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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Registrierung
von Realstruktur-Informationen in massiven Kristallkörpern mittels
Röntgenstrahlung,
wobei die Kristallkörper
eine von der Ordnungszahl abhängige
Mindestdicke aufweisen, wobei die Vorrichtung zumindest aus einer
Mikrofokus-Röntgenröhre, einer
Kristallkörper-Halterung und
einem Detektor mit einer Detektoraufnahmefläche in einer natürlichen
Atmosphäre
besteht, wobei eine Durchstrahlung des in der Kristallkörper-Halterung
befindlichen Kristallkörpers
zur Erzeugung einer radiographischen Schattenabbildung auf dem Detektor
zur Registrierung der makroskopischen Realstruktur des Kristallkörpers durchgeführt wird.
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In
der Industrie wird daran gearbeitet, die makroskopische und/oder
kristallographische Defektstruktur von massiven Kristallkörpern, die
als Einkristalle oder als grobkristalline, aus wenigen Kristalliten
bestehende Körper,
insbesondere auch in Form von Bauteilen ausgebildet sind, mit möglichst
wenig Aufwand zu analysieren, um eine Qualitätssicherung der hergestellten
Körper
herbeizuführen.
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Unter
der makroskopischen Defektstruktur werden dabei im Allgemeinen Lunker
und Risse, aber auch beabsichtigt eingebrachte Hohlräume oder
Zusatzkörper
verstanden, während
die kristallographische Defektstruktur eine Aussage über Abweichungen
der Realstruktur von der Idealstruktur eines Kristallkörpers ermöglicht.
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Im
ersten Fall werden klassische, bildgebende Röntgen-Durchstrahlungsverfahren
in Form einer Röntgeninspektion
mit Film, Bildplatte (engt. image plate) oder Festkörperdetektor
bzw. Computertomographie eingesetzt. Für die kristallographische Analyse
der Kristallkörper
kommen z. B. die Einkristall-Diffraktometrie,
das Laue-Verfahren, das Weissenberg-Verfahren, das Drehkristall-Verfahren
sowie weitere Verfahren zur Anwendung. In der Halbleiterindustrie
kommt gegebenenfalls noch die Lang-Topographie hinzu.
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Das
herkömmliche
Laue-Verfahren ist ein Röntgenbeugungsverfahren,
welches polychromatische Röntgenstrahlung
in Form von Bremsstrahlung verwendet. Bei der Beugung am Einkristallkörper werden
punktförmige
Reflexe, die so genannten Laue-Spots erhalten. Lage und Form der
Spots sind hier Indikatoren für
die kristallographische Realstrukturbewertung.
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Die
Probleme des Laue-Verfahrens lassen sich am besten am Beispiel der
Prüfung
von einkristallinen Turbinenschaufeln aufzeigen. Gleiches gilt für die Untersuchung
der Güte
von ähnlichen
Bauteilen oder gezüchteten
Kristallkörpern.
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Die
Untersuchungen an Bauteilen, wie z. B. Turbinenschaufeln, werden
in aufwändiger
Art und Weise derart durchgeführt,
dass beispielsweise mittels Röntgenstrahlung
in Rückstrahlrichtung
und mit einem Flächendetektor
das Bauteil zur Registrierung der Laue-Interferenzen zuerst auf
der Vorderseite und dann auf der Rückseite bzw. gleichzeitig „abgefahren" wird. Lage- und
Geometrieveränderungen der
Laue-Punkte müssen
dabei ständig
ausgewertet werden.
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Die
Realstruktur-Informationsaussage ist nicht überzeugend, da die Lagen der
Defekte nicht den entsprechenden Orten in den Körpern zugeordnet werden können und
wegen der geringen Informationstiefe der Laue-Interferenzen nicht
das gesamte Kristallvolumen erfasst werden kann. Durch die beidseitigen
Aufnahmen ist ein hoher Material- und Zeitaufwand erforderlich.
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Die
Synchrotronbeugungsverfahren mit hoher Energie sowie die Neutronenbeugungsverfahren sind
ebenfalls sehr aufwändig.
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Wie
ein hochenergetischer feinfokussierter Elektronenstrahl auf eine
Kupfer-Einkristallkugel
im Hochvakuum geschossen und in Durchstrahlung die Intensität der Röntgenstrahlung
auf einem Film detektiert wird, ist bereits von Determann, H.: Über die Richtungsverteilung
der Röntgenbremsstrahlung
einer massiven Antikatode, Ann. der Physik 30, 1937, S. 481 beschrieben.
Es zeigen sich Linien und Bänder,
die mit den Kikuchi-Aufnahmen der Elektronenstrahlinterferenzen
vergleichbar sind, wie sie auch von Determann, H.: Kikuchi-Bänder mit
Röntgenstrahlen,
Schriften der Naturforsch. Gesellschaft, Danzig, 1938, beschrieben
sind.
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In ähnliche
Richtung zielen die Ergebnisse, die von Wolf, H.-Ch.: Gitterquell-Interferenzen
harter Röntgen-Bremsstrahlung,
Ann. der Physik 6. Folge, Band 13, 1953, S. 381–403, beschrieben sind, wobei darin
mit einer Abbildungsvorrichtung Gitterquellen-Interferenzen mit
harter Röntgenbremsstrahlung erreicht
werden und hierzu ebenfalls einen Elektronenstrahl im Hochvakuum
benutzt wird.
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Die
Probleme beider Lösungen
bestehen darin, dass durch die Nutzung von Elektronenstrahlen im
Hochvakuum mit den beschriebenen Vorrichtungen keine massiven Kristallkörper an
Luft geprüft werden
können.
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Eine
Anfertigung von Interferenz-Diagrammen mit Bremsstrahlung im Bereich
niedriger Energien zwischen 50 eV bis 8 keV ist von Brummer, O.:
Die Erzeugung von „Kikuchi-Linien
und -Bändern" mit relativ weichen
Röntgen-Strahlen
und der Einfluß von Kristallstörungen auf
diese Röntgen- Interferenzen, Z. Naturforschg.
13a, 1958, S. 571–572,
beschrieben. Darin wird eine röntgenschattenmikroskopische
Abbildung nicht erwähnt
und ist auf zugehörigen
Abbildungen auch nicht sichtbar.
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Eine
Kombination der Erzeugung von Weitwinkelinterferenzen mit einer
radiographischen Abbildung ist von Brummer, O.: Über die gleichzeitige Erzeugung
der Röntgen-Interferenzen
und des Röntgen-Schattenbildes
von Kristallen, Z. Naturforschung. 15a, 1960, S. 875–879, beschrieben.
Als Voraussetzungen für
die Erzeugung der Röntgen-Interferenz-Schattenbild(RIS)-Diagramme werden
folgende Faktoren genannt:
- a) Es ist eine Strahlungsquelle
mit genügend
kleinem Brennfleck vorgesehen.
- b) Es ist ausdrücklich
eine charakteristische Röntgenstrahlung
bei einer Energie von 5 keV bis 20 keV für die gleichzeitige Belichtung
der Weitwinkelinterferenzen einzusetzen.
- c) Die Dicke D der Kristalle muss der zur Anwendung kommenden
charakteristischen Röntgenstrahlung
so angepasst sein, dass sich Interferenzen genügend stark vom Untergrund abheben.
- d) Die Öffnung
des Röntgenstrahlenkegels
ist groß genug
auszubilden, damit auch die Weitwinkelinterferenzen auftreten und
registriert werden können.
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Darin
wird zur gleichzeitigen Erzeugung der Röntgeninterferenzen und des
Röntgenschattenbildes
von Kristallen ausdrücklich
nur mit charakteristischer Strahlung gearbeitet, wodurch sich Probleme ergeben,
die darin bestehen, dass die Probendicke D infolge der Absorption
möglichst
dünn (D ≤ 50 μm bis 300 μm) gewählt werden
muss, damit die Interferenzen sich noch gegenüber dem Untergrund abheben und
registriert werden können.
