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Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Walzenjustage in einem Feuchtwerk einer Druckmaschine und ein zur Durchführung des Verfahrens geeignetes Feuchtwerk einer Druckmaschine.
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Feuchtwerke von Druckmaschinen umfassen in der Regel mehrere Walzen, die unter Pressung aneinander anliegen. Infolge der Pressung biegen sich die Walzen axial durch. Die Durchbiegung der Walzen hat wiederum eine entlang des Walzenspaltes ungleichmäßige Feuchtmitteldosierung zur Folge. Um diesem unerwünschten Effekt entgegenzuwirken sind verschiedene Gegenmaßnahmen bekannt, nämlich das sogenannte Wickeln der einen um die andere Walze und das sogenannte Schränken der einen relativ zur anderen Walze.
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Das Wickeln ist in der deutschen Offenlegungsschrift DE-OS
2054678 erklärt. Bei dem darin beschriebenen Feuchtwerk ist eine Dosierwalze in Hebeln gelagert, die um die Rotationsachse einer Tauchwalze schwenkbar angeordnet sind. Infolge des Schwenkens eines der Hebel wird ein Walzenende der Dosierwalze entlang einer kreisbogenförmigen Bewegungslinie geschwenkt und die Dosierwalze in geringem Maße schraubenlinienförmig um die Tauchwalze herum gewickelt.
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Das Schränken ist in der
DE 102005015791 A1 erklärt. Bei dem darin beschriebenen Feuchtwerk werden die beiden Walzenenden der zu schränkenden Walze zueinander entgegengesetzt entlang einer geraden Linie verstellt. Infolge dieser Verstellung ist die geometrische Rotationsachse der geschränkten Walze schief relativ zu der geometrischen Rotationsachse der Nachbarwalze, an welcher die geschränkte Walze anliegt, ausgerichtet.
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In jedem der beiden zuvor genannten Dokumente liegt die zu wickelnde bzw. zu schränkende Walze nur an einer einzigen Walze an. In beiden Dokumenten werden nur Gegenmaßnahmen aufgezeigt, die der Walzendurchbiegung in dem von der Dosierwalze zusammen mit der Tauchwalze gebildeten Walzenspalt und in keinem anderen Walzenspalt entgegenwirken.
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Ungünstig daran ist, dass die Walzendurchbiegung, welche in dem Walzenspalt wirksam wird, den eine Auftragwalze zusammen mit ihrer jeweiligen Nachbarwalze bildet, unberücksichtigt bleibt. Es ist im Stand der Technik noch nicht erkannt worden, dass auch die in diesem Walzenspalt wirksame Walzendurchbiegung einen großen Einfluss auf die Gleichmäßigkeit der Einfeuchtung der Druckform hat.
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In der
DE10335758C5 ist ein Verfahren zur Beeinflussung der lateralen Bahnspreizung beschrieben, bei dem ein Gummituchzylinder zum angestellten Plattenzylinder verschränkt wird.
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In der
DE19732497A1 ist ein Farbwerk beschrieben, an dessen Farbauftragswalze schräg zu deren Längsachse eine Glättwalze angestellt ist, auf die Feuchtmittel aus einem Behälter übertragen wird, der im Fall des Naßoffsetdrucks an den Kreislauf des Feuchtmittels eines Feuchtwerks angeschlossen sein kann.
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In der
DE3912811A1 ist ein Feuchtwerk mit einer Dosierwalze und einer Tauchwalze beschrieben, die zueinander schräggestellt werden. Die Dosierwalze liegt an einer Feuchtauftragswalze an, die mit einem Plattenzylinder zusammenwirkt.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein verbessertes Verfahren zur Walzenjustage in einem Feuchtwerk einer Druckmaschine anzugeben und ein zur Durchführung dieses Verfahrens geeignetes Feuchtwerk zu schaffen. Insbesondere ist es die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Walzenjustage in einem Feuchtwerk einer Druckmaschine anzugeben, durch welches sich eine sehr gleichmäßige Einfeuchtung der Druckform erreichen lässt, und ein zur Durchführung dieses Verfahrens geeignetes Feuchtwerk zu schaffen.
