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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erzeugen eines
Stellsignals für
einen Aktuator einer Kupplungseinheit eines Kraftfahrzeugs, mit dem
das von der Kupplungseinheit zu übertragende Drehmoment
einstellbar ist, wobei von einer Hauptsteuereinheit ein Sollwert
für das
zu übertragende Drehmoment
in Abhängigkeit
von vorgegebenen ersten Parametern ermittelt wird und basierend
auf dem ermittelten Sollwert von einer Zusatzsteuereinheit ein dem
Sollwert entsprechendes Stellsignal für den Aktuator erzeugt wird.
Weiterhin ist die Erfindung auf eine Steuervorrichtung zum Durchführen des
Verfahrens gerichtet.
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Kupplungseinheiten
der eingangs genannten Art werden beispielsweise in Verteilergetrieben
von Kraftfahrzeugen verwendet, mit denen das von einer Antriebseinheit
erzeugte Drehmoment nach Bedarf auf die einzelnen Fahrzeugräder verteilt
wird. Beispielsweise wird bei Kraftfahrzeugen mit temporär zuschaltbarem
Allradantrieb ein Teil des Antriebsmoments fest auf die primären Antriebsräder verteilt, während ein
zweiter Teil des Antriebsmoments nach Bedarf, beispielsweise abhängig von
entsprechenden, der jeweiligen Fahrsituation zugrunde liegenden fahrdynamischen
Parametern, auf die beiden anderen Fahrzeugräder, d. h. die sekundären Antriebsräder, verteilt
wird. Weiterhin können
solche Kupplungseinheiten auch beim Verteilen des Drehmoments zwischen
den linken und den rechten Fahrzeugrädern oder zum sonstigen Verteilen
eines Drehmoments verwendet werden.
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Zum
Erzeugen eines entsprechenden Stellsignals für den Aktuator werden üblicherweise
von der Hauptsteuereinheit so genannte fahrdynamische Parameter
ermittelt bzw. ausgewertet. Dabei kann es sich beispielsweise um
Parameter wie Fahrzeuggeschwindigkeit, Fahrzeugbeschleunigung, Reifenschlupf,
Geschwindigkeit der Gaspedalbetätigung, Antriebsmoment,
Lenkwinkel, Raddrehzahl, Gierrate bzw. Gierwinkelgeschwindigkeit
oder sonstige die Fahrdynamik beeinflussende Parameter handeln.
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Basierend
auf diesen ersten Parametern wird von der Hauptsteuereinheit jeweils
ein Sollwert für
das aktuell zu übertragende
Drehmoment ermittelt. Dieser Sollwert wird an die Zusatzsteuereinheit übertragen,
die basierend auf dem Sollwert ein dem Sollwert entsprechendes Stellsignal
für den
Aktuator erzeugt. Bei dem Stellsignal kann es sich beispielsweise
um einen dem jeweiligen einzustellenden Drehmoment entsprechenden
Drehwinkel des Aktuators oder um beispielsweise einen entsprechenden Druckwert
handeln.
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Um
die Anzahl der bei jeder Drehmomentanforderung auftretenden Stellbewegungen
des Aktuators zu verringern und damit die thermische Belastung des
Aktuators zu reduzieren, ist es bekannt, dass innerhalb der Zusatzsteuereinheit
ein Toleranzband für
das einzustellende Drehmoment abgespeichert ist und ein Stellvorgang
des Aktuators erst bei einer Mindeständerung des Sollwerts, d. h.
wenn der Sollwert aus dem Toleranzband austritt, ausgelöst wird.
Aus Fahrzeugsicht kann sich dadurch eine Verschlechterung der Momentengenauigkeit
des Systems ergeben, durch die in vielen Fahrsituationen jedoch
das Fahrverhalten nicht negativ beeinflusst wird. Es gibt jedoch
Fahrzeugsituationen, in denen höchste
Genauigkeit für
die Einstellung des zu übertragenden
Drehmoments erforderlich ist. Weiterhin ist die Berücksichtigung
eines Toleranzbandes innerhalb der Zusatzsteuereinheit unflexibel,
da beispielsweise dynamische Fahrparameter oder dynamische Einflüsse im Bereich
der Kupplungseinheit oder des Aktuators nicht berücksichtigt
werden können.
