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Die
vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung mit zumindest einer
mit biologischem Gewebe und/oder Flüssigkeit in Kontakt kommenden
Oberfläche,
welche zumindest teilweise mit einer Substanz beschichtet ist, die
die Bindung von mesenchymalen Stammzellen (MSC) vermittelt, ein
Verfahren zur Bindung und/oder Isolierung von MSC aus biologischem
Gewebe und/oder Flüssigkeit,
ein Nucleinsäuremolekül, das selektiv
und hochspezifisch an MSC bindet, die Verwendung des Nucleinsäuremoleküls zur Bindung
und/oder Isolierung von MSC aus biologischem Gewebe und/oder Flüssigkeit,
sowie ein Verfahren zur Herstellung einer eingangs genannten Vorrichtung.
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Vorrichtungen
zur Bindung von MSC sowie Verfahren zur Bindung und/oder Isolierung
von MSC aus biologischem Gewebe und/oder Flüssigkeit sind im Stand der
Technik allgemein bekannt.
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Stammzellen
sind undifferenzierte Zellen, welche die Fähigkeit besitzen, sich selbst
zu erneuern und in unterschiedliche Effektorzellen zu differenzieren.
Auf Grund dieser Eigenschaften gehören sie zu den vielversprechendsten
Forschungsobjekten der biomedizinischen Forschung und nähren die
Hoffnung, in Zukunft im Rahmen der so genannten Stammzelltherapie
Gewebe bzw. ganze Organe regenerieren zu können.
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Je
nach Herkunft werden embryonale Stammzellen und adulte Stammzellen
voneinander unterschieden.
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Embryonale
Stammzellen werden aus der inneren Zellmasse des Blastocysten-Stadiums
eines Säugetier-
oder eines menschlichen Embryos gewonnen. Sie können sich unbegrenzt teilen
und sich theoretisch zu jedem Zelltyp der ca. 200 Gewebearten des
Menschen entwickeln. Bei der Gewinnung embryonaler Stammzellen aus
dem Blastocysten im Rahmen der Stammzellforschung kommt es häufig zu
ethischen Konflikten, da der Tod des Embryos in Kauf genommen werden
muss.
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Hierzu
im Gegensatz ist die Forschung an adulten Stammzellen ethisch völlig unbedenklich,
da diese aus adulten Organismen gewonnen werden können. Adulte
Stammzellen wurden bisher in mindestens 20 Geweben des Menschen
entdeckt. Ihre Aufgabe ist es, für
die entsprechenden Gewebe Ersatzzellen zu bilden. Im Vergleich zu
embryonalen Stammzellen galten sie bisher als begrenzt teilungs-
und entwicklungsfähig:
Es wurde angenommen, dass adulte Stammzellen eines bestimmten Gewebes
keine Zelltypen eines anderen Gewebes bilden können. In letzter Zeit häufen sich
jedoch die Erkenntnisse, dass auch adulte Stammzellen über ein
wesentlich höheres
Entwicklungspotenzial verfügen,
als bisher angenommen. So wird mittlerweile in Fachkreisen weitgehend
die Auffassung vertreten, dass auch adulte Stammzellen verschiedenste
Differenzierungswege einschlagen können.
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Zu
den adulten Stammzellen zählen
auch die so genannten mesenchymalen Stammzellen (MSC). MSC finden
sich in einer Vielzahl von Geweben und Organen, wie der Leber, der
Niere, der Placenta, im Fettgewebe, im Nabelschnurblut, sowie im
Knochenmark. MSC werden im Allgemeinen als multipotente CD29+, CD44+, DC90+, CD11b–,
CD34–,
sowie CD45– Vorläuferzellen
charakterisiert, die auf Grund ihres mesenchymalen Differenzierungspotenzials
und ihrer guten In-vitro-Expansionseigenschaften eine attraktive
Zellpopulation für
den Ersatz mesenchymaler Gewebe im Rahmen des sog. Tissue-Engineerings
darstellen. MSC lassen sich in vitro in Knorpel, Knochen, Sehnen
und Fettzellen differenzieren. Dreidimensional auf unterschiedlichen Trägersubstanzen
kultiviert wurden MSC bereits in vielen Studien im Klein- und Großtiermodell
erfolgreich zum Ersatz mesenchymaler Gewebe eingesetzt. Auch eine
klinische Anwendung von MSC am Menschen wurde bereits in Pilotstudien
erfolgreich erprobt.
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Die
Isolation von MSC aus einer biologischen Probe basiert bis heute
auf dem Selektionsfaktor der Kunststoffadhärenz, d.h. auf ihrer Fähigkeit
an bestimmte Kunststoffoberflächen
adhärieren
zu können,
und auf für
MSC charakteristischen Medienbedingungen; vgl. Pittenger et al.
(1999), Multilineage potential of adult human mesenchymal stem cells,
Science 284, Seiten 143-147,
Reyes (2001), Purification and ex vivo expansion of postnatal human
marrow mesodermal progenitor cells, Blood 98, Seiten 2615-2625.
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Ein
Nachteil dieser Methode aus dem Stand der Technik besteht darin,
dass unterschiedliche MSC-Populationen gewonnen werden. Derartige
MSC-Zellen zeigen folglich unterschiedliche biologische Charakteristika,
z.B. bezüglich
ihres Proliferationsverhaltens und ihrer Matrixsynthese; vgl. Niemeyer
et al. (2003), Vergleich zweier Isolationsverfahren zur Gewinnung
humaner mesenchymaler Stammzellen aus Knochenmark, Z. Orthop. 141,
Seite 129. Über
die Kunststoffadhärenz
gewonnene MSC sind deshalb für
das Tissue-Engineering nur wenig geeignet, da hier besonders hohe
Anforderungen an die Homogenität
der MSC-Populationen
und Reproduzierbarkeit der MSC-Gewinnung gestellt werden.
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Ein
weiterer Nachteil des derzeit durchgeführten Verfahrens zur Isolierung
von MSC über
Kunststoffadhärenz
besteht darin, dass dieses sehr zeitaufwändig ist und zumindest zwei
Wochen in Anspruch nimmt.
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Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, eine Vorrichtung und
ein Verfahren zur Bindung und/oder Isolierung von MSC aus biologischem
Gewebe und/oder Flüssigkeit
bereitzustellen, die bzw. das die vorstehend genannten Nachteile
aus dem Stand der Technik überwindet.
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Die
Aufgabe wird durch eine eingangs genannte Vorrichtung gelöst, die
mit Aptameren beschichtet ist. Die Aufgabe wird ferner durch ein
Verfahren gelöst,
das folgende Schritte aufweist: (1) Bereitstellen von MSC enthaltendem
biologischem Gewebe und/oder MSC enthaltender Flüssigkeit, (2) In Kontakt bringen
des Gewebes und/oder der Flüssigkeit
mit einer an MSC bindenden Substanz, (3) Inkubation für eine Zeitspanne,
die die Bindung der MSC an die Substanz gestattet, und ggf. (4)
Isolierung der an die Substanz gebundenen MSC, wobei die Substanz
ein Aptamer ist.
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Die
der Erfindung zu Grunde liegende Aufgabe wird hiermit vollkommen
gelöst.
Die Erfinder haben überraschenderweise
festgestellt, dass Fängermoleküle in Form
von Aptameren bereitgestellt werden können, die selektiv und hochspezifisch
an MSC binden. Diese Erkenntnis war insbesondere deshalb überraschend, da
bis heute zuverlässige
MSC-Marker fehlen. So wurde vor einigen Jahren STRO-1 als vielversprechendes Oberflächenantigen
zur Identifizierung der MSC diskutiert, inzwischen jedoch wurde
seine Bedeutung wieder relativiert; vgl. Dennis et al., The STRO-1+
marrow cell Population is multipotential, Cells Tissues Organs 170, Seite
7-82. Auch das kürzlich
als MSC-Marker beschriebene Antigen W8B2 von unbekannter Identität zeigt eine
heterogene Expression auf MSC-Populationen; vgl. Vogel et al. (2003),
Heterogenity among human bone marrow-derived mesenchymal stem cells
and neuroprogenitor cells, Haematologica 88, Seiten 126-133.
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Aus
diesem Grunde sind bis heute weder Antikörper noch Aptamere bekannt,
die selektiv und hochspezifisch MSC binden. So sind in der
DE 102 58 924 A1 zwar
Aptamere erwähnt,
die an Stammzellen binden sollen, offenbart werden jedoch lediglich
solche, die ausschließlich
endotheliale Vorläuferzellen
(EPC) binden, nicht aber MSC.
