DE102005032033A1 - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem - Google Patents
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Abstract
Ein Gassack (26) eines Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystems ist gefaltet in einer Rückenlehne (14) eines Fahrzeugsitzes (12) angeordnet. Die Entfaltungsrichtung (R) des Gassacks (26) ist zu einer in einem Übergang von einer Vorderseite (20) der Rückenlehne (14) zu einer Seitenwange (15) der Rückenlehne (14) angeordneten Stützfläche (21) gerichtet.
Description
- Die Erfindung betrifft ein Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem mit einem Fahrzeugsitz.
- Bei einem Seitenaufprall soll ein Fahrzeuginsasse vor Kontakt mit dem Seitenbereich des Fahrzeugs, also z.B. einer Seitenwand, einer Tür oder einer Fahrzeugsäule bewahrt werden. Zu diesem Zweck sind Seitengassäcke vorgesehen, die unter anderem im Fahrzeugsitz selbst, z.B. in dessen Rückenlehne, aufgenommen sein können. Konventionell liegt der entfaltete Seitengassack möglichst in unmittelbarer Nähe zum Seitenbereich des Fahrzeugs, um den Torso und gegebenenfalls auch das Becken des Fahrzeuginsassen weich und gezielt aufzufangen, wenn sich der Insasse zum Seitenbereich bewegt. Nach der Aktivierung des Gassackmoduls können (z.B. bei der EuroNCAP Testkonfiguration) etwa 15-20 ms vergehen, bis der Fahrzeuginsasse auf den Seitengassack auftrifft und die eigentliche Rückhaltung beginnt.
- Aufgabe der Erfindung ist es, ein herkömmliches Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem zu verbessern. Statt den Fahrzeuginsassen erst direkt am Seitenbereich aufzufangen, wird erfindungsgemäß angestrebt, bereits die Eigenbewegung des Insassen in Richtung zum Seitenbereich nach Möglichkeit zu unterbinden.
- Hierzu ist ein Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem mit einem Fahrzeugsitz vorgesehen, der eine Rückenlehne hat, die seitlich von wenigstens einer Seitenwange begrenzt wird, und eine in einem Übergang von einer Vorderseite der Rückenlehne zur Seitenwange angeordnete Stützfläche und mit einem Gassackmodul mit einem ersten Gassack, der gefaltet in der Rückenlehne angeordnet ist und dessen Entfaltungsrichtung zur Stützfläche gerichtet ist. Die Vorderseite bezeichnet hierbei die Seite der Rückenlehne des Fahrzeugsitzes, an die sich der Fahrzeuginsasse anlehnt, also die zur Sitzfläche gewandte Seite. Der Gassack entfaltet sich demnach nicht wie herkömmlich vom Fahrzeugsitz weg und möglichst nah des Seitenbereichs des Fahrzeugs, sondern gezielt auf den Insassen zu gerichtet. Der Fahrzeuginsasse wird durch den Gassack in Richtung Fahrzeuginnenraum und damit vom sich verformenden Seitenbereich, wie etwa der Türverkleidung oder der B-Säule, wegbewegt.
- Aufgrund der gewählten Entfaltungsrichtung sowie der geringen Distanz zwischen dem Insassen und dem gefalteten ersten Gassack kommt der Fahrzeuginsasse im Bereich des Torsos und eventuell auch des Beckens praktisch sofort nach der Aktivierung des Gassackmoduls in Kontakt mit dem sich aufblasenden Gassack. Die Rückhaltung beginnt also viel früher als bei einem herkömmlichen Rückhaltesystem.
- Zwischen dem aufgeblasenen ersten Gassack und dem Insassen wird im wesentlichen keine Relativgeschwindigkeit aufgebaut. Somit ist auch die Relativgeschwindigkeit zwischen dem Fahrzeuginsassen und dem Seitenbereich des Fahrzeugs stets geringer als bei einem herkömmlichen Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem.
- Auch bei Fahrzeugsitzen mit ausgeprägten Sitzseitenwangen, z.B. Sportsitzen, bei denen aufgrund der vorstehenden Seitenwange die Stützfläche zwischen einem herkömmlichen Seitengassack und dem Fahrzeuginsassen gerade im unteren Bereich des Torsos sehr gering ist, entsteht ein sehr guter Kontakt zwischen Fahrzeuginsasse und Gassack, da sich der Gassack innerhalb der Seitenwange zwischen Stützfläche und Fahrzeuginsasse entfaltet.
