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Gebiet der Erfindung
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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Kristallisieren
eines Halbleitermaterials, insbesondere von Silizium. Eine bevorzugte
Anwendung betrifft die Herstellung von ein- oder polykristallinem
Silizium für Anwendungen in der Photovoltaik.
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Hintergrund der Erfindung
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Generell
können Solarzellen für die Photovoltaik aus einkristallinem
Silizium oder polykristallinem Silizium hergestellt werden. Während
hochwertige Solarzellen aus Silizium-Einkristallen hergestellt werden,
was technologisch aufwändiger und somit kostspieliger ist,
werden preiswertere Solarzellen üblicherweise aus polykristallinem
Silizium gefertigt, was weniger aufwändig und somit kostengünstiger ist.
Gerade bei der Herstellung von polykristallinem Silizium spielen
daher Merkmale, die zu einer Senkung der Kosten und des technologischen
Aufwands zur Herstellung führen, eine bedeutende Rolle.
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Üblicherweise
wird ein Schmelztiegel zur Herstellung von Silizium mit stückigem
Silizium gefüllt. Beim nachfolgenden Aufschmelzen zu flüssigem
Silizium kommt es dabei zu einer erheblichen Volumenschrumpfung,
bedingt durch die erheblich voneinander abweichenden Dichten von
geschmolzenem Silizium zur vorher vorliegenden Schüttung. Somit
kann bei herkömmlichen Verfahren nur ein kleiner Teil des
Schmelztiegelvolumens effektiv genutzt werden. Aus dem Stand der
Technik sind verschiedene Maßnahmen bekannt, um die Volumenschrumpfung
zu kompensieren.
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US 6,743,293 B2 offenbart
ein Verfahren zur Herstellung von polykristallinem Silizium, bei
dem auf dem oberen Rand eines Schmelztiegels ein ringförmiger
Aufsatz mit korrespondierendem Profil aufgesetzt wird, um insgesamt
einen Behälteraufbau mit einem größeren
Volumen bereit zu stellen. In den Behälteraufbau wird eine
Siliziumschüttung eingebracht. Nach dem Schmelzen des Siliziums
füllt die Siliziumschmelze den gesamten Schmelztiegel,
nicht jedoch das von dem ringförmigen Aufsatz eingeschlossene
Volumen aus. Der Behälteraufbau erfordert jedoch eine Kristallisationsanlage
mit größerem Volumen, insbesondere einer größeren
Höhe, was aus energetischen Gründen unerwünscht
ist. Ferner ist es schwierig, einen geeigneten formstabilen ringförmigen
Aufsatz zur Wiederverwendung bereitzustellen.
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Die
Energie zum Aufheizen und Aufschmelzen des Silizium-Rohmaterials
wird zum einem über Wärmeleitung und Wärmestrahlung
zunächst in den Schmelztiegel eingebracht, um dann über
Wärmeleitung und -strahlung an das Schmelzgut weitergegeben
zu werden. Zum anderen wird das Schmelzgut auf der Oberseite hauptsächlich über
Wärmestrahlung direkt von den Heizern erwärmt.
Der Wärmetransport im Inneren des mit dem Schmelzgut gefüllten
Schmelztiegels erfolgt ebenfalls über Wärmeleitung
und Wärmestrahlung. Dabei spielen die Materialeigenschaften,
Wärmeleitfähigkeit und Extinktion eine wichtige
Rolle. Zusätzlich werden die Wärmetransporteigenschaften
von den physikalischen Eigenschaften des Rohmaterials bestimmt,
da es an den Grenzflächen zu einer Behinderung der Wärmeleitung
kommt.
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Um
möglichst kostengünstig und energieeffizient zu
arbeiten, ist es erwünscht, das Volumen des Schmelztiegels
möglichst groß zu gestalten, um auch entsprechend
große Silizium-Kristalle zu erhalten. Das große
Tiegelvolumen geht mit einer längeren Aufschmelzzeit einher,
da die in den Tiegel eingebrachte Wärmemenge durch die
Größe der für die Absorption der Wärme
effektiven Oberfläche des Schmelzgutes begrenzt ist. Eine
weitere Begrenzung ergibt sich aus der Begrenzung der Tiegeltemperatur, da
die Tiegelmaterialien keinen höheren Temperaturen standhalten
und das empfindliche Schmelzgut eine starke Überhitzung über
den Schmelzpunkt hinaus nicht unbeschadet ohne eine Kontaktreaktion
mit dem Tiegel übersteht.