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Es
ist eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren sowie
eine Steuervorrichtung der eingangs genannten Art anzugeben, bei
denen die Anzahl der Steuervorgänge
des Aktuators verringert werden kann, ohne dass das Fahrverhalten
in kritischen Situationen negativ beeinflusst wird. Weiterhin soll
es möglich
sein, die Fahrdynamik mit hoher Präzision zu berücksichtigen.
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Ausgehend
von einem Verfahren der eingangs genannten Art wird diese Aufgabe
erfindungsgemäß dadurch
gelöst,
dass von der Hauptsteuereinheit in Abhängigkeit von vorgegebnen zweiten
Parametern ein Sollwert-Toleranzbereich
für den
ermittelten Sollwert des Drehmoments bestimmt wird, dass der Sollwert-Toleranzbereich
an die Zusatzsteuereinheit übertragen
wird und dass die Zusatzsteuereinheit einen Istwert des von der
Kupplungseinheit übertragenen
oder übertragbaren
Drehmoments ermittelt und ein neues Stellsignal für den Aktuator
erzeugt, wenn der Istwert außerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs liegt.
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Eine
erfindungsgemäß ausgebildete
Steuervorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Hauptsteuereinheit
zur Bestimmung eines Sollwert-Toleranzbereichs für den ermittelten Sollwert des
Drehmoments in Abhängigkeit
von vorgegebenen zweiten Parametern sowie zum Übertragen des Sollwert-Toleranzbereichs
an die Zusatzsteuereinheit ausgebildet ist und dass die Zusatzsteuereinheit
zum Ermitteln eines Istwerts des von der Kupplungseinheit übertragenen
oder übertragbaren
Drehmoments ausgebildet ist sowie zum Erzeugen eines neuen Stellsignals
für den
Aktuator, wenn der Istwert außerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs liegt.
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Mit
der Erfindung wird somit nicht eine vorgegebene Sollwertänderung
mit einem innerhalb der Zusatzsteuereinheit abgespeicherten Toleranzband verglichen,
sondern es wird bereits von der Hauptsteuereinheit, die den Sollwert
für das
zu übertragende
Drehmoment in Abhängigkeit
von den vorgegebenen ersten Parametern ermittelt, ein Sollwert-Toleranzbereich
für diesen
ermittelten Sollwert des Drehmoments bestimmt. Anstelle eines innerhalb
der Zusatzsteuereinheit statisch vorgegebenen Toleranzbandes ermittelt
somit die Hauptsteuereinheit jeweils dynamisch in Abhängigkeit
von vorgegebenen zweiten Parametern den Sollwert-Toleranzbereich
für den gerade
ermittelten Sollwert und überträgt anstelle des
ermittelten Sollwerts den ermittelten Sollwert-Toleranzbereich an
die Zusatzsteuereinheit.
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Der
Sollwert-Toleranzbereich kann dabei dynamisch, jeweils abhängig von
den vorgegebenen zweiten Parametern variieren, so dass der Sollwert-Toleranzbereich beispielsweise
abhängig
von der aktuellen Fahrsituation jeweils von der Hauptsteuereinheit
dynamisch für
jede Drehmomentanforderung angepasst werden kann. Somit kann je
nach Fahrsituation entweder ein breiter Sollwert-Toleranzbereich
oder ein sehr enger Sollwert-Toleranzbereich von
der Hauptsteuereinheit ermittelt und an die Zusatzsteuereinheit übertragen
werden. Dies ist insbesondere auch deshalb vorteilhaft, da in der
Hauptsteuereinheit üblicherweise
bereits die erforderlichen Parameter, welche zur Bestimmung des
jeweils erforderlichen Sollwert-Toleranzbereichs relevant sind, vorliegen,
da diese meist auch für
die Bestimmung des Sollwerts für
das zu übertragende
Drehmoment relevant sind.
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Die
Zusatzsteuereinheit vergleicht somit lediglich den von ihr ermittelten
Istwert des Drehmoments mit dem von der Hauptsteuereinheit übertragenen
Sollwert-Toleranzbereich und überprüft, ob der
Istwert innerhalb des Toleranzbereichs liegt. Eine aufwendige Ermittlung
einer Änderung
des Drehmoment-Sollwerts ist in diesem Fall nicht erforderlich,
so dass die Zusatzsteuereinheit sehr schnell auf eine neue Drehmomentanforderung
reagieren kann, wobei aufgrund des vorgegebenen Sollwert-Toleranzbereichs
unnötige
Stellvorgänge
des Aktuators vermieden werden.
