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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Landen eines Drehflüglers, der
einen Hauptrotor und einen Fenestron, der im Normalbetrieb eine
Heck-Rotorkraft erzeugt und mit mindestens einer Leitschaufel zusammenwirkt,
umfasst. Gemäß einem
zweiten Aspekt betrifft die Erfindung einen Drehflügler, der
einen Hauptrotor und einen Fenestron, der im Normalbetrieb eine
Heckrotor-Kraft erzeugt, und mit mindestens einer Leitschaufel zusammenwirkt,
umfasst.
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Derartige
Drehflügler,
insbesondere Hubschrauber, werden für eine Vielzahl von militärischen und
zivilen Zwecken eingesetzt. Nachteilig an bekannten Drehflüglern ist
der teilweise beträchtliche Lärm, den
diese beim Landen verursachen. Dieser Lärm ist ein Hindernis bei der
weiteren Verbreitung und Nutzung von Drehflüglern für zivile Einsätze, da die
Bevölkerung
mit Lärm
belastet wird. Bei militärischen
Einsätzen
führt der
Lärm zu
einer Erhöhung der
Entdeckbarkeit.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, den von einem Drehflügler abgegebenen
Lärm, insbesondere
beim Landen, zu vermindern.
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Die
Erfindung löst
das Problem durch ein Verfahren mit den Schritten (i) Senken eines
Antriebmoments auf den Hauptrotor, so dass keine Blatt-Wirbel-Wechselwirkung
am Hauptrotor auftritt und (ii) Erzeugen einer Querkraft ohne Verwendung des
Fenestrons, so dass die Heckrotor-Kraft des Fenestrons so groß bleibt,
dass keine Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung zwischen einem Leitschaufel-Wirbel
von der mindestens einen Leitschaufel und dem Fenestron entsteht.
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Gemäß einem
zweiten Aspekt löst
die Erfindung das Problem durch einen gattungsgemäßen Drehflügler, der
eine vom Fenestron unabhängige Querkraft-Erzeugungsvorrichtung
zum Erzeugen einer Querkraft umfasst, die in eine der Heckrotor-Kraft entgegengesetzte
Richtung wirkt.
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Vorteilhaft
an der Erfindung ist, dass beim Landen weniger Lärm vom Fenestron ausgeht. Es hat
sich nämlich
herausgestellt, dass bei einem Anflug, der den Lärm des Hauptrotors minimiert,
besonders häufig
dominanter Fenestron-Lärm
auftritt. Durch die erfindungsgemäße Lösung wird ein Landemanöver ermöglicht,
bei dem sowohl der Lärm
des Hauptrotors als auch der des Fenestrons besonders gering ist.
Das senkt die Lärmbelastung
der Bevölkerung
bzw. die Entdeckbarkeit bei militärischen Einsätzen.
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Es
ist ein weiterer Vorteil, dass die Verminderung des Lärms mit
relativ einfachen Mitteln möglich ist.
Der Lärm,
der von einem Drehflügler
abgestrahlt wird, rührt
in der Regel von sehr komplexen, nicht linearen Interaktionen zwischen
Rotorblättern
des Hauptrotors bzw. des Heckrotors, wie beispielsweise des Fenestron-Rotors,
einerseits und von diesen Rotoren verursachten Luftwirbeln andererseits
her. Es hat sich aber gezeigt, dass trotz der hochgradig nicht linearen
Natur der Lärmentstehung
relativ einfache Strategien ausreichen, um eine signifikante Reduzierung
des Lärms
zu erreichen.
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Vorteilhaft
ist zudem, dass das Erzeugen der Querkraft ohne Verwendung des Fenestrons
automatisierbar ist, so dass in diesem Fall der Pilot keine zusätzliche
Aufmerksamkeit auf die Lärmminderung legen
muss.
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Im
Rahmen der vorliegenden Beschreibung wird unter einem Fenestron
ein gekapselter Heckrotor eines Drehflüglers, insbesondere eine Hubschraubers
mit Heckrotor-Konfiguration
verstanden. Der Fenestron dient zum Ausgleich des Drehmoments des
Hauptrotors und ist als Impeller ausgebildet. Der Fenestron könnte damit
auch als Heckimpeller bezeichnet werden.
