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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verminderung der Oberflächenreibung
und -klebrigkeit von Kautschuk und Gummi unter Verwendung von Polycarbonaten
als Gleit- und Trennmittel.
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Bei
der Herstellung und Vulkanisation von Kautschukmischungen kommt
es oft zu Verarbeitungsproblemen, die auf die Klebrigkeit des unvulkanisierten
Kautschuks, aber auch auf den hohen Reibungskoeffizienten der Oberfläche sowohl
des unvulkanisierten Kautschuks, als auch des fertig vulkanisierten
Gummiartikels zurückzuführen sind.
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Beispiele
sind das Verkleben von Kautschukfellen und -pellets bei der Zwischenlagerung,
die schlechte Entformbarkeit von Gummiartikeln am Ende der Vulkanisation,
hoher Kraftaufwand beim Aufdornen von Schlauchrohlingen und beim
Abdomen der Gummischläuche
am Vulkanisationsende, schwierige Montage und Demontage von Dichtringen,
Profilen und Reifen usw.
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Zur
Arbeitserleichterung, Steigerung der Produktivität und Verringerung der Ausschußquote werden auf
die Kautschuk- und Gummioberflächen
sowie auch auf die Oberflächen
der mit diesen in Berührung
kommenden Maschinen- und Werkzeugteile häufig Gleit- und Trennmittel
aufgetragen. Hierfür
werden üblicherweise
Stoffe aus folgenden Substanzklassen entweder in reiner Form oder
als Wasser- bzw. lösemittelbasierte Zubereitungen
verwendet, vgl. z. B. H. Umland in „Mandrel Lubricants for Automotive
Hoses – Application
and Chemistry" in
der Zeitschrift KAUTSCHUK GUMMI KUNSTSTOFFE, 54, Nr. 4, S. 172 ff.
(2001):
- – Feststoffe in Pulverform,
z. B. Talkum, Glimmer, Graphit, Metallseifen
- – Tenside,
z. B. Seifen, Sulfonate
- – Siliconöle, -harze
und -tenside
- – Polyacrylate,
Polyvinylalkohol, Polysaccharide und deren Derivate
- – Polyalkylenoxide
und ihre Derivate (Alkylether, Carboxylate)
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Der
Auftrag erfolgt in der Regel durch Einsprühen, Aufpinseln oder Tauchen.
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Sofern
sie nicht auf der Werkzeugoberfläche
verbleiben (z. B. vernetzte Siliconharze als Formtrennmittel) oder
während
der Verarbeitung von der Kautschukmischung aufgenommen werden (z.
B. Zinkstearat als Pudermittel), werden die Gleit- und Trennmittel
meistens nach der Vulkanisation von der Oberfläche des Fertigartikels entfernt,
was üblicherweise
durch Waschen mit Wasser geschieht, gegebenenfalls unter Zusatz von
Tensiden.
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Hierbei
gelangen die Gleit- bzw. Trennmittel in Form der verdünnten wässrigen
Lösung
oder Dispersion in das Abwasser, sofern die Waschlauge nach Gebrauch
nicht auf anderem Wege aufgearbeitet oder entsorgt wird.
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Im
Falle der Einleitung in das Abwasser ist ein möglichst geringer chemischer
Sauerstoffbedarf (CSB) des Gleit- bzw. Trennmittels erwünscht, um
einer Sauerstoffverarmung in der biologischen Kläranlage entgegenzuwirken. Der
CSB-Wert ist die
zur vollständigen
Oxidation von einem Gramm Substanz notwendige Menge an Sauerstoff,
gemessen in Milligramm. Ferner ist ein möglichst schneller biologischer
Abbau der Trennmittelreste erwünscht
bzw. gesetzlich vorgeschrieben.
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Voraussetzung
für das
Funktionieren eines Gleit- und Trennmittels ist inertes Verhalten
gegenüber dem
verwendeten Kautschuk bzw. Gummi, d. h., das Polymer sollte möglichst
wenig angequollen und/oder angelöst
werden, da hierdurch das Verkleben der Kontaktflächen u. U. noch verstärkt wird
und die Eigenschaften des Fertigartikels negativ beeinflusst werden.
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Speziell
bei der Vulkanisation von Gummischläuchen werden bekanntermaßen häufig noch
Copolymere aus Ethylenoxid und Propylenoxid, die nur langsam biologisch
abgebaut werden und überdies
relativ hohe CSB-Werte (> 2000
mg O2/g) besitzen, als Trenn- und Gleitmittel
eingesetzt.
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Eine
Verbesserung wurde mit wasserlöslichen
Polyestern von Dicarbonsäuren
gemäß Patent
DE 195 15 314 erreicht.
