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Die
Erfindung betrifft einen Neigungssensor mit einem um eine Achse
drehbaren Messpendel, mit einer Winkelmesseinrichtung zum Erfassen
der Drehbewegung des Messpendels um die Achse und mit einem um die
Achse drehbaren, massebehafteten Element, dessen Drehbewegung mit
der Drehbewegung des Messpendels gekoppelt ist.
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Ein
Neigungssensor der vorstehend genannten Art ist aus der
US 4 667 413 A bekannt.
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Die
Erfindung wird bevorzugt zum Erfassen von Neigungswinkeln in Kraftfahrzeugen
eingesetzt. Die Erfassung des Neigungswinkels des Kraftfahrzeugs
als ganzes oder einer Baugruppe des Kraftfahrzeugs kann unterschiedlichen
Anwendungen dienen. Bei einer ersten Anwendung kann ein Überschlag
des Kraftfahrzeugs während
eines Unfallgeschehens erkannt werden, um dann entsprechende Insassen-Sicherheitseinrichtungen
auszulösen,
beispielsweise Überrollbügel, Gurtstraffer,
Airbags, Notrufe und dergleichen. Bei einer zweiten Anwendung kann
der momentane Neigungswinkel von Bauteilen eines motorisch betätigbaren
Klappdachs zum Steuern des Öffnungs-
oder Schließvorganges
erfasst werden. Bei einer dritten Anwendung kann die Fahrzeugneigung
für eine
Leuchtweitenregelung erfasst werden. Bei einer vierten Anwendung
kann der Wankwinkel und/oder der Nickwinkel des Fahrzeugs für eine Fahrwerksstabilisierungseinrichtung
erfasst werden. Diese und weitere Anwendungen im Kraftfahrzeugbereich
sind für
die Erfindung bevorzugt, die jedoch selbstverständlich auch in anderen Anwendungsbereichen
einsetzbar ist.
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Zur
Erfassung eines Neigungswinkels sind zahlreiche Sensortypen bekannt
geworden. Diese Sensortypen unterscheiden sich erheblich, je nachdem,
ob statische oder quasi-statische
Messbedingungen herrschen oder ob Neigungswinkel bei erheblichen
Beschleunigungen und Drehraten ermittelt werden sollen.
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Im
Rahmen der vorliegenden Erfindung sind Sensoren der zweiten Art
von Interesse, die ferner auf dem Prinzip eines durch die Schwerkraft
ausgelenkten Pendels beruhen, wobei die Pendelauslenkung relativ
zu einem mit dem Messobjekt verschwenkten Sensorgehäuse ein
Maß für den Neigungswinkel
ist.
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Aus
der
DE 36 11 360 ist
in diesem Zusammenhang beispielsweise ein Sensor zur selbsttätigen Auslösung von
Insassenschutzvorrichtungen bekannt. Der Sensor weist zwei Pendel
auf, die um zueinander senkrecht stehende Achsen verschwenkbar sind,
um den Kippwinkel eines Kraftfahrzeugs in zwei Richtungen bestimmen
zu können.
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Bei
Neigungssensoren nach dem Pendelprinzip besteht das generelle Problem,
dass Messwertverfälschungen
auftreten, wenn das Messobjekt zusätzlich zu der Neigung beschleunigt
wird. Dann überlagert
sich die Neigungsbewegung mit der durch die von außen einwirkende
Beschleunigung verursachten Bewegung.
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Es
sind daher bereits zahlreiche Neigungssensoren dieser Bauart vorgeschlagen
worden, bei denen dieser Störfaktor
dadurch gemindert wird, dass das Pendel in seiner Bewegung gedämpft wird.
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Aus
der
DE 40 19 144 ist
ein Neigungssensor bekannt, bei dem ein Pendel durch eine auf einer Welle
drehbare Scheibe gebildet wird, die einerseits eine exzentrisch
angeordnete Masse und andererseits Dämpfungsflügel trägt. Das Pendel ist in einem abgedichteten
Raum eines Gehäuses
angeordnet, der mit einer Dämpfungsflüssigkeit
befüllt
ist. Die Drehbewegung des Pendels wird über eine permanentmagnetische
Kopplung in den Außenraum übertragen,
wo sich ein Winkelsensor befindet. Bei abruptem Verschwenken wird
das Pendel in seiner Drehbewegung damit fluidisch bedampft.
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Aus
der
DD 239 861 A1 ist
ein Neigungssensor für
Fahrzeuge bekannt, bei dem das Problem der Beschleunigung auf andere
Weise angegangen wird. Der Sensor enthält drei miteinander fluchtende
Wellenstücke,
an denen jeweils ein exzentrisches Gewicht befestigt ist. Die Wellenstücke sind über schaltbare
Kupplungen miteinander verbindbar. An dem ersten Wellenstück befindet
sich ein Messpendel, das mit einer Anzeigevorrichtung verbunden
ist. An dem mittleren Wellenstück
befindet sich eine Gegenmasse. An dem dritten Wellenstück befindet
sich ein Justierpendel, dessen Trägheitsmoment größer ist als
das des Messpendels und das der Gegenmasse. Wenn die erste Kupplung
zwischen dem ersten und dem zweiten Wellenstück geschlossen ist, bilden
das Messpendel und die Gegenmasse ein System, dessen Schwerpunkt
in der Achse der Wellenstücke liegt.
Bewegt sich das Fahrzeug mit konstanter Geschwindigkeit, ist die
erste Kupplung geöffnet,
so dass alleine das Messpendel auf die Anzeigevorrichtung wirkt.
Die zweite Kupplung zwischen dem zweiten und dem dritten Wellenstück ist dann
geschlossen, so dass das Justierpendel die Gegenmasse nach oben
gerichtet hält.
Erfährt
das Fahrzeug eine Beschleunigung, wird die erste Kupplung geschlossen
und die zweite Kupplung geöffnet.
Dadurch wird die Stellung des Messpendels verrastet, weil das System
aus Messpendel und Gegenmasse bei einer Beschleunigung keine Drehung
ausführt.
