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Die
Erfindung betrifft ein Rückhaltesystem für Insassen
eines Fahrzeugs nach den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs
1.
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Nach
dem Stand der Technik sind als Rückhaltesysteme
Sicherheitsgurte bekannt. Diese haben die Aufgabe, die Insassen
eines Fahrzeugs im Sicherheitsfall im Sitz zurückzuhalten. Die Funktion der Sicherheitsgurte
kann dabei durch Gurtstraffer verbessert werden. Diese ziehen im
Sicherheitsfall den Sicherheitsgurt enger an den Körper des
Insassen, so dass der Sicherheitsgurt den Insassen möglichst dicht
an der Sitzlehne halten kann. Auf diese Weise wird eine durch die
Massenträgheit
verursachte zu weite Vorverlagerung des Insassen verhindert.
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Weitere
Rückhaltesysteme
nach dem Stand der Technik sind Gassäcke, die an verschiedenen Punkten
des Fahrzeugs positioniert sind und sich im Sicherheitsfall mit
Gas füllen,
um den Insassen zurückzuhalten,
kinetische Energie abzubauen und den Insassen vor dem Aufprall auf
Teile des Fahrzeugs zu schützen.
Diese Gassäcke
sind in verschiedenen Ausführungen
und Positionierungen im Fahrzeug bekannt, zum Beispiel als Frontairbags
oder Seitenairbags für
Fahrer bzw. Beifahrer.
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Nach
dem Stand der Technik wird zur passiven Sicherung der Insassen von
Fahrzeugen eine Kombination aus Sicherheitsgurten mit Gurtstraffern und
mehreren Gassäcken
verwendet. Allerdings schränken
insbesondere die Sicherheitsgurte die Bewegungsfreiheit der Insassen
erheblich ein. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass bei ungünstigen
Sitzpositionen, zum Beispiel bei nach vorn gebeugter Sitzposition,
sowohl Gassäcke
als auch Sicherheitsgurte ihre Funktion nicht mehr vollumfänglich erfüllen können. Ein
Weglassen des Sicherheitsgurtes, um die Bewegungsfreiheit der Insassen
zu erhöhen,
ist nicht sinnvoll, da der Sicherheitsgurt in der Kombination mit
Gassäcken
das Hauptinstrument der Sicherung der Insassen darstellt und ohne
Sicherheitsgurt die Schutzwirkung der Gassäcke erheblich vermindert ist.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Rückhaltesystem für Insassen
eines Fahrzeugs anzugeben, welches die Bewegungsfreiheit der zu
sichernden Person verbessert.
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Die
Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein
Rückhaltesystem
mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
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Bevorzugte
Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
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Ein
erfindungsgemäßes Rückhaltesystem für Insassen
eines Fahrzeugs besteht aus einer Sitzkonstruktion und/oder einem
Fahrzeugsitz mit integrierter Rückhaltevorrichtung,
die eine im Sicherheitsfall zu schützende Person vollständig umschließt und ihre
kinetische Energie im Sicherheitsfall vollständig absorbiert. Innerhalb
dieses Systems kann sich der Insasse frei bewegen und ohne Verlust an
Sicherheit jede gewünschte
Körperhaltung
einnehmen.
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Insbesondere
bei der Verwendung dieses Systems als Kindersitz bietet dies den
Vorteil, dass die Ablenkung des Fahrers reduziert wird, wenn Kinder
mehr Bewegungsfreiheit haben, aber die Schutzfunktion des Systems
jederzeit gesichert ist.
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In
einer weiteren Ausführungsform
können für die Ausgestaltung
des Rückhaltesystems
auch zusätzliche
Komfortmerkmale für
den Insassen berücksichtigt
werden. So ist unter Umständen
auch eine Integration mindestens einer Klimatisierung und/oder mindestens
einer Multimedia-Einrichtung
in das Rückhaltesystem
möglich,
womit eine Individualisierung dieser Komponenten verbunden ist.
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Bei
einer Verwendung dieses Rückhaltesystems
für den
Fahrzeugführer
müssen
unter Umständen
die Bedienungselemente des Verkehrsmittels derart geändert werden,
dass ein Bedienen des Fahrzeuges möglich ist, ohne dass sich dabei
Körperteile des
Fahrzeugführers
außerhalb
des Rückhaltesystems
befinden.
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Eine
Einstiegsöffnung
der Sitzkonstruktion und/oder des Fahrzeugsitzes ist dabei vorzugsweise im
Sicherheitsfall mittels aufblasbarer Gassäcke verschließbar. Durch
Verschluss der Einstiegsöffnung
im Sicherheitsfall ist ein Herausgleiten des Insassen aus dem Rückhaltesystem
nicht möglich.
Der Insasse ist vom Rückhaltesystem
vollständig
umschlosssen und geschützt.
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In
Kraftfahrzeugen ist die Einstiegsöffnung des Rückhaltesystems
vorzugsweise in Fahrtrichtung gerichtet, da dies ein leichtes Einsteigen
und während
der Fahrt eine Blickrichtung in Fahrtrichtung ermöglicht.
