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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine Ausziehvorrichtung für einen
Ventilsitzring mit einer Ausziehspindel zum Einführen in den Ventilsitzring
und einer Spreizklauenanordnung mit mehreren Spreizklauen, die mit
dem Ventilsitzring in Eingriff bringbar beweglich an der Ausziehspindel
gelagert sind, sowie ein Verfahren zum Ausziehen eines Ventilsitzringes
mittels einer solchen Ausziehvorrichtung.
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Insbesondere,
um eine bessere Abdichtung zu gewährleisten, aber auch, um Ventile
und Ventilsitze gegen Abnutzung zu schützen, ist es, insbesondere
bei größeren Brennkraftmaschinen
wie Groß-
und Schiffsdieseln, bekannt, im Ventilsitz einen separaten Ventilsitzring
vorzusehen, der beispielsweise aus einem härteren und/oder temperaturständigeren
Material hergestellt ist. Ein solcher Ventilsitzring kann beispielsweise
thermisch, i. e. unter temporäer
Abkühlung
des Ringes und/oder Erwärmung
des Sitzes, auf den Ventilsitz aufgeschrumpft werden, so dass er sich
von innen gegen einen hierzu vorgesehenen Bereich eines Einlass-
oder Auslassventils verspreizt.
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Zum
Auswechseln abgenutzter oder beschädigter Ventilsitzringe, aber
auch zu Wartungsarbeiten kann ein solcher Ventilsitzring, gegebenenfalls
unter vorheriger Abkühlung
des Ringes bzw. Erwärmung des
Sitzes, um die Presspassung zu lösen,
aus seinem Ventilsitz herausgezogen werden. Nach betriebsinterner
Praxis ist hierzu eine manuell betätigbare Ausziehvorrichtung
bekannt, bei der Spreizklauen schwenkbar an einer Ausziehspindel
gelagert sind und durch das Einschrauben eines Spreizkonus nach außen verschwenkt
werden, so dass sie eine Kante des Ventilsitzringes hintergreifen.
Anschließend
kann der Ventilsitzring zusammen mit den durch den Aufschraubkonus
auseinandergespreizten Spreizklauen aus dem Ventilsitz herausgezogen
werden.
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Bei
diesem manuellen Ausziehvorgang, bei dem der Ventilsitzring mit
Handkraft ausgespindelt wird, können
im Altgemeinen keine großen
oder definierten Ausziehkräfte
aufgebracht werden. Zudem besteht aufgrund der in Eingriff mit dem
Ventilsitzring schwenkenden Spreizklauen die Gefahr eines fehlerhaften
Eingriffs, insbesondere eines Verkantens der Spreizklauen an dem
Ventilsitzring, was zu einer übermäßigen Abnutzung
der Spreizklauen und des Ventilsitzringes führt. Zudem führen die
ungünstigen Hebelverhältnisse
zu einer hohen Momentenbelastung der bekannten Ausziehvorrichtung.
Die Ventilsitzringe und die Ausziehvorrichtung können dabei sogar zerstört werden.
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Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein einfaches, zuverlässiges und überwiegend zerstörungsfreies
Ausziehen von Ventilsitzringen aus einem Ventilsitz zu ermöglichen.
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Diese
Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1 bzw. ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 20 gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
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Eine
erfindungsgemäße Ausziehvorrichtung für einen
Ventilsitzring umfasst eine Ausziehspindel, die in den auszuziehenden
Ventilsitzring einführbar ist.
Bevorzugt wird die Ausziehspindel dabei im Wesentlichen entgegen
einer Ausziehrichtung in den Ventilsitzring eingeführt, die
vorteilhafterweise parallel zu einer Symmetrieachse des Ventilsitzringes
orientiert sein kann. In einer bevorzugten Ausführung der vorliegenden Erfindung
zentriert sich die Ausziehvorrichtung jedoch bezüglich des Ventilsitzringes selbsttätig, so
dass sie auch in einer gegen eine solche Symmetrieachse geneigten
Einführrichtung
in den Ventilsitzring eingeführt
werden kann.
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Die
erfindungsgemäße Ausziehvorrichtung umfasst
weiter eine Spreizklauenanordnung mit mehreren Spreizklauen, die,
insbesondere formschlüssig,
mit dem Ventilsitzring in Eingriff bringbar und hierzu an der Ausziehspindel
beweglich gela gert sind. Eine Spreizklauenanordnung umfasst dabei
bevorzugt wenigstens zwei, insbesondere wenigstens drei Spreitzklauen.
