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Die
Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer
kohlenwasserstoffhaltigen Substanz gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches
1.
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Große Teile
der weltweiten Ölreserven
liegen in Form von Ölsanden
vor. Ölsand
ist eine Mischung aus Gestein, Ton, Sand, Wasser und Bitumen oder anderen
Schwerölen.
Im Folgenden soll stellvertretend für Schwer-, Schwerstöle oder
allgemein langkettige Kohlenwasserstoffe lediglich von Bitumen gesprochen
werden, welches mit einer Viskosität von typisch API 5° bis 15° lagerstättenmäßig vorkommt. Das
Bitumen kann mittels weiterer Verfahrensschritte in synthetisches
Rohöl umgewandelt
werden. Ölsandvorkommen
liegen teilweise in Erdschichten geringer Tiefe, die dem Tagebau
zugänglich
sind. Es existieren aber ebenfalls große Ölsandvorkommen, die dem Tagebau
nicht zugänglich
sind. Typischerweise wird die In-Situ-Gewinnung ab Tiefen von 60
m und tiefer vorgenommen, da der Abbau des Deckgebirges dann nicht
mehr lohnend erscheint.
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Das
zur Ausbeutung solcher Vorkommen typischerweise verwendetes Verfahren
ist die „Steam Assisted
Gravity Drainage" (SAGD).
Bei dem SAGD-Verfahren wird das in einer Lagerstätte vorliegende Bitumen durch
Heißdampf
erhitzt und die Lagerstätte
durch den Dampfdruck permeabler gemacht. Auf diese Weise wird die
Viskosität
des Bitumens herabgesetzt, so dass es in flüssiger Form und auch schneller
aus der Lagerstätte
gefördert
werden kann. Die Viskositätsveränderung
des Bitumens geschieht durch eine Temperaturerhöhung. Zu diesem Zweck wird
Heißdampf
durch Rohrleitungen in die unterirdische Lagerstätte gepresst, so dass die Lagerstätte erwärmt wird,
und sich gleichzeitig ein Überdruck
in der Lagerstätte
aufbaut. Flüssiges
Bitumen wird durch den in der Lagerstätte herr schenden Überdruck
durch ein weiteres Rohr an die Oberfläche gefördert.
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Zur
Verbesserung der Fließfähigkeit
des Bitumens kann der Heißdampf
mit einem Lösungsmittel
versetzt werden. Die Rohrleitungen zur Injektion des Heißdampfes,
bzw. des Gemisches aus Heißdampf
und Lösungsmittel,
werden im Wesentlichen parallel zueinander, horizontal verlaufend
innerhalb der Lagerstätte
verlegt. Die Injektionsrohrleitung und Produktionsrohrleitung weisen
typischerweise einen Abstand von 5 m bis 10 m in vertikaler Richtung
zueinander auf. Der Abstand der Injektionsrohrleitung und Produktionsrohrleitung
ist jedoch von der Mächtigkeit
der Lagerstätte
abhängig.
In horizontaler Richtung erstrecken sich die Rohre innerhalb der
Lagerstätte
auf einer Länge
zwischen mehreren hundert Metern und wenigen Kilometern.
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Vor
dem Beginn der eigentlichen Förderung von
Bitumen aus der Lagerstätte,
muss diese zunächst
erwärmt
werden, um die Viskosität
des in dem Sand oder Gestein vorhandenen Bitumens herabzusetzen.
Während
der Aufheizphase, zur schnellen Erwärmung der Lagerstätte, werden
sowohl die Injektionsrohrleitung als auch die Produktionsrohrleitung
für die
Dauer von ca. 3 Monaten mit Heißdampf beaufschlagt.
Am Ende der Aufheizphase liegt das Bitumen in der Lagerstätte mit
einer solchen Viskosität
vor, dass bei weiterer Beaufschlagung der Injektionsrohrleitung
mit Heißdampf
und dem resultierenden Überdruck
in der Lagerstätte
flüssiges
Bitumen aus der Produktionsrohrleitung an die Oberfläche gefördert werden
kann. Bei hinreichendem Druckaufbau kann auf die Installation von
Anhebeölpumpen verzichtet
werden, welche die Bitumen-Wasser-Emulsion zutage fördern.
