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Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Herstellung einer Bauteilverbindung nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
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Im Automobilbau werden in der Großserienfertigung Karosserie- oder Türblechteile in einer vollautomatischen Prozesskette mit Schraubpunkten, etwa einer Schraubmutter oder einem Schraubbolzen, ausgestattet. Dies kann in einem Einpressverfahren erfolgen, bei dem die Schraubmutter, der Schraubbolzen oder ein anderes Einpresselement in ein vorgestanztes Bohrloch des Blechteils eingepresst wird.
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Aus der
DE 10 2013 010 493 A1 ist eine gattungsgemäße Vorrichtung zur Herstellung einer solchen Bauteilverbindung bekannt, bei der ein Rundsteg einer Einpressmutter in ein vorgestanztes Bohrloch des Blechteils einragt und der Einpressmutter-Rundsteg unter Einpressung in den Öffnungsrandbereich des Blechteil-Rundlochs radial ausgeweitet ist. Die Vorrichtung ist mit einer Matrize, in der ein Einpressdorn entlang einer Werkzeugachse hubverstellbar geführt ist, und mit einer damit zusammenwirkenden, in Achsrichtung davon beabstandeten Setzeinheit aufgebaut. Auf der Setzeinheit ist die am Blechteil anzubindende Einpressmutter in Flucht zur Werkzeugachse ablegbar.
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Im Einpressprozess wird zunächst in einem Positionierschritt das Blechteil mittels eines robotergestützten Greifers so in der Vorrichtung positioniert, dass dessen Rundloch in Flucht zur Werkzeugachse zwischen der Matrize und der Setzeinheit positioniert ist. In einem anschließenden Fügeschritt wird die Einpressmutter mit ihrem Rundsteg in das Blechteil-Rundloch eingefahren. Anschließend wird der Einpressdorn in gegenläufiger Richtung in den Einpressmutter-Rundsteg eingefahren, und zwar unter radialer Aufweitung und Einpressung des Einpressmutter-Rundstegs in den Öffnungsrandbereich des Blechteil-Rundlochs.
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Im Hinblick auf einen prozesstechnisch einwandfreien Fügeschritt wirkt der Einpressdorn in Doppelfunktion auch als eine Positionierhilfe. Mit dessen Hilfe kann ein um einen Querversatz zwischen der Rundloch-Achse und der Werkzeugachse fehlpositioniertes (das heißt exzentrisch zur Werkzeugachse posititioniertes) Blechteil zentriert werden. Für eine solche Zentrierung wird in der obigen
DE 10 2013 010 493 A1 das Blechteil mittels des robotergestützten Greifers in Achsrichtung angehoben, damit der Einpressdorn in das Blechteil-Rundloch eintauchen kann. Bei Vorliegen eines Querversatzes kommt der Einpressdorn in Anlage mit dem Öffnungsrandbereich des Blechteil-Rundloches und verlagert dadurch das Blechteil unter Reduzierung des Querversatzes.
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Aufgrund von Roboter-, Greifer- oder Bauteiltoleranzen kann der sich bei einer solchen Bauteil-Fehlpositionierung erhebende Querversatz derart groß sein, dass im obigen Positioniervorgang der Einpressdorn nicht mehr in die Bauteil-Montageöffnung eintauchen kann, sondern vielmehr der Öffnungsrand des Blechteil-Rundloches eine Störkontur bildet, die ein Eintauchen blockiert. In diesem Fall ist somit keine lagerichtige Ausrichtung (das heißt Zentrierung) des Blechteils mit Bezug auf die Werkzeugachse möglich.
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Aus der
DE 10 2005 056 378 A1 ist ein Verfahren zum Einbringen wenigstens eines Verbindungselementes in ein Werkstück unter Verwendung eines einteiligen Werkzeugs bekannt. Aus der
GB 2 214 460 A ist eine Vorrichtung zur Fixierung von selbstklemmenden Befestigungsmitteln bekannt. Aus der
JP S60-56 830 A ist eine Assembliervorrichtung bekannt, die robotergestützt arbeitet.
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Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Vorrichtung bereitzustellen, bei der in einfacher Weise die Prozesssicherheit trotz der Roboter-, Greifer- oder Bauteil-Toleranzen gesteigert ist.
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Die Aufgabe ist durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen offenbart.
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Die Erfindung beruht auf dem Sachverhalt, dass der im Stand der Technik als Positionierhilfe wirkende Einpressdorn aufgrund geometrischer Gegebenheiten nur einen vergleichsweise geringen Querversatz zwischen der Werkzeugachse und der Montageöffnungs-Achse reduzieren kann und dass die sich summierenden Roboter-, Greifer- oder Bauteil-Toleranzen unter Umständen größer als ein maximal vom Einpressdorn reduzierbarer Querversatz werden kann.
