DE102004059991B4 - Irritationskörper - Google Patents
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Abstract
Description
- Die Erfindung bezieht sich auf einen Irritationskörper zum Erzeugen einer Irritation beziehungsweise einer Schockwirkung auf eine Person.
- Irritationskörper werden unter anderem bei Geiselnahmen oder Flugzeugentführungen eingesetzt, um Straftäter zu überwältigen. Der Irritationskörper ähnelt meist der Form einer Handgranate mit einem vorzugsweise zylinderförmigen Behälter, der zumindest einen und bevorzugt mehrere parallel zur Längsachse verlaufende und den Behälter in seiner ganzen Länge durchsetzende Kammern oder Abteile, zum Beispiel Bohrungen, aufweist, in denen Wirk- beziehungsweise Effektladungen wie Knall- oder Blitzladungen vorhanden sind. Eine manuell betätigbare Zündeinrichtung, üblicherweise ein Kipphebelzünder, zündet eine pyrotechnische Verzögerungsladung, die ihrerseits über Überzündkanäle die einzelnen Effektladungen anzündet. Diese erzeugen einen Schockeffekt, z. B einen sehr lauten Knall, einen Blitz mit Blendwirkung oder derglrichen, wodurch bei der jeweiligen Person ein Irritations- beziehungsweise Schockeffekt erzielt und deren Festnahme erleichtert wird.
- Aus der WO 94/08200 A1 ist ein Irritationskörper der in Rede stehenden Art bekannt, bei dem insgesamt sechs Abteile in Längsrichtung um die Mittelachse des Irritationskörpers herum angeordnet sind, die den Irritationskörper in seiner gesamten Länge durchsetzen und an der oberen und unteren Seite durch Stopfen verschlossen sind, zwischen denen die jeweilige Effektladung gelegen ist. Nach dem Zünden der Effektladungen werden durch den steigenden Innendruck in den Abteilen schließlich die Stopfen fort geschleudert, wonach die Verbrennungsgase aus den jetzt offenen Ausblasöffnungen nach oben und nach unten aus dem Behälter austreten. Hierbei sollten sich die auf den Irritationskörper in entgegen gesetzten Richtungen wirkenden Rückstöße kompensieren. Es hat sich jedoch gezeigt, dass trotzdem nach dem Zünden einer Effektladung n der Irritationskörper noch um einige Meter versetzt werden kann. Durch einen solchen unkontrollierten Versatz des Irritationskörpers besteht eine Verletzungsgefahr für etwaige sich in der Nähe befindliche Personen, insbesondere, aber nicht nur, bei Irritationskörpern mit mehreren zeitlich versetzten Effekten.
- Die
US 4 291 629 A betrifft ein Rauch erzeugendes Projektil, das aus einer Abschussvorrichtung abgeschossen wird, wobei während des Fluges des Projektils aus dem hammerartigen Kopf Rauchladungen ausgestoßen werden, die Rauchgase erzeugen, um ein Objekt, zum Beispiel einen Panzer oder dergleichen, zu schützen. Die Rauchladungen werden rückstoßneutral ausgestoßen, um eine kontrollierte Flugbahn des Projekt - Die
DE 4033476 C2 betrifft ein Ausstoßmodul für einen Submunitionsbehälter, zum Beispiel für so genannte Streubomben, die gleichmäßig über eine große Streufläche verteilt werden. - Die
DE 200 13 379 U1 , betrifft einen Feuerwerkskörper mit mehreren Einzelknallkörpern, die jeweils eine Ummantelung aufweisen. Bei diesem Feuerwerkskörper soll verhindert werden, dass die einzelnen Feuerwerkskörper beim Abrennen des Feuerwerks auseinander gerissen werden und das Feuerwerk nicht vollständig abbrennt. Als Lösung wird vorgeschlagen, die einzelnen Knallkörper zu einem Paket zu formieren und zum Beispiel durch umlaufende Klebebänder zu stabilisieren. Auch in dieser Schrift ist das bei der Erfindung angesprochene Problem überhaupt nicht relevant. - Die
DE 199 44 486 C2 , betrifft einen Irritationskörper der hier in Rede stehenden Art, in der ein anderes Problem angesprochen wird, nämlich die mögliche Verletzungsgefahr bei unsachgemäßer Handhabung des Irritationskörpers. Bei diesem Irritationskörper sind alle Abteile an der oberen Seite des Behälters geschlossen; Ausblasöffnungen sind nur an der Unterseite des Irritationskörpers vorhanden, wobei dann, wenn der Irritationskörper auf seiner Unterseite zu stehen kommt, Ausgleichsöffnungen vorgesehen sind, um ein Fortschleudern des Irritationskörpers zu verhindern. - Die
DE 102 59 913 A1 , betrifft einen vorzugsweise kugel- oder zylinderförmigen Irritationskörper, der pyrotechnische Treibladungen aufweist, deren Ausblasöffnungen in unterschiedlichen Richtungen im Wesentlichen tangential ausgerichtet sind. Dieser Irritationskörper soll, sobald er auf dem Boden auftrifft, ruckartige Bewegungen in unterschiedlichen Richtungen ausführen, um zum Beispiel eine Menschenmenge aufzulösen. - Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, nach dem Zünden der einzelnen Effektladungen einen Versatz des Irritationskörpers zu vermeiden, sodass dieser nach dem Auftreffen auf dem Boden im Wesentlichen an seiner Stelle bleibt und somit durch etwaige Bewegungen keine umstehenden Personen verletzen kann.
