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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines insbesondere
faserverstärkten
Formteils mit aufgeschäumter
Matrix, vorzugsweise eines Hartschaumformteils und insbesondere
einer Hartschaumplatte, in einer geschlossenen Form.
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Die
Herstellung geschäumter
Formkörper
ist als solches bekannt und wird mit verschiedenen Technologien
durchgeführt.
Man unterscheidet die Befüllung
von offenen und geschlossenen Formen.
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Bei
geschlossener Fülltechnik
wird die Form an wenigstens einem geeigneten Punkt der Form mittels eines
speziell konstruierten Angusses oder direkt durch das Auslaufrohr
eines Mischkopfes befüllt.
Die Form wird vollständig
ausgefüllt,
indem das reagierende Gemisch sich nach dem Füllen ausdehnt, d. h. aufschäumt.
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Bei
der offenen Befüllung
wird im Allgemeinen der Mischkopf während des Füllvorgangs über der Form bewegt, um auf
diese Weise die Fließwege
möglichst
gering zu halten. Alternativ kann das Rohstoffgemisch gesprüht werden,
wobei ebenso der Mischkopf auch über
der Formenoberfläche,
die nun nicht mehr liegen muss, bewegt wird. Gerade bei kleineren
Formen genügt
unter Umständen
eine stationäre
Zugabe von einem Injektionsport oder Mischkopf aus, oder es können mehrere
stationäre
Zuführpunkte,
auch für
die Materialaufgabe durch Sprühen,
vorgesehen werden.
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Die
geschlossene Fülltechnik
führt zu
relativ langen Fließwegen.
Deswegen ist es üblich,
nur geschäumte
Formteile mit einfacher Geometrie geschlossen zu füllen. Offen
werden Formteile befüllt,
bei denen es aufgrund der Formteilgeometrie geschlossen zu langen
Fließwegen
käme. Das
Schließen
einer Form dauert jedoch insbesondere bei großen Formen wegen der bewegten
Massen relativ lange. Deswegen können hochreaktive
Systeme nur bedingt in offenen Formen verarbeitet werden. Besonders
kurze Formenstandzeiten werden daher meist in geschlossenen Werkzeugen
realisiert.
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Der
Grund für
das ungünstige
Fließverhalten
von aufsteigenden Schaumstoffen liegt in dem rasanten Viskositätsanstieg
des Materials. Hierbei überlagern
sich der Viskositätsan stieg
bei fortschreitender Polymerisation des Grundmaterials mit dem Viskositätsanstieg
durch den Schaum, der als solches eine höhere Viskosität als die
ihn konstituierende Flüssigkeit
besitzt. Auf diese Weise wird der Effekt des Viskositätsanstiegs
der reagierenden Flüssigkeit
durch die Schaumbildung verstärkt.
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Dies
hat in der Praxis konkrete Auswirkungen. Befällt man eine Form geschlossen,
so wird zur vollständigen
Befüllung
mehr Material benötigt,
als wenn man diese Form offen befüllt. Mit anderen Worten lassen sich
mit offenen Formen niedrigere Rohdichten realisieren.
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Besonders
kompliziert wird die Situation, wenn Verbundwerkstoffe, insbesondere
faserverstärkte Formteile
und Formteile in Sandwich-Bauweise hergestellt werden sollen. Die
Verstärkungsmaterialien
und Einlagen müssen
dann vor dem Befüllen
der Form mit dem verbindenden Matrixmaterial, hier dem Schaum, in die
Form eingebracht werden. Dabei kann es sich um Gewebe, z. B. aus
Endlosfasermatten, oder speziell entwickelte komplexe Verbundeinlagen
handeln. Auch können
zusätzliche
Kernwerkstoffe von Auflagen umgeben sein. Ferner können Verstärkungen
und/oder Einlagen durch sogenannte „Spacer” in der richtigen Position
innerhalb der Form gehalten werden. Die Spacer müssen porös oder durchlässig für das für die Befüllung der Form
vorgesehene Matrixmaterial sein.
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Als
Faserwerkstoffe, d. h. als Verstärkungsmaterialien
und gegebenenfalls auch als Abstandshalter, kommen zum Beispiel
Glasfasern, Aramidfasern, Kohlefasern (Carbonfasern), Basaltfasern,
Silikatfasern, Naturfasern oder Hybridgarne aus verschiedenen Fasern
in Frage. Als Kernwerkstoffe für
Sandwich-Konstruktionen werden häufig
vorgefertigte Einlagen aus PUR-Schaum, PVC-Schaum oder auch Holz
verwendet.