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Absorbierende
Materialien lassen sich über das Einbringen von elektromagnetischen
Wechselfeldern erwärmen. Dabei kann durch die geeignete Wahl
der Frequenz eine an die Tiegelabmessungen angepasste Eindringtiefe
gewählt werden, so dass das Schmelzgut auch im Volumen
beheizt werden kann. Bei starker Temperaturabhängigkeit
und bei größerer Höhe des Schmelztiegels
ist jedoch die elektromagnetische Beheizung auf oberflächennahe Bereiche
begrenzt.
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Um
ein schnelleres Aufschmelzen des Rohmaterials zu ermöglichen,
ist aus dem Stand der Technik das Vorwärmen von Rohmaterial
beim Nachchargieren in den Schmelztiegel bekannt.
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DE 32 17 414 C1 offenbart
das Vorwärmen von Glasscherben beim Nachchargieren in eine Schmelzwanne
einer Glasschmelzanlage. Hierzu dient ein Plattenwärmetauscher,
in dessen Zwischenräume Glasscherben ständig nachgefüllt
werden. Während des Betriebs wird die gleiche Menge an
Glasscherben in die Zwischenräume zugeführt, die
an deren unterem Ende von einem Rüttelförderer abtransportiert
Wird. Durch den Plattenwärmetauscher werden die beim Schmelzvorgang
anfallenden Abgase mit einer Temperatur von etwa 420°C
geführt, wodurch die Glasscherben auf eine Temperatur von
ca. 245°C vor erwärmt werden. Eine vertikale Bewegbarkeit
des Plattenwärmetauschers verhindert ein Anbacken der Glasscherben
sowie eine Brückenbildung in den Zwischenräumen
des Plattenwärmetauschers. Der Aufbau ist jedoch insgesamt
vergleichsweise aufwändig.
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DE 42 13 481 C1 offenbart
einen entsprechenden Plattenwärmetauscher, wobei dem Vorwärmen
der Glasscherben ein Trocknungsschritt vorgeschaltet ist. Hierzu
wird in einer Trockenzone im Einführbereich des Schmelzguts
durch gesonderte Zuführung von heißem Heizgas
in bereits abgekühlten Heizgasströmen die Feuchtigkeit
im Schmelzgut verdampft.
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Ein
entsprechendes Vorheizen durch Wärmetauscherröhren
ist aus dem
US-Patent 4,353,726 auch
für das Nachchargieren von pulverförmigen Materialien
bei der Glasherstellung bekannt.
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Als
Alternative zu den obigen Verfahren ist in Kristallisationsanlagen,
die nach dem Czochralski-Verfahren arbeiten, ein kontinuierliches oder
diskontinuierliches Nachfüllen von stückigem Rohmaterial
bekannt, um die Volumenschrumpfung aufgrund des Schmelzens des Rohmaterials
in dem Schmelztiegel zumindest teilweise zu kompensieren.
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EP 0 315 156 B1 offenbart
eine solche Kristallisationsanlage, bei der kristallines Material über ein
Zuführungsrohr dem Schmelztiegel zugeführt wird.
In dem Zuführungsrohr sind Verlangsamungsmittel in Form
von Querschnittsverengungen oder Profilbiegungen vorgesehen, um
eine Fallgeschwindigkeit des kristallinen Materials zu verringern.
Eine aktive Vorerwärmung des kristallinen Materials ist nicht
offenbart.
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EP 1 338 682 A2 offenbart
eine Kristallisationsanlage nach dem Czochralski-Verfahren, bei
dem kristallines Material über ein geneigtes Rohr in den Schmelztiegel
rutscht.
JP 01-148780
A offenbart einen entsprechenden Aufbau. Dabei müssen
jedoch aufwendige Vorkehrungen getroffen werden, um den Eintrag
von kristallinem Rohmaterial in den Schmelztiegel spritzfrei zu
ermöglichen. Denn dass Verspritzen der heißen
Schmelze in der Kristallisationsanlage führt zur Beschädigung
von Komponenten und zu Verunreinigungen, die nur schwer wieder zu
entfernen sind. Eine aktive Vorerwärmung des kristallinen Materials
ist nicht offenbart.
