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Die
Erfindung betrifft Regelungskonzepte insbesondere in Ottomotoren
mit homogen-kompressionsgezündeter
Verbrennung.
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Die
CO2-Diskussion macht die weitere Verbrauchssenkung
zum zentralen Forschungs- und Entwicklungsthema beim Ottomotor.
Mögliche
Konzepte zur Verbrauchsverbesserung sind die Direkteinspritzung,
das Downsizing, die Reduktion der Ladungswechselverluste, die homogene
Selbstzündung
oder auch mögliche Kombinationen
der oben genannten Verfahren. Die Vorteile der homogenen Selbstzündung in
Ottomotoren liegen dabei neben der bereits erwähnten Verbrauchsverbesserung
in der gleichzeitigen Beibehaltung des Emissionsverhaltens konventioneller
Ottomotoren.
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In
dieser Schutzrechtsanmeldung werden Regelungskonzepte und Potenziale
für Ottomotoren
mit homogener Selbstzündung
anhand eines am Vollmotor realisierten Brennverfahrens mit Selbstzündung diskutiert.
Problematisch erweist sich dabei die Steuerung der mit der homogenen
Verbrennung einhergehenden Selbstzündung, da kein direkter Parameter
zur Einleitung der Verbrennung existiert, wie z.B. der durch den Zündfunken
eingeleitete Zündzeitpunkt
bei konventionellen Ottomotoren, oder der Einspritzbeginn bei Dieselmotoren.
Die Steuerung und Regelung der Wärmefreisetzung
ist hierbei eine der zentralen Entwicklungsaufgaben. Darüber hinaus
werden Verbrauchs- und Emissionsaussagen für einen Fahrzyklus getroffen.
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1. Einführung
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Die
Verringerung der Ladungswechselverluste sowie die Verbesserung der
Stoffeigenschaften durch Ladungsverdünnung bilden auch bei ottomotorischen
Selbstzündungsverfahren
den Hebel zur Verbrauchsabsenkung. Dieser Ansatz wird schon länger bei
konventionellen Ottomotoren angewendet, scheitert aber für gewöhnlich an
der begrenzten Verträglichkeit
der Flammenfrontverbrennung bei Ladungsverdünnung, sei es durch Luft (Abmagern)
oder durch Restgas (externe oder interne AGR).
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1 zeigt
den indizierten Kraftstoffverbrauch und die Kohlenwasserstoff- und
Stickoxidrohemission von konventioneller ottomotorischer Verbrennung
und Raumzündverbrennung
in Abhängigkeit
von der Restgasmasse.
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Während bei
konventionellem Betrieb die Entdrosselung über Abgasrückführung nur bis zu einer bestimmten
Laufgrenze in eine Verbrauchsverbesserung umgesetzt werden kann,
ergeben sich für
kontrollierte Selbstzündung
weit jenseits dieser Laufgrenze immer noch Verbrauchsverbesserungen.
Die kontrollierte Selbstzündung
kann nach 1 auch als konsequente Erhöhung der
Restgasverträglichkeit
des Ottomotors angesehen werden. Weit jenseits der für stabilen
ottomotorischen Betrieb zulässigen
Restgasraten liegt der Bereich, in dem aufgrund der hohen Temperaturen
des Restgas-Luft-Gemischs
Selbstzündung
auftritt. Dies führt
zu einer weiteren Möglichkeit
zur Verbrauchsabsenkung. Aufgrund der Ladungsverdünnung durch
Restgas und da die Umsetzung nicht mehr konzentriert in einer Flammenfront,
sondern gleichzeitig in großen
Bereichen des Brennraumes stattfindet, bleiben die Temperaturen
trotz schneller Umsetzung unterhalb der kritischen NOx-Bildungstemperatur.
Die Stickoxidrohemission liegen aufgrund der hohen Ladungsverdünnung weit unterhalb
der ottomotorischen Werte, die Kohlenwasserstoffemissionen etwa
auf demselben Niveau.
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2 zeigt
das Eigenleuchten bei ottomotorischer Verbrennung, die durch eine
Flammenfrontausbreitung gekennzeichnet ist, und bei homogener, kontrollierter
Selbstzündung,
bei der eine Wärmefreisetzung im
gesamten Brennraum stattfindet. Dabei ist die Helligkeit ein indirektes
Maß für die auftretenden
Temperaturen.
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Die
Selbstzündung
mit homogener Verbrennung ist charakterisiert durch eine im Vergleich
zum Ottomotor hohe Wärmefreisetzungsrate
und kurze Brenndauer (siehe 3). Die
Temperatur der verbrannten Zone liegt deutlich unterhalb ottomotorischer
Werte.