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Erfindungsgemäß umfasst
die Ausziehvorrichtung weiter eine Hydraulikeinrichtung zum Aufbringen
einer axialen Zugkraft in der Ausziehrichtung auf die Aufziehspindel
und damit über
die an ihr gelagerten Spreizklauen auf den Ventilsitzring. Indem
die Zugkraft zum Ausziehen des Ventilsitzringes nicht mehr manuell,
sondern durch die Hydraulikeinrichtung in die Ausziehspindel eingeleitet
wird, können gleichermaßen höhere und
definiertere Ausziehkräfte
realisiert werden, was zu einem gleichmäßigeren Ausziehvorgang führt und
diesen vereinfacht. Vorteilhaft dämpft dabei die hydraulisch
aufgeprägte
Zugkraft Kraftspitzen, die sich während des Ausziehvorganges
beispielsweise aufgrund von Stick-Slip-Effekten (Rückgleiten),
i. e. dem Wechsel zwischen Haft- und Gleitreibung ergeben. Dies
trägt zu
einem zuverlässigeren
und verschleißärmeren Vorgang
bei.
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In
einer bevorzugten Ausführung
der vorliegenden Erfindung ist die Ausziehspindel in der Ausziehrichtung
an einer Abstützung
geführt,
die sich gegen eine Umgebung des Ventilsitzringes, i. e. den Ventilsitz
bzw. ein Gehäuse
einer Brennkraftmaschine, in der dieser Ventilsitz ausgebildet ist,
abstützt. Die
Führung
der Ausziehspindel in der Ausziehrichtung wirkt einem Verkanten
des Ventilsitzringes im Ventilsitz während des Ausziehens entgegen
und verringert so den Verschleiß.
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Vorteilhaft
kann die Hydraulikeinrichtung an der Abstützung angeordnet sein und so
einen konstruktiv einfachen und/oder kompakten Ausbau der Ausziehvorrichtung
ermöglichen.
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Die
Hydraulikeinrichtung kann insbesondere einen mit der Ausziehspindel
dauerhaft oder lösbar verbundenen
Hohlkolbenzylinder zum Aufbringen der axialen Zugkraft auf die Ausziehspindel
aufweisen. Ein Hohlkolbenzylinder kann vorteilhaft die Bauhöhe der Auszugvorrichtung
minimieren.
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Die
Hydraulikeinrichtung kann eine Pumpe, insbesondere eine Hochdruckpumpe,
zur Erzeugung eines Hydraulikdruckes aufweisen, die die Zugkraft auf
die Ausziehspindel aufbringt. Hierdurch kann auf einfache Weise
ein ausreichend hoher Hydraulikdruck zur Verfügung gestellt werden, der vorteilhafterweise
präzise
einstellbar ist, um unterschiedliche Zugkräfte aufzubringen.
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Die
Hydraulikeinrichtung kann eine Steuereinrichtung zur Einstellung
einer vorgegebenen axialen Zugkraft aufweisen. Unter Einstellung
wird dabei vorliegend gleichermaßen eine Steuerung, beispielsweise
durch Vorgabe einer an einen Elektromotor einer Hochdruckpumpe zur
Erzeugung des Hydraulikdruckes angelegten elektrischen Spannung,
als auch eine Regelung, beispielsweise ein Aufbringen einer vorgegebenen
Sollzugkraft durch Änderung
des Schluckvolumens der Hochdruckpumpe entsprechend einer erfassten
tatsächlich
aufgebrachten axialen Zugkraft bezeichnet. Anstelle einer vorgegebenen
Zugkraft kann die Steuereinrichtung auch eine vorgegebene axiale
Bewegung in Ausziehrichtung realisieren.
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Hierzu
kann die Steuereinrichtung beispielsweise die Bewegung der Ausziehspindel
in Ausziehrichtung erfassen und mit einem Sollverlauf vergleichen.
Die Differenz zwischen einer Soll- und einer Ist-Position der Ausziehspindel
kann dann als Regeldifferenz beispielsweise einem Proportional-,
Integral- und/oder Differential-Regler
zugeführt
werden, der die auf die Aufziehspindel aufgeprägte Zugkraft entsprechend anpasst.