Außerdem
ist es erforderlich, das Anodenmaterial entsprechend zu wählen.
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Ein
weiteres Problem besteht darin, dass dickere Bauteile und insbesondere
massive Körper demzufolge
abgedünnt
werden müssen,
wodurch das Verfahren nicht mehr zerstörungsfrei durchgeführt werden
kann.
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Aufgrund
der in den Fachartikeln angegebenen Sachlage ist die gleichzeitige
Abbildungs-Akkumulation für
dicke und massive Kristallkörper
in der Folgezeit von der Fachwelt nicht weiter verfolgt worden.
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Eine
Vorrichtung zur Anfertigung von Weitwinkel-Rückstrahlaufnahmen mit charakteristischer Röntgenstrahlung
ist in der
DD 242 688
A1 beschrieben, wobei die Vorrichtung zur Untersuchung
kleiner Kristallkörperbereiche
zur Charakterisierung von Kristalliten hinsichtlich der Orientierung,
der Gitterkonstanten, der Realstruktur und anisotroper Spannungen
dient. Dabei ist im Strahlengang eines Elektronenstrahls ein zur
Elektronenstrahlquelle hin offener und zum Kristallkörper mit
einer Metallfolie verschlossener Becher angeordnet.
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Eine ähnliche
Vorrichtung zur Anfertigung von Weitwinkel-Röntgen-Rückstrahlaufnahmen
ist in der
DE 101
18 573 C1 beschrieben.
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Im
Falle von Synchrotronstrahlbeugungsverfahren ist es zweckmäßig, den
Kristallkörper
zeitaufwändig
schichtweise abzurastern, was vergleichbar mit einer Tomographie
ist. Eine Anwendung von Mehrstrahlinterferenzen scheidet ebenfalls
aus, da es sich um die Untersuchung von teilweise stark gestörten Realkristallen
handelt.
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Neutroneninterferenzaufnahmen
in Durchstrahlung haben das Problem, dass sie nicht so hoch ortsaufgelöst sind,
um eine Realstrukturaussage in gestaffelter Form über die
gesamte Dicke des Kristalls zu treffen.
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Ein
Verfahren und eine Vorrichtung zur Prüfung der kristallographischen
Qualität
von Objekten mit einer Kristallstruktur durch Erregung von Kikuchi-Pseudolinien
in der Umgebungssphäre
sind in der
DE 690
03 270 T2 beschrieben. Das Verfahren betrifft die Herstellung
eines Bildes von Kikuchi-Pseudolinien
einer monokristallinen Struktur mit einem Photonenstrahl. Die Vorrichtung
weist einen Röntgengenerator
mit einem Mikrofokus von maximal 0,1 mm sowie eine Baueinheit, die
hintereinander einen Leuchtkraftverstärker, ein Videoaufnahmegerät oder einen
Bildempfänger
und eine bewegbare Auflage für
die zu prüfenden
Objekte aufweist, wobei die Auflage zwischen dem Mikrofokus und
dem Leuchtkraftverstärker
angeordnet ist.
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Ein
Problem besteht darin, dass eine Abbildung von Kikuchi-Pseudolinien
aus gebeugten Elektronen entsteht, unabhängig von der anregenden Photonenart.
Es wird eine Röntgenröhre zur
Erzeugung von Röntgen-Photoelektronen
in dem Objekt benutzt, die interferieren und die Kikuchi-Pseudolinien
erzeugen. Der zu prüfende
Kristallkörper
muss offenbar mehrfach in andere Winkellagen gedreht werden, um
ein „neues
Bild" zu erhalten.
Eine Durchführung
des Verfahrens – Erzeugung
von Elektronen in dem Objekt – ist
in Durchstrahlrichtung nur an sehr dünnen Objekten bzw. ausschließlich an
Oberflächen möglich.
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Es
ist ein Verfahren zur radiographischen Überprüfung eines Objektes mit einem
Kristallgitter in der
US
6 295 335 B1 beschrieben. Es weist Schritte zur Beugung
des Objektes mit elektromagnetischer Strahlung, um ein radiographisches
Bild des Objektes auf einem Anzeigegerät zu erhalten, auf. Das Anzeigegerät enthält entsprechend
einer Belichtung das radiographische Bild, das ein zusammengesetztes
Bild ist. Dieses Bild resultiert aus einer relativen Verschiebung
des Objektes. Die Verschiebung macht es möglich, das Objekt bei einer
bedeutenden Schwächung
der parasitären
Elemente, die durch Beugung der elektromagnetischen Strahlung am Kristallgitter
des Objektes entstehen, zu reproduzieren. Es werden ein intensitätsverstärkender
Kollimator sowie ein Nachfilterungselement eingesetzt.
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Ein
Problem besteht dann, dass das Verfahren ausschließlich der
Verbesserung der Radiographie dient. Die durch Fluoreszenzanregung
erzeugte Sekundärstrahlung
in dem kristallinen Objekt wird im Sinne der radiographischen Abbildung
als störend – als „parasitic
element" – bezeichnet,
und das Verfahren zeigt eine Möglichkeit
der Dämpfung.
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Ein
weiteres Verfahren zur Detektion von Absorptions-, Brechungs- und
Streubildern eines Objektes durch unabhängiges Analysieren, Registrieren, Digitalisieren
und Kombinieren der Bilder ist in der
WO 98/16817 A1 beschrieben,
wobei die Bilder eine obere und eine untere Winkellage einer „Rockingkurve" eines Kristallanalysators
erreichen. Ein Röntgenstrahl,
der durch eine herkömmliche
Vorrichtung erzeugt wird, kann entweder auf einen Bragg- Typ-Kristallanalysator
oder einen Laue-Typ-Kristallanalysator geführt werden. Die Bilder der
Absorption, Brechung und Streueffekte werden auf einer Bildplatte
detektiert und dann digitalisiert. Die digitalisierten Bilder werden
gleichzeitig aufgelöst,
vorzugsweise auf einer Pixel-zu-Pixel-Basis, um ein kombiniertes
sichtbares Bild zu erhalten. Das Verfahren analysiert eine „Rockingkurve". Die Vorrichtung
enthält
hierfür
den Kristallanalysator.
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Ein
Problem besteht darin, dass das Verfahren zur Detektion von Brechungs- und Streubildern dient,
wobei das Verfahren zur Verbesserung ausschließlich einer radiographischen
Abbildung dient, indem bekannte Streueffekte wie Kleinwinkel- und Comptonstreuung
gering gehalten werden und so eine radiographische Kontrastverbesserung
eintritt. Eine Abbildung der kristallographischen Realstruktur erfolgt
nicht, da kein Beugungseffekt benutzt wird.
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Ein
anderes Verfahren zum Erhalt einer Abbildung einer inneren Struktur
eines Objekts ist in der
DE
692 28 285 T2 beschrieben, wobei das Verfahren folgende
Schritte aufweist:
- 1. Bereitstellen eines Strahlbündels einer
harten Strahlung,
- 2. Einbringen eines asymmetrischen Einkristall-Monochromators
in den Strahlengang, wobei das daran reflektierte Strahlbündel ein
flächenförmiges Strahlbündel einer
im Wesentlichen parallel gerichteten, aber leicht divergierenden
Strahlung ist, die einen spezifischen Divergenzwinkel besitzt,
- 3. Durchstrahlen des Objektes mit dem flächenförmigen Strahlbündel, so
dass die Strahlung durch das Objekt hindurchgeht,
- 4. Einbringen eines Kristall-Analysators in den Strahlengang
strahlabwärts
des Objektes an eine Position, in der die Braggsche Reflexion des
flächenförmigen Strahlbündels wirksam
ist, das auf den Kristall-Analysator auftrifft, um das Strahlbündel zu
beugen und ein gebeugtes Strahlbündel und
ein durchgelassenes Strahlbündel
zu bilden, wobei die Anordnung so ist, dass der Winkelbereich der
Reflexion von den wirksamen Kristallflächen des Analysators um den
exakten Braggschen Reflexionswinkel herum zumindest zweimal so groß ist wie
der Divergenzwinkel des flächenförmigen Strahlbündels, das
durch den Einkristall-Monochromator gebildet wird, und
- 5. Registrieren des gebeugten Strahlbündels oder sowohl des durchgelassenen
als auch des gebeugten Strahlbündels
an einem punktsensitiven Strahldetektor.
