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Die
Erfindung betrifft eine Bassklarinette gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs
1.
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Bassklarinetten
sind heute im Wesentlichen in zwei klassischen Bauarten erhältlich.
Einerseits gibt es die sog. „deutsche" Klarinette, welche
auf Johann Christoph Denner (1655-1707) zurückgeht. Andererseits gibt es
die sog. Böhm-Klarinette,
welche auf dem von dem Flötisten
und Flötenbaumeister Theobald
Böhm (1794-1881) entwickelte
Böhm-Griffsystem
aufbaut.
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Während die
Böhm-Klarinette
weltweit verbreitet ist, wird hauptsächlich im deutschsprachigen Raum
noch die klassische deutsche Klarinette gespielt, wobei sich die
Böhm-Klarinette
von der deutschen Klarinette nicht nur im Griffsystem unterscheidet,
sondern auch im Klang. Von Musikern wird dabei in klanglicher Hinsicht
hauptsächlich
die Böhm-Klarinette
bevorzugt, weil sie eine kräftigere,
breitere und weichere Klangfarbe als die deutsche Klarinette hat und
der Musik mehr Volumen zu verleihen vermag. Dies liegt unter anderem
an dem größeren Innendurchmesser
des Holzkorpus der Böhm-Klarinette (22,5-23
mm) gegenüber
demjenigen der deutschen Klarinette (20-20,5 mm).
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Ein
weiterer Vorteil der Böhm-Klarinette
gegenüber
der deutschen Klarinette liegt in der großen Zahl von verschiedenen,
auf dem Markt erhältlichen Mundstücken für die Bassklarinette
von verschiedenen Anbietern und der aufgrund der weltweiten Konkurrenz
entsprechend niedrigen Preisen dieser Mundstücke. Während es für die deutsche Bassklarinette
lediglich zwei verschiedene Mundstücke gibt, gibt es für Bassklarinetten
nach Böhm-Bauart über 40 verschiedene
Mundstücke.
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Um
auch Spielern, die das deutsche Griffsystem gewöhnt sind, den Umstieg auf Böhm-Bassklarinetten
zu ermöglichen,
werden heute schon von einigen Instrumentenbauern, z.B. dem Anmelder
oder der tschechischen Firma Belcanta Bassklarinetten mit dem von
der Böhm-Klarinette
her bekannten großen
Innendurchmesser des Holzkorpus, jedoch mit deutscher Griffweise
angeboten. Diese Bassklarinetten mit Böhm-Innendurchmesser und deutscher
Griffweise weisen einen S-Bogen
auf, der eine Mundstück-Aufnahme
mit dem Holzkorpus verbindet und in nendurchmessermäßig auf
den im Verhältnis
zur deutschen Bassklarinette großen Innendurchmesser der Böhm-Bassklarinette
abgestimmt ist. Ferner ist die Mundstück-Aufnahme zur Aufnahme eines
für eine
Böhm-Bassklarinette
genormten Böhm-Mundstücks ausgelegt,
welches einen Innendurchmesser von 23 mm aufweist (gegenüber einem
Mundstück für eine deutsche
Bassklarinette mit einem Innendurchmesser von 22 mm).
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Von
vielen Bassklarinettisten, die eine deutsche Bassklarinette gewöhnt sind,
wird diese Art von Böhm-Klarinette
mit deutscher Griffweise bzw. Klappenmechanik aber trotzdem nach
wie vor abgelehnt, weil sie das Spielen mit deutschem Mundstück gewöhnt sind
und sich das Böhm-Mundstück nicht
nur ungewohnt im Mund anfühlt,
sondern auch eine andere Blasweise erfordert.
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Hiervon
ausgehend ist es daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine
Bassklarinette mit deutscher Griffweise zu schaffen, die mit Böhm-Mundstück und mit
deutschem Mundstück
gespielt werden kann, ohne dass es zu einer unerwünschten
Tonlagen-Verschiebung kommt.
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Diese
Aufgabe wird mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
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Erfindungsgemäß ist dazu
eine Bassklarinette gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 dadurch weitergebildet, dass ihr Korpus zumindest
im Bereich seines Oberteils einen Innendurchmesser von 21 mm bis
22 mm aufweist, vorzugsweise 21,2 mm bis 21,7 mm, beispielsweise
21,5 mm und der S-Bogen einen Innendurchmesser, welcher 0,3 mm bis
0,7 mm größer als
der Innendurchmesser des Korpus-Oberteils ist, vorzugsweise 0,4
mm bis 0,6 mm, beispielsweise 0,5 mm.