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Aus
der schnellen Wärmefreisetzung
und der Abhängigkeit
von der Kompressionsendtemperatur ergeben sich auch die Grenzen
für den
Einsatz der kontrollierten Selbstzündung. Die kontrollierte homogene Selbstzündung kann
in einem Last- und Drehzahlbereich betrieben werden, der in etwa
dem Schichtbetrieb eines heutigen direkteinspritzenden Ottomotors
entspricht (4).
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Dabei
ist der Kennfeldbereich in Richtung niedriger Last durch verschleppte
Verbrennungen und mögliche
Aussetzer begrenzt. Hin zu hohen Lasten nehmen die Druckanstiege
zu, und mit weiter steigender Last tritt klopfende Verbrennung auf.
Zugleich steigen die NOx-Emissionen. Ein
Betriebsartenwechsel zu einem volllasttauglichen Brennverfahren
wird damit für
Fahrzeuganwendungen notwendig.
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Um
einen möglichst
großen
Kennfeldbereich abdecken zu können,
ist darüber
hinaus zwingend eine Regelung des Verbrennungsbeginns und der Wärmefreisetzung
notwendig. Dies kann über
die Gemischreaktionsfähigkeit
und die Gemischtemperatur erreicht werden. Die Einflussparameter
auf diese beiden Größen sind
in Tab. 1 dargestellt. Tab.
1: Klassifikation der Steuerungsparameter für eine Selbstzündung
| Gemischreaktionsfähigkeit | Gemischtemperatur |
| – Kraftstoff | – Ladungstemperatur |
| – Abgasrückführung | – Abgasrückführung |
| – Sauerstoffüberschuss | – Aufladung |
| | – Einspritzzeitpunkt |
| | – Verdichtungsverhältnis |
| | – variabler
Ventiltrieb |
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Die
für den
Einsatz an seriennahen Motoren sinnvollste Variante zum Erreichen
von Selbstzündung
ist die Erhöhung
der Gemischtemperatur mit Hilfe von Variabilitäten im Ventiltrieb. Dafür gibt es
je nach Grad der Variabilität
(von vollvariabel bei EMVS/EHVS bis zu zweistufiger Ventilhubumschaltung)
unterschiedliche Abgasrückhalteverfahren
(5) [1].
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Variante
1 (5, linkes Bild) zeigt das Rücksaugen von Abgas aus dem
Auslasskanal während
des Ansaugtakts. Das Einlassventil wird entsprechend spät geöffnet. Eine
Steuerung der Verbrennung über
den Einspritzzeitpunkt bei Anwendung von Direkteinspritzung ist
nur bedingt möglich,
weil sich die Wirkung nur auf die Änderung der Homogenität der Zylinderladung
(homogeneres Gemisch bei Einspritzung während des Saughubs und heterogene
Verteilung bei Einspritzung in der Kompression) beschränkt. Der
Einfluss ist jedoch als relativ gering einzustufen und kann bei
schlechter Homogenisierung zudem negative Auswirkungen auf das Emissionsverhalten
haben. Deshalb erfordert dieses Verfahren aufgrund der Forderung
nach zylinderindividuell einstellbaren Restgasgehalten eine zylinderindividuelle
Anpassung der Steuerzeiten, also einen vollvariablen Ventiltrieb.
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Variante
2 (5, mittleres Bild) wird in [2] beschrieben. Zunächst wird
auch hier das Abgas konventionell aus dem Zylinder ausgeschoben.
Dann erfolgt das Ansaugen der Frischladung während einer kurzen Einlassphase
bevor am Ende des Ansaugtaktes das Auslassventil ein zweites Mal
geöffnet
wird, um das zur Selbstzündung
notwendige Restgas aus dem Auspuff zurückzusaugen. Wird auf das Rücklaugen
von Abgas verzichtet, handelt es sich um eine einfache Entdrosselungsstrategie
mit „frühem Einlass
schließt". Dies bietet Vorteile
beim Betriebsartenwechsel. Für
die Steuerung des Selbstzündungszeitpunkts
gilt dasselbe wie für
Variante 1. Der bauliche Mehraufwand umfasst neben einer einlassseitigen
Ventilhubumschaltung ein zylinderindividuell ansteuerbares Element
um das Auslassventil am Ende des Ansaugtaktes erneut öffnen zu
können.
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Die
dritte Variante (5, rechtes Bild) sieht vor,
das Abgas direkt im Zylinder zurückzuhalten.
Dazu wird das Auslassventil bereits weit vor Erreichen des Gaswechsel-OTs
geschlossen und das Einlassventil entsprechend später geöffnet. Hierzu
ist einlass- sowie auslassseitig eine Ventilhubumschaltung notwendig.