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Die Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und durch ein Feuchtwerk mit den Merkmalen des Anspruchs 6 gelöst.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Walzenjustage in einem Feuchtwerk einer Druckmaschine, das eine erste Walze, eine zweite Walze und eine dritte Walze umfasst, wobei die zweite Walze sowohl an der ersten Walze als auch an der dritten Walze anliegt und relativ zur dritten Walze axial nicht-parallel ausgerichtet ist, wird die erste Walze in eine Stellung verstellt, in welcher die erste Walze relativ zu der dritten Walze axial nicht-parallel ausgerichtet ist.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird nicht nur die Walzendurchbiegung der ersten Walze, sondern auch die Walzendurchbiegung der zweiten Walze kompensiert. Demzufolge wird nicht nur der Flüssigkeitsfilm, welcher in dem von der ersten Walze zusammen mit der zweiten Walze gebildeten Walzenspalt von der ersten Walze auf die zweite Walze übertragen wird, sondern auch der Flüssigkeitsfilm, welcher in dem von der zweiten Walze zusammen mit der dritten Walze gebildeten Walzenspalt von der zweiten Walze auf die dritte Walze übertragen wird, in axialer Richtung bzw. über die Druckbreite vergleichmäßigt.
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In den Unteransprüchen sind verschiedene Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens genannt. Bei einer der Weiterbildungen wird bei der Verstellung der ersten Walze nur eines von den beiden Enden der ersten Walze verstellt. Bei einer weiteren Weiterbildung wird das bei der Verstellung der ersten Walze verstellte Ende der ersten Walze bei dieser Verstellung entlang eines Kreisbogens bewegt. Bei einer weiteren Weiterbildung wird bei der Verstellung der ersten Walze diese axial schraubenlinienförmig um die zweite Walze gewunden. Die erste Walze wird also um die zweite Walze herum gewickelt. Bei einer weiteren Weiterbildung ist die zweite Walze relativ zu der dritten Walze axial schief ausgerichtet. Die zweite Walze ist also geschränkt. Die Schiefstellung der zweiten Walze relativ zur dritten Walze kann in ihrer Größe unveränderbar sein. Stattdessen kann es auch möglich sein, dass das Maß der Schränkung der zweiten Walze relativ zu der dritten Walze einstellbar ist.
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Das erfindungsgemäße Feuchtwerk einer Druckmaschine umfasst eine erste Walze, eine zweite Walze und eine dritte Walze, wobei die zweite Walze sowohl an der ersten Walze, als auch an der dritten Walze anliegt und relativ zu der dritten Walze axial nicht-parallel ausgerichtet ist. Erfindungsgemäß ist die dritte Walze eine Auftragwalze, die an einem Druckformzylinder anliegt.
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Die Besonderheit des erfindungsgemäßen Feuchtwerks ist darin zu sehen, dass die axial nicht-parallel ausgerichtete zweite Walze eine Zwischenwalze ist, welche nicht nur an einer einzigen Nachbarwalze, sondern an zwei Nachbarwalzen anliegt. Das erfindungsgemäße Feuchtwerk bietet die konstruktiven Voraussetzungen zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
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Es sind verschiedene Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Feuchtwerks möglich. Bei einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Feuchtwerks ist die zweite Walze relativ zu der dritten Walze axial schräg ausgerichtet. Hierbei ist die zweite Walze relativ zu der dritten Walze geschränkt. Bei einer weiteren Weiterbildung ist die erste Walze eine Tauchwalze, die Feuchtmittel aus einem Wasserkasten schöpft.
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Weitere konstruktiv und funktionell vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens und des erfindungsgemäßen Feuchtwerks ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels und der dazugehörigen Zeichnung.
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In dieser zeigt:
- 1 die Seitendarstellung eines Feuchtwerks mit einer Tauchwalze, einer Dosierwalze und einer Auftragwalze und
- 2 eine Draufsicht auf die Walzen des Feuchtwerks.