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Wenn
die obenstehende bekannte Bassklarinette mit Böhm-Bohrung und deutscher Griffweise mit
einem deutschen Mundstück
(und einer entsprechenden Aufnahme dafür) gespielt wird, wird die
richtige Tonlage nicht mehr getroffen. Aufwendige Versuche der Anmelderin
haben zu der erfindungsgemäßen Bassklarinette
geführt,
die bei einer Griffmechanik nach deutscher Bauart sowohl mit einem
Mundstück
nach Böhm-Bauart
als auch mit einem Mundstück
nach deutscher Bauart gespielt werden kann, ohne dass sich die Tonlage
bzw. Tonhöhe
von der durch die Griff- bzw. Klappenmechanik vorgegebenen Tonskala
weg verschiebt, wie dies bei der bekannten Bassklarinette mit der
großen
Böhm-Bohrung
und der deutschen Griffweise der Fall ist, wenn diese mit einem
deutschen Mundstück
gespielt werden würde.
Trotzdem wird zumindest bei Verwendung eines Böhm-Mundstücks der kräftige und breite Klang einer
Böhm-Bassklarinette
annähernd
erreicht.
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Es
gelingt somit erstmals, eine Bassklarinette zu schaffen, die es
Spielern von Bassklarinetten deutscher Bauart ermöglicht,
unter Beibehaltung der erlernten Grifftechnik auf die aufgrund ihres
besseren Klangs weltweit verbreitete Böhm-Bassklarinette zu wechseln, ohne sich
sofort an das neue Böhm-Mundstück gewöhnen zu
müssen.
Die Option, die erfindungsgemäße Bassklarinette
später – nach einer Eingewöhnungsphase – mit Böhm-Mundstück zu spielen
und die damit verbundenen Kostenvorteile aufgrund der großen Auswahl
an derartigen Mundstücken
bleibt Ihnen jedoch erhalten. Umgekehrt können sich Spieler von Bassklarinetten
nach Böhm-Bauart
zunächst
an die deutsche Griffweise gewöhnen,
ohne sofort ihr gewohntes Böhm-Mundstück ersetzen
zu müssen.
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Vorteilhafte
Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
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Als
Adapter für
ein Mundstück
deutscher Bauart mit einem gegenüber
einem Böhm-Mundstück relativ
kleinen Außendurchmesser
am in die Mundstückaufnahme
einzuschiebenden Ende kann dabei ein O-Ring, beispielsweise aus
Gummi oder dgl. vorgesehen sein. Alternativ dazu könnte auch
ein Austausch-S-Bogen mit einer Mundstück-Aufnahme eines deutschen
Mundstücks
vorgesehen sein, um das deutsche Mundstück mit dem Holzkorpus zu verbinden.
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Besonders
vorteilhaft ist es jedoch, wenn der S-Bogen in zwei Stücke unterteilt
ist, nämlich
eine Mundstückaufnahme
und ein S-Bogen-Oberteil. Die Standard-Mundstück-Aufnahme kann dann zur Aufnahme
eines Böhm-Mundstücks vorgesehen
sein, wohingegen eine weitere Austausch-Mundstück-Aufnahme für ein deutsches
Mundstück
vorgesehen sein kann. Dabei kann die Mundstück-Aufnahme oder die Austausch-Mundstück-Aufnahme
in bzw. auf das S-Bogen-Oberteil
eingeschoben bzw. aufgezogen werden, so dass die Bassklarinette
leicht von Böhm-
auf deutsches Mundstück
umgebaut werden kann und umgekehrt. Be sonders vorteilhaft ist es
dabei, wenn die Gesamtlänge
des S-Bogens einstellbar ist, beispielsweise über Feststellmittel wie z.B.
eine Flügelschraube,
die nach dem Einschieben des Mundstücks bzw. Austausch-Mundstücks um die
gewünschte
Länge in
auf beiden Seiten von im Umfang des S-Bogen-Oberteils vorgesehenen
Längsschlitzes
angebrachten Halterungen eingeschraubt wird. Andere Feststellmittel,
wie beispielsweise Schlauchschellen oder dgl. wären aber ebenfalls denkbar. Durch
das Einstellen der Gesamtlänge
des S-Bogens kann die Bassklarinette klanglich noch auf das jeweilige
Mundstück
und die Eigenschaften des jeweiligen Klarinettisten fein abgestimmt
werden.