Die durch die beiden letztgenannten Verfahren der Abgasbereitstellung
verursachten zusätzlichen
Ladungswechsel- bzw. Wandwärmeverluste
sind vergleichbar, gegenüber
einer konventionellen Drosselregelung aber deutlich geringer ([2]).
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Eine
weitere Möglichkeit
zur Beeinflussung der Gemischtemperatur ist die Anwendung einer
Voreinspritzung mit entsprechender Vorreaktion oder Vorverbrennung
dieser Kraftstoffmenge. Dazu ist jedoch erforderlich, dass der Brennraum
während
der Vorverbrennung abgeschlossen ist und auch kein Kraftstoff in
den Auslasstrakt entlassen wird. Dieses kann durch eine entsprechende
Ventilunterschneidung mit anschließender Zwischenkompression
wie bei Variante 3 (5, rechtes Bild) erzielt werden.
Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten zeigt Tab. 2.
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Tab.
2: Vorteile und Nachteile verschiedener Abgasrückführ- bzw. -rückhaltekonzepte
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2. Die erfindungsgemäße Raumzündverbrennung
(RZV)
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Um
die Selbstzündung
von herkömmlichen
Benzinkraftstoffen zu erreichen, sind Temperaturen von etwa 1000
K erforderlich. Bei den für
Ottomotoren üblichen
Verdichtungsverhältnissen
(9 ... 13) muss die notwendige Temperatur also zusätzlich über Abgas
des Vorzyklus bereitgestellt werden. Basis für die RZV-Untersuchungen ist ein serienmäßiger 4-Zylinder-Direkteinspritz-Motor
mit wandgeführtem
Brennverfahren, der entsprechend des angestrebten, mit RZV darstellbaren
Kennfeldbereiches und der technischen Realisierbarkeit in einem
fahrzeugtauglichen Motor für
ein Konzept mit Ventilunterschneidung modifiziert wurde. Um sowohl ottomotorische
Volllast, ottomotorischen Betrieb mit „frühem Einlass schließt" als auch RZV-Betrieb
darstellen zu können,
ist einlass- sowie auslassseitig eine über Schaltschlepphebel mit Öldruck betätigte Ventilhubumschaltung
und ein erweiterter Nockenwellenstellbereich vorgesehen [3]. Weil
die Nockenwellenphasenlage nur für
alle vier Zylinder gleichzeitig geändert werden kann, entfällt die
zylinderindividuelle Einstellung des Restgasgehaltes als Regel-,
bzw. Steuergröße. Als
zylinderindividuell einstellbarer Parameter bleibt damit nur die Direkteinspritzung
(6). Durch eine Aufteilung der Kraftstoffmenge
auf eine Einspritzung vor dem oberen Totpunkt des Gaswechsels und
eine Einspritzung während
der Ansaugphase kann die Selbstzündung
kontrolliert werden. Der Verbrennungsschwerpunkt und der indizierte
Mitteldruck für
jeden Zylinder können
optimal eingestellt werden, wenn Kraftstoff schon vor dem Gaswechsel-OT
eingespritzt wird. Bei überstöchiometrischem
Motorbetrieb enthalten das entstehende Verbrennungsgas und damit
auch das im Zylinder zurückgehaltene
Abgas immer auch Restluft bzw. Sauerstoff.
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Dieser
reagiert nun in Abhängigkeit
von der Voreinspritzmenge schon in der sich durch die Unterschneidung
ergebenden Zwischenkompression.
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7 zeigt
die über
die Restgasmasse errechnete Temperatur zum Zeitpunkt „Einlass öffnet" für verschiedene
Voreinspritzanteile. Diese Temperaturdifferenz repräsentiert
die in der Ventilunterschneidungsphase zugeführte Energie.
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Das
Temperaturniveau, welches in der Zwischenkompression erreicht wird, übersteigt
die Selbstzündungsschwelle
(≈1000 K)
deutlich, was Grundvoraussetzung für eine Umsetzung ist. Folge
der Umsetzung ist eine Erhöhung
der Zylinderladungstemperatur um bis zu 130 K (etwa 10% Voreinspritzung)
zum Zeitpunkt „Einlass öffnet". Bei der Raumzündverbrennung
ist die am Ende der Kompression um ZOT erreichte Temperatur von
grundlegender Bedeutung für
das Auslösen
der Verbrennung. Berücksichtigt
man die Expansion nach dem Gaswechsel-OT, die Verdünnung der
Zylinderladung durch die angesaugte Frischluft und die Kompression
vor Zünd-OT,
ergibt sich für
die Temperatur bei Kompressionsende (ZOT) eine Differenz von über 60 K
zwischen Betrieb ohne und mit 10% Voreinspritzung. Mit einem variablen
Voreinspritzanteil von 0 ... 10% lassen sich also Temperaturunterschiede
von 60 K am Ende der Kompression ausgleichen. Somit eignet sich die
Aufteilung der Einspritzmenge auf Vor- und Haupteinspritzmenge zur
kontrollierten Steuerung der Selbstzündung.
