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Die
Erfindung betrifft ein aus zumindest zwei Komponenten bestehendes
Mehrkomponentengarn und ein aus einem solchen Garn hergestelltes
Beinbekleidungsstück aus Maschenware. Unter Beinbekleidungsstück
sind dabei alle Kleidungsstücke verstanden, die zur Bekleidung
des Fußes oder Beines dienen, einschließlich Strumpfhosen,
Socken, Strümpfe, Füßlinge und dergleichen.
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Es
ist bekannt, dass beispielsweise Socken oder Strümpfe im
Gebrauch einerseits sehr hohen Beanspruchungen ausgesetzt sind,
andererseits aber dem Träger möglichst hohen Tragekomfort
vermitteln sollen. Zu diesem Tragekomfort trägt ein sogenanntes
trockenes Tragegefühl bei, bei dem der Träger
möglichst kein Schwitzen oder Frieren am Bein oder Fuß verspürt,
sondern das Beinbekleidungsstück als „klimatisch
ausgewogen” empfindet. Ein Gefühl des Frierens
oder Schwitzens kommt insbesondere durch Schweißabsonderung
und mangelnde Feuchtigkeitsaufnahme des Beinbekleidungsstücks
sowie dadurch zustande, dass dieses Mängel hinsichtlich
der Luftdurchlässigkeit zeigt.
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Um
die mechanische Beanspruchbarkeit von textilen Flächengebilden
schlechthin und auch die von Beinbekleidungsstücken wie
Strümpfen oder Socken, im Textilprüflabor festzustellen,
sind in DIN EN ISO 12945 und DIN EN ISO 12947Richtlinien
für die Bestimmung der Neigung von textilen Flächengebilden
zur Flusenbildung auf der Oberfläche und der Pillneigung
bzw. zur Bestimmung des Scheuerbeständigkeit von textilen
Flächengebilden festgelegt. Die Bestimmung der Pillneigung
und der Scheuerbeständigkeit erfolgt dabei nach dem in
diesen DIN-Blättern erläuterten sogenannten Martindale-Verfahren.
Dabei wird eine runde Probe mit festgelegter Kraft in Form einer
Lissajous-Figur über eine Reibfläche bzw. ein
Scheuermittel bewegt. Die Flusen- und Pillbildung wird durch visuelle
Beurteilung nach einer festgelegten Anzahl von Pill-Touren überprüft,
während die Scheuerbeständigkeit des textilen Flächengebildes
aus der Beurteilung der Flächenveränderung bestimmt
wird.
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Untersuchungen
im Textil-Prüflabor haben gezeigt, dass beispielsweise
Socken, die in 14er Teilung aus einem Baumwollgarn der Feinheit
Nm 34/1 gestrickt sind, bei einer mittleren Garnqualität
bereits bei 500 Scheuertouren im Martindale-Gerät eine deutliche
Pilling-Bildung zeigen. Beim Scheuertest versagen diese Produkte
meistens bei etwa 4000 Touren. Durch die Verwendung von besseren
Baumwollqualitäten kann die Scheuerbeständigkeit
dieser Socken auf zum Beispiel bis zu 6000 Scheuertouren verbessert
werden, wobei sich dafür aber die Pilling-Neigung verschlechtert. Ähnliche
Effekte treten auf, wenn die Baumwollfasern mit Chemiefasern (zum
Beispiel Polyamid, Polyester) gemischt sind oder Zwirne aus Baumwollgarnen
eingesetzt wurden. Dabei wurde das Scheuerverhalten gegebenenfalls verbessert,
während aber andererseits die Pilling-Bildung zunahm. Diese
Effekte lassen sich, wie sich zeigt, auch umkehren. Beim Einsatz
von Baumwollqualitäten, die weniger Pilling-Neigung erkennen
lassen, wurde der Scheuertest nicht mehr bestanden.
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Grundsätzlich ähnliche
Erfahrungen wurden mit Socken gemacht, in denen Mischgarne verstrickt sind,
die aus Viskosefasern mit zugemischten Polyamidfasern bestehen,
wobei der Polyamidfaseranteil üblicherweise 10% bis 20%
beträgt. Viskosefasern sind Fasern mit sehr weichem Griff
und hoher Feuchtigkeitsaufnahme, die sich aber wegen ihrer sehr
geringen Scheuerfestigkeit für den Einsatz in Socken nur
bedingt eignen.