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In 1 ist eine Druckmaschine 4 mit einem Druckformzylinder 5 und einem Feuchtwerk 6 zum Einfeuchten des Druckformzylinders 5 dargestellt. Die Druckmaschine 4 ist eine lithographische Offsetdruckmaschine zum Bedrucken von Bogen. Das Feuchtwerk 6 umfasst als erste Walze eine Tauchwalze 1, als zweite Walze eine Dosierwalze 2 und als dritte Walze eine Auftragwalze 3. An der Auftragwalze 3 liegt außer der Dosierwalze 2 eine nicht näher bezeichnete Reibwalze an, die axial changiert. Die Tauchwalze 1 ist in einem Wasserkasten 7 angeordnet, um aus diesem das Feuchtmittel zu schöpfen. Die Dosierwalze 2 ist als Zwischenwalze zwischen der Tauchwalze 1 und der Auftragwalze 3 angeordnet und überträgt von ersterer auf letztere das Feuchtmittel.
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In 2 ist der Druckformzylinder 5 aus Gründen besserer Übersichtlichkeit nicht mit dargestellt. 2 zeigt, dass die Walzen 1, 2 und 3 zwischen einer nicht näher bezeichneten Gestellwand auf der Bedienungsseite der Druckmaschine 4 und einer ebenfalls nicht näher bezeichneten Gestellwand auf der Antriebsseite der Druckmaschine 4 angeordnet sind. Das auf der Bedienungsseite liegende Ende der Tauchwalze 1 ist mit dem Bezugszeichen „8“ bezeichnet und wird im Folgenden als BS-Tauchwalzenende 8 bezeichnet. Das auf der Antriebsseite liegende Ende der Tauchwalze 1 ist mit dem Bezugszeichen „9“ bezeichnet und wird im Folgenden als AS-Tauchwalzenende 9 bezeichnet. Das auf der Bedienungsseite liegende Ende der Dosierwalze 2 ist mit dem Bezugszeichen „10“ bezeichnet und wir im Folgenden als BS-Dosierwalzenende 10 bezeichnet. Das auf der Antriebsseite liegende Ende der Dosierwalze 2 ist mit dem Bezugszeichen „11“ bezeichnet und wir im Folgenden als AS-Dosierwalzenende bezeichnet.
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Aus 2 ist ersichtlich, dass die geometrische Rotationsachse der Tauchwalze 1 nicht parallel mit der geometrischen Rotationsachse der Auftragwalze 3 ausgerichtet ist und dass die geometrische Rotationsachse der Dosierwalze 2 ebenfalls nicht parallel mit der geometrischen Rotationsachse der Auftragswalze 3 ausgerichtet ist. Die geometrische Rotationsachse der Dosierwalze 2 ist windschief relativ zu der geometrischen Rotationsachse der Auftragwalze 3 ausgerichtet.
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In 1 ist das AS-Dosierwalzenende 11 mit unterbrochener Linie und das BS-Dosierwalzenende 10 mit Volllinie dargestellt. Es ist zu erkennen, dass das BS-Dosierwalzenende 10 entlang einer vertikalen, geraden Linie 12 relativ zu dem AS-Dosierwalzenende 11 nach oben verlagert ist. Die entlang der Linie 12 zu messende Größe des Versatzes zwischen dem BS-Dosierwalzenende 10 und dem AS-Dosierwalzenende 11 ist im gezeigten Ausführungsbeispiel konstruktiv bedingt unveränderlich und könnte gemäß einer Modifikation einstellbar sein, so dass das Maß der Schränkung der Dosierwalze 2 relativ zur Auftragwalze 3 einstellbar ist. In 1 ist das AS-Tauchwalzenende 9 mit unterbrochener Linie dargestellt und ist das BS-Tauchwalzenende 8 in einer möglichen Justageposition mit Volllinie dargestellt und in einer anderen möglichen Justageposition mit unterbrochener Linie dargestellt. Die mit Volllinie dargestellte Justageposition des BS-Tauchwalzenendes 8 entspricht einer minimalen Wicklung der Tauchwalze 1 um die Dosierwalze 2 herum und die mit unterbrochener Linie dargestellte Justageposition des BS-Tauchwalzenendes 8 entspricht einer maximalen Wicklung der Tauchwalze 1 um die Dosierwalze 2 herum. Das BS-Tauchwalzenende 8 ist in die beiden zeichnerisch dargestellten Justagepositionen und in jede der dazwischen liegenden Zwischenpositionen entlang eines Kreisbogens 13 stufenlos einstellbar. Der Kreisbogen 13 verläuft konzentrisch mit der am BS-Dosierwalzenende 10 liegenden Umfangslinie der Dosierwalze 2. Beim Schwenken des BS-Tauchwalzenendes 8 entlang des Kreisbogens 13 behält das AS-Tauchwalzenende 9 seine Lage relativ zur Dosierwalze 2 im Wesentlichen unverändert bei.