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3. Verbrennungsregler
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Warum
eine einfache Verbrennungssteuerung bei kontrollierter Selbstzündung nicht
mehr zureichend ist, zeigt 8. Zwar
erweist sich der Verbrauch als relativ robust gegenüber Änderungen
in der Verbrennungslage, die Schadstoffemission hingegen reagiert äußerst sensibel.
Gerade die Stickoxidemission (die bei magerem Betrieb nicht reduziert
werden kann) erhöht
sich bei zu früher
Verbrennungslage drastisch, da die maximale Prozesstemperatur stark
ansteigt.
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Das
Reglerkonzept für
den RZV-Vollmotor ist entsprechend 9 mindestens
zusammengesetzt aus:
- – λ-Regler
- – Regler
für Verbrennungslage
- – Regler
für den
indizierten Mitteldruck
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Regelgröße für den λ-Regler bildet
der Messwert einer λ-Sonde, Stellgröße ist die
Nockenwellenphase der Auslassnockenwelle, d.h. der Restgasgehalt
im Zylinder. Bei ungedrosseltem Betrieb bedeutet weniger Restgas
im Zylinder mehr Frischluft und verursacht damit ein magereres Luft-Kraftstoff-Gemisch.
Um die bei Einsatz der Voreinspritzung gewünschte Umsetzung in der Zwischenkompression
um GOT zu ermöglichen,
ist es notwendig, dass sich ausreichend unverbrannte Luft (Sauerstoff)
im Abgas befindet.
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Der
50%-Umsatzpunkt des Heizverlaufs bildet Eingangsgröße für den Verbrennungsregler,
der die Bestimmung und Korrektur der Verbrennungslage ermöglicht.
Bei zu später
Lage des 50%-Umsatzpunktes
wird die Voreinspritzdauer erhöht,
umgekehrt wird die Voreinspritzdauer bei zu früher Lage verringert.
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Der
indizierte Mitteldruck ist die Regelgröße für die Last. Stellausgang ist
die Haupteinspritzdauer. Bei geringer Streuung des Injektordurchflusses
der einzelnen Injektoren am Vollmotor und einem entsprechenden Einspritzmodell
kann auf diesen Regler verzichtet werden. Eine Abschätzung des
indizierten Mitteldrucks mit Hilfe von einem in der Kompression
und einem in der Expansion abgetasteten Druckwert stellt sich aufgrund der
je nach Umsetzung im Ladungswechsel-OT veränderlichen Ladungswechselarbeit
als schwierig dar. Für eine
präzise
Ermittlung ist eine erhöhte
Abtastrate und damit ein erhöhter
Rechenaufwand nötig.
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Zusätzlich zu
den serienmäßig am Motor
verfügbaren
Sensoren bzw. Aktuatoren, die das Motorsteuergerät mit Informationen versorgen
bzw. über
die der Motor gesteuert wird, ist eine Brennrauminformation aus jedem
Zylinder erforderlich. Dies kann entweder ein Zylinderdruck- oder
ein Ionenstromsignal sein, wobei je nach nachgeschaltetem Auswertealgorithmus
Grad-Kurbelwinkel-Auflösung
bis hin zu Abtastung von wenigen Werten pro Zyklus möglich sind.
Basis zur einfachen Ermittlung des Brennverlaufs bzw. der Umsatzpunkte
an einem Verbrennungsmotor bilden thermodynamische Grundgleichungen,
wie bereits in [4] beschrieben.
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10 zeigt,
wie eine solche Verbrennungsregelung für die Gleichstellung von indiziertem
Mitteldruck und 50%-Umsatzlage aller Zylinder eines Vierzylindermotors
eingesetzt werden kann.
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Bei
gleicher Vorsteuerung aller Zylinder (gleiche Voreinspritzmenge,
gleiche Haupteinspritzmenge) sind deutliche Unterschiede im indizierten
Mitteldruck der einzelnen Zylinder zu erkennen, der 50%-Umsatzpunkt
liegt bei allen Zylindern zu früh.