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Vor diesem Hintergrund ist gemäß dem kennzeichnenden Teil des Patentanspruches 1 als Positionierhilfe eine Schablone mit einer Positionierkontur bereitgestellt. Diese bildet zusammen mit dem am robotergestützten Greifer fixierten Bauteil eine bewegungsgekoppelte Baueinheit. Beim Positioniervorgang wird die Schablonen-Positionierkontur und eine Außenkontur der Matrize in der Achsrichtung überlappt. Bei Vorliegen eines Querversatzes (das heißt bei einer Bauteil-Fehlpositionierung) kommt die Matrizen-Außenkontur mit der Schablonen-Positionierkontur in Anlage, wodurch die Schablone zusammen mit dem damit bewegungsgekoppelten Bauteil unter Reduzierung des Querversatzes verlagerbar ist. Während des Positioniervorgangs ist somit die Baueinheit, bestehend aus dem Blechbauteil und der Schablone nicht starr gelagert, sondern vielmehr schwimmend gelagert. Gegebenenfalls ist hierfür der robotergestützte Greifer in der Querrichtung zur Werkzeugachse verstellbar, um eine solche schwimmende Lagerung bereitzustellen.
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In einer technischen Umsetzung kann die Positionierkontur als eine in der Schablone ausgebildete Positionieröffnung ausgeführt sein, die der Matrizen-Außenkontur angepasst ist. Während des Positioniervorgangs kann die Matrize in die Schablonen-Positionieröffnung eingetaucht werden. Dies erfolgt beispielhaft durch eine Hubverstellung des Greifers in Achsrichtung mit Bezug auf die Matrize.
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Um den oben dargelegten Positioniervorgang betriebssicher zu gestalten, kann der Öffnungsrandbereich der Positionieröffnung der Schablone eine Anlaufschräge aufweisen, mittels der bei einer Bauteil-Fehlpositionierung die Matrizen-Außenkontur leichtgängig entlanggleiten kann. Die Matrizen-Außenkontur kann dabei mit einem freien Bewegungsspiel in die Schablonen-Positionieröffnung eintauchen.
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Die Erfindung betrifft speziell den Positionierschritt für eine lagerichtige Vorpositionierung des Fügepartners in der Fügevorrichtung. Der Positionierschritt ist funktionell unabhängig vom nachgeschalteten Fügeschritt zu betrachten. Entsprechend ist es nur von nachrangiger Bedeutung, wie das Fügeverfahren konkret umgesetzt wird. Beispielhaft kann das Fügeverfahren ein Kleb-, ein Schutzgasschweiß-, ein Reibschweiß- oder ein Nietverfahren oder dergleichen sein. In den nachfolgenden Erfindungsaspekten ist der Fügeschritt für ein einfacheres Verständnis der Erfindung beispielhaft als ein Einpressverfahren beschrieben, jedoch nicht darauf beschränkt.
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So kann in einer bevorzugten Weiterbildung der im Einpressverfahren eingesetzte Einpressdorn in Doppelfunktion auch als eine zusätzliche Positionierhilfe wirken. Hierzu kann der Einpressdorn beim oben dargelegten Positioniervorgang mit einem ebenfalls freien Bewegungsspiel in die Bauteil-Montageöffnung eintauchen. Bei Vorliegen eines Querversatzes kommt der Einpressdorn in Anlage mit dem Öffnungsrandbereich der Bauteil-Montageöffnung und verlagert das Bauteil unter weiterer Reduzierung des Querversatzes.
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Aus geometrischen Gründen ist das Einpressdorn-Bewegungsspiel zwischen dem Einpressdorn und der Bauteil-Montageöffnung vergleichsweise klein auszulegen, um einen einwandfreien Fügeschritt sicherzustellen. Demgegenüber kann das Matrizen-Bewegungsspiel größer ausgelegt sein.
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Vor diesem Hintergrund kann der Positioniervorgang in eine Grobjustierung sowie in eine Feinjustierung aufgeteilt sein. Hierbei wirkt die Schablone als ein Voreinweiser, der das bereits grob vorpositionierte Bauteil bereits in Richtung auf eine zentrische Lage grob justiert. Die prozesstechnisch nachgeschaltete Feinjustierung bewirkt dabei eine noch genauere Ausrichtung der Bauteil-Montageöffnung in Flucht zur Werkzeugachse.