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Die
Verwendung von Verstärkungen
und Einlagen in auszuschäumenden
Formen ist grundsätzlich
sowohl für
das Niederdruckverfahren – dann
bei langsam ausreagierenden Systemen – wie auch für das Einschießen hochreaktiver,
schnell ausreagierender Systeme möglich. Die Beherrschung hochreaktiver
Schaum- und Massivsysteme, deren Formzeiten im Minutenbereich bis
zu unter einer Sekunde liegen können,
gelingt mit dem sogenannten Reaktionsschaumguss (RSG) oder „Reaction
Injection Molding” (RIM).
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Sofern
bei diesem Verfahren Verstärkungsfasern
verwendet werden, spricht man allgemein von R-RIM (Reinforced RIM).
Die Fasern können
dabei einer Reaktionskomponente beigemischt sein. Für den spezielleren
Fall, dass die Verstärkungen
strukturiert, z. B. in Form von Matten oder anderen strukturierten
Verstärkungsgebilden,
eingebracht werden, spricht man auch von S-RIM (Structural RIM)
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Eine
weitere bekannte Technologie zur Herstellung von Verbundwerkstoffen
mit Faservertärkungen
ist das RTM-Verfahren (Resin Transfer Moulding). Zunächst werden
Einlagen, Kernmaterialien, Spacer und Verstärkungen, z. B. in Form von
Fasermatten, in die Form eingebracht und die Form wird geschlossen.
Danach wird ein Harz-Härter-Gemisch über ein
oder mehrere Injektionsports in die Form eingeführt bzw. gesprüht. Der Harzfluss
kann verbessert werden, indem Vakuum an die Form angelegt wird.
Die Aushärtung
wird typischerweise durch ein Beheizen der Formen beschleunigt.
Als Harzsysteme werden z. B. Polyester, Vinylester, Epoxidharze
oder Phenolharze verwendet. Die beim RTM-Verfahren gewöhnlich als
reines Bindemittel verwendeten Harze schäumen jedoch nicht auf.
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Ein
bei Reaktion aufschäumendes
Matrixmaterial kann Verstärkungsmaterialien
und Spacermatten jedoch im Allgemeinen nur noch schwer durchdringen.
Die hierbei sprunghaft ansteigende Viskosität und der damit erforderliche
höhere
Fülldruck,
wie auch dadurch sich ergebende Inhomogenitäten im Produkt stellen den Fachmann
vor ernsthafte Probleme beim Befüllen
geschlossener Formen mit Schäumen.
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Ein
Verfahren, bei dem sich in einer geschlossenen Form das Matrixmaterial
gleichmäßig verteilt,
so dass während
des Aufschäumens
kurze Fließwege
erreichbar sind, wäre
ein nennenswerter technischer Fortschritt.
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Die
Aufgabe der Erfindung besteht daher darin, ein bezüglich der
vorgenannten Nachteile beim Schäumen
in geschlossenen Formen deutlich verbessertes Herstellungsverfahren
für Formteile
mit aufgeschäumter
Matrix und dabei insbesondere für
faserverstärkte
Formteile zur Verfügung
zu stellen.
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Diese
Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit einem
Verfahren zur Herstellung eines Formteils mit aufgeschäumter Matrix
in einem geschlossenen Formwerkzeug, bei welchem
- – das Kavitätsvolumen
der Form auf einen Bruchteil des späteren Formteilvolumens verkleinert
wird,
- – ein
Treibmittel enthaltendes Reaktionsgemisch für die Matrix des Formteils
in einem oder mehreren Schritten hergestellt und in die Kavität des Formwerkzeugs
eingebracht wird,
- – das
Reaktionsgemisch unter Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
aufschäumen
gelassen wird,
- – das
Formteil nach vorbestimmter Reaktionszeit entformt wird.
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Für die Herstellung
eines faserverstärkten
Formteils mit aufgeschäumter
Matrix in einer geschlossenen Form wird:
- – die für das faserverstärkte Formteil
vorgesehene Verstärkung – und gegebenenfalls
zusätzliche
Einlagen, Kernwerkstoffe und/oder Spacer – in die Kavität des Formwerkzeugs
eingebracht,
- – das
Kavitätsvolumen
der Form auf einen Bruchteil des späteren Formteilvolumens verkleinert,
- – ein
Treibmittel enthaltendes Reaktionsgemisch für die Matrix des Formteils
in einem oder mehreren Schritten hergestellt und in die Kavität des Formwerkzeugs
eingebracht,
- – das
Reaktionsgemisch unter Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
aufschäumen
gelassen und
- – das
Formteil nach vorbestimmter Reaktionszeit entformt.