Wird die Verbrennungsregelung zugeschaltet, ist nach einigen Zyklen (abhängig von
der Reglerbedatung) eine Zylindergleichstellung erreicht. Dass eine
solche Verbrennungsregelung bei korrekter Bedatung relativ schnell
auf Veränderungen
reagieren kann, zeigt 11. Hier ist bei eingeschalteter
Verbrennungsregelung ein Lastsprung im RZV-Betrieb dargestellt.
Vorgesteuert reagiert der Motor von einem auf den anderen Zyklus
und läuft
mit der richtigen Verbrennungslage und einem für alle Zylinder gleichen indizierten
Mitteldruck weiter.
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4. Betriebsartenwechsel
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Durch
die bereits erwähnten
Nachteile bei Erhöhung
der Last im selbstgezündeten
Betrieb wird eine Umschaltung der Betriebsart zu konventionellem
Ottobetrieb notwendig. Entsprechend der Festlegung auf einen zweistufig
variablen Ventiltrieb einlass- sowie auslassseitig muss der Wechsel
des Verbrennungsmodus innerhalb eines Verbrennungszyklus vollzogen
werden (bei Umschaltung des Auslassventilhubs), da die durch den
kleinen Auslassventilhub erreichten Abgasrückhalteraten für gezündeten Betrieb
zu hoch sind. Die Umschaltung der Betriebsart birgt dabei in beide
Richtungen (Ottomotorischer- → RZV-Betrieb
und RZV- → Ottomotorischer
Betrieb) Herausforderungen.
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Versuche
an einem Einzylinderaggregat haben gezeigt, dass eine lastneutrale
Umschaltung von ottomotorischer Verbrennung hin zu kontrollierter
Selbstzündung
und umgekehrt auch mit verhältnismäßig geringen
Variabilitäten
im Ventiltrieb lastneutral darstellbar ist. Da der Wechsel zwischen
den Brennverfahren nicht über
eine kontinuierliche Erhöhung
oder Verringerung des Restgasgehaltes möglich ist (RZV muss die Selbstzündungstemperatur
erreichen und ottomotorischer Betrieb hat nur eine begrenzte Restgasverträglichkeit) muss
der eigentliche Brennverfahrenswechsel innerhalb eines Zyklus geschehen.
Parameter wie Einspritz- oder Zündtiming
müssen
entsprechend der unterschiedlichen Abgastemperaturen, Luftzahlen
usw. über
mehrere Zyklen den stationären
Werten angeglichen werden.
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12 zeigt
den Brennverfahrenswechsel von ottomotorischer Verbrennung mit hoher
Last (6 bar indizierter Mitteldruck) zu Raumzündverbrennung mit niedriger
Last (3 bar indizierter Mitteldruck). Dargestellt sind im oberen
Teil der Abbildung integrale Messgrößen wie der pro Zyklus erreichte
indizierte Mitteldruck und der maximale Druckanstieg, die Abgastemperatur
und das Luftverhältnis.
Im unteren Teil der Abbildung sind der Zylinderdruckverlauf, der
Ventilhubverlauf und der Verlauf des Saugrohrdrucks für die Verbrennungszyklen kurz
vor und nach dem Betriebsartenwechsel dargestellt. Problematische
beim Wechsel des Verbrennungsmodus in die dargestellte Richtung
ist der maximale Druckanstieg in den ersten selbstgezündeten Verbrennungszyklen
aufgrund des höheren
Temperaturniveaus von Abgas und Brennraumwänden. Wird vor dem Selbstzündungsbetrieb
eine hohe ottomotorische Last gefahren, verschärft sich dieser Effekt. Deshalb
sollte vor dem Umschalten von hoher ottomotorischer Last auf niedrige
Last mit Raumzündverbrennung
zunächst eine
niedrigere ottomotorische Last eingestellt und gleich anschließend auf
Raumzündverbrennung
umgeschaltet werden. Durch zusätzliche
Anpassung der Abgasrückhalterate
an die Abgastemperatur (am Anfang des selbstgezündeten Betriebs geringere Abgasrückhalteraten)
und eine Verschiebung des Einspritzeitpunktes nach spät (schlechtere
Gemischaufbereitung) kann der maximale Druckanstieg in den ersten
selbstgezündeten
Verbrennungszyklen auf dem Niveau des stationären Betriebs eingefangen werden.
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In
einem Motorsteuergerät
muss diese zyklische Abfolge von Parametereinstellungen in einer
Ablaufsteuerung abgelegt werden, um einen Betriebsartenwechsel in
jeder Situation gewährleisten
zu können.
