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Technisches Gebiet
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Die
Erfindung betrifft Schutzrohre für Thermoelemente, welche
bei sehr hohen Temperaturen im Bereich von ca. 1100°C oxidierenden
Atmosphären ausgesetzt sind. Derartige extreme Beanspruchungsbedingungen
treten zum Beispiel bei der Temperaturmessung in Gasturbinen auf.
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Stand der Technik
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Die
aus dem Stand der Technik bekannten Gasturbinen des Typs GT24/GT26
der Anmelderin arbeiten nach dem Prinzip der sequentiellen Verbrennung.
Dabei beaufschlagen die in einer ersten Brennkammer bereitgestellten
Heissgase eine erste Turbine, wobei die aus dieser ersten Turbine
abströmenden Abgase anschliessend in einer zweiten Brennkammer
nochmals zu Heissgasen aufbereitet werden, welche dann eine zweite
Turbine beaufschlagen. Die zweite Brennkammer ist dabei auf Selbstzündung
ausgelegt, d. h. die Temperatur der Abgase aus der ersten Turbine
muss eine Selbstzündung im Zusammenhang mit dem dort eingedüsten
Brennstoff ermöglichen. Aus diesem Grunde ist eine Temperaturkontrolle
und -messung der Gasströmung notwendig. Dazu werden von
der Anmelderin Thermoelemente eingesetzt, die mit Schutzrohren (Mantel für
Thermopaare) versehen sind, wobei diese Schutzrohre aus dem ODS-(oxide-dispersionstrengthened,
oxiddispersionsverfestigte) Werkstoff PM 2000 bestehen.
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PM
2000 ist eine ferritische ODS-Legierungen auf Eisenbasis mit folgender
nominaler chemischer Zusammensetzung (in Gew.-%): 20.0 Cr, 5.5 Al,
0.5 Ti, 0.5 Y2O3 (Zugabe
in Form einer Oxiddispersion), Rest Fe.
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Die
Einsatztemperaturen dieses metallischen Werkstoffes reichen bis
ca. 1350°C. Er hat ein Eigenschaftspotential, welches eher
für keramische Werkstoffe typisch ist, wie sehr hohe Zeitstandfestigkeiten
bei sehr hohen Temperaturen und ausserdem eine hervorragende Hochtemperatur-Oxidationsbeständigkeit
durch Bildung eines Al2O3-Schutzfilmes,
sowie einen hohen Widerstand gegen Sulfidierung und Dampfoxidation.
Der Werkstoff hat stark ausgeprägte richtungsabhängige
Eigenschaften. So beträgt beispielsweise in Rohren die Kriechfestigkeit
in Querrichtung nur ca. 50% der Kriechfestigkeit in Längsrichtung.
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Die
Herstellung solcher ODS-Legierungen (neben der beschriebenen Legierung
PM 2000 sei hier beispielsweise die Legierung MA 956 genannt) erfolgt
auf pulvermetallurgischem Wege unter Verwendung mechanisch legierter
Pulvermischungen, die auf bekannte Weise, z. B. durch Strangpressen
oder durch heissisostatisches Pressen, kompaktiert werden. Anschliessend
wird der Pressling stark plastisch verformt, meist durch Warmwalzen,
und einer Rekristallisationsglühbehandlung unterworfen.
Diese Art der Herstellung, aber auch die beschriebenen Materialzusammensetzungen
bedeuten u. a. nachteilig, dass diese Legierungen sehr teuer sind
und anisotrope Eigenschaften aufweisen.
