-
Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum schnellen Anfahren eines Kraftfahrzeugs
und eine Vorrichtung zu dessen Durchführung, insbesondere eines
Nutzfahrzeugs, das mit einer Feststellbremse und einer Betriebsbremse
ausgerüstet ist, bei dem die Bremswirkung der eingelegten
Feststellbremse erst gelöst wird, wenn die Betriebsbremse
betätigt wird.
-
Eine
Feststellbremse dient zum Halten des Fahrzeugs in Stillstand, ohne
Gefahr zu laufen, dass das Fahrzeug wegrollt. Die Feststellbremse
umfasst in der Regel wenigstens eine Radbremse und ein Betätigungselement, über
das die Radbremsen geschlossen und gelöst werden können.
-
Demgegenüber
bezweckt die Betriebsbremse die Reduzierung der Geschwindigkeit
des Fahrzeugs. Zusätzlich wird sie zum Halten des Fahrzeugs im
Stand genutzt, jedoch nicht zum sicheren Abstellen des Fahrzeugs
im Stand. Die Betriebsbremsanlage umfasst ebenfalls ein Betätigungselement, über das
die Radbremse geschlossen werden kann. Dieselbe Radbremse kann sowohl
der Feststellbremse als auch der Betriebsbremse zugeordnet werden.
-
Aus
der
DE 103 57 121 ist
ein Verfahren zum Schließen einer Feststellbremse eines
Fahrzeugs bekannt, bei dem die Feststellbremse selbsttätig
geschlossen wird. Wenn sich das Fahrzeug im Stillstand befindet
und der Motor aus ist, wird die Feststellbremse erst selbsttätig
geschlossen, wenn eine Betriebsbremse betätigt wird und
die Zündung des Fahrzeugs ausgeschaltet ist. Dadurch wird
die Feststellbremse nur bei tatsächlichem Bedarf geschlossen.
-
Gerade
bei Fahrzeugen im Sondereinsatz, bei denen es auf ein schnellstmögliches
Verlassen der Standposition ankommt, wäre es wünschenswert,
um Zeit zu gewinnen den Anfahrvorgang vom Starten des Motors bis
zum Lösen der Feststellbremse verkürzen zu können.
-
Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren mit zugehöriger
Vorrichtung zu dessen Ausführung zu schaffen, das den Anfahrvorgang
des Fahrzeugs entsprechend verkürzt.
-
Diese
Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Kennzeichen
des Anspruchs 1 und des Anspruchs 12 genannten Merkmale gelöst.
-
Die
erfindungsgemäße Schnellstartbremse kann für
alle gängigen Feststell- und Betriebsbremssysteme eingesetzt
werden wie z. B. Druckluftbremssysteme, hydraulische und mechanische
sowie elektronisch gesteuerte Bremssysteme. Denkbar ist auch, Feststellbremsanlagen
und Betriebsbremsanlagen unterschiedlicher Bremssysteme miteinander zu
kombinieren.
-
Im
Folgenden wird von einer Feststellbremsanlage und einer Betriebsbremsanlage
ausgegangen, bei denen die Bremskraft jeweils durch Druckluft erzeugt
wird. Mit Stillstand des Fahrzeugs wird die Feststellbremse mit
ihrem Betätigungsorgan betätigt. Eine mit Druckluft
befüllte Druckluftleitung wird dabei auch als belüftet
oder als druckluftbeaufschlagt bezeichnet. Durch Entlüftung
der Druckluftleitung kann sich eine Druckfeder in einem Bremskolben
entspannen und in Bremsstellung übergehen. Gleichzeitig wird
das in der Druckluftleitung angeordnete weitere Steuerventil geöffnet,
wodurch die Druckluftleitung der Feststellbremsanlage entlüftet
wird. Das Nutzfahrzeug wird rollsicher in Stillstand gehalten. Mit
Erkennung des Anfahrwunsches wird die Betriebsbremsanlage aktiviert,
sodass die Betriebsbremse mit einer das Fahrzeug im Stillstand haltenden Bremskraft
beaufschlagt werden kann. Je nach Standortgefälle kann
an die Betriebsbremsanlage eine unterschiedliche Bremskraft angelegt
werden. Vorteilhaft ist, dass in der Druckluftleitung der Feststellbremse
das weitere Steuerventil geschlossen wird, wodurch die Druckluftleitung
in einen ersten Teil zwischen dem weiteren Steuerventil und der
Feststellbremse und einen zweiten Teil zwischen dem Betätigungsorgan
und dem weiterem Steuerventil aufgeteilt wird. Durch diese Unterteilung
bleibt die Bremswirkung an der Feststellbremse erhalten, während
in dem zweiten Teil der Druckluftleitung der Feststellbremse das
Betätigungsorgan der Feststellbremse gelöst werden
kann. Durch Schließen des Steuerventils wird nun auch die
Betriebsbremse mit einem den Stillstand des Fahrzeugs sichernden Bremsdrucks
beaufschlagt. In der Folge kann das weitere Steuerventil der Druckluftleitung
der Feststellbremse geöffnet werden, wodurch die Bremswirkung
der Feststellbremse aufgehoben wird. Das Fahrzeug wird nun erfindungsgemäß einzig
durch die Bremswirkung der Betriebsbremse in Stillstand gehalten.