Wird der Motor beispielsweise im gesteuerten ottomotorischen Modus
betrieben und besteht die Anforderung auf Raumzündverbrennung umzuschalten
(zum Beispiel bei erreichen einer Grenzdrehzahl oder -last), wird
zunächst
die programmierte Ablaufsteuerung durchlaufen, bevor aus Kennfeldern
gesteuerter bzw. geregelter RZV-Betrieb aufgenommen wird. 13 zeigt
einen solchen Vorgang. Dargestellt sind wiederum die zyklusaufgelösten Größen indizierter
Mitteldruck und maximaler Druckanstieg sowie die Luftzahl und die
Motordrehzahl. Zunächst
wird der Motor aus den dafür
vorgesehenen Kennfeldern im konventionellen Betrieb gesteuert. Bei
Abfall der Motordrehzahl unter 2000 U/min wird im gezeigten Beispiel
auf Raumzündverbrennung
umgeschaltet und dazu eine Ablaufsteuerung durchlaufen. Danach kann
aus Kennfeldern gesteuerter bzw. geregelter RZV-Betrieb aufgenommen
werden.
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5. Verbrauch
und Emission
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Im
stationären
Motorbetrieb ist es möglich,
die Zielgrößen für den dynamischen
Motorbetrieb im Neuen Europäischen
Fahrzyklus über
die am häufigsten
gefahrenen Punkte abzuschätzen.
Dazu muss ein Fahrzeug mit entsprechender Getriebe- und Hinterachsübersetzung
hinterlegt werden. Basis ist ein Mercedes-Benz C-Klasse-Fahrzeug
(Bj 2005) mit Hinterachsübersetzung
3,07 und einem 1,8 l 4-Zylindermotor. Der für den NEFZ relevante Bereich
ist trotz des kleinvolumigen Motors nahezu auf den Kennfeldbereich
mit niedriger Drehzahl und niedriger Last beschränkt, was einem Teillastbrennverfahren
wie der Raumzündverbrennung
entgegen kommt. Werden die ermittelten Betriebspunkte stationär bei konditioniertem
Motor gefahren, entspricht das Ergebnis einem „NEFZ heiß", d.h. einem Fahrzyklus bei betriebswarmen
Motor.
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Auf
diese Weise wird das Gesamtsystem betrachtet, d.h. auch Vorteile,
die die Hardwarevoraussetzungen des Motors im konventionellen ottomotorischen
Betrieb mit sich bringen, haben einen Anteil am gesamten erzielten
Verbrauchsvorteil. So steht am Ende insgesamt für die Raumzündverbrennung nur die Verbrauchsverbesserung
die gegenüber
einem ottomotorischen System mit gleichen Variabilitäten im Ventiltrieb erzielt
wird. Die Ergebnisse sind in 14 dargestellt.
Als Basisvariante zu Grunde gelegt ist hier ein Vierzylindermotor
mit Kanaleinspritzung und einem Verdichtungsverhältnis von 9,3 ohne Nockenwellenverstellung. Einlass-
sowie auslassseitige kontinuierliche Nockenwellenverstellung bringt
einen Verbrauchsvorteil von etwa 3%. Der Versuchsmotor hingegen
ist mit einem Verdichtungsverhältnis
von 11,5 und zusätzlich
einlass- und auslassseitiger Ventilhubumschaltung ausgestattet.
Der durch das höhere
Verdichtungsverhältnis
verursachte Verbrauchsvorteil liegt bei etwa 2%. Für den Einsatz
der Entdrosselungsstrategie „frühes Einlass
schließt" (dargestellt durch
den kleinen Einlassventilhub und eine frühe Einlassphase) ergibt sich
ein Verbrauchsvorteil von etwa 3%. Wird zusätzlich Raumzündverbrennung
(in den fahrbaren Punkten) eingesetzt, verbessert sich der Verbrauch
um zusätzliche
3%. Bezogen auf die Basis ist die durch die Raumzündverbrennung
erreichte Verbesserung größer als
3%, für
das Gesamtkonzept gilt aber zu beachten: aus Einzeltechnologien
resultierende Verbrauchsvorteile können nicht zwangsläufig addiert
werden. Dabei gilt zu beachten, dass das maximale Verbrauchspotenzial
bei großvolumigen
Saugmotoren größer ist
als bei dem verwendeten aufgeladenen Motor.
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Eine
Technologie zur Reduzierung des Teillastverbrauchs macht nur dann
Sinn, wenn die entstehenden Kosten durch die erreichte Verbrauchsverbesserung
gerechtfertigt werden können.