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Es
ist weiterhin bekannter Stand der Technik, dass als Mantelwerkstoff
in Verbindung mit Thermopaaren für den Einsatz unter höheren
Temperaturen bis ca. 1050°C die bekannte hochwarmfeste
Nickel-Basis-Legierung Inconel 600 (Werkstoff Nr. 2.4816, NiCr15Fe)
mit folgender chemischer Zusammensetzung (in Gew.-%) verwendet wird:
max. 0.10 C, max. 0.50 Si, max. 1.00 Mn, max. 0.02 P, max. 0.015
S, 14.00–17.00 Cr, 6.00–10.00 Fe, max. 0.30 Ti,
max. 0.50 Cu, max. 0.30 Al, Rest Ni. Dieser polykristalline Werkstoff
hat zwar eine gute Oxidationsbeständigkeit bis ca. 1050°C
und eine gute Beständigkeit gegen Spannungsrisskorrosion aufgrund
des hohen Nickel-Gehaltes, aber die Zeitstandfestigkeit lässt
zu wünschen übrig. Das gleiche trifft leider auch
auf die Thermoschockbeständigkeit dieses polykristallinen
Materials zu.
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Zur
Herstellung von einkristallinen Komponenten in Gasturbinen sind
in den letzten Jahren spezielle Nickel-Basis-Superlegierungen entwickelt
worden, die den hohen Beanspruchungsbedingungen moderner Gasturbinen
entsprechen. Diese Einkristall-Nickel-Basis-Superlegierungen werden
bisher vorwiegend zur Herstellung von Gasturbinenschaufeln verwendet.
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Aus
EP 1 359 231 B1 ist
beispielsweise eine Nickel-Basis-Legierung bekannt, welche sich
durch eine gute Giessbarkeit und eine hohe Oxidationsbeständigkeit
auszeichnet und zur Herstellung von Einkristallkomponenten oder
gerichtet erstarrten Komponenten in Gasturbinen, beispielsweise
von Gasturbinenschaufeln, eignet. Diese Legierung weist folgende
chemische Zusammensetzung auf (Angaben in Gew.-%): 7.7–8.3
Cr, 5.0–5.25 Co, 2.0–2.1 Mo, 7.8–8.3
W, 5.8–6.1 Ta, 4.9–5.1 Al, 1.3–1.4 Ti,
0.11–0.15 Si, 0.11–0.15 Hf, 200–750 ppm
C, 50–400 ppm B, Rest Nickel und herstellungsbedingte Verunreinigungen.
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Darstellung der Erfindung
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Ziel
der Erfindung ist es, die genannten Nachteile des Standes der Technik
zu vermeiden. Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein Material
zu finden, welches zur Herstellung von Schutzrohren für
Thermoelemente geeignet ist, die in Gasturbinen bei extrem hohen
Temperaturen von ca. 1200°C in oxidierender Atmosphäre
problemlos eingesetzt werden können. Die Schutzrohre sollen
einerseits bei ca. 1200°C einen ausreichenden, möglichst
grossen Oxidationswiderstand aufweisen, andererseits eine gute Zeitstandfestigkeit und
eine hohe Thermoschockbeständigkeit aufweisen.
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Erfindungsgemäss
wird dies dadurch erreicht, dass die Schutzrohre aus einer aus dem
Stand der Technik bekannten Einkristall-Nickel-Basis-Superlegierung
hergestellt werden. Die aus diesen Legierungen hergestellten Schutzrohre
für Thermopaare weisen einerseits eine ausreichende Zeitstandfestigkeit
bei den hohen Einsatztemperaturen auf, andererseits eine gute Thermoschockbeständigkeit,
da im Vergleich zu polykristallinen Materialien bei den verwendeten
Einkristalllegierungen Korngrenzen als Störstellen und
Ausgangspunkte für Risse fehlen. Dies ist beim Einsatz
in Gasturbinen ein entscheidender Faktor, denn dort treten z. B. beim
Abschalten der Gasturbinen grosse Temperaturunterschiede im Vergleich
Dauerbetrieb der Anlage auf.