Des Weiteren ist so durch die Gassäcke an der Öffnung des Rückhaltesystems
im Sicherheitsfall auch die am wahrscheinlichsten auftretende Richtung
zu absorbierender kinetischer Energie der Insassen abgesichert,
da der Frontalaufprall die häufigste
Form von Fahrzeugunfällen
darstellt.
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In
einer alternativen Ausführungsform
des Rückhaltesystems
sind in die Sitzkonstruktion und/oder den Fahrzeugsitz seitlich
aufblasbare Gassäcke
und zwischen diesen angeordneter reißfester Stoff integriert. Im
Sicherheitsfall werden diese Gassäcke aktiviert und spannen sich
um den Insassen herum nach vorn auf, wobei sie sich vor dem Insassen
berühren,
so dass dieser vollständig
umschlossen ist.
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Der
zwischen den Gassäcken
befindliche reißfeste
Stoff, z. B. ein Tuch, ein Gewebe, ein engmaschiges Netz, wird dabei
gespannt, so dass sich zusammen mit den Gassäcken eine geschlossene Hülle um den
Insassen bildet. Es wird also eine Vorrichtung gebildet, die die
Bewegung des Insassen aufgrund seiner Massenträgheit im Sicherheitsfall bremst
und seine kinetische Energie aufnimmt und in Form von Dehnung des
reißfesten
Stoffs abbaut.
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In
einer weiteren Ausführungsform
ist die Sitzkonstruktion und/oder der Fahrzeugsitz mit einer Polsterung
zur Absorption kinetischer Energie ausgekleidet. Auf diese Weise
ist es unerheblich, in welcher Richtung ein Aufprall des Fahrzeugs
erfolgt, d. h. in welche Richtung die zu absorbierende kinetische
Energie des Insassen wirkt. Durch das auf diese Weise ausgestattete,
den Insassen umgebende Rückhaltesystem
ist der Insasse jederzeit geschützt.
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In
einer alternativen Ausführungsform
bildet die Polsterung auch das Gehäuse der Sitzkonstruktion. Insbesondere
bei einer nur temporären
Verwendung dieses Rückhaltesystems,
beispielsweise als nachgerüsteter
Kindersitz, kann es bei Nichtgebrauch leicht ausgebaut und Platz
sparend verstaut werden.
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Das
Gehäuse
der Sitzkonstruktion und/oder Teile des Fahrzeugsitzes sind schalenförmig ausgeführt. Vorzugsweise
sind diese schalenförmigen
Teile des Gehäuses
der Sitzkonstruktion und/oder schalenförmige Teile des Fahrzeugsitzes
im Sicherheitsfall um den Insassen herum bewegbar ausgebildet. Diese
bewegbaren Teile können
so, ähnlich
der Funktionsweise einer Muschel, zu dem Insassen hinbewegt und
an dessen Körper
angelegt werden bzw. diesen relativ fest umschließen, so
dass er sich innerhalb des Rückhaltesystems
im Sicherheitsfall nur noch eingeschränkt bewegen kann und eine Verletzungsgefahr
dadurch minimiert wird.
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Die
mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin,
dass Insassen im erfindungsgemäß ausgestalteten
Rückhaltesystem
mehr Bewegungsfreiheit zur Verfügung
steht. Die Insassen können
sich innerhalb des Systems frei bewegen, auch ein Anschnallen mittels
Sicherheitsgurten ist nicht mehr nötig. Der Schutz der Insassen
im Sicherheitsfall bleibt aber trotzdem erhalten bzw. wird gegenüber den
aus dem Stand der Technik bekannten Rückhaltesystemen, wie Sicherheitsgurte
und/oder Gassäcke,
noch erhöht,
da das Rückhaltesystem
um den Insassen herum angeordnet ist und diesen im Sicherheitsfall
vollständig
umschließt.
Auf diese Weise ist im Sicherheitsfall sowohl eine Absorption kinetischer
Energie in jeder Richtung sichergestellt, als auch der Insasse gegen
eindringende Teile des eigenen Fahrzeugs oder des Fahrzeugs eines
Unfallgegners geschützt.
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Ausführungsbeispiele
der Erfindung werden anhand einer Zeichnung näher erläutert.
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Dabei
zeigen:
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1 eine
seitliche Darstellung eines erfindungsgemäßen Rückhaltesystems, und
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2 eine
Darstellung eines erfindungsgemäßen Rückhaltesystems
von oben.
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Einander
entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen
versehen.
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1 zeigt
eine Darstellung eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Rückhaltesystems 1.
In die Sitzkonstruktion 2 sind seitlich und oben schlauchförmige Gassäcke 3 integriert.
Zwischen diesen Gassäcken 3 ist
jeweils ein reißfester Stoff 4 angeordnet.
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Im
Sicherheitsfall werden diese Gassäcke 3 aktiviert und
spannen sich um den Insassen herum nach vorn auf, wobei sie sich
vor dem Insassen berühren,
so dass dieser vollständig
umschlossen ist.