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In
einer bevorzugten Ausführung
der vorliegenden Erfindung sind mehrere Spreizklauen der Spreizklauenanordnung
auswechselbar an der Ausziehspindel gelagert. Dies ermöglicht einerseits
den Ersatz abgenutzter Spreizklauen. Andererseits kann durch die
Verwendung von verschiedenen Spreizklauenanordnungen mit unterschiedlichen
Spreizklauenkonturen dieselbe Ausziehvorrichtungen für verschiedene
Ventilsitzringe eingesetzt werden, deren Eingriffsflächen, an
denen die Spreizklauen angreifen, sich in ihrer Kontur unterscheiden.
Gleichermaßen
kön nen
auch Spreizklauen mit unterschiedlichem Material eingesetzt werden,
um beispielsweise härtere,
festsitzendere Ventilsitzringe mit höheren Kontaktkräften zu
beaufschlagen als weichere weniger, festsitzende Ventilsitzringe.
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Die
Spreizklauen der Spreizklauenanordnung können radial verschiebbar an
der Ausziehspindel gelagert sein. Im Gegensatz zu den bekannten verschwenkbaren
Spreizklauen fahren solche radial verschiebbaren Spreizklauen mit
bezüglich
der Längsachse
der Ausziehspindel konstanter Orientierung, i. e. mit Eingriffsflächen die
zur Längsachse
der Ausziehspindel einen konstanten Winkel einschließen, in
Eingriff mit dem Ventilsitzring. Hierdurch kann ein fehlerhafter,
insbesondere unvollständiger
Eingriff oder ein Verkanten mit dem Ventilsitzring vermieden werden.
Gleichzeitig ermöglichen
die radial verschiebbaren Spreizklauen einen flächenhaft größeren Eingriff mit dem Ventilsitzring.
Vorteilhafterweise können
die radial an den Ventilsitzring anfahrenden Spreizklauen die Ausziehspindel
in radialer Richtung auch im Ventilsitzring zentrieren und so ein
Verkanten während
des Ausziehens vermeiden. Besonders bevorzugt sind die Spreizklauen
an der Ausziehspindel rein radial verschiebbar gelagert, so dass
nur eine geringe Verstellung erforderlich ist, um sie mit dem Ventilsitzring
in Eingriff zu bringen. Gleichermaßen können die Spreizklauen bei ihrer
radialen Verschiebung zugleich auch axial zur Ausziehspindel verfahren
werden, beispielsweise über
als Zwangsführung wirkende
konische Führungsflächen.
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Zum
Zweck der radial verschiebbaren Lagerung können sich die Spreizklauen
der Spreizklauenanordnung entgegen der Ausziehrichtung axial gegen
eine radiale Führungsfläche der
Ausziehspindel abstützen,
die sich von der Ausziehspindel in radialer Richtung nach außen erstreckt.
In dieser radialen Führungsfläche können die
Spreizklauen vorteilhaft in Führungsnuten
geführt
sein, was die Handhabung der Ausziehvorrichtung erleichtert.
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Bevorzugt
sind die Spreizklauen der Spreizklauenanordnung in einer Eingriffsposition,
in der sie mit dem Ventilsitzring im Eingriff stehen, radial fixierbar.
Dies kann beispielsweise durch ein selbsthemmendes Gewinde erfolgen,
dass einer Radialbewegung der Spreizklauen zur Ausziehspindel hin
reibschlüssig
entgegenwirkt. Gleichermaßen
kann eine solche Fixierung auch mittels einer Rastverbindung oder
dergleichen realisiert sein.
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Um
die Spreizklauen radial zu verschieben und in Eingriff mit dem Ventilsitzring
zu bringen, weist eine Ausziehvorrichtung nach einer bevorzugten Ausführung der
vorliegenden Erfindung eine an der Ausziehspindel axial verschiebbar
gelagerte schräge Führungsfläche auf,
die mit einer schrägen
Gegenfläche
an den Spreizklauen der Spreizklauenanordnung zusammenwirkt. Schräge Führungs-
und Gegenfläche
bilden dabei eine Zwangsführung,
die eine Axialbewegung der schrägen
Führungsfläche in eine
Radialbewegung der Spreizklauen umsetzt. Hierdurch kann auf einfache
Weise das radiale In-Eingriff-Bringen der Spreizklauen mit dem Ventilsitzring
bewirkt werden.