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Das
derzeit praktizierte SAGD-Verfahren, wie es grob skizziert wurde,
weist diverse technische Probleme auf. Zum einen kann über in der
Lagerstätte
vorhandene Kanäle
oder poröse
Gesteinsschichten Heißdampf
aus der Lagerstätte
entweichen, ein Verlust, der die in die Lagerstätte eingebrachte Heiz energie
mindert. Es kann aufgrund überhöhter Drücke in der
Lagerstätte
zu Erdverwerfungen an der Oberfläche
(Blow-out) kommen, insbesondere wenn das Deckgebirge von geringer
Mächtigkeit
ist. Ein weiteres Problem ist das sogenannte „Fingering" innerhalb des Reservoirs, bei welchem
es zumeist am Anfang oder am Ende des horizontalen Stücks der parallel
liegenden Dampfinjektions- bzw. Produktionsrohres zum Dampfdurchbruch
(Dampf-Kurzschluss) kommt, wobei der Dampf sich einen bevorzugten
kommunizierenden Pfad zwischen beiden Rohren sucht und unerwünscht Druck
abgebaut wird, wobei der injizierte Dampf kondensiert und durch
das Produktionsrohr als Wasser gefördert wird, wobei der Lagerstätte geringfügiger Dampf
und damit thermische Energie zugeführt wird und die Effektivität des Prozesses
drastisch abnimmt. Druck und Temperatur innerhalb der Lagerstätte, zum
schnellen Erwärmen derselben,
können
also in Abhängigkeit
der Lagerstättenbedingungen
nicht beliebig gesteigert werden. Für das SAGD-Verfahren werden
große
Mengen an Frischwasser benötigt.
Die benötigte
Wassermenge wird anhand des „Steam
to oil ratio" (SOR)
gemessen. Strenge Umweltauflagen in den Fördergebieten fordern eine Verringerung
des SOR, um die ober- und unterirdischen Wasservorräte zu schonen.
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Neben
dem SAGD-Verfahren wird auch vorgeschlagen, elektrische bzw. elektromagnetische Mittel
zum Aufheizen der Lagerstätte
zu verwenden. In der
WO
2007/086867 A1 ist dazu eine Anordnung mit abschnittsweise
verteilten Elektroden zur resistiven Heizung beschrieben. Aus der
US 5 586 213 A ist dagegen
eine Anordnung zur Beheizung einer elektrolytischen Sole durch elektrische
Heizung bekannt, wobei ionische Kontaktmedien verwendet werden. Weitere
Anordnungen zum Einbringen von Flüssigkeiten sind aus der
US 5 167 280 A und
der
DE 38 28 738 C1 ,
und zur elektrischen Beheizung aus der
DE 26 34 137 A1 und der
US 5 449 251 A bekannt.
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Insgesamt
ist dem Stand der Technik entnehmbar, dass eine elektrische Heizung
unter fakultativer Zugabe von Lösungsmitteln
insbesondere in Kombination mit dem SAGD-Verfahren zur Herabsetzung
der Viskosität
der Kohlenwasserstoffsubstanz in der Lagerstätte einsetzbar ist.
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Davon
ausgehend ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung
zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz anzugeben,
insbesondere zur Förderung
von Schwerölen
oder Bitumen aus einer Ölsandlagerstätte, die
zumindest gegenüber
dem Stand der Technik derart verbessert ist, dass eine verkürzte Aufheizphase
vor Beginn der Produktionsphase erreicht werden kann.
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Die
Aufgabe wird mit den in Anspruch 1 erfindungsgemäß angegebenen Merkmalen gelöst, wobei
die funktional angegebenen Mittel zur Verbesserung der elektrischen
Leitfähigkeit
zwischen den Elektroden wesentlich sind. Konkrete Realisierungen der
Mittel sind in Anspruch 2 und 3 angegeben und können alternativ bzw. fakultativ
eingesetzt werden.