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Ausgehend
von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Mehrkomponentengarn zu schaffen, das in textilen Flächengebilden,
insbesondere Beinbekleidungsstücken aus Maschenware verarbeitet,
sich dadurch auszeichnet, dass das so erzeugte textile Flächengebilde
eine besonders hohe Scheuerfestigkeit mit sehr geringer Pillingneigung
verbindet.
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Zur
Lösung dieser Aufgabe weist das Mehrkomponentengarn gemäß der
Erfindung die Merkmale des Patentanspruchs 1 auf. Weiterbildungen
sind Gegenstand von Unteransprüchen.
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Das
neue Mehrkomponentengarn ist aus wenigstens einer, synthetisches
texturiertes Filamentgarn enthaltenden oder aus einem solchen bestehenden
ersten Komponente und wenigstens einer zweiten Komponenten zusammengesetzt,
die aus einem spinngedrehten Stapelfasergarn besteht. Die erste
Komponente ist ein luftblas-texturiertes Filamentgarn. Die beiden
Komponenten weisen eine ähnliche Feinheit und optische
Struktur auf und sind unter Erzeugung eines Zwirns mit Stapelfasergarn ähnlicher
Optik miteinander verzwirnt.
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Das
Filamentgarn besteht in einer vorteilhaften Ausführungsform,
zumindest teilweise, aus Polyamid. Für das Stapelfasergarn
kommen mehrere Faserarten in Frage. Es kann, zumindest teilweise,
aus pflanzlichen Naturfasern oder tierischen Naturfasern oder synthetischen
Fasern bestehen. Es kann auch aus einer Mischung aus verschiedenen
Natur- und/oder synthetischen Fasern zusammengesetzt sein.
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Besondere
Vorteile ergeben sich bei Verwendung eines Stapelfaserngarns, das
zumindest teilweise aus Zellwolle (Viskose) besteht. Überraschenderweise
hat sich gezeigt, dass durch das Verzwirnen eines luftblas-texturierten
Garnes aus Polyamid mit einem Viskose-Stapelgarn ein Gestrick erzeugt
werden kann, das selbst nach 5000 Scheuertouren beim Pillingtest
praktisch keine Pilling-Bildung aufweist, im Scheuertest jedoch
auch bei 6000 Touren noch nicht durchgescheuert ist.
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Aus
diesem gezwirnten neuen Mehrkomponentengarn hergestelltes Gestrick
behält dabei weitgehend den weichen Griff, der für
Viskosefasern typisch ist. Durch die spezielle Kombination von Viskose-Stapelfasern
und Polyamid-Filamenten in dem erfindungsgemäßen
Mehrkomponentengarn wird erreicht, dass bei daraus hergestellten
Socken diese einen wesentlich besseren Feuchtehaushalt aufweisen als
herkömmliche Baumwoll- oder Wollsocken. Dies liegt darin
begründet, dass Viskose eine dreimal höhere Feuchtigkeitsaufnahme
wie Baumwolle oder Wolle aufweist. Auch wenn der Gewichtsanteil
der Viskosefasern nur bei etwa 50% liegt, ist die Feuchtigkeitsaufnahme
des Gestricks immer noch 50% höher als bei Baumwoll- oder
Wollsocken. Bei Tragetests wurde der dadurch erzielte besondere
Tragekomfort bestätigt. Hinzu kommt, dass diese neuen Socken
einen sehr geringen Verschleiß sowie eine fast gleich bleibende
Optik über den gesamten Tragetest aufweisen. Durch die
Verzwirnung von einem Stapelfasergarn mit einem luft-texturierten
Filamentgarn ungefähr der gleichen Feinheit zu einem Mehrkomponentenzwirn,
ergibt sich überraschenderweise der vollständig
neue Effekt einer gleichzeitigen Verbesserung der Scheuer- und der
Pillingeigenschaften des daraus hergestellten Gestricks.