Die CSB-Werte dieser Substanzen liegen bei ca. 1800 mg O
2/g. Überdies
sind die Produkte besser biologisch abbaubar und erreichen im Abbautest
nach OECD 3028/EN ISO 9888 Abbauwerte von über 70% nach sieben Tagen.
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Im
Zuge der sich immer weiter verschärfenden behördlichen Auflagen hinsichtlich
Umweltverträglichkeit
werden zunehmend Gleit- und Trennmittel mit kleinerem CSB-Wert in
Kombination mit guter biologischer Abbaubarkeit gefordert. Ein Verfahren
zur Senkung der Oberflächenreibung
und -klebrigkeit von Kautschuk und Gummi unter Verwendung solcher
Materialien ist daher das Ziel dieser Erfindung.
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Überraschend
hat sich gezeigt, dass diese Aufgabe erfindungsgemäß durch
ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 in hervorragender
Weise gelöst
wird, indem man auf die Oberfläche
eines oder beider Reibpartner einen Polyester der Kohlensäure oder
eine Zubereitung, die mindestens 50, vorzugsweise mindestens 70
Massen-% eines Polyesters der Kohlensäure enthält, aufbringt.
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Als
Polyester der Kohlensäure
wird vorzugsweise ein Polyether-polycarbonat verwendet, das durch Umsetzung
eines Diols mit einem Dialkylcarbonat wie z. B. Dimethylcarbonat
erhältlich
ist, wobei als Diolkomponente ein Di- oder Polyalkylenglycol mit
maximal 30, vorzugsweise 2 bis 15 Alkylenoxideinheiten eingesetzt wird.
Das bevorzugte Alkylenoxid ist Ethylenoxid und/oder Propylenoxid.
Wenn es sich um Copolymere aus Ethylenoxid- und Propylenoxideinheiten
handelt, können
diese statistische Copolymere und/oder Blockcopolymere sein.
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Die
Polyester sind nicht nur durch Umesterung von Dialkylcarbonaten
mit den entsprechenden Diolen, sondern auch durch Umsetzung der
Diole mit Phosgen zugänglich.
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Bei
der Synthese der Polyester können
zusätzlich
zu den Diolen einwertige Alkohole als Reaktionskomponente eingesetzt
werden, um Endgruppen zu erzeugen. Dafür geeignete Alkohole sind Alkanole
mit 1 bis 18 C-Atomen und/oder die daraus abgeleiteten Alkylpolyglycolether
mit 2 bis 15 Alkylenoxideinheiten.
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Die
dynamische Viskosität
der erfindungsgemäß verwendeten
Polyester, gemessen nach DIN 53019 bei 20°C, beträgt 500 bis 50000 mPas, vorzugsweise
1000 bis 10000 mPas.
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Die
erfindungsgemäß verwendeten
Polyester haben auf Grund ihres höheren Massenanteils an Sauerstoff
im Molekül
naturgemäß einen
geringeren CSB-Wert als analoge Polyester von Dicarbonsäuren. In
der folgenden Tabelle sind exemplarisch die berechneten CSB-Werte
der Polycarbonate und Polyadipate einiger Polyethylenglycole gegenübergestellt.
Die Werte beziehen sich jeweils auf einen Polyester mit unendlich
großer
Kettenlänge.
| | Polycarbonat | Polyadipat |
| Diethylenglycol | 1211 | 1702 |
| Triethylenglycol | 1362 | 1721 |
| PEG
200 | 1462 | 1736 |
| PEG
300 | 1571 | 1756 |
| PEG
400 | 1628 | 1768 |
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Die
erfindungsgemäß verwendeten
Polyester können
bedarfsweise mit bis zu 50 Massen-%, vorzugsweise bis zu 30 Massen-%
an Additiven versetzt werden. Bekannte Additive sind beispielsweise
Verdünner, Verdicker,
Tenside, Stabilisatoren, Puffersubstanzen und/oder Korrosionsinhibitoren
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Beispiel 1:
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Man
gibt eine Mischung aus 1.00 mol Diethylenglycol und 1.05 mol Dimethylcarbonat
in einen Glaskolben, setzt 0.1 Massenprozent Kaliumcarbonat zu und
steigert unter Rühren
langsam die Temperatur auf 140°C.
Das bei der Reaktion anfallende Methanol und nicht umgesetztes Dimethylcarbonat
werden abdestilliert. Wenn kein Destillat mehr anfällt, läßt man die
Mischung noch 2 h unter Vakuum (10 mbar) ausreagieren.
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Man
erhält
eine gelbliche, wasseremulgierbare Flüssigkeit mit einer dynamischen
Viskosität,
gemessen nach DIN 53019, von 2080 mPas bei 20°C.