Das bedeutet, dass im Gegensatz zu den existierenden geschichteten
Direkteinspritzverfahren der Einsatz eines NOx-Speicherkatalysators
vermieden werden muss. Da die Raumzündverbrennung überstöchiometrisch
betrieben werden muss, um den maximalen Wirkungsgrad zu erzielen,
können
bei der Verbrennung entstehende Stickoxide im konventionellen 3-Wege-Katalysator
nicht reduziert werden. Die emittierte Stickoxidmenge muss also
auf einem niedrigen Niveau liegen. Über die gleiche Betrachtung
wie zum Verbrauchspotential kann nun auch eine Aussage über die
Erhöhung
der Stickoxidemission nach dem Katalysator getroffen werden (siehe 15).
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Hierbei
handelt es sich um eine Abschätzung
für einen „Kalttest", da nur während der
Kaltstartphase im konventionellen Betrieb nennenswert Stickoxide
emittiert werden. Hat der Motor ein bestimmtes Temperaturniveau
erreicht, kann in den fahrbaren Betriebspunkten Raumzündverbrennung
zugeschaltet werden. Der aufsummierte Wert liegt noch unterhalb
der 50%-Marke des EU4-Grenzwertes. Die durch RZV verursachte Mehremission
ist zudem (im Gegensatz zur Basisemission) alterungsunabhängig. Auf
den Einsatz eines NOx-Speicherkatalysators
kann also verzichtet werden.
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6. Geräusch
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Neben
der Steuerung bzw. Regelung der Verbrennung bei kontrollierter Selbstzündung bleibt
als weitere Herausforderung das durch einen hohen maximalen Druckanstieg
während
der Verbrennung verursachte Verbrennungsgeräusch, das je nach Betriebspunkt
zwischen dem Niveau eines Ottomotors und dem Niveau eines Dieselmotors
liegt (siehe 16).
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Es
gilt zwei Hauptursachen zu vermeiden: Zum einen zyklische Variationen
der Verbrennungslage, die das Motorgeräusch ungleichmäßig erscheinen
lassen, zum anderen den eigentlichen Druckanstieg während der
Verbrennung. Die Reduzierung der zyklischen Schwankungen kann mittels
der Verbrennungsregelung auf ein Mindestmaß reduziert werden. Zur Verringerung
des maximalen Druckanstiegs während
der Verbrennung muss die Brenngeschwindigkeit gesenkt werden. Dies
wird mit Hilfe von Ladungsverdünnung
erreicht. Ladungsverdünnung
wiederum kann durch Erhöhung
des Verdichtungsverhältnisses
oder durch Aufladung erfolgen.
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Nur
wenn das Verbrennungsgeräusch
reduziert wird, kann der mit kontrollierter Selbstzündung darstellbare
Betriebsbereich über
den heute dargestellten Umfang hinaus erweitert werden.
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Hierzu
zeigen
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1 den
indizierten Kraftstoffverbrauch (b) und die Kohlenwasserstoff- (HC)
und Stickoxidrohemissionen (NOx) bei konventioneller ottomotorischer
Verbrennung und Raumzündverbrennung
in Abhängigkeit von
der Restgasmasse (2000 U/min 3 bar imep),
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2 das
Eigenleuchten bei konventioneller ottomotorischer Verbrennung, die
durch eine Flammenfrontausbreitung gekennzeichnet ist, und bei homogener,
kontrollierter Selbstzündung,
bei der eine Wärmefreisetzung
im gesamten Brennraum stattfindet; dabei ist die Helligkeit ein
indirektes Maß für die auftretenden Temperaturen,
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3 Wärmefreisetzungsraten
sowie Temperaturen (verbrannt, unverbrannt) bei konventioneller
ottomotorischer Verbrennung und Raumzündverbrennung (2000 U/min,
3 bar imep),
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4 Grenzen
für den
Einsatz der kontrollierten Selbstzündung zwischen Klopfen und
unvollständiger
Verbrennung in Abhängigkeit
von Zylinderdruck und Kurbelwinkel,
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5 verschiedene
Ventilhub-Konfiguration bei verschiedenen Abgasrückhalte- bzw. -rückführkonzepten:
Variante
1 (Rücksaugen
von Restgas aus dem Auslasskanal),
Variante 2 (Zweifaches Rücksaugen
von Restgas aus dem Auslasskanal mittels zweier Auslassventile),
Variante
3 (reine Abgasrückhaltung),
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6 eine
Einspritzstrategie und ein zugehöriger
Druckverlauf bei einem erfindungsgemäßen Brennverfahren mit kontrollierter