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Die
Luftblas-Texturierung von Garnen ist ein allgemein bekanntes Garntexturierverfahren,
das in mehreren Ausführungsvarianten unter Verwendung einer
mit Luft beaufschlagten Texturier-Düse durchgeführt
wird, die einen Garnführungskanal aufweist, in welchen
wenigstens eine radiale Bohrung für die Zuführung
des Druckmediums mündet. Beispiele dafür sind
beispielsweise aus der
DE
1061953 B1 und der
EP
0 088 254 A2 bekannt. Luftblas-texturiertes Filamentgarn
aus Polyamidfasern ist beispielsweise unter dem Handelsnamen Taslan
® von DuPont im Handel.
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1 zeigt
ein typisches luftblas-texturiertes Filamentgarn und
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2 zeigt
ein typisches Stapelfasergarn aus Viskosefasern.
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Das
luftblas-texturierte Garn nach 1 besteht
aus einer Anzahl endloser synthetischer Filamente und weist einen
im Wesentlichen geschlossenen Garnkörper auf, von dem mehr
oder weniger große Filamentschlaufen oder -schlingen abstehen.
Diese Filamentschlaufen oder -schlingen sind in unregelmäßigen
Abständen längs der Oberfläche verteilt und
teilweise sich selbst kreuzend gestaltet. Dadurch ergibt sich eine
einem Spinnfasergarn ähnliche Struktur, wie der Vergleich
mit dem Stapelfasergarn nach 2 augenfällig
zeigt. Während bei dem Stapelfasergarn von dem Garnkörper
abstehende Faserteile in der überwiegenden Mehrzahl offene
Enden aufweisen, sind bei dem luftblas-texturierten Garn, wie erwähnt,
keine abstehenden freien Faserenden, sondern geschlossene Schlaufen
oder Schlingen vorhanden, die eine ähnliche „Haarigkeit” oder
Bauschigkeit wie bei einem Stapelfasergarn hervorrufen. Bei Verwendung
zweckentsprechend gewählter Filament- und Stapelfasermaterialien
und -qualitäten lässt sich erreichen, dass ein
luftblastexturiertes. Garn und Stapelfasergarn eine optisch ähnliche
Struktur aufweisen.
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Versuche
haben ergeben, dass die Eigenschaften des neuen Garns mit zunehmender
Drehungszahl bei der Verzwirnung verbessert werden. Überraschend
gute Ergebnisse zeigte ein neues Mehrkomponentengarn dessen beide
Komponenten mit einer Anzahl Drehungen von 200 bis 1000 T/m (Touren
pro Meter) miteinander verzwirnt sind. Vorzugsweise liegt die Anzahl
der Drehungen zwischen 300 bis 800 T/m, wobei sich ein Bereich zwischen 550
bis 650 T/m besonders hervorhebt. Wesentlich ist in jedem Fall,
dass die Stapelgarnkomponente mit der luft-texturierten Komponente
verzwirnt und nicht umwunden ist. Das heißt beide Garnkomponenten müssen
fest miteinander verbunden sein und auf der Außenseite
des Mehrkomponentengarns in Erscheinung treten, damit sich die Eigenschaft
der die beiden Komponenten bildenden Fasermaterialien zu der überraschenden
Kombinationswirkung verbinden, die darin besteht, dass bei hoher
Scheuerfestigkeit eine sehr geringe Pilling-Neigung auftritt.
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Die
massebezogenen Anteile der beiden Komponenten in dem Mehrkomponentengarn
liegen, wie sich gezeigt hat mit Vorteil in einem Bereich zwischen
65/35 und 50/50, doch sind davon abweichende Anteile vorstellbar.
Dabei kann sowohl die Filamentkomponente als auch die Stapelfaserkomponente
den größeren beziehungsweise kleineren Anteil
ausmachen, je nach dem welche Anforderungen an das Gestrick gestellt
werden, in dem das neue Mehrkomponentengarn abgestrickt ist.
