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Die
Erfindung betrifft eine Abkantvorrichtung zur Bearbeitung von Werkstücken, insbesondere
von Fahrzeugteilen. Sie betrifft weiter ein Verfahren zum Abkanten
von Werkstücken.
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Bei
der Herstellung von Fahrzeugteilen wie beispielsweise Automobiltüren werden
zunächst
die Einzelteile wie die Außenhaut
in Presswerkzeugen aus der rohen Platine hergestellt und in nachfolgenden
Prozessen mit weiteren Teilen wie beispielsweise dem Gerippe und
Verstärkungen
zusammengebaut. Die Herstellung der Einzelteile beinhaltet dabei verschiedene
Einzelprozesse wie das Ziehen, das Zuschneiden, das vertikale Abkanten
und das Abkanten von Bördelflanschen
in eine Vorbördelposition,
bevor die auf diese Weise vorbereiteten Einzelteile zusammengebaut
und fertiggebördelt
und damit miteinander verbunden werden.
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Dabei
sind für
die zahlreichen verschiedenen Prozessschritte im Allgemeinen auch
verschiedene Werkzeuge vorgesehen, für die in der Fertigung ein verhältnismäßig großer Platzbedarf
für die
jeweiligen Operationen besteht. Beispielsweise wird herkömmlicherweise
das Zuschneiden und Abkanten eines Blechs beispielsweise für die Außenhaut
eines Fahrzeugs in mehreren Presswerkzeugen durchgeführt und
das so bearbeitete Blech anschließend in einer Bördeleinrichtung
auf einem Bördelbett
mittels Bördelrollen
oder Bördelbacken
in mehreren Schritten vor- und anschließend fertiggebördelt.
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Zudem
muss das zu fertigende Einzelteil für jeden Prozessschritt aus
einem Presswerkzeug entnommen und in ein folgendes eingelegt werden,
was sehr zeitaufwendig ist, zumal das Werkstück für ein optimales Bearbeitungsergebnis
jeweils genau positioniert und fixiert werden muss. Zudem ist dieses Vorgehen
mit erheblichem Werkzeug-Investment verbunden.
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Aufgabe
der Erfindung ist es daher, eine Abkantvorrichtung anzugeben, die
eine sowohl Platz als auch Zeit sparende Bearbeitung von Werkstücken bei
der Vorbereitung des Zusammenbaus und des Bördelns erlaubt.
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Eine
weitere Aufgabe ist es, ein besonders einfaches und schnelles Verfahren
zum Abkanten von Werkstücken
anzugeben.
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Erfindungsgemäß wird diese
Aufgabe mit dem Gegenstand der unabhängigen Patentansprüche gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche.
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Eine
erfindungsgemäße Abkantvorrichtung für die Bearbeitung
von Werkstücken
umfasst eine Haltevorrichtung zur Halterung eines Werkstücks in einer
Bearbeitungsposition in einer Halterungsebene. Sie umfasst außerdem einen
Abkantschieber zum Umlegen einer Kante des Werkstücks in eine Abkantposition,
wobei der Abkantschieber zumindest eine erste Abkantfläche und
eine zweite Abkantfläche
aufweist. Die erste Abkantfläche
bildet mit der zweiten Abkantfläche
einen Winkel α und
mit der Halterungsebene einen Winkel β1. Die
zweite Abkantfläche
bildet mit der Halterungsebene einen Winkel β2. Die
erste Abkantfläche
und die zweite Abkantfläche sind
zum Anpressen an das Werkstück
während
des Umlegens einer Kante vorgesehen.
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Unter "Abkanten" wird hier und im
Folgenden das Umbiegen einer Kante, also eines Randbereichs, eines
Werkstücks
um einen definierten Winkel verstanden. Das Vorbördeln ist demnach eine spezielle Form
des Abkantens, die eine Kante unmittelbar für einen Fertigbördelprozess
vorbereitet.