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Die
DD 30 902 A1 beschreibt
einen Steigungs- und Gefällemesser
mit einem Pendelgewicht, an dem unmittelbar ein Bremspendel gelagert
ist. Pendelgewicht und Bremspendel drehen sich daher um unterschiedliche
Achsen, wobei die Brems- bzw. Dämpfungswirkung
dissipativ eintritt.
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Die
DE 29 25 839 A beschreibt
zusammen mit der
DE
29 16 044 A eine Vorrichtung zur Stellweg- bzw. Positionieranzeige
des Vorderrades eines Fahrzeuges. Die Vorrichtung umfasst ein Pendel,
an dem eine Achse gelagert ist, auf der ein Zahnrad mit einem ferromagnetischen
Einsatz gelagert ist.
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Bei
einer weiteren Gruppe bekannter Neigungssensoren der hier interessierenden
Art wird zur Bedämpfung
des Messpendels ein koaxial zu dem Messpendel angeordnetes, massebehaftetes
und um die Achse drehbares Element verwendet.
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Aus
der eingangs genannten
US
4 667 413 A ist ein derartiger Neigungssensor bekannt,
bei dem ein Pendel durch eine exzentrische Masse gebildet wird,
die über
eine Blattfeder mit einer Nabe verbunden ist. Die Nabe ist in einem
Gehäuse
auf einer Welle drehbar. Die Nabe trägt ihrerseits eine Geberscheibe
eines gehäusefesten
Sensors. Ferner ist ein zum Pendel koaxial angeordnetes Masserad
vorgesehen, das entweder über
ein Reiblager auf der Welle drehbar oder über einen Permanentmagneten
mit dem Pendel gekoppelt ist. Das Masserad dampft damit das Pendel,
wenn der Neigungssensor abrupt verschwenkt wird.
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Dieser
bekannte Neigungssensor hat den Nachteil, dass das Dämpfungsverhalten
nicht optimal ist. Dies drückt
sich darin aus, dass der Frequenzgang der Messempfindlichkeit nicht
gleichförmig
ist, so dass der Sensor je nach der Frequenz des auf ihn einwirkenden
Ereignisses ein besseres oder ein schlechteres Messverhalten zeigt.
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Aus
der
DE 26 01 177 A1 ist
ein ganz ähnlicher
Neigungssensor bekannt, bei dem ein Pendel durch einen topfförmigen Drehkörper gebildet
wird, der auf einer Welle eines Winkelsensors drehbar und mit einer
exzentrischen Masse versehen ist. Koaxial zu dem Pendel ist ein
Masserad mit etwa 40 mal größerer Masse
drehbar gelagert. Das Pendel und das Masserad befinden sich gemeinsam
in einem Hohlraum eines Gehäuses,
der mit Silikonöl
befüllt
ist. Bei abruptem Verschwenken des Sensors nimmt das Pendel daher
das Masserad über
die fluidische Kopplung mit und wird auf diese Weise bedämpft.
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Infolge
der ähnlichen
Bauart hat auch dieser Sensor die Nachteile des vorgenannten Sensors,
insbesondere hinsichtlich des Frequenzganges der Messempfindlichkeit.
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Der
Erfindung liegt demgegenüber
die Aufgabe zugrunde, einen Neigungssensor der eingangs genannten
Art dahingehend weiterzubilden, dass die vorgenannten Nachteile
vermieden werden. Insbesondere soll ein Neigungssensor zur Verfügung gestellt
werden, der auch bei hohen einwirkenden Beschleunigungen und bei
hohen Drehraten ein zuverlässiges
Messergebnis über
einen großen
Winkelbereich bei hinreichend guter Messgenauigkeit gewährleistet.
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Bei
einem Neigungssensor der eingangs genannten Art wird diese Aufgabe
erfindungsgemäß dadurch
gelöst,
dass das Element ein Ausgleichspendel ist, und dass das Ausgleichspendel
mit dem Messpendel über
ein Getriebe verbunden ist.
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Die
der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auf diese Weise vollkommen
gelöst.
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Die
Verwendung eines Ausgleichspendels anstelle einer nur trägen Drehmasse
bewirkt nämlich eine
weit effektivere dispersive Dämpfung
des Messpendels und damit eine exaktere Messung. Das erfindungsgemäße Doppelpendel
wirkt nämlich
nahezu ideal als „Pendel
der Ruhe”,
das unabhängig
vom jeweiligen Zeitpunkt und unabhängig vom jeweiligen Bewegungszustand
in Richtung des Lots, d. h. der natürlichen Schwerkraft zeigt.
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Bei
einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist das Getriebe ein
Planetengetriebe.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass ein exakt berechenbares Getriebe Verwendung
findet, das mit wenigen Bauteilen auskommt, niedrige Reibungsverluste
hat und kompakt baut.
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Im
letztgenannten Fall ist bei einem praktischen Ausführungsbeispiel
bevorzugt, wenn das Messpendel mit einem Hohlrad versehen ist, ferner das
Ausgleichspendel ein Planetenrad aufweist, und das Planetenrad auf
einem um die Achse drehbaren Steg drehbar gelagert ist und einerseits
mit dem Hohlrad und andererseits mit einem um die Achse drehbaren
Masserad kämmt.
Insbesondere weist vorzugsweise der Steg einen um die Achse drehbaren
Schleppanker mit exzentrisch angeordneter Masse auf.
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Diese
Maßnahmen
haben den Vorteil, dass das Getriebe mit einem Minimum an Bauteilen
auf geringst möglichem
Raum realisiert wird.
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In
an sich bekannter Weise kann erfindungsgemäß die Winkelmesseinrichtung
ein mit dem Messpendel verbundenes Geberelement sowie ein mit dem
Gehäuse
verbundenes Sensorelement aufweisen. Vorzugsweise ist dann das Geberelement
ein magnetisches Element und das Sensorelement ein magnetfeldempfindliches
Sensorelement.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass auf bekannte Konzepte derartiger Winkelmesseinrichtungen
zurückgegriffen
werden kann.
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Eine
gute Wirkung wird in diesem Zusammenhang dann erzielt, wenn das
Geberelement einen Fluxring als äußere, ringförmige, weichmagnetische
Abschirmung und einen inneren, ringförmigen Permanentmagneten aufweist.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass die Winkelmessung ungestört von externen Magnetfeldern,
einschließlich
des Erdmagnetfeldes, stattfinden kann.