Wenn in der Folge das Antriebsmoment des Fahrzeugs durch Betätigung
des Fahrpedals erhöht wird und das Bremsmoment der Betriebsbremse übersteigt,
löst sich automatisch die Betriebsbremse und das Fahrzeug
rollt entsprechend dem Antriebsmoment in der vorgewählten
Fahrstufe bzw. dem Fahrgang an. Das erfindungsgemäße
Verfahren ist auch für Fahrzeuge im Verteilerverkehr anwendbar und
kann den Fahrer entlasten und seinen Komfort erhöhen. Ein
ungewolltes Anfahren gegen eine eingelegte Feststellbremse kann
verhindert werden, wodurch sich der Verschleiß der Bremse
und der Kraftstoffverbrauch senken lässt. Mit Hilfe des
erfindungsgemäßen Verfahrens kann der Fahrer nach
dem Einsteigen sofort losfahren. Denkbar ist zusätzlich,
dass bei einem halb-/automatischen Gangwechselgetriebe vor dem Lösen
der Betriebsbremse zum Anfahren des Fahrzeugs bereits eine erste
(niedrige) Fahrstufe eingelegt ist.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird die Bremskraft
der Feststellbremse sowie der Betriebsbremse durch Druckluft erzeugt. Druckluftbremsen
eignen sich besonders für mittelschwere und schwere Lastkraftwagen
bzw. Omnibusse zur Generierung der erforderlichen Bremswirkung.
Die Druckluft kann in Druckluftvorratsbehältern gespeichert
werden und wirkt direkt auf die Membran- oder Kolbenbremszylinder
ein, die die Bremswirkung durch Reibung in der Radbremse erzeugen.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird die Druckluftzufuhr
der Feststellbremse und/oder der Betriebsbremse elektronisch geregelt.
Vorteilhaft ist, dass erfindungsgemäß alle Bremssysteme
und Bremstypen eingesetzt und miteinander kombiniert werden können.
Die (weiteren) Steuerventile können bei Fahrzeugen mit
elektronischem Bremssystem oder mit elektrischer oder elektronischer
Feststellbremse durch funktionsgleiche elektronische Steuerungen
ersetzt werden.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird der Anfahrwunsch
durch die Betätigung der Kupplung oder des Fahrpedals erkannt.
Die erfindungsgemäße Schnellstartbremse kann für
manuelle Schaltgetriebefahrzeuge eingesetzt werden. Gleichermaßen
kann der Anfahrwunsch durch die Einlegung eines vorbestimmten Fahrgangs
oder einer Fahrstufe erkannt werden. Die Erfindung kann bei Fahrzeugen
mit halbautomatischen und mit automatischen Gangwechselgetrieben
eingesetzt werden.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird der Anfahrwunsch
durch die Betätigung eines Auslöseorgans einer
fahrzeugimmanenten Schnellstarteinrichtung erkannt. Die erfindungsgemäße
Schnellstartbremse eignet sich besonders für Einsatzfahrzeuge
mit eingebauten Schnellstarteinrichtungen. Dergleichen Fahrzeuge
sind z. B. Feuerwehr-, Rettungs-, Militärfahrzeuge etc..