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Unter "Abkantposition" wird hier und im
Folgenden die Position einer Kante verstanden, wie sie nach dem
Abkanten für
nachfolgende Prozessschritte erreicht sein muss. Insbesondere wird
darunter bei der Verwendung der Abkantvorrichtung zum Vorbördeln die
Position der Kante verstanden, die erreicht sein muss, um im Folgenden
das Fertigbördeln durchführen zu
können.
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Die
erfindungsgemäße Abkantvorrichtung hat
den Vorteil, dass sie das Umlegen von Kanten eines Werkstücks in einem
einzigen Schritt selbst bei Werkstücken ermöglicht, bei denen verschiedene Kanten
um verschieden große
Winkel umgelegt werden, also unterschiedliche Abkantpositionen erreicht werden
müssen.
Somit wird die zur Bearbeitung des Werkstücks erforderliche Anzahl von
Prozessschritten verringert.
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Dies
ist beispielsweise bei der Außenhaut von
Automobiltüren
der Fall, deren Kanten im Bereich des Schwellers um etwa 105 Grad,
in allen übrigen
Bereichen jedoch nur um etwa 90 Grad umgelegt werden müssen. Herkömmlicherweise
wurden alle Kanten bei einem solchen Werkstück zunächst in einem Werkzeug um 90
Grad umgelegt und anschließend
in einem anderen Werkzeug die stärker
zu biegenden Bereiche nachbearbeitet.
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Die
erfindungsgemäße Abkantvorrichtung
jedoch ermöglicht
das Abkanten aller Kanten eines Werkstücks in einem einzigen Schritt.
Der Abkantschieber der Abkantvorrichtung wird dazu jeweils in die
passende Arbeitsposition gefahren, so dass seine erste oder seine zweite
oder gegebenenfalls auch weitere Abkantflächen mit dem Werkstück in Kontakt gebracht
werden. Die Abkantflächen
sind dabei jeweils so ausgebildet, dass sie die Kante des Werkstücks um einen
vorbestimmten Winkel umlegen.
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Der
Winkel wird bei der Verwendung der Abkantvorrichtung zum Vorbördeln so
gewählt,
dass anschließend
ohne weitere Vorbördelschritte
das Fertigbördeln
erfolgen kann. Beim Fertigbördeln
wird der Flansch eines Werkstücks
vollständig
umgelegt und geschlossen. Da bei einem einzigen Bördeldurchgang
ein Flansch nicht in einem beliebig großen Winkel umgelegt werden
kann, müssen
vor dem Fertigbördeln
Abkant- bzw. Vorbördelprozesse
vorgesehen sein, als deren Ergebnisse der Flansch eines Werkstücks bereits
eine Vorbördelposition
aufweist, so dass er in einem Durchgang fertiggebördelt werden kann.
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In
einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist
die Halterungsebene im Wesentlichen horizontal angeordnet und β1 im
wesentlichen gleich 90° und
es gilt β2 > 90°. Bei diesem
Ausführungsbeispiel
werden erste Bereich des Werkstücks,
die durch die erste Abkantfläche
des Abkantschiebers umgelegt werden, um einen Winkel von 90° abgekantet,
so dass sie vertikal ausgerichtet werden. Zweite Bereiche des Werkstücks werden
durch die zweite Abkantfläche stärker abgekantet,
vorzugsweise um einen Winkel β2 mit 100° ≤ β2 ≤ 110°.
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Dabei
erfolgt das Abkanten der unterschiedlichen Bereiche jedoch nicht
wie bei herkömmlichen Verfahren
in mehreren Durchgängen,
sondern die Kanten des Werkstücks
werden alle in einem einzigen Schritt von ihrer typischerweise flachen,
also gar nicht abgekanteten, Position bis zu ihrer jeweiligen Abkant-
bzw. Vorbördelposition
abgewinkelt.
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In
einer Ausführungsform
weist die Abkantvorrichtung einen Niederhalter auf, der ausgebildet ist,
das Werkstück
während
des Abkantens auf einer Unterlage zu fixieren.