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Bei
einer besonders bevorzugten Gruppe von Ausführungsbeispielen ist zwischen
dem Messpendel und dem Ausgleichspendel eine dämpfende Lagerung vorgesehen.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass die dispersive Dämpfung, d. h. der idealer weise
verlustfreie Energieaustausch zwischen Messpendel und Ausgleichspendel durch
einen dissipativen, d. h. Bewegungsenergie in Wärme umsetzenden Energieübergang
ergänzt
wird. Diese Ergänzung
bewirkt eine weitere Verbesserung des Frequenzganges des Neigungssensors.
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Die
dämpfende
Lagerung kann als Reiblagerung, insbesondere als fluidische Lagerung
ausgebildet sein.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass das Ausmaß der
dissipativen Dämpfung
genau und mit einfachen, platzsparenden Mitteln einstellbar ist.
Dadurch kann das Dämpfungsverhalten
beispielsweise gezielt aperiodisch oder überkritisch eingestellt werden.
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In
der Praxis ist dann bevorzugt, wenn die fluidische Lagerung als
mit einem viskosen Fluid befüllter
Ringspalt zwischen zwei rotierenden Körpern ausgebildet ist.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass die genannte Einstellung der Dämpfungscharakteristik
in einfacher Weise durch die Abmessungen des Ringspalts und die
Viskosität
des in dem Ringspalt befindlichen Fluids bewirkt werden kann. Weiterhin
hat die schwimmende Lagerung des Pendels bzw. der Pendel in dem
Fluid den Vorteil, dass durch den Auftrieb in dem Fluid die Lagerbelastung
der Pendelwelle vermindert wird.
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Erfindungsgemäß ist besonders
bevorzugt, wenn ein Massenschwerpunkt des Messpendels näher an der
Achse liegt als ein Massenschwerpunkt des Ausgleichspendels, und
wenn vorzugsweise ein Schleppwinkel des Schleppankers kleiner ist
als ein Lagerreibungswinkel des Messpendels, wobei insbesondere
das Verhältnis
der gekoppelten Eigenfrequenz von Ausgleichspendel und Messpendel
im Bereich zwischen 3 und 5 liegt.
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Diese
Maßnahmen
haben den Vorteil, dass sich infolge der dispersiven Dämpfung ein
im Idealfalle verlustfreier Energieaustausch zwischen Messpendel
und Ausgleichspendel ergibt.
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Schließlich ist
bevorzugt, wenn das Getriebe zwischen Messpendel und Masserad ein Übersetzungsverhältnis zwischen
2 und 4 aufweist.
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Die
letztgenannten Maßnahmen
haben den Vorteil, dass ein tiefgestimmtes, asynchrones Doppelpendel
entsteht.
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Weitere
Vorteile ergeben sich aus der Beschreibung und der beigefügten Zeichnung.
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Es
versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend
noch zu erläuternden Merkmale
nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in
anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne
den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
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Ausführungsbeispiele
der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden in der
nachfolgenden Beschreibung näher
erläutert.
Es zeigen:
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1:
eine Explosionsdarstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen Neigungssensors;
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2:
eine radiale Schnittdarstellung eines gegenüber 1 abgewandelten
Ausführungsbeispiels
mit einem fluidisch bedämpften
Doppelpendel;
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3:
eine stark schematisierte radiale Schnittdarstellung des Ausführungsbeispiels
von 1 als Schemazeichnung zur Erläuterung des physikalischen
Wirkprinzips;
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4:
ein Messdiagramm für
die Neigungswinkel-Messempfindlichkeit in Abhängigkeit von der Drehfrequenz
beim Ausführungsbeispiels
der 1 im Vergleich zum Stand der Technik;
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5:
ein Messdiagramm, ähnlich 4,
jedoch für
den Hysteresewinkel in Abhängigkeit
von der Drehfrequenz beim Ausführungsbeispiel
der 2;
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6:
ein Messdiagramm, ähnlich 5,
jedoch für
die Winkelsignalamplitude in Abhängigkeit von
der Schwingfrequenz bei vorbestimmter lateraler Beschleunigungsamplitude;
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7:
ein Messdiagramm des Ausführungsbeispiels
der 2 für
die Messempfindlichkeit, in Abhängigkeit
von der Drehfrequenz;
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8:
ein Messdiagramm ähnliche 7 für den Hysteresewinkel,
in Abhängigkeit
von der Drehfrequenz;
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9:
ein Messdiagramm ähnliche 7 für die Winkelsignalamplitude,
in Abhängigkeit
von der Schwingfrequenz; und
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10:
ein Messdiagramm ähnliche 7 für das Winkelsignal
bei Impuls- und
Drehbelastung, in Abhängigkeit
von der Zeit.
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In 1 bezeichnet 10 als
ganzes ein Ausführungsbeispiel
eines erfindungsgemäßen Neigungssensors,
wie er bevorzugt für
Anwendungen der eingangs genannten Art im Kraftfahrzeug verwendet
wird. Der Neigungssensor 10 hat bei einem praktischen Ausführungsbeispiel
für die
Anwendung als Überschlagsensor,
das nachstehend noch näher beschrieben
wird, einen Durchmesser von etwa 18 mm und eine Länge von
etwa 20 mm.
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Der
Neigungssensor 10 weist ein hier nur schematisch angedeutetes
Gehäuse 11 auf,
dass fest mit demjenigen Bauteil bzw. der Baugruppe verbunden ist,
deren Neigung um eine bestimmte Achse 12 gemessen werden
soll. Das Gehäuse 11 ist
mit Lagerbuchsen 14a, und 14b versehen, die Lagerzapfen 16 einer
sich entlang der Achse 12 erstreckenden Lagerwelle 18 aufnehmen.
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Auf
der Lagerwelle 18 sind nebeneinander drei Baugruppen gelagert,
nämlich
in der Mitte ein Messpendel 20, daneben auf der in 1 vorderen Seite
ein Ausgleichspendel 22 sowie auf der in 1 hinteren
Seite ein rotorseitiger Teil einer Winkelmesseinrichtung 24,
dessen Masse allerdings zur Masse des Messpendels 20 gehört, wie
noch erläutert
werden wird.