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Nach
einer vorteilhaften Ausführungsform der
Erfindung werden zur Übertragung
des Sollwert-Toleranzbereichs ein oberer und ein unterer Sollwert übertragen.
Es ist auch möglich,
dass zur Übertragung
des Sollwert-Toleranzbereichs
der ermittelte Sollwert sowie ein oberer und ein unterer Differenzwert übertragen
werden. In entsprechender Weise ist es auch möglich, dass zur Übertragung
des Sollwert-Toleranzbereichs der ermittelte Sollwert sowie eine
zugehörige
Bandbreite des Sollwert-Toleranzbereichs übertragen werden. In all diesen
Fällen ist
gewährleistet,
dass die Zusatzsteuereinheit nicht nur einen Drehmoment-Sollwert,
sondern einen Sollwert-Toleranzbereich für das Drehmoment empfangt und
in einfacher Weise überprüfen kann,
ob der ermittelte Istwert innerhalb dieses Toleranzbereichs liegt.
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Nach
einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird
als Stellsignal ein Positionswert, beispielsweise ein Drehwinkel
des Aktuators oder ein von dem Aktuator zu erzeugender Druckwert
verwendet. In entsprechender Weise kann zur Ermittlung des Istwerts
des Drehmoments ein Positionswert, beispielsweise ein Drehwinkel
des Aktuators oder ein von dem Aktuator erzeugter Druckwert ermittelt
werden. Insbesondere, wenn der Aktuator als Elektromotor ausgebildet
ist, kann durch einen entsprechenden Drehwinkel der Motorachse oder
eines sonstigen, sich abhängig
von der Motorachse bewegenden Teils der Aktuatorkette das übertragene bzw. übertragbare
Drehmoment bestimmt werden. In entsprechender Weise kann durch Einstellen
eines vorgegebenen Drehwin kels ein gewünschtes Drehmoment eingestellt
werden. Die entsprechende Drehmoment/Drehwinkel-Abhängigkeit
kann dabei als Kennlinie beispielsweise in Tabellenform oder in funktionaler
Form innerhalb der Zusatzsteuereinheit abgelegt sein. In entsprechender
Weise kann der Istwert des übertragenen
bzw. übertragbaren
Drehmoments durch Erfassung eines Drehwinkels über die Drehmoment/Drehwinkel-Abhängigkeit
ermittelt werden. Anstelle der Position kann beispielsweise mit
einem Drucksensor der von dem Aktuator erzeugte Druck gemessen und
in ein entsprechendes Drehmoment umgerechnet werden. Auch ein einzustellender
Sollwert für
das zu übertragende
Drehmoment kann in entsprechender Weise in einen Soll-Druck umgerechnet
und über
den Aktuator eingestellt werden. Der oben angegebene Positionswert
entspricht einem tatsächlich übertragenen
Drehmoment nur dann, wenn am Antriebsstrang ein entsprechend hohes
Drehmoment vorhanden ist. Da es grundsätzlich aber auch möglich ist,
das tatsächlich übertragene Drehmoment
zu messen, wird im Rahmen dieser Anmeldung die Formulierung "übertragenes bzw. übertragbares
Drehmoment" verwendet.
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Nach
einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung werden
als erste und zweite Parameter zumindest teilweise die gleichen
Parameter verwendet. Das bedeutet, dass sowohl zur Ermittlung des
Drehmoment-Sollwerts
als auch zur Bestimmung des Sollwert-Toleranzbereichs für den ermittelten
Sollwert zumindest teilweise die gleichen Parameter verwendet werden
können.