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Aus
der
US 6,287,765 B1 und
WO 03/065881 A2 sind Vorrichtung mit nicht näher angegebener Zweckbestimmung
bekannt, die Nucleinsäuremoleküle mit nicht
näher beschriebenen
Charakteristika aufweisen, über
die biologisches Material eingefangen werden soll.
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Im
Stand der Technik ist darüber
hinaus eine Vielzahl von Vorrichtungen beschrieben, die mit Peptiden,
wie Rezeptoren oder Antikörpern,
beschichtet sind, die biologisches Material einfangen sollen.
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Aptamere
sind hochaffine RNA- oder DNA-Oligo- bzw. Polynucleotide, d.h. Nucleinsäuremoleküle, die auf
Grund ihrer spezifischen räumlichen
Struktur eine hohe Affinität
zu einem Zielmolekül
aufweisen. Aptamere haben in der Regel eine Länge von bis zu 100 Nucleotiden,
die zwar vergleichbare Antigen-Bindungseigenschaften
wie Antikörperfragmente
aufweisen, jedoch häufig
wesentlich spezifischer und deutlich stabiler sind. Mit ihrer relativ
großen
und flexiblen Oberfläche
können
sie potenziell mit noch mehr Zielmolekülen hochspezifisch und selektiv
interagieren. Aptamere, wenn diese in einen Organismus eingebracht
werden, zeigen kaum immunogene oder toxische Effekte, hingegen jedoch
eine rasche Clearance.
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Mittels „SELEX" (Systemic Evolution
of Ligands by Exponential Enrichment) können große Mengen von Aptameren unterschiedlichster
Sequenzen und Sekundärstrukturen
enzymatisch erzeugt wer den. Aus dieser Menge werden anschließend solche
Aptamere mit hoher Affinität
zu einem Zielmolekül,
wie bspw. MSC, herausgesucht und angereichert. Die Primärstruktur
dieses Aptamers lässt
sich mittels im Stand der Technik bekannter Sequenzierverfahren
aufklären,
so dass diese daraufhin in vitro synthetisiert werden können. Ein beispielhaftes
Verfahren zur Gewinnung von Aptameren ist bspw. beschrieben in der
DE 100 19 154 A1 ,
die durch Inbezugnahme Bestandteil der vorliegenden Anmeldung ist.
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Erfindungsgemäß kommen
als Vorrichtungen solche zur extrakorporalen Verwendung als auch
Implantate in Frage.
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Eine
extrakorporale Vorrichtung, die erfindungsgemäß mit den Aptameren beschichtet
ist, kann dabei mit biologischem Gewebe oder Flüssigkeit in Kontakt gebracht
werden, das bzw. die auf das Vorhandensein von MSC untersucht werden
soll. Ferner kann zur gezielten Isolierung von MSC eine solche Vorrichtung
mit Geweben oder Flüssigkeiten
in Kontakt gebracht werden, von denen bekannt ist, dass diese MSC
enthalten. Beispiele für
solche MSC-enthaltenden biologischen Gewebe oder Flüssigkeiten
sind Knochenmark, peripheres Blut oder Aphereseblut. Nach dem In-Kontakt-bringen
der Vorrichtung mit dem Gewebe bzw. der Flüssigkeit erfolgt eine so dass
die MSC, sofern vorhanden, an die Aptamere binden. Nach der Inkubation
wird die Vorrichtung mit den über
die Aptamere gebundenen MSC von dem Gewebe oder der Flüssigkeit
separiert. Dabei ist von Vorteil, dass die gebundenen MSC von den
Aptameren nicht zwingend getrennt werden müssen, da, je nach Lagerungsbedingungen,
die Aptamere innerhalb kürzerer
Zeit, bspw. innerhalb von 2 Tagen, vollständig degradiert sind.
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Vor
diesem Hintergrund kann es sich bei der Vorrichtung um einen einfachen
aptamerbeschichteten Träger,
aber auch um einen Schlauch, eine Pumpe, einen Oxygenator, einen
Katheter, einen Gefäßzugang, ein
Aufbewahrungssystem für
Blutkomponenten handeln.
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Vorteilhaft
an einer Aptamerbeschichtung ist ferner, dass diese stabil und sterilisierbar
ist, wodurch eine kostengünstige
Herstellung möglich
der Vorrichtung ist. Hierzu im Gegensatz verlieren Peptide durch
die Sterilisation häufig
ihre Aktivität.
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Erfindungsgemäß umfasst
biologisches Gewebe und/oder Flüssigkeit
jegliches biologisches Material tierischen oder humanen Ursprungs
bzw jegliche Flüssigkeit,
das bzw. die auf das Vorhandensein von MSC untersucht werden soll.
Dabei kann es sich um ein Gewebeverband, eine Zellsuspension oder
um Organe, Organteile oder um Organismen handeln. Beispiele für biologische
Gewebe und Flüssigkeiten
sind Knochenmarksgewebe, Knochenmarkszellen, Knorpelzellen, Knochenzellen,
Fettgewebe, Fettzellen, Lebergewebe, Leberzellen, Placentagewebe,
Plaventazellen, peripheres Blut, Nabelschnurblut, Aphereseblut.
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Es
versteht sich, dass eine Bindung und/oder Isolierung von MSC aus
biologischem Gewebe und/oder Flüssigkeit
auch mit solchen Aptameren möglich
ist, die nicht an die Oberfläche
der erfindungsgemäßen Vorrichtung
gebunden sind, d.h. die in freier Form zu dem Gewebe oder der Flüssigkeit
hinzu gegeben und ggf. anschließend über im Stand
der Technik bekannte Verfahren wieder isoliert werden. Vor diesem
Hintergrund betrifft ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung
ein Nucleinsäuremolekül bzw. ein
Aptamer, das selektiv und hochspezifisch an MSC bindet, sowie dessen
Verwendung zur Bindung und/oder Isolierung von MSC. „Selektiv" und „hochspezifisch" bedeutet in diesem
Zusammenhang, dass das erfindungsgemäße Nucleinsäuremolekül bzw. Aptamer zielgerichtet
an MSC bindet und Wechselwirkungen mit anderen Strukturen weitgehend
bis vollständig
unterbleiben bzw. sich im Rahmen üblicher Kreuzreaktivitäten bewegen.
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Dabei
ist es bevorzugt, wenn das Aptamer ein Nucleinsäuremolekül ist, das zumindest eine der
Sequenzen SEQ ID-Nr. 1 bis SEQ ID-Nr. 20 aus dem beiliegenden Sequenzprotokoll
aufweist.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass bereits die Primärstruktur eines solchen Aptamers
bereitgestellt wird, das hochspezifisch und selektiv an MSC bindet.
Die Durchführung
eines SELEX-Verfahrens
ist damit nicht mehr zwingend erforderlich. Das gewünschte Aptamer
kann vielmehr mittels einfacher und zeitsparender Syntheseverfahren
direkt hergestellt werden.
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Es
versteht sich, dass ein solch erfindungsgemäßes sequenzspezifisches Aptamer
auch dann noch hochspezifisch und selektiv MSC bindet, wenn dieses
neben einer der Nucleotidsequenzen SEQ ID-Nr. 1 bis SEQ ID-Nr. 20
an ihrem 5'- bzw.
3'-Ende ein oder
mehrere weitere Nucleotide aufweist. Gleiches gilt für den Fall,
in dem in den nicht-funktionellen Bereichen des Aptamers eines oder
mehrere Nucleotide ersetzt sind oder fehlen. Die Selektivität und Spezifität des Aptamer
bleibt bei dieser Ausführungsform
deshalb erhalten, da das Ersetzen bzw. der Austausch außerhalb
der sog. „hair
pin loops" oder „bulgs" erfolgt, bei denen
es sich um die funktionellen Bereiche eines Aptamers handelt. Diese
Bereiche nehmen die Sekundärstrukturen ein, die
für die
Bindung der Zielstruktur verantwortlich sind. Bei einer Übereinstimmung
der Nucleotidsequenzen innerhalb dieser funktionellen Bereiche können zwei
Aptamere, die sich in ihrer Nucleotidsequenz in nicht-funktionellen
Abschnitten voneinander unterscheiden, an die gleiche Zielstruktur
binden. Vor diesem Hintergrund ist von dieser Ausführungsform
erfindungsgemäß auch ein
solches Aptamer umfasst, das die funktionellen Abschnitte aus den
Nucleotidsequenzen SEQ ID-Nr. 1 bis SEQ ID-Nr. 20 aufweist, das in den nicht-funktionellen
Abschnitten aber durch Nucleotidaustausche oder Deletionen modifiziert
ist. Ein derart modifiziertes Aptamer ist in seiner Fähigkeit,
an MSC zu binden, nicht bzw. nicht wesentlich verändert.