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Dabei
hat es sich gezeigt, dass für
eine auf die gewünschte
Tonskala abgestimmte Tonhöhe
der S-Bogen bei aufgestecktem deutschen Mundstück länger sein muss als bei aufgestecktem
Böhm-Mundstück. Bei
einstückigem
S-Bogen bzw. Austausch-S-Bogen ist der Austausch-S-Bogen daher vorteilhaft
kürzer
als der S-Bogen.
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Bei
zweistückigem
S-Bogen bzw. Austausch-S-Bogen kann ferner eine Markierung für eine Standardeinschublänge der
Mundstückaufnahme
für das
Böhm-Mundstück bzw.
eine Standardeinschublänge
für die
Austausch-Mundstück-Aufnahme für deutsche
Mundstück
vorgesehen sein, so dass auch ein unerfahrener Spieler bzw. ein
Anfänger
mit ungeübtem
Gehör die
Bassklarinette beim Umbau vom deutschen Mundstück auf das Böhm-Mundstück auf einen
ungefähr
passenden Standardwert einstellen kann.
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Dabei
versteht es sich von selbst, dass die vorstehend genannten und die
nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der angegebenen Kombination, sondern auch
in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind,
ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen.
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Nachfolgend
werden anhand schematischer Zeichnungen bevorzugte Ausführungsformen
der Erfindung näher
erläutert.
Es zeigen:
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1 eine
schematische Seitenansicht einer Bassklarinette gemäß einer
Ausführungsform
der Erfindung;
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2 einen
vergrößerten Abschnitt
der in 1 gezeigten Bassklarinette im Bereich des S-Bogens
in explodierter Ansicht; und
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3 die
in 2 gezeigte Ansicht mit deutschem Mundstück und Austausch-Mundstück-Aufnahme.
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Zunächst wird
Bezug genommen auf die 1. Darin ist mit 1 allgemein
die Bassklarinette bezeichnet, welche einen aus einem Oberteil 2 und
einem Unterteil 4 bestehenden Holzkorpus aufweist. Das
Oberteil 2 ist dabei in das Unterteil 4 eingeschraubt,
so dass der Korpus 2, 4, eine Holzröhre mit einer
durchgängigen
Bohrung ist. Der Holzkorpus weist dabei Umfangsbohrungen auf, die
von verschiedenen Klappen, welche Teil einer Klappenmechanik 3 sind,
verdeckt oder freigegeben werden können. Diese Umfangsbohrungen
und die zugehörige
Klappenmechanik ist dabei nach einem vorgegebenen System angeordnet,
nämlich
dem „deutschen" Griffsystem. Unterseitig
schließt
an den Holzkorpus ein Blech-Schallstück 6, 7,
an, welches aus einem Schallstück-Bogen 6 und
einem darauf aufgesetzten Becher 7 besteht.
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Oberseitig
schließt
ein S-Bogen 8, 9, an den Holzkorpus an, welcher
von einem S-Bogen-Oberteil 8 und einer Mundstück-Aufnahme 9 gebildet
wird. In der Mundstück-Aufnahme 9 ist
dabei ein Mundstück 11 aufgenommen,
wobei das in der 1 gezeigte Mundstück 11 ein
Mundstück
nach Böhm-Bauart
ist und die Mundstück-Aufnahme 9 auf
dessen genormte Maße
abgestimmt ist.
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Der
mundstücknahe
Abschnitt im Bereich des S-Bogens der Bassklarinette 1 ist
in 2 im Einzelnen gezeigt. Wie zu erkennen ist, besteht
der S-Bogen 8, 9, aus dem S-Bogen-Oberteil 8,
welches über
einen Einsteck-Abschnitt 15 am Oberende in das Oberteil 2 des
Holzkorpus 2, 4, eingesteckt werden kann, sowie
einem Mundstück-Aufnahmeteil 9, welches
einenends in das S-Bogen-Oberteil 8 eingeschoben werden
kann und in das wiederum anderenends das Mundstück 11 über seinen
Einsteckabschnitt 12 genormten Außenumfangs eingesteckt werden
kann.