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Das
Reaktionsgemisch für
die Matrix ist vorzugsweise eine Hartschaummasse und die Matrix
wird vorzugsweise aus Polystyrol oder Polyurethan gebildet, besonders
bevorzugt ist Polyurethan. Dabei kann das Polyurethan-Reaktionsgemisch
unmittelbar vor dem Einbringen in die Kavität des Formwerkzeugs aus den
Ausgangskomponenten im sogenannten one-shot-Verfahren oder mit Hilfe
von Prepolymeren hergestellt werden, wie dies dem Fachmann geläufig ist.
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Grundsätzlich sind
als Treibmittel alle gängigen
physikalischen oder chemischen Treibmittel geeignet, wie sie vom
Fachmann zum Schäumen
der betreffenden Polymere (vorstehend Matrix genannt) verwendet werden.
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Beim
schnellen Arbeiten in der Wärme
kann als Treibmittel Wasser vorgesehen sein, oder es kommen Stoffe
zum Einsatz, die während
der Reaktion (der reaktiven Bildung des Matrixmaterials in der Form)
ein gasförmiges
Treibmittel wie zum Beispiel CO2 abgeben.
Geeignet hierfür
sind beispielsweise Carbamate.
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Ferner
sind alle üblichen
physikalischen Treibmittel für
die Durchführung
der Erfindung geeignet. U. a. alle Arten inerter Gase, CO2, Wasserdampf, Luft, Stickstoff, Edelgase
und/oder Fluorkohlenwasserstoffe, aber auch Stickoxide. Bevorzugt
werden auch solche Treibmittel eingesetzt, die zur Ausbildung einer
integralen Haut führen.
Dies sind im Allgemeinen Flüssigkeiten,
die ihren Siedpunkt im Bereich Raumtemperatur haben. Traditionell
wurden dafür
Chlorfluor-Kohlenwasserstoffe eingesetzt. Heute werden vorwiegend
Fluorkohlenwasserstoffe wie 365mfc oder 245fa oder auch verschiedene
Alkane zum Einsatz gebracht, insbesondere wird dabei Pentan genutzt.
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Die
Faserverstärkung
kann eine Verstärkung
aus organischen und/oder anorganischen Fasern, vorzugsweise Karbonfasern,
Glasfasern oder Basaltfasern sein. Ebenfalls geeignet sind Aramidfasern,
Silikatfasern u. a. m.. Diese Fasern werden üblicherweise in Form von gewebten,
gewirkten oder filzartigen Matten verwendet (Gewebe, Gewirk, Vlies).
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Die
Spacer (meist Abstandsmatten oder Abstandsgewirke) dienen dazu,
das Volumen für
das Matrixmaterial an der vorgesehenen Position relativ zu Einlagen
und Verstärkungen
innerhalb des späteren
Formteils freizuhalten. Hierfür
werden häufig
lockere Naturfasermatten mit großen freien Zwischenräumen verwendet. Es
gibt am Markt zahlreiche bekannte Abstandsgewirke, -matten oder
-vliese, z. B. aus Viskose, Zellulose, Baumwolle, Kunststoffen oder
Draht, oder aus Kunstfasern, wie unten im Beispiel, z. B. aus Polyamid
oder Polyester.
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Bezüglich der
Werkstoffe, Verstärkungsfasern
und der Chemie der Martrixmaterialien ist das Verfahren keinen besonderen
Beschränkungen
unterworfen. Der Kern der Erfindung liegt vielmehr in dem verfahrenstechnischen
Merkmal, das Kavitätsvolumen,
das heißt
das Innenvolumen der Form, welches durch die aufschäumende Masse
ausgefüllt
wird nachdem Verstärkungen
und ggf. zusätzlich
Spacer und weitere Sandwich- oder Einlagematerialien eingelegt wurden,
vor dem Befüllen
mit der aufzuschäumenden
Masse soweit zu verkleinern, dass das Anfangsvolumen des Füllmaterials
die Form weitgehender, wenn nicht fast vollständig, ausfüllt, so dass dadurch beim anschließenden Aufschäumen deutlich
verringerte Fließwege
erzielt werden.
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In
einer Ausführungsform
der Erfindung ist vorgesehen, dass das Formteil eine Platte oder
ein Quader ist. Auch andere Geometrien sind jedoch realisierbar,
sofern bei dem zugehörigen
Formwerkzeug eine Vergrößerung und
Verkleinerung der Kavität
während
der Form teilherstellung durchgeführt
werden kann.