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird zur Teilung
der Druckluftleitung zwischen einem Betätigungsorgan der
Feststellbremse und der Feststellbremse in die Druckluftleitung
der Feststellbremsanlage ein weiteres Steuerventil eingesetzt. Bei
einer elektrischen oder elektronischen Feststellbremse kann die
Funktion des weiteren Steuerventils 4 durch die Elektronik
der Feststellbremse dargestellt werden. In diesem Fall kann von der
Anordnung eines separaten weiteren Steuerventils abgesehen werden.
In gleicher Weise kann zur Aufrechterhaltung der Bremswirkung der
Feststellbremse bei gelöstem Feststellbrems-Betätigungsorgan
die Datenübermittlung bezüglich Bremsdauer und/oder
-intensität zwischen dem Betätigungsorgan der
Feststellbremse und der Feststellbremse durch eine elektronische
Steuerung geregelt werden. Hierdurch wird erreicht, dass die Bremswirkung
der Feststellbremse erhalten bleibt, wenngleich das Betätigungsorgan
der Feststellbremse bereits gelöst ist.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird in einer
Druckluftleitung der Betriebsbremse ein Steuerventil angeordnet,
das die Einspeisung von Druckluft in die Betriebsbremsanlage aus einem
alternativen Druckluftvorratsbehälter ermöglicht.
Die Druckluftversorgung bleibt dadurch auch dann erhalten, wenn
sie anderweitig nicht realisierbar ist.
-
Nach
einer anderen Ausführungsform der Erfindung wird das weitere
Steuerventil mittels einer mechanischen Notlöseeinrichtung
vom Fahrer wieder in die Fahrstellung gebracht. Das erfindungsgemäße
Verfahren mit dazugehöriger Vorrichtung kann somit im Notfall
jederzeit außer Kraft gesetzt werden.
-
Weitere
Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus
der folgenden Beschreibung verschiedener Ausführungsformen
der Erfindung sowie anhand der Zeichnung. Hierbei zeigen:
-
1 das
erfindungsgemäße Verfahren in einem Flussdiagramm,
-
2 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens in Fahrtstellung,
-
3 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach Abstellen des Fahrzeugs,
-
4 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach Schließen des weiteren Steuerventils,
-
5 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens entsprechend 4 nach Lösen des Betätigungsorgans
der Feststellbremse,
-
6 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach Betätigung der Betriebsbremse,
-
7 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach Lösen der Feststellbremse,
-
8 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens nach Lösen der Betriebsbremse,
-
9 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse in Fahrtstellung,
-
10 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse und betätigter
Feststellbremse,
-
11 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse und geschlossenem weiteren
Steuerventil,
-
12 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse und gelöstem Betätigungsorgan
der Feststellbremse,
-
13 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse nach Betätigung
der Betriebsbremse,
-
14 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse nach Lösen der
Feststellbremse und
-
15 eine
schematische Darstellung des erfindungsgemäßen
Verfahrens mit einer Haltestellenbremse nach Lösen der
Betriebsbremse.
-
1 zeigt
im Flussdiagramm die einzelnen Stadien der Aktivierung der erfindungsgemäßen Schnellstartbremse.
Bei 43 ist die Schnellstartbremse inaktiv. Vor der Aktivierung
des erfindungsgemäßen Verfahrens werden je nach
Art des Gangwechselgetriebes des Fahrzeugs die nachfolgend beschriebenen
Parameter geprüft. Bei einem Fahrzeug mit manuellem Gangwechselgetriebe
(SG) muss in 1 das Kupplungspedal zumindest
zu 95% getreten sein (Ziffer 44). Der Prozentsatz (95%)
ist nur beispielhaft gemeint. Es kann auch ein anderer Wert eingesetzt
werden. Ist dies nicht der Fall, bleibt die erfindungsgemäße
Schnellstart bremse inaktiv. Bei Ziffer 25 wird geprüft,
ob (bei Ziffer 14) ein vorbestimmter, im Regelfall niedriger
Anfahr- oder Rückwärtsgang eingelegt wurde. Ist
dies der Fall, wird das erfindungsgemäße Verfahren
aktiviert (vgl. Ziffer 15) und an der Betriebsbremse der
zum Halt des Fahrzeugs im Stillstand erforderliche Bremsdruck angelegt.