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Unter
dem Merkmal, dass das Antriebmoment auf den Hauptrotor so gesenkt
wird, dass keine Blatt-Wirbel-Wechselwirkung am Hauptrotor auftritt, wird
insbesondere verstanden, dass der Kollektivanstellwinkel θ0 so verändert
wird, dass das Antriebsmoment sinkt. Dadurch wird die Strömungskomponente
von unten nach oben durch die Rotorscheibe so groß, dass
keine Blatt-Wirbel-Wechselwirkung am Hauptrotor auftritt, weil beispielsweise
der Drehflügler
hinreichend schnell sinkt oder verzögert. Zum Ändern des Kollektivanstellwinkels θ0 wird insbesondere der Kollektivsteuerknüppel entsprechend
bewegt.
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Unter
dem Merkmal, dass der Fenestron im Normalbetrieb eine Heckrotor-Kraft
erzeugt, wird verstanden, dass der Fenestron beispielsweise bei
Geradeausflug die Heckrotor-Kraft erzeugt, die dem Drehmoment des
Hauptrotors entgegenwirkt. Diese Heckrotor-Kraft wirkt in der Regel
senkrecht zum Heckausleger und zeigt in Richtung der bezüglich der Hauptrotorblätter vorläufigen Seite,
zum Beispiel, wenn von oben auf den Drehflügler geblickt wird, nach rechts.
Diese Heckrotor-Kraft im Normalbetrieb wird als positiv definiert.
Der Fenestron arbeitet dann in Durchströmung, das heißt, dass
Luft zunächst durch
den Fenestron-Rotor, der den Heckrotor darstellt, strömt und danach
auf die mindestens eine Leitschaufel. Die Heckrotor-Kraft weist
in anderen Worten in Richtung des nachlaufenden Rotorblatts.
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Unter
dem Merkmal, dass der Fenestron mit mindestens einer Leitschaufel
zusammenwirkt, ist insbesondere zu verstehen, dass Luft von dem
Fenestron-Rotor auf eine Struktur trifft, die in der Regel so ausgebildet
ist, dass der Luftstrom vergleichmäßigt wird. Der Fenestron-Rotor sitzt auf einer Welle, die
eine Lagerung besitzt, die ihrerseits Teil des Heckauslegers ist.
Es ist denkbar, dass die Leitschaufel durch diese Aufhängung gebildet
ist. In der Regel sind jedoch mehrere Leitschaufeln vorhanden, um
den Wirkungsgrad des Fenestron-Rotors zu erhöhen.
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Unter
dem Merkmal, dass das Antriebsmoment auf den Fenestron-Rotor so
gesenkt wird, dass keine Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung auftritt,
ist zu verstehen, dass das Antriebsmoment auf einen solchen Wert
gesenkt wird, dass von Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung hervorgerufener zusätzlicher Lärm unterhalb
von beispielsweise 6 dB(A) liegt. Das typische Hubschraubergeräusch wird
durch derartige Blatt-Wirbel-Wechselwirkungen
(englisch: blade vortex interaction, BVI) hervorgerufen. Wird das
Antriebsmoment auf einen kleinen Wert abgesenkt, der beispielsweise
kleiner ist als 10% des maximalen Antriebsmoments, so sinkt der
Drehflügler
so schnell, dass von einem Blatt des Hauptrotors hervorgerufene
Wirbel sich hinreichend weit nach oben von dem Drehflügler entfernt
haben, als dass ein nachfolgendes Blatt mit dem Wirbel in signifikante
Wechselwirkung treten könnte.
Bei hinreichend kleinem Antriebsmoment ist der Drehflügler daher
besonders leise.
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Unter
dem Merkmal, dass eine Querkraft ohne Verwendung des Fenestrons
erzeugt wird, so dass die Heckrotor-Kraft des Fenestrons so groß bleibt,
dass keine Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung zwischen
einem Leitschaufel-Wirbel von der mindestens einen Leitschaufel
und dem Fenestron entsteht, wird insbesondere verstanden, dass der
Fenestron keine oder eine betragsmäßig möglichst kleine negative Heckrotor-Kraft erzeugt. Dadurch
wird vermieden, dass der Fenestron in Rückströmung arbeitet. Der Leitschaufel-Wirbel
könnte
auch als Leitschaufel-Nachlauf bezeichnet werden.