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US 2004/0226504 A1 offenbart
einen aufwendigen Klappenmechanismus, um die Fallgeschwindigkeit
des kristallinen Materials beim Einfüllen in den Schmelztiegel
geeignet zu reduzieren.
US 2006/0060133 A1 offenbart eine Kristallisationsanlage,
bei der kristallines Silizium aus einem vertikalen Rohr in den Schmelztiegel
hinab fällt. Das untere Ende des Rohrs wird von einem konischen
Absperrkörper verschlossen, der dem kristallinen Material eine
radiale Bewegungskomponente verleiht. Eine aktive Vorerwärmung
des kristallinen Materials ist nicht offenbart.
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JP 07-277874 A offenbart
das Nachchargieren von flüssigem Silizium bei der Herstellung
von einkristallinem Silizium nach dem Czochralski-Verfahren. Zu
diesem Zweck wird eine Silizium-Rohmaterialstange unmittelbar oberhalb
des Schmelztiegels mit Hilfe eines Schmelzheizers aufgeschmolzen.
Das aufgeschmolzene Silizium fließt unmittelbar und kontinuierlich
in den Schmelztiegel.
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JP 2006-188376 A offenbart
die Herstellung eines einkristallinen Materials nach dem Czochralski-Verfahren,
wobei polykristallines Rohmaterial dadurch nachchargiert wird, dass
ein stabförmiges polykristallines Rohmaterial aufgeschmolzen
wird. Hierzu wird das stabförmige Rohmaterial in einem
Haltekörper gehalten und in eine Rohmaterialschmelze in
dem Schmelztiegel eingetaucht.
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JP 07-118089 A offenbart
ein Verfahren zur Herstellung eines Silizium-Einkristalls nach dem Czochralski-Verfahren,
bei dem granulares polykristallines Rohmaterial über ein
Zuführrohr in den Schmelztiegel eingebracht wird. Um eine
SiO-Bildung beim Nachchargieren zu verhindern, wird auf die Oberfläche
der Siliziumschmelze ein reduzierendes Gas (d. h. Wasserstoff oder
ein Wasserstoff-Inertgas-Gemisch) geblasen.
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Zusammenfassung der Erfindung
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Trotz
erheblicher Anstrengungen im Stand der Technik besteht weiterer
Verbesserungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Erzielung einer
kürzeren Aufschmelzzeit. Erfindungsgemäß soll
somit ein Verfahren und eine Vorrichtung bereitgestellt werden, womit
sich insbesondere bei großen Tiegelvolumen und bevorzugt
bei Verwendung des VGF-Verfahrens (Vertical-Gradient-Freeze-Verfahren)
beim Nachchargieren von festem, stückigem Rohmaterial eine kürzere
Aufschmelzzeit und gleichmäßigere Erwärmung
des Schmelzguts erzielen lässt.
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Diese
und weitere Aufgaben werden gemäß der vorliegenden
Erfindung durch ein Verfahren nach Anspruch 1, eine Vorrichtung
nach Anspruch 21 und eine Verwendung nach Anspruch 20 gelöst.
Weitere vorteilhafte Ausführungsformen sind Gegenstand
der rückbezogenen Unteransprüche.
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Erfindungsgemäß wird
das zusätzlich einzubringende Halbleiter-Rohmaterial außerhalb
des die Schmelze aufnehmenden Behälters durch gezielten Wärmeeintrag
auf eine Temperatur unterhalb der Schmelztemperatur des Halbleiter-Rohmaterials
erwärmt und anschließend im erwärmten
Zustand in den Behälter eingebracht. Erfindungsgemäß können die
Temperaturbedingungen in dem Schmelztiegel besser kontrolliert werden.
Denn das eingebrachte, beinahe auf die Schmelztemperatur erwärmte
Halbleiter-Rohmaterial beeinflusst die Temperaturbedingungen in
dem Schmelztiegel nur noch geringfügig. Somit können
beliebige Heizverfahren, insbesondere auch der Eintrag von elektromagnetischer
Strahlung von oben her auf die Schmelze, verwendet werden. Gleichzeitig
kann das einzubringende Halbleiter-Rohmaterial kontrolliert erwärmt
werden, was eine präzisere Vorgabe der Prozessparameter
weiter verbessert. Erfindungsgemäß kann ein schnelleres Aufschmelzen
erreicht werden, wobei es erfindungsgemäß unerheblich
ist, ob sich im Schmelztiegel bereits geschmolzenes oder noch ungeschmolzenes Halbleitermaterial
befindet oder nicht.