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Der
Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass eine elektrische Heizung,
die sowohl induktiv als auch resistiv gegenüber zumindest Teilen der Lagerstätte wirksam
ist, zur schnellen Erwärmung
derselben vorteilhaft ist. Die Lagerstätte selbst wirkt als resistiver,
dddddddd. h. ohmscher Widerstand gegenüber den zumindest zwei Elektroden
der Heizung. Gleichzeitig wird die Lagerstätte induktiv durch die elektrische
Heizung erwärmt,
wozu ein geschlossener Induktionskreislauf notwendig ist.
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Erfindungsgemäß wird eine
Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz
unter Herabsetzung deren Viskosität aus einer unterirdischen
Lagerstätte
angege ben, die zumindest eine aus der Lagerstätte herausführende Produktionsrohrleitung
umfasst. Die Vorrichtung weist weiterhin zumindest zwei Elektroden
auf, die induktiv und resistiv gegenüber zumindest Teilen der Lagerstätte als
elektrische Heizung wirksam sind. Vorteilhaft kann mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung
die Aufheizzeit des Reservoirs, das die kohlenwasserstoffhaltige
Substanz enthält,
verkürzt
werden. Im Vergleich zu Vorrichtungen, wie sie aus dem Stand der
Technik bekannt sind, kann das „Steam to oil ratio" gesenkt werden.
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Vorteilhafte
Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung
einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz gehen aus den von Anspruch
1 abhängigen
Ansprüchen
hervor. Dabei kann die Ausführungsform
nach Anspruch 1 mit den Merkmalen eines, vorzugsweise mit denen
mehrerer Unteransprüche
kombiniert werden. Demgemäß kann die
Vorrichtung zur Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz
nach der Erfindung zusätzlich
noch die folgenden Merkmale aufweisen:
- – Die zwei
Elektroden der elektrischen Heizung können durch zumindest teilweise
in der Lagerstätte
verlaufende, im Wesentlichen senkrecht orientierte elektrische Leiter
gebildet sein. Eine senkrechte Bohrung erfordert einen geringen Bohraufwand.
So können
auf einfache und effektive Weise elektrische Leiter, die induktiv
und resistiv gegenüber
zumindest Teile der Lagerstätte wirksam
sind, in die Lagerstätte
eingebracht werden. Diese Vorrichtung ist insbesondere vorteilhaft,
wenn davon ausgegangen werden muss, dass die Permeabilität mit zunehmender
Tiefe absinkt, oder die Permeabilität in horizontaler Richtung
inhomogen ist, d. h., dass eine inhomogene und ggf. anisotrope Lagerstätte bezüglich der
Permeabilität
oder/und Porosität
vorliegt.
- – Die
zumindest zwei Elektroden der elektrischen Heizung können durch
zumindest teilweise innerhalb der Lagerstätte verlaufende im Wesentlichen horizontal
orientierte elektrische Leiter gebildet sein. Mit elektrischen Leitern,
welche horizontal innerhalb der Lagerstätte verlaufen, kann ein großer Teil
der Lagerstätte
auf elektrischem Wege resistiv wie auch induktiv erhitzt werden.
- – Bei
den Elektroden kann es sich um stabförmige metallische Leiter handeln.
Stabförmige
metallische Leiter sind besonders einfach und kostengünstig.
- – Zumindest
Teilabschnitte der Elektroden können einen
räumlichen
Abstand zueinander aufweisen, der mit zunehmender Länge der
Elektroden von einer Stromquelle aus betrachtet abnimmt. Die Abstandsabnahme
kann insbesondere stetig erfolgen. Insbesondere kann der räumliche
Abstand der Teilabschnitte der Elektroden linear abnehmen. Durch
einen veränderlichen
Abstand der Elektroden zueinander kann erreicht werden, dass der
Spannungsabfall über
die Länge
der Elektroden konstant gehalten wird. Dieser Spannungsabfall ist
bestimmt von dem elektrischen Widerstand der Elektroden selbst,
addiert mit dem elektrischen Widerstand des entsprechend zwischen
den Elektroden vorhandenen Erdreiches. Es kann auf diese Weise vorteilhaft
vermieden werden, dass die gesamte Heizleistung der Elektroden an
einem der Stromquelle nahen Bereich im Erdreich abfällt.