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Generell
ist das Formwerkzeug wenigstens zweiteilig, wobei das Volumen der
Kavität
der Form durch bewegen wenigstens eines Formwerkzeugteils relativ
zu einem anderen vergrößert und
verkleinert werden kann. Praktisch kann hierfür beispielsweise ein Deckel,
ein Stempel oder eine Schale relativ zu einem fixierten Formwerkzeugteil
bewegt, verstellt oder verfahren werden; ein Deckel oder Oberstempel
wird im Normalfall angehoben und abgesenkt. Für das leichtere Einführen der
Verstärkung
kann der Deckel oder Oberstempel wahlweise auch ganz abgenommen
werden. Eine andere Variante besteht darin, den Deckel zunächst horizontal
verfahrbar und dann zusätzlich
aufklappbar zu gestalten.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsform
der Erfindung kann auch ein Unterwerkzeug in Form einer Schale relativ
zu einem feststehenden Deckel oder Stempel verfahren werden. Dabei
wird vorzugsweise das Unterwerkzeug – der „Boden” – zunächst von der Seite unter den
Deckel oder Stempel gefahren, nachdem die Verstärkung eingelegt wurde. Wenn
das Unterwerkzeug unter dem Deckel oder Stempel richtig positioniert wurde,
wird es in Richtung Deckel angehoben, und zwar soweit, bis das verkleinerte
Volumen erzeugt wurde. Der Boden kann nun entweder gesteuert während des
Schäumens
nach unten bewegt oder durch den Schaumvorgang nach unten gedrückt werden,
wie oben grundsätzlich
schon beschrieben. Durch weiteres absenken des Bodens kann nun die
Form getrennt und das Formteil entnommen werden. In einer weiteren
bevorzugten Ausgestaltung können
mehrere Unterwerkzeuge auf einem Formträger vorhanden sein, die taktweise
seitlich verfahren, angehoben und abgesenkt werden.
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Vorzugsweise
erfolgt die Verkleinerung des Kavitätsvolumens der Formteilkavität, d. h.
des Raums, der durch das spätere
Formteil ausgefüllt
wird, so weit, dass das Volumen gerade dem Volumen und den Ausmaßen der
Verstärkung
und ggf. anderer Einlagen entspricht, weiter vorzugsweise erfolgt
die Verkleinerung unter Kompression der Verstärkung. Dabei handelt es sich
um eine leichte Kompression, die die Permeabilität der Verstärkung für das Reaktionsgemisch – zumindest
das noch nicht aufgeschäumte,
flüssige
Reaktionsgemisch – nicht
zu sehr beeinträchtigen
darf.
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In
bevorzugter Ausführungsform
ist das verkleinerte freie Volumen der Kavität wenig größer oder gleich dem Schussvolumen
der Matrixmasse, d. h. des Reaktionsgemisches.
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Vorzugsweise
ist das verkleinerte freie Volumen um nicht mehr als 20%, weiter
vorzugsweise nicht mehr als 10% größer als das Schussvolumen der
Matrixmasse. Auf diese Weise füllt
die injizierte Schussmasse das verkleinerte Volumen ganz oder fast
vollständig
aus, einschließlich
womöglich
an der Form gebildeter feiner Strukturierungen, Kanäle, Ausbuchtungen,
Aussackungen und dergleichen. Unter dem verkleinerten freien Volumen
der Kavität
wird dabei das durch Relativbewegung des einen Formwerkzeugteils,
vorzugsweise des Oberwerkzeugs, verkleinerte Volumen der Kavität abzüglich des
vom Matrixmaterial (Schaum) nicht durchdringlichen Volumens der
Verstärkung,
Spacer und sonstigen Einlagen verstanden. Dies bedeutet, dass das
Schussvolumen des Reaktionsgemisches die Kavität und alle Zwischenräume der
Abstands-, Verstärkungs-
und sonstigen Einlagematten weitgehend oder vollständig ausfüllen kann.
Dies zwingt die Masse vor dem Aufschäumen oder zumindest im Anfangsstadium
des Aufschäumens
an jeden Ort der Kavität,
so dass die gleichmäßige Verteilung
der Schussmasse in einer größeren Kavität, die bei
herkömmlichen
Verfahren dem Volumen des späteren
Formteils entspräche,
kein Problem mehr darstellt. Unter Schussmasse, bzw. Schussvolumen
versteht man Masse bzw. Volumen der für ein Formteil bemessenen Portion
des Reaktionsgemisches.