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Dabei
kann der radiale Abstand zwischen der schrägen Führungsfläche und der Ausziehspindel
in Ausziehrichtung zu- oder abnehmen. Bei zunehmenden Abstand wird
die schräge
Führungsfläche entgegen
der Ausziehrichtung, d. h. von außen gegen die Spreizklauen
bewegt, um diese radial nach außen
zu stellen. Hierdurch kann die Bauhöhe der Ausziehrichtung vorteilhaft
verkürzt
werden. Nimmt umgekehrt der radiale Abstand in Ausziehrichtung ab,
wird die schräge
Führungsfläche in Ausziehrichtung
bewegt, um die Spreizklauen radial nach außen zu verschieben. Hierdurch
kann vorteilhaft Bauraum auf der der Ausziehrichtung gegenüberliegenden Seite
des Ventilsitzringes genutzt werden.
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In
einer bevorzugten Ausführung
der vorliegenden Erfindung ist die schräge Führungsfläche an einem Einschraubkonus
ausgebildet, der axial längs der
Ausziehspindel verschiebbar ist. Durch Drehen wird der Einschraubkonus,
der mit der Ausziehspindel über
ein Bewegungsgewinde in Eingriff steht, axial an der Ausziehspindel,
an der er axial geführt
ist, verschoben und bewegt dabei die Spreizklauen gegen den Ventilsitzring.
Ist das Bewegungsgewinde dabei selbsthem mend ausgelegt, können durch
entsprechendes Zustellen einer Gewindehülse über das Außengewinde des Einschraubkonus
damit die Spreizklauen blockfest im Ventilsitzring verspannt werden.
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Zusätzlich oder
alternativ zur radialen Führung
der Spreizklauen in einer Radialführungsfläche können die Spreizklauen auch
in der schrägen
Führungsfläche geführt gelagert
sein.
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Insbesondere,
um die Spreizklauen während des
Einführens
der Ausziehvorrichtung auf einen minimalen Ausgangsdurchmesser zu
stellen und nach Entfallen einer die Spreizklauen radial nach außen zwingenden
Kraft den Eingriff mit dem Ventilsitzring automatisch zu lösen, können die
Spreizklauen der Spreizklauenanordnung durch ein elastisches Mittel zur
Ausziehspindel hin vorgespannt sein. Ein solches elastisches Mittel
kann beispielsweise ein am Außenumfang
der Spreizklauenanordnung angeordneter O-Ring sein, der elastisch
gedehnt wird, wenn die Spreizklauen in Eingriff mit dem Ventilsitzring
gebracht werden und dadurch die Spreizklauenanordnung auf eine Position
zurückzustellen
sucht, in der sie in den Ventilsitzring einführbar ist.
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Die
Abstützung
gegen die Umgebung des Ventilsitzringes kann lösbar an der Umgebung angeordnet,
insbesondere formschlüssig
an dieser angesetzt und/oder mit dieser verschraubt werden. Hierzu kann
die Abstützung
bevorzugt der Umgebung des Ventilsitzringes, i. e. dem Ventilsitz
bzw. dem Gehäuse,
in dem dieser ausgebildet ist, angepasste Stützflächen aufweisen.
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Die
Abstützung
kann portalartig einen Querträger
zur axialen Führung
der Ausziehspindel aufweisen, der sich über Streben gegen die Umgebung des
Ventilsitzringes abstützt.
Hierdurch ergibt sich ein günstiger
Kraftfluss und eine leichte, kompakte Bauweise. Vorteilhaft kann
an dem Querträger
die Hydraulikeinrichtung angeordnet sein.
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Zum
Ausziehen eines Ventilsitzringes mittel einer erfindungsgemäßen Ausziehvorrichtung
werden zunächst
die Ausziehspindel in den Ventilsitzring eingeführt und anschließend die
Spreizklauen der Spreizklauenanordnung mit dem Ventilsitzring in
Eingriff gebracht.
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Die
Spreizklauen der Spreizklauenanordnung können blockfest mit der Auszugspindel
verspannt werden, nachdem sie mit dem Ventilsitzring in Eingriff
gebracht worden sind. Hierdurch kann die Spreizklauenanordnung während des
Ausziehvorganges spielfrei am Ventilsitzring gehalten werden, was
den Verschleiß vermindert.
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Anschließend wird
eine axiale Zugkraft hydraulisch auf die Ausziehspindel aufgeprägt. Diese wirkt über die
Spreizklauen auf den Ventilsitzring und zieht diesen in Ausziehrichtung
aus seinem Ventilsitz heraus.