- – Die
Elektronen können
koaxial in einem Führungsrohr
verlaufen, wobei das Führungsrohr
zur gezielten Deposition einer Flüssigkeit in Teile der Lagerstätte an den
entsprechenden in der Lagerstätte
verlaufenden Teilbereichen für
die Flüssigkeit
permeabel ist. Durch das Führungsrohr
kann der Lagerstätte
in gezielten Bereichen Flüssigkeit zugeführt werden,
wodurch die elektrische Leitfähigkeit
der Lagerstätte 100 beeinflusst
werden kann. Auf diese Weise lässt
sich die Leitfähigkeit der
Lagerstätte
sicherstellen, so dass eine störungsfreie
Funktion der elektrischen Heizung gegeben ist.
- – Die
Vorrichtung kann eine in die Lagerstätte hineinragende Injektionsrohrleitung
aufweisen. In dem die Vorrichtung sowohl eine Injektionsrohrleitung
wie auch eine Produktionsrohrleitung aufweist, kann die Lagerstätte zum
einen mittels der elektrischen Heizung und zum anderen mit beispielsweise
einem dampfgestützten
Heizverfahren erwärmt
werden. Beide Verfahren können
synergetisch zusammenwirken.
- – Die
Elektroden können
an ihren der Stromquelle fernen Endbereichen durch eine Leiterbrücke elektrisch
miteinander verbunden sein. Durch eine derartige elektrische Verbindung
kann die Betriebssicherheit der elektrischen Heizung verbessert
werden.
- – Die
Injektionsrohrleitung und die Produktionsrohrleitung können in
der Lagerstätte
im Wesentlichen parallel zueinander verlaufende, im Wesentlichen
horizontal orientierte Rohrabschnitte aufweisen. In einem Schnitt
senkrecht zu der Injektions- und Produktionsrohrleitung betrachtet, befinden
sich die Elektroden der elektrischen Heizung zu beiden Seiten der
Injektions- und Produktionsrohrleitung angeordnet. Durch eine Anordnung
der Elektroden der elektrischen Heizung zu beiden Seiten der Injektions-
und Produktionsrohrleitung kann insbesondere das Volumen der Lagerstätte, welches
sich zwischen der Injektions- bzw. Produktionsrohrleitung in horizontaler
Richtung erstreckt, mittels der elektrischen Heizung erwärmt werden.
Besonders vorteilhaft kann auf diese Weise ein größeres Volumen
der Lagerstätte
ausgebeutet werden. Aus dem Stand der Technik bekannte SAGD-Verfahren
erreichen eine Ausbeute zwischen 40 und 60% des in der Lagerstätte vorliegenden
Bitumens. Gemäß der vorbeschriebenen
Ausführungsform
erscheinen Ausbeuten von über
70% möglich.
- – Zumindest
zwei der Elektroden der elektrischen Heizung können durch zumindest Teile
der Injektionsrohrleitung bzw. der Produktionsrohrleitung gebildet
sein. Indem die elektrische Heizung durch zumindest Teile der Injektions- bzw. Produktionsrohrleitung
ausgebildet wird, kann zusätzliches
Material für
die elektrische Heizung eingespart werden; eine weitere Bohrung
entfällt
somit ebenfalls. Eine derartige Ausgestaltung der elektrischen Heizung
ist daher besonders vorteilhaft.
- – Die
Injektionsrohrleitung und die Produktionsrohrleitung können mit
Heißdampf
beaufschlagbar sein. Wird eine unterirdische Lagerstätte nach einem
SAGD-Verfahren oder einem ähnlichen oder
verwandten Verfahren ausgebeutet, so werden typischerweise in der
Lagerstätte
vorhandene Rohrleitungen mit Heißdampf beaufschlagt. Die Kombination
eines solchen heißdampfbasierten Verfahrens
mit einem elektrischen Heizverfahren, ist besonders vorteilhaft,
da durch den Heißdampf zusätzliches
Wasser in die Lagerstätte
eingebracht wird, welches die elektrische Leitfähigkeit der Lagerstätte erhöht. Eine
bestimmte elektrische Leitfähigkeit
ist zur Durchführung
eines induktiven und resistiven elektrischen Heizverfahrens notwendig.
