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Die Erfindung bezieht sich auf eine Personen- oder Lastentransportvorrichtung in einer Ausbildung gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
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Personen- oder Lastentransportvorrichtungen dienen insbesondere zum Transport einer Person, um größere Höhen zu überwinden. Diese ist beispielsweise in Gebäuden, an Schornsteinen, an Windrädern und dgl. Einrichtungen vorzusehen. Der motorische Antrieb ist üblicherweise als Seilwinde ausgebildet, die die Person oder die zu befördernde Last mit einer vorzugebenden Zugkraft beim Aufstieg fördert oder entlastet.
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Dabei ist bei herkömmlichen Personen- oder Lasttransportvorrichtungen ein an vorzugsweise Umlenkrollen an einer Steigleiter angeordnetes Zugseil vorzusehen. Zur Sicherung der Person bzw. der Last ist eine Fangvorrichtung als Sicherheitsbauteil vorzusehen. Sollte die Seilwinde z. B. bei Getriebebruch, bei Bremsversagen eines elektromotorischen Antriebes, bei einem Riss des Zugelementes (Fahrseils) oder Versagen der Traktion zwischen einem Fahrseil und einer Treibscheibenwinde versagen, soll die Fangvorrichtung (Sicherungsvorrichtung) den Absturz des Gesamtsystems und damit der Person bzw. der zu befördernden Last verhindern.
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Nach den EN 1808 (Sicherheitsanforderungen an hängenden Personenaufnahmemittel) ist für eine derartige Sicherungsvorrichtung als Fangvorrichtung vorgegeben, dass eine Fangvorrichtung geprüft und rückgestellt werden können muss. Danach soll die Fangvorrichtung zerstörungsfrei arbeiten und nach dem Rückstellen sofort wieder betriebsbereit sein (DIN EN 1808 - 8.9.2.5).
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Danach muss geprüft werden, ob die Sicherungsvorrichtung bei Übergeschwindigkeit ausgelöst wird. Diese Überprüfung der Betätigung der Sicherungsvorrichtung bei vorbekannten Anlagen ist sehr aufwendig, da eine Übergeschwindigkeit mit den dort vorgesehenen Komponenten nicht ohne Weiteres technisch durchzuführen ist.
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Selbst im stromlosen Notablass des Zugelementes entsteht aus Sicherheitsgründen keine Übergeschwindigkeit, da hierbei eine für Notablasszwecke eingebaute Fliehkraftbremse vor dem Windengetriebe zu montieren wäre, die eine Abwärtsfahrt auf die normale Abwärtsgeschwindigkeit regelt. Somit ist bei herkömmlichen Anlagen der Auslösemechanismus nur durch sehr zeitaufwendige Vorgehensweisen zu überprüfen, indem die Fangvorrichtung von der Anlage demontiert wird, ein passendes Seil in die Sicherungsvorrichtung eingefädelt werden muss und anschließend die Fangvorrichtung an diesem Drahtseil fallengelassen wird.
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Bei stationären Anlagen muss zudem vorher auch ein Fangseil freigelegt und demontiert werden. Bei einer alternativen Überprüfungsweise muss ein Fangseil freigelegt werden. Über die Fangvorrichtung muss dann das Fangseil ca. 1 m sehr schnell nach oben gezogen werden, um so eine Übergeschwindigkeit zu simulieren. Auch diese Vorgehensweise ist sehr zeitaufwendig. Diese Vorgehensweisen sind zudem kaum durchzuführen, wenn eine Fangvorrichtung unter dem Dach einer Anlage, beispielsweise bei Serviceliften in Windkraftanlagen, vorgesehen ist.
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Aus der
EP 2 928 804 B1 ist eine Personen- und Lastentransportvorrichtung der eingangs genannten Art bekannt, bei der die Fliehkraftgewichte als Pendel mit der Treibrolle zusammen. Aus der
EP 1 908 721 B1 ist ein Mechanismus zur Erfassung einer Überdrehzahl in Hubvorrichtungen bekannt mit einem Rad mit einer Achse, die sich gemäß der Bewegungsgeschwindigkeit einer Kabine der Hebevorrichtung
3 dreht. Zudem ist eine Magneteinrichtung vorgesehen, die eine Anziehungskraft erzeugt, um die Position eines Schwenkarmes auf dem Rad für die normale Bewegungsgeschwindigkeit der Kabine beizubehalten. Dabei soll die Magneteinrichtung aus Magneten bestehen, die jedem der Schwenkarme zugeordnet sind und sich gegenüber von Magneten befinden, die auf dem Rad angeordnet sind, um für eine Geschwindigkeit des Rades unter einem Schwellenwert für eine zu hohe Geschwindigkeit zu sorgen. Zusätzlich ist eine Regelvorrichtung vorhanden, um den Abstand zwischen gegenüberliegenden Magneten zu regeln.
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Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Personen- oder Lastentransportvorrichtung der eingangs genannten Art zu schaffen, mit der in dem vorgeschriebenen Sinne die Sicherungsvorrichtung mit vermindertem Aufwand regelmäßig auf ihre Funktionssicherheit zu überprüfen ist.