-
Im
Fall des automatisierten Schaltgetriebes (ASG) wird bei Ziffer 16 geprüft,
ob am Gangwahlschalter eine Fahrstufe ungleich der Fahrstufe ”Neutral” eingelegt
ist. Wenn nicht, bleibt das erfindungsgemäße Verfahren
bei Ziffer 43 inaktiv. Andernfalls wird bei Ziffer 15 durch
Drucklufteinsteuerung die Betriebsbremse aktiviert.
-
Ist
das Fahrzeug mit einem automatischen Schaltgetriebe (AG) ausgerüstet,
kann das erfindungsgemäße Verfahren erst aktiviert
werden und das Fahrzeug durch die Betriebsbremse im Stillstand gehalten
werden, wenn bei Ziffer 17 das Bremspedal betätigt
wird und die Betriebsbremse nach Ziffer 18 das Fahrzeug
im Stillstand hält. Bei Ziffer 18 ist das erfindungsgemäße
Verfahren jedoch noch nicht aktiviert. Eine Aktivierung des erfindungsgemäßen
Verfahrens bei Ziffer 15 kann erst erfolgen, wenn der Gangwahlschalter
bei Ziffer 19 nicht mehr auf ”Neutral” steht.
-
Besitzt
ein Fahrzeug eine Schnellstarteinrichtung (FW), wird bei Ziffer 20 geprüft,
ob die Schnellstarteinrichtung aktiviert wurde. Im allen oben bezeichneten
Fällen wird nach Aktivierung des erfindungsgemäßen
Verfahrens bei Ziffer 15 geprüft, ob an der Betriebsbremse
ausreichend Bremsdruck anliegt, um das Fahrzeug im Stillstand zu
halten (vgl. Ziffer 21). Ist dies der Fall, kann bei Ziffer 22 die
Feststellbremse gelöst werden. Sollte bei Ziffer 23 jedoch kein
Anfahrvorgang festgestellt werden, unterbleibt die Lösung
der Betriebsbremse 24 bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung
der Lösung der Feststellbremse 22. Findet der
Anfahrvorgang aber statt, wenn das Antriebsmoment das Bremsmoment übersteigt,
wird die Betriebsbremse gelöst, so dass das Fahrzeug fortbewegt
werden kann (vgl. Ziffer 24).
-
In
den 1–15 ist
ein Drucksensor 45 gezeigt, der in der zur Betriebsbremse 9; 42 führenden
Druckluftleitung 11; 41 angeordnet ist sowie ein Schaltelement 46.
Das Schaltelement 46 öffnet bzw. schließt
in Abhängigkeit des vom Drucksensor 45 übermittelten
Leitungsdruckes das weitere Steuerventil 4. Das Schaltelement 46 kann
eine fahrzeuginterne Elektronik oder ein elektrisches Bauteil sein, das
ab einem vorbestimmten Druckverhältnis in der Druckluftleitung 11; 41 einen
Schaltimpuls am weiteren Steuerventil 4 auslöst.
-
Die 2 bis 8 zeigen
in schematisierter Darstellung je eine Feststellbremsanlage 1 und eine
Betriebsbremsanlage 9 im Sinne das erfindungsgemäßen
Verfahrens. Die Feststellbremsanlage 1 umfasst dabei ein
Betätigungsorgan 2, das über eine Druckluftleitung 5 mit
einer Feststellbremse 10 verbunden ist. In der Druckluftleitung 5 ist
ein weiteres Steuerventil 4 vorgesehen, das zur Unterbrechung
der Druckluftzufuhr vorgesehen ist. Durch das weitere Steuerventil 4 kann
die Druckluftleitung 5 der Feststellbremsanlage in einen
mit Druckluft belüfteten Teil 6 und einem druckluftentleerten
Teil 7 unterteilt werden. Die Belüftung der Feststellbremsanlage 1 wird über
das Handbremsventil 3 bewirkt. Das weitere Steuerventil 4 der
Feststellbremsanlage 1 wird durch Betätigung des
Auslöseorgans 8 geöffnet bzw. geschlossen,
sodass über das Handbremsventil 3 der Druckluftleitung 5 der
Feststellbremsanlage 1 die Feststellbremse 10 mit
Druckluft belüftet werden oder gesamt entlüftet
werden kann. Zusätzlich ist nur der Teil 6 der
Druckluftleitung 5 mit Druckluft belüftet, während
der Teil 7 der Feststellbrems-Druckluftleitung 5 entlüftet
bleibt.