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Das
Messpendel 20 enthält
einen Pendelkörper 30,
der als Hohlrad 32 mit einer Innenverzahnung 34 ausgebildet
ist. Ferner ist der Pendelkörper 30 mit einer
ersten, relativ zur Längsachse 12 exzentrischen
Masse 36 versehen. Eine radiale Wand 38 des Pendelkörpers 30 ist
mit einem Ringflansch 40 versehen, mit dem der Pendelkörper 30 fest
mit der Lagerwelle 18 verbunden ist, so dass er sich frei
um die Achse 12 drehen kann.
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Wie
bereits erwähnt,
beinhaltet das Messpendel 20 auch die Masse der weiter
unten beschriebenen Masse des rotorseitigen Teils der Winkelmesseinrichtung 24.
Im Ausführungsbeispiel
beträgt
das gekoppelte Massenträgheitsmoment
J1 des Messpendels 20 insgesamt
etwa 80 g mm2. Der Abstand des Schwerpunktes
des Messpendels 20 von der Achse 12 ist in 1 mit
s1 bezeichnet. Im dargestellten Ausführungsbeispiel
ist der Abstand s1 sehr klein. Er liegt
beispielsweise bei 0,2 mm und damit in der Größenordnung des Radius der Lagerwelle 18.
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Auf
der in 1 hinteren Seite der Wand 38 des Pendelkörpers 30 ist
der rotorseitige Teil der Winkelmesseinrichtung 24, nämlich ein
permanentmagnetisches Drehgeberelement 44 befestigt, beispielsweise
in eine entsprechende Ausnehmung im Pendelkörper 30 eingepresst
oder geklebt. Das permanentmagnetische Drehgeberelement 44 dreht
sich also mit dem Pendelkörper 30 um
die Achse 12. Es besteht im wesentlichen aus einem äußeren, ringförmigen,
weichmagnetischen Fluxring 46, der als magnetische Flussführung und
als Abschirmung wirkt, und einem inneren, ringförmigen Permanentmagneten 48,
dessen eine Ringhälfte
den Nordpol und dessen andere Ringhälfte den Südpol bildet, derart, dass eine
diametrale Magnetisierungsrichtung entsteht. Die Masse des permanentmagnetischen
Drehgeberelements 44 gehört durch die feste Verbindung
mit dem Pendelkörper 30,
wie erwähnt,
zur Masse des Messpendels 20.
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An
dem Gehäuse 11 ist
der statorseitige Teil der Winkelmesseinrichtung 24 befestigt.
Er weist einen Sensor 54 auf, der mit einer Leiterplatte 56 versehen
ist, auf der sich die erforderliche Elektronik befindet. Diese umfasst
ein magnetfeldempfindliches Sensorelement 58, bei dem in 1 mit 59 die
Feldlinien des von dem permanentmagnetischen Drehgeberelement 44 erzeugten
Magnetfeldes angedeutet sind, die den Innenraum des ringförmigen Permanentmagneten 48 parallel
zu einem Durchmesser durchsetzen und die sich bei einer Relativdrehung zwischen
dem permanentmagnetischen Drehgeberelement 44 und dem Sensor 54 in
Richtung eines Pfeils 60 drehen. Die Leiterplatte 56 trägt ferner
die notwendigen elektrischen Anschlüsse 62.
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Das
Sensorelement 58 ist vorzugsweise ein Hall-Element oder
ein magnetostriktives Element. Es steht im eingebauten Zustand dem
Permanentmagneten 48 gegenüber und erfasst in der beschriebenen
Weise über
360° berührungslos
und rückwirkungsfrei
das magnetische Drehfeld 59, das von dem Permanentmagneten 48 erzeugt
wird, wenn sich das Messpendel 20 um die Achse 12 dreht.
Infolge der Abschirmung ist die Winkelmesseinrichtung 24 von äußeren magnetischen
Einflüssen,
beispielsweise des Erdmagnetfeldes, abgeschirmt. Das Ausgangssignal
der Winkelmesseinrichtung 24 kann in an sich bekannter
Weise analog, digital, pulsweitenmoduliert oder entsprechend bekannter
Datenbusprotokolle aufbereitet sein.
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Das
Signal des Sensorelements kann, beispielsweise bereits in der Elektronik
auf der Leiterplatte 56, einer Tiefpass-Filterung unterzogen
werden, wobei die Tiefpass-Grenzfrequenz
bevorzugt unterhalb von 5 Hz liegt. Damit wird insbesondere bei hohen
Beschleunigungen das Sensorsignal ohne merkliche Signalverfälschung
geglättet.
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Das
Ausgleichspendel 22 weist einen Schleppanker 64 auf,
der mittels einer Nabe 66 auf der Lagerwelle 18 drehbar
ist. Der Schleppanker 64 ist mit einer zweiten exzentrischen
Masse 68 versehen. Sein Schwerpunkt hat einen Abstand s2 von der Achse 12. Im Ausführungsbeispiel
beträgt
beispielsweise s2 = 2,5 mm. Es ist wichtig,
dass der Abstand s2 größer ist als der Abstand s1, so wie dies auch deutlich in 1 zu
erkennen ist.
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An
dem Schleppanker 64, der insoweit als Steg eines Planetengetriebes
wirkt, ist ein Planetenrad 70 um eine Achse 72 drehbar
gelagert, die vorzugsweise parallel zur Achse 12 verläuft.
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Das
Planetenrad 70 kämmt
im eingebauten Zustand mit der Innenverzahnung 34 des Hohlrades 32.
Es kämmt
weiter mit einem Sonnenrad 74, das ebenfalls drehbar auf
der Lagerwelle 18 sitzt und fest mit einem Masserad 76 verbunden
ist, das folglich ebenfalls um die Achse 12 drehbar ist.
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Im
Ausführungsbeispiel
beträgt
das gekoppelte Massenträgheitsmoment
J2 des Ausgleichspendels 22 etwa
22 g mm2.