Insbesondere sind dies über
Sensoren und sonstige Messungen/Berechnungen ermittelte, die Fahrdynamik
kennzeichnende Parameter. Erfordert die aufgrund dieser Parameter
ermittelte aktuelle Fahrsituation eine hohe Präzision bei dem zu übertragenden
Drehmoment, kann durch die Hauptsteuereinheit der Sollwert-Toleranzbereich
sehr eng gewählt
werden, so dass die Zusatzsteuereinheit aufgrund der engen Vorgabe den
Drehmomentwert durch eine erhöhte
Anzahl von Stellvorgängen mit
hoher Präzision
einstellt. Ist hingegen aufgrund der aktuellen Fahrsituation keine entsprechend
hohe Präzision
bei der Einstellung des zu übertragenden
Drehmoments erforderlich, so kann von der Hauptsteuereinheit der
Sollwert-Toleranzbereich sehr breit gewählt werden, so dass von der
Zusatzsteuereinheit nur dann ein neues Steuersignal für den Aktuator
erzeugt wird, wenn der Istwert sehr stark von dem von der Hauptsteuereinheit
ermittelten Drehmoment-Sollwert abweicht.
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Bei
der Bestimmung des Sollwert-Toleranzbereichs können jedoch auch von den ersten
Parametern unterschiedliche zweite Parameter berücksichtigt werden. So ist es
beispielsweise möglich, dass
die Temperatur des Aktuators oder beispielsweise die Temperatur
der Kupplungseinheit oder eines sonstigen innerhalb der Aktuatorkette
zwischen Aktuator und Kupplungseinheit enthaltenen Glieds erfasst
wird und abhängig
von der Temperatur der Sollwert-Toleranzbereich eingestellt wird.
Beispielsweise kann bei einer relativ hohen Temperatur im Aktuator
der Sollwert-Toleranzbereich relativ breit eingestellt werden, um
die Anzahl der Stellvorgänge
des Aktuators zu reduzieren und dadurch die Temperatur innerhalb
des Aktuators zu reduzieren.
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Nach
einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung bestimmt die Zusatzsteuereinheit einen Istwert-Toleranzbereich
für den
ermittelten Istwert und erzeugt ein neues Stellsignal für den Aktuator,
wenn der Istwert-Toleranzbereich zumindest teilweise außerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs
liegt. Insbesondere wenn nicht das Drehmoment direkt, sondern eine
für das
Drehmoment kennzeichnende Größe, wie
beispielsweise ein Positionswert des Aktuators oder ein von einem
Drucksensor gemessener Druckwert zur Bestimmung des Drehmoments
herangezogen werden, sind innerhalb der Aktuatorkette, d. h. zwischen
dem Aktuator und der Kupplungseinheit, vorhandene Toleranzen zu
berücksichtigen.
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Diese
können
beispielsweise im Aktuator selbst oder auch in einem dem Aktuator
nachgeschalteten Untersetzungsgetriebe, beispielsweise einem Schneckengetriebe
liegen und sich gegebenenfalls über
die Lebensdauer durch Verschleiß oder aufgrund
von unterschiedlichen Temperaturen andern.
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Durch
Verwendung eines Istwert-Toleranzbereichs wird diesen Toleranzen
auch bei Betrachtung des Istwerts Rechnung getragen, indem nicht der
tatsächlich
erfasste Istwert, sondern der Istwert-Toleranzbereich mit dem Sollwert-Toleranzbereich
verglichen wird. Dabei kann beispielsweise ein neues Stellsignal
dann erzeugt werden, wenn die untere Grenze des Istwert-Toleranzbandes
die untere Grenze des Sollwert-Toleranzbandes unterschreitet oder
wenn die obere Grenze des Istwert-Toleranzbandes die obere Grenze
des Sollwert-Toleranzbandes überschreitet.
Bei Erreichen der unteren bzw. oberen Grenze des Sollwert-Toleranzbandes
wird jeweils ein neues Stellsignal für den Aktuator erzeugt, um
das zu übertragende
Drehmoment anzuheben oder abzusenken. Dabei ist es vorteilhaft,
wenn der Aktuator so lange betätigt
wird, bis der neue Istwert im Bereich der Mitte des Sollwert-Toleranzbandes
zu liegen kommt.
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Insbesondere
bei hydraulischen leckagebehafteten Aktuatorsystemen kann es jedoch
vorteilhaft sein, das Aktuatorsystem solange zu aktivieren, bis der
neue Istwert bzw. die obere Grenze des Istwert-Toleranzbereichs
die obere Grenze des Sollwert-Toleranzbereichs erreicht, um die
Anzahl der Nachladezyklen und damit die Aktuatorbelastung zu minimieren.