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Ein
Problem besteht darin, dass als Quelle ein Röntgenstrahler mit kontinuierlicher
Strahlung eingesetzt wird, jedoch werden zur Erzeugung der Beugungsinterferenzen
asymmetrische Einkristall-Monochromatoren sowohl vor als auch nach
dem Objekt verwendet, die die zur Beugung benötigten diskreten Wellenlängen durch
Drehung auf das Objekt lenken und den Röntgenstrahl parallelisieren. Weiterhin
ist durch die Verwendung der Monochromatoren eine radiographische
Abbildung des Untersuchungsobjektes unmöglich.
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Des
Weiteren ist ein Röntgenstrahl-Topographiesystem
in der
US 2003/0108152
A1 beschrieben, wobei das System eine Röntgenröhre enthält, die Röntgenstrahlen erzeugt, die
auf eine begrenzte Fläche
eines Objektes, z. B. einer Siliziumscheibe einwirken. Ein Detektor
ist angeordnet, um den Strahl nach einer Transmission durch das
Objekt hindurch oder nach einer Reflexion an dem Objekt aufzufangen.
Der Detektor hat ein Feld von Pixeln, das an die Strahlfläche anpasst
ist, um ein digitales Bild auf der genannten eingeschränkten Fläche zu produzieren. Eine
relative schrittweise Verschiebung zwischen der Röntgenröhre und
dem Objekt erzeugt eine Serie von digitalen Bildern, die miteinander
kombiniert werden. In wahlweisen Ausführungsformen ist eine Röntgenoptik
eingebracht, um ein Parallelstrahlbündel zur Vermeidung einer Bildverdopplung
zu erzeugen, oder der Effekt einer Bildverdopplung wird durch eine Software
beseitigt.
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Ein
Problem besteht darin, dass der Röntgenstrahl nicht senkrecht,
sondern unter einem Winkel kleiner 90° auf das Objekt geschossen wird.
Weiterhin wird der Strahl nach dem Austritt aus der Röhre durch
die nachfolgende Röntgenoptik
parallelisiert. Der Parallelstrahl wird nach Durchgang durch das
Objekt durch einen Strahlstopper aufgefangen und abgelenkt und unter
einem bestimmten Winkel auf den Detektor gelenkt. Weiterhin ist
es bei dem Verfahren und der Vorrichtung notwendig, Relativbewegungen
zwischen dem Objekt und der Quel le durchzuführen, um die gewünschten
Ergebnisbilder zu erhalten. Es handelt sich hier um ein Röntgentopographieverfahren.
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Ein
Verfahren und eine Vorrichtung zum Prüfen einkristalliner Gegenstände mittels
radioaktiver Bestrahlung sind in der
DE 34 39 471 A1 beschrieben, in der im Wesentlichen
ein Gamma-Diffraktometer zur Untersuchung von Gegenständen in
werkstofftechnischer Hinsicht, insbesondere zum Prüfer von
Einkristallschaufeln für
Strömungsmaschinen angegeben
ist. Dabei werden die Gegenstände
von der Strahlung einer Gammaquelle durchstrahlt, das Intensitätsprofil
eines gebeugten Reflexes mit einem feststehenden Detektor aufgenommen
und die Halbwertsbreite des Reflexes gemessen.
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Die
Vorrichtung ist in der Art eines Diffraktometers ausgebildet und
enthält
in einem Strahlenschutzmantel eine radioaktive Gammaquelle, wobei sich
an den Schutzmantel ein Kollimator anschließt, wobei Mittel für den zeitweiligen
Austritt eines fokussierten Strahls auf den auf einem Drehtisch
angeordneten, zu prüfenden
Gegenstand vorgesehen sind und wobei dem Drehtisch ein feststehender
Strahlendetektor und eine Steuer- und/oder Auswerteeinrichtung zugeordnet
sind.
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Ein
Problem besteht darin, dass zunächst das
Intensitätsprofil
eines Reflexes abgebildet wird. Zur Erfassung aller Reflexe ist
eine Gegenstandsbewegung um den Winkel α notwendig. Das Ergebnis ist
ein Beugungspeak-Diagramm. Für
dessen Aufnahme ist ein hoher Bauelemente- und Baugruppenaufwand
erforderlich.
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Ein
Verfahren zur zerstörungsfreien
Analyse und ein zugehöriges
Analysegerät
sind in der
US 2004/0196957
A1 beschrieben, die fähig
sind, ein hochkontrastfähiges
Bild innerhalb eines Objekt leicht und in einer Art durch Verschieben
zu erhalten, wenn ein Objekt mit homogenen, parallel gerichteten Röntgenstrahlen
bestrahlt wird.
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Ein
Problem besteht darin, dass die Vorrichtung mit Parallelstrahlen
arbeitet. Dem Objekt ist ein Kristall zur Parallelisierung der Strahlung
vorgelagert. Der Röntgenstrahl
trifft nicht senkrecht auf das Objekt. Die Strahlung wird nach Durchtritt
durch das Objekt durch einen Analysekristall geschickt, bevor die
so beeinflusste Strahlung auf dem Detektor trifft.
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Die
Probleme der genannten Verfahren bestehen darin, dass keines mit
einem einzigen Verfahren die makroskopische und kristallographische
Realstruktur mittels Gewinnung einer Volumeninformation an kompakten
Kristallkörpern
und Bauteilen gleichzeitig und ohne jegliche Bewegung der Vorrichtungskomponenten
unter Verwendung harter Bremsstrahlung abzubilden gestattet.
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Der
Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und
eine Vorrichtung zur Registrierung von Realstruktur-Informationen
in massiven Kristallkörpern
mittels Röntgenstrahlung
anzugeben, die derart ausgebildet sind, dass die Realstruktur von
massiven Kristallkörpern
zerstörungsfrei, gleichzeitig,
schnell und weitgehend visuell sichtbar dargestellt und eine Sofortbeurteilung
der Realstruktur zur röntgenschattenmikroskopischen
und kristallographischen Charakterisierung getroffen werden können. Dabei
sollen insbesondere im Inneren der massiven Kristallkörper die
kristallographischen Defekte sowie die Lage und das Ausmaß der bei
der Herstellung entstandenen Defekthohlräume, eingebundenen Fremdteilchen
als auch beabsichtigten Hohlräume
sowie Kristallkörperänderungen
nach Belastung reproduzierbar und auswertefähig erfasst werden.
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Die
Aufgabe wird durch ein Verfahren und eine Vorrichtung mit den Merkmalen
der Patentansprüche
1 und 10 gelöst.