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Für die anschließende Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
bis auf das Volumen des späteren
Formteils ergeben sich mehrere Verfahrensvarianten:
Gemäß einer
ersten Ausführungsform
kann die Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
durch die Expansion der Matrix beim Aufschäumen bewirkt werden. Hierfür wird das
bewegliche Formwerkzeugteil beim Aufschäumen des Matrixmaterials frei
beweglich geführt,
z. B. indem man einen Formwerkzeug-Deckel auf der Schaummatrix auftreiben
lässt,
und zwar entweder bis der Aufschäumvorgang
zum erliegen gekommen ist, oder bis zu einem vorher bestimmten Anschlag.
Die Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
wird bis zu einem vorbestimmten maximalen Volumen geführt und
die Formteilabmessungen werden konstant gehalten. Zum Ende des Aufschäumvorgangs
kann ein Druck auf das Formteil erzeugt werden, der eine verdichtete
Formteiloberfläche
bewirkt. Dies ist unter anderem durch Abstimmung der Schussmasse
auf ein durch Anschlag begrenztes Endvolumen einstellbar.
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Gemäß einem
anderen Ausführungsbeispiel
der Erfindung kann die Vergrößerung des
Kavitätsvolumens
durch gesteuertes Bewegen des Formwerkzeugteils bewirkt werden.
Hierbei kann in der Kavität
des Formteils zeitweise positiver oder negativer Druck erzeugt werden.
Der Druck sollte vorzugsweise immer so eingestellt werden, dass
das im jeweili gen Moment vorhandene Formvolumen vollständig oder
fast vollständig (zu
wenigstens 90 oder 95 Vol-%) ausgefüllt wird. Die verschiedenen
Verfahrensführungen
lassen Variationsmöglichkeiten
bei der Rohdichte des Produkts, d. h. des fertigen Formteils, zu.
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Das
Einbringen des Reaktionsgemisches für die Matrix sollte in einem
möglichst
kurzen Zeitraum erfolgen. Die Topfzeit oder Reaktionszeit liegt
für viele
der verwendbaren Schaummassen zwischen einigen Sekunden bis zu einigen
Minuten (von ca. 1 bis 20 Sekunden bis maximal 5 bis 10 Minuten).
Die Aufschäumzeiten sind
demgegenüber
länger.
Das Einbringen sollte vor zu starker Viskositätserhöhung erfolgen, d. h. in einem Zeitraum
bis zu wenigen Minuten, vorzugsweise wenigen Sekunden, vorzugsweise
unter 20 Sekunden, weiter vorzugsweise unter 10 Sekunden.
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In
Weiterbildung der Erfindung wird das Reaktionsgemisch für die Matrix,
d. h. die frisch angesetzte und gemischte Reaktionsmasse (Matrixmasse)
vor dem Aufschäumen
bzw. anfangs des Aufschäumens,
so in die (zu diesem Zeitpunkt verkleinerte) Form eingebracht, dass
alle oder ein Großteil
der bereits in der Form befindlichen Verstärkungsfasern benetzt werden,
und zwar vorzugsweise wenigstens über eine Formteilquerschnittsfläche verteilt.
Bei kleinen Formteilen kann das Formwerkzeug während des Befüllens ggf.
bewegt, z. B. gedreht werden. Die Masse kann auch, wie an sich bekannt,
mit Hilfe von Unterdruck in die Kavität eingezogen werden.
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Wenn
das Volumen, wie oben beschrieben, soweit verkleinert wurde, dass
die initiale Masse dieses verkleinerte Volumen praktisch ausfüllt, werden
selbstverständlich
auch die Verstärkungsfasern
insgesamt benetzt. Ist jedoch der Verkleinerungsgrad geringer, so
dass die initiale, reaktionsfähige
Matrixmasse sich lediglich in der Form verteilt, ohne diese jedoch
auszufüllen,
ist es vorteilhaft, wenn sich die Masse zunächst möglichst gleichmäßig entlang
der Dimension mit der größten Längenausdehnung
verteilt, z. B. über
einen möglichst
großen
Formteilquerschnitt, damit die Fließwege, die beim Aufschäumen und
mit dann stetig steigender Viskosität noch zurückgelegt werden müssen, möglichst
klein sind.
