(t)G Bestimmung durch einmalige Differentiation nach der Zeit der Ist-Geschwindigkeit v(t)G und/oder Bestimmung durch zweimalige Differentiation nach der Zeit der Ist-Beschleunigung a(t)G des Gegengewichts durch eine integrierte oder separate Auswerteeinheit der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung.
- • Optional können jeweils auch weitere Differentiationen nach der Zeit erfolgen, um so die differentielle Ansprechempfindlichkeit bei Veränderungen des zeitlichen Verlaufs der Position s(t)F und oder s(t)G zu erhöhen.
- • Optional Erfassung der Fahrkorblast
- • Erfassung der Steuerungsparameter der Aufzugssteuerung wie beispielsweise „Auffahrt“ oder „Abfahrt“ oder vorgesehene „Startposition“ und vorgesehene „Stoppposition“, Geschwindigkeits- oder Beschleunigungsprofi etc.
- • Korrelation dieser Werte, vorteilhaft unter Berücksichtigung der Steuerungsparameter und optional unter Berücksichtigung der Fahrkorblast, welche in einer oder mehreren Eichfahrten ermittelt und als wenigstens eine Sollwertkurve oder ein Sollwertprofil mit definierten Bereichen zulässiger Werte für die positionsabhängige Sollgeschwindigkeit und/oder die positionsabhängige Sollbeschleunigung und/oder gegebenenfalls weiterer positionsabhängiger Ableitungen der Sollbeschleunigung abgespeichert werden.
- • Optional wird dabei jeweils ein Toleranzband oder ein Profil mit definierten Bereichen zulässiger Werte für den Sollwertverlauf gebildet.
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Bei Abweichung der positionsabhängigen Sollgeschwindigkeit und/oder Sollbeschleunigung und/oder weiterer Ableitungen der Sollbeschleunigung vom jeweiligen Sollwert innerhalb des Toleranzbandes oder innerhalb des Sollwerteprofils erfolgt die Auslösung der Fangvorrichtung über Mittel zum Bremsen des Auslöseseils, wodurch die konventionelle Fangvorrichtung der Aufzugsanlage eingreift.
- • Optional kann das jeweilige Toleranzband während des Fahrbetriebes laufend erfasst und selbstlernend abgespeichert und damit aktualisiert werden. So ist eine laufende Anpassung der Sollwertbänder oder des Sollwerteprofils für die positionsabhängige Geschwindigkeit und/oder die positionsabhängige Beschleunigung des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts möglich, um dadurch in der Praxis auftretende Veränderungen und Lastzustände zu erfassen und tolerierbar zu machen. Vorteilhafter Weise kann dabei ein definiertes maximales Toleranzband als Begrenzung der tolerierbaren Veränderungen vorgegeben werden.
- • Optional alternative oder zusätzliche Erfassung der Geschwindigkeit durch geschwindigkeitsproportionale Mittel wie beispielsweise induktive Sensoren erfolgen, welche abhängig von der Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichtes die jeweilige Geschwindigkeit erfassen und als Istwert an die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung weiterleiten.
- • Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung daraus durch einmalige Integration die Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts ermitteln. Vorteilhaft werden dabei als Anfangswert und/oder als Zwischenwert die Position der Türschalter als Zwischen- und Stützwerte der Positionen herangezogen.
- • Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung aus dem Geschwindigkeitssignal durch Differentiation die positionsabhängigen Beschleunigungswerte ermitteln.
- • Optional alternative oder zusätzliche Erfassung der Beschleunigung durch beschleunigungsproportionale Mittel wie beispielsweise wenigstens einen inertialen Beschleunigungssensor, welcher abhängig von der Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichtes die jeweilige Beschleunigung erfasst und als Istwert an die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung weiterleitet.
- • Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung daraus durch einmalige Integration die Geschwindigkeit des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts und/oder durch zweimalige Integration die Position des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts ermitteln. Vorteilhafter Weise werden dabei als Anfangswert und/oder Zwischenwert die Position der Positionssensoren eines konventionellen Schachtkopierungssystems und/oder die Türschalter als Zwischen- und Stützwerte der Positionen herangezogen.
- • Optional kann die intelligente Schachtkopierungsvorrichtung aus dem Beschleunigungssignal durch Differentiation wenigstens eine positionsabhängige Ableitung des Beschleunigungswertes ermitteln, welche besonders empfindlich kritische Veränderungen des positionsabhängigen Bewegungsverlaufs des Fahrkorbs und/oder des Gegengewichts anzeigen.