-
In
der Druckluftleitung 11 der Betriebsbremsanlage 9 ist
ein Druckbegrenzungsventil 12 vorgesehen, das einen begrenzten,
zum Halten des Fahrzeugs im Stillstand ausreichenden Druck einsteuert. Mit
Ziffer 13 ist ein Bremszylinder dargestellt. In den 1 bis 15 ist
der Bremszylinder 13 als Kombinationsbremszylinder ausgebildet,
der einen Feststellbremszylinder 26 mit einer Druckfeder 27 umfasst.
Zusätzlich weist der Bremszylinder 13 einen Betriebsbremszylinder 28 auf,
der eine Federmembran 29 umfasst, die bei Druckluftbeaufschlagung
eine Druckstange 30 in Bremsstellung verschiebt.
-
In 2 ist
das Betätigungsorgan 2 der Feststellbremsanlage 1 in
Lösestellung. Das Handbremsventil 3 beaufschlagt
die Druckluftleitung 5 mit Druckluft. Das weitere Steuerventil 4 ist
geöffnet. Die Teile 6 der Druckluftleitung 5 sind
mit Druckluft beaufschlagt. Die Druckfeder 27 des Feststellbremszylinders 26 wird
zusammengedrückt und der Feststellbremszylinder 26 somit
in Ruhestellung 35 gehalten. Die Ruhestellung entspricht
der Lösestellung des Bremszylinders. Das Steuerventil 31 der
Betriebsbremsanlage 9 ist geschlossen, wodurch die Druckluftleitung 11 der
Betriebsbremsanlage 9 in einen mit Druckluft belüfteten
Teil 32 und einen Druckluft entleerten Teil 33 unterteilt
ist. Da der Teil 33 der Betriebsbremsanlage 9 druckluftentleert
ist, liegt auch an der Membran 29 kein Druck an, sodass
die Membran 29 die Druckstange 30 nicht in Bremsstellung 34 verschiebt.
Die Druckstange 30 verbleibt in Ruhestellung 35.
Die Druckluftbefüllung der Betriebsbremsanlage 9 erfolgt
aus dem Druckluftvorratsbehälter 36.
-
In 3 ist
das Fahrzeug abgestellt und in Stillstand begriffen. Durch Einlegung
des Betätigungsorgans 2 der Feststellbremse 10 werden
die Teile 7 der Druckluftleitung 5 der Feststellbremsanlage 1 entlüftet,
da bei geöffnetem weiterem Steuerventil 4 die
gesamte Druckluftleitung 5; 7 der Feststellbremsanlage 1 entlüftet
wird. Die Druckfeder 27 des Feststellbremszylinders 26 entspannt
sich, wodurch die Druckstange 30 in Bremsstellung 34 gedrückt
wird. Das Fahrzeug wird somit durch die Feststellbremsanlage 1 im
Stillstand gehalten. Die Betriebsbremsanlage 9 ändert
ihren Zustand nicht gegenüber der Darstellung in
-
2.
-
Der
Unterschied der 4 gegenüber der 3 besteht
darin, dass das weitere Steuerventil 4 durch den Fahrzeuglenker
geschlossen wird. Die Betätigung des weiteren Steuerventils 4 kann
z. B. durch Betätigung eines Tasters, eines Schalters oder einer ähnlichen
Betätigungseinrichtung, nicht gezeigt, vorgenommen werden.
Die Druckluftleitung 5 der Feststellbremsanlage 1 ist
somit zwischen Handbremsventil 3 und Feststellbremszylinder 26 unterbrochen.
-
In 5 wird
das Betätigungsorgan 2 der Feststellbremse 10 wieder
gelöst und in Fahrtstellung 37 gebracht. Die daraufhin
folgende Belüftung der Druckluftleitung 5 der
Feststellbremsanlage 1 füllt die Druckluftleitung 5 (erster
Teil 6) nur zwischen dem Handbremsventil 3 und
dem weiteren Steuerventil 4. Da das weitere Steuerventil 4 in 5 geschlossen ist,
kann die zugeführte Druckluft nicht bis zum Feststellbremszylinder 26 gelangen.