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Die
erfindungsgemäße Verkleinerung
der Kavität,
bzw. des Volumens der Kavität,
hat den Vorteil, dass deutlich weniger Treibmittel eingesetzt werden
muss als bei herkömmlichen
Verfahren, da der Fließweg
bei dem in dieser Weise durchgeführten
erfindungsgemäßen Verfahren
lediglich gleich dem Auftriebsmaß ist. Auch bei geringerem
Schussvolumen wird die Kavität
nach einer Verringerung des Kavitätsvolumens im Vergleich zum
Formteil- Endvolumen
immer breiter und gleichmäßiger zwischen
Verstärkung
und Abstandsmatten verteilt als ohne Kavitätsverkleinerung.
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Ein
weiterer Vorteil der Erfindung besteht darin, dass ein geringerer
Formeninnendruck entsteht als bei herkömmlichen Verfahren, was eine
günstigere
Gestaltung der Dichtflächen
im Werkzeug erlaubt. Wegen des geringeren Forminnendrucks können geringere
Treibmittelmengen in der Formulierung eingesetzt werden. Dies führt zu preiswerteren
und prozesssicheren Rohstoffsystemen.
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Die
prinzipielle Abfolge der Verfahrensschritte in der Praxis ist folgendermaßen:
Zunächst wird
das Formwerkzeug eingetrennt und das wie gewünscht geformte Verstärkungsmaterial
wird in die Form, bzw. ein Formwerkzeugteil, eingelegt, z. B. als
Verstärkung
ein oder mehrere Matten oder Vliese, und ggf. weitere strukturgebende
Werkstoffe, wie z. B. verschiedene Kern- und Verbundwerkstoffe.
Die Form wird geschlossen und, falls erforderlich, für die Volumenverkleinerung
und anschließende
-vergrößerung eingerichtet.
Das Volumen der Werkzeugkavität
wird reduziert, z. B. über
die Eintauchtiefe des Oberwerkzeugs in Form eines Deckels oder Stempels.
Danach wird die reaktive Matrixmasse über wenigstens einen Anguss
oder Mischkopf eingetragen, bzw. eingeschossen. Die Zuführung wird
danach ebenfalls verschlossen. Dann wird die Formwerkzeugkavität, d. h.
deren Kavitätsvolumen,
während
der Reaktion und des Aufschäumens
des Matrixmaterials wie gewünscht
vergrößert, z.
B. durch die Volumenvergrößerung der
Matrixmasse selbst bei druckfrei gehaltenem Oberwerkzeug. Nach Erreichen
der Endformzeit wird das Formwerkzeug geöffnet und das Formteil entnommen.
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Zur
Durchführung
des Verfahrens ist das Formwerkzeug selbst wie als solches bekannt
in eine Anlage eingebunden. Die Anlage kann zusätzlich Lagertanks, Arbeitsbehälter, Dosieraggregate,
Mischeinheiten, Formenträger
mit jeweils ein oder mehreren Werkzeugen und zugehörigen Schließeinheiten,
Heizvorrichtungen und anderes mehr enthalten, jeweils soweit erforderlich.
Bei großen
Teilen, wie z. B. Platten, sind stationäre Anlagen üblich, bei kleineren Teilen
kann diskontinuierlich taktweise auf bewegten Trägern gearbeitet werden. Dies
ist dem Fachmann bekannt und braucht daher nicht gesondert ausgeführt zu werden.
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Wesentlich
für die
Erfindung ist das neue Formwerkzeug zur Durchführung des Verfahrens.
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Zur
Lösung
der Aufgabe umfasst die Erfindung daher auch ein Formwerkzeug für den Guss,
vorzugsweise den Druckschaumguss (RIM, bzw. S-RIM) in geschlossener
Form. Dieses erfindungsgemäße Formwerkzeug
besitzt eine Kavität,
die das Volumen und die Form des gegossenen Formteils bestimmt,
und wenigstens zwei relativ zueinander bewegliche Formwerkzeugteile,
die diese Kavität
bilden, beispielsweise eine Wanne und einen relativ hierzu beweglichen
Deckel oder Stempel oder auch zwei Schalen, von denen die eine stationär sein kann.
Dabei ist das Formwerkzeug so eingerichtet, dass durch eine relative
Bewegung der Formwerkzeugteile zueinander das Volumen der Kavität bis auf
einen Bruchteil des späteren
Formteilvolumens verkleinert und bei befüllter Kavität bis auf das Formteilvolumen
vergrößert werden
kann.
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Vorzugsweise
ist an dem Formwerkzeug ein Anschlag angeordnet, der das maximale
Kavitätsvolumen begrenzt.
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In
Weiterbildung der Erfindung kann dem Formwerkzeug eine Steuerung
zugeordnet sein, mit der die Vergrößerung und Verkleinerung des
Kavitätsvolumens
steuer- oder regelbar ist.