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Die
in Rede stehenden sequenzspezifischen Aptamere können ferner mittels geeigneter
Techniken modifiziert werden, so dass sie geschützt sind und im biologischen
Milieu ihre Wirksamkeit nicht verlieren, bspw. nicht von Nucleasen
verdaut werden. Schutzmechanismen, die für diesen Zweck geeignet sind,
sind im Stand der Technik hinreichend bekannt und schließen bspw.
LNA(locked nucleic acids)-Technologien mit Furanose [siehe bspw.
Wahlestedt et al. (2000), Patent and non toxic antisense oligonucleotides
containing locked nucleic acids, Proc. Natl. Acad. Sci. USA 97 (10),
Seiten 5633 bis 5638)], oder die Spiegelmer®-Technologie
der Firma Noxxon, Berlin, Deutschland, mit ein.
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Ferner
ist es bevorzugt, wenn das Aptamer einen detektierbaren und/oder
selektierbaren Marker aufweist.
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Mit
dieser Maßnahme
können
MSC besonders leicht detektiert und selektiert werden. Erfindungsgemäß wird unter
einem Marker eine jede Verbindung verstanden, mittels derer eine
Lokalisierung und Identifizierung des Aptamers in vitro, in vivo
oder in situ möglich
ist. Hierzu zählen
Farbindikatoren mit fluoreszierenden, phosphoreszierenden oder chemilumineszierenden
Eigenschaften, wie Fluoroceinisothiocyanat (FITC), Rhodamin, AMPPD,
CSPD, radioaktive Indikatoren, wie 32P, 35S, 125I, 131I, 14C, 3H, nicht-radioaktive
Indikatoren, wie Biotin oder Dioxigenin, alkalische Phosphatase,
Meerrettich-Peroxidase, etc.
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Bei
Verwendung eines fluoreszenzmarkierten Aptamers kann das erfindungsgemäße Verfahren
im Rahmen der etablierten fluoreszenzaktivierten Zellsortierung
(FACS) eingesetzt werden. Mittels FACS lassen sich MSC besonders
gut aus einer Zellsuspension isolieren. Dazu wird die MSC enthaltende
Zellsuspension mit den fluoreszenzmarkierten Aptameren inkubiert.
Dabei binden die Aptamere an die MSC. Die Zellsuspension wird dann
durch eine dünne
Kanüle
geführt,
deren Strahl am Ende durch Vibration in einzelne Tropen aufgelöst wird.
Wenn ein Tropfen eine MSC enthält,
an die das Aptamer gebunden hat, wird der Fluoreszenzmarker durch
einen Laserstrahl zur Fluoreszenz angeregt. Diese Fluoreszenz kann
mit einem Lichtdetektor gemessen und zur Auftrennung und damit zur
Isolierung der MSC benutzt werden. Dazu werden die gebundenen MSC
mittels eines elektrischen Impulses je nach Fluoreszenzintensität aufgeladen
und beim Passieren eines elektrischen Feldes entsprechend abgelenkt
und sortiert.
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Als
selektierbare Marker kommen magnetische Partikel in Frage, die vorzugsweise
sehr klein in der Größenordnung
von 50 nm sind. Diese lassen sich über im Stand der Technik bekannte
Verfahren an die Aptamere koppeln. Derartige magnetische Aptamere
lassen sich ebenfalls zur Isolierung von MSC nutzen, und zwar im
Rahmen der sog. magnetischen Zellsortierung (MACS). Dazu werden
die magnetischen Aptamere zu der Zellsuspension gegeben. Nach einer
Inkubation haben die Aptamere an die MSC gebunden. Das Zellgemisch
wird über
eine Säule
aufgetrennt, deren ferromagnetische Matrix aus Metallkugeln oder
-drähten
besteht. Hierzu wird die Säule
in ein homogenes Magnetfeld gebracht, in dem die MSC, an die die
magnetischen Aptamere gebunden sind, an der Matrixoberfläche festgehalten
werden. Die übrigen
Zellen und Bestandteile des Gemisches werden aus der Säule ausgewaschen.
Nach Entfernen des Magnetfeldes können die separierten MSC ebenfalls
aus der Matrix gespült
werden. Diese Methode erlaubt eine schnelle Separation von MSC ohne
große
mechanische Beeinträchtigung
mit einem hohen Anreicherungsgrad, d.h, auch eine sehr kleine Population
von MSC kann fast rein isoliert werden.
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Nach
einer bevorzugten Weiterbildung ist die erfindungsgemäße Vorrichtung
ein Implantat.
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Erfindungsgemäß handelt
es sich hierbei um eine Vorrichtung, die auf bestimmte Zeit oder
auf Dauer in den menschlichen oder tierischen Körper eingesetzt wird. Hier
kommen in Frage künstliche
Herzklappen, künstliche
Hüft- oder
Kniegelenke, Herzschrittmacher, Zahnimplantate, Platten und Schrauben,
Gefäßprothesen,
Conduits, Katheter, künstliche
Blasen, die prinzipiell aus allen Polymerkunststoffen, Metallen,
Legierungen, Textilien, Naturstoffen (Chitosan), Bakterienzellulose,
etc. oder auch aus anderen dauerhaften oder degradierbaren Materialien
bestehen können.
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Weiterhin
werden in der Gefäßchirurgie
häufig
Prothesen, bspw. in Form von Stents, eingesetzt, wobei diese aus
verschiedenen Kunststoffen oder Materialien angefertigt werden.
Im Zusammenhang mit Stents, aber auch mit sonstigen Gefäßprothesen, – zugängen, Ports
oder Conduits kann es von Vorteil sein, wenn nicht notwendigerweise
alle Oberflächen
mit dem erfindungsgemäßen Aptamer
beschichtet sind, sondern nur bestimmte Flächen, wie bspw. die innere
Oberfläche,
die mit Blut in Kontakt kommen soll. Außerdem kann es gewünscht sein,
dass die Oberfläche(n)
lokal mit unterschiedlichen erfindungsgemäßen Aptameren beschichtet sind,
so dass unterschiedliche MSC-Populationen gebunden werden.
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Die
Erfindung ermöglicht
auf vorteilhafte Art und Weise die Besiedelung der Implantate mit
körpereigenen
MSC. Dadurch wird einerseits sichergestellt, dass an dem Implantat
eine autologe funktionelle Grenzfläche generiert wird, die vom
Körper
nicht mehr als fremd erkannt wird, und das Implantat die funktionellen physiologischen
Eigenschaften des jeweiligen Einsatzortes oder Organs, bspw. als
Knochenersatz, Dentalimplantat etc., übernehmen.
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Die
Besiedelung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
mit MSC kann intrakorporal, extrakorporal oder auch in einem separaten
Bioreaktor erfolgen, in dem das biologische Gewebe und/die Flüssigkeit
enthalten ist.
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Als
Implantate kommen auch sog. Patches bzw. Folien in Frage, die mit
MSC beschichtet werden sollen. Ein solches Patch besteht bspw. aus
Poly-N-Isopropylacrylamid (PIPAAm), wie in Miyahara et al. (2005), Monolayered
mesenchymal stem cells repair scarred myocardium after myocardial
infarction, Nature Medicine, Online Publication, Seiten 1 bis 7,
beschrieben. Die dortigen Autoren beschreiben die Transplantation
von mit MSC besiedelten Patches in ein myocardinfarktgeschädigtes Herz,
das durch die eingebrachten MCS eine erstaunlich gute Regeneration
zeigte. Die Autoren mussten jedoch das Patch erst mit zuvor isolierten
MSC besiedeln, und erst die besiedelten Patches wurden dann in den
Patienten implantiert. Dank der vorliegenden Erfindung kann nun
ein aptamerbeschichteter Patch direkt in das Herz eingebracht werden,
wobei die Affinität der
Aptamere anschließend
selbst für
die Besiedelung mit MSC sorgt. Das Vorrätighalten von mit MSC besiedelten
Patches und das entsprechend aufwändige vorherige Isolieren und
Besiedeln der Patches mit MSC ist nicht mehr erforderlich. Einem
bedürftigen
Patienten kann dadurch schneller geholfen werden.