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Zweckmäßig
erfolgt die Erwärmung des Halbleiter-Rohmaterials während
des Transports in den Schmelztiegel, jedoch außerhalb des
Schmelztiegels. Bevorzugt wird hierzu das einzubringende Halbleiter-Rohmaterial
mittels einer Fördereinrichtung an einer Wärmequelle
vorbei bewegt. Durch Variieren der Fördergeschwindigkeit
und/oder der Intensität der Erwärmung kann so
leicht die Erwärmung des Halbleiter-Rohmaterials kontrolliert
werden.
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Geringere
Energieverluste ergeben sich dann, wenn der gezielte Wärmeeintrag
in das einzubringende Halbleiter-Rohmaterial auf der Innenseite einer
Wärmeisolierung des den Schmelztiegel aufnehmenden Schmelzofens
erfolgt. Grundsätzlich kann der Wärmeeintrag jedoch
auch im Bereich der Wärmeisolierung oder auch auf deren
Außenseite erfolgen.
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Bevorzugt
erfolgt der Wärmeeintrag durch Einwirken von elektromagnetischer
Strahlung. Hierzu wird das einzubringende Rohmaterial geeignet flächig
ausgebreitet bzw. verteilt, und zwar zu einer vergleichsweise dünnen
Halbleiter-Rohmaterialschicht, deren Dicke eine ausreichende Einwirkung
der elektromagnetischen Strahlung ermöglicht. Zu diesem Zweck
kann Wärmestrahlung oder Strahlung einer optischen Strahlungsquelle,
insbesondere eines Lasers, oder auch Mikrowellenstrahlung oder hoch- oder
mittelfrequente Strahlung auf das einzubringende Halbleiter-Rohmaterial
einwirken.
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Zum
Transport des Halbleiter-Rohmaterials wird bevorzugt eine Fördereinrichtung
verwendet, welche ausgelegt ist, um das feste, stickige Halbleiter-Rohmaterial
flächig auszubreiten bzw. zu verteilen. Zu diesem Zweck
kann insbesondere ein Rüttelförderer mit einer
vorbestimmten Breite verwendet werden, der so ausgelegt ist, dass
das Halbleiter-Rohmaterial bevorzugt in einer Einfachlage oder Doppellage
flächig ausgebreitet wird.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform streicht über das Halbleiter-Rohmaterial
während des Transports durch die Fördereinrichtung
ein Spülgas gegenläufig zur Förderrichtung,
um das erwärmte Halbleiter-Rohmaterial von adsorbiertem
H2O und dergleichen zu befreien. Als Spülgas
wird bevorzugt ein geeignet erwärmtes inertes Gas, das
auch Wasserstoff enthalten kann, verwendet.
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Ganz
besonders bevorzugt wird das Halbleiter-Rohmaterial erfindungsgemäß diskontinuierlich erwärmt
und in den Behälter eingebracht, in Abhängigkeit
von dem jeweiligen Füllstand in dem Schmelztiegel. Bevorzugt
wird der Schmelztiegel solange nachgefüllt, bis die Schmelze
sich bis nahe dem oberen Rand des Schmelztiegels erstreckt.
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Figurenübersicht
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Nachfolgend
wird die Erfindung in beispielhafter Weise und unter Bezugnahme
auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben werden, woraus sich
weitere Merkmale, Vorteile und zu lösende Aufgaben ergeben
werden. Es zeigen:
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1 in
einer schematischen Schnittansicht eine Vorrichtung zur Herstellung
von ein- oder polykristallinem Silizium gemäß einer
ersten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung;
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2 in
einer schematischen Schnittansicht eine Vorrichtung gemäß einer
zweiten Ausführungsform der Erfindung;
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3 in
einer schematischen Schnittansicht eine Vorrichtung gemäß einer
dritten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung; und
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4 in
einer schematischen Darstellung eine Vorrichtung gemäß einer
vierten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
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In
den Figuren bezeichnen identische Bezugszeichen identische oder
im Wesentlichen gleich wirkende Elemente oder Elementgruppen.