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Das
Verfahren zur Registrierung von Realstruktur-Informationen in massiven
Kristallkörpern mit
Röntgenstrahlung,
wobei die Kristallkörper
eine von der Ordnungszahl abhängige
Mindestdicke D aufweisen, wird mit einer Vorrichtung, bestehend
zumindest aus einer Mikrofokus-Röntgenröhre, einer Kristallkörper-Halterung und einem
Detektor mit einer Detektoraufnahmefläche in einer natürlichen
Atmosphäre
realisiert, wobei eine Durchstrahlung des in der Kristallkörper-Halterung
befindlichen Kristallkörpers
zur Erzeugung einer radiographischen Schattenabbildung auf dem Detektor
zur Registrierung der makroskopischen Realstruktur des Kristallkörpers durchgeführt wird,
wobei
auf
der Detektoraufnahmefläche
registrierfähige
linienförmige
Bremsstrahlinterferenzen zur Darstellung einer kristallographischen
Realstruktur des massiven Kristallkörpers durch einen Primärstrahl
mit harter Röntgenbremsstrahlung
in einem Wellenlängenbereich
von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3 λmin,
aus dem der massive Kristallkörper
die exakt zur Beugung an seinen Netzebenen benötigte Wellenlänge λ herausfiltert,
erzeugt werden, wobei die linienförmigen Bremsstrahlinterferenzen
die durch eine verbleibende Reststrahlintensität erzeugte radiographische
Schattenabbildung gleichzeitig überlagern,
wobei eine Registrierung der linienförmigen Bremsstrahlinterferenzen mittels
folgender Schritte herbeigeführt
wird:
- - Einsetzen einer unmittelbar hinter
dem Strahlaustritt der Mikrofokus-Röntgenröhre angeordneten
Blende, deren Blendenloch einen zur Einstellung einer Strahldivergenz
ausgebildeten Durchmesser hat,
- – Einstellung
eines Abstandes R2 zwischen dem Kristallkörper und
der Detektoraufnahmefläche, wobei
der Abstand R2 mindestens das Zwanzigfache
der Entfernung R1–R2 des
Kristallkörpers
vom Strahlaustritt der Mikrofokus-Röntgenröhre beträgt,
- – Einstellung
der Belichtungszeit t der Mikrofokus-Röntgenröhre, wobei die eingestellte
Belichtungszeit t von der Ordnungszahl des Materials des Kristallkörpers, von
der Dicke D des Kristallkörpers
und von der Empfindlichkeit des Detektors abhängt, und
- – Einstellung
der Beschleunigungsspannung U der Mikrofokus-Röntgenröhre, die eine Intensität des Primärröntgenstrahls
erzeugt, bei der die Intensität
des Maximums des Primärröntgenstrahls durch
die Absorption des Kristallkörpers
um mindestens 25% verringert ist, wobei ein gewünschtes Verhältnis zwischen
der die radiographische Schattenabbildung erzeugenden Reststrahlintensität und der
Interferenzstrahlintensität
erreicht und somit ein registrierfähiges Kontrastbild zeitgleich
zwischen den Interferenzlinien und der radiographischen Schattenabbildung
herbeigeführt wird.
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Die
Bestrahlung wird mit harter Röntgenbremsstrahlung
in einem Energiebereich von 50 keV bis 450 keV durchgeführt.
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Zur
gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung der
Schattenabbildung und der Bremsstrahlinterferenzlinien zu einem
registrierfähigen
Kontrastbild wird für
die Mikrofokus-Röntgenröhre eine
Belichtungszeit t im Minutenbereich eingestellt.
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Wahlweise
können
vorgegebene Kristallgebiete des Kristallkörpers mittels einer xy-Manipulatoreinheit
an der den Kristallkörper
halternden Kristallkörper-Halterung abgerastert
werden.
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Zur
Vergrößerung der
Abbildungs-Überlagerung
auf der Fläche
des Detektors kann durch eine Abstands-Verstelleinrichtung eine
Einstellung des Abstandes R1 des Detektors
relativ zur Mikrofokus-Röntgenröhre durchgeführt werden.
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Als
massive Kristallkörper
können
monokristalline oder grobkristalline Kristallkörper eingesetzt werden.
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Die
massiven Kristallkörper
können
eine Mindestdicke D im Bereich von einigen Millimetern bis einigen
Zentimetern aufweisen, wobei die in die Vorrichtung eingebrachten
und die Mindestdicke D aufweisenden Kristallkörper aus der harten Röntgenbremsstrahlung
des Bereiches von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3λmin die
exakt beugende Wellenlänge
zur Erzeugung der linienförmigen
Bremsstrahlinterferenzen selbst herausfiltern.
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Bei
Durchstrahlung von grobkristallinen, aus Einzelkristallen bestehenden
Kristallkörpern
dient die Blende in Kombination mit einer Kristallkörperbewegung
mittels der xy-Manipulatoreinheit der Sondierung und Abbildung von
Einzelkristallen.
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Teile
der Beugungskegel für
linienförmige Bremsstrahlinterferenzen,
die außerhalb
des mit Interferenzlinien überlagerten
Schattenbildes existieren, enthalten ausschließlich die Information der kristallographischen
Realstruktur im Gegensatz zu den Beugungskegeln im Kontrastbild,
die die radiographische Schatten abbildung und die kristallographische Realstruktur
enthalten, wobei beide Beugungskegelarten gleichzeitig auf der Detektoraufnahmefläche registriert
werden.
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Eine
Vorrichtung zur Registrierung von Realstruktur-Informationen in
massiven Kristallkörpern mit
Röntgenstrahlung,
wobei die Kristallkörper
eine von der Ordnungszahl abhängige
Mindestdicke D aufweisen, in einer natürlichen Atmosphäre umfasst zur
Durchführung
des vorgenannten Verfahrens
- – eine Mikrofokus-Röntgenröhre, die
einen direkten Primärröntgenstrahl
mit harter Röntgenbremsstrahlung
in einem Energiebereich von 50 keV bis 450 keV liefert,
- – eine
Kristallkörper-Halterung
zur Halterung des zu untersuchenden Kristallkörpers,
- – einen
Detektor mit einer Detektoraufnahmefläche, die in einem Abstand R1 vom Strahlaustritt der Mikrofokus-Röntgenröhre aus
entfernt angeordnet ist, wobei der Kristallkörper zur Erzeugung einer radiographischen
Schattenabbildung auf dem Detektor zur Registrierung der makroskopischen
Realstruktur des Kristallkörpers
durchstrahlt wird,
wobei im Kennzeichenteil des Patentanspruchs
10
zur Erzeugung von registrierfähigen linienförmigen Bremsstrahlinterferenzen
auf der Detektoraufnahmefläche
unmittelbar hinter dem Strahlaustritt der Mikrofokus-Röntgenröhre und
dem gehalterten Kristallkörper
eine Blende zur Reduktion seitlicher Streustrahlung sowie zur Strahldivergenzeinstellung
angeordnet ist, wobei die Blende mit einem Lochdurchmesser im Millimeterbereich
versehen ist, dass ein Abstand R2 zwischen
dem Kristallkörper
und der Detektoraufnahmefläche
eingestellt ist, der zumindest das Zwanzigfache der Entfernung R1–R2 des Kristallkörpers vom Strahlaustritt der
Mikrofokus-Röntgenröhre beträgt, und
dass eine Beschleunigungsspannung U der Mikrofokus-Röntgenröhre eingestellt
ist, die eine Strahlintensität
nach dem Kristallkörper
erzeugt, bei der die Intensität
des Maximums des Primärröntgenstrahls
durch die Absorption des Kristallkörpers um mindestens 25% bezüglich des
zugehörigen
Intensitätsmaximums
verringert ist, wodurch ein Verhältnis zwischen
der die radiographische Schattenabbildung erzeugenden Reststrahlintensität und der
Interferenzstrahlintensität
eingestellt ist, mit dem ein auf der Detektoraufnahmefläche registrierfähiges Kontrastbild
zwischen Interferenzlinien und radiographischer Schattenabbildung
anzeigbar ist.
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Die
Blende besteht aus einem hochabsorbierenden Material.
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Die
Blende kann dafür
eine Bleilochblende sein.
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Außerdem ist
ein Bleiblech auf der Rückseite des
Detektors zur Abschirmung angeordnet.
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Eine
an die Mikrofokus-Röntgenröhre angeschlossene
Steuereinrichtung ist vorhanden, die zur Einstellung der Belichtungszeit
t zur Durchführung der
gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung
zu dem registrierfähigen
Kontrastbild und zur Einstellung der Beschleunigungsspannung U der
Mikrofokus-Röntgenröhre dient.
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Die
Kristallkörper-Halterung
für die
Kristallkörper
ist wahlweise mit einer xy-Manipulatoreinheit ausgestattet,
um sämtliche
vorgegebene Gebiete des Kristallkörpers in die Registrierung
einzubeziehen und/oder Einzelkristallite bei der Untersuchung von
grobkristallinen Kristallkörpern
zu sondieren.