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Rein exemplarisch kann der Querversatz, der sich aus Roboter-, Greifer- sowie Bauteil-Toleranzen ergibt bei 0,7 mm liegen. Beim Eintauchen der Matrizen-Außenkontur in der Schablonen-Positionieröffnung kann dabei der Querversatz von 0,7 mm auf beispielhaft 0,3 bis 0,4 mm in der oben dargelegten Grobjustierung reduziert werden. In der prozesstechnisch nachgelagerten Feinjustierung kann dann der Querversatz durch Eintauchen des Einpressdorns in die Bauteil-Montageöffnung weiter reduziert werden.
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Die vorstehend erläuterten und/oder in den Unteransprüchen wiedergegebenen vorteilhaften Aus- und/oder Weiterbildungen der Erfindung können – außer zum Beispiel in den Fällen eindeutiger Abhängigkeiten oder unvereinbarer Alternativen – einzeln oder aber auch in beliebiger Kombination miteinander zur Anwendung kommen.
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Die Erfindung und ihre vorteilhaften Aus- und Weiterbildungen sowie deren Vorteile werden nachfolgend anhand von Zeichnungen näher erläutert.
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Es zeigen:
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1 in einer schematischen Teilschnittansicht die Vorrichtung zur Herstellung einer in der 6 gezeigten Bauteilverbindung;
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2 bis 6 jeweils Ansichten, die das mit der Vorrichtung durchgeführte Einpressverfahren veranschaulichen; und
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7 und 8 jeweils Ansichten entsprechend der 3 und 4, die einen Positioniervorgang bei einer Fehlpositionierung des Blechbauteils veranschaulichen.
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In der 1 ist eine Arbeitsstation in einer vollautomatisierten Prozesskette zum Beispiel bei der Großserienfertigung im Automobilbau gezeigt. Die Arbeitsstation weist eine Vorrichtung zur Herstellung einer in der 6 gezeigten Bauteilverbindung 1 auf. Wie aus der 6 hervorgeht, ist die Bauteilverbindung 1 aufgebaut aus einem Blechteil 2 mit einem vorgestanzten Rundloch 3, in das eine Einpressmutter 5 eingepresst ist, und zwar unter Bildung eines Anschraubpunktes zur Anbindung einer nicht gezeigten Funktionseinheit. Die Einpressmutter 5 weist in der 6 einen in das Rundloch 3 einragenden Rundsteg 7 auf, der unter Einpressung in den Lochrandbereich des Rundloches 3 radial ausgeweitet bzw. verstemmt ist. Die 6 ist, wie auch die anderen Figuren, im Hinblick auf ein einfacheres Verständnis der Erfindung angefertigt. Von daher sind die Figuren lediglich grob vereinfachte Darstellungen, die keinen realitätsgetreuen Aufbau der Bauteilverbindung 1 sowie der Einpress-Vorrichtung wiedergeben.
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So ist in der 1 die Vorrichtung zweiteilig mit einer oberen Matrize 9 und einer unteren Setzeinheit 11 ausgebildet. In der Matrize 9 ist ein Einpressdorn 13 entlang einer Werkzeugachse W hubverstellbar geführt. Auf der in Achsrichtung von der Matrize 9 beabstandeten Setzeinheit 11 ist in der 1 die Einpressmutter 5 abgelegt, und zwar in Flucht zur Werkzeugachse W. Zudem weist die in der 1 gezeigte Arbeitsstation einen robotergestützten Greifer 15 auf, mit dem das Blechteil 2 mit einem Rundloch 3 in Flucht zur Werkzeugachse W zwischen der Matrize 9 und der Setzeinheit 11 positionierbar ist.
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In der 1 ist der Greifer 15 grob schematisch angedeutet. Demzufolge weist der Greifer Spannelemente 17 auf, die das Blechteil 2 auf einem Greifer-Grundkörper 19 lagerichtig halten. Zur lagerichtigen Positionierung des Blechteils 2 auf dem Greifer 15 sind an dessen Grundkörper 19 Positionierstifte 21 (RPS-Stifte) ausgebildet, die korrespondierende Öffnungen 23 des Blechteils 2 durchsetzen. Der in der 1 gezeigte Positionierstift 21 weist am Fußpunkt einen durchmessergroßen Abschnitt auf, auf dem eine Schablone 25 aufgesetzt ist, die als eine Positionierhilfe wirkt. Die Schablone 25 bildet zusammen mit dem Blechteil 2 eine bewegungsgekoppelte Baueinheit 27 (zum Beispiel 2 bis 5), die vom Greifer 15 getragen ist. Die Schablone 25 wirkt als eine Positionierhilfe, mit ein fehlpositioniertes Blechteil 2 in einer Grobjustierung G um einen Querversatz Δy1 (7) und in einer Feinjustierung F um einen weiteren Querversatz Δy2 (8) verlagerbar ist.