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Die
axiale Zugkraft kann dabei diskret, i. e. in Kraftstufen, oder kontinuierlich
erhöht
werden, bis der Ventilsitzring sich aus dem Ventilsitz löst. Da die Haftreibung,
die den Ventilsitzring im Ventilsitz hält, größer als die Gleitreibung bei
einer Relativbewegung zwischen Ventilsitzring und Ventilsitz ist,
kann anschließend
die Zugkraft reduziert werden, um ein übermäßig schnelles Herausziehen
des Ventilsitzringes zu verhindern.
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Insbesondere
durch eine Regelung kann die von der Hydraulikeinheit aufgeprägten axiale
Zugkraft derart eingestellt werden, dass sich ein definierter Verlauf
der Ausziehbewegung und/oder der Zugkraft einstellt. Soll beispielsweise
ein Ventilsitzring mit gleichbleibender Geschwindigkeit aus dem
Ventilsitz herausgezogen werden, erhöht die Regelung zunächst solang
die Zugkraft, bis diese die Haftreibung überwindet, die den Ventilsitzring
im Ventilsitz hält.
Beim Übergang
von Haft- zu Gleitreibung reduziert die Regelung die Zugkraft und
stellt diese auf Null, so bald der Ventilsitzring vollständig aus
dem Ventilsitz herausgezogen ist. Tritt beim Ausziehvorgang dabei
kurzzeitig wieder Haftreibung auf, erhöht die Regelung die Zugkraft
entsprechend, um den Ventilsitzring erneut ins Gleiten zu bringen.
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Weitere
Vorteile und Merkmale der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus
den Unteransprüchen
und den nachfolgend erläuterten
Ausführungsbeispielen.
Hierzu zeigt, teilweise schematisiert:
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1:
einen Teil einer Ausziehvorrichtung nach einer Ausführung der
vorliegenden Erfindung in perspektivischer Ansicht;
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2A, 2B:
die mit einem Ventilsitzring einer Brennkraftmaschine zusammenwirkende
Ausziehvorrichtung nach 1;
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3:
im linken bzw. rechten Halbschnitt die an den Ventilsitz der Brennkraftmaschine
angesetzte Ausziehvorrichtung nach 2,
bevor (rechts) bzw. nachdem (links) Spreizklauen mit dem Ventilsitzring in
Eingriff gebracht worden sind; und
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4:
eine Draufsicht auf die im Ventilsitzring angeordneten Spreizklauen
der Ausziehvorrichtungen aus 3.
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In 1 ist
in perspektivischer Ansicht eine Ausziehspindel 7 einer
Ausziehvorrichtung nach einer Ausführung der vorliegenden Erfindung
mit drei daran beweglich gelagerten Spreizklauen 2 gezeigt, die
mittels eines Einschraubkonus' 4 radial
nach außen
bewegbar sind. Eine Gewindehülse 5 dient
der Verblockung, d. h. der Fixierung der Spreizklauen 2, falls
die Gewindehülse 5 auf
der Ausziehspindel 7 gegen die Spreizklauen 2 geschraubt
wird. Zur näheren Erläuterung
wird zunächst
auf 3 Bezug genommen.
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Diese
zeigt in ihrem rechten Teilschnitt einen Ventilsitzring 3,
der reibschlüssig
unter Vorspannung in einem Ventilsitz 12 eines Einlassventils
einer Brennkraftmaschine befestigt ist. Gleichermaßen könnte der
Ventilsitzring in einem Auslassventil angeordnet sein.
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Die
Ausziehvorrichtung wird nach einer Ausführung der vorliegenden Erfindungen
an dem Ventilsitz angesetzt. Hierzu wird, wie im rechten Teilschnitt der 3 gezeigt,
eine portalartige Abstützung 9 von außen, d.
h. entgegen einer Ausziehrichtung (von oben nach unten in 3)
am Gehäuse 8 der
Brennkraftmaschine formschlüssig
angesetzt, so dass die in der Abstützung 9 axial verschiebbar
gelagerte Ausziehspindel 7 in den Ventilsitzring 3 eingeführt wird.