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Arbeitet
der Fenestron in Rückströmung, so strömt Luft
zunächst
an der mindestens einen Leitschaufel vorbei und dann auf den Fenestron-Rotor zu.
Es hat sich gezeigt, dass beim Vorbeiströmen der Luft einer mindestens
einen Leitschaufel Wirbel entstehen, mit denen der Fenestron-Rotor
wechselwirken und dabei Lärm
erzeugen kann. Der durch diese Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung hervorgerufene Lärm ist umso
stärker,
je größer die
Strömungsgeschwindigkeit
in Rückströmung durch
den Fenestron-Rotor ist. In der Rückströmung erzeugt der als Fenestron
ausgebildete Fenestron-Rotor eine negative Heckrotor-Kraft. Diese
negative Heckrotor-Kraft wird benötigt, wenn das Antriebsmoment
auf sehr kleine Werte gesenkt wird. In diesem Fall ist nur noch ein
sehr kleines Drehmoment notwendig, um das Drehmoment vom Hauptrotor
zu kompensieren.
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Da
der Heckausleger von Drehflüglern
in der Regel so konstruiert ist, dass eine kompensierende Kraft
bei Geradeausflug erzeugt wird, um den Fenestron beim Geradeausflug
zu entlasten, kann diese Entlastungskraft bei schnellem Sinkflug
durch kleines Antriebsmoment so groß werden, dass der Fenestron
in Rückströmung arbeiten
müsste,
um den Schiebewinkel klein zu halten. Das aber führt zu unangenehmem Fenestron-Lärm. Dadurch,
dass die Querkraft ohne Verwendung des Fenestron erzeugt wird, wird
erreicht, dass der Fenestron nicht oder nur so geringfügig in Rückströmung arbeiten
muss, dass die Lärmbelastung
gering bleibt.
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Bevorzugt
ist der Drehflügler
ein Hubschrauber, der eine Querkraft-Erzeugungsvorrichtung zum Erzeugen
einer Querkraft, die in eine der Heckrotor-Kraft entgegengesetzte
Richtung wirkt, verwendet, wobei die Querkraft dadurch erzeugt wird,
dass die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung entsprechend angesteuert
wird. Bei einer derartigen Querkraft-Erzeugungsvorrichtung handelt
es sich bevorzugt um eine passive Vorrichtung, die einen Luftstrom
so umlenkt, dass die Querkraft entsteht. Alternativ ist aber auch
denkbar, eine aktive Querkraft-Erzeugungsvorrichtung vorzusehen,
die mittels eines Motors die Querkraft erzeugt.
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Gemäß einer
nicht gezeigten alternativen Ausführungsform umfasst die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung
Strömungskontrollvorrichtungen,
die zum Beispiel ein Ausblasen oder Absaugen von Luft am Heckausleger
ermöglichen
und so die notwendige Querkraft erzeugen.
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Zum
Beenden der Landung umfasst das Verfahren bevorzugt die Schritte
eines Erhöhens
des Antriebsmoments auf den Hauptrotor, so dass die Querdurchströmung durch
den Hauptrotor so groß ist, dass
keine Blatt-Wirbel-Wechselwirkung auftritt, und eines Aufsetzens
des Hubschraubers auf dem Boden.
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Bevorzugt
wird die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung so angesteuert, dass die
Querkraft so groß ist,
dass der Hubschrauber mit seiner Längsachse in Flugrichtung aus gerichtet
ist. In anderen Worten ist der Schiebewinkel β klein, beispielsweise kleiner
als 10°.
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Bevorzugt
umfasst das Ansteuern der Querkraft-Erzeugungsvorrichtung die Schritte
eines Erfassens einer Geschwindigkeit, insbesondere einer Vorwärtsgeschwindigkeit,
des Hubschraubers relativ zur umgebenden Luft und eines automatischen
Ansteuerns der Querkraft-Erzeugungsvorrichtung und/oder des Fenestron-Rotors,
so dass keine Blatt-Nachlauf-Wechselwirkung zwischen dem Leitschaufel-Wirbel
und dem Fenestron-Rotor entsteht. Das ist insbesondere dann vorteilhaft,
wenn die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung passiv ist, das heißt, dass
die erzeugte Querkraft von der Geschwindigkeit abhängt. Wenn
es sich bei der Querkraft-Erzeugungsvorrichtung beispielsweise um
ein Seitenruder handelt, hängt
die erzeugte Querkraft von der Vorwärtsgeschwindigkeit gegenüber der
umgebenden Luft ab.