Obwohl das Betätigungsorgan 2 der Feststellbremse 10 sich
in 5 in Fahrstellung 37 befindet, verbleibt
der Feststellbremszylinder 26 weiterhin in Bremsstellung 34,
da an der Druckfeder 27 keine Druckluft zur Anlage kommt,
die die Druckfeder 27 zusammendrücken und die
Druckstange 30 in Ruhestellung 35 verschieben
würde. Der Zustand der Betriebsbremsanlage 9 verbleibt
wie in 2 gezeigt. Das Fahrzeug ist nun sicher abgestellt
und bereit, das erfindungsgemäße Verfahren bei
Bedarf auszuführen.
-
In
der 6 verbleibt die Feststellbremsanlage 1 in
dem in 5 beschriebenen Zustand. An der Betriebsbremsanlage 9 wird
dagegen das Steuerventil 31 geöffnet und somit
die Druckluftleitung 11 der Betriebsbremsanlage 9 zwischen
Steuerventil 31 und Betriebsbremszylinder 28 zur
Befüllung mit Druckluft freigegeben. Die Druckluft beaufschlagt nunmehr
die Membran 29 im Feststellbremszylinder 26, die
ihrerseits die Druckstange 30 in Bremsstel lung 34 bringt.
Damit die Druckluft nicht in die druckluftentleerte Druckluftleitung 38 einströmen
kann, steht das Wechselventil 39 in Schließstellung.
-
In 7 wird
das weitere Steuerventil 4 geöffnet, sodass die über
das Handbremsventil 3 in die Druckluftleitung 5; 6 eingeführte
Druckluft in den Bereich zwischen dem Steuerventil 4 und
dem weiteren Feststellbremszylinder 26 gelangen kann. Die
Druckfeder 27 des Feststellbremszylinders 26 wird
durch die zugeführte Druckluft zusammengepresst. Die Druckfeder 27 kann
jedoch die Druckstange 30 nicht in ihre Ruheposition 35 zurückführen,
da wie in 6 beschrieben, die mit Druckluft
beaufschlagte Membran 29 im Betriebsbremszylinder 28 die
gemeinsame Druckstange 30 in Bremsstellung 34 hält.
In 7 hat die Betriebsbremsanlage 9 somit
von der Feststellbremsanlage 1 die Funktion übernommen,
das Fahrzeug bei gelöster Feststellbremse 10 im
Stillstand zu halten.
-
8 zeigt
das Verfahren in einem Zustand, in dem die Feststellbremsanlage 1 gelöst
ist. Zusätzlich wird das Steuerventil 31 in der
Druckluftleitung 11 der Betriebsbremsanlage 9 geschlossen,
wodurch der Betriebsbremszylinder 28 und die Druckluftleitung 11 zwischen
dem Bremszylinder 13 und dem Steuerventil 31 entlüftet
wird. Die Druckbeaufschlagung der Federmembran 29 wird
aufgehoben, wodurch die Druckstange 30 wieder in ihre Ruhestellung 35 zurückgeführt
wird (nicht gezeigt). Die Bremswirkung, die das Fahrzeug entweder über
die Feststellbremsanlage 1 oder über die Betriebsbremsanlage 9 im
Stillstand hält, wird aufgehoben. Das Fahrzeug ist nunmehr
abfahrbereit.
-
Die 9–15 zeigt
in schematisierter Darstellung die Anordnung der Feststellbremsanlage 1 in
Kombination mit einer Funktion ”Haltestellenbremse”,
als Bestandteil der Software eines elektronischen Bremssystems,
entsprechend des erfindungsgemäßen Verfahrens.
In allen 9–15 entspricht
die Darstellung der Feststellbremsanlage 1 der entsprechenden
Anordnung in den 1 bis 8. Die Betriebsbremse
der 1–8 wird durch
eine elektrische Bremsanlage mit Haltestellenbremsenfunktion ersetzt.
-
In
diesem Zusammenhang bezeichnet man als Haltestellenbremse z. B.
bei Bussen eine Bremsfunktion, die mit einem fest eingestellten
Druck auf die Membranzylinder der Hinterachse wirkt. Auch das Bremsen
der Vorder- und Hinterachse ist möglich. Die Funktion gewährleistet
ein schnelleres Lösen der Bremse, als dies bei einer herkömmlichen Feststellbremse
der Fall ist. Die Haltestellenbremse wird z. B. auch in Müllfahrzeugen
verwendet.