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Vorzugsweise
umfasst die Abkantvorrichtung mindestens einen Füllschieber, der zwei Flächen aufweist,
die während
des Abkantens mit dem Werkstück
in Kontakt gebracht werden, wobei eine der Flächen in der Halterungsebene
liegt und eine andere Fläche
als um einen Winkel γ gegen
die Halterungsebene geneigte Andruckfläche ausgebildet ist.
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Das
Vorsehen eines solchen Füllschiebers hat
den Vorteil, dass dieser nach erfolgtem Abkanten aus seiner Arbeitsposition
am Werkstück
durch einfaches Zurückschieben
entfernt wird und das Werkstück
somit vertikal freigibt, so dass es leicht aus der Abkantvorrichtung
entnommen werden kann. Der Winkel γ wird vorzugsweise so gewählt, dass
er sich mit dem Winkel, um den die Kanten in den zweiten Abkantbereichen
umgelegt werden, zu 180 Grad ergänzt.
Dies hat den Vorteil, dass das Werkstück beim Abkanten durch den
Abkantschieber gegen die Andruckfläche gepresst werden kann, so
dass der angestrebte Abkantwinkel genau definiert ist und sicher erreicht
wird.
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Ein
erfindungsgemäßes Verfahren
zum Abkanten von Werkstücken
weist folgende Schritte auf: Zunächst
wird eine Abkantvorrichtung mit einem Werkstück durch Auflegen des Werkstücks auf
eine Unterlage in eine Halterungsebene bestückt, wobei ein abzukantender
vorderer Bereich des Werkstücks über die
Unterlage vorsteht. Das Werkstück
wird auf der Unterlage durch einen Niederhalter fixiert.
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Anschließend wird
ein Abkantschieber eines Abkantwerkzeugs in eine erste Arbeitsposition
gefahren und die Kante eines ersten Abkantbereichs des Werkstücks mit
dem Abkantschieber abgekantet und bis in eine Abkantposition umgelegt.
Dabei wird eine erste Abkantfläche
des Abkantschiebers mit einer Oberseite des vorderen Bereichs des
Werkstücks
in Kontakt gebracht.
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Anschließend wird
der Abkantschieber in eine zweite Arbeitsposition gefahren und die
Kante eines zweiten Abkantbereichs des Werkstücks mit dem Abkantschieber
abgekantet, wobei eine zweite Abkantfläche des Abkantschiebers mit
einer Oberseite des vorderen Bereichs des Werkstücks in Kontakt gebracht wird
und die Kante bis in eine Abkantposition umlegt.
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Danach
wird der Abkantschieber in eine Ruheposition gefahren und das Werkstück durch
Entfernung der Niederhalter freigegeben, so dass das abgekantete
Werkstück
aus der Abkantvorrichtung entfernt werden kann.
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Falls
das Werkstück
mehr als zwei Abkantbereiche aufweist, werden diese gegebenenfalls
mit weiteren Abkantflächen
des Abkantschiebers ebenfalls in ihre jeweilige Abkantposition umgelegt,
bevor der Abkantschieber zurück
in seine Ruheposition gefahren wird.
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In
einer Ausführungsform
des Verfahrens wird der Abkantschieber von seiner Ruheposition in seine
erste Arbeitsposition senkrecht abgesenkt. Bevorzugt wird er auch
aus seiner ersten Arbeitsposition in seine zweite Arbeitsposition
senkrecht abgesenkt. Dabei sind die erste und die zweite Abkantfläche relativ
zur Halterungsebene übereinander
angeordnet, so dass ein kompliziertes Verfahren des Abkantschiebers
nicht notwendig ist, sondern dieser nur abgesenkt bzw. angehoben
werden muss, um von einer Arbeitsposition in die andere oder in
die Ruheposition zu fahren.