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Nachfolgend ist ein Einpressvorgang anhand der Figuren insoweit beschrieben, als es für das Verständnis der Erfindung erforderlich ist: Demzufolge wird in einem Positioniervorgang die am Greifer 15 gehalterte Baueinheit 27 in Flucht zur Werkzeugachse W zwischen der Matrize 9 und der Setzeinheit 11 grob vorpositioniert, und zwar durch eine Querverstellung in der Querrichtung y (2). Anschließend erfolgt ein zweiteiliger Positioniervorgang mit einer Grobjustierung G und einer daran anschließenden Feinjustierung F (3 und 4). In der Grobjustierung G (3) verstellt der robotergestützte Greifer 15 die Baueinheit 27 in der Achsrichtung nach oben (mit Pfeil 28 angedeutet), wodurch eine Matrizen-Außenkontur 29 mit einem freien Matrizen-Bewegungsspiel sMatrize in eine Positionieröffnung 31 der Schablone 25 eintaucht. Die Positionieröffnung 31 der Schablone 25 ist der Matrizen-Außenkontur 29 angepasst.
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Im weiteren Verlauf der Verstellbewegung 28 der Baueinheit 27 nach oben (4) erfolgt eine Feinjustierung F, bei der der Einpressdorn 13 mit einem ebenfalls freien Bewegungsspiel sDorn in das Blechteil-Rundloch 3 eintaucht.
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In den 3 und 4 liegt keine Blechteil-Fehlpositionierung vor, das heißt das Blechteil 2 ist bereits zentrisch zur Werkzeugachse W angeordnet. Während der Grob- und Feinjustierung G, F (3 und 4) erfolgt daher keine Querverlagerung der Baueinheit 27.
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Nach dem obigen Positioniervorgang erfolgt gemäß der 5 ein Fügeschritt, bei dem die Einpressmutter 5 mit ihrem Rundsteg 7 in das Blechteil-Rundloch 3 einfährt. Der Einpressdorn 13 kann sich dabei in einer zurückgesetzten Ruhelage befinden, wie es in der 5 angedeutet ist. Alternativ dazu kann der Einpressdorn 13 aber auch von der Einpressmutter 5 verschoben werden, was eine bessere Lochpositions-Übergabe bedeutet.
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Dazu kann der Einpressdorn 13 an seiner Spitze einen durchmesserkleineren Abschnitt 14 aufweisen, der in der 5 gestrichelt angedeutet ist. Der durchmesserkleinere Einpressdorn-Abschnitt 14 ist zum Einbördeln erforderlich, während der Außendurchmesser des durchmessergrößeren Einpressdorn-Abschnitts dem Rundsteg-Durchmesser der Einpressmutter 5 entspricht. Anschließend wird der Einpressdorn 13 in gegenläufiger Richtung in den Rundsteg 7 der Einpressmutter 5 eingefahren, und zwar unter radialer Aufweitung sowie Einpressung des Rundstegs 7 in den Öffnungsrandbereich des Blechteil-Rundloches 3. Nach erfolgtem Fügeschritt kann die fertiggestellte Bauteilverbindung 1 aus der Vorrichtung entnommen werden.
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Nachfolgend ist anhand der 7 und 8 nochmals der Positioniervorgang beschrieben, und zwar für den Fall, dass eine Blechteil-Fehlpositionierung vorliegt, bei der eine Rundloch-Achse R um einen Querversatz Δy1 achsparallel zur Werkzeugachse W versetzt ist. Demzufolge kommt beim oben angedeuteten Eintauch-Vorgang die Matrizen-Außenkontur 29 in Anlage mit einer Anlaufschräge 31 im Randbereich der Schablonen-Positionieröffnung 30. Dadurch kann während des Eintauchvorganges die Matrizen-Außenkontur 29 die Schablone 25 zusammen mit dem damit bewegungsgekoppelten Blechteil 2 unter Reduzierung des Querversatzes Δy verlagern. Nach erfolgter Grobjustierung G liegt nach wie vor ein Querversatz Δy2 vor, der mit der Feinjustierung F weiter reduzierbar ist. Bei der Feinjustierung F taucht der Einpressdorn 13 in das Blechteil-Rundloch 3 ein (8). Beim Eintauchvorgang kommt der Einpressdorn 13 in Anlage mit dem Öffnungsrandbereich des Blechteil-Rundloches 3. Entsprechend kann das Blechteil 2 zusammen mit der Positionierschablone 25 weiter in der Querrichtung y verlagert werden, um einen nochmalige Reduzierung des Querversatzes Δy2 zu erzielen.