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Dabei
weist der Holzkorpus 2, 4, zumindest im Bereich
seines Oberteils 2 einen Innendurchmesser d von 21,5 mm
auf, welcher im Bereich des Einsteckabschnitts 15 des S-Bogen-Oberteils 8 so
aufgeweitet ist, dass das S-Bogen-Oberteil 8 ein steckbar
ist. Demgegenüber
weist der S-Bogen jedoch einen Innendurchmesser D auf, welcher um
0,5 mm größer ist
als der Innendurchmesser d des Holzkorpus. Der Innendurchmesser
im Unterteil 4 des Holzkorpus 2, 4, kann
sich dabei am Unterende konisch aufweiten, wie dies von einigen
Instrumentenbauern zur Abstimmung des jeweiligen Instruments auf
den einzelnen Spieler vorgenommen wird. Der Innendurchmesser D des
S-Bogens 8, 9, ist somit jedoch geringfügig größer als
der Innendurchmesser d des Holzkorpus und über den Verlauf des S-Bogens
weitgehend konstant, bis sich der S-Bogen mit einem Innenkonus 13 zum
Mundstück 11 hin
aufweitet, welches wiederum den Innendurchmesser D' von 23 mm eines
Böhm-Mundstücks aufweist.
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Dass
das S-Bogen-Oberteil 8 bildende, gekrümmte Rohr ist dabei an seinem
der Mundstück-Aufnahme 9 zugewandten
Ende etwas aufgeweitet und setzt sich dann noch in einem Einsteck-Bereich
für die
Mundstück-Aufnahme 9 mit
aufgeweitetem Durchmesser fort. Die Mundstück-Aufnahme 9 wird
dagegen von einem denselben Innendurchmesser D aufweisenden, gekrümmten Rohr
gebildet, auf welches an seinem dem Mundstück zugewandten Ende ein Kunststoff-Aufnahmestück 14 aufgezogen
ist, in welches das Mundstück 11 mit
seinem Einsteck-Abschnitt 12 eingesteckt werden kann. An dem
S-Bogen-Oberteil 8 zugewandten Ende weist das Rohr 9 einen
ungekrümmt
verlaufenden Einsteckbereich konstanten Innen- und Außendurchmessers auf, mit dem
es in das S-Bogen-Oberteil 8 eingeschoben werden kann.
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In
der im S-Bogen-Oberteil 8 aufgenommenen Stellung kann das
Mundstück-Aufnahmeteil 9 über geeignete
Befestigungsmittel, hier im Beispiel über Ueine nicht gezeigte Flügelschraube
fixiert werden, für
die Halterungen am S-Bogen-Oberteil 8 auf beiden
Seiten eines Längsschlitzes
angelötet
sind, von denen eine in der Figur mit 14 bezeichnet ist.
Dabei ist das in 2 dargestellte Mundstück-Aufnahmeteil 9 vollständig in
das S-Bogen-Oberteil 8 eingeschoben, d.h. über die
ganze zur Verfügung
stehende Einschublänge
L.
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Anders
ist das bei dem in 3 dargestellten Austausch-Mundstück-Aufnahmeteil 19,
welches nur mit einer Einschublänge
L' in das S-Bogen-Oberteil 8 eingeschoben
ist, und in dieser Stellung über
das Feststellmittel 14 fixiert ist. Man erkennt, dass über die
Einschublänge
L bzw. L' das Volumen
des S-Bogens verändert
werden kann. Damit lässt
sich die Bassklarinette 1 klanglich auf den jeweiligen
Klarinettisten bzw. das verwendete Mundstück 11 bzw. 21 fein
einstellen. Denn im Gegensatz zu dem in 2 gezeigten
Böhm-Mundstück 11 wird
in 3 ein Mundstück 21 nach
klassischer deutscher Bauart eingesetzt, welches gegenüber dem
Böhm-Mundstück 11 nicht
nur einen kleineren Innendurchmesser D von 22 mm aufweist, sondern
auch einen im Bereich seines Einsteckabschnitts 22 entsprechend kleineren
Außendurchmesser,
so dass die Austausch-Mundstück-Aufnahme 19 eine
entsprechend kleinere Aufnahme-Öffnung 24 für das Mundstück 21 aufweist
als die Mundstück-Aufnahme 9.
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Insgesamt
gelingt es somit, eine Bassklarinette mit deutscher Griffweise zu
schaffen, welche sowohl mit Böhm-Mundstück als auch
mit deutschem Mundstück
gespielt werden kann, ohne verstimmt zu klingen, d.h. ohne dass
alle oder einzelne Töne
nicht auf der vorgegebenen Tonhöhe
liegen.
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Selbstverständlich sind
dabei Abweichungen von der gezeigten Ausführungsform möglich, ohne den
Grundgedanken der Erfindung zu verlassen.