- Vorzugsweise ist die Entfaltungsrichtung schräg zu einer Längsrichtung des Fahrzeugs vom Seitenbereich des Fahrzeugs weg gerichtet.
- In der Rückenlehne ist bevorzugt ein sich in einer Längsrichtung der Rückenlehne erstreckender Rahmen vorgesehen, und der erste Gassack ist an einer zur Stützfläche der Rückenlehne weisenden Innenseite des Rahmens angeordnet. Durch diese Konstruktion kann sich der erste Gassack bei seiner Entfaltung und bei Kontakt mit dem Fahrzeuginsassen am formstabilen Rahmen der Rückenlehne abstützen und so Kraft übertragen und aufnehmen.
- Bevorzugt ist ein zweiter Gassack vorgesehen, der gefaltet in der Rückenlehne des Fahrzeugsitzes angeordnet ist und der sich zwischen dem Fahrzeuginsassen und einem Seitenbereich des Fahrzeugs entfaltet. Dieser zweite Gassack liegt entfaltet vorzugsweise nahe des Seitenbereichs und übernimmt die Funktion des herkömmlichen Seitengassacks, den Fahrzeuginsassen vor Kontakt mit eventuell eindringenden Teilen des Seitenbereichs des Fahrzeugs zu bewahren.
- Es ist jedoch auch möglich, den ersten Gassack so auszubilden, z.B. mit einer zweiten aufblasbaren Kammer, daß er auch die Funktion des zweiten Gassacks übernehmen kann.
- Der zweite Gassack ist vorteilhaft an einer der Innenseite gegenüberliegenden Außenseite des Rahmens angeordnet. Auf diese Weise kann er sich schnell und ungehindert zwischen dem Seitenbereich des Fahrzeugs und dem Fahrzeugsitz bzw. dem Fahrzeuginsassen entfalten.
- Der erste und der zweite Gassack lassen sich gefaltet nebeneinander und parallel zueinander in der Rückenlehne aufnehmen. Entfaltet können sich ebenfalls beide Gassäcke parallel zueinander und nebeneinander erstrecken und sich aneinander abstützen.
- Vorzugsweise wird der erste Gassack gleichzeitig mit dem zweiten Gassack aufgeblasen, so daß sie zusammenwirken können.
- Zum Befüllen der Gassäcke kann ein einziger Gasgenerator vorgesehen sein, es können aber auch mehrere Gasgeneratoren verwendet werden.
- Der erste Gassack ist vorteilhaft so angeordnet, daß er im aufgeblasenen Zustand unterhalb eines Sitzbezugs liegt, da dann keine Reißnaht oder ähnliches im Sitzbezug vorgesehen sein muß. Das Volumen des Gassacks kann, verglichen mit dem eines herkömmlichen Seitengassacks oder auch verglichen mit dem des zweiten Gassacks, gering ausfallen. Daher ist es möglich, ihn sich unterhalb des Sitzbezugs aufblasen zu lassen, wobei die Elastizität des Sitzbezuges ausreichend ist, um die notwendige Volumenvergrößerung des Gassacks zu erlauben.
- In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung erstreckt sich der erste Gassack im aufgeblasenen Zustand über die gesamte Höhe der Rückenlehne. Mit dieser Form und Größe kann gezielt eine Bewegung, vorzugsweise eine Verkippung des Fahrzeuginsassen in Richtung des Fahrzeuginnenraums vom Seitenbereich des Fahrzeugs weg erzielt werden.
- Im folgenden wird die Erfindung näher anhand der beigefügten Zeichnung erläutert. In der einzigen Figur ist ein Schnitt durch ein erfindungsgemäßes Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem gezeigt.