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In
einer Ausführungsform
ist die Unterlage mit dem Werkstück
auf einem Drehtisch angeordnet und die Unterlage mit dem Werkstück wird
während des
Abkantens gegen das stationäre
Abkantwerkzeug gedreht. In einer alternativen Ausführungsform kann
auch umgekehrt das Abkantwerkzeug mit einem Dreh-Füllschieber
die während
des Abkantens stationäre
Unterlage mit dem Werkstück
umfahren.
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Ein
erfindungsgemäßes Verfahren
zur Herstellung eines Fahrzeugteils weist folgende Schritte auf:
Zunächst
erfolgt ein Abkanten und Vorbördeln
einer Außenhaut
mit Hilfe des beschriebenen Verfahrens. Anschließend wird ein Bördelbett
mit der vorgebördelten
Außenhaut
und mit einem zur Verbindung mit der Außenhaut vorgesehenen Werkstück bestückt. Das
Verbinden der Außenhaut
mit dem zur Verbindung mit der Außenhaut vorgesehenen Werkstück erfolgt
dann durch Fertigbördeln.
Dabei kann es sich bei dem zur Verbindung mit der Außenhaut vorgesehenen
Werkstück
beispielsweise um ein Gerippe und/oder um Verstärkungsteile handeln.
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Die
erfindungsgemäße Abkantvorrichtung kann
insbesondere zum Abkanten und Vorbördeln von Blechen für Fahrzeugteile,
vorzugsweise von Automobiltüren,
Motorhauben, Hauben und Heckklappen, vorteilhaft eingesetzt werden.
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Die
erfindungsgemäße Abkantvorrichtung kann
herkömmliche
Vorbördeleinrichtungen
bei der Herstellung von Fahrzeugteilen vorteilhaft ersetzen, bei
denen eine Kante des Werkstücks
mit Hilfe von Vorbördelbacken
oder Vorbördelrollen
in die erforderliche Vorbördelposition
gebracht wird.
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Zusammenfassend
lässt sich
sagen, dass mit der erfindungsgemäßen Abkantvorrichtung und dem
erfindungsgemäßen Verfahren
das Abkan ten eines Werkstücks
in einem einzigen Schritt erfolgen kann, so dass für den weiteren
Zusammenbau ein Werkstück
bereitgestellt wird, das nach dem Einlegen des Gerippes oder eines
anderen mit dem Werkstück
durch Bördeln
zu verbindenden Teils unmittelbar fertiggebördelt werden kann.
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Ausführungsbeispiele
der Erfindung werden im Folgenden anhand der beigefügten Figuren
näher erläutert.
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1 zeigt
schematisch eine Abkantvorrichtung gemäß einem Ausführungsbeispiel
der Erfindung,
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2 zeigt
einen Ausschnitt der Abkantvorrichtung gemäß 1 und
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3 bis 10 zeigen
Schritte eines Verfahrens zum Abkanten eines Werkstücks gemäß einem
Ausführungsbeispiel
der Erfindung.
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Die
Abkantvorrichtung 1 gemäß 1 umfasst
eine Haltevorrichtung 2 und einen Abkantschieber 3,
wobei die Haltevorrichtung 2 eine Unterlage 5 für ein Werkstück 6 und
einen Niederhalter 10 aufweist. Das Werkstück 6 liegt
in 1 mit seiner Unterseite 23 auf einer
Auflagefläche 4 der
Unterlage 5 und ragt mit seinem vorderen Bereich 7 über die
Unterlage 5 hinaus. Die Haltevorrichtung 2 ist
in diesem Ausführungsbeispiel
so ausgestaltet, dass das Werkstück 6 in
der gezeigten Bearbeitungsposition waagerecht in der Halterungsebene 12 ausgerichtet
ist.
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Die
Unterlage 5 ist im vorderen Bereich durch einen Füllschieber 8 gebildet,
der durch den Schieber 9 in die gezeigte Position gefahren
werden kann. Durch Zurückfahren
des Schiebers 9 wird kann der Füllschieber 8 aus der
gezeigten Position heraus nach unten gefahren werden, so dass ein
fertig abgekantetes Werkstück 6 leicht
aus der Abkantvorrichtung 1 entnommen werden kann.