Aufgrund der vorhandenen Leckage sinkt nach Einstellen des neuen
Istwertes das Drehmoment langsam ab, bis der Istwert bzw. die untere Grenze
des Istwert-Toleranzbereichs die untere Grenze des Sollwert-Toleranzbereichs
erreicht und ein neuer Stellvorgang zum Erhöhen des Drehmoments ausgelöst wird.
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Nach
einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird
der Istwert-Toleranzbereich, insbesondere die Breite des Istwert-Toleranzbereichs,
dynamisch in Abhängigkeit
von vorgegebenen dritten Parametern bestimmt. Dabei können als dritte
Parameter zumindest teilweise die ersten und/oder die zweiten Parameter
verendet werden. Beispielhaft sind nicht abschließend folgende
Parameter denkbar: Öltemperatur,
Temperatur des Elektromotors, Lamellenbelastung der Kupplungseinheit, Verschleiß und Alterung,
Hysterese und/oder Differenzdrehzahl der Kupplungseinheit.
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Nach
einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung sind
die Hauptsteuereinheit und die Zusatzsteuereinheit voneinander getrennt ausgebildet.
Die Hauptsteuereinheit kann dabei insbesondere innerhalb einer Steuervorrichtung
vorgesehen sein, die für
andere Fahrdynamikregelsysteme, beispielsweise für das ABS-, das EPS- oder sonstige
Regelsysteme vorgesehen sind. Grundsätzlich ist es jedoch auch möglich, dass
die Hauptsteuereinheit und die Zusatzsteuereinheit als eine Einheit ausgebildet
sind.
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Weitere
vorteilhafte Ausführungsformen
der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben.
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Die
Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Zeichnungen näher
beschrieben; in diesen zeigen:
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1 einen
schematischen Teil eines Kraftfahrzeugs, das mit einer erfindungsgemäß ausgebildeten
Steuervorrichtung ausgerüstet
ist,
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2 einen
Verlauf eines Sollwert-Toleranzbereichs sowie eines Istwert-Toleranzbereichs,
gemäß der vorliegenden
Erfindung und
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3 einen
weiteren Verlauf eines Sollwert-Toleranzbereichs und eines Istwert-Toleranzbereichs
gemäß der Erfindung.
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1 zeigt
mit einer Vorderachse 1 verbundene Vorderräder 2 sowie
mit einer Hinterachse 3 verbundene Hinterräder 4 eines
Kraftfahrzeugs. Das Kraftfahrzeug umfasst weiterhin eine Antriebseinheit 5,
die beispielsweise 2 einen Motor sowie ein Getriebe des
Kraftfahrzeugs umfasst, durch die ein Drehmoment über eine
zentrale Antriebswelle 6 permanent auf die Hinterräder 4 übertragen
werden kann.
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Weiterhin
ist ein Verteilergetriebe 7 vorgesehen, über das
zusätzlich,
je nach Bedarf, ein Drehmoment von der Antriebseinheit 5 auf
die Vorderräder 2 übertragen
werden kann. Auf diese Weise ist somit ein zuschaltbarer Allradantrieb
realisierbar.
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Das
Verteilergetriebe 7 umfasst eine Kupplungseinheit 8,
die über
einen als Elektromotor 9 ausgebildeten Aktuator und ein
beispielsweise als Schneckengetriebe ausgebildetes Untersetzungsgetriebe 10 betätigbar ist.
Durch entsprechendes Betätigen
des Elektromotors 9 kann somit das von der Kupplungseinheit 8 übertragene
Drehmoment eingestellt werden.
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Zur
Ansteuerung des Verteilergetriebes 7 ist eine Steuervorrichtung 11 vorgesehen,
die eine Hauptsteuereinheit 12 und eine Zusatzsteuereinheit 13 umfasst.
Hauptsteuereinheit 12 und Zusatzsteuereinheit 13 sind
dabei separat voneinander ausgebildet und über eine Verbindungsleitung,
beispielsweise einen CAN-Bus 14 miteinander verbunden.
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Durch
die Steuervorrichtung 11 kann der Elektromotor 9 so
angesteuert werden, dass über
die Kupplungseinheit 8 ein vorgegebenes Drehmoment auf
die Vorderräder 2 übertragbar
ist. Beispielsweise kann dazu von der Steuervorrichtung 11 eine
Stellgröße des Elektromotors 9,
insbesondere ein Drehwinkel, entsprechend dem zu übertragenen
Drehmoment eingestellt werden.