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Bei
einer weiteren Ausführungsform
ist es bevorzugt, wenn als Oberfläche für die erfindungsgemäße Vorrichtung
ein Material eingesetzt wird, das aus der Gruppe ausgewählt ist
bestehend aus: Polytetrafluorethylen, Polystyrol, Polyurethan, Polyester,
Polylactid, Polygykolsäure,
Polysulfon, Polypropylen, Polyethylen, Polycarbonat, Polyvinylchlorid,
Polyvinyldifluorid, Polymethylmethacrylat, Hypoxylapatit, Isopropylacryamid, Texin
oder Copolymere davon, Nylon, silanisiertes Glas, Keramik, Metalle,
insbesondere Titan, oder Mischungen davon.
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Derartige
Materialien haben sich in den Fachgebieten, bspw. im Tissue-Engineering
bewährt,
und werden in verschiedenen Ausführungsformen
eingesetzt. Die Form der Oberfläche
kann dabei beliebig ausgewählt
sein.
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Dabei
ist es bevorzugt, wenn die Aptamere entweder direkt und/oder über ein
Linkermolekül
an der Oberfläche
der erfindungsgemäßen Vorrichtung
angebracht sind.
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Unter „Linkermolekül" oder „Linker" ist hierbei jede
Substanz zu verstehen, mit der ein Aptamer auf der Oberfläche angebracht
werden kann. Aptamere können
prinzipiell – wie
alle Nucleotide (bspw. nach Kopplung mit Amino- oder Biotingruppen) – über geeignete
Linkermoleküle
oder Spacer an die Oberfläche
der Vorrichtung angebracht werden. Verfahren zur Immobilisierung
von Oligonucleotiden sind bspw. beschrieben in „Immobilisierung von Oligonucelotiden
an aminofunktionalisierte Silizium-Wafer" (U. Haker, Chem. Diss., Hamburg, 2000),
wobei hier u.a. 1,4-Phenylendiisothiocyanat
eingesetzt wird. In der Dissertation „Miniaturisierte Affinitätsanalytik – Ortsaufgelöste Oberflächenmodifikationen,
Assays und Detektion" (I.
Stemmler, Chem. Diss., Tübingen,
1999) und in der Veröffentlichung
von Hermanson et al., „Immobilized
affinity ligand techniques" (Academic
Press, San Diego, 1992) und „Bioconjugate
Techniques" (academic
Press, San Diego, 1996) sind weitere wichtige kovalente Verfahren
zur Oberflächenmodifikation
dargestellt. So können
bspw. als funktioneller Anker SiO2, TiO2, -COOH, HfO2, -Au,
-Ag, N-Hydroxysuccinimid,
-NH2, Epoxid, Maleinimid, Säurehydrazid, Hydrazid,
Azid, Diazirin, Benzophenon, u.a., mit verschiedenen Reaktionspartnern
bei Kupplungen eingesetzt werden.
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Eine
weitere geeignete Substanz zur Anbringung eines Aptamers auf die
Oberfläche
einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
ist ein Hydrogel, das von der Firma Schott, Mainz, Deutschland unter
der Bezeichnung Nexterion® vertrieben wird, an die
dann bspw. aminomodifizierte Aptamere kovalent gebunden werden.
Vorteil haft ist auch eine Beschichtung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
mit einem blutverträglichen
Hydrogel, z.B. aus der Gruppe der PEGs oder Star-PEGs, die bspw.
eine freie Carboxylgruppe aufweisen, an die dann bspw. ein aminomodifiziertes
Aptamer kovalent gebunden werden kann. Diese Maßnahme hat den Vorteil, dass
andere Blutzelle, z.B. Thrombocyten, oder Plasmaproteine, z.B. Fibrinogen,
nicht an die Oberfläche
binden können
und somit die Bindungsstellen der Aptamere für MSC nicht überlagern
bzw. „zuclotten".
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Eine
weitere Methode zur Immobilisierung von Oligonucleotiden auf Oberflächen stellt
das Photolinking dar. Dabei wird das NH2-gekoppelte
Oligonucleotid (Aptamer) zunächst
mit einem so genannten Photolinker-Molekül versehen (z.B. Anthraquinone),
welches später
unter UV-Aktivierung photochemische Reaktionen mit einer Kunststoffoberfläche eingehen
kann und das Oligonucleotid somit kovalent an die Oberfläche bindet.
Kits und Substanzen zur Durchführung
dieses Verfahrens sind bspw. unter der Bezeichnung AQ-LinkTM und DNA ImmobilizerTM von
der Firma Exiqon (Vedbaek, Dänemark)
kommerziell erhältlich.
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Bevorzugt
ist allerdings, wenn das Linkermolekül N-Succinimidyl-3-(2-pyridyldithio)propionat
ist.
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Von
der Substanz N-Succinimidyl-3-(2-pyridyldithio)propionat konnte
gezeigt werden, dass sie bereits bei der Immobilisierung eines Regulators
des Komplementsystems auf bestimmten Oberflächen von Biomaterialien eingesetzt
werden konnte (siehe Andersson et al. "Binding of a model regulator of complement
activation (RCA) to a biomaterial surface: surface-bound factor
H inhibits complement activation",
Biomaterials 22: 2435-2443, 2001). Mit der Verwendung dieses Linkers
war die biologische Aktivität
des Regulators nicht beeinträchtigt.
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In
einer weiteren Ausführungsform
kann die erfindungsgemäße Vorrichtung
zusätzlich
mit Wachstumsfaktoren beschichtet sein.
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Diese
Ausführungsform
hat den Vorteil, dass die gebundenen MSC mittels spezifischer Wachstumsfaktoren
in die gewünschte
Richtung differenziert werden können
und dadurch die Funktionalität
der erfindungsgemäßen Vorrichtung
nochmals verbessert wird.
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Dabei
ist es bevorzugt, wenn die Wachstumsfaktoren ausgewählt sind
aus der Gruppe bestehend aus: "Platelet
derived Growth Factor" (PDGF), "Vascular Endothelial
Growth Factor" (VEGF), "Colony Stimulating Factor" (CSF), "Epidermal Growth
Factor" (EGF), „Nerve
Growth Factor" (NGF), „Fibroblast
Growth Factor (FGF) und/oder Wachstumsfaktoren aus der „Transforming
Growth Factor"(TGF)-Superfamilie.
Wachstumsfaktoren aus der Reihe der TGF-Superfamilie sind bspw.
BMPs (bone morphogenetic proteins) wie BMP-2 und BMP-7.
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Diese
Maßnahme
hat den Vorteil, dass bereits geeignete Wachstumsfaktoren bereitgestellt
werden. Im Falle der Verwendung von BMP wird eine Differenzierung
der gebundenen MSC in Osteocyten bewirkt, was ein Verwachsen eines
erfindungsgemäßen Knochenersatzimplantates
begünstigt.
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Die
Erfindung betrifft weiter ein Verfahren zur Herstellung einer Vorrichtung
mit zumindest einer mit biologischem Gewebe und/oder Flüssigkeit
in Kontakt kommenden Oberfläche,
welche zumindest teilweise mit einer Substanz beschichtet ist, die
die Bindung von mesenchymalen Stammzellen (MSC) vermittelt, das
folgende Schritte aufweist: (1) Bereitstellen von Nucleinsäuremolekülen, und
(2) Binden der Nucleinsäuremoleküle aus Schritt
(1) an die Oberfläche
einer Vorrichtung, wobei die Nucleinsäuremoleküle vorstehend beschriebene
Aptamere aufweisen.
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Es
versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend
noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern
auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar
sind, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
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Die
Erfindung wird nun anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert, die
rein illustrativ sind und die Tragweite der Erfindung nicht einschränken. Hieraus
ergeben sich weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung. Bezug
genommen wird auf die beiliegenden Figuren:
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1 zeigt Teilabbildung (A) die Charakterisierung
und Identifizierung von adulten MSCs (aMSC); 'AB' zeigt
eine osteogenetische Färbung
von aMSC gemäß Von Kossa
in 100facher Vergrößerung, 'A' zeigt die Kontrolle; 'CD' zeigt eine Färbung auf
osteogenetische alkalische Phosphatase und Hematoxylin von aMSC
in 200facher Vergrößerung, 'C' stellt die Kontrolle dar; 'EF' ist eine adipogenetische
Färbung
von aMSC mit Red Oil und Hematoxylin in 400facher Vergrößerung,
E stellt die Kontrolle dar. Teilabbildung (B) zeigt die Epitop-Identifizierung
von aMSC. Die adulten Schweine-aMSC sind CD29+,
CD44+, CD90+, SL-Klasse
I+, SLA- Klasse
II DQ–,
SLA-Klasse II DR– (die Kurve 1 stellt
die Isotypenkontrolle dar).