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Denkbar
ist auch, dass die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung so angeordnet
ist, dass die erzeugte Querkraft von einer Sinkgeschwindigkeit relativ
zur umgebenden Luft abhängt.
Um den Piloten zu entlasten ist es günstig, die Ansteuerung automatisiert durchzuführen, so
dass der Hubschrauber wie ein nicht-erfindungsgemäßer Hubschrauber
geflogen werden kann und trotzdem Fenestron-Lärm vermieden wird.
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Bevorzugt
verläuft
der Luftstrom stets von dem Fenestron-Rotor auf die mindestens eine
Leitschaufel zu. So wird besonders wenig Lärm erzeugt, weil die Fenestron-Rotorblätter sich
nie durch den eigenen Nachlauf bewegen müssen.
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Alternativ
oder additiv kann die Querkraft ohne Verwendung des Fenestron durch
Gieren des Hubschraubers erzeugt werden. In anderen Worten wird
die Querkraft dadurch ohne Verwendung des Fenestrons erzeugt, dass
der Schiebewinkel vergrößert wird.
Auf diese Weise können
bereits existierende Hubschrauber lärmarm gelandet werden. Nachteilig
ist jedoch, dass ein entsprechender Anflug für Passagiere ungewöhnlich sein
kann.
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Bei
einem erfindungsgemäßen Drehflügler, der
bevorzugt ein Hubschrauber ist, kann die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung
ein Seitenruder umfassen. Ein derartiges Sei tenruder ist beispielsweise
am Heckausleger angebracht und übt
die Querkraft dadurch aus, dass von vorne auf den Drehflügler zuströmende Luft
zur Seite umgeleitet wird. Unter einem Seitenruder wird jede luftströmungsumleitende Struktur
verstanden, die um eine bezüglich
des Koordinatensystems des Drehflüglers vertikale Achse schwenkbar
ist.
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Alternativ
oder additiv ist die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung so angeordnet,
dass sie bei einem Sinkflug eine Querkraft erzeugt. Besonders bevorzugt
ist die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung dann
so angeordnet, dass sie eine einstellbare Querkraft erzeugt. Wenn
der Drehflügler,
insbesondere der Hubschrauber, mit geringem Antriebsmoment betrieben
wird, so sinkt der Drehflügler
relativ schnell. Die dadurch hervorgerufene hohe relative Strömungskomponente
von unten nach oben im Hubschrauber-Koordinatensystem zur umgebenden
Luft kann ausgenutzt werden, um die Querkraft zu erzeugen. Dazu
ist die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung bevorzugt um eine Längsachse
des Drehflüglers schwenkbar
gelagert.
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Um
den Piloten zu entlasten ist die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung
bevorzugt automatisiert betreibbar, so dass sich der Pilot um deren
Steuerung nicht weiter kümmern
muss und trotzdem Lärmarm
anfliegen kann.
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Bevorzugt
umfasst der Drehflügler
eine Ansteuereinheit, die ausgebildet ist zum automatischen oder
halbautomatischen Durchführen
eines oben genannten erfindungsgemäßen Verfahrens.
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Im
Folgenden wird die Erfindung anhand exemplarischer Ausführungsbeispiele
mit Bezug auf die beigefügten
Zeichnungen näher
erläutert.
Dabei zeigt:
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1 eine
schematische Zeichnung zur Erläuterung
eines erfindungsgemäßen Landeverfahrens
für einen
Hubschrauber,
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2 einen
Verlauf des Schiebewinkels bei dem Landeverfahren nach 1 bei
gleich bleibender Heckrotor-Kraft,
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3 eine
schematische Darstellung von an einem Heckausleger eines erfindungsgemäßen Hubschraubers
wirkenden Kräften
im Normalbetrieb,
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4 eine
Darstellung der Kräfte
für den Fall,
dass der Hubschrauber mit einem geringen Antriebsmoment betrieben
wird und schnell sinkt und schnell geradeaus fliegt,
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5 ein
Ausführungsbeispiel
eines erfindungsgemäßen Hubschraubers
in einer Ansicht von der Seite und
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6 eine
Ansicht des Hubschraubers gemäß 4 von
oben.