- • Optional umfassen die Mittel zur positionsabhängigen Erfassung von Betriebsparametern der Aufzugsanlage Mittel zur Erfassung des Körperschalls an Komponenten der Aufzugsanlage, wie beispielsweise am umlaufenden Auslöseseil und/oder an den Fahrkorbschienen und/oder an den Treibmitteln. Vorteilhafter Weise erfolgt eine Analyse des darin enthaltenen Frequenzspektrums, beispielhaft mittels einer Fast-Fourier-Transformations-Analyse. Das im Normalbetrieb ermittelte Frequenzspektrum dient dabei als Referenz oder zusammen mit einem definierten Toleranzband als Sollwertespektrum. Im Betrieb wird das Frequenzspektrum laufend überwacht und als Istwert mit dem Sollwertespektrum verglichen. Bei Abweichung, beispielsweise bei verändertem Frequenzspektrum aufgrund von veränderter Friktion der Treibmittel oder bei mangelnder Schmierung der Laufschienen etc., erfolgt gesteuert von der intelligenten Schachtkopierungsvorrichtung die Auslösung der Fangvorrichtung über Mittel zum Bremsen des Auslöseseils, wodurch die konventionelle Fangvorrichtung der Aufzugsanlage eingreift.
- • Definition verschiedener Auslösegeschwindigkeiten, Auslösebeschleunigungen oder weiterer Ableitungen nach der Zeit in Abhängigkeit von der Position, der Richtung oder dem Betriebszustand, beispielsweise Normalbetrieb oder Inspektion oder Montage.
- • Überwachung von positionsabhängiger, optional lastabhängiger und steuerungsabhängiger wie beispielsweise fahrtrichtungsabhängiger und/oder start/stopp-abhängiger Geschwindigkeit, oder unbeabsichtigter oder untypischer Bewegungen mit oder ohne geschlossene Türen.
- • Auslösung der Fangvorrichtung bei Abweichung von einem zulässigen Toleranzbereich positionsabhängiger, optional lastabhängiger und steuerungsabhängiger wie beispielsweise fahrtrichtungsabhängiger und/oder start/stopp-abhängiger Geschwindigkeit und/oder bei Abweichung von einem positionsabhängigen, optional lastabhängigen und steuerungsabhängigen wie beispielsweise fahrtrichtungsabhängigen zulässigen Toleranzbereich unbeabsichtigter oder untypischer Beschleunigungen mit oder ohne geschlossene Türen.
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Figurenliste
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Im Folgenden werden anhand von Figuren Ausführungsbeispiele der Erfindung beschrieben. Diese Figuren zeigen in
- 1 eine Vorrichtung zum Einrücken einer Fangvorrichtung bei Aufzügen mit Bremsbacken wirkend auf die obere Umlenkrolle des Auslöseseils und in
- 2 eine Vorrichtung zum Einrücken einer Fangvorrichtung bei Aufzügen mit Bremswirkung des Auslöseseils durch eine Seilbremse.
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Detaillierte Beschreibung
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Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung sind nachfolgend nur beispielhaft beschrieben. Diese Beispiele stellen die besten Wege dar, die Erfindung in der Praxis umzusetzen, welche der Anmelderin derzeit bekannt sind, obwohl dies natürlich nicht die einzigen Wege sind, auf welchen dies erreicht werden könnte. Die Beschreibung legt die Funktionen des Beispiels und die Abfolge der Schritte für das Gestalten und den Betrieb des Beispiels dar. Jedoch können dieselben oder äquivalente Funktionen und Abfolgen von anderen Beispielen erzielt werden.