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Es
versteht sich dabei, dass das dargestellte Planetengetriebe mit
Hohlrad 32, Steg 64, Planetenrad 70 und
Sonnenrad 74 nur beispielhaft für die Kopplung zwischen Messpendel 20 und
Ausgleichspendel 22 zu verstehen ist. Denkbar sind auch
andere bidirektionale Kopplungen, beispielsweise durch Reibschluss,
Fluidschluss oder anderen Formschluss.
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Beim
Ausführungsbeispiel
der 1 sind die drehbaren Elemente frei drehbar, also
bei kontinuierlicher Drehung ungedämpft. Die Dämpfung des Messpendels 20 durch
das Ausgleichspendel 24 wird weiter unten noch erläutert.
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Die
Laufeigenschaften der Pendel 20, 22 wird durch
eine reibungsarme Lagerung der Lagerzapfen 16 in den beiden
Lagerbuchsen 14a, 14b bzw. der Lagerwelle 18 in
der Nabe 66 bestimmt. Eine möglichst kleine Lagerreibung
wird durch eine optimierte Werkstoffpaarung Welle 18/Buchse 14a, 14b bzw.
/Nabe 66 und einen möglichst
kleinen Wellenzapfendurchmesser d1 bzw.
Lagerwellendurchmesser d2 erreicht. Bei
dem eingangs genannten Ausführungsbeispiel
beträgt
beispielsweise d1 = 0,25 mm und d2 = 0,4 mm.
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Für die Lagerung
der Lagerzapfen 16 in den Lagerbuchsen 14a, 14b lässt sich
der Lagerreibungswinkel α1 für
einen Reibbeiwert μ zwischen Lagerzapfen 16 und
Lagerbuchsen 14a, 14b wie folgt angeben: α1 = arctanμd1/2s1
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Für die Lagerung
der Lagerwelle 18 in der Nabe 66 mit dem selben
Reibbeiwert μ gilt
für den Schleppwinkel α2 in
entsprechender Weise: α2 =
arctanμd2/2s2
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Im
Ausführungsbeispiel
ist μ =
0,06 und mit d1 = 0,25 mm, s1 =
0,2 mm, d2 = 0,4 mm und s2 =
2,5 mm ergeben sich ein Lagerreibungswinkel α1 =
2,15° und
ein Schleppwinkel α2 = 0,28°.
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Dadurch,
dass der Durchmesser d2 größer als
der Durchmesser d1 ist, wird also erreicht,
dass der Schleppwinkel α2 kleiner ist als der Lagerreibwinkel α1.
Damit ist eine effektive dispersive Dämpfung des Messpendels 20 durch
das Ausgleichspendel 22 infolge eines im Idealfall verlustfreien
Energieaustauschs zwischen Messpendel 20 und Ausgleichspendel 22 möglich.
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Bei
dem praktischen Ausführungsbeispiel mit
den bereits genannten Abständen
der Massenschwerpunkte von der Lagerachse 12, nämlich s1 = 0,2 mm und s2 =
2,5 mm liegt die so genannte gekoppelte Eigenfrequenz f1 des
Messpendels 20 bei weniger als 2 Hz, typischerweise bei
1 Hz und die gekoppelte Eigenfrequenz f2 des
Ausgleichspendels 22 bei mehr als 2 Hz, typischerweise
bei 3 Hz. Das Frequenzverhältnis
f2/f1 liegt vorzugsweise
im Bereich von 3 bis 5.
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Das
Messpendel 20 und das damit über das Planetengetriebe 32, 70, 74 schwerkraftgekoppelte Ausgleichspendel 22 bilden
ein so genanntes tiefgestimmtes, asynchrones Doppelpendel.
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Zwischen
dem Messpendel 20 und dem Ausgleichspendel 22 wirkt
eine innere Pendeldämpfung, die
sich dadurch auszeichnet, dass keine direkte Wirkverbindung zum
Stator, also dem Gehäuse 11, vorhanden
ist. Wie bereits erwähnt,
ist diese Dämpfung
rein dispersiv, d. h. die Schwingungsenergie wird im Messpendel 20 bzw.
im Ausgleichspendel 22, dort insbesondere im Masserad 76 gespeichert.
Dies ermöglicht
extrem hohe Drehraten, die im Ausführungsbeispiel bei bis zu 1.000°/s liegen
können,
ohne dass eine merkliche Winkelverschleppung auftritt. Die Dämpfung des
Messpendels 20 wird durch den Kraftschluss zum Ausgleichspendel 22 bewirkt
und wird wesentlich durch das Trägheitsmoment
des Masserades 76 und dessen Rotationsgeschwindigkeit bestimmt.
Beide Größen können durch
das Übersetzungsverhältnis zwischen
Messpendel 20 und Masserad 76 beeinflusst werden.
Dieses Übersetzungsverhältnis liegt
beim Ausführungsbeispiel
zwischen 2 und 4.
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Demgegenüber zeigt 2 eine
modifizierte, nämlich
zusätzlich
dissipativ gedämpfte
Ausführungsform 10' des Neigungssensors 10 gemäß 1.
Hier findet also nicht nur ein im Idealfall verlustfreier Energieaustausch
zwischen den Pendeln 20 und 22 statt, sondern
zusätzlich
eine Umwandlung kinetischer und potentieller Energie vom Messpendel 20 und
vom Ausgleichspendel 24 in Reibungswärme. In 2 sind entsprechende
Elemente mit den Bezugszeichen der 1, jedoch
unter Hinzufügung
eines Apostrophs bezeichnet. Übersichtshalber
sind nur die zur Erklärung
notwendigen Elemente des Doppelpendels abgebildet.
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Wie
man deutlich aus 2 entnehmen kann, befindet sich
ein kreisförmiger
Innenumfang 80 des Pendelkörpers 30' in geringem
radialem Abstand von einem ebenfalls kreisförmigen Außenumfang 82 des Masserades 76', so dass ein
Ringspalt 84 entsteht. In dem Ringspalt 84 befindet
sich ein viskoses Öl,
beispielsweise ein Silikonöl.
Dieses bewirkt über den
fluidischen Formschluss zwischen dem Pendelkörper 30' und dem Masserad 76' mittels des
Ringspaltes 84 eine fluidische innere Dämpfung des Messpendels 20 gegenüber dem
Ausgleichspendel 22.