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Im
Folgenden wird die Erfindung anhand eines Beispiels in Verbindung
mit der Zeichnung näher
erläutert.
Dies dient allein der Illustration und zum besseren Verständnis der
Erfindung und beschränkt
nicht die vorausgegangene allgemeine Beschreibung bezüglich der
möglichen
Ausgestaltungen der Erfindung.
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In
der Zeichnung zeigen:
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1 das
geöffnete
Formwerkzeug mit eingelegter Verstärkung;
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2 das
geschlossene Formwerkzeug mit verkleinerter Kavität vor Einbringen
der Gussmasse;
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3 das
geschlossene Formwerkzeug nach Erreichen der Endformzeit mit vergrößerter Kavität.
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Wie
in 1 gezeigt, wird das im Ganzen mit 10 bezeichnete
Formwerkzeug zunächst
geöffnet,
d. h. der Deckel oder das Formwerkzeug-Oberteil 1 wird
soweit angehoben, dass die Verstärkungs-
und Abstandsmatten 20 in der gewünschten Zusammenstellung und
Reihenfolge in das Unterwerkzeug bzw. das Formwerkzeug-Unterteil 2 eingelegt
werden können.
Alternativ könnte
der Deckel, anders als hier gezeigt, ganz abgenommen werden. In
der Zeichnung nicht dargestellt sind die hier hinter der Zeichnungsebene
liegenden höhenverstellbaren
Scharniere des Deckels und die zum Schließen der Form verwendeten Klammern
und Spanner. Das Formwerkzeug 10 besitzt Seitenführungen 3,
die die Bewegung des Deckels seitlich begrenzen. In diesem Beispiel
ist das Volumen der locker eingelegten Matten 20 größer als
das Kavitätsvolumen
und damit auch als das spätere
Formteilvolumen. Diese Matten werden daher im Verlauf des weiteren
Verfahrens komprimiert. Das Verfahren verläuft jedoch grundsätzlich ebenso,
wenn die Matten das Formwerkzeug-Unterteil 2 nicht
ausfüllen.
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2 zeigt
die Form, nachdem der Deckel 1 bereits abgesenkt und geschlossen
wurde. Dabei wurde das Kavitätsvolumen
gegenüber
dem Endvolumen des fertiggestellten Formteils verkleinert und die
Matten wurden komprimiert. Nach Absenken des Deckels 1 wurden
die Anschläge 4 in
Position gebracht, die beispielsweise aus der Seitenführung ausgefahren
oder ausgeschwenkt oder an diese angeklemmt werden können. Nun
wird das Reaktionsgemisch für
das Matrixmaterial der Platte, d. h. vorzugsweise die Polyurethan-Hartschaummasse,
durch den zentralen Anguss 5 in die verkleinerte Kavität 6 der
Form eingebracht.
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Wie
nun in 3 gezeigt, treibt die aufschäumende Polyurethan-Matrixmasse
den Deckel 1 nach oben, und zwar bis zu den Anschlägen 4,
die als Auftriebsbegrenzung dienen. Wenn der Deckel 1 an
die Anschläge
und Auftriebsbegrenzungen 4 anschlägt, ist damit das Maximalvolumen
der Kavität 6 erreicht,
und die Kavität
bestimmt nun die endgültige
Größe und Form
des Formteils. Je nach Einstellung des Reaktionsgemisches und insbesondere
der Treibmittelmenge kann dabei eine mehr oder weniger verdichtete
Formteiloberfläche
entstehen. In diesem Beispiel ist die Auftriebshöhe und die anfängliche
Verkleinerung des Kavitätsvolumens
so gewählt,
dass das Schussvolumen des Reaktionsgemisches die verkleinerte Kavität 6 praktisch
ausfüllt
und das maximale Kavitätsvolumen
erreicht wird, wenn der Aufschäumvorgang
praktisch abgeschlossen ist.
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Alternativ
kann das Absenken und Anheben des Deckels 1 relativ zum
Unterteil 2 auch gesteuert erfolgen. Der über einen
gesteuerten Stellmotor betätigte
Deckel würde
bis zu einem jeweils vorbestimmten Endpunkt hochgefahren und gegebenenfalls
auch abgesenkt. Ein gesonderter Anschlag kann sich dann erübrigen.