Durch die synergetische Kombination eines Heißdampfverfahrens und eines elektri schen
Heizverfahrens kann der Wirkungsgrad des kombinierten Verfahrens über denjenigen
beider Einzelverfahren gesteigert werden.
- – Der
Heißdampf
kann mit einem Elektrolyten, vorzugsweise mit Salz, angereichert
werden. Die elektrische Leitfähigkeit
des Dampfes wird so erhöht.
Die Wirksamkeit einer induktiven und resistiven elektrischen Heizung
gegenüber
zumindest Teilen einer Lagerstätte
ist wesentlich von der elektrischen Leitfähigkeit der Lagerstätte abhängig. Indem
der durch die Injektions- und/oder Produktionsrohrleitung in die
Lagerstätte
eingeleitete Heißdampf
zusätzlich
mit Mineralien, vorzugsweise mit Salz, versehen wird, kann die elektrische Leitfähigkeit
der Lagerstätte
gezielt eingestellt und gegebenenfalls erhöht werden.
- – Bei
der elektrischen Heizung kann es sich um eine Wechselstromheizung
handeln. Eine Wechselstromheizung verhindert eine Ionenwanderung innerhalb
der Lagerstätte.
Vorteilhaft kann auf diese Weise eine Verkokung oder Salzverkrustung der
Injektions- und/oder Produktionsrohrleitung vermieden werden.
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Weitere
vorteilhafte Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung gehen aus den
vorstehend nicht angesprochenen Ansprüchen sowie insbesondere aus
der nachfolgend erläuterten
Zeichnung hervor. In der Zeichnung sind bevorzugte Ausgestaltungen
der erfindungsgemäßen Vorrichtung
in stark schematisierter Darstellung angedeutet. Dabei zeigen deren
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1 eine
Prinzipskizze für
eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung
einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz aus einer unterirdischen
Lagerstätte,
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2 einen
Querschnitt durch den Ausbeutungsbereich einer solchen Lagerstätte,
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3 und 4 eine
Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz mit einer elektrischen Heizung
sowie
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5 eine
weitere Ausbildungsmöglichkeit einer
solchen Vorrichtung.
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Sich
in den Figuren entsprechende Teile sind jeweils mit denselben Bezugszeichen
versehen. Nicht näher
ausgeführte
Teile sind allgemein bekannter Stand der Technik.
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1 zeigt,
schematisch dargestellt, eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung
einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz aus einer unterirdischen Lagerstätte 100 unter
Herabsetzung deren Viskosität.
Bei einer solchen Vorrichtung kann es sich beispielsweise um eine
Vorrichtung zur Gewinnung von Bitumen aus einem Ölsandvorkommen handeln. Eine
Injektionsrohrleitung 101 führt von der Erdoberfläche in die
Lagerstätte 100 hinein.
Eine Produktionsrohrleitung 102 führt aus der Lagerstätte 100 heraus
bis an die Erdoberfläche.
Es sind Vorrichtungen denkbar, bei denen zur Förderung der kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz aus der unterirdischen Lagerstätte 100 mehrere Injektionsrohrleitungen 101 und mehrere
Produktionsrohrleitungen 102 verwendet werden. Bei der
Lagerstätte 100 kann
es sich insbesondere um ein Ölsandvorkommen
oder ein Ölschiefervorkommen
handeln, aus welchem Bitumen oder andere Schweröle gewonnen werden können.
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Um
die kohlenwasserstoffhaltige Substanz aus der Lagerstätte 100 gewinnen
zu können,
muss die in der Lagerstätte 100 vorhandene
kohlenwasserstoffhaltige Substanz in ihrer Viskosität herabgesetzt werden.
Zu diesem Zweck müssen
zumindest Teile der Lagerstätte 100 erwärmt werden.
Zur Erwärmung der
Lagerstätte 100 werden
die Injektionsrohrleitung und die Produktionsrohrleitung 102 mit
Heißdampf beaufschlagt.