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Ausführliche Beschreibung von
bevorzugten Ausführungsbeispielen
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Gemäß der 1 umfasst
die Kristallisationsanlage zur Herstellung von ein- oder polykristallinem
Silizium einen Schmelztiegel 8, der aus einem Quarztiegel
besteht, der eng anliegend in einem Graphittiegel aufgenommen ist,
um den bei der Schmelztemperatur des Siliziums erweichten Quarztiegel ausreichend
mechanisch abzustützen. Der Quarztiegel reicht bis zum
oberen Rand des Graphittiegels, so dass ein direkter Kontakt der
Siliziumschmelze bzw. des festen Rohmaterials 5 mit dem
Graphit ausgeschlossen ist. Der Tiegel ist ein kommerziell erhältlicher
Quarztiegel mit einer Grundfläche von beispielsweise 550 × 550
mm2, 720 × 720 mm2 oder
880 × 880 mm2 und weist eine Innenbeschichtung
als Trennschicht zwischen SiO2 des Tiegels
und Silizium auf. Oberhalb des Schmelztiegels 8 ist ein
Deckenheizer 7a vorgesehen, dessen Grundfläche
größer oder gleich der Grundfläche des
Schmelztiegels 8 ist. An den Seitenflächen des
Schmelztiegels 8 sind mehrere flächige Heizelemente 7b unter
geringem Abstand zu den Seitenflächen des Schmelztiegels 8 angeordnet.
Dabei ist der Abstand zwischen den Heizelementen des Mantelheizers 7b und
den Seitenwänden des Schmelztiegels 8 konstant über
den gesamten Umfang des Tiegels.
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Unterhalb
des Schmelztiegels 8 ist eine Kühlplatte 9 angeordnet,
die von einem Kühlmittel durchströmt wird. Zwischen
dem Schmelztiegel 8 und der Kühlplatte 9 ist
eine Tiegelaufstellplatte angeordnet (nicht gezeigt). Bei dem VGF-Kristallisationsverfahren
sind alle Heizer 7a, 7b temperaturgeregelt. Dazu
werden die Oberflächentemperaturen der Heizer 7a, 7b durch
Thermoelemente oder Pyrometer an geeigneter Stelle erfasst und in
eine Steuerungseinheit eingegeben, die die an den Heizern 7a, 7b anliegende
Spannung geeignet steuert bzw. regelt. Genauer gesagt wird bei dem
VGF-Verfahren mit feststehendem Tiegel ein axialer Temperaturgradient
aufgebaut. Das Temperaturprofil wird durch Variation der Heizertemperaturen
so verschoben, dass die Phasengrenze, welche die flüssige
Phase von dem auskristallisierten Silizium trennt, beginnend vom
Boden des Tiegels allmählich zum oberen Rand des Tiegels
hin wandert. Dies führt zu einer gerichteten, säulenartigen
Erstarrung des flüssigen Siliziums zu polykristallinem
Silizium. Die Temperaturregelung erfolgt dabei so, dass in dem Schmelztiegel 8 möglichst
ebene Isothermen ausgebildet sind.
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Dabei
kann der Mantelheizer 7b ausgelegt sein, um einen Temperaturgradienten
vom oberen Rand zum unteren Rand des Schmelztiegels 8 aufzubauen.
Zu diesem Zweck können die Heizelemente auch in zwei oder
mehrere vertikal übereinander angeordnete Segmente unterteilt
sein, die eine vom oberen Rand zum unteren Ende des Schmelztiegels hin abnehmende
Heizleistung aufweisen. Die auf gleichen Höhenniveau angeordneten
Segmente führen zur Ausbildung von ebenen, horizontalen
Isothermen und somit zur Ausbildung einer ebenen, horizontalen Phasengrenze.
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Der
Schmelztiegel weist bevorzugt einen vieleckigen Querschnitt auf,
insbesondere einen rechteckförmigen oder quadratischen
Querschnitt. Auf diese Weise kann der Verschnitt zur Herstellung der üblicherweise
vieleckigen, insbesondere rechteckförmigen oder quadratischen,
Solarzellen für die Photovoltaik minimiert werden.