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7 zeigt
eine zweite Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen Hubschraubers.
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1 zeigt
einen erfindungsgemäßen Drehflügler in
Form eines Hubschraubers 10, der einen Hauptrotor 12 und
einen Fenestron 14 aufweist, in einem schematischen Anflugplan
auf einen Landeplatz 16. Zunächst fliegt der Hubschrauber 10 mit
einem Antriebsmoment MAntrieb von mehr als
50%, insbesondere 60% eines maximalen Antriebsmoments MAntrieb,max zu
einem Punkt 18, in dem der Landeanflug beginnt. Vor dem
Erreichen des Punkts 18 ist der Hubschrauber im Steigflug
von beispielsweise mehr als 2°,
im vorliegenden Fall 3°,
mit einer Steigrate von mehr als 300 ft/min, beispielsweise 590
ft/min, bei einer Geschwindigkeit von oberhalb 90 kn, im vorliegenden
Fall 110 kn geflogen.
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In
Punkt 18 wird das Antriebsmoment MAntrieb auf
einen Wert von unter 12% des maximalen Antriebmoments MAntrieb,max,
beispielsweise auf 6%, gedrosselt. Dadurch sinkt der Hubschrauber 10 in
einer Sinkflugphase 20 so schnell, dass keine Blatt-Wirbel-Wechselwirkung
auftritt. Beispielsweise ist eine Trajektorie 22 in der
Sinkflugphase 20 um einen Steigwinkel γa von
weniger als –10°, beispielsweise –16°, gegen die
Horizontale H geneigt. Die Geschwindigkeit liegt bei unter 90 kn,
beispielsweise bei 75 kn und die Sinkgeschwindigkeit oberhalb von
beispielsweise 1800 ft/min, im vorliegenden Fall 2170 ft/min.
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Die
Sinkflugphase 20 geht in eine kurze Anflugphase 24 über, in
der das Antriebsmoment MAntrieb auf über 50%,
beispielsweise 60%, gesteigert wird und der Hubschrauber 10 auf
dem Landeplatz 16 aufsetzt.
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2 zeigt
die Abhängigkeit
eines Schiebewinkels β vom
Abstand von dem Landeplatz 16. Es ist zu erkennen, dass
der Schiebewinkel β in
der Sinkflugphase 20 von Null verschieden ist. So ist es möglich, dass
die Position eines Fußpedals,
das den Fenestron 14 steuert, während der vollständigen Landephase 26 konstant
gehalten wird. Vorteilhaft bei einem derartigen Anflug ist neben
der geringen Geräuschbelastung,
das ein Sichtfeld 28 besonders günstig auf den Landeplatz 16 gerichtet
ist. Der Fenestron-Lärm
ist bei diesem Landemanöver
ungefähr so
groß wie
im Steigflug.
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3 zeigt
den Hubschrauber 10 mit den an einem Heckausleger 30 wirkenden
Kräften.
Das Antriebsmoment MAntrieb, das angelegt
wird, um einen Hauptrotor 31 mit einer Kreisfrequenz ω zu bewegen, führt zu einer
Momentenkraft FM. Die Momentenkraft FM wird ausgeglichen durch eine Heckrotor-Kraft
FF (F steht für Fenestron) und eine Seitenleitwerk-Kraft FS, die von einem Seitenleitwerk 32 ausgeübt wird, wenn
sich der Hubschrauber 10 mit einer Vorwärtsgeschwindigkeit vvorwärts relativ
zur Luft bewegt. Das Seitenleitwerk 32 ist bei herkömmlichen
Hubschraubern starr und dient dazu, um beim Geradeausflug die Leistung,
die der Fenestron 14 aufbringen muss, zu verringern und
so Kraftstoff zu sparen.