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Zur Lösung dieser Aufgabe zeichnet sich die Personen- oder Lastentransportvorrichtung der eingangs genannten Art dadurch aus, dass die Fliehkraftgewichte auf einer Treibrolle eines Fangseiles oder auf einer mit der Treibrolle bewegungsfest montierten Scheibe angeordnet sind, dass die Auslösewelle verdrehbar ist und dass die Magneteinheit in der ersten Betriebsstellung von den Fliehkraftgewichten weggerichtet zeigt und für die Überprüfung der Sicherungsvorrichtung mit den Fliehkraftgewichten die Auslösewelle um 180° verdreht ist, damit die Magneteinheit mit einem vorbestimmbaren Abstand auf die Fliehkraftgewichte zugewandt ausgerichtet ist und über den Fliehkraftgewichten liegt.
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Damit ist eine Personen- oder Lasttransportvorrichtung mit einer Sicherungsvorrichtung zur Verfügung gestellt, die in regelmäßigen Intervallen mit nur einem geringen Zeitaufwand auf ihre Funktionstauglichkeit zu überprüfen ist. Die mit Fliehkraftgewichten ausgestattete Sicherungsvorrichtung löst bei Übergeschwindigkeit aus. Dabei sind die Fliehkraftgewichte auf einer Scheibe beweglich montiert. Diese Scheibe sitzt bevorzugtermaßen auf einer Welle, auf der auch eine Treibrolle montiert ist. Diese Treibrolle wird permanent von einem Tragseil, das parallel zu einem Fahrseil läuft, angetrieben. Entsteht in der Abwärtsbewegung eine Übergeschwindigkeit durch Versagen der Antriebskomponenten oder des Fahrseils, entsteht eine Übergeschwindigkeit, die die Scheibe mit den Fliehkraftgewichten derart beschleunigt, dass sich die Fliehkraftgewichte durch die Zentrifugalkraft nach außen bewegen, bis eines der Fliehkraftgewichte mit seiner Spitze einen Auslösemechanismus betätigt, der die Fangvorrichtung bzw. die Sicherungsvorrichtung auslöst und die gesamte Anlage der Personen- oder Lasttransportvorrichtung zum Stillstand bringt. Dieser Vorgang dauert in einem realen Praxiseinsatz nur wenige Sekunden.
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Um der Vorschrift der DIN EN 1808 in dem Kapitel 8.9.2.5 zu folgen, ist die Sicherungsvorrichtung regelmäßig zu prüfen. So muss geprüft werden, ob sich die Fliehkraftgewichte noch bewegen, damit sie noch auslösen können bei einer Übergeschwindigkeit. Dies kann bevorzugtermaßen bei der erfindungsgemäßen Personen- oder Lasttransportvorrichtung durch ein Sichtfenster von außen her überprüft werden. Darüber hinaus ist auch zu überprüfen, ob die Spitzen der Fliehkraftgewichte auch noch in der Lage sind, den Auslösemechanimus zu betätigen.
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Bei der erfindungsgemäßen Personen- oder Lasttransportvorrichtung mit der im Patentanspruch 1 angegebenen Sicherungsvorrichtung ist die Überprüfung der ordnungsgemäßen Funktionsweise der Sicherungsvorrichtung mit sehr einfachen Mitteln zu vollziehen. Danach ist oberhalb der Fliehkraftgewichte, also des Fliehkraftsystems, eine Halterung angebracht, in der ein Ende einer Auslösewelle z. B. drehbar montiert ist. An dieser Auslösewelle ist direkt oberhalb der Fliehkraftgewichte eine Magneteinheit befestigt. Das andere Ende dieser Auslösewelle ist im Gehäuse der Sicherungs- bzw. Fangvorrichtung gelagert. Dieses Wellenende der Auslösewelle ragt ein wenig aus dem Gehäuse der Sicherungsvorrichtung heraus, damit es im Falle einer regelmäßigen Überprüfung des Fliehkraftsystems mit einem Werkzeug unproblematisch betätigt werden kann.