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Die
gesamte Kristallisationsanlage ist von einer bevorzugt druckfesten
oder gasdichten Umhüllung (nicht gezeigt) umgeben, so dass
im Inneren eine inerte oder reduzierende Schutzgasatmosphäre aufgebaut
werden kann.
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Gemäß der 1 ragt
eine Fördereinrichtung 2 durch die Wärmeisolierung 6 hindurch
in den Innenraum des Schmelzofens hinein, um nachzufüllendes
festes, stückiges Rohmaterial 3 vom unteren Ende
des Vorrats- und Dosierbehälters 1 in den Schmelztiegel 8 zu
fördern. Erfindungsgemäß wird das feste,
stückige Rohmaterial 3 während des Transports
durch gezielten Wärmeeintrag auf eine Temperatur unterhalb
der Schmelztemperatur des Rohmaterials erwärmt. Das erwärmte
Rohmaterial fällt dann vom vorderen Ende der Fördereinrichtung 2 der
Schwerkraft folgend in den Schmelztiegel 8 herab.
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Gemäß der 1 dient
zur Erwärmung ein Rohrofen, welcher von im Bereich der
Wärmeisolierung 6 angeordneten Heizelementen 4 ausgebildet ist
und die Fördereinrichtung 2 abschnittsweise umgibt.
Die Fördereinrichtung selbst ist als Rüttelrinne 2 in
bekannter Weise ausgebildet und beispielsweise aus CFC oder Siliziumcarbid
(SiC) gefertigt. Die Rüttelrinne 2 breitet gleichzeitig
das einzubringende Rohmaterial flächig aus, so dass der
Wärmeeintrag im Bereich des Rohrofens 4 in das
bereits flächig ausgebreitete Rohmaterial erfolgen kann.
Dabei wird das Rohmaterial bevorzugt als Einfach- oder Doppellage
flächig ausgebreitet gefördert, wobei die Dicke der
Einfach- oder Doppellage bevorzugt kleiner als die Eindringtiefe
von elektromagnetischer Strahlung in das einzubringende Rohmaterial
ist. Gemäß der 1 streicht über
das auf der Rüttelrinne 2 transportierte feste,
stückige Rohmaterial ein Spülgas 13 im
Gegenstrom, und zwar nachgeordnet der Erwärmungseinrichtung 4,
um das vorgewärmte Rohmaterial von adsorbiertem H2O und weiteren Restgasen zu befreien.
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Bei
dem Ausführungsbeispiel gemäß der 2 erfolgt
der Wärmeeintrag durch Bestrahlung mit einem CO2-Laserstrahl 10, der über
ein Fenster 11 und eine Strahlführung in die Fördereinrichtung 2 eingekoppelt
wird. Eine geeignete Abbildungsoptik sorgt für eine geeignete
Aufweitung bzw. Abbildung des Laserstrahls auf das auf der Fördereinrichtung 2 flächig
ausgebreitete Rohmaterial. Die Fördereinrichtung 2 ist
als Rüttelrinne ausgebildet.
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Bei
der Ausführungsform gemäß der 3 erfolgt
die Wärmeeintragung durch Mikrowellenstrahlung, die von
einem Magnetron 12 über einen Wellenleiter 11 in
das von der Fördereinrichtung 2 geförderte
Rohmaterial eingekoppelt wird.
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Bei
einer Variante der vierten Ausführungsform, wie in der 4 gezeigt,
kann der Abstand zwischen dem Zentrum des Schmelztiegels 8 und
dem vorderen Ende der Fördereinrichtung 2 durch
waagerechte Verschiebung der Fördereinrichtung 2 beim Einbringen
des Rohmaterials verkürzt werden. Auf diese Weise werden
Spritzer und mechanische Beschädigungen einer Innenbeschichtung
des Schmelztiegels 8 wirkungsvoll verhindert. Gemäß der 4 erfolgt
der Wärmeeintrag zur Vorerwärmung des zusätzlich
eingebrachten Rohmaterials über den Deckenheizer.
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Durch
die Führung des Spülgases 13 im Gegenstrom
zu dem nachzufüllenden Rohstoff, die auch optional an-
und wieder abgeschaltet werden kann, kann bei geringem Förderstrom
bzw. maximalen Heizleistungen zeitlich partiell auf die Zusatzheizung verzichtet
werden.