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4 zeigt
die Situation, in der die Momentenkraft FM deutlich
verringert ist, weil das Antriebsmoment MAntrieb für einen
leisen Sinkflug stark reduziert worden ist. Die Seitenleitwerk-Kraft
ist jedoch weitgehend unverändert,
weil die Vorwärtsgeschwindigkeit
vvorwärts,
sich kaum verändert
hat. In diesem Fall muss der Fenestron 14 eine negative
Heckrotor-Kraft FF aufbringen. Die oben
geschilderte Situation tritt bei herkömmlichen Hubschraubern dann
ein, wenn sie mit geringem Antriebsmoment MAntrieb sich
in der in 1 gezeigten Sinkflugphase 20 befinden.
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In
der in 4 gezeigten Situation strömt Luft wie durch den Pfeil 34 angegeben,
zuerst auf in 4 nicht sichtbare Leitbleche
(vergleiche 7, Bezugszeichen 50)
und von diesen auf den Heckrotor, der als Fenestron-Rotor ausgebildet
ist. Es entsteht dann unerwünschter
Fenestron-Lärm.
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5 zeigt
einen erfindungsgemäßen Hubschrauber 10,
der zwei Querkraft-Erzeugungsvorrichtungen
aufweist, nämlich
ein Seitenruder 36 und ein verstellbares Seitenleitwerk 38,
wobei eines von beiden ausreichend wäre. Das Seitenruder 36 und das
verstellbare Seitenleitwerk 38 sind mit zugehörigen Stellmotoren
versehen und mit einer Ansteuereinheit 40 verbunden. Die
Ansteuereinheit 40 steht ihrerseits in Verbindung mit einem
Geschwindigkeitsmesser 42 in Form eines Staurohrs und einem
Winkelsensor 44 an einem Kollektivhebel zum Steuern des
Hubschraubers 10. Die Ansteuereinheit 40 erfasst
die Geschwindigkeit und den Winkel und steuert das Seitenruder 36 und
das verstellbare Seitenleitwerk 38 so an, dass eine Querkraft
FQ (vergleiche 4) erzeugt
wird, die so groß ist,
dass die Heckrotor-Kraft FF wieder in die
Richtung weisen kann, in der Luft zunächst durch den Fenestron und
erst danach durch die Leitbleche strömt.
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Alternativ
zur Verwendung des Seitenruders 36 kann auch das gesamte
obere Teil des mittleren Seitenleitwerks um die Hochachse gedreht
werden, um seinen Anstellwinkel zu ändern.
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Die
Ansteuereinheit 40 kann so ausgebildet sein, dass sie erfasst,
wenn der Kollektivhebel hochgezogen ist, wobei dann alle erforderlichen
aerodynamischen Seitenkräfte
auf die Seitenleitwerke in Richtung der Seite der vorlaufenden Hauptrotorblät ter einzustellen
sind, um die Leistung zu optimieren, ohne Fenestron-Lärm zu riskieren.
Bei einer Kollektivhebelstellung im unteren Bereich würden die
aerodynamischen Kräfte
an den Seitenleitwerken in die andere Richtung eingestellt, so dass
der Fenestron immer noch in normaler Richtung belastet ist und damit
leise bleibt. Die zusätzliche
Berücksichtigung
der Geschwindigkeit erlaubt es, die Werte der Anstellwinkel und/oder
der Ruderausschläge
an die Geschwindigkeit anzupassen, um die gewünschten seitlichen Kräfte für unterschiedliche
Staudruckwerte am Geschwindigkeitsmesser 42 zu erhalten.
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6 zeigt
den Hubschrauber gemäß 5 in
der Sinkflugphase 20 (vergleiche 1), bei
dem das verstellbare Seitenleitwerk 38 und das Seitenruder 36 so
eingestellt sind, dass die Heckrotor-Kraft FF in
die gleiche Richtung weist wie im Normalbetrieb, also in positiver
Richtung.
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7 zeigt
einen weiteren erfindungsgemäßen Hubschrauber 10,
bei dem die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung durch einen um eine
Längsachse
L des Hubschraubers schwenkbaren Stabilisator 48 gebildet
ist. Bewegt sich der Hubschrauber 10 mit einer Sinkgeschwindigkeit
vsink, so wird der Stabilisator von unten
mit Luft angeströmt
und erzeugt die gewünschte
Querkraft FQ. Der Fenestron 14 kann
dann weiter so arbeiten, dass Luft zunächst durch den Fenestron und
dann durch die Leitschaufeln 50.1, 50.2, ... strömt.