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Um
eine Einstellung des zu übertragenden Drehmoments
gemäß einer
solchen Stellgröße zu ermöglichen,
ist in der Zusatzsteuereinheit 13 eine entsprechende Abhängigkeit
zwischen dem übertragbaren
Drehmoment und der Stellgröße des Elektromotors 9 beispielsweise
als Kennlinie 15 abgelegt.
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Die
Hauptsteuereinheit 12 umfasst eine Vielzahl von Messeingängen 16, über die
eine Vielzahl von unterschiedlichen ersten Parametern von der Hauptsteuereinheit 12 erfasst
werden kann. Die Parameter können
beispielsweise für
die Fahrdynamik relevante Parameter, wie beispielsweise Geschwindigkeit,
Lenkradeinschlag, Reifenschlupf oder dergleichen aber auch beispielsweise
interne Fahrzeugparameter, wie beispielsweise die Temperatur des Elektromotors 9 sein,
die für
eine Einstellung des von dem Verteilergetriebe 7 zu übertragenen
Drehmoments relevant sein können.
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Je
nach Fahrsituation wird von der Hauptsteuereinheit 12 ein
Sollwert für
das Drehmoment ermittelt, das von dem Verteilergetriebe 7 zu
den Vorderrädern 2 übertragen
werden soll. Gleichzeitig wird von der Hauptsteuereinheit 12 basierend
auf zumindest einem Teil der über
die Messeingän ge 16 erfassten
Parameter ein Sollwert-Toleranzbereich für den ermittelten Sollwert
des Drehmoments bestimmt. Dieser Sollwert-Toleranzbereich wird über den CAN-Bus 14 als
Drehmomentanforderung an die Zusatzsteuereinheit 13 übertragen,
die abhängig
von dem empfangenen Sollwert-Toleranzbereich
ein Stellsignal für
den Elektromotor 9 zur Einstellung des gewünschten
Drehmoments erzeugt. Dazu ermittelt die Zusatzsteuereinheit 13 den
aktuellen Istwert des von dem Verteilergetriebe 7 übertragenen
oder übertragbaren
Drehmoments, indem beispielsweise der aktuelle Drehwinkel des Elektromotors 9 erfasst
und über
die Kennlinie 15 in einen aktuellen Drehmoment-Istwert
umgesetzt wird.
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Anschließend wird
durch die Zusatzsteuereinheit 13 geprüft, ob sich dieser Istwert
des Drehmoments innerhalb des von der Hauptsteuereinheit 12 übertragenen
Sollwert-Toleranzbereichs befindet. Nur wenn der Istwert des Drehmoments
außerhalb des
Sollwert-Toleranzbereichs liegt, wird von der Zusatzsteuereinheit 13 ein
neues Stellsignal für
den Elektromotor 9 erzeugt, so dass das zu übertragende Drehmoment
entsprechend der Drehmomentanforderung erhöht oder verringert wird. Liegt
der Istwert des Drehmoments hingegen innerhalb des Sollwert-Toleranzbereichs,
so wird kein neues Stellsignal erzeugt, so dass die Anzahl der Stellsignale
des Aktuators 9 verringert wird.
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In
dem Diagramm nach 2 ist das Drehmoment M über die
Zeit t aufgetragen. Dabei ist durch eine punktierte Linie 17 die
obere Grenze und durch eine punktierte Linie 18 die untere
Grenze eines Sollwert-Toleranzbereichs 19 des zu übertragenden
Drehmoments dargestellt, der sich je nach Fahrsituation über die
Zeit t ändert.
Insbesondere ist aus 2 zu erkennen, dass die Breite
des Sollwert-Toleranzbereichs 19, d. h. in 2 jeweils
der senkrechte Abstand zwischen der oberen Grenze 17 und der
unteren Grenze 18, sehr stark variiert.