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Wie
dem Fachmann ohne weiteres ersichtlich sein wird, können
bei der erfindungsgemäßen Kristallisationsanlage
auch beliebige andere Fördereinrichtungen verwendet werden,
die ausreichend temperaturstabil sind und füllfähiges
Rohmaterial in den Schmelztiegel befördern können.
Bevorzugt werden dabei Materialien mit geringer elektrischer Leitfähigkeit,
das Silizium nicht verunreinigt, beispielsweise Siliziumnitrid (Si3N4) oder das bereits
genannte CFC oder SiC.
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Nachfolgend
wird der Betrieb der erfindungsgemäßen Kristallisationsanlage
anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen näher
beschrieben werden.
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Ausführungsbeispiel 1
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Mit
Hilfe eines Temperatursensors wird die Oberflächentemperatur
der Silizium-Schüttung in dem Schmelztiegel kontinuierlich
erfasst. So kann festgestellt werden, dass und wann die Schmelztemperatur
von Silizium erreicht ist. Je nach Heizleistung zum Heizen des Schmelztiegels
sackt die Silizium-Schüttung mehr oder minder rasch zusammen. Die
Silizium-Schüttung schmilzt dabei von der Oberfläche
her. Eine vorbestimmte Zeitdauer nach Erreichen der Schmelztemperatur
von Silizium wird mit Hilfe der Fördereinrichtung zusätzliches
Silizium-Rohmaterial in den Schmelztiegel eingebracht. Die Förderrate
wird dabei geeignet in Abhängigkeit von der tatsächlichen
Heizleistung eingestellt. Die tatsächlich in den Schmelztiegel
eingebrachte Menge an Silizium-Rohmaterial wird mit Hilfe des Sensors
erfasst. Die Silizium-Schüttung sackt kontinuierlich in
dem Schmelztiegel zusammen. Der Eintrag des zusätzlichen
Silizium-Rohmaterials kann kontinuierlich oder in vorbestimmten
Zeitabständen und Dosierungsmengen erfolgen, jeweils entsprechend der
tatsächlichen Heizleistung. Das zusätzliche Silizium-Rohmaterial
ist durch gezielten Wärmeeintrag auf eine Temperatur wenig
unterhalb der Schmelztemperatur von Silizium erwärmt, sodass
die Schmelze in dem Schmelztiegel nur geringfügig abkühlt
und rasch wieder auf die bestimmungsgemäße Betriebstemperatur
gebracht werden kann.
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Ausführungsbeispiel 2
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Mit
Hilfe eines Temperatursensors wird die Oberflächentemperatur
der Silizium-Schüttung in dem Schmelztiegel kontinuierlich
erfasst. Eine zentrale Steuereinrichtung hat zuvor erfasst, welche Menge
an Silizium-Schüttung in dem Schmelztiegel eingebracht
worden ist. Oder diese Menge kann der zentralen Steuereinrichtung
eingegeben werden. In Abhängigkeit von der aktuellen Heizleistung
und der sich aktuell in dem Schmelztiegel befindlichen Menge Rohmaterials
wird eine vorbestimmte Menge zusätzlichen Rohmaterials
in dem Schmelztiegel nachgefüllt. Dieses Nachfüllen
kann kontinuierlich oder in mehreren, zeitverzögerten Schritten
erfolgen, zu denen jeweils eine vorgegebene Menge zusätzlichen Rohmaterials eingebracht
wird. Das zusätzliche Silizium-Rohmaterial ist durch gezielten
Wärmeeintrag auf eine Temperatur wenig unterhalb der Schmelztemperatur
von Silizium erwärmt, sodass die Schmelze in dem Schmelztiegel
nur geringfügig abkühlt und rasch wieder auf die
bestimmungsgemäße Betriebstemperatur gebracht
werden kann.
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Ausführungsbeispiel 3
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Mit
Hilfe eines Sensors wird die Oberflächentemperatur der
Tiegelfüllung kontinuierlich erfasst und so der Zeitpunkt
ermittelt, zu dem die Schmelztemperatur von Silizium erreicht ist.