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Bevorzugt
bestehen die Schutzrohre der Thermoelemente aus einer Legierung
mit folgende chemische Zusammensetzung auf (Angaben in Gew.-%):
7.7–8.3 Cr, 5.0–5.25 Co, 2.0–2.1 Mo,
7.8–8.3 W, 5.8–6.1 Ta, 4.9–5.1 Al, 1.3–1.4
Ti, 0.11–0.15 Si, 0.11–0.15 Hf, 200–750
ppm C, 50–400 ppm B, Rest Nickel und herstellungsbedingte
Verunreinigungen, besonders bevorzugt aus einer Legierung mit folgende
chemische Zusammensetzung auf (Angaben in Gew.-%): 7.7 Cr, 5.1 Co,
2.0 Mo, 7.8 W, 5.8 Ta, 5.0 Al, 1.4 Ti, 0.12 Si, 0.12 Hf, 200 ppm
C, 50 ppm B, Rest Nickel und herstellungsbedingte Verunreinigungen.
Diese aus
EP 1 359
231 B1 bekannte Legierung zeichnet sich durch eine gute
Oxidationsbeständigkeit in Verbindung mit einer sehr guten Festigkeit
bei den genannten hohen Temperaturen aus.
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Kurze Beschreibung der Zeichnungen
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In
den Zeichnungen sind Ausführungsbeispiele der Erfindung
dargestellt.
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Es
zeigen:
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1:
einen Schnitt durch ein Schutzrohr für Thermoelemente;
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2:
ein Diagramm, in welchem die Streckgrenze in Abhängigkeit
von der Temperatur für verschiedene Legierungen, die als
Material für die Schutzrohre verwendet werden, dargestellt
ist und
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3:
ein Diagramm, in welchem die Änderung des quasiisothermischen
Oxidationsgewichtes bei 1050°C in Abhängigkeit
von der Zeit für verschiedene Legierungen, die als Material
für die Schutzrohre verwendet werden, dargestellt ist.
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Wege zur Ausführung
der Erfindung
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Nachfolgend
wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen und
den Zeichnung näher erläutert.
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1 zeigt
schematisch einen Schnitt durch ein Schutzrohr für Thermoelemente
(Mantel für Thermopaare), wie es von der Anmelderin zur
Temperaturmessung der Gasströmung in Gasturbinen mit sequentieller Verbrennung
eingesetzt wird. Bisher wurden derartige Schutzrohre auf pulvermetallurgischem
Wege aus der aus dem Stand der Technik bekannten ODS FeCrAl-Vergleichslegierung
PM 2000 hergestellt.
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Erfindungsgemäss
wurden nunmehr die Schutzrohre aus verschiedenen Einkristall-Nickelbasis-Superlegierungen
hergestellt und im Hinblick auf das Oxidationsverhalten und die
mechanischen Eigenschaften bei Temperaturen bis 1100°C
untersucht.
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In
Tabelle 1 ist die jeweilige chemische Zusammensetzung der untersuchten
Legierungen aufgelistet, wobei die Legierungsbestandteile in Gew.-%
bzw. an besonders gekennzeichneten Stellen in ppm angegeben sind:
| Bestandteil Legierungsbezeichnung | Ni | Cr | Al | Ta | Mo | Re | Co | W | Y | Hf | C
Andere Bestandt. |
| PWA1483 | Rest | 12.8 | 3.6 | 4 | 1.9 | - | 9 | 3.8 | 0.1 | - | - |
| MK4HC | Rest | 6.6 | 5.6 | 6.5 | 0.6 | 3 | 9 | 6 | 0.1 | 0.1 | 380
ppm |
| Leg.
A | Rest | 7.7 | 5.0 | 5.8 | 2.0 | - | 5.1 | 7.8 | - | 0.12 | 200
ppm 50 ppm B 0.12 Si 1.4 Ti |
| MA
956 | - | 20 | 4.5 | - | - | - | - | - | * | - | -
0.5
Ti Rest Fe |
| PM
2000 | - | 20 | 5.5 | - | - | - | - | - | * | - | -
0.5
Ti Rest Fe |
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Tabelle 1: Zusammensetzungen der untersuchten
Legierungen für Schutzrohre
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1 zeigt
einen Schnitt durch ein Schutzrohr (1) für Thermoelemente,
wie es von der Anmelderin benutzt wird.