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1 zeigt eine Vorrichtung zum Einrücken einer Fangvorrichtung bei Aufzügen, umfassend Mittel zur Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern 120 der Aufzugsanlage, ein umlaufendes Auslöseseil 4, eine obere Umlenkrolle 6 für das Auslöseseil 4, eine untere Umlenkrolle 2 für das Auslöseseil 4, Kopplungsmittel 3 zur Ankopplung des Auslöseseils 4 an die Fangvorrichtung 20 des Fahrkorbs 10, ein intelligentes sicheres Schachtkopierungssystem 100, eine Aufzugssteuerung 200 zum Austausch von Steuerungsparametern 210 mit dem intelligenten sicheren Schachtkopierungssystem 100 und wenigstens ein Bremsmittel 110 zum Auslösen einer Bremskraft auf die obere Umlenkrolle 6 des Auslöseseils 4 und/oder auf die untere Umlenkrolle 2 des Auslöseseils 4 und/oder auf das Auslöseseil 4, wobei das wenigstens eine Bremsmittel 110 in diesem Ausführungsbeispiel über Bremsbacken auf die obere Umlenkrolle 6 des Auslöseseils 4 einwirkt und über ein Bremssteuersignal 101 durch das intelligente sichere Schachtkopierungssystem 100 in Abhängigkeit von den positionsabhängigen Betriebsparametern 120 der Aufzugsanlage aktivierbar ist und dadurch über das Auslöseseil 4 und die Kopplungsmittel 3 die Fangvorrichtung 20 des Fahrkorbes 10 aktivierbar ist.
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F1 ist in diesem Beispiel eine nach unten gerichtete Kraftkomponente, welche beispielsweise von einer Feder oder von einem Gewicht erzeugt wird und über das Lager der unteren Umlenkrolle 1 die untere Umlenkrolle 2 das Auslöseseil 4 spannt. Optionale Mittel zur Lasterfassung 30 umfassen beispielsweise einen Kraftsensor oder eine Wägezelle zur Erfassung der auf den Fahrkorb 10 relativ zur Fahrkorbaufhängung wirkenden Gewichtskraft.
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2 zeigt eine Vorrichtung zum Einrücken einer Fangvorrichtung bei Aufzügen, umfassend Mittel zur Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern 120 der Aufzugsanlage, ein umlaufendes Auslöseseil 4, eine obere Umlenkrolle 6 für das Auslöseseil 4, eine untere Umlenkrolle 2 für das Auslöseseil 4, Kopplungsmittel 3 zur Ankopplung des Auslöseseils 4 an die Fangvorrichtung 20 des Fahrkorbs 10, ein intelligentes sicheres Schachtkopierungssystem 100, eine Aufzugssteuerung 200 zum Austausch von Steuerungsparametern 210 mit dem intelligenten sicheren Schachtkopierungssystem 100 und wenigstens ein Bremsmittel 110 zum Auslösen einer Bremskraft auf das Auslöseseil 4, wobei das wenigstens eine Bremsmittel 110 in diesem Ausführungsbeispiel als Seilbremse ausgeführt ist, welche auf das Auslöseseil 4 einwirkt und über ein Bremssteuersignal 101 durch das intelligente sichere Schachtkopierungssystem 100 in Abhängigkeit von den positionsabhängigen Betriebsparametern 120 der Aufzugsanlage aktivierbar ist und dadurch über das Auslöseseil 4 und die Kopplungsmittel 3 die Fangvorrichtung 20 des Fahrkorbes 10 aktivierbar ist.
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F1 ist in diesem Beispiel eine nach unten gerichtete Kraftkomponente, welche beispielsweise von einer Feder oder von einem Gewicht erzeugt wird und über das Lager der unteren Umlenkrolle 1 die untere Umlenkrolle 2 das Auslöseseil 4 spannt. Optionale Mittel zur Lasterfassung 30 umfassen beispielsweise einen Kraftsensor oder eine Wägezelle zur Erfassung der auf den Fahrkorb 10 relativ zur Fahrkorbaufhängung wirkenden Gewichtskraft.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Lager der unteren Umlenkrolle des Auslöseseils
- 2
- untere Umlenkrolle des Auslöseseils
- 3
- Kopplungsmittel
- 4
- Auslöseseil
- 5
- Lager der oberen Umlenkrolle des Auslöseseils
- 6
- obere Umlenkrolle des Auslöseseils
- 10
- Fahrkorb
- 20
- Fangvorrichtung
- 30
- optionale Mittel zur Lasterfassung
- 100
- intelligentes sicheres Schachtkopierungssystem
- 101
- Bremssteuerungssignal
- 110
- Bremsmittel
- 120
- Mittel zur Erfassung von positionsabhängigen Betriebsparametern der Aufzugsanlage
- 200
- Aufzugssteuerung
- 210
- Steuerungsparameter
- F1
- nach unten gerichtete Kraftkomponente
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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