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Zusammenfassend
wird durch die Erfindung vermieden, dass der Fenestron im Zustand
der Rückströmung arbeitet.
Im Normalfall verläuft
die Durchströmung
des Fenestron derart, dass sie zuerst (erste Stufe) durch den Fenestron-Rotor
(Heckrotor) führt und
danach (zweite Stufe) durch den Fenestron-Stator (Leitschaufeln).
In diesem Fall ist die Schallentstehung in Folge der Wechselwirkung
aus Rotoren und Statoren durch Einsaugen des Nachlaufs der ersten Stufe
in die zweite Stufe minimal. Die Schallentstehung an einem Blatt
(Rotor oder Stator) wächst
mit der Zeitableitung des Drucks auf seiner Oberfläche. Im
Normalfall bewegt sich der Nachlauf des Rotors mit der Strömungsgeschwindigkeit
parallel zur Fenestron-Drehachse auf die zweite Stufe (Stator, Leitschaufeln).
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Wenn
der Anstellwinkel der Fenestron-Rotorblätter so gestellt wird (durch
Pedal, Bewegung des Piloten), dass die Strömung durch den Fenestron in
die andere Richtung verläuft,
was benötigt
wird, um die Fenestron-Schubrichtung zu ändern, dann läuft der
Nachlauf des Stators in den Rotor. Dieser Nachlauf kann erstens
stark turbulent (verwirbelt) sein, da die Strömung der Statorblätter in
der falschen Richtung überströmt (zuerst
Hinterkante, dann Vorderkante). Zweitens erzeugt der Statorblatt-Nachlauf auf jedem
Rotorblatt viel schnellere und intensivere Druckschwankungen, da
der Nachlauf nicht nur mit der Durchströmungsgeschwindigkeit am Fenestron auf
die Blätter
trifft, sondern auch mit der hohen Rotorblattgeschwindigkeit (hohe
Drehzahl). Dieses führt in
der Folge zu sehr hohen Werten der Zeitableitung des Blattdrucks
und damit zu hoher Schallabstrahlung von den Rotorblättern des
Fenestron. Der Rückströmungsfall
kann 16 db(A) lauter sein als der vorher beschriebene Normalfall
und der laute Fenestron-Lärm
wird als besonders störend
wahrgenommen.
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Um
das Drehmoment von der Luft auf den Rumpf, das durch den Luftwiderstand
an den Hauptrotorblättern
erzeugt wird, auszugleichen, muss eine laterale aerodynamische Kraft
am Heck erzeugt werden. Um bei bekannten Hubschraubern im Vorwärtsflug
den Leistungsbedarf insgesamt minimal zu halten und hauptsächlich auf
den Hauptrotor zu konzentrieren, ist es notwendig, die Leistung
am Fenestron möglichst
weit zu reduzieren. Hierzu werden Seitenleitwerke mit einem festen
Anstellwinkel und/oder einen unsymmetrischen Profil eingesetzt.
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Der
Fenestron ist für
diesen Normalfall ausgelegt: Die Luft strömt durch den Rotor, der auf
der Steuerbordseite liegt und danach durch den Stator, der auf der
Backbordseite liegt. Die Unterscheidung der Seiten muss für den generellen
Fall nicht durch Backbord und Steuerbord definiert werden, sondern durch
die Berücksichtigung
der Hauptrotor-Drehrichtung. Generell ausgedrückt weisen im Normalfall, das
heißt
im Normalbetrieb, die seitlichen Luftkräfte auf dem Heckausleger in
Richtung der Seite der vorlaufenden Hauptrotorblätter.
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Die
Fenestron-Rückströmung kann
entstehen, wenn die Schubrichtung vom Fenestron umgekehrt werden
muss. Das kann für
Kursabweichungsmanöver
notwendig sein, aber auch bei Flugzuständen nah an oder in der Autorotation,
für welche
die aerodynamische Seitenkraft am Heck Null oder fast Null sein
soll, weil hier auch kein Drehmoment auf dem Hauptrotormast benötigt wird.
Der Hauptrotor läuft
fast leer, der Luftwiderstand an den Blättern wird direkt am Blatt
durch den Antrieb infolge der Anströmung von unten nach oben ausgeglichen.