-
Die
Betriebsbremsanlage 9 umfasst in den 9 bis 15 ein
Druckregelmodul 40 des elektronisch gesteuerten Bremssystems 42,
das über eine Druckluftleitung 41 mit dem Betriebszylinder 28 der
Betriebsbremsanlage 9 verbunden ist. Das elektronische
Bremssystem 42 (EBS) arbeitet mit einem elektronischen
Steuersignal der Bremspedalsensoren, die im EBS-Steuergerät
elektronisch verarbeitet und von dort an das Druckregelmodul 40 übertragen werden.
Das Druckregelmodul 40 stellt in den Druckluftleitungen 41,
die die Betriebsbremszylinder 28 mit Druckluft versorgen
den erforderlichen Bremsdruck ein und meldet gleichzeitig die Sensorsignale
aus dem Radbereich an das EBS-Steuergerät (nicht gezeigt).
-
In 9 ist
die Druckluftleitung 5 der Feststellbremsanlage 1 mit
Druckluft beaufschlagt. Das Betätigungsorgan 2 der
Feststellbremse 1 steht in Lösestellung 37.
Die Druckluft presst die Druckfeder 27 zusammen, sodass
die Druckstange 30 in die Ruheposition 35 steht.
Das weitere Steuerventil 4 der Feststellbremsanlage 1 ist
geöffnet, sodass die gesamte Druckluftleitung 5 zwischen
Handbremsventil 3 und Feststellbremszylinder 26 mit
Druckluft belüftet wird und keine Bremswirkung am Feststellbremszylinder 26 anliegt.
Auch die Betriebsbremsanlage 9 ist in 9 entlüftet,
sodass auch am Betriebsbremszylinder 28 keine Bremswirkung
anliegt. In den 9 bis 15 ist
nicht dargestellt, dass das Druckregelmodul 40 mit einem
Druckluftbehälter 36 verbunden ist.
-
In 10 wird
die Feststellbremse 10 betätigt. Das Betätigungsorgan 2 der
Feststellbremse 10 steht in Bremsstellung, wodurch die
Druckluftleitung 5 zwischen Betätigungsorgan 2 und
Feststellbremszylinder 26 entlüftet wird, da das
weitere Steuerventil 4 geöffnet ist. Die Druckfeder 27 kann
sich entspannen und schiebt die Druckstange 30 in Bremsstellung 34.
Das Fahrzeug wird durch die Feststellbremse 10 im Stillstand
gehalten. Wie in 9 ist auch in 10 die
elektronisch gesteuerte Betriebsbremse 42 entlüftet
und steht nicht in Bremsstellung.
-
Im
Unterschied zu 10 wird in 11 das weitere
Steuerventil 4 geschlossen. Der Feststellbremszylinder 26 verbleibt
wie in 10 in Bremsstellung 34.
-
In 12 wird
das Betätigungsorgan 2 der Feststellbremse 10 in
Fahr- bzw. Lösestellung 37 bewegt. Die dadurch
ausgelöste Belüftung der Druckluftleitung 5 der
Feststellbremsanlage mit Druckluft führt aber nicht zur
Lösung der Bremswirkung am Feststellbremszylinder 26.
Durch Schließen des weiteren Ventils 4 kann die
Druckluftleitung 5 der Feststellbremsanlage 1 über
das Handbremsventil 3 nur bis zum weiteren Steuerventil 4 mit
Druckluft beanschlagt werden. Der Feststellbremszylinder 26 bleibt in
entlüftetem Zustand, wodurch die Druckstange 30 in
Bremsstellung 34 verbleibt. Der Zustand der elektronisch
gesteuerten Betriebsbremse 42 ist wie in 11 ungebremst.
-
Im
Unterschied zu 12 wird die Membran 29 des
Betriebsbremszylinders 28 in 13 mit Druckluft
beaufschlagt. In der Folge wird die Druckstange 30 in 13 sowohl
durch die Druckfeder 27 des Feststellbremszylinders 26 als
auch durch die Membran 29 des Betriebsbremszylinders 28 in Bremsstellung 34 gehalten.