Nach einer Aufheizzeit von typischerweise 3 Monaten ist die Viskosität der in
der Lagerstätte 100 vorhandenen
kohlenwasserstoffhaltigen Substanz aufgrund der erhöhten Temperatur
soweit abgesunken, dass die Substanz fließfähig geworden ist. Wird nun
die Injektionsrohrleitung 101 weiter mit Wasserdampf beaufschlagt,
so kann aufgrund des in der Lagerstätte oder zumindest Teilen der
Lagerstätte 100 vorhandenen Überdrucks
koh lenwasserstoffhaltige Substanz durch die Produktionsrohrleitung 102 an
die Oberfläche
gefördert
werden. Zur Aufrechterhaltung der für die Fließfähigkeit der kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz notwendigen Temperatur wird die Injektionsrohrleitung 101 weiterhin
mit Heißdampf
beaufschlagt. An der Oberfläche
angekommen, kann die gewonnene kohlenwasserstoffhaltige Substanz
weiteren Behandlungsschritten unterzogen werden, so dass synthetisches
Rohöl gewonnen
werden kann.
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2 zeigt
einen Querschnitt durch die Lagerstätte 100, in welcher
zwei Injektionsrohrleitungen 101, 101' und zwei Produktionsrohrleitungen 102, 102' verlaufen.
Der von den Injektionsrohrleitungen 101, 101' ausgehende
Heißdampf
ist mit Pfeilen schematisch dargestellt. Der Heißdampf bildet innerhalb der
Lagerstätte 100 Dampfkammern 201, 201' aus, aus denen
die fließfähig gewordene
kohlenwasserstoffhaltige Substanz gefördert werden kann. In horizontaler
Richtung zwischen den Dampfkammern 201, 201' erstreckt sich
ein totes Volumen 202, in welchem die Viskosität der in
der Lagerstätte 100 vorhandenen
kohlenwasserstoffhaltigen Substanz zu hoch ist, als dass diese gefördert werden
könnte.
Das tote Volumen 202 der Lagerstätte 100 kann nicht
ausgebeutet werden.
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3 zeigt
eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz aus einer Lagerstätte 100,
welche neben zwei Injektionsrohrleitungen 101, 101', die in der
Lagerstätte 100 horizontal
verlaufende Rohrteile aufweist, zwei Produktionsrohrleitungen 102, 102' aufweist. Die Vorrichtung
zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen Substanz weist
weiterhin zwei Elektroden 301, 301' auf, die in senkrechten Bohrungen innerhalb
der Lagerstätte 100 verlaufen.
Die Elektroden 301, 301' sind gegenüber zumindest Teilen der Lagerstätte 100 als
induktive und resistive elektrische Heizung wirksam. Bedingt durch
die Leitfähigkeit
von zumindest Teilen der Lagerstätte 100,
insbesondere des toten Volumens 202, kann dieses resistiv,
durch zwischen den beiden Elektroden 301, 301' fließenden Strom,
erwärmt
werden. Die resistive Heizwirkung ist durch Pfeile bzw. Linien innerhalb der Lagerstätte 100 angedeutet.
Gleichzeitig wirken die Elektroden 301, 301' in den Volumina 303, 303' als induktive
Heizungen. Die Elektroden 301, 301' können in Bereichen, in denen
diese außerhalb
der eigentlichen Lagerstätte 100 verlaufen,
mittels elektrischer Isolierungen 304, 304' gegenüber dem
Erdreich isoliert sein. Auf diese Weise kann die resistive Heizleistung
in definierten Bereichen der Lagerstätte 100 eingebracht
werden. Bei den Elektroden 301, 301' kann es sich insbesondere um stabförmige metallische
Leiter aus einem insbesondere gut leitfähigen Metall handeln.
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Die
in 3 gezeigte Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer
kohlenwasserstoffhaltigen Substanz kann insbesondere derart betrieben
werden, dass die Lagerstätte 100 sowohl
mittels Heißdampf als
auch mittels der elektrischen Heizung erwärmt wird. In der Aufheizphase
der Lagerstätte 100 können so
sowohl die Injektionsrohrleitungen 101, 101' als auch die
Produktionsrohrleitungen 102, 102' mit Heißdampf beaufschlagt werden,
zusätzlich
kann das Volumen aus dem kohlenwasserstoffhaltige Substanz gefördert werden
soll, insbesondere das Totvolumen 202 mittels der elektrischen
Heizung über
die Elektroden 301, 301' erwärmt werden. Auf diese Weise
kann eine kürzere
Aufheizzeit erreicht werden als wenn die Lagerstätte 100 lediglich
mittels der elektrischen Heizung oder mittels Dampfbeaufschlagung erwärmt wird.