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Im
Ausführungsbeispiel
kann zur Befüllung des
Ringspalts 84 ein niederviskoses Fluid mit einer Viskosität von beispielsweise
0,5 bis 5 mm2/s verwendet werden, wenn der
Ringspalt 84 beispielsweise 0,4 mm breit ist.
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In
praktischen Ausführungsbeispielen
können
alternativ alle beweglichen Elemente des Neigungssensors 10 innerhalb
des Gehäuses 11 in
einem Ölbad
laufen.
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Um
eine möglichste
geringe äußere Dämpfung des
Messpendels 20 zum Gehäuse 11' zu erhalten,
befindet sich die erste exzentrische Masse 36' vorzugsweise
innerhalb des kreisförmigen
Außenumfanges
des Hohlrades 32'.
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Anstelle
oder zusätzlich
zu einer fluidischen Dämpfung
kann auch eine Reibungsdämpfung,
eine Wirbelstromdämpfung
oder dergleichen vorgesehen werden.
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Bei
Rotation des Masserades 76' entsteht
in dem im Ringspalt 84 enthaltenen Fluid eine Ringströmung, die
auch als Couette-Strömung
bezeichnet wird. In der Regel verhält sich das Fluid wie eine Newton'sche Flüssigkeit
mit geschwindigkeitsproportionaler Scherspannung. Bei geringer Geschwindigkeit
der Ringströmung
erfährt
das Masserad 76' und damit
der Pendelkörper 30' ein Dämpfungsmoment Md nach der Beziehung: Md = η(A/d)r1
2[(R + r)/r]d(φ2 – φ1)/dt wobei η die dynamische Viskosität des Fluids,
A die fluidbenetzte wirksame Umfangsfläche des Masserades 76', also die wirksame
Dämpfungsfläche, d die Breite
des Ringspalts 84, r1 der mittlere
Radius des Ringspalts 84 und der Ausdruck (φ2 – φ1) die relative Winkelfunktion des Doppelpendels
ist. Der Term in den eckigen Klammern beschreibt das Übersetzungsverhältnis des
Masserades 76' relativ
zum Hohlrad 32',
um das die relative Winkelgeschwindigkeit des Masserades 76' gegenüber der
Relativgeschwindigkeit des Ausgleichspendels 22 zum Messpendel 20 erhöht ist.
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Die
fluidische Dämpfung
des Pendelkörpers 30' gegenüber dem
Masserad 76' kann
individuell eingestellt werden, beispielsweise aperiodisch oder überkritisch,
indem die Größe der wirksamen
Dämpfungsfläche und
die Breite des Ringspalts entsprechend dimensioniert werden. Auf
diese Weise können
Resonanzrestüberhöhungen bis
auf das Scheinlot bei statischer Beschleunigung reduziert werden, ohne
dass eine Erhöhung
der Viskosität η erforderlich
wäre. Aufgrund
des in Md wirkenden Übersetzungsverhältnisses
sind niedrige Viskositäten
ausreichend, und die Dämpfung
des Messpendels 20 zum Gehäuse 11 ist gering.
Die Winkeltreue bleibt daher auch bei hohen Drehraten erhalten.
-
Die
vorgesehene Fluiddämpfung
bringt es mit sich, dass das Messpendel 20' und das Ausgleichspendel 22' einen Auftrieb
in dem Fluid erfahren. Es ist daher darauf zu achten, dass das verdrängte Fluidvolumen
einen solchen Volumenschwerpunkt aufweist, dass der Gesamtschwerpunkt des
jeweiligen Pendelkörpers
des Neigungssensors 10' unterhalb
der Achse 12' verbleibt
und das jeweilige Pendel somit nicht aufschwimmt, wenn sich der Neigungssensor 10' in der Gleichgewichtslage
befindet. Der Auftrieb bewirkt dabei, dass die Lastkräfte in den
Lagern der Pendel durch die Auftriebkräfte reduziert werden, wodurch
die Lagerflächen
entlastet werden.
-
Die
Wirkungsweise des Neigungssensors 10 bzw. 10' ist wie folgt:
Die
Anordnung von Messpendel 20 und Ausgleichspendel 22 soll
bewirken, dass dieses Doppelpendel im Idealfall ein „Pendel
in Ruhe” darstellt,
das sich zu jedem Zeitpunkt und in allen Bewegungszuständen des
mit dem Gehäuse 11 verbundenen
Objekts im Lot, also parallel zum Vektor der natürlichen Schwerkraft befindet.
Aus dieser Ruhestellung soll die jeweilige Neigung des Gehäuses 11 relativ
zum Lot und um die Achse 12 erfasst werden. Dieser Idealfall
ist natürlich
in der Praxis nicht gewährleistet,
weil sich das Messpendel 20 und das Ausgleichspendel 22 infolge
dynamischer Bewegungsvorgänge
zumindest kurzzeitig aus dem Lot herausbewegen. Die Bewegung des
Messpendels 20 stellt dann einen Fehler dar, den es im
Rahmen der vorliegenden Erfindung zu minimieren gilt.
-
Die
Winkelübertragungsfunktion α des Neigungssensors 10 ist
charakterisiert durch die Beziehung: α = Φ – φ1
[1] wobei Φ der zu
erfassende Neigungswinkel des mit dem Gehäuse 11 verbundenen
Objektes relativ zum Lot und um die Achse 12 und φ1 der momentane, vom Idealfall abweichende
Ausschlag des Messpendels 20 ist. Wenn φ1 =
0 ist, dann liegt der Idealfall vor, und die Winkelübertragungsfunktion α liefert
direkt den Neigungswinkel Φ.
Da der momentane Ausschlag φ1, wie erwähnt, in der Praxis von Null
verschieden und nicht bekannt ist, wird durch die bereits beschriebenen
Dämpfungsmaßnahmen
bewirkt, dass diese Größe zumindest
so klein wie möglich
gehalten wird, also das Messpendel 20 einen möglichst geringen
Ausschlag φ1 aufweist.