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Diese Betätigung erfolgt bevorzugtermaßen derart, dass die Magneteinheit auf der Auslösewelle zunächst von den Fliehkraftgewichten weggerichtet nach oben zeigt so ist die Ausrichtung eingestellt für den Normalbetrieb der Personen- oder Lasttransportvorrichtung. Soll nun die Funktionstauglichkeit der Sicherungsvorrichtung überprüft werden, kann die Auslösewelle um 180 ° gedreht werden, damit die Magneteinheit mit einem definierten Abstand direkt über dem Fliehkraftgewicht liegt. Über diesen so eingestellten Abstand zwischen der Magneteinheit und den Fliehkraftgewichten wird eine Übergeschwindigkeit von Tragseilen und Fahrseilen simuliert. Wenn jetzt die Personen- oder Lasttransportvorrichtung bzw. die Anlage oder der Lift mit normaler Geschwindigkeit nach unten fährt, sorgt die magnetische Kraft dafür, dass die Fliehkraftgewichte, die den Magneten passieren, auslösen. Das heißt, dass die Magneteinheit für die fehlende Fliehkraft im Überprüfungsmodus sorgt, die die Fliehkraftgewichte bei einer bestimmten Übergeschwindigkeit zur Auslösung bringen. Somit wird mit dieser Ausbildung der Personen- oder Lasttransportvorrichtung und mit diesem Überprüfungsverfahren die richtige Auslösegeschwindigkeit und das ordnungsgemäße Auslösen überprüft. Damit erfüllt diese Sicherungs- bzw. Fangvorrichtung die Vorgaben gemäß DIN EN 1808 in baulich einfacher Weise, die in zeitlich sehr schneller Art und Weise durchzuführen ist. Für die Überprüfung des Fliehkraftsystems der Sicherungs- bzw. Fangvorrichtung muss mit der Anlage bzw. Lift bzw. der Personen- und Lasttransportvorrichtung diese nur noch ca. 30 bis 50 cm vom Boden hochgefahren werden. Danach kann die Auslösewelle mit einem Werkzeug um 180 ° verdreht werden. Danach wird die Personen- und Lasttransportvorrichtung bzw. die Anlage oder der Lift heruntergefahren, wonach der Auslösevorgang sofort einsetzt. Dieser Vorgang muss auch nur einmal durchgeführt werden, da nachweislich nur ein funktionstüchtiges Fliehkraftgewicht notwendig ist, damit eine Fangvorrichtung ordnungsgemäß auslöst und sichert.
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Zur weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Personen- und Lasttransportvorrichtung wird auf weitere Ansprüche, die nachfolgende Beschreibung und die Zeichnung verwiesen. In der Zeichnung zeigen:
- 1: in einer Vorderansicht ein Ausführungsbeispiel einer Sicherungsvorrichtung;
- 2: das Ausführungsbeispiel nach 1 in einer perspektivischen Darstellung;
- 3: das Ausführungsbeispiel nach 2 ohne Gehäusedeckel, wobei sich die Auslösewelle mit der Magneteinheit sowie die Fliehkraftgewichte in Ruhestellung befinden;
- 4: ausschnittsweise vergrößert das Ausführungsbeispiel nach 3 mit der Auslesewelle mit der Magneteinheit und den Fliehkraftgewichten in Ruhestellung;
- 5: das Ausführungsbeispiel nach 1 bis 4 ohne Gehäusedeckel und ohne vordere Stützplatte;
- 6: das Ausführungsbeispiel nach 1 in perspektivischer Darstellung ohne Gehäusedeckel, wobei die Auslösewelle mit der Magneteinheit um 180 ° verdreht ist mit betätigtem Fliehkraftgewicht, und
- 7: eine Teilansicht (vergrößert) der Darstellung nach 6.
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In der Zeichnung sind übereinstimmende Teile mit übereinstimmenden Bezugsziffern versehen.
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In der Zeichnung ist auf die Darstellung der allgemeinen Teile der Personen- und Lasttransportvorrichtung mit Fahr- und Tragseilen der besseren Übersichtlichkeit verzichtet worden. Diese können wie herkömmlich gestaltet sein.
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Allgemein mit 1 ist die Sicherungsvorrichtung beziffert, die ein Gehäuse 2 mit einem Gehäusedeckel 3, einem Typenschild 4 sowie einem Anschlussstecker 5 für die elektrische Auslöseüberwachung aufweist. Mit 6 ist der Auslösehebel beziffert und mit 7 ein Sichtfenster in dem Gehäusedeckel 3. Zudem ist noch ein Schild 8 vorgesehen mit Beschilderung der Richtungseingabe der Auslöse- oder der Rückstellstellung des Auslösehebels 6.
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3 verdeutlicht, dass eine Auslösewelle 10 mit einer Magneteinheit 9 versehen ist. Die zackenförmigen Enden wirken mit einer Auslöseklinke 13 zusammen (4). Ein Fliehkraftgewicht 11 legt sich mit einer Spitze bei Übergeschwindigkeit davor und betätigt so den Auslösemechanismus der Sicherungsvorrichtung 1. Auch ist ersichtlich, dass über die Auslösewelle 10 der Magnet 9 nach oben weist, also von den Fliehkraftgewichten 11 weggerichtet ist in der Normalbetriebsstellung.
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In 5 ist bei ansonsten analoger Darstellung wie in den 1 bis 4 zusätzlich noch ein Fangseil 14 angedeutet sowie eine Treibrolle 15, die vom Fangseil 14 angetrieben wird für die rotierende Bewegung der Fliehkraftgewichte 11. In der Darstellung nach 6 ist die Stellung gezeigt, bei der die Auslösewelle 10 in eine 180 °-Stellung verdreht ist, in der Magneteinheit 9 die auf die Fliehkraftgewichte 11 hin ausgerichtet ist, so dass die Fliehkraftgewichte von der Magneteinheit angezogen werden für eine Auslösestellung der Auslöseklinke 13. Dies verdeutlicht auch noch einmal die vergrößert ausschnittsweise wiedergebende Darstellung des Ausführungsbeispiels nach 6 in 7.