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An
einem in Ausziehrichtung hinteren Ende der Ausziehspindel 7 ist
ein Führungsstück 1 verdrehgesichert
befestigt, dessen in Ausziehrichtung vordere Stirnfläche eine
radiale Führungsfläche für die drei
darauf bevorzugt in Führungsnuten
radial verschiebbar gelagerte Spreizklauen 2 bildet. Die Spreizklauen 2 weisen
auf ihrer dem Führungsstück 1 entgegengesetzten
Stirnseite an ihrem inneren Umfang eine schräge Gegenfläche auf, auf der sich eine
schräge
Führungsfläche abstützt, die
an einer in Ausziehrichtung hinteren Stirnseite des Einschraubkonus' 4 ausgebildet
ist und mittels dieser Führungsfläche die
Spreizklauen 2 zugestellt werden. Der Einschraubkonus 4 ist
drehbar auf der Gewinde- bzw. Ausziehspindel 7, also axial
beweglich an der Ausziehspindel 7 gelagert und weist an
seinem Außenumfang
ein Außengewinde
auf, welches in ein Innengewinde der Gewindehülse 5 eingreift. Durch
Drehen der Ausziehspindel 7 kann der Einschraubkonus 4 entgegen
der Ausziehrichtung gegen die Gegenfläche der Spreizklauen 2 axial
verfahren werden und drückt
diese dabei radial nach außen.
Hierzu sind die Spreizklauen 2 in radialen Führungsnuten
in der radialen Führungsfläche des
Führungsstückes 1 verschiebbar
geführt
(nicht dargestellt).
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Durch
Drehen der Gewindehülse 5 auf
dem Einschraubkonus 4 können
die Spreizklauen 2 am Führungsstück 1 verblockt
werden.
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An
ihren in Ausziehrichtung vorderen Ende ist die Ausziehspindel 7 mit
dem Zylinder eines hydraulischen Hohlkolbenzylinders 10 verbunden,
der an einem Querträger
der portalartigen Abstützung 9 angeordnet
ist und hydraulisch eine axiale Zugkraft in Ausziehrichtung auf
die Ausziehspindel 7 ausüben kann. Hierzu ist der hydraulische
Hohlkolbenzylinder 10 über
einen Hydraulikanschluss 11 (2)
mit einer Hochdruckpumpe (nicht dargestellt) verbunden, die Weg-gesteuert
einen Hydraulikdruck im hydraulischen Hohlkolbenzylinder 10 erzeugen
kann.
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Die
drei Spreizklauen 2 sind über einen O-Ring 13 radial
nach innen zur Ausziehspindel 7 derart vorgespannt, dass
sie in radialer Richtung nicht über
das Führungsstück 1 hervorragen,
wenn der Einschraubkonus 4 keine Axialkraft auf sie ausübt.
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Zum
Ausziehen des Ventilsitzringes 3 wird zunächst, wie
im rechten Teilschnitt der 3 gezeigt,
die Abstützung 9 so
auf das Gehäuse 8 der Brennkraftmaschine
aufgesetzt, dass die Ausziehspindel 7 mit ihrem Führungsstück 1 in
den Ventilsitzring 3 eingeführt wird. D. h., im rechten
Teilschnitt befindet sich die Ausziehvorrichtung im Montagezustand,
die Spreizklauen 2 sind mit Hilfe des O-Rings 13 eingefahren,
Einschraubkonus 4 und Gewindehülse 5 sind zurück geschraubt.
Der O-Ring 13 stellt
dabei sicher, dass die Spreizklauen 2 sich in einer eingefahren
Stellung befinden und nicht über
den Außenumfang
des Führungsstückes 1 herausragen.
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Die
den Querträger
der Abstützungen 9 lagernden
Streben sind dabei so dimensioniert, dass ein bundförmiger Vorsprung
der Spreizklauen 2 einer radialen Nut zwischen Ventilsitz 12 und
Ventilsitzring 3 gegenüberliegt,
wenn die Abstützung 9 formschlüssig an
das Gehäuse
der Brennkraftmaschine angesetzt ist.
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Anschließend wird,
wie im linken Teilschnitt der 3 gezeigt,
der Einschubkonus 4 verdreht, wodurch der Einschraubkonus 4 in
Axialrichtung der Ausziehspindel 7 entgegen der Ausziehrichtung
gegen die Spreizklauen 2 verschoben wird. Die auf der schrägen Gegenfläche der
Spreizklauen 2 auflaufende schräge Führungsfläche an der Stirnseite des Einschraubkonus 4 treibt
dabei die radial geführten Spreizklauen 2 radial
nach außen,
so dass ihr bundförmiger
Vorsprung in die Nut zwischen Ventilsitz 12 und Ventilsitzring 3 eingreift.