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So
besitzt der Sollwert-Toleranzbereich 19 beispielsweise
zwei sehr breite Abschnitte 19', 19'', zwischen
denen ein Bereich 19''' mit sehr geringer Breite angeordnet
ist. Dies bedeutet, dass in den Abschnitten 19' und 19'' die Einhaltung eines fest vorgegebenen
Drehmoment-Sollwerts nicht unbedingt erforderlich ist, während in
dem Abschnitt 19''' das zu übertragende Drehmoment mit
hoher Präzision
eingestellt werden soll.
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Innerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs 19 ist durch eine strichpunktierte
Linie der Verlauf des gemessenen Istwerts 20 des übertragenen
bzw. übertragbaren
Drehmoments dargestellt. Um den Istwert 20 herum ist ein
Istwert-Toleranzbereich 21 vorhanden, der durch eine obere
Grenze 22 und eine untere Grenze 23 definiert
ist.
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Der
Istwert-Toleranzbereich 21 repräsentiert dabei beispielsweise
die mechanischen Toleranzen, die durch Verschleiß innerhalb des Verteilergetriebes 7,
beispielsweise innerhalb des Elektromotors 9, des Untersetzungsgetriebes 10 oder
der Kupplungseinheit 8 auftreten, wodurch die in der Kennlinie 15 abgespeicherte
Abhängigkeit
zwischen der Stellgröße (beispielsweise
dem Drehwinkel) und dem Drehmoment nicht vollständig korrekt ist.
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Erfindungsgemäß wird der
Sollwert-Toleranzbereich 19 von der Hauptsteuereinheit 12 an
die Zusatzsteuereinheit 13 übertragen, welche jeweils den
aktuellen Istwert 20 des Drehmoments bestimmt und basierend
auf dem gemessenen Istwert 20 den Istwert-Toleranzbereich 21 ermittelt.
Weiterhin wird von der Zusatzsteuereinheit 13 überprüft, ob der
Istwert-Toleranzbereich 21 zumindest teilweise außerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs 19 liegt. In diesem Fall
wird ein neues Stellsignal für
den Elektromotor 9 erzeugt, durch das der Istwert 20 bzw.
der Istwert-Toleranzbe reich 21 wieder vollständig innerhalb
des Sollwert-Toleranzbereichs 19 zu liegen kommt.
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Beispielsweise
befindet sich der Istwert-Toleranzbereich 21 in 2 zu
Beginn zunächst
vollständig
innerhalb des Sollwert-Toleranzbereichs 19, bis an dem
Punkt 24 die untere Grenze 23 des Istwert-Toleranzbereichs 21 die
untere Grenze 18 des Sollwert-Toleranzbereichs 19 erreicht
und unterschreitet. In diesem Moment wird von der Zusatzsteuereinheit 13 ein
neues Stellsignal für
den Elektromotor 9 erzeugt, durch das das übertragene
bzw. übertragbare
Drehmoment so lange erhöht
wird, bis der gemessene Istwert 20 beispielsweise etwa
in der Mitte des Sollwert-Toleranzbereichs 19 zu liegen kommt.
Der Wert des übertragenen
bzw. übertragbaren
Drehmoments wird nun so lange gehalten, bis im Punkt 25 die
obere Grenze 22 des Istwert-Toleranzbereichs 21 die
obere Grenze 17 des Sollwert-Toleranzbereichs 19 erreicht
und diese überschreitet.
In diesem Moment wird von der Zusatzsteuereinheit 13 ein
neues Stellsignal für
den Elektromotor 9 erzeugt, durch den das übertragene
bzw. übertragbare
Drehmoment verringert wird, bis der gemessene Istwert 20 wieder
in etwa in der Mitte des Sollwert-Toleranzbereichs 19 verläuft.
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Nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren wird
somit der Istwert 20 bzw. der Istwert-Toleranzbereich 21 fortlaufend
innerhalb eines vorgegebenen Sollwert-Toleranzbereichs 19 gehalten,
wobei der Sollwert-Toleranzbereich 19 je nach Fahrsituation sehr
eng bzw. sehr breit eingestellt werden kann. Die Anzahl der Stellvorgänge des
Elektromotors 9 kann dadurch über die gesamte Steuerzeit
minimiert werden, wobei gleichzeitig bei Bedarf eine sehr präzise Einstellung
des Drehmoments möglich
ist.
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In 3 ist
der zu steuernde Aktuator nicht wie in 2 als Elektromotor 9 sondern
als hydraulisches, leckagebehaftetes Aktuatorsystem ausgebil det.