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Der
Niederhalter 10 drückt
in einem Haltebereich 11 auf die Oberseite 22 des
Werkstücks 6 und fixiert
es auf diese Weise in der Bearbeitungsposition. Der Niederhalter 10 ist
in diesem Ausführungsbeispiel
durch ein Gestänge 15 an
einem Overheadroboter 16 gehaltert und kann über das
Gestänge 15 bis
in die in 1 gezeigte Position auf das
Werkstück 6 abgesenkt
werden.
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Der
Abkantschieber 3 ist Teil eines ebenfalls am Overheadroboter 16 gehalterten
Abkantwerkzeugs 17 und weist eine erste Abkantfläche 13 und eine
zweite Abkantfläche 14 auf,
die zum Anpressen an das Werkstück 6 vorgesehen
sind. Die erste Abkantfläche 13 bildet
mit der zweiten Abkantfläche 14 einen
Winkel α,
wobei α zwischen
mehr als 90 Grad und weniger als 180 Grad liegt. Der Abkantschieber 3 weist
ferner eine Aufsetzfläche 21 auf,
die während des
Abkantens zuerst mit dem Werkstück 6 in
Kontakt kommt und den Abkantvorgang einleitet.
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Das
Abkantwerkzeug 17 weist zudem Führungen 19 auf, die
mit Führungen 19 eines
Führungswerkzeugs 18 zusammenwirken
und den Abkantschieber 3 während des Abkantens auf einer
vorgegebenen Bahn führen.
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2 zeigt
schematisch einen Ausschnitt der Abkantvorrichtung gemäß 1.
Die erste Abkantfläche 13 reicht
bis zu einer Höhe
H des Abkantschiebers 3 und bildet mit der Halterungsebene 12 einen
Winkel β1, der im gezeigten Ausführungsbeispiel ein rechter
Winkel ist. Über
der ersten Abkantfläche 13 schließt sich
ab der Höhe
H die zweite Abkantfläche 14 an,
die mit der ersten Abkantfläche 13 den Winkel α bildet.
Die zweite Abkantfläche 14 ist
gegen die Halterungsebene 12 um einen Winkel β2 geneigt, der
in dem gezeigten Ausführungsbeispiel
wegen des rechten Winkels β1 gleich α ist.
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Um
den Abkantschieber 3 aus einer ersten Bearbeitungsposition,
in der die erste Abkantfläche 13 mit
dem Werkstück
in Kontakt steht, in eine zweite Bearbeitungsposition zu bringen,
in der die zweite Abkantfläche 14 mit
dem Werkstück
in Kontakt steht und das Werkstück
somit stärker
abgekantet wird, muss der Abkantschieber 3 lediglich um
die Höhe
H abgesenkt werden.
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Die
Andruckfläche 20 des
Füllschiebers 8 ist so
ausgebildet, dass sie parallel zu der zweiten Abkantfläche 14 ausgerichtet
ist.
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Die 3 bis 10 zeigen
Schritte eines Verfahrens zum Abkanten eines Werkstücks 6 gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung.
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3 zeigt
die Unterlage 5 vor der Bestückung mit einem Werkstück. Die
Unterlage 5 wird zum Teil durch einen Füllschieber 8 gebildet,
der mit Hilfe eines sich in Pfeilrichtung 26 bewegenden Schiebers 9 in
eine Arbeitsposition gefahren werden kann, in der die Füllschieberfläche 25 Teil
der Auflagefläche 4 ist
und in der Halterungsebene 12 für ein Werkstück liegt.
In 3 ist ferner das Führungswerkzeug 18 mit
Führungen 19 gezeigt.
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4 zeigt
die Unterlage 5 nach der Bestückung mit einem Werkstück 6.
Dabei ist der Schieber 9 in eine Endposition gefahren und
hat den Füllschieber 8 in
Arbeitsposition gebracht. Das Werkstück 6 ist typischerweise
ein Blech. Es weist eine Oberseite 22 und eine Unterseite 23 auf,
wobei die Unterseite 23 auf der Auflagefläche 4 aufliegt.