- Das Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem
10 weist einen Fahrzeugsitz12 mit einer nicht dargestellten Sitzfläche und einer Rückenlehne14 auf. Die Rückenlehne14 wird seitlich jeweils von einer Seitenwange15 begrenzt. Die Rückenlehne14 besitzt einen starren, formstabilen Rahmen16 , der sich in Längsrichtung der Rückenlehne14 erstreckt. In der Figur ist der Rahmen16 nur in den beiden Seitenwangen15 dargestellt, es können aber natürlich in der gesamten Rückenlehne14 und dem gesamten Fahrzeugsitz12 Abschnitte des Rahmens16 vorgesehen sein. Der Rahmen16 ist von einem Polster18 umgeben, das mit einem Sitzbezug19 überzogen ist. Der Fahrzeugsitz12 ist auf bekannte An im Fahrzeug neben einem Seitenbereich24 , z.B. einer Seitenwand, einer Türverkleidung oder einer B-Säule befestigt. - Eine Vorderseite
20 der Rückenlehne14 ist einem Fahrzeuginsassen22 zugewandt. Im Übergang von der Vorderseite20 zu der dem Seitenbereich24 des Fahrzeugs zugewandten Seitenwange15 ist eine Stützfläche21 ausgebildet, die sich in unmittelbarer Nähe oder zumindest teilweise sogar in Kontakt mit dem Fahrzeuginsassen22 befindet. - In der zum Seitenbereich
24 weisenden Seitenwange15 der Rückenlehne14 ist ein Gassackmodul aufgenommen. Dieses umfaßt einen ersten Gassack26 , der gefaltet an einer zur Stützfläche21 weisenden Innenseite27 des Rahmens16 angeordnet ist. Außerdem ist ein in diesem Beispiel baulich vom ersten Gassack26 getrennter zweiter Gassack28 vorgesehen, der an der gegenüberliegenden Außenseite29 des Rahmens16 , also an der nach außen weisenden Seite des Rahmens16 , die zum Seitenbereich24 des Fahrzeugs zeigt, befestigt ist. Ein Gasgenerator30 ist ebenfalls an der Außenseite29 des Rahmens16 befestigt und versorgt beide Gassäcke26 ,28 mit Füllgas, wenn das Gassackmodul aktiviert wird. - Der erste Gassack
26 hat entfaltet im gezeigten Beispiel eine zylindrische Gestalt und erstreckt sich über die gesamte Höhe der Rückenlehne14 . Er ist so angeordnet und ausgerichtet, daß er sich zur Stützfläche21 der Rückenlehne14 hin in der Entfaltungsrichtung R entfaltet. Der erste Gassack26 bläst sich unterhalb des Sitzbezuges19 auf, ohne diesen zu zerreißen. Entfaltet stützt sich der erste Gassack26 am Rahmen16 ab. - Gleichzeitig mit der Entfaltung des ersten Gassacks
26 wird bei einer Aktivierung des Gassackmoduls auch der zweite Gassack28 befüllt. Dieser tritt z.B. durch eine vorgesehene Reißlinie aus der Rückenlehne14 bzw. einer zum Seitenbereich weisenden Seitenfläche der Seitenwange15 aus und erstreckt sich, wie von einem herkömmlichen Seitengassack bekannt, zwischen dem Seitenbereich24 und dem Fahrzeugsitz12 . Der zweite Gassack28 entfaltet sich hauptsächlich in Längsrichtung L. Das Volumen des zweiten Gassacks28 ist deutlich größer als das des ersten Gassacks26 . - Der Zweck des ersten Gassacks
26 ist es, eine in den Fahrzeuginnenraum hineingerichtete Kraft F auf den Fahrzeuginsassen22 auszuüben. Hierzu wirkt der erste Gassack26 bevorzugt im rückwärtigen Schulterbereich des Fahrzeuginsas sen22 auf dessen Torso ein. Die Entfaltungsrichtung R sowie die Kraft F sind entlang einer durch den Schwerpunkt des Fahrzeuginsassen22 gehenden, gedachten Linie A ausgerichtet. Die Entfaltungsrichtung R weist schräg zu einer Längsrichtung L des Fahrzeugs in den Fahrzeuginnenraum hinein. Der Winkel α zwischen der Entfaltungsrichtung R und der Längsrichtung L beträgt im gezeigten Beispiel knapp 60°. - Auf diese Weise wird der Oberkörper des Fahrzeuginsassen
22 sanft um seinen Schwerpunkt in Richtung Fahrzeuginnenraum gekippt, wobei eine Verdrehung vermieden werden kann. Der Fahrzeuginsasse22 wird so bereits unmittelbar nach einer Sensierung eines Seitenaufpralls, die durch einen nicht gezeigten, bekannten Mechanismus erfolgt, vom Seitenbereich24 wegbewegt. - Da sich der erste Gassack