Die elektrische Heizung kann insbesondere eine Wechselstromheizung
sein, wodurch keine Ionenwanderung innerhalb der Lagerstätte 100 stattfindet.
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Durch
die Erwärmung
der Lagerstätte 100 oder
zumindest Teilen der Lagerstätte 100 kann
es zu einem Absinken des Flüssigkeitsgehaltes
der Lagerstätte 100 und
somit zu einem Absinken der elektrischen Leitfähigkeit der Lagerstätte 100 kommen. Eine
sinkende Leitfähigkeit
der Lagerstätte 100 führt dazu,
dass die elektrische Heizung, insbesondere die resistive Wirkungsweise,
an Wirksamkeit verliert. Um diesen Verlust an Leitfähigkeit
entgegenzuwirken, kann der in die Lagerstätte 100 eingepresste
Heißdampf
mit Mineralien, insbesondere mit Salzen, angereichert werden. Weiterhin
kann durch eine Steuerung der Anreicherung des Heißdampfes
mit Mineralien, insbesondere mit Salzen, die Leitfähigkeit
der Lagerstätte 100 gezielt
eingestellt werden. Die Mineralien bzw. Salze werden dem Heißdampf dabei
nach dessen Austritt aus dem Dampferzeuger beigesetzt. Andererseits,
wenn das Bitumen an einer Stelle ausgebeutet ist, wird an dieser
Stelle auch keine Leitfähigkeit
verlangt. Insbesondere der induktive Wirkmechanismus führt dann
dazu, dass Verluste nur dort auftreten, wo Leitfähigkeit besteht, d. h. die
Eindringtiefe erweitert sich entsprechend und das bei der natürlichen
Leitfähigkeit
ansässige
Bitumen wird erwärmt
und fließt
durch die Gravität
mit dem natürlich vorkommenden
Reservoirelektrolyt nach unten. Naturgemäß wird zunächst an der Elektrode der Verlustmechanismus
durch resistive aber auch induktive Wirkungsweise am effektivsten
sein; d. h. am Beginn der Ausbeutung wird das Bitumen dort fließfähiger gemacht.
Wenn die Leitfähigkeit
an der Elektrode gering ist, ergibt sich kein Kontakt zwischen Elektrode und
Reservoir; nunmehr kommt der induktive Mechanismus zum Tragen, welcher
nicht auf den elektrischen Kontakt zwischen Elektrode und Reservoir
angewiesen ist.
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4 zeigt
eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz aus einer Lagerstätte 100.
Gemäß dem in 4 dargestellten
Ausführungsbeispiel
werden zumindest Teile der Injektionsrohrleitungen 100, 101' als Elektroden
der elektrischen Heizung verwendet. Insbesondere können diejenigen
Teile der Injektionsrohrleitungen 100, 101' als Elektroden 301, 301' der elektrischen
Heizung verwendet werden, die im Wesentlichen horizontal innerhalb
der Lagerstätte 100 verlaufen.
Die als Elektroden 301, 301' wirkenden Teile der Injektionsrohrleitungen 100, 101' erwärmen sowohl
resistiv wie auch induktiv zumindest Teile der Lagerstätte 100.
Insbesondere erwärmen
die Elektroden 301, 301' Bereiche 303, 303', welche sich
zylinderförmig
um die Injektionsrohrleitungen 101, 101' erstrecken.
Neben diesen induktiv erhitzten Bereiche 303, 303' wird insbesondere
auf resistivem Wege das Totvolumen 202 erhitzt. Zum Zwecke
der elektrischen Hei zung sind die Injektionsrohrleitungen 101, 101' mit einer Wechselstromquelle 302 verbunden.
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5 zeigt
eine Vorrichtung zur In-Situ-Gewinnung einer kohlenwasserstoffhaltigen
Substanz aus einer Lagerstätte 100.