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Der
Detektor kann ein Röntgenfilm,
ein Festkörperdetektor,
eine Bildplatte oder eine Leuchtschirm/CCD-Kameraeinheit sein.
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Zur
Vermeidung einer Überstrahlung
der Bildmitten im kürzesten
Abstand R1 zur Mikrofokus-Röntgenröhre und
zugleich im Auftreffpunkt der Primärröntgenstrahl-Restintensität kann wahlweise ein Absorptionsfilter
in den Strahlengang des Primärröntgenstrahles
zwischen der Kristallkörper-Halterung
und dem Detektor eingebracht sein.
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Das
Absorptionsfilter kann ein geometrisch ausgebildeter Körper, vorzugsweise
eine Halbkugel oder ein Kugelsegment sein.
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Eine
dem Absorptionsfilter zugeordnete Filter-Halterungseinrichtung kann
aus einem die genutzte Röntgenstrahlung
nur gering absorbierenden Werkstoff, vorzugsweise kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff,
bestehen, so dass die Abbildungs-Überlagerung der Aufnahme zu
dem registrierfähigen
Kontrastbild nicht gestört
wird.
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Im
Folgenden wird das zerstörungsfrei
arbeitende Verfahren näher
erläutert:
Während der
direkten Durchstrahlung werden eine vergrößerte radiographische Schattenabbildung
(beispielsweise eine Defektstruktur) und die Registrierung einer
Beugungsinformation (kristallographische Parameter) z. B. einige
Millimeter bis einige Zentimeter dicker und großflächiger Kristallkörper gleichzeitig in
einer Aufnahme abgebildet und mit Belichtungszeiten t im Minutenbereich
mittels der Mikrofokus-Röntgenröhre durchgeführt.
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Demgemäß kommt
der Röntgenstrahl
der Mikrofokus-Röntgenröhre zum
Einsatz, der durch eine unmittelbar am Strahlaustritt angeordnete
Bleilochblende hindurch auf den unmittelbar folgenden, einkristallinen
bzw. grobkristallinen, als Prüfprobe geltenden
Kristallkörper
gerichtet ist. Von der Mikrofokus-Röntgenröhre wird
deren harte Bremsstrahlung benutzt. In einem Abstand R1,
dessen Größenordnung
von einigen Millimetern bis zu einigen 100 Millimeter betragen kann,
vom Strahlaustritt der Mikrofokus-Röntgenröhre aus entfernt, befindet
sich ein Detektor, z. B. ein Röntgenfilm,
der an seiner Rückseite
mit einem Bleiblech abgeschirmt wird. Anstelle des Röntgenfilms
kann alternativ auch ein entsprechender Festkörperdetektor oder eine Bildplatte
verwendet werden. Die Kristallkörper-Halterung
kann optional durch eine xy-Manipulatoreinheit ergänzt werden,
um sämtliche
Interessensgebiete der Kristallkörpers
abzufahren, was ggf. bei größeren Prüfproben
wünschenswert
ist.
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Die
Verfahrensführung
beginnt mit dem Einschalten der genannten Strahlenquelle, z. B.
der Mikrofokus-Röntgenröhre, im
unteren Minutenbereich. Die zugehörigen und genauen Belichtungszeiten
t hängen
von der Strahlenenergie, der Ordnungszahl des Kristallmaterials,
der Kristallkörperdicke
und der Detektorempfindlichkeit ab.
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Auf
die genannte Weise werden auf dem Detektor simultan eine einstellbar
vergrößerte Röntgenschattenmikroskopie-Aufnahme
sowie linienförmige Bremsstrahlinterferenzen
des durchstrahlten Kristallkörpergebietes
in Form des registrierfähigen
Kontrastbildes akkumuliert.
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Das
Verfahren basiert auf der Verwendung harter Röntgenbremsstrahlung knapp über die
Wellenlänge λmin,
etwa im Wellenlängenbereich
von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3λmin,
und benutzt nicht die langwelligere charakteristische Strahlung
einer Röntgenröhre. Der massive
Kristallkörper „filtert" und monochromatisiert gewissermaßen selbst
die zur Beugung an ihren Netzebenen benötigte Wellenlänge aus
dem kontinuierlichen Bremsspektrum Δλ.
-
Die
Erfindung ermöglicht
ein zerstörungsfrei arbeitendes
Kombinationsverfahren, welches in direkter Durchstrahlung und gleichzeitig
eine vergrößerte radiographische
Schattenabbildung zur Ermittlung der makroskopischen Defektstruktur
und die Registrierung einer Beugungsinformation mittels linienförmiger Bremsstrahlinterferenzen
zur Ermittlung kristallographischer Parameter dicker, insbesondere einige
Millimeter bis einige Zentimeter dicker und großflächiger, massiver Kristallkörper gleichzeitig
in einer Aufnahme nutzt.
-
Die
Erfindung ermöglicht,
weil kein Elektronenstrahl mit Vakuumbedingungen benötigt wird,
die Untersuchung an Luft und somit auch an größeren und massive Kristallkörper darstellenden
Bauteilen.
-
Um
sämtliche
interessierende Bereiche bzw. Gebiete des Kristallkörpers bzw.
des Bauteiles abzufahren, kann der Kristallkörper wahlweise mit der xy-Manipulatoreinheit „abgerastert" werden.
-
Ein
weiterer Vorteil gegenüber
dem häufig angewandten
Laue-Verfahren (Oberflächenanalyse bis
ca. 300 μm
Tiefe) ist, dass die Lage der Defekte in dem erfindungsgemäßen Verfahren über die
gesamte Kristallkörperdicke
D zurückverfolgt
werden kann.
-
Um
die verfahrensbedingte Überstrahlung der
Bildmitten im kürzesten
Abstand zur Röntgenquelle
und zugleich am Auftreffpunkt der Primärröntgenstrahl-Restintensität zu vermeiden, kann wahlweise
ein Verlaufs-Absorptionsfilter, z. B. eine Halbkugel oder ein Kugelsegment,
in den Röntgenstrahlengang
zusätzlich
eingebracht werden. Um damit die Darstellung nicht zusätzlich zu
stören,
kann die dafür
benötigte
Filter-Halterungseinrichtung aus einem die genutzte Röntgenstrahlung
nur gering absorbierenden Werkstoff (z. B. kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff)
bestehen.
-
Das
erfindungsgemäße Verfahren
liefert in Durchstrahlrichtung Realstruktur-Informationen über die gesamte Kristallkörperdicke
und über
einen größeren Kristallbereich.
-
Das
erfindungsgemäße Verfahren
unterliegt den in der industriellen Prüfpraxis gravierenden Einschränkungen,
dass die Kristallkörperdicke
D infolge der Absorption möglichst
dünn (D ≤ 50 μm bis 300 μm) gewählt werden
muss, nicht, da es demgegenüber
den umgekehrten Weg beschreitet, der auf der Verwendung harter Röntgenbremsstrahlung
basiert und dicke, massive Kristallkörper in Form von Proben oder
Bauteilen in ihrer gesamten Kristallkörperdicke D einer zerstörungsfreien
Untersuchung zugänglich macht.
-
Wesentlich
ist die Verwendung von harter Röntgenbremsstrahlung
im Energiebereich von 50 keV bis 450 keV zur direkten Durchstrahlung
massiver Kristallkörper
zur gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung
einer radiographischen Schattenabbildung zur Registrierung der makroskopischen Defektstruktur
des Kristallkörpers
und einer Erzeugung von linienförmigen
Bremsstrahlinterferenzen zur Registrierung der kristallographischen
Defektstruktur des Kristallkörpers
auf einem Detektor zur visuellen oder abtastungsbezogenen Auswertung.
-
Die
Erfindung ermöglicht
es, dass die im Stand der Technik genannten Einschränkungen
bezüglich
der zu durchstrahlenden Dicke der Kristallkörper umgangen werden, da das
Verfahren im Bereich hoher Energien zwischen 50 keV bis ca. 450 keV
und damit im Bereich harter Röntgenbremsstrahlung
arbeitet.