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Um
zu vermeiden, dass sich von null verschiedene Schiebewinkel β ergeben, ändert der
Pilot dann mit Hilfe der Pedale den Fenestron-Schub, um ihn in die
Gegenrichtung zu stellen. Der Autorotationsflug ist tatsächlich auch
ein Vorwärtsflug,
bei dem die Seitenleitwerke bei gleichzeitigem Sinken angeströmt werden.
Die Fenestron-Schubrichtung
und seine Strömungsrichtung
sind umgekehrt, was aus den oben erwähnten Gründen sehr laut ist.
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Die
Steuerung der Querkraft-Erzeugungsvorrichtung kann von Hand geschehen
oder automatisch. Die automatische Lösung kann durch einen speziellen
Regler geleistet werden, der beliebig viele Flugparameter, wie beispielsweise
die Drehmomente der Triebwerke oder des Hauptrotors, die Geschwindigkeit,
Releativgeschwindigkeiten zur Luft, und so weiter, und Pilotenangaben,
wie Pedal- oder Kollektivhebelstellung, berücksichtigt. Eine einfache und
effiziente Lösung
ist es, die Querkraft-Erzeugungsvorrichtung, insbesondere ein verstellbares
Seitenleitwerk oder Seitenruder mit dem Kollektivhebel zu koppeln.
Der kollektive Anstellwinkel auf dem Hauptrotor, der mit dem Kollektivhebel
gesteuert ist, steuert auch fast linear das Hauptrotordrehmoment,
was wiederum den Bedarf an Seitenkräften am Heck bestimmt. Die
Seitenleitwerksteuerung kann so entworfen werden, dass für jeden
kollektiven Anstellwinkel am Hauptrotor der Fenestron mit immer
genug Schub in Richtung der Seite des vorlaufenden Hauptrotorblatts arbeitet
und mithin ohne Schiebewinkel geflogen werden kann. Im Vergleich
zum heutigen Zustand würden
dann die Seitenleitwerke und/oder angebrachte Ruder ihren Anstellwinkel ändern, wenn
der Kollektivhebel gesenkt wird. Das kann, muss aber nicht, im Rahmen
einer linearen Abhängigkeit
erfolgen. Diese Abhängigkeit
der Seitenleitwerksteuerung vom Kollektivhebel könnte für eine mittlere gesamte Geschwindigkeit
von beispielsweise ungefähr
75 kn ausgelegt sein.
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Bevorzugt
ist die Ansteuereinheit 40 so ausgelegt, dass Notfallmanöver, wie
etwa die volle Autorotationslandung durch eine Panne der Ansteuereinheit
nicht eingeschränkt
werden.
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Die
Ansteuereinheit der Seitenleitwerke könnte auch weiteren Zwecken
dienen, beispielsweise könnten
bei einem Ausfall des Fenestrons die steuerbaren Seitenleitwerke
eine Ersatzkontrolle des Headings ermöglichen.
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- 10
- Hubschrauber
- 12
- Hauptrotor
- 14
- Fenestron
- 16
- Landeplatz
- 18
- Punkt
- 20
- Sinkflugphase
- 22
- Trajektorie
- 24
- Anflugphase
- 26
- Landephase
- 28
- Sichtfeld
- 30
- Heckausleger
- 32
- Seitenleitwerk
- 34
- Pfeil
- 36
- Seitenruder
- 38
- verstellbares
Seitenleitwerk
- 40
- Ansteuereinheit
- 42
- Geschwindigkeitsmesser
- 44
- Winkelsensor
am Kollektivknüppel
- 46
- oberes
Teil
- 48
- Stabilisator
- 50
- Leitschaufel
- MAntrieb
- Antriebsmoment
- MAntrieb,max
- maximales
Antriebsmoment
- αγa
- Steigwinkel
- β
- Schiebewinkel
- ω
- Kreisfrequenz
- FM
- Momentenkraft
- FF
- Heckrotor-Kraft
- FQ
- Querkraft
- Fs
- Seitenleitwerk-Kraft
- Vvorwärts
- Vorwärts-Geschwindigkeit
relativ zur Luft
- Vsink
- Sinkgeschwindigkeit