Selbstzündung
mit negativer Ventilüberlappung,
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7 die
errechnete Temperaturänderung
zum Öffnungszeitpunkt
des Einlassventils bei einer Änderung
des Voreinspritzanteils (1500 U/min, 4 bar imep),
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8 Änderung
von indiziertem Kraftstoffverbrauch (isfc) und Stickoxidemissionen
bei unterschiedlicher Lage des Schwerpunkts der Verbrennung (MFB50)
(2000 U/min, 4 bar imep),
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9 ein
Regler-Konzept für
eine Brennkraftmaschine mit Raumzündverbrennung mit λ-Regler, Regler
für Verbrennungslage
und Regler für
den indizierten Mitteldruck,
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10 ein
Diagramm betreffend die Gleichstellung aller Zylinder eines 4-Zylinder-Motors
mit kontrollierter Selbstzündung
hinsichtlich 50%-Umsatzlage (MFB50) und indiziertem Mitteldruck,
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11 ein
Diagramm betreffend die Regelung der Zylinder eines 4-Zylinder-Motors
mit kontrollierter Selbstzündung
hinsichtlich 50%-Umsatzlage (MFB50) und indiziertem Mitteldruck
bei einem Lastsprung,
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12 ein
Diagramm zum Brennverfahrenswechsel von ottomotorischer Verbrennung
(SI) mit hoher Last (6 bar indizierter Mitteldruck) zu Raumzündverbrennung
(CAI) mit niedriger Last (3 bar indizierter Mitteldruck),
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13 ein
Diagramm zum Brennverfahrenswechsel von ottomotorischer Verbrennung
(SI) mit hoher Drehzahl (3 bar indizierter Mitteldruck) zu Raumzündverbrennung
(CAI) mit niedriger Drehzahl (3 bar indizierter Mitteldruck), wobei
sich Luftzahl λ und
maximaler Druckanstieg ändern,
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14 eine
schematische Darstellung des Kraftstoffverbrauchspotentials eines
Kfz mit 4-Zylinder-Brennkraftmaschine
mit kontrollierter Selbstzündung,
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15 eine
Abschätzung
der NOx-Emissionen bei einem Kfz mit 4-Zylinder-Brennkraftmaschine
mit kontrollierter Selbstzündung
sowie
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16 eine
Abschätzung
der Geräuschemissionen
einer 4-Zylinder-Brennkraftmaschine mit kontrollierter Selbstzündung im
Vergleich zu Brennkraftmaschinen, die nach einem konventionellen
Otto- bzw. Dieselverfahren betrieben werden (2000 U/min, 2 bar imep).
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7. Abkürzungen, Formelzeichen und
Indizes
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- EGR
- Abgasrückführung
- CAI
- Controlled Auto Ignition,
kontrollierte Selbstzündung
- CAD
- Grad Kurbelwinkel
(Crank angle degree)
- dQ/dΦ
- Pro Grad Kurbelwinkel
zugeführte
Energie
- EHVS
- Elektrohydraulische
Ventilsteuerung
- EMVS
- Elektromechanische/-magnetische
Ventilsteuerung
- IV
- Einlassventil
- Λ
- Luft-Kraftstoff-Verhältnis
- mAir
- Luftmasse
- MFB50
- 50% Umsatzpunkt der
Verbrennung
- mfuel
- Kraftstoffmasse
- mresidual
- Restgasmasse
-
gas
-
- NEDC
- Neuer Europäischer Fahrzyklus
- OT
- Oberer Totpunkt
- RZV
- Raumzündverbrennung
- SI
- Fremdzündung
- Tburnt
- Temperatur im Verbrannten
- Tunburnt
- Temperatur im Unverbrannten
- ZOT
- Oberer Totpunkt (Zündung)
- imep
- Indizierter Mitteldruck
-
8. Literatur
-
- [1] Wolters, P., Salber, W., Geiger, J., Duesmann,
M.
Controlled Auto Ignition Combustion Process with an Electromechanical
Valve Train
SAE 2003-01-0032
- [2] Fraidl, G. K., Fuerhaupter, A., Piock, W. F., Csato, J.
Homogene
Selbstzündung
beim Ottomotor – Herausforderungen,
Potentiale und praktische Umsetzung
Stuttgarter Symposium 2005
- [3] Herrmann, H.-O., Herweg, R., Karl, G., Pfau, M., Stelter,
M.
Der Einsatz der Benzindirekteinspritzung in Ottomotoren
mit homogen-kompressionsgezündeter
Verbrennung Direkteinspritzung im Ottomotor V, Haus der Technik,
Essen
2005
- [4] Rassweiler, G. M., Withrow, L.
Motion Pictures of Engine
Flames Correlated with Pressure Cards
SAE 800131
- [5] Willand, J., Nieberding, R.-G., Vent, G., Enderle, C.
The
Knocking Syndrome – Its
Cure and its Potential
SAE 982483
- [6] Nieberding, R.-G.
Die Kompressionszündung magerer Gemische als
motorisches Brennverfahren
Universität Siegen, Dissertation 2002