-
Demzufolge
können
auch dicke und massive Bauteile radiographisch untersucht werden.
-
Die
zur Durchführung
des Verfahrens verwandte Vorrichtung wird anhand eines Ausführungsbeispiels
mittels mehrerer Zeichnungen näher
erläutert,
ferner sind Beispiele von mit dem Verfahren erhaltenen Röntgenaufnahmen
angegeben.
-
Es
zeigen:
-
1 Darstellungen
zur Vorrichtung zur Registrierung von Realstruktur-Informationen in
massiven Kristallkörpern
mittels harter Röntgenbremsstrahlung
auf einem Röntgenfilm,
wobei
-
1 eine
schematische Darstellung der Vorrichtung und
-
1b eine
Intensitäts(I)-Röntgenwellenlängen (λ)-Kurve mit
dem erfindungsgemäß genutzten Röntgenbremsstrahlungsbereich
sind,
-
2 eine
erfindungsgemäße auswertbare und
registrierfähige
Kontrastbildaufnahme auf einem Röntgenfilm
von einem massiven NiAl-Kristallkörper mit den beiden Bildbereichen – radiographisches Schattenbild
und Bremsstrahlinterferenzlinien – des registrierfähigen Kontrastbildes,
-
3 eine
schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen auf einem
Röntgenfilm von
einem massiven TbNi2B2C-Kristallkörper mit
makroskopischen Poren (Lunkern) und ohne Kristallbaufehler,
-
4 eine
schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen auf einem
Röntgenfilm von
einem massiven TbNi2B2C-Kristallkörper mit
lokalen Defekten in einer Netzebenenschar – z. B. einer Kleinwinkelkorngrenze – und ohne
makroskopische Poren,
-
5 eine
reale Aufnahme der Realstruktur-Informationen an einem massiven
TbNi2B2C-Kristallkörper mittels
harter Röntgenbremsstrahlung nach
der Durchstrahlung,
wobei
-
5a eine
Aufnahme des Kristallkörpers mit
Lunkern und Interferenzlinien und
-
5b einen
vergrößerten Ausschnitt
aus der Aufnahme in 5a desselben Kristallkörpers darstellen,
-
6 eine
schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen an einer
einkristallinen Turbinenschaufel aus CMSX-6 ohne makroskopische
Poren (Lunker) und ohne Kristallstörungen,
-
7 eine
schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen an einer
einkristallinen Turbinenschaufel aus CMSX-6 ohne makroskopische
Poren (Lunker) und mit Störungen
in der Kristallstruktur – mit
erhöhter
Versetzungsdichte – und
-
8 eine
reale Aufnahme von Realstruktur-Informationen mittels harter Röntgenbremsstrahlung
an einer einkristallinen Turbinenschaufel aus CMSX-6 ohne makroskopische
Poren (Lunker) und mit Kristallstörungen – mit erhöhter Versetzungsdichte.
-
Im
Folgenden werden die 1 mit den 1a, 1b gemeinsam
betrachtet. In 1, 1a ist
eine Vorrichtung 1 zur Registrierung von Realstrukturinformationen
in massiven Kristallkörpern 5, 51, 52 dargestellt,
die eine von der Ordnungszahl abhängige Mindestdicke D aufweisen,
in einer natürlichen
Atmosphäre
dargestellt, wobei die Vorrichtung 1 umfasst
- – eine
Mikrofokus-Röntgenröhre 2,
die einen direkten Primärröntgenstrahl 31 mit
harter Röntgenbremsstrahlung 20 in
einem Energiebereich von 50 keV bis 450 keV liefert,
- – eine
Kristallkörper-Halterung 9 zur
Halterung des zu untersuchenden Kristallkörpers 5, 51, 52,
- – einen
Detektor 7 mit einer Detektoraufnahmefläche 71, die in einem
Abstand R1 vom Strahlaustritt 21 der
Mikrofokus-Röntgenröhre 2 aus
entfernt angeordnet ist, wobei der Kristallkörper 5, 51, 52 zur
Erzeugung einer radiographischen Schattenabbildung auf dem Detektor 7 zur
Registrierung der makroskopischen Realstruktur 13, 13' des Kristallkörpers 5,
wie in 3 gezeigt ist, durchstrahlt wird.
-
Erfindungsgemäß ist zur
Erzeugung von registrierfähigen
linienförmigen,
in den 2 bis 8 gezeigten Bremsstrahlinterferenzen 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' auf
der Detektoraufnahmefläche 71 unmittelbar
hinter dem Strahlaustritt 21 der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 und
dem gehalterten Kristallkörper 5, 51, 52 eine
Blende 4 zur Reduktion seitlicher Streustrahlung sowie
zur Einstellung einer Strahldivergenz 6 eingebracht, wobei
die Blende 4 mit einem Lochdurchmesser im Millimeterbereich
versehen ist,
wobei ein Abstand R2 zwischen
dem Kristallkörper 5, 51, 52 und
der Detektoraufnahmefläche 71 eingestellt
ist und zumindest das Zwanzigfache der Entfernung R1–R2 des Kristallkörpers 5, 51, 52 vom
Strahlaustritt 21 der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 beträgt, und
wobei
eine Beschleunigungsspannung U der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 eingestellt
ist, die eine Strahlintensität
nach dem Kristallkörper 5, 51, 52 erzeugt, bei
der die Intensität
des Maximums des Primärröntgenstrahls 31 durch
die Absorption des Kristallkörpers 5, 51, 52 um
zumindest 25% bezüglich
des zugehörigen
Intensitätsmaximums
verringert ist, wodurch ein Verhältnis
zwischen der die radiographische Schattenabbildung erzeugenden Reststrahlintensität 3 und
der Interferenzstrahlintensität
eingestellt ist, mit dem ein auf der Detektoraufnahmefläche 71 registrierfähiges in 2 gezeigtes
Kontrastbild 30 zwischen Interferenzlinien 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' und
radiographischer Schattenabbildung 13, 13' anzeigbar ist.
-
Die
auf der Detektoraufnahmefläche 71 registrierfähigen linienförmigen Bremsstrahlinterferenzen 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' zur
Darstellung der kristallographischen Realstruktur des massiven Kristallkörpers entstehen
durch harte Röntgenbremsstrahlung 20 in
einem in 1b gezeigten Wellenlängenbereich
von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3λmin,
aus dem der massive Kristallkörper 5, 51, 52 die
exakt zur Beugung an seinen Netzebenen benötigte Wellenlänge λ herausfiltert.
-
In 2 ist
ein registrierfähiges
Kontrastbild 30 auf einer Detektoraufnahmefläche 71 für einen
NiAl-Kristallkörper
dargestellt. In deren mittigen Bereich 22 der Abbildungs-Überlagerung
ist sowohl die radiographische Schattenabbildung als auch die kristallographische
Realstruktur in Form der linienförmigen
Bremsstrahlinterferenzen als registrierfähiges Kontrastbild 30 dargestellt,
wobei auf der Detektoraufnahmefläche 71 im
Randbereich 23 Teile der Beugungskegel 6'' in Fortsetzung der überlagernden Bremsstrahlinterferenzen
des Kontrastbildes 30 registrierfähig angegeben sind, die ausschließlich die kristallographische
Realstruktur enthalten.
-
Die
in 1 gezeigte Blende 4 besteht aus einem
hochabsorbierenden Material und stellt eine Bleilochblende dar.
-
Ein
Bleiblech 8 kann auf der Rückseite 10 des Detektors 7 zur
Abschirmung angeordnet sein.
-
Es
ist eine an die Mikrofokus-Röntgenröhre 2 angeschlossene
Steuereinrichtung 17 vorhanden, die zur Einstellung der
Belichtungszeit t zur Durchführung
der gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung und
zur Einstellung der Beschleunigungsspannung U der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 dient.