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2 zeigt die Bindung eines ausgewählten Aptamers
(G-8) an aMSC mittels FACS; in Teilabbildung (A) zeigt die Kurve 2 mit
FITC-G-8 inkubierte Schweine-aMSC, die Kurve 1 stellt die
Maus P19-Zellen, inkubiert mit FITC-G-8, dar. In Teilabbildung (B)
zeigt die Kurve 2 Schweine-aMSC, inkubiert mit FITC-G-8,
die Kurve 1 stellt die Ratten-aMSC dar, inkubiert mit FITC-G-8.
In Teilabbildung (C) zeigt die Kurve 2 Schweine-aMSC, inkubiert
mit FITC-G-8, die Kurve 1 zeigt humane aMSC, inkubiert
mit FITC-G-8. Teillabbildung (D) zeigt ein FACS-Assay mit Gesamtknochenmark.
Teilabbildung 1 zeigt die Bindung des Aptamers G-8 an Knochenmark, die
Teilabbildung 2 zeigt die Bindung des Aptamers G-8 mit
peripherem Blut (die Kurve 1 stellt das mit Zellen inkubierte
Aptamer G-8 dar; die Kurve 2 stellt die Zellkontrolle dar).
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3 zeigt
in Teilabbildung (A) die Aptamer-basierende Zellsortierung. Die
Zellen, die an das biotinylierte Aptamer binden, können zusammen
mit Anti-Biotin-Mikrokugeln
(rechts) separiert werden und wachsen gut auf Kulturschalen, während die
alleinigen Mikrokugeln nicht an die Zellen binden. Die Zellen wurden
durch den Magnetfilter gewaschen und keine Zellen befanden sich
auf den Magnetsäulen,
resultierend in einer kleineren Menge von Zellen auf den Kulturschalen
(links) (x100). Die Teilabbildung (B) zeigt die Ober flächenbindung
von aMSC an Aptamer-beschichtete Platten. Nach einstündiger Inkubation
wurde von der Aptamer-beschichteten Kulturplatte eine große Anzahl
von aMSC eingefangen (rechts); die Kulturplatte, die mit der Bibliothek
beschichtet wurde, fing lediglich sehr wenige aMSC ein (links) (x100).
Die Teilabbildung (C) zeigt aus Knochenmark eingefangene aMSC. Die
linke Aufnahme zeigt die Kontrolle, alleinige Kugeln, die mit Gesamtknochenmark
inkubiert wurden, wobei nur sehr wenige Zellen auf der Kulturschale
wuchsen. Die rechte Aufnahme zeigt Gesamtknochenmark, das mit dem
Aptamer inkubiert wurde (fixiert an die magnetischen Mikrokugeln),
wobei wesentlich mehr Zellen angesammelt wurden und wuchsen (x100).
-
4 zeigt die Phänotyp-Identifizierung der isolierten
aMSC. Teilabbildung (A) zeigt die Subpopulation R1 der isolierten
aMSC, gefärbt
mit PE-markierten Antikörpern
unmittelbar nach der Isolierung. Die gezeigten Ergebnisse waren
CD4–,
CD8–,
CD29–,
CD44+, CD90–;
die Subpopulation R2 der isolierten aMSC wurde mit PE-markierten
Antikörpern
unmittelbar nach der Isolierung gefärbt. Das Ergebnis zeigte CD4–,
CD8–, CD29–,
CD44+, CD90+. Die
Kurve 1 zeigt die Isotypenkontrolle. Teilabbildung (B)
zeigt, dass nach zwei Wochen der Kultivierung die isolierten aMSC
mit PE-markierten
Antikörpern
gefärbt
wurden. Die Zellen waren CD29+, CD44+, CD45– und CD90+,
wobei die Kurve 1 die Isotypenkontrolle darstellt.
-
5 zeigt
die adipogenetische und osteogenetische Differenzierung der Aptamer-isolierten
Schweine-aMSC Passage 0: (A) adipogenetische Differenzierung nach
14tägiger
Behandlung mit Hydrocortison, Isobutylmethylxanthin und Indomethacin.
Färbung
mit oil red O, Hematoxylin-Gegenfärbung (x100). (B) Kontrolle (Normalmedium;
Färbung
mit Oil red 0, Hematoxylin-Gegenfärbung (x100)).
(C) Osteogenetische Differenzierung nach 14tägiger Behandlung mit Dexamethason,
Ascorbinsäure
und β-Glycerolphosphat.
Färbung
auf alkalische Phosphatase, Hematoxylin-Gegenfärbung (x100). (D) Kontrolle
(Normalmedium; Färbung
auf alkalischer Phosphatase, Hematoxylin-Gegenfärbung (x100)).
-
6 zeigt
die Plasmastabilität.
Analyse der Stabilität
des Aptamers G-8 in humanem Blutplasma durch Agarosegel-Elektrophorese.
Zu verschiedenen Zeiten zwischen 0 Stunden bis 6 Stunden wurden
Proben entnommen. Das Ergebnis zeigt, dass das Aptamer zumindest
6 Stunden einer Degradierung standhalten kann.
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7 zeigt die adipogenetische (A) und osteogenetische
(B) Differenzierung der Aptamer-isolierten Schweine-aMSC (Passage
0) gegenüber
dem Kunststoffadhärenz-Verfahren
zur Isolierung von aMSC (Passage 0). Mononucleare Zellen wurden
aus frischem Gesamtknochenmark durch Dichtegradienten-Zentrifugation
isoliert und bei einer Dichte von 500 Zellen/Well ausplattiert (a+c).
Nach 24 Stunden wurde das Medium ausgetauscht, um nicht-adhärente Zellen
zu entfernen. Dann wurde adi pogenetisches oder osteogenetisches oder
normales Medium hinzu gegeben. Aptamer-isolierte aMSC wurden bei
einer Dichte von 500 Zellen pro Well ausplattiert (b+d). Nach 24
Stunden wurde das Medium ausgetauscht und adipogenetisches oder
osteogenetisches oder normales Medium wurde hinzu gegeben. Nach
5 Wochen, nachdem die Aptamer-isolierten Zellen Konfluenz erreicht
hatten, wurde die Färbung
durchgeführt:
(A) (adipogenetische Differenzierung): a: Gesamtknochenmark – 24 Stunden
Adhärenz,
adipogenetisches Medium; b: Aptamer-isolierte aMSC – 24 Stunden
Adhärenz,
adipogenetisches Medium; c: Gesamtknochenmark – 24 Stunden Adhärenz, Kontrolle (normales
Medium); d: Aptamer-isolierte aMSC – 24 Stunden Adhärenz, Kontrolle
(normales Medium). Färbung
mit oil red 0, Hematoxylin-Gegenfärbung. (B) (osteogenetische
Differenzierung): a: Gesamtknochenmark – 24 Stunden Adhärenz, osteogenetisches
Medium; b: Aptamer-isolierte aMSC – 24 Stunden Adhärenz, osteogenetisches
Medium; c: Gesamtknochenmark – 24
Stunden Adhärenz,
Kontrolle (normales Medium); d: Aptamer-isolierte aMSC – 24 Stunden
Adhärenz,
Kontrolle (normales Medium). Färbung
auf alkalische Phosphatase, Hematoxylin-Gegenfärbung. In den Wells a und c
wurde kein Zellwachstum festgestellt (Kunststoffadhärenz-Verfahren
zur Isolierung von aMSC), während
Aptamer-isolierte Zellen (b und d) gut wuchsen und adipogenetische
(A, b) und osteogenetische (B, b) Differenzierung zeigten.
-
Beispiel
-
1. Materialien und Methoden
-
1.1 aMSC-Isolierung und -Kultivierung
-
Frisches
Knochenmark wurde unter sterilen Bedingungen aus dem Schweinefemur
extrahiert. Die Tiere (Schweine, deutsche Landrasse, 50 kg, männlich)
wurden gemäß den Tierschutzauflagen
der Universität Tübingen gehalten
und behandelt. Schweine-aMSC wurden gemäß bekannten Modifizierungsverfahren
isoliert; vgl. Ponomarev et al. (2003), Preliminary results of enhanced
osteogenesie by Fibrogammin and mesenchymal stem cells on chronOS
cylinders, European Cells and Materials 5, Seite 80. Kurz gesagt,
es wurden mononucleare Zellen (MNC) aus Knochenmarkaspirat durch
Zentrifugation über
einen Ficoll-Histopaque-Layer isoliert (30 min, 300g, Dichte 1,077).