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Die
beiden Komponenten sind, wie erwähnt, so miteinander verzwirnt,
dass die Fasern beider Komponenten auf der Außenseite des
Mehrkomponentengarns wirken. Damit wird er reicht, dass die Optik
des das Mehrkomponentengarn bildenden Zwirns der eines normalen
Stapelfasergarns entspricht. Dies steht im Gegensatz zu den so genannten
Hochbauschgarnen, wie sie in verschiedener Konstruktion durch Luftblas-Texturieren
hergestellt und zu unterschiedlichen Zwecken verwendet werden.
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Beispiele:
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Es
wurden folgende erfindungsgemäße Mehrkomponentengare
hergestellt und getestet:
- 1. Nm 70/1 CV (Viscose)
+ PA (Polyamid) 130 f 72 dtex, 600 T/m
- 2. Nm 70/1 CV (Viscose) + PA (Polyamid) 130 f 72 dtex, 330 T/m
- 3. Nm 68/1 CV (Viscose) + PA (Polyamid) 140 f 102 dtex, 600
T/m
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Aus
diesen Mehrkomponentengarnen hergestellte Gestricke verfügten über
eine hervorragende Scheuerfestigkeit. Sie waren im Scheuertest bei 6000
Touren im Martindale-Gerät nicht durchgescheuert.
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Gestricke
aus den Mehrkomponentengarnen 1 und 3 ergaben außerdem
hervorragende Pilling-Eigenschaften, weil selbst nach 5000 Scheuertouren beim
Pilling-Test praktisch keine Pilling-Bildung aufgetreten ist. Das
Garn 2 zeigte sehr gute Pilling-Eigenschaften, die etwas geringer
als jene der Garne 1, 3 waren.
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Aus
diesen Garnen hergestellte Socken zeichnen sich durch hohen Tragekomfort
aus. Sie wurden von Testpersonen als klimatisch ausgewogen, d. h.
mit trockenem Tragegefühl ohne Frieren und Schwitzen empfunden.
Die Socken zeigen eine nur geringe Knitterneigung und weisen außerdem eine
gute Eignung für die Stückfärbung auf.
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Abschließend
sei erwähnt, dass zu pflanzlichen Naturfasern, aus denen
die Stapelgarnkomponente bestehen kann Baumwolle, Kapok, Leinen
etc. oder eine Mischung dieser Fasern zählten, während eine
Stapelgarnkomponente aus tierischen Naturfasern aus Wolle, Kaschmir,
Angora oder etc. oder eine Mischung solcher Fasern bestehen kann.
Synthetisches Fasermaterial zur Verwendung bei der Stapelfaserkomponente
kann Viskose, Acetate, Lyocell, Cupro, Polyamid, Polyester, Polypropylen,
Polyacryl etc. oder eine Mischung dieser Fasermaterialien beinhalten.
Für spezielle Anwendungsfälle kann das Fasermaterial
der Filamentgarnkomponente auch Polyester, Polypropylen, Polyacryl,
Polyurethan etc. oder Mischungen dieser Filamentmaterialien miteinander
und mit Polyamidfilamenten aufweisen.
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Stapelfasergarn
aus Viskosefasermaterial ist in einer besonderen Qualität,
die für das neue Komponentengarn mit Vorteil verwendet
werden kann unter dem Handelsnamen Tencel® der
Lenzing AG im Handel.
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Das
neue Mehrkomponentengarn ist grundsätzlich für
die Herstellung von beliebigen textilen Flächengebilden,
insbesondere Gestricken verwendbar, bei denen es auf hohe Scheuerfestigkeit
und geringe Pilling-Neigung ankommt. Besonders vorteilhaft hat es
sich aber für die Verwendung bei Beinbekleidungsstücken
herausgestellt, weil bei Verwendung eines feuchtigkeitsaufsaugenden
Stapelfasermaterials, beispielsweise Viskose oder Baumwolle, zusätzlich
zu den erwähnten Eigenschaften noch ein ausgeglichener
Feuchtigkeitshaushalt hinzutritt, der den Tragekomfort in überraschender
Weise erhöht.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 1061953
B1 [0012]
- - EP 0088254 A2 [0012]
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
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- - DIN EN ISO
12945 und DIN EN ISO 12947 [0003]