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Beispiel 2:
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Man
gibt eine Mischung aus 1.00 mol Triethylenglycol und 1.05 mol Dimethylcarbonat
in einen Glaskolben, setzt 0.1 Massenprozent Kaliumcarbonat zu und
steigert unter Rühren
langsam die Temperatur auf 140°C.
Das bei der Reaktion anfallende Methanol und nicht umgesetztes Dimethylcarbonat
werden abdestilliert. Wenn kein Destillat mehr anfällt, läßt man die
Mischung noch 2 h unter Vakuum (10 mbar) ausreagieren.
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Man
erhält
eine gelbliche, wasserlösliche
Flüssigkeit
mit einer dynamischen Viskosität,
gemessen nach DIN 53019, von 1100 mPas bei 20°C.
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Beispiel 3:
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Man
gibt eine Mischung aus 1.00 mol Polyethylenglycol 200 und 1.05 mol
Dimethylcarbonat in einen Glaskolben, setzt 0.1 Massenprozent Kaliumcarbonat
zu und steigert unter Rühren
langsam die Temperatur auf 140°C.
Das bei der Reaktion anfallende Methanol und nicht umgesetztes Dimethylcarbonat
werden abdestilliert. Wenn kein Destillat mehr anfällt, läßt man die
Mischung noch 2 h unter Vakuum (10 mbar) ausreagieren.
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Man
erhält
eine gelbliche, wasserlösliche
Flüssigkeit
mit einer dynamischen Viskosität,
gemessen nach DIN 53019, von 1200 mPas bei 20°C.
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Beispiel 4:
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Man
gibt eine Mischung aus 1.00 mol Polyethylenglycol 300 und 1.30 mol
Dimethylcarbonat in einen Glaskolben, setzt 0.1 Massenprozent Kaliumcarbonat
zu und steigert unter Rühren
langsam die Temperatur auf 140°C.
Das bei der Reaktion anfallende Methanol und nicht umgesetztes Dimethylcarbonat
werden abdestilliert. Wenn kein Destillat mehr anfällt, läßt man die
Mischung noch 2 h unter Vakuum (10 mbar) ausreagieren.
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Man
erhält
eine gelbliche, wasserlösliche
Flüssigkeit
mit einer dynamischen Viskosität,
gemessen nach DIN 53019, von 1800 mPas bei 20°C.
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Beispiel 5:
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Man
gibt eine Mischung aus 1.00 mol Polyethylenglycol 300 und 1.50 mol
Dimethylcarbonat in einen Glaskolben, setzt 0.1 Massenprozent Kaliumcarbonat
zu und steigert unter Rühren
langsam die Temperatur auf 140°C.
Das bei der Reaktion anfallende Methanol und nicht umgesetztes Dimethylcarbonat
werden abdestilliert. Wenn kein Destillat mehr anfällt, läßt man die
Mischung noch 2 h unter Vakuum (10 mbar) ausreagieren.
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Man
erhält
eine gelbliche, wasserlösliche
Flüssigkeit
mit einer dynamischen Viskosität,
gemessen nach DIN 53019, von 4400 mPas bei 20°C.
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Beispiel 6:
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Unter
Verwendung der Polyester nach Beispiel 3, 4 und 5 wurde jeweils
ein Schlauchstück
aus EPDM-Kautschuk vulkanisiert. Hierzu wurde jeweils ein Rohling
eines gewebeverstärkten
Schlauches auf 20 cm Länge
zugeschnitten. Ein Ende des Rohlings wurde ca. 3 cm tief in das
erfindungsgemäße Trennmittel
getaucht.
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Mit
diesem Ende voraus wurde der Rohling sogleich auf einen gekrümmten, vorgeheizten
Edelstahldorn (Rundstahl) passenden Durchmessers geschoben, der
zuvor ebenfalls mit dem Trennmittel benetzt worden war. Darauf wurde
der Stahldorn mit dem Rohling in einen vorgeheizten Autoklaven verbracht
und dort 30 Minuten lang in 150°C
heißem
Wasserdampf vulkanisiert. Nach Entnahme aus dem Autoklaven wurde
der vulkanisierte Schlauch sogleich wieder vom Stahldorn abgezogen.
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Das
Auf- und Abziehen des Schlauches, das ohne die Verwendung eines
geeigneten Gleit- und Trennmittels nicht zerstörungsfrei möglich gewesen wäre, war
in allen Fällen
ohne großen
Kraftaufwand mit der handschuhgeschützten Hand zu bewältigen.
Die im Schlauch verbliebenen Trennmittelreste konnten leicht mit kaltem
Wasser ausgewaschen werden.