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BEISPIEL
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Für die Herstellung
einer basaltfaserverstärkten
Polyurethan-Hartschaumplatte mit einem angestrebten Raumgewicht
von 400 ± 50
kg/m
3, inklusive aller Gewebeeinlagen, wurde
ein Aluminium-Werkzeug mit den nachfolgenden Spezifikationen verwendet,
das über
einen zentralen Anguss im Oberdeckel verfügte. Der Deckel, d. h. das
Oberwerkzeug besaß entlang
einer seiner Kanten höhenverstellbar
einstellbare Scharniere und gegenüber von diesen Scharnieren
Verschlussklammern, hier in Form von Spanner der Firma DE-STACO
®. Formwerkzeug-
und Beispielspezifikationen:
| Länge: | 1350
mm |
| Breite: | 350
mm |
| Höhe bei Max.
Volumen: | 19
mm |
| Höhe bei Min.
Volumen: | 11
mm |
| Werkzeug
Temp: | 60°C |
| Einschussgewicht: | 2700
g |
| Gewicht
der | |
| Gewebeeinlage: | 985
g |
| Formteilgewicht: | 3695
g |
| Austragsleistung: | 400
g/sec |
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Für die Gewebeeinlage
wurden folgende Matten übereinandergelegt:
- 1 Polyamidmatte (Fa. ENKA® GmbH), 3 mm – Abstandsmatte
Plattenoberfläche;
- 1 Matte aus Basaltroving-Gewebe 550 g/m2,
1 mm – Verstärkungsmatte;
- 2 Polyamidmatten (Fa. ENKA® GmbH), je 15 mm – Abstandsmatte
Plattenkern;
- 1 Matte aus Basaltroving-Gewebe 550 g/m2,
1 mm – Verstärkungsmatte;
- 1 Polyamidmatte (Fa. ENKA® GmbH), 3 mm – Abstandsmatte
Plattenoberfläche.
(Polyamid = Nylon®)
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Die
Abstandsmatten dienen dazu, das Volumen für das Matrixmaterial an der
vorgesehenen Position relativ zu Einlagen und Verstärkungen
innerhalb des späteren
Formteils freizuhalten. Hier wurden Polyamidmatten, nämlich im
Handel erhältliche
Enka®matten
aus Nylon®,
verwendet.
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Für die Verstärkung wurde
in diesem Beispiel eine Basaltrovingmatte gewählt. Es handelt sich dabei um
ein Gewebe aus Basaltendlosfasern (Roving)
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Die
Matrixmasse war eine konventionelle Polyurethan-Hartschaummasse.
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Das
Grundwerkzeug besaß eine
quaderförmige
Kavität
für eine
Platte mit den Kavitätsmaßen 1350 × 350 × 19. Die
Kavität
wurde durch ein wannenförmiges
oder schalenförmiges
Unterwerkzeug mit den vorgenannten Wannenmaßen und einen ebenen Deckel
als Oberwerkzeug gebildet. Im Bereich der Kavität wurde der Deckel so verstärkt, dass
die Kavitätshöhe sich
bei vollständig,
d. h. formschlüssig
geschlossenem Deckel von 19 auf 10 mm reduzierte. Die Vorverdichtung
der eingelegten Matten mit Hilfe des Werkzeugdeckels erfolgte mit
Kraftzangen auf eine Höhe
von 11 mm bei einem Restvolumen von 5,11 Litern.
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Während des
Formteilgusses wurde das Werkzeugoberteil entspannt, wobei der Auftrieb
des Deckels mit dem aufschäumenden
Gemisch durch länger
gestellte Spanner und eine Vergrößerung des
Spiels an den Scharnieren bewerkstelligt wurde. Die Begrenzung der
seitlichen Verschiebung des Werkzeugoberteils erfolge in diesem
Beispiel durch mit Kraftzwingen am Werkzeugunterteil gehaltene Flachstähle.
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Durch
die Schussmasse wurde die mit den Verstärkungs- und Abstandsmatten
ausgelegte Kavität
nahezu vollständig
gefüllt.
Die Schussmasse war hier also so eingestellt, dass das Schussvolumen,
d. h. das Volumen der noch nicht aufgeschäumten und ausreagierten Reaktionsmasse,
bzw. Matrixmasse, nur wenig kleiner als das Kavitätsvolumen
abzüglich
der Volumenverluste durch die Matten war.
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Aufgrund
der nahezu vollständigen
Füllung
der Kavität
hat die Reaktionsmasse (Matrixmasse), hier das Polyurethan, deutlich
kürzere
Fließwege;
der Fließweg
beträgt
lediglich die Auftriebshöhe.
Der nach dem Einfüllen
des Gemisches entspannte Deckel treibt durch das reagierende Gemisch
bis zum Höhenanschlag auf.