Mit seinem vorderen Bereich 7 steht das Werkstück 6 über die
Auflagefläche 4 bzw.
die Füllschieberfläche 15 vor.
In dieser Darstellung ist das Werkstück 6 vereinfacht eben
dargestellt. Es ist jedoch auch möglich, dass es eine drei dimensionale
Struktur aufweist, wobei in diesem Fall auch die Unterlage 5 nicht
eben, sondern als Negativ des Werkstücks 6 ausgeformt ist.
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5 zeigt
die Abkantvorrichtung 1 mit dem an einem Overheadroboter 16 gehalterten
Niederhalter 10 und dem Abkantschieber 3 eines
Abkantwerkzeugs 17. In dem gezeigten Verfahrensschritt
ist der Niederhalter 10 bereits an dem Gestänge 15 auf
das Werkstück 6 heruntergefahren
und fixiert dieses in der Halterungsebene 12.
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Der
Abkantschieber 3 hat sich ebenfalls fast bis auf das Werkstück 6 gesenkt
und berührt
mit seiner Aufsetzfläche 21 dessen
Oberseite 22 fast. In diesem Verfahrensschritt kann gleichzeitig
mit dem Aufsetzen des Abkantschiebers 3 auf dem Werkstück 6 ein
Beschneiden des Werkstücks 6 erfolgen,
falls dies erforderlich ist.
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6 zeigt
die Abkantvorrichtung 1 in einem weiteren Schritt des Verfahrens.
Bei diesem Schritt hat sich der Abkantschieber 3 schon
soweit abgesenkt, dass der vordere Bereich 7 des Werkstücks 6 vertikal
nach unten gebogen wurde. In dieser Stellung drückt der Abkantschieber 3 mit
seiner ersten Abkantfläche 13 gegen
die Oberseite 22 des vorderen Bereichs 7 des Werkstücks 6.
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7 zeigt
als Beispiel für
ein Werkstück 6 eine
Tür für ein Automobil
bzw. deren Außenhaut.
Die Tür
weist Kanten 27 auf, die in einem an das Abkanten sich
anschließenden
Prozess durch Fertigbördeln
mit den Kanten eines Gerippes verbunden werden. Zur Vorbereitung
des Fertigbördelns
muss die Tür
abgekantet und vorgebördelt
werden. Dabei ist es jedoch bei den meisten Kanten 27 wünschenswert,
einen Abkantwinkel von 90 Grad zu erreichen.
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Im
Bereich des Schwellers 28 jedoch sollen die Schwellerkanten 29 aufgrund
der Verwölbung
der Außenhaut
im Bereich des Schwellers 28 weiter umgelegt werden, beispielsweise
um 105 Grad.
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Die
Tür weist
demnach erste Abkantbereiche 30 auf, in denen die Kante 27 lediglich
um einen ersten Winkel umgelegt werden soll, und zweite Abkantbereiche 31,
in denen die Kante 27 um einen zweiten Winkel umgelegt
werden soll, wobei der zweite Winkel größer ist als der erste.
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Mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren
lassen sich alle Abkantbereiche in einem einzigen Durchgang, beispielsweise
in einer einzigen Umfahrung des Werkstücks 6 durch einen
Roboter mit einem Abkantschieber, bis zum endgültig gewünschten Winkel abkanten. Dazu
geht man folgendermaßen vor:
Das
Abkanten der ersten Abkantbereiche 30 wurde bereits in
den 3 bis 6 gezeigt und dort beschrieben.
In diesen Bereichen wird die Oberseite 22 des vorderen
Bereichs 7 des Werkstücks
mit der ersten Abkantfläche 13 in
Berührung
gebracht und die Kante umgelegt, so dass nach erfolgtem Abkanten der
vordere Bereich 7 des Werkstücks 6 parallel zur ersten
Abkantfläche 13 liegen.