Nach der Zentrifugation wurden die Zellen unter Standardkultivierungsbedingungen
mit Nieder-Glucose-Dulbecco's
modifiziertem Eagle's
Medium (DMEM; Gibcol), versetzt mit 10%igem fötalem Kälberserum, Penicillin (50 U/ml)
und Streptomycin (50 μg/ml),
kultiviert. Das Medium wurde nach 24 Stunden und anschließend zweimal
pro Woche ausgetauscht. Nachdem die Zellen 80% Konfluenz erreicht
hatten, wurden diese durch 0,25%ige Trypsin-EDTA-Lösung abgelöst und erneut
für die
Präparation von
SELEX und Differenzierungspotenzialbewertungen ausplattiert.
-
Auf
gleiche Art und Weise wurden Ratten- und humane aMSC für Spezifitätstests
(FACS mit Aptamer) isoliert und charakterisiert. Die Tiere (Sprague
Dawley-Ratten) wurden gemäß den Tierschutzbestimmungen der
Universität
Tübingen
gehalten und behan delt. Das humane Knochenmark wurde während orthopädischer Operationen
entnommen und durch das lokale Ethikkomitee der Universität Tübingen gemäß der Erklärung von
Helsinki genehmigt. Die Maus-P19-Zellen wurden von ATCC (Manassas,
VR, Vereinigte Staaten von Amerika) bezogen.
-
1.2 aMSC-Charakteristika
-
Das
Potenzial von aMSC, in adipogenetische und osteogenetische Linien
zu differenzieren, wurde wie folgt getestet. Zur osteogenetischen
Differenzierung wurden die aMSC in einem osteogenetischen Kultivierungsmedium
kultiviert, das 0,2 mM L-Ascorbinsäure, 2-Phosphat-Magnesiumsalz
n-Hydrat und 0,01 μM
Dexamethason (Dex) (Sigma-Aldrich Co.), 10 mM β-Glycerophosphat enthielt. Nach
21 Tagen wurden die subkultivierten Zellschichten mit phosphatgepufferter
Saline PBS gewaschen und mit 4% Paraformaldehyd fixiert und gemäß dem alkalischen
Phosphatase-Färbekit (Sigma
Kit #85) gefärbt.
Nach fünfwöchiger Subkultivierung
wurde die Ablagerung von mineralisierter Knochenmatrix durch von-Kossa-Färbung identifiziert.
Die Zellschichten wurden mit 4% Paraformaldehyd fixiert, mit 2%
Silbernitratlösung
(w/v) für
10 Minuten im Dunkeln inkubiert, gründlich mit deionisiertem Wasser
gewaschen und anschließend
für 15
Minuten gegenüber UV-Licht
exponiert. Zur adipogenetischen Differenzierung wurden die aMSC
mit Wachstumsmedium stimuliert, das versetzt war mit 0,5 μM Hydrocortison,
0,5 mM 3-Isobutyl-1-methylxynthin
und 60 μM
Indomethacin (Sigma-Aldrich), und zwar für 3 Wochen mit einem zweimal
pro Woche erfolgenden Mediumaustausch. Die Zellen wurden mit PBS
gewaschen, mit 10% Formalin für
10 Minuten fixiert, mit destilliertem Wasser gewaschen, mit 60%
Isopropanol gespült
und mit einer 3%igen oil red O-Lösung (Sigma-Aldrich)
in 60% Isopropanol bedeckt. Nach 10 Minuten wurden die Kulturen
kurz in 60%igem Isopropanol gespült
und gründlich
mit destilliertem Wasser gewaschen und bei Raumtemperatur trocknen
gelassen. Die Oberflächenmarkeridentifizierung
mit den kultivierten MSC erfolgte durch FITC-markierte monoklonale
Antikörper
gegen CD29, CD44, CD45, CD90, SLA-Klasse I, SLA-Klasse DQ und SLA
DR (Becton Dickinson, Deutschland, Heidelberg). Zur Kontrolle der Isotypen
wurden nicht-spezifische Maus-IgG anstelle des primären Antikörpers verwendet.
-
1.3 Selektion der Aptamerbindung an aMSC
-
1.3.1 DNA-Bibliothek und Primer
-
Die
DNA-Oligonucleotid-Bibliothek enthält eine 40 Nucleotid lange,
zentrale, randomisierte Sequenz, flankiert durch Primerstellen an
jeder Seite (für
die Schweine-MSC-Aptamere: 5'-GAATTCAGTCGGACAGCG-N40-GATGGACGRATATCGTCTCCC-3'; für die humanen
MSC-Aptamere: 5'-GGGAGCTCAGAATAAACGCTCAA-N50-TTCGACATGAGGCCCGAAAC-3'). Die Größe der Bibliothek
beträgt
etwa 1015. Der FITC-markierte Vorwärts-Primer
(5'-C12-FITC-GAATTCAGTCGGACAGCG-3' und der Biotin-markierte
Rückwärts-Primer
(5'-Bio-GGGAGACGATATTCGTCCATC-3') wurden in der PCR
verwendet, um doppelsträngige DNA
zu erhalten und die einzelsträngige
DNA durch Streptavidin-beschichtete magnetische Kugeln (M-280-Dynabeads, Dynal,
Hamburg, Deutschland) abzutrennen. Die Bibliothek und sämtliche
Primer wurden von Operon Technologies (Köln, Deutschland) synthetisiert.
-
1.3.2 SELEX-Verfahren
-
Die
Selektion von DNA-Aptameren gegen Schweine-aMSC wurde wie folgt
durchgeführt.
4 nmol ssDNA-Pools wurden in Selektionspuffer enthaltend 50 mM Tris-HCl
(pH 7,4), 5 mM KCl, 100 mM NaCl, 1 mM MgCl2 und
0,1 % NaN3 für
10 Minuten bei 80°C
Hitze denaturiert und dann bei 0°C
für 10
Minuten renaturiert. Um die Hintergrundbindung zu reduzieren, wurde
ein fünffacher
molarer Überschuss
von Hefe tRNA (Invitrogen, Karlsruhe, Deutschland) und Rinderserumalbumin
(BSA, Sigma-Aldrich, München,
Deutschland) hinzu gegeben. Die mesenchymalen Stammzellen (Passage
2, 106 Zellen für die erste Runde und 105 Zellen für die weiteren Runden) wurden
mit der ssDNA bei 37°C
für 30
Minuten in dem Selektionspuffer inkubiert. Die Partitionierung von
gebundenen und ungebundenen ssDNA-Sequenzen erfolgte durch Zentrifugation.
Nach Zentrifugation und dreimaligem Waschen mit 1 ml Selektionspuffer
(mit 0,2 % BSA) wurde zellgebundene ssDNA durch PCR amplifiziert
(Master Mix von Promega, Mannheim, Deutschland). FITC- und Biotin-markierte
Primer wurden zur PCR-Amplifizierung verwendet (25 Zyklen von 1
min bei 94°C,
1 min bei 48°C
und 1 min bei 72°C, gefolgt
von 10 min bei 72°C).
Für die
FACS-Analyse wurde
FITC-markierte ssDNA wie oben beschrieben präpariert. Unter Verwendung von
unmodifizierten Primern wurden aus der zehnten Runde der Selektion
erhaltene Aptamere PCR-amplifiziert und in Escherichia coli unter
Verwendung des TA-Klonierungskits (Invitrogen) kloniert. Plasmide
von individuellen Klonen wurden durch das Plasmid-Extraktionskit
(Qiagen, Düsseldorf, Deutschland)
isoliert und die Inserts wurden PCR-amplifiziert und mit ABI PRISM® 377
DNA-Sequencer (Applied Biosystems, Darmstadt, Deutschland) sequenziert.
Individuelle FITC- Aptamere
wurden präpariert,
um die Affinitätsbindungstests
durchzuführen.
-
Die
Selektion von DNA-Aptameren gegen humane aMSC wurde entsprechend
durchgeführt.
-
1.4 Aptamerbindung an MSC
-
1.4.1 FACS-Assay zur Aptamerbindungsaffinität gegenüber aMSC
-
200
pmol des FITC-markierten Aptamers wurden mit 105 aMSC
bei 37°C
für 30
min inkubiert, dreimal gewaschen und mit FACS analysiert (BD, Heidelberg,
Deutschland), die gleiche Menge von Maus-P19-Zellen, Ratten-MSC,
die mit dem Aptamer inkubiert wurde, wurde in der Kontrolle verwendet.