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In 2 ist
der Verlauf der Streckgrenze für verschiedene Materialien,
welche für derartige Schutzrohre für Thermoelemente
verwendet wurden, in Abhängigkeit von der Temperatur dargestellt.
Im gesamten untersuchten Bereich von Raumtemperatur bis 1100°C
ist die Streckgrenze der Legierung A (Einkristall-Nickelbasis-Superlegierung)
im Vergleich zu den beiden ODS-Legierungen auf Eisenbasis (MA 956
und PM 2000) wesentlich höher.
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Während
sie bei RT knapp doppelt so hoch ist, beträgt sie bei 1000°C
sogar etwa das Vierfache.
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Die
Einkristall-Nickelbasis-Superlegierungen weisen auch eine sehr gute
Thermoschockbeständigkeit auf, da sie keine Korngrenzen
als Störstellen im Gefüge besitzen, was für
den vorgesehenen Einsatzzweck ein grosser Vorteil ist.
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Ein
Zugversuch aus Proben der Leg. A brachte folgende Ergebnisse:
Bei
950°C beträgt die Zugfestigkeit 830 MPa, während
die Streckgrenze 624 MPa beträgt. Die Dehnung ist 28%.
Diese mechanischen Eigenschaften sind ausreichend, um die Belastungen
der Gasströmung in der Gasturbine bei 1050–1100°C
zu tragen.
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In 3 ist
ein Diagramm dargestellt, aus welchem die Änderung des
quasiisothermischen Oxidationsgewichtes bei 1050°C in Abhängigkeit
von der Zeit für verschiedene Legierungen, die als Material
für die Schutzrohre verwendet werden, entnommen werden
kann. Es sind die Ergebnisse für die aus dem Stand der Technik
bekannten Einkristall-Nickelbasis-Superlegierungen PWA 1483, MK4HC
und die Leg. A bei Auslagerungszeiten bis 1000 Stunden eingezeichnet.
Der 3 ist zu entnehmen, dass die Leg. A über
den gesamten Zeitraum von 1000 Stunden bei 1050°C nur eine
ganz geringfügige Gewichtsänderung aufweist, also
einen sehr guten Oxidationswiderstand hat, welcher zwar gegenüber
den ODS-Legierungen geringer, aber für den vorgesehenen
Einsatzzweck ausreichend ist. Die Legierung PWA 1483 zeigt ab einer
Auslagerungszeit von ca. 500 Stunden einen markanten Abfall des
Oxidationswiderstandes, während bei der Legierung MK4HC
die Gewichtsänderung auch ab ca. 600 h noch moderat ist.
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Zusammenfassend
ist zu sagen, dass Schutzrohre für Thermoelemente, welche
zur Temperaturmessung in der Gasströmung von Gasturbinen
mit sequentieller Verbrennung eingesetzt werden, aus bekannten Einkristall- Nickelbasis-Superlegierungen
hergestellbar sind und den grossen Beanspruchungsbedingungen bei
hohen Temperaturen hinsichtlich Zeitstandfestigkeit, Thermoschockbeständigkeit
und Oxidationsbeständigkeit durchaus gerecht werden. Insbesondere
die Leg. A mit (Angaben in Gew.-%) 7.7 Cr, 5.1 Co, 2.0 Mo, 7.8 W,
5.8 Ta, 5.0 Al, 1.4 Ti, 0.12 Si, 0.12 Hf, 200 ppm C, 50 ppm B, Rest
Nickel und herstellungsbedingte Verunreinigungen zeigt eine sehr
gute Eigenschaftskombination für diesen Einsatzzweck. Sie
lässt sich zudem relativ einfach herstellen, da sie sehr
gut giessbar ist.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - EP 1359231
B1 [0008, 0011]