Erreicht der Abkantschieber 3, der das Werkstück 6 umfährt, einen Übergang 32 zwischen
einem ersten Abkantbereich 30 und einem zweiten Abkantbereich 31,
so ändert
der Abkantschieber 3 seine Höhe relativ zur Halterungsebene 12,
senkt sich um die Höhe
H ab und bringt somit die zweite Abkantfläche 14 zum Abkanten
der zweiten Abkantbereiche 31 mit dem Werkstück 6 in Kontakt.
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Dieser
Schritt ist in 8 gezeigt. Im Vergleich zu seiner
in 6 gezeigten Stellung ist der Abkantschieber 3 tiefer
in eine zweite Arbeitsposition gefahren, so dass nunmehr die zweite
Abkantfläche 14 in
Kontakt mit der Oberseite 22 des vorderen Be reichs 7 des
Werkstücks
steht und dieses gegen die Andruckfläche 20 des Füllschiebers 8 presst.
In dieser Stellung umfährt
der Abkantschieber 3 das Werkstück 6 bis zum folgenden Übergang 32,
dem ein erster Abkantbereich 30 folgt.
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Der
Abkantschieber 3 weist demnach bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
mehrere, in diesem Beispiel zwei, Arbeitspositionen auf, die den
verschiedenen Abkantbereichen zugeordnet sind und in denen jeweils
andere Abkantflächen
mit dem Werkstück 6 in
Kontakt stehen. Dabei unterscheiden sich die Abkantflächen voneinander
in ihrer Neigung gegen die Halterungsebene 12 und damit
in dem Abkantwinkel, den sie bewirken.
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9 zeigt
einen weiteren Schritt des Verfahrens. Bei diesem Schritt ist das
Abkanten des letzten Abkantbereichs des Werkstücks 6 erfolgt und
der Abkantschieber 3 fährt
aus seiner Arbeitsposition heraus wieder nach oben, um das Werkstück 6 freizugeben.
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Der
vordere Bereich 7 des Werkstücks 6 weist einen
Abkantgegenwinkel γ auf,
für den γ = α – 90° gilt. Er
ergänzt
sich mit dem Abkantwinkel, um den die Kante umgelegt wurde, zu 180
Grad.
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10 zeigt
den Abkantschieber 3, der wieder fast ganz aus der Arbeitsposition
nach oben gefahren ist. Auch der Niederhalter 10 hat das
Werkstück 6 freigegeben.
Der Schieber 9 fährt
in Pfeilrichtung 24 zurück,
so dass der Füllschieber 8 nach
unten rutscht und das Werkstück 6 ebenfalls
freigibt. Das fertig abgekantete Werkstück 6 kann nun aus der
Abkantvorrichtung 1 entnommen werden.
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- 1
- Abkantvorrichtung
- 2
- Haltevorrichtung
- 3
- Abkantschieber
- 4
- Auflagefläche
- 5
- Unterlage
- 6
- Werkstück
- 7
- vorderer
Bereich des Werkstücks
- 8
- Füllschieber
- 9
- Schieber
- 10
- Niederhalter
- 11
- Haltebereich
- 12
- Halterungsebene
- 13
- erste
Abkantfläche
- 14
- zweite
Abkantfläche
- 15
- Gestänge
- 16
- Overheadroboter
- 17
- Abkantwerkzeug
- 18
- Führungswerkzeug
- 19
- Führung
- 20
- Andruckfläche
- 21
- Aufsetzfläche
- 22
- Oberseite
des Werkstücks
- 23
- Unterseite
des Werkstücks
- 24
- Pfeilrichtung
- 25
- Füllschieberfläche
- 26
- Pfeilrichtung
- 27
- Kante
- 28
- Schweller
- 29
- Schwellerkante
- 30
- erster
Abkantbereich
- 31
- zweiter
Abkantbereich
- 32
- Übergang
- α
- Winkel
- β1
- Winkel
- β2
- Winkel
- γ
- Winkel
- H
- Höhe