- Diese Aufgabe ist gemäß der Erfindung durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst.
- Es hat sich herausgestellt, dass der Versatz des Irritationskörpers nach dem Zünden einer Effektladung im Wesentlichen dadurch bedingt ist, dass Teile des Kipphebelzünders in den Strahl der Verbrennungsgase der Effektladungen ragen und den durch die Verbrennungsgase verursachten Rückstoß auf den Irritationskörper modifizieren.
- Dieses lässt sich gemäß der Erfindung auf einfache Weise dadurch vermeiden, dass der Querschnitt der Ausblasöffnungen der Abteile auf der der Zündeinrichtung gegenüberliegenden Bodenseite kleiner ist als der Querschnitt der Ausblasöffnungen auf der Seite der Zündeinrichtung. Das Verhältnis der Querschnitte wird so gewählt, dass beim Abbrennen der Effektladungen auftretende Rückstoßkräfte auf den Irritationskörper auf beiden gegenüberliegenden Seiten im Wesentlichen gleich sind, d. h. die Ausblasöffnungen der beiden Seiten der Abteile rückstoßneutral ausgebildet sind.
- Vorzugsweise sind die Abteile des Irritationskörpers zur Aufnahme der Effektladungen gestufte Bohrungen, wobei die Stufe am Boden des Irritationskörpers vorgesehen ist und dort den Querschnitt der Bohrung reduziert.
- Das Verhältnis der Querschnitte der Ausblasöffnungen auf gegenüberliegenden Seiten des Irritationskörpers muss nicht bei allen Abteilen gleich sein, da durch die Zündeinrichtung die Strahle der Verbrennungsgase aus unterschiedlichen Abteilen durch die Zündeinrichtung unterschiedlich beeinflusst werden können. Um eine im Wesentlichen vollständige Kompensation der Rückstoßkräfte in diesem Falle zu erreichen, muss sichergestellt sein, dass die Zündeinrichtung gegenüber dem Behälter des Irritationskörpers stets in der gleichen Winkellage montiert wird.
- Weitere Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen hervor.
- Die Erfindung ist in einem Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung näher erläutert. In dieser stellen dar:
-
1 eine perspektivische Ansicht eines Irritationskörpers gemäß der Erfindung im Maßstab von etwa 1:1; -
2 einen Längsschnitt durch den Irritationskörper gemäß1 . - Ein Irritationskörper
1 weist einen zylinderförmigen Behälter2 zur Aufnahme von mehreren Effektladungen3 und einen an der in1 oberen Stirnseite des Behälters2 angeordneten Kipphebelzünder4 auf. - Der Kipphebelzünder
4 ist mit einem sich annähernd über die gesamte Länge des Behälters2 erstreckenden Handgriff5 versehen, der um eine oberhalb der Stirnseite des Behälters2 gelegene horizontale Achse6 mit Hilfe einer stark vorgespannten Feder7 in2 gesehen nach oben sehr schnell verschwenkt werden kann. Der Handgriff5 ist üblicherweise mit einem nicht gezeigten Sicherungssplint gesichert und in der in2 gezeigten Ruhelage gehalten. Soll der Irritationskörper eingesetzt werden, so wird der Sicherungssplint entfernt, wobei jedoch der Handgriff durch die jeweilige Person in der Ruhelage festgehalten wird. - Der Kipphebelzünder weist einen Schlagbolzen
8 auf, der bei Loslassen des Handgriffes5 durch die Feder7 mitgenommen wird und schließlich auf ein zentral gelegenes Anzündhütchen9 trifft und dessen Anzündladung zündet. - Von dem Anzündhütchen
9 geht eine zentrale, in der Mittellängsachse verlaufende Sackbohrung10 aus, in der ein Verzögerungssatz11 aufgenommen ist und die etwa im Bereich des Bodens des Behälters2 endet. - Um die zentrale Bohrung
10 sind parallel hierzu Abteile bzw. Kammern12 angeordnet, in denen die erwähnten Effektladungen3 aufgenommen sind. Die Kammern12 sind jeweils über die gesamte Länge des Behälters2 laufende gestufte Bohrungen mit jeweils einer Stufe13 in dessen Bodenbereich, die den Querschnitt der Kammer verengt. - An den gegenüberliegenden Stirnseiten des Behälters
2 ist jede Kammer12 z. B. durch einen Stopfen14 oder dergleichen verschlossen. - Von der zentralen Kammer
10 führen Überzündkanäle16 zu den einzelnen Kammern12 , wobei diese Überzündkanäle von außen gebohrt sind und die äußeren Öffnungen nachträglich wieder verschlossen werden, z. B. durch einen Überzug18 an der Mantelfläche des Körpers. - Die Funktion des Irritationskörpers ist wie folgt:
Nach Lösen des erwähnten Sicherheitssplintes für den Handgriff5 und Halten des Irritationskörpers1 in der Hand bei gleichzeitigem Festhalten des Handgriffes5 wird der Irritationskörper1 in Richtung auf eine zu irritierende Person geworfen. Beim Loslassen des Irritationskörpers schlägt der Schlagbolzen8 auf das Anzündhütchen9 und zündet dessen Anzündladung, die ihrerseits den Verzögerungssatz11 in der zentralen Kammer10 anzündet. Der Verzögerungssatz11 brennt mit vorgegebener Geschwindigkeit ab; sobald die Abbrandfront einen Überzündkanal16 für eine Kammer12 erreicht, wird die darin enthaltene Effektladung3 gezündet. Durch die Lage der Überzündkanäle16 in Richtung der Mittelachse des Irritationskörpers lassen sich verschiedene Effekte erzeugen: So können zum Beispiel die Effektladungen in allen Kammern gleichzeitig oder aber nacheinander gezündet werden, wobei Zwischenlösungen möglich sind. - Durch die Ausbildung der einzelnen Kammern
12 als gestufte Bohrungen mit einem Durchmesser D und einem durch die Stufe13 verringerten Durchmesser d haben die Kammern12 an der dem Kipphebelzünder4 zugewandten Seite entsprechend eine Ausblasöffnung21 mit dem Durchmesser D und an der Bodenseite eine Ausblasöffnung22 mit dem Durchmesser d. Die beiden Durchmesser d und D werden nun so aufeinander abgestimmt, dass der durch die ausströmenden Verbrennungsgase der Effektladungen3 erzeugte Impuls beziehungsweise Rückstoß auf den Irritationskörper für jede Kammer12 in beiden Richtungen gleich groß ist. Nach dem Auswerfen der Stopfen14 durch den Innendruck in den Kammern12 beim Abbrennen der Effektladungen3 wirken dann in beiden Richtungen gleich große Impulse bzw. Rückstoßkräfte auf den Irritationskörper, sodass dieser an seinem Platz verbleibt und nicht versetzt wird. - Es ist selbstverständlich, dass der Durchmesser bzw. allgemein der Querschnitt der Ausblasöffnungen
21 ,22 unterschiedlicher Kammern12 auch unterschiedlich dimensioniert werden kann, um die jeweiligen durch den Kipphebelzünder ausgelösten Störungen individuell zu kompensieren.
Claims (5)
- Irritationskörper zum Ausüben eines Irritations- beziehungsweise Schockeffektes auf eine Person, mit einem Behälter, der zumindest ein den Behälter durchsetzendes Abteil aufweist, in dem eine Effektladung aufgenommen ist und das auf gegenüberliegenden Seiten des Behälters in jeweils einer Ausblasöffnung endet und mit einem Verschluss abgeschlossen ist, und mit einer auf einer der gegenüberliegenden Seiten des Behälters angeordneten, manuell betätigbaren Zündeinrichtung, vorzugsweise einem Kipphebelzünder zum Zünden der Effektladungen, dadurch gekennzeichnet, dass die Querschnitte der Ausblasöffnungen (
21 ,22 ) der Abteile (12 ) auf der der Zündeinrichtung (4 ) gegenüberliegenden Seite kleiner als die Querschnitte der Ausblasöffnungen (21 ) auf der Seite der Zündeinrichtung (4 ), und dass die Ausblasöffnungen (21 ,22 ) der beiden Seiten der Abteile (12 ) rückstoßneutral ausgebildet sind. - Irritationskörper nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Abteile (
12 ) für die Effektladungen (3 ) gestufte Bohrungen mit einer den Querschnitt jeder Bohrung reduzierenden Stufe (13 ) an der der Zündeinrichtung (4 ) gegenüberliegenden Seite sind und dort eine Ausblasöffnung (22 ) mit reduziertem Querschnitt bilden. - Irritationskörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Behälter (
2 ) im Wesentlichen zylinderförmig ist und die Abteile (11 ) parallel zur Mittelachse des Behälters (2 ) gelegen sind. - Irritationskörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Behälter eine zentrale Kammer (
10 ) aufweist, in dem ein durch die Zündeinrichtung (4 ) anzündbarer Verzögerungssatz (11 ) aufgenommen ist, und dass von der zentralen Kammer (10 ) zu den Abteilen (12 ) für die einzelnen Effektladungen (3 ) Überströmkanäle (16 ) vorgesehen sind. - Irritationskörper nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Zündeinrichtung ein Kipphebelzünder (
4 ) ist.
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