Die Sekundärstruktur des
Aptamers wurde durch DNASYS-Software (Version 2,5; Hitachi Software
Engineering Co) analysiert.
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1.4.2 Aptamerbindung an aMSC
-
Biotinylierte
Aptamere wurden durch OPERON synthetisiert und mit 105 aMSC
für 30
min bei 37°C
inkubiert, dreimal gewaschen und mit Anti-Biotin-Mikrokugeln (Miltenyi
Biotec, Bergisch Gladbach, Deutschland) für 15 min bei 0°C inkubiert.
Die gleiche Anzahl von aMSC ohne Aptamer wurde mit Anti-Biotin-Mikrokugeln inkubiert
und diente als Negativkontrolle. Die Mischung wurde dreimal gewaschen
und durch eine Magnetsäule
gefiltert. Anschließend
wurde die Säule
von dem Magnethalter entfernt und die Kugeln wurden in Zellkultivierungsmedium
gegeben.
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1.4.3 Aptamerbindung an aMSC in Gesamtknochenmarksblut
-
FACS:
10 ml frisches Knochenmarksblut wurden mit Ammoniumchlorid lysiert
und mit FITC-markiertem Aptamer (200 pmol) für 30 min bei 37°C inkubiert.
Nach dreimaligem Waschen wurden die Zellen mittels FACS analysiert.
Die gleiche Menge von peripherem Blut wurde identisch behandelt,
um als Kontrolle zu dienen.
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Einfangexperiment:
20 ml frisches Knochenmark wurde mit Ammoniumchlorid lysiert und
mit PBS (2% FBS, 1 mM EDTA) resuspendiert. FcR-blockierender Antikörper und
1 nmol Aptamer wurden für
30 min zu der Knochenmarkslösung
bei Raumtemperatur hinzu gegeben. EasySep-Biotin-Selektionscocktail
(cellsystems, St. Katharinen, Deutschland) wurde hinzu gegeben und
für 15
min inkubiert. Anschließend
wurden EasySep magnetische Nanopartikel hinzu gegeben und für 10 min
inkubiert. Die Mischung wurde in den Magneten gegeben und für 5 min
bei Seite gestellt. Der Überstand
wurde herausgezogen und die magnetisch markierten Zellen wurden
zweimal mit Puffer gewaschen und weiterkultiviert.
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1.5 Aptamer-vermittelte aMSC-Adhäsion an
eine feste Oberfläche
-
Eine
12-Well-Zellkultivierungsplatte (Greiner, Nürtingen, Deutschland) wurde
mit Streptavidin über Nacht
bei 4°C
beschichtet, anschließend
mit PBS-T (0,05% Tween-20) mehrere Male gewaschen. Das biotinylierte
Aptamer und die biotinylierte Bibliothek (Kontrolle) (1 nmol) wurden
zu den verschiedenen Wells hinzu gegeben und bei 30°C für 4 Stunden
inkubiert. Die Platte wurde mit PBS-T gewaschen und mit aMSC bei
37°C für 30 min
bei langsamem Schütteln
inkubiert. Anschließend
wurde das Medium von der Platte entfernt und die nicht-adhärenten Zellen
wurden verworfen. Die Zelladhäsion
wurde unter einem Inversmikroskop (Zeiss Axiovert 135, Zeiss, Oberkochen,
Deutschland) beobachtet.
-
1.6 FITC-Aptamer-vermittelte aMSC-Isolierung
-
20
ml Knochenmark wurden lysiert, um die roten Blutzellen zu entfernen.
4 nmol FITC-markiertes Aptamer wurden mit dem Knochenmark für 30 min
bei 37°C
inkubiert, gefolgt von 3 Waschschritten, und die Knochenmarkszellen
wurden mittels FACS analysiert. Die FITC-positiven Zellen wurden
isoliert und für
weitere Analysen gesammelt.
-
1.7 Charakterisierung der sortierten aMSC
-
1.7.1 Phänotyp-Identifizierung der isolierten
aMSC
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20
ml Blut mit Gesamtknochenmark aus einem erwachsenen Schwein wurden
lysiert, um die roten Blutzellen zu entfernen. Das FITC-markierte Aptamer
wurde hinzu gegeben und für
30 min bei 37°C
inkubiert. Nach dreimaligem Waschen wurden die Zellen unter sterilen
Bedingungen mittels Hochgeschwindigkeits-FACS analysiert (FACS-Sort;
Becton Dickinson, Heidelberg, Deutschland) und die FITC-positiven
Zellen wurden isoliert und in PBS gesammelt. Einige der isolierten
Zellen wurden das zweite Mal durch PE-markiertes CD4, CD8, CD29,
CD44, CD45 und CD90 analysiert; der Rest der isolierten Zellen wurde
für zwei
Wochen kultiviert und durch PE-markierte Antikörper CD29, CD44, CD45 und CD90
(Becton Dickinson, Heidelberg, Deutschland) analysiert.
-
1.7.2 Differenzierung der isolierten aMSC
-
Die
isolierten aMSC wurden in osteogenetischem Kultivierungsmedium und
adipogenetischem Kultivierungsmedium kultiviert. Die Färbung auf
alkalische Phosphatase und die Oil red-Färbung wurden durchgeführt, wie
beschrieben.
-
1.8 Vergleich der Effizienz der aMSC-Isolierung
mittels konventioneller Kunststoffadhärenz und der erfindungsgemäßen Aptamer-basierenden
MSC-Isolierung
-
Um
die Effizienz einer aMSC-Isolierung zu evaluieren, wurden das adipogenetische
und osteogenetische Differenzierungspotenzial und die Menge der
isolierten Zellen miteinander verglichen. Mononucleare Zellen wurden
aus frischem Gesamtknochenmark des Schweins durch Dichtegradienten-Zentrifugation
isoliert und mit einer Dichte von 500 Zellen/Well ausplattiert.
Nach 24 Stunden wurde das Medium ausgetauscht, um nicht-adhärente Zellen
zu entfernen. Anschließend
wurde adipogenetisches oder osteogenetisches oder normales Medium
hinzu gegeben. Aptamerisolierte aMSC wurden mit derselben Dichte
(500 Zellen/Well) ausplattiert. Nach 24 Stunden wurde das Medium
getauscht und adipogenetisches oder osteogenetisches oder normales
Medium wurde hinzu gegeben. Nach 5 Wochen, nachdem die Aptamer-isolierten Zellen
Konfluenz erreicht hatten, wurde das adipogenetische und osteogenetische
Anfärbeverfahren
gestartet.
-
1.9 Plasmastabilität
-
Frisches
humanes Plasma wurde durch 20minütige
Zentrifugation (3000 g) von Gesamtblut präpariert. 8 nmol des Aptamers
wurden bei 37°C
in einem Endvolumen von 0,5 ml von frisch präpariertem, heparinisiertem,
humanem Plasma inkubiert. Proben von 50 μl wurden nach 0, 0,5, 1, 1,5,
2, 2,5, 3 und 6 Stunden entnommen. Die Reaktionen wurden durch Zugabe
von 10 μl
von Ladepuffer und anschließender
Lagerung auf Eis beendet. Volllängen- und verdaute Oligonucleotide
wurden auf einem 2%igen Agarosegel separiert und photodokumentiert.
-
2. Ergebnisse
-
2.1 aMSC-Isolierung und Charakteristiken
-
Schweine-
und humane aMSC wurden erfolgreich aus Knochenmark über Gradientenzentrifugation isoliert,
in einer Monolayer-Kultur
expandiert und auf das osteogenetische Differenzierungspotenzial
evaluiert. Fibroblastenzellen mit bipolarer bis polygonaler Spindel
wurden 4 Tage nach dem ersten Ausplattieren beobachtet. Die Zellen
erreichten nach 12 Tagen der Kultivierung die Konfluenz. Nach der
ersten Passagierung zeigten die Zellen einen uniformen Monolayer.
Die in osteogenetischem Medium kultivierten aMSC zeigten sich nach
8 Tagen bzw. 28 Tagen ALP-positiv und Von-Kossa-positiv (Calciummineralpräzipitation).
Die in adipogenetischem Differenzierungsmedium kultivierten aMSC
zeigten sich positiv für
eine red oil-Färbung,
wohingegen sämtliche
Kontrollen negativ waren (1(A)). Die
Oberflächenmarkerfärbung zeigte,
dass die adhärenten
Zellen CD29+, CD44+,
CD45–,
CD90+, SLA-Klasse I+,
SLA-DQ– und
SLA-DR– waren
(1(B)).