-
Die
Wirkung des erfindungsgemäßen Doppelpendels 20, 22 wird
nachstehend anhand einer Simulationsberechnung für die momentane Neigung φ1 dargestellt:
Die Berechnung geht von
einer Lagrange-Funktion L = T – V
aus, wobei T die kinetische Energie und V die potentielle Energie
des Gesamtsystems sind. Unter Anwendung der Lagrange'schen Bewegungsgleichungen 2.
Art erhält
man ein System gekoppelter Differentialgleichungen, mit denen die
Winkelbewegungen des Doppelpendels beschrieben werden: J1d2φ1/dt2 = Q1 + J12d2φ2/dt2
[2]
J2d2φ2/dt2 = Q2 + J12d2φ1/dt2
[3]
-
Dabei
sind J1 das gekoppelte Massenträgheitsmoment
des Messpendels 20, J2 das gekoppelte Massenträgheitsmoment
des Ausgleichspendels 22, J12 das
Austauschmassenträgheitsmoment
des Doppelpendels 20, 22, das die gegenseitige
Kopplung und Wechselwirkung der Bewegungen der beiden Pendel 20 und 22 beschreibt
und das im Ausführungsbeispiel
10 g mm2 beträgt. φ2 ist
die momentane Neigung des Ausgleichspendels 22, Q1 das Antriebsmoment des Messpendels 20,
und Q2 das Antriebsmoment des Ausgleichspendels 22.
-
Gleichung
[2] beschreibt die Pendelschwingung φ1 des
Messpendels 20 und Gleichung [3] die Schwingung φ2 des Ausgleichspendels 22.
-
Die
Reibungs- und fluidischen Dämpfungsterme
werden zwar auf der Basis eines Modells explizit berücksichtigt,
sind jedoch aus Gründen
der Übersichtlichkeit
weggelassen. Die Antriebsmomente Q1 und
Q2 sind gegeben durch: Q1 = m1s1(azcosΦsinφ1 – aycosφ1) [4]
Q2 = [m3s3 + m'(R – r')](azcosΦsinφ2 – aycosφ2) [5]
-
Dabei
sind ay und az die
von außen
einwirkenden Beschleunigungskomponenten einschließlich der
Erdbeschleunigung (g = 9,81 m/s2) in einem horizontierten
Koordinatensystem, m1 die Masse des Pendelkörpers 30,
m2 die Masse des Schleppankers 64,
und m' die Masse
des Planetenrades 70.
-
Die
Trägheitsmomente
sind gegeben durch J1 = Θ1 + Θ3(R/r)2 + Θ'(R/r')2
[6]
J2 = Θ2 +
m'(R – r')2 + Θ3[(R + r)/r]2 + Θ'[(R – r')/r']2
[7]
J12 = Θ3R(R
+ r)/r2 + Θ'R(R – r')/r'2
[8]
-
Das
Getriebe des Doppelpendels 20, 22 und die dazu
gehörigen
Parameter sind in 3 schematisch dargestellt. Die
Schwingungsresonanzfrequenzen sind allgemein definiert für kleine
Pendelausschläge
bzw. Neigungen φ1 und φ2 von Messpendel 20 bzw. Ausgleichspendel 22.
In diesem Sinne ergeben sich die gekoppelten Eigenfrequenzen von
Messpendel 20 und Ausgleichspendel 22 aus den
Gleichungen [2] und [3] unter Verwendung der Gleichungen [4] und
[5] zu f1 =
(1/2π)(m1s1g/J1)1/2
[9]
f2 = (1/2π)([m2s2 + m'(R – r')]g/J2)1/2
[10]
-
Die
Dimensionierung des Doppelpendels 20, 22 kann
gemäß den Gleichungen
[2] bis [10] unter Berücksichtigung
der oben in der Beschreibung angegebenen Regeln vorgenommen werden.
Zur Überprüfung der
Messfunktion α gemäß Gleichung
[1] und des Pendelausschlags bzw. der Neigung φ1 aus
der mathematischen Lösung
des gekoppelten Differentialgleichungssystems [2] und [3] werden
die folgenden Messvorschriften eingeführt, die mit entsprechenden
Labormessungen verifiziert werden können:
- – Drehfrequenzgang:
Das
Gehäuse 11 des
Neigungssensors 10 wird in sinusförmige Drehschwingungen um die
Achse 12 versetzt. Bei einer fest vorgegebenen Neigungswinkelamplitude
wird der Messwinkel α in Abhängigkeit
von der Drehfrequenz gemessen.
- – Hysteresefrequenzgang:
Das
Gehäuse 11 des
Neigungssensors 10 wird wiederum in sinusförmige Drehschwingungen
um die Achse 12 versetzt. Bei einer fest vorgegebenen Neigungswinkelamplitude
wird die über
eine Drehschwingungsperiode gemittelte Abweichung des Neigungssignals α vom tatsächlichen
momentanen Neigungswinkel Φ als
Hysteresewinkel in Abhängigkeit
von der Drehfrequenz gemessen.
- – Schwingfrequenzgang:
Das
Gehäuse 11 des
Neigungssensors 10 wird nunmehr in sinusförmige Linearschwingungen quer
zur Achse 12 versetzt. Bei einer fest vorgegebenen Beschleunigungsamplitude
wird der Pendelausschlag bzw. der Neigungswinkel φ1 direkt mittels des Messwinkels α (wegen Φ = 0) in Abhängigkeit
von der Schwingfrequenz gemessen.
- – Drehstoßreaktion:
Das
Gehäuse 11 des
Neigungssensors 10 wird nunmehr kurzzeitigen halbsinusförmigen Stoßimpulsen
quer zur Achse 12 gefolgt von einer 90°-Drehbewegung mittels eines
Klappscharniers um die Achse 12 ausgesetzt. Dabei wird
der Messwinkels α in
Abhängigkeit
von der Zeit gemessen.
-
4 zeigt
den Drehfrequenzgang für
zwei Neigungssensoren, die im Frequenzbereich um 1 Hz tief abgestimmt
sind. Der Verlauf a) zeigt den Drehfrequenzgang für einen
Neigungssensor mit herkömmlichem
Einfachpendel und der Verlauf b) den Drehfrequenzgang für einen
Neigungssensor 10 mit erfindungsgemäßem Doppelpendel 20, 22.