-
Eine
Kristallkörper-Halterung 9 ist
für den massiven
Kristallkörper 5, 51, 52 vorgesehen,
die wahlweise mit einer xy-Manipulatoreinheit 11 ausgestattet
ist, um sämtliche
vorgegebene Gebiete des Kristallkörpers 5, 51, 52 in
die Registrierung einzubeziehen und/oder Einzelkristallite bei der
Untersuchung von grobkristallinen Kristallkörpern zu sondieren.
-
Der
Detektor 7, 71 kann ein Röntgenfilm, ein Festkörperdetektor,
eine Bildplatte oder eine Leuchtschirm/CCD-Kameraeinheit sein.
-
Zur
Vermeidung einer Überstrahlung
der Bildmitten im kürzesten
Abstand R1 zur Mikrofokus-Röntgenröhre 2 und
zugleich im Auftreffpunkt der Primärröntgenstrahl-Restintensität kann wahlweise
ein Absorptionsfilter (nicht eingezeich net) in den Strahlengang
des Primärröntgenstrahles 31 zwischen
der Kristallkörper-Halterung 9 und
dem Detektor 7, 71 eingebracht sein.
-
Das
Absorptionsfilter kann ein geometrisch ausgebildeter Körper, vorzugsweise
eine Halbkugel oder ein Kugelsegment sein.
-
Eine
dem Absorptionsfilter zugeordnete Filter-Halterungseinrichtung kann
aus einem die genutzte Röntgenstrahlung
nur gering absorbierenden Werkstoff, vorzugsweise kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff,
bestehen, so dass die Akkumulation der Aufnahme für das registrierfähige Kontrastbild
nicht gestört
wird.
-
Das
Verfahren zur Registrierung von Realstruktur-Informationen in massiven
Kristallkörpern mit
einer Röntgenstrahlung 31,
wobei die Kristallkörper 5, 51, 52 eine
von der Ordnungszahl abhängige Mindestdicke
D aufweisen, mit der vorgenannten Vorrichtung 1, die zumindest
aus einer Mikrofokus-Röntgenröhre 2,
einer Kristallkörper-Halterung 9 und
einem Detektor 7 mit einer Detektoraufnahmefläche 71 besteht,
wird in einer natürlichen
Atmosphäre realisiert,
wobei eine Durchstrahlung des in der Kristallkörper-Halterung 9 befindlichen
Kristallkörpers 5, 51, 52 zur
Erzeugung einer radiographischen Schattenabbildung auf dem Detektor 7, 71 zur
Registrierung der makroskopischen Realstruktur 13, 13' des Kristallkörpers 5, 51, 52 durchgeführt wird.
-
Erfindungsgemäß werden
auf der Detektoraufnahmefläche 71 registrierfähige linienförmige Bremsstrahlinterferenzen 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' zur
Darstellung einer kristallographischen Realstruktur des massiven
Kristallkörpers 5, 51, 52 durch
einen Primärstrahl 31 mit
harter Röntgenbremsstrahlung 20 in
einem Wellenlängenbereich
von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3λmin,
aus dem der massive Kristallkörper 5, 51, 52 die
exakt zur Beugung an seinen Netzebenen benötigte Wellenlänge λ herausfiltert,
erzeugt, wobei die linienförmigen
Bremsstrahlinterferenzen 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' die
durch eine verbleibende Reststrahlintensität 3 erzeugte radiographische
Schattenabbildung gleichzeitig überlagern,
wobei eine Registrierung der linienförmigen Bremsstrahlinterferenzen 14, 15, 14', 15', 14'', 15'' mittels
folgender Schritte herbeigeführt
wird:
- – Einsetzen
einer unmittelbar hinter dem Strahlaustritt 21 der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 angeordneten
Blende 4, deren Blendenloch 12 einen zur Einstellung
einer Strahldivergenz 6 ausgebildeten Durchmesser hat,
- – Einstellung
eines Abstandes R2 zwischen dem Kristallkörper 5, 51, 52 und
der Detektoraufnahmefläche 71,
wobei der Abstand R2 mindestens das Zwanzigfache
der Entfernung R1–R2 des
Kristallkörpers 5, 51, 52 vom
Strahlaustritt 21 der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 beträgt,
- – Einstellung
der Belichtungszeit t der Mikrofokus-Röntgenröhre 2, wobei die eingestellte
Belichtungszeit t von der Ordnungszahl des Materials des Kristallkörpers 5, 51, 52,
von der Dicke D des Kristallkörpers 5, 51, 52 und
von der Empfindlichkeit des Detektors 7, 71 abhängt, und
- – Einstellung
der Beschleunigungsspannung U der Mikrofokus-Röntgenröhre 2, die eine Intensität des Primärröntgenstrahls 31 erzeugt,
bei der die Intensität
des Maximums des Primärröntgenstrahls 31 durch
die Absorption des Kristallkörpers 5, 51, 52 um
mindestens 25% verringert ist, wobei ein gewünschtes Verhältnis zwischen
der die radiographische Schattenabbildung erzeugenden Reststrahlintensität 3 und
der Interferenzstrahlintensität
erreicht und somit ein registrierfähiges Kontrastbild 30 zeitgleich
zwischen den Interferenzlinien und der radiographischen Schattenabbildung
herbeigeführt
wird.
-
Die
Bestrahlung mit harter Röntgenbremsstrahlung 20 wird
in einem Energiebereich von 50 keV bis 450 keV durchgeführt.
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Zur
gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung der
Schattenabbildung und der Bremsstrahlinterferenzlinien zu dem registrierfähigen Kontrastbild 30 wird
für die
Mikrofokus-Röntgenröhre 2 eine
Belichtungszeit t im Minutenbereich eingestellt.
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Wahlweise
können
vorgegebene Kristallgebiete des Kristallkörpers 5, 51, 52 mittels
einer xy-Manipulatoreinheit 11 an der den Kristallkörper 5, 51, 52 halternden
Kristallkörper-Halterung 9 abgerastert
werden.
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Zur
Vergrößerung der
Abbildungs-Überlagerung
auf der Fläche 71 des
Detektors 7 kann durch eine Abstands-Verstelleinrichtung
(nicht eingezeichnet) eine Einstellung des Abstandes R1 des
Detektors 7, 71 relativ zur Mikrofokus-Röntgenröhre 2 durchgeführt werden.
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Als
massive Kristallkörper 5, 51, 52 können monokristalline
oder grobkristalline Kristallkörper
eingesetzt werden, wobei die Kristallkörper 5, 51, 52 eine
Mindestdicke D im Bereich von einigen Millimetern bis einigen Zentimetern
aufweisen.
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Bei
einer Durchstrahlung von grobkristallinen, aus Einzelkristallen
bestehenden Kristallkörpern 5, 51, 52 dient
die Blende 4 in Kombination mit einer Kristallkörperbewegung
mittels der Manipulatoreinheit 11 der Sondierung und Abbildung
von Einzelkristallen.
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Die
Teile der Beugungskegel 6'', die außerhalb
der Beugungskegel 6' des
Kontrastbildes 30 im Randbereich 23 der das Kontrastbild 30 enthaltenden
Aufnahme existieren, enthalten ausschließlich die Information der kristallographischen
Realstruktur, im Gegensatz zu den Beugungskegeln 6' im Kontrastbild 30,
die die radiographische Schattenbildung und die kristallographische
Realstruktur enthalten, wobei beide Beugungskegelarten 6', 6'' gleichzeitig auf der Detektoraufnahmefläche 71 registriert
werden können.