-
2.2 Selektion von Aptameren mit hoher
Affinität
für MSC
-
Aus
Schweine- und humanem Knochenmark gewonnene aMSC wurden als Target
zur in vitro-Selektion von Aptameren aus einem randomisierten Pool
von DNA-Molekülen
verwendet. Die Ausgangsbibliothek bestand aus 79-mer einzelsträngigen DNA-Molekülen, die
randomisierte 40-Nucleotid-Inserts enthielten. Diese Bibliothek
wurde auf eine Anzahl von kultivierten Zellen in der gleichen Passage
angewendet, wodurch nicht-spezifische Interaktion minimiert wird.
Um die Anreicherung von spezifischen zellbindenden Aptameren während der
Selektion zu verfolgen, wurden SELEX-Pools der zweiten und der folgenden
Runden durch FACS nach der Inkubation mit aMSC analysiert. In jeder
Selektionsrunde wurde die Konzentration von Kompetitor-DNA erhöht, um auf
einen Aptamerpool mit höherer
Affinität
und höherer
Spezifität
zu selektieren. Die Analyse von Fluoreszenz-markierten Pools in
aufeinander folgenden Zyklen der Selektion zeigte einen Shift von dem
Histogramm der zweiten Runde in Richtung höherer Fluoreszenzintensität. Nach
10 Runden der Selektion zeigte die Fluoreszenz des Pools keine weitere
Zunahme, der Pool wurde dann kloniert und sequenziert.
-
Sequenzen
aus 20 Klonen wurden erhalten, deren Inserts wurden analysiert und
in mutmaßliche
Familien durch Ausrichtung von Konsensus-Motiven einsortiert. Die
Motive wurden mittels Computerunterstützter Suchmaschinen identifiziert.
Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt die Nucleotidsequenzen der 20 Aptamere,
die entweder über
die Selektion gegen Schweine-MSC oder humane MSC erhalten wurden
und spezifisch sind für MSC.
-
-
Tabelle
1: Sequenzspezifische Aptamere gegen MSC
-
2.3 Bindung von Aptameren an aMSC
-
FACS-Tests:
Die Fluoreszenz einer Bindung eines exemplarischen Aptamers, das
die Nucleotidsequenz SEQ ID-Nr. 6 aufweist (G-8) an aMSC ist in
den 2(A) bis 2(C) dargestellt,
in denen die spezifische Bindung der Aptamere an aMSC gezeigt ist.
-
Isolierungsexperiment:
aMSC, die an das biotinylierte Aptamer gebunden haben, können unter
Verwendung von Anti-Biotin- Mikrokugeln
isoliert und angereichert werden. Über das biotinylierte Aptamer
können aMSC
fixiert werden, wenn diese durch eine Magnetsäule filtriert werden. wie in 3(A) gezeigt, können die Anti-Biotin-Mikrokugeln
(„Mikrobeads") allein keine aMSC
isolieren, so dass es keine in der Kulturschale wachsenden Zellen
beobachtet werden (linke Aufnahme, Negativkontrolle). Die Anti-Biotin-Mikrokugeln
mit dem auf der Oberfläche
fixierten biotinylierten Aptamer können an aMSC binden, so dass
wachsende Zellen detektiert werden können (rechte Aufnahme). Dieses
Ergebnis zeigt, dass das Aptamer in der Lage ist, MSC aus der Zelllösung zu
isolieren.
-
2.4 Bindung von Aptameren an aMSC in Gesamtknochenmark
-
FACS-Assay:
Das Aptamer G-8 zeigt nahezu keine Bindung an periphere Blutzellen
im Vergleich mit Gesamtknochenmark (1(B)).
-
Einfangexperiment:
Mit dem EasySep-Biotin-Selektionskit können aMSC aus Gesamtknochenmark mit
biotinyliertem Aptamer markiert und direkt isoliert werden. Wie
in 3(B) (links) gezeigt, gab es ohne
Aptamer-Beschichtung keine spezifische Bindung zwischen den Kugeln
und aMSC, was in einem lediglich sehr geringen Zellwachstum auf
der Kultivierungsplatte resultiert. Die rechte Aufnahme demonstriert,
dass aMSC mit Aptamer-markierten Kugeln eingefangen werden können und
gut auf Kultivierungsplatten wachsen (3(B)).
-
2.5 Aptamer-vermittelte aMSC-Adhäsion auf
einer festen Oberfläche
-
Das
biotinylierte Aptamer wurde auf einer Streptavidin-beschichteten Platte
immobilisiert, gefolgt von einer Zugabe von aMSC zu der Oberfläche. Im
Vergleich mit der Platte ohne Aptamerbeschichtung adhärierten an
der Aptamer-beschichteten Platte mehr Zellen in kürzerer Zeit.
Das Ergebnis zeigt, dass das Aptamer sehr gut an das Target binden
kann, wenn es auf einer festen Oberfläche immobilisiert ist (3(C)).
-
2.6 Charakterisierung der isolierten aMSC
-
2.6.1 Phänotypische Identifizierung
der isolierten aMSC
-
Mononucleare
Zellen aus Knochenmark wurden mit dem FITC-markierten Aptamer G-8 durch Hochgeschwindigkeits-FACS
gesammelt und mit PE-markierten Antikörpern analysiert. Das Ergebnis
zeigt zwei Subpopulationen von isolierten Zellen. Die erste Subpopulation
(R1) enthaltend kleine granuläre
Zellen war CD4– (82,2 %), CD8– (80,5
%), CD29– (70,7
%), CD44+ (90,9 %), CD45+ (86,4
%) und CD90– (77,6
%). Die zweite Subpopulation (R2) enthaltend kleine und nicht-granuläre Zellen
war CD4– (98,9),
CD8– (98,9
%), CD29– (83,7
%), CD44+ (87,7 %), CD45+ (99,2
%) und CD90+ (91,8 %). Die isolierten Zellen
wurden für
14 Tage (Passage 0) kultiviert und auch mit PE-markierten Antikörpern gefärbt. Die
Ergebnisse zeigten, dass diese CD29+ (98,0),
CD44+ (99,6 %), CD90+ (99,5)
und CD45– (87,6
%) waren, was übereinstimmt
mit zuvor beschriebenen Markern von aMSC in Kultur (4).
Im Gegensatz zu den frisch isolierten Zellen konnte keine definierte
Subpopulation ausfindig gemacht werden und die kul tivierten Zellen
regelten CD29 hoch und verloren das CD45-Antigen.
-
2.6.2 Differenzierung der isolierten aMSC
-
Die
adipogenetische und osteogenetische Differenzierung der Aptamer-isolierten
Schweine-aMSC in Passage 0 zeigte, dass die isolierten aMSC ein
hohes Potenzial zur Differenzierung in Adipocyten und Osteoblasten
haben (5).
-
2.7 Effizienz der aMSC-Isolierung
-
Es
konnte kein Zellwachstum in den Wells festgestellt werden, in denen
mononucleare Zellen aus Gesamtknochenmark ausplattiert wurden (ursprünglich ausplattiert:
500 Zellen/Well; konventionelles Verfahren der Kunststoffadhärenz über 24 Stunden
zur Isolierung von aMSC, 7(A)a; 7(B)c), wohingegen Aptamer-isolierte Zellen
gut wuchsen und adipogenetische (7(A)b)
und osteogenetische (7(B)b) Differenzierung
zeigten (ursprünglich
ausplattiert: 500 Zellen/Well; Mediumsaustausch nach 24 Stunden).
-
Dieses
Ergebnis demonstriert, dass das erfindungsgemäße Verfahren zur Isolierung
von MSC dem bislang im Stand der Technik durchgeführten Verfahren,
bei dem die Isolierung der MSC über
Kunststoffadhärenz
erfolgt, deutlich überlegen
ist.
-
2.8 Plasmastabilität
-
Für klinische
oder therapeutische Anwendungen sollten die Aptamere gegen die schnelle
Degradierung durch Exo- und Endonuclea sen resistent sein. Humanes
Plasma enthält
hauptsächlich
eine hohe 3'-Exonuclease-Aktivität. In humanem
Blutplasma konnte das G-8-Aptamer einer Degradierung durch Nucleasen über 6 Stunden
widerstehen, was über
Agarosegelanalyse detektiert wurde (6), weshalb
keine zusätzliche Modifizierung
erforderlich war, um die Stabilität nochmals zu erhöhen.
-
Es folgt ein
Sequenzprotokoll nach WIPO St. 25.
Dieses kann von der
amtlichen Veröffentlichungsplattform
des DPMA heruntergeladen werden.