-
In
der Darstellung der 14 wird das weitere Steuerventil 4 der
Feststellbremse 10 geöffnet. Hierdurch wird die
Druckluftleitung 5 zwischen dem weiteren Steuerventil 4 und
dem Feststellbremszylinder 26 mit Druckluft beaufschlagt.
Durch die Beaufschlagung des Feststellbremszylinders 26 mit
Druckluft wird die Bremswirkung der Feststellbremse 10 gelöst.
Nach Darstellung der 14 übernimmt aber die
elektronisch gesteuerte Betriebsbremse 42 die Funktion
der Feststellbremse 10, so dass das Fahrzeug durch Betätigung
der elektronisch gesteuerten Betriebsbremse 42 im Stillstand
gegen Wegrollen gesichert ist.
-
In 15 bleibt
die Feststellbremse 10 in gelöstem Zustand. Gleichzeitig
wird die elektronisch gesteuerte Betriebsbremse 42 gelöst,
sobald das Antriebsmoment das Bremsmoment der Betriebsbremse 42 übersteigt.
Das Fahrzeug setzt sich in Bewegung. In den Fällen der 1 bis 15 aber
gilt generell, dass durch Betätigung der Betriebsbremse 9; 42,
z. B. durch einmaliges Treten des Bremspedals die Bremskraft der
Betriebsbremse 9; 42 am Betriebsbremszylinder 28 angelegt
wird. Der Fahrer kann seinen Fuß vom Bremspedal entfernen,
ohne dass die am Bremszylinder 28 anliegende, das Fahrzeug
im Stillstand haltende Bremskraft gelöst wird. Betätigt
der Fahrer dann das Fahrpedal und übersteigt das Antriebsmoment
das Bremsmoment, das aktuell an der Betriebsbremse 9; 42 anliegt,
wird die Betriebsbremse 9; 42 gelöst
und das Fahrzeug setzt sich in Bewegung.
-
- 1
- Feststellbremsanlage
- 2
- Betätigungsorgan
der Feststellbremse
- 3
- Handbremsventil
- 4
- weiteres
Steuerventil der Feststellbremsanlage
- 5
- Druckluftleitung
der Feststellbremsanlage
- 6
- Mit
Druckluft befüllter Teil der Feststellbrems-Druckluftleitung
- 7
- Nicht
mit Druckluft befüllter Teil der Feststellbrems-Druckluftleitung
- 8
- Auslöseorgan
- 9
- Betriebsbremsanlage
- 10
- Feststellbremse
- 11
- Druckluftleitung
der Betriebsbremsanlage
- 12
- Druckbegrenzungsventil
- 13
- Bremszylinder
- 14
- Einlegung
eines niedrigen Fahrgangs bzw. einer Fahrstufe
- 15
- Aktivierung
des erfindungsgemäßen Verfahren
- 16
- Prüfung
der Fahrstufe des automatischen Schaltgetriebes
- 17
- Betätigung
der Betriebsbremse
- 18
- Fahrzeug
im Stillstand
- 19
- Gangwechselschalter
nicht mehr neutral
- 20
- Aktivierung
des erfindungsgemäßen Verfahren
- 21
- Fahrzeug
im Stillstand
- 22
- Lösung
der Feststellbremse
- 23
- Anfahrvorgang
- 24
- Fortbewegung
des Fahrzeugs
- 25
- Prüfung
des Fahrgangs bei Ziff.
- 26
- Feststellbremszylinder
- 27
- Druckfeder
- 28
- Betriebsbremszylinder
- 29
- Federmembran
- 30
- Druckstange
- 31
- Steuerventil
- 32
- Mit
Druckluft belüfteter Teil der Betriebsbrems-Druckluftleitung
- 33
- Nicht
mit Druckluft belüfteter Teil der Betriebsbrems-Druckluftleitung
- 34
- Bremsstellung
- 35
- Ruhestellung
der Druckstange
- 36
- Druckluftbehälter
- 37
- Lösestellung
des Betätigungsorgans
- 38
- Druckluftleitung
- 39
- Wechselventil
- 40
- Druckregelmodul
- 41
- Druckluftleitung
- 42
- Elektronisch
gesteuerte Betriebsbremse
- 43
- Erfindungsgemäßes
Verfahren
- 44
- Prüfung,
ob Kupplungspedal getreten ist
- 45
- Drucksensor
- 46
- Schaltelement
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste
der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert
erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information
des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen
Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-