Das in 5 gezeigte Ausführungsbeispiel umfasst zwei
Produktionsrohrleitungen 102, 102', welche aus der Lagerstätte 100 herausführen. In
die Lagerstätte 100 hinein
ragen zwei Elektroden 301, 301', welche jeweils in einem Führungsrohr 501, 501' angeordnet
sind. Die Führungsrohre 501, 501' sind von der
Oberfläche
her zugänglich
und zusätzlich
in den außerhalb
der Lagerstätte
bzw. den zu heizenden Bereichen der Lagerstätte 100 verlaufenden
Teilen mittels elektrischer Isolierungen 304, 304' gegenüber dem
Erdreich elektrisch isoliert. Die Führungsrohre 501, 501' sind von der
Erdoberfläche
für eine
Flüssigkeit
zugänglich
und weisen in gewissen Bereichen innerhalb der Lagerstätte 100 für die Flüssigkeit
permeable Bereiche auf. Dies können
beispielsweise poröse
Ausgestaltungen der Rohrwände
bzw. Durchbrüche
oder Löcher
sein.
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In
dem gezielt Flüssigkeit,
vorzugsweise eine Flüssigkeit,
welche mit einem Elektrolyten zur Verbesserung der Leitfähigkeit
angereichert ist, in die Lagerstätte 100 oder
Teile der Lagerstätte 100 eingebracht
werden, kann die elektrische Leitfähigkeit der Lagerstätte 100 gezielt
eingestellt werden. Auf diese Weise kann die Funktionsfähigkeit
der elektrischen Heizung sichergestellt werden. Als weitere Maßnahme zur
Sicherstellung der Funktionsfähigkeit
der elektrischen Heizung können
die Enden der Elektroden 301, 301', welche der Stromquelle 302 abgewandt
sind, mit einer elektrischen Brücke 502 kurzgeschlossen
sein.
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Mit
dem in 5 dargestellten Ausführungsbeispiel ist es möglich, eine
Bitumenlagerstätte
ohne die Verwendung von Heißdampf
auszubeuten. Die Lagerstätte
kann lediglich mittels der elektrischen Heizung auf induktivem und
resistivem Weg erwärmt werden,
das in der Produktionsrohrleitung 102, 102' vorliegende
flüssige
Bitumen kann mittels einer Hebepumpe ge borgen werden oder wird durch
natürlichen
geologischen Überdruck
an die Erdoberfläche befördert. Wahlweise
kann die Lagerstätte 100 in
Intervallen über
die Produktionsrohrleitungen 102, 102' mit Heißdampf beaufschlagt
werden, so dass der Druck innerhalb der Lagerstätte 100 ansteigt.
Der auf diese Weise erzeugte Überdruck
kann ebenfalls zur Förderung
von Bitumen aus der Lagerstätte 100 verwendet
werden.
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Die
Elektroden 301, 301' können weiterhin derart
innerhalb der Lagerstätte 100 verlaufen,
dass sie Abstand zueinander von der Stromquelle 302 aus betrachtet,
mit zunehmender Länge
der Elektroden 301, 301' zueinander abnimmt. Insbesondere
kann eine lineare Abnahme des Abstandes der Elektroden 301, 301' zueinander
erfolgen. Es kann auf diese Weise vermieden werden, dass die elektrische
Heizleistung, insbesondere die resistive elektrische Heizleistung
von der Stromquelle 302 aus betrachtet, am Anfang der Elektroden 301, 301' in die Lagerstätte 100 eingebracht
wird bzw. in diesen Bereich abfällt. Der
Abstand der Elektroden 301, 301' kann insbesondere derart gewählt werden,
dass eine kontinuierliche Heizleistung über die Länge der Elektroden 301, 301', insbesondere über die
Länge der
Teilbereiche der Elektroden 301, 301', welche innerhalb
der Lagerstätte 100 verlaufen,
unter Berücksichtigung
der elektrischen Leitfähigkeit
der Lagerstätte 100 erreicht werden
kann.
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Der
Abstand der Bohrungen kann dabei mit allgemein bekannten Maßnahmen
gesteuert werden, beispielsweise kann ein Sender in der ersten Bohrung
geführt
werden, wobei der Bohrkopf der zweiten Bohrung ausgehend von diesem
Sendesignal den Abstand zur ersten Bohrung ermitteln kann.