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Der
zwischen den Gassäcken 3 befindliche reißfeste Stoff 4,
z. B. ein Tuch, ein Gewebe, ein engmaschiges Netz, wird dabei gespannt,
so dass sich zusammen mit den Gassäcken 3 eine geschlossene Hülle um den
Insassen bildet. Es wird also eine Vorrichtung gebildet, welche
die durch Massenträgheit verursachte
Bewegung des Insassen im Sicherheitsfall bremst und seine kinetische
Energie aufnimmt und in Form von Dehnung des reißfesten Stoffs 4 abbaut.
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Alternativ
zu der dargestellten Anordnung mehrerer parallel übereinander
entfaltbaren Gassäcken 3 mit
mehreren Stoffstreifen kann das Rückhaltesystem 1 aus
zwei unteren und zwei oberen Gassäcken 3 und jeweils
einem zwischen einem oberen und einem unteren Gassack 3 entfaltbaren
und spannbaren einzelnen Stoff 4, z. B. ein flächiges Netz oder
ein flächiges
Tuch, gebildet sein.
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In
einer alternativen, nicht näher
dargestellten Ausführungsform
des Rückhaltesystems 1 ist
die Umhüllung
als permanent vorhandene feste Schale ausgeführt, an deren Innenseite eine
Polsterung zur Absorption kinetischer Energie angeordnet ist. In
diesem Fall sind vorzugsweise an der Einstiegsöffnung Gassäcke angeordnet, welche die
Einstiegsöffnung im
Sicherheitsfall verschließen.
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Die
Einstiegsöffnung
ist zweckmäßigerweise nach
vorn, d. h. in Fahrtrichtung angeordnet, um sowohl das Einsteigen
zu erleichtern als auch eine Blickrichtung in Fahrtrichtung zu ermöglichen.
Des Weiteren ist so durch die Gassäcke an der Öffnung des Rückhaltesystems
im Sicherheitsfall auch die am wahrscheinlichsten auftretende Richtung
zu absorbierender kinetischer Energie der Insassen abgesichert,
da der Frontalaufprall die häufigste
Form von Fahrzeugunfällen
darstellt.
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Durch
den Verschluss der Einstiegsöffnung mittels
Gassäcken
ist ein Herausgleiten des Insassen aus der Rückhaltevorrichtung 1 nicht
mehr möglich
und der Insasse im Sicherheitsfall geschützt.
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In
einer weiteren, nicht näher
dargestellten Ausführungsform
des Rückhaltesystems 1 ist
die den Insassen umgebende, schalenförmige Umhüllung im Sicherheitsfall beweglich
angeordnet, so dass das Rückhaltesystem 1 im
Sicherheitsfall ähnlich
einer Muschel automatisch verschließbar ist. Dies hat den Vorteil,
dass der Insasse im Sicherheitsfall sofort von dem Rückhaltesystem 1 fest
umschlossen ist und sich innerhalb des Rückhaltesystems 1 nicht
mehr bewegen kann, was die Verletzungsgefahr reduziert.
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Die
Ausführung
des Rückhaltesystems 1 als schalenförmige Ummantelung
hat als einen weiteren Vorteil, dass der Insasse im Sicherheitsfall
besonders gut gegen in das Fahrzeug eindringende Teile eines möglichen
Unfallgegners bzw. gegen Teile des eigenen Fahrzeugs geschützt ist.
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In
einer alternativen, nicht näher
dargestellten Ausführungsform
ist die Polsterung zur Absorption der kinetischen Energie, die den
Insassen des Rückhaltesystems 1 umgibt,
gleichzeitig auch als eigenständige
Schale des Rückhaltesystems 1 gefertigt.
Eine weitere feste Schale als Ummantelung des Insassen entfällt bei
dieser Ausführungsform.
Dies hat den Vorteil, dass bei einem nur temporären Einsatz des Rückhaltesystems 1 im
Fahrzeug diese Variante des Rückhaltesystems 1 Platz
sparend zusammenklappbar und leicht verstaubar ist, beispielsweise
wenn dieses als Kindersitz verwendet wird.
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2 zeigt
eine Darstellung eines Ausführungsbeispiels
eines erfindungsgemäßen Rückhaltesystems 1 von
oben. Mehrere schlauchförmige
Gassäcke 3 sind
im Sicherheitsfall seitlich über
die gesamte Höhe
des Sitzes bzw. des Insassen am Insassen vorbeigeführt und
vor diesem verschlossen. Durch den zwischen diesen Gassäcken 3 angebrachten
reißfesten
Stoff 4, welcher durch die Gassäcke 3 entfaltet und
gespannt wird, sowie durch die Gassäcke 3 selbst, ist
der Insasse im Sicherheitsfall vollständig umschlossen. Durch diese
Umhüllung wird
der Insasse aufgefangen und dessen kinetische Energie abgebaut.
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In
einer weiteren Ausführungsform
des Rückhaltesystems 1 werden
auch an der Oberseite der Sitzkonstruktion 2 Gassäcke 3 im
Sicherheitsfall über
den Kopf des Insassen nach vorn geführt, so dass auch bei einer
Drehbewegung des Fahrzeugs infolge einer unfallbedingten Überrollbewegung
der Insasse des Rückhaltesystems 1 gesichert
ist.