Wegen der nicht zu vermeidenden Lagerreibung erleidet das Einfachpendel
gemäß a) bei
einer Drehfrequenz von etwa 1 Hz einen völligen Empfindlichkeitsverlust, während das
erfindungsgemäße Doppelpendel 20, 22 nur
eine geringfügige
Abnahme von maximal 10% zeigt.
-
5 zeigt
in entsprechender Weise mit Verläufen
a) und b) den Hysteresefrequenzgang für einen herkömmlichen
und einen erfindungsgemäßen Neigungssensor.
Hier ist der Hysteresewinkel im Bereich der Resonanzfrequenz für den erfindungsgemäßen Neigungssensor
signifikant kleiner.
-
6 zeigt
den Schwingfrequenzgang, ebenfalls mit Verläufen a) und b) für einen
herkömmlichen
und einen erfindungsgemäßen Neigungssensor.
Hier zeigt sich für
den erfindungsgemäßen Neigungssensor
im Vergleich zum herkömmlichen
Neigungssensor ein ausgeprägtes
Dämpfungsverhalten im
Bereich der Resonanzfrequenz.
-
Die 7 bis 9 zeigen
analog zu den 4 bis 6 die entsprechenden
Frequenzgänge des
erfindungsgemäßen Neigungssensors 10 mit Doppelpendel 20, 22,
jedoch mit fluidischer Dämpfung
gemäß 2 und
aperiodisch eingestelltem Dämpfungsverhalten.
Die Abnahme der Messempfindlichkeit im Drehfrequenzgang der 7 reduziert sich
auf unter 7% und der Hysteresewinkel in 8 kann unter
1° gehalten
werden. Der Schwingfrequenzgang in 9 verläuft quasi
resonanzfrei unterhalb des Scheinlotwinkels von 26,6°, der sich
als Folge der im Versuch eingestellten Lateralbeschleunigung von
0,5 g ergibt.
-
10 zeigt
die Drehstoßreaktion
des erfindungsgemäßen Neigungssensors 10.
Der Zeitverlauf des Winkelsignals α ist wegen des vorgelagerten halbsinusförmigen Stoßimpulses
sogar steiler als die Kippfunktion des Klappscharniers Φ. Dies ist
ein durchaus willkommener Effekt, um einen Überschlag eines Kraftfahrzeugs
zu detektieren, damit die Gefahrensituation sicher zu erkennen und
entsprechende Insassen-Sicherheitseinrichtungen
rechtzeitig auszulösen.
-
Bezugszeichenliste
-
- 10
- Neigungssensor
- 11,
11'
- Gehäuse
- 12
- Achse
- 14a,
b
- Lagerbuchsen
- 16
- Lagerzapfen
- 18
- Lagerwelle
- 20
- Messpendel
- 22
- Ausgleichspendel
- 24
- Winkelmesseinrichtung
- 30,
30'
- Pendelkörper
- 32,
32'
- Hohlrad
- 34
- Innenverzahnung
- 36,
26'
- erste
exzentrische Masse
- 38
- radiale
Wand
- 40
- Ringflansch
- 44
- permanentmagnetisches
Drehgeberelement
- 46
- Fluxring
- 48
- ringförmiger Permanentmagnet
- 54
- gehäusefester
Sensor
- 56
- Leiterplatte,
Elektronik
- 58
- magnetfeldempfindliches
Sensorelement
- 59
- magnetische
Feldlinien
- 60
- Pfeil
- 62
- Anschlüsse
- 64
- Schleppanker
- 66
- Nabe
- 68
- zweite
exzentrische Masse
- 70
- Planetenrad
- 72
- Achse
- 74
- Sonnenrad
- 76,
76'
- Masserad
- 80
- Innenumfang
von 30'
- 82
- Außenumfang
von 76'
- 84
- Ringspalt
- A
- Umfangsfläche des
Pendelkörpers 30
- ay, az
- von
außen
einwirkende Beschleunigungskomponente
- d
- Breite
des Ringspalts 84
- d1
- Durchmesser
der Lagerzapfen 16
- d2
- Durchmesser
der Lagerwelle 18
- f1
- Eigenfrequenz
des Messpendels 20
- f2
- Eigenfrequenz
des Ausgleichspendels 22
- J1
- gekoppeltes
Massenträgheitsmoment
des Messpendels 20
- J2
- gekoppeltes
Massenträgheitsmoment
des Ausgleichspendels 22
- J12
- Austauschmassenträgheitsmoment
des Doppelpendels
- m1
- Masse
des Pendelkörpers 30 + 44
- m2
- Masse
des Schleppankers 64 + 70 + 72
- m3
- Masse
des Masserades 74 + 76
- m'
- Masse
des Planetenrades 70
- Md
- Dämpfungsmoment
- Q1
- Antriebsmoment
des Messpendels 20
- Q2
- Antriebsmoment
des Ausgleichspendels 22
- R
- Wälzkreisradius
des Hohlrades 32
- r
- Wälzkreisradius
des Sonnenrades 74
- r'
- Wälzkreisradius
des Planetenrades 70
- r1
- mittlerer
Radius des Ringspalts 84
- s1
- Abstand
des Massenschwerpunkts des Pendelkörpers 30 von der Achse 12
- s2
- Abstand
des Massenschwerpunkts des Schleppankers 64 von der Achse 12
- t
- Zeit
- T
- kinetische
Energie
- V
- potentielle
Energie
- α
- Messwinkel
- α1
- Lagerreibungswinkel
- α2
- Schleppwinkel
- η
- dynamische
Viskosität
- Φ
- Momentaner
Neigungswinkel eines mit dem Gehäuse 11 verbundenen
Objekts
- φ1
- momentane
Neigung des Messpendels 20
- φ2
- momentane
Neigung des Ausgleichspendels 22
- Θ1
- Massenträgheitsmoment
des Pendelkörpers 30 + 44
- Θ2
- Massenträgheitsmoment
des Schleppankers 64
- Θ3
- Massenträgheitsmoment
des Masserades 74 + 76
- Θ'
- Massenträgheitsmoment
des Planetenrades 70