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Die
Verwendung von harter Röntgenbremsstrahlung 20 im
Energiebereich von 50 keV bis 450 keV führt
zur gleichzeitigen
Abbildungs-Überlagerung
von Informationen massiver Kristallkörper 5, 51, 52,
die eine von der Ordnungszahl abhängige Mindestdicke D aufweisen,
in einer natürlichen
Atmosphäre
gemäß dem Verfahren
und der Vorrichtung,
mittels einer direkten Durchstrahlung
zur Erzeugung einer radiographischen Schattenabbildung zur Registrierung
der makroskopischen Realstruktur 13, 13' des massiven
Kristallkörpers 5, 51, 52 und
mittels
einer Erzeugung von zur Schattenabbildung sich abhebenden, registrierfähigen Kontrast
aufweisenden Bremsstrahlinterferenzlinien zur Registrierung der
kristallographischen Realstruktur 16, 14'', 15'' des
massiven Kristallkörpers 5, 51, 52 auf
einem Detektor 7 und zur visuellen oder abtastungsbezogenen
Auswertung.
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Das
Verfahren beginnt mit dem Einschalten der genannten Röntgenstrahlenquelle,
einer Mikrofokus-Röntgenröhre 2,
im unteren Minutenbereich.
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Eine
an die Mikrofokus-Röntgenröhre 2 angeschlossene
Steuereinrichtung 17 ist zur Einstellung der Belichtungszeit
t zur Durchführung
der gleichzeitigen Abbildungs-Überlagerung
vorgesehen.
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Auf
die beschriebene Weise werden auf dem Detektor 7, 71 simultan
eine vergrößerte Röntgenschattenmikroskopie-Abbildung
sowie durch Beugungskegel 6', 6'' in der 1a markierte
Röntgenbremsstrahleninterferenzen
des durchstrahlten Kristallkörpergebietes
des massiven Kristallkörpers 5, 51, 52 registrierfähig dargestellt.
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Zur
Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens
wird die aus der Mikrofokus-Röntgenröhre 2 gelieferte
harte Röntgenbremsstrahlung 20 verwendet,
wie sie in dem in 1, 1b dargestellten
Röntgenstrahlenspektrum 18 enthalten
und im Gegensatz zu der im Stand der Technik eingesetzten charakteristischen
Strahlung 19 gezeigt ist.
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Die 3 zeigt
eine schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen auf
einem Röntgenfilm 71 von
einem massiven TbNi2B2C-Kristallkörper 51 mit
makroskopischen Poren (Lunkern) 13, 13' und ohne Kristallbaufehler.
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Dabei
sind im Inneren des TbNi2B2C-Kristallkörpers 51 mikroskopisch
kleine Hohlräume 13, 13' oder Lunker
als Form der makroskopischen Defektstruktur gezeigt. Die Linien
der Bremsstrahlungsinterferenzen 14,15 als Form
der kristallographischen Real- oder Defektstruktur, simultan in
Durchstrahlung aufgenommen, werden dagegen scharf und ohne Unterbrechungen
neben und durch die mikroskopischen Lunker 13, 13' hindurch dargestellt.
Das bedeutet, dass die Innenflächen
der Hohlräume 13, 13' durch Atome
besetzt werden, die sich ohne Kristallbaufehler in Form der kristallographischen
Defektstruktur an das Bulk- Material
anschließen.
In diesem Falle hätte,
um auf die im Inneren des TbNi2B2C-Kristallkörpers 51 vorhandenen
Defekte zu schließen,
ein Vergleich pyknometrischer Dichtemessungen mit röntgenographisch über eine
Präzisions-Gitterkonstantenbestimmung
bestimmter Dichte kein physikalisch richtiges Ergebnis ergeben.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung 1 besitzt
diese Einschränkungen nicht
und liefert alle relevanten Daten, die größtenteils schon visuell sichtbar
sind.
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Die 4 zeigt
eine schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen auf
dem Röntgenfilm 71 von
einem massiven TbNi2B2C-Kristallkörper 51 mit
lokalen Kristallbaufehlern und ohne makroskopische Poren. Die scharfen
Interferenzlinien 14, 15 weisen aber einen Interferenzlinienbruch 16 auf, der
lokale Defekte in einer Netzebenenschar – z. B. eine Kleinwinkelkorngrenze – im massiven TbNi2B2C-Kristallkörper 51,
angibt.
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Die 5 zeigt
reale Aufnahmen der Realstruktur-Informationen entsprechend dem
erfindungsgemäßen Verfahren
nach Durchstrahlung mittels harter Röntgenbremsstrahlung an dem
massiven TbNi2B2C-Kristallkörper 51,
wobei 5a eine Aufnahme des TbNi2B2C-Kristallkörpers 51 mit
Lunkern 13 und Interferenzlinien 14,15 (verstärkt nachgezeichnet)
und 5b einen vergrößerten Ausschnitt aus
der Aufnahme in 4a desselben TbNi2B2C-Kristallkörpers 51 mit
dem vergrößerten Lunker 13 und
den Interferenzen 14, 14 und 14', 15' (beide verstärkt hervorgehoben)
darstellen. Die Kristallkörperdicke
D des TbNi2B2C-Kristallkörpers 51 beträgt beispielsweise
5 mm und der Durchmesser des auf den Aufnahmen in 5a und 5b abgebildeten
Kristallkörpergebietes
beträgt
9 mm.
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Die 6 zeigt
eine schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen an
einer einkristallinen Turbinenschaufel 52 aus CMSX-6 ohne
makroskopische Poren (Lunker) und ohne Kristallstörungen,
wobei das Fehlen von Kristallstörungen
zu scharfen Interferenzlinien 14, 15 führt.
-
Die 7 zeigt
eine schematische Darstellung von Realstruktur-Informationen an
derselben einkristallinen Turbinenschaufel 52 aus CMSX-6 ohne
makroskopische Poren (Lunker) und mit Störungen in der Kristallstruktur – mit erhöhter Versetzungsdichte –, die in
der Aufnahme als unscharfe Interferenzlinien 14'', 15'' (Bandinterferenzen)
dargestellt sind.
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Die 8 zeigt
eine reale Aufnahme von Realstruktur-Informationen gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren
nach Durchstrahlung mittels harter Röntgenbremsstrahlung 20 an
der einkristallinen Turbinenschaufel 52 aus CMSX-6 ohne
makroskopische Poren (Lunker), aber mit Kristallstörungen – mit erhöhter Versetzungsdichte –, die durch
die unscharfen Interferenzlinien 14'', 15'' angezeigt werden, wie bereits
in 7 schematisch dargestellt ist.
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Das
Verfahren dient zur zerstörungsfreien Charakterisierung
der Güte
von massiven Kristallkörpern 5, 51, 52,
die Metallen, Halbleitern, intermetallischen Verbindungen, organischen
Kristallen und Ionenkristallen zugeordnet sind.
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Das
Verfahren basiert auf der Verwendung harter Röntgenbremsstrahlung knapp über der
Wellenlänge λmin,
etwa im Wellenlängenbereich
von Δλ ≈ 1,0 bis 1,3λmin,
und benutzt nicht die langwelligere charakteristische Strahlung
einer Röntgenröhre. Der massive
Kristallkörper 5, 51, 52 „filtert" und monochromatisiert
gewissermaßen
selbst die zur Beugung an ihren Netzebenen benötigte Wellenlänge λ aus dem
kontinuierlichen Bremsspektrum Δλ.
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Insbesondere
von massiven Silizium-Einkristallblöcken (engl. ingots) als Ausgangsmaterial
für Wafer
der Mikroelektronik und der Solartechnik, Piezokristallen, Einkristall-Turbinenschaufeln
und Legierungskristallkörpern
können
die Realstruktur-Informationen mittels der Registrierung der gleichzeitigen Abbildungs-Akkumulation ermittelt
und sofort entweder visuell oder durch eine hochauflösende Abtastung
ausgewertet werden. Aber nicht nur auf Defektstrukturen bezogen,
sondern auch in Erweiterung auf eine beabsichtigte innere Ausbildung
der Kristallkörper
können
in den massiven Kristallkörpern
gezielt dimensionierte und aus der Schmelze gezogene Hohlräume und/oder
während
der Schmelze vorgegeben eingebrachte Körper auf ihre Ausbildung, ihre
Lage sowie ihre Defekte innerhalb der Kristallkörper überprüft werden.