Dementsprechend verläuft
der Istwert 20 sowie der Istwert-Toleranzbereich 21 im
ersten Bereich der 3 sägezahnförmig zwischen der oberen Grenze 17 und
der unteren Grenze 18 des Sollwert-Toleranzbereichs 19.
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Nachdem
aufgrund der vorhandenen Leckage die untere Grenze 23 des
Istwert-Toleranzbereichs 21 im Punkt 26 die untere
Grenze 18 des Sollwert-Toleranzbereichs 19 erreicht
bzw. unterschreitet, wird ein neues Stellsignal an das hydraulische Aktuatorsystem
abgegeben, so dass das Drehmoment solange erhöht wird, bis die obere Grenze 22 des
Istwert-Toleranzbereichs 21 die
obere Grenze 17 des Sollwert-Toleranzbereichs 19 im
Punkt 27 erreicht. Zu diesem Zeitpunkt wird von der Zusatzsteuereinheit 13 ein
neues Stellsignal an das hydraulische Aktuatorsystem abgegeben,
wodurch die Pumpe des Aktuatorsystems abgeschaltet wird, um den Druck
und damit das zu übertragende
Drehmoment konstant zu halten.
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Aufgrund
der vorhandenen Leckage fällt
der gemessene Istwert 20 in dem Abschnitt 20' solange ab,
bis die untere Grenze 23 des Istwert-Toleranzbereichs 21 die
untere Grenze 18 des Sollwert-Toleranzbereichs 19 erreicht
bzw. diese unterschreitet. Erst zu diesem Zeitpunkt wird von der
Zusatzsteuereinheit 13 ein neues Stellsignal für das hydraulische Aktuatorsystem
gegeben, durch das der entsprechende Druck und damit das übertragene
bzw. übertragbare
Drehmoment wieder erhöht
werden. Aufgrund des im linken Abschnitt 28 der 3 sehr
breiten Sollwert-Toleranzbereichs 19 kann
somit die Anzahl der Nachladezyklen und somit die Aktuatorbelastung
minimiert werden.
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Im
rechts dargestellten Abschnitt 29 der 3 ist
hingegen die Breite des Sollwert-Toleranzbereichs 19 sehr
eng gewählt,
um eine hohe Genauigkeit des übertragenen
bzw. übertragbaren
Drehmoments zu erreichen. In die sem Abschnitt versucht die erfindungsgemäße Steuervorrichtung
dem vorgegebenen, engen Sollwert-Toleranzbereich 19 mit
hoher Genauigkeit zu folgen, um den Istwert-Toleranzbereich 21 innerhalb
des engen Sollwert-Toleranzbereichs 19 zu halten, was eine
entsprechend häufige Betätigung des
Aktuatorsystems erforderlich macht.
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Je
nach Fahrsituation kann somit mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
sowie mit der erfindungsgemäßen Steuervorrichtung
einerseits eine hohe Präzision
des übertragenen
bzw. übertragbaren Drehmoments
erreicht werden und andererseits die Anzahl der insgesamt erforderlichen
Stellvorgänge des
Aktuatorsystems und damit die Aktuatorbelastung minimiert werden.
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- 1
- Vorderachse
- 2
- Vorderräder
- 3
- Hinterachse
- 4
- Hinterräder
- 5
- Antriebseinheit
- 6
- Antriebswelle
- 7
- Verteilergetriebe
- 8
- Kupplungseinheit
- 9
- Elektromotor
- 10
- Untersetzungsgetriebe
- 11
- Steuervorrichtung
- 12
- Hauptsteuereinheit
- 13
- Zusatzsteuereinheit
- 14
- CAN-Bus
- 15
- Kennlinie
- 16
- Messeingänge
- 17
- obere
Grenze
- 18
- untere
Grenze
- 19
- Sollwert-Toleranzbereich
- 19', 19'', 19'''
- Abschnitte
des Sollwert-Toleranzbereichs
- 20
- Istwert
- 20'
- abfallender
Bereich des Istwerts
- 21
- Istwert-Toleranzbereich
- 22
- obere
Grenze
- 23
- untere
Grenze
- 24–27
- Berührpunkte
- 28
- linker
Abschnitt
- 29
- rechter
Abschnitt