Dabei hintergreift der bundförmige
Vorsprung die in Ausziehrichtung hintere Kante des Ventilsitzringes 3,
während
sich eine an den Bund anschließende
Aussparung der Spreizklauen 2 formschlüssig an den Innenumfang des Ventilsitzringes 3 anlegt.
Hierdurch wird die gesamte Ausziehvorrichtung im Ventilsitzring 3 exakt
zentriert. D. h, im linken Teilschnitt der 3 befinden
sich die Spreizklauen 2 im Eingriff, die Spreizklauen 2 sind mittels
der Gewindehülse 5 formschlüssig verblockt.
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Durch
weiteres Zustellen der Gewindehülse 5 werden
die Spreizklauen 2 blockfest verspannt und so in ihrer
radialen Position selbsthemmend festgelegt. Hierzu sind in der Gewindehülse 5 Drehstiftbohrungen 6 vorgesehen,
um ein ausreichend hohes Drehmoment auf die Gewindehülse 5 aufbringen
zu können.
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Anschließend wird
die Hochdruckpumpe manuell, also mit Handkraft oder eventuell mit
Druckluft, oder im bevorzugten Ausführungsbeispiel weggesteuert
betrieben, indem eine axiale Ist-Position der Ausziehspindel 7 relativ
zur Abstützung 9 mit
einer Soll-Position verglichen wird, die sich mit zunehmender Zeit
linear in Ausziehrichtung verschiebt. Die Differenz aus axialer
Soll- und Ist-Position wird als Regeldifferenz einem PID-Regler
der Hochdruckpumpe zugeführt.
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Zu
Beginn des Ausziehvorganges verharrt aufgrund der großen Haftreibung
der Ventilsitzring 3 im Ventilsitz 12. Dementsprechend
vergrößert sich die
Regeldifferenz, so dass der Regler den von der Hochdruckpumpe an
den hydraulischen Hohlkolbenzylinder 10 gelieferten Hydraulikdruck
erhöht.
Dementsprechend übt der
hydraulische Hohlkolbenzylinder 10 eine wachsende axiale
Zugkraft auf die Ausziehspindel 7 und damit über die
Spreizklauen 2 auf dem Ventilsitzring 3 aus.
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Sobald
diese Zugkraft die Haftreibkraft überwindet, löst sich
der Ventilsitzring 3 in axialer Richtung von seinem Ventilsitz 12 und
wird in Ausziehrichtung beschleunigt. Dadurch nähern sich axiale Soll- und
Ist-Position der den Ventilsitzring 3 austreibenden Ausziehspindel 7 einander
an, so dass sich die Regeldifferenz verringert und der Regler in
der Folge den an den hydraulischen Hohlkolbenzylinder 10 gelieferten
Hydraulikdruck verringert. Damit ergibt sich vorteilhaft ein gleichmäßiger Ausziehvorgang, wie
er in der Figurenfolge 2A → 2B dargestellt
ist.
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Ist
der Ventilsitzring 3 vollständig aus seinem Ventilsitz
herausgezogen (2B), bleibt die Soll-Position
der Ausziehspindel 7 relativ zur Abstützung 9 konstant,
so dass die Hochdruckpumpe keinen Hydraulikdruck mehr an den hydraulischen
Hohlkolbenzylinder 10 liefert. Unter elastischer Rückdeformation
zieht der O-Ring 13 in der Folge die Spreizklauen 2 in
ihre Ausgangsposition hinter das Führungsstück 1 zurück, sodass
die Ausziehvorrichtung vom Gehäuse 8 der
Brennkraftmaschine abgehoben und aus dem gelösten Ventilsitzring 3 herausgezogen
werden kann.
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- 1
- Führungsstück
- 2
- Spreitzklaue
- 3
- Ventilsitzring
- 4
- Einschraubkonus
- 5
- Gewindehülse
- 6
- Drehstiftbohrung
- 7
- Ausziehspindel
- 8
- Gehäuse
- 9
- Abstützung
- 10
- Hydraulischer
Hohlkolbenzylinder
- 11
- Hydraulikanschluss
- 12
- Ventilsitz
- 13
- O-Ring