26 unmitelbar in der Nähe des Fahrzeuginsassen22 befindet und sich zu diesem hin gerichtet entfaltet, entsteht praktisch sofort nach der Aktivierung des Gassackmoduls ein Kontakt zwischen dem ersten Gassack26 und dem Fahrzeuginsassen22 . Daher wird auch eine nachfolgende Relativbewegung zwischen Fahrzeuginsassen22 und Seitenbereich24 gebremst. Der Fahrzeuginsasse22 schlägt also nicht mit einer hohen Relativgeschwindigkeit in den zweiten Gassack28 ein, sondern trifft, verzögert durch den ersten Gassack26 , nur mit moderater Geschwindigkeit auf den zweiten Gassack28 . Hierdurch wird das Auffangen deutlich sanfter. - Es ist auch möglich, einen einzelnen Gassack, z.B. mit zwei aufblasbaren Kammern, vorzusehen. Es kann ein separater Gasgenerator für jeden der beiden Gassäcke
26 ,28 vorgesehen sein. Jeder Gasgenerator kann natürlich auch mehrstufig ausgebildet sein. Der Gasgenerator30 läßt sich auch auf der Innenseite des Rahmens16 planieren. Jeder der Gassäcke26 ,28 ist direkt oder über bekannte, nicht gezeigte Gasverteiler mit dem Gasgenerator30 verbindbar. - Um die Abstützung des ersten Gassacks
26 zu verbessern, kann ein Teil des Rahmens16 zu einer Stützfläche aufgebogen sein (nicht gezeigt), indem ein ausgestanzter Bereich des Rahmens16 nach hinten gebogen ist.
Claims (10)
- Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem mit einem Fahrzeugsitz (
12 ), dessen Rückenlehne (14 ) seitlich von wenigstens einer Seitenwange (15 ) begrenzt wird, wobei der Übergang von einer Vorderseite (20 ) der Rückenlehne (14 ) zur Seitenwange (15 ) eine Stützfläche (21 ) für einen Fahrzeuginsassen (22 ) bildet, und mit einem Gassackmodul, dessen Gassack (26 ) gefaltet in der Rückenlehne (14 ) des Fahrzeugsitzes (12 ) angeordnet und dessen Entfaltungsrichtung (R) zur Stützfläche (21 ) gerichtet ist. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Entfaltungsrichtung (R) schräg zu einer Längsrichtung (L) des Fahrzeugs von einem Seitenbereich (
24 ) des Fahrzeugs weg gerichtet ist. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß in der Rückenlehne (
14 ) ein sich in einer Längsrichtung der Rückenlehne (14 ) erstreckender Rahmen (16 ) vorgesehen ist und der Gassack (26 ) an einer zur Stützfläche (21 ) der Rückenlehne (14 ) weisenden Innenseite (27 ) des Rahmens (16 ) angeordnet ist. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Gassack (
26 ) im aufgeblasenen Zustand unterhalb eines Sitzbezugs (19 ) angeordnet ist. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sich der Gassack (
26 ) im aufgeblasenen Zustand über die gesamte Höhe der Rückenlehne (14 ) erstreckt. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein weiterer Gassack (
28 ) gefaltet in der Rückenlehne (14 ) des Fahrzeugsitzes (12 ) angeordnet ist und sich zwischen einem Fahrzeuginsassen (22 ) und einem Seitenbereich (24 ) des Fahrzeugs entfaltet. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der weitere Gassack (
28 ) an einer der Innenseite gegenüberliegenden Außenseite (29 ) des Rahmens (16 ) angeordnet ist. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der Ansprüche 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, daß beide Gassäcke (
26 ,28 ) gefaltet nebeneinander und parallel zueinander in der Rückenlehne (14 ) aufgenommen sind. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß beide Gassäcke (
26 ,28 ) aufgeblasen werden. - Fahrzeuginsassen-Rückhaltesystem nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß beide Gassäcke (
26 ,28 ) durch einen einzigen Gasgenerator (30 ) aufgeblasen werden.
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Publications (1)
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