Eine vorbestimmte Zeitdauer nach dem Erreichen des Schmelzpunkts wird
in Abhängigkeit von der tatsächlichen Heizleistung
eine vorbestimmte Menge zusätzlichen Rohmaterials in den
Schmelztiegel nachgefüllt. Dieser Schritt wird nach vorbestimmten
Zeitntervallen, entsprechend der aktuellen Heizleistung wiederholt,
solange bis ein vorbestimmter Füllstand des Schmelztiegels
erreicht ist. Das zusätzliche Silizium-Rohmaterial ist
durch gezielten Wärmeeintrag auf eine Temperatur wenig
unterhalb der Schmelztemperatur von Silizium erwärmt, sodass
die Schmelze in dem Schmelztiegel nur geringfügig abkühlt
und rasch wieder auf die bestimmungsgemäße Betriebstemperatur gebracht
werden kann.
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Ausführungsbeispiel 4
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Mit
Hilfe eines Temperatursensors wird die Oberflächentemperatur
der Tiegelfüllung kontinuierlich überwacht. Ferner
wird mit Hilfe eines visuellen Inspektionssystems und/oder eines
Abstandssensors der Füllstand des Schmelztiegels kontinuierlich überwacht.
Nach Absinken des Füllstands um eine vorbestimmte Höhe,
verursacht durch die Volumenschrumpfung der Silizium-Schüttung,
wird eine vorbestimmte Menge zusätzlichen Rohmaterials
in den Schmelztiegel nachgefüllt. Dieser Schritt wird wiederholt,
wenn der Füllstand des Schmelztiegels nach dem Nachfüllen
wieder um eine zweite vorbestimmte Höhe abgesunken ist.
Die Höhe, um die der Füllstand zwischen den einzelnen
Nachfüllschritten absinkt, reduziert sich aufgrund der
zunehmenden Füllung des Schmelztiegels. Alternativ, statt
in diskreten vorbestimmten Schritten zu arbeiten, kann das Nachfüllen von
Rohmaterial auch immer dann ausgelöst werden, wenn ein
vorbestimmter Füllstand des Schmelztiegels unterschritten
ist. Das zusätzliche Silizium-Rohmaterial ist durch gezielten
Wärmeeintrag auf eine Temperatur wenig unterhalb der Schmelztemperatur
von Silizium erwärmt, sodass die Schmelze in dem Schmelztiegel
nur geringfügig abkühlt und rasch wieder auf die
bestimmungsgemäße Betriebstemperatur gebracht
werden kann.
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Zur
Prozesssteuerung kann die zentrale Steuereinrichtung auf Erfahrungswerte
zurückgreifen. Dies betrifft insbesondere die erforderliche
Zeitdauer zum Aufschmelzen der Schüttung bei bekannter
Heizleistung, die unter anderem auch von der thermischen Isolierung
des Schmelztiegels abhängig ist. Solche Erfahrungswerte
können anhand vorheriger Prozesse oder anhand numerischer
oder physikalischer Simulationen ermittelt werden. Die Erfahrungswerte
können auch durch Überwachung weiterer Prozesse
kontinuierlich aktualisiert werden.
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Wie
dem Fachmann ohne weiteres ersichtlich sein wird, eignet sich das
erfindungsgemäße Verfahren nicht nur zur Herstellung
von polykristallinem Silizium nach dem VGF-Verfahren sondern auch
zur Herstellung von beliebigen Einkristallen, insbesondere von Germanium-
und Calciumfluorid-Einkristallen.
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- 1
- Vorratsbehälter
- 2
- Fördereinrichtung
- 3
- granulares
Rohmaterial
- 4
- Heizelemente
- 5
- Schmelze
bzw. festes Rohmaterial
- 6
- Wärmeisolierung
- 7a
- Deckenheizer
- 7b
- Mantelheizer
- 8
- Schmelztiegel
- 9
- Kühlplatte
- 10
- Laserstrahl
- 11
- Durchführung
für Laserstrahl/Wellenleiter
- 12
- Magnetron
- 13
- Spülgas
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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-
Zitierte Patentliteratur
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- - US 6743293
B2 [0004]
- - DE 3217414 C1 [0009]
- - DE 4213481 C1 [0010]
- - US 4353726 [0011]
- - EP 0315156 B1 [0013]
- - EP 1338682 A2 [0014]
- - JP 01-148780 A [0014]
- - US 2004/0226504 A1 [0015]
- - US 2006/0060133 A1 [0015]
- - JP 07-277874 A [0016]
- - JP 2006-188376 A [0017]
- - JP 07-118089 A [0018]