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Statt des erläuterten schraubenlinienförmigen Wickelns der Tauchwalze 1 um die Dosierwalze 2 herum könnte die Tauchwalze 1 gemäß einer zeichnerisch nicht dargestellten Modifikation relativ zu der Dosierwalze 2 so geschränkt werden, wie die Dosierwalze 2 relativ zur Auftragwalze 3 geschränkt ist. Bei dieser Schränkung würde das BS-Tauchwalzenende 1 nicht entlang des Kreisbogens 13, sondern stattdessen entlang einer geraden Linie verstellt werden. Die imaginäre Schwenkachse, um welche die Tauchwalze 1 bei ihrer möglichen Schränkung geschwenkt werden würde, würde am AS-Tauchwalzenende 9 liegen.
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Durch das Wickeln der Tauchwalze 1 um die Dosierwalze 2 wird im Bereich der Mitte der axialen Länge der Walzen 1, 2 der zwischen diesen beiden Walzen vorhandene Achsabstand und somit auch der von diesen beiden Walzen 1, 2 zusammen gebildete Dosierspalt verringert. Durch die gegenüber dem AS-Dosierwalzenende 11 angehobene Stellung des BS-Dosierwalzenendes 10 wird unterhalb des BS-Dosierwalzenendes 10 Bewegungsraum für das BS-Tauchwalzenende 8 gewonnen, so dass die Tiefe des Wasserkastens 7 trotz der Wicklung der Tauchwalze 1 vergleichsweise gering gehalten werden kann. Ohne die angehobene Position des BS-Dosierwalzenendes 10 müsste der Wasserkasten tiefer ausgebildet werden, damit die Tauchwalze 1 bei ihrer nach unten erfolgenden Bewegung entlang des Kreisbogens 13 nicht auf dem Grund des Wasserkastens 7 aufstößt. Dadurch, dass die Tiefe des Wasserkastens 7 vergleichsweise gering gehalten werden kann, steht unterhalb des Wasserkastens 7 Bauraum für andere Baugruppen der Druckmaschine 4 zur Verfügung. Beim Abrollen der Dosierwalze 2 auf der Auftragwalze 3 besteht ein Schlupf zwischen der langsameren Umfangsoberfläche der Dosierwalze 2 und der schnelleren Umfangsoberfläche der Auftragwalze 3. Durch die relativ zur Auftragwalze 3 schräge Stellung der Dosierwalze 2 werden aus dem Kontakt der Auftragwalze 3 mit dem Druckformzylinder 5 hervorgerufene Störungen reduziert und wird das sogenannte Schablonierverhalten des Feuchtwerks 6 positiv beeinflusst.
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Es versteht sich von selber, dass in der vorstehenden Beschreibung die Begriffe Bedienungsseite (BS) und Antriebsseite (AS) gegeneinander austauschbar sind bzw. als erste Maschinenseite und zweite Maschinenseite bezeichnet werden können.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Tauchwalze
- 2
- Zwischenwalze
- 3
- Auftragwalze
- 4
- Druckmaschine
- 5
- Druckformzylinder
- 6
- Feuchtwerk
- 7
- Wasserkasten
- 8
- BS-Tauchwalzenende
- 9
- AS-Tauchwalzenende
- 10
- BS-Dosierwalzenende
- 11
- AS-Dosierwalzenende